Full text : Dudweiler Zeitung

»ei den Sozialdenokraten, — Abg. v. Ditfurth (tf
erklärt die Zustimmung der konservativen Partei zu den
Beschlüssen der Kommission, hält aber auch eine Einschrän—
ung der Rededauer, nicht der Redefreiheit, für wünschenus—
vert. Es handelt sich hier nicht um ein Ausnahmegesetz
jegen politische Parteien, sondern um Bestimmungen ge—
jen Ruhestörer jeder Partei. — Abg. Roereu (IZtr.)
egründet einen Antrag, die Beschlüsse der Kommission da—
iin zu ändern, daß der Präsident nur das Recht hat, ei—
tien Abgeordneten für den Rest der Sitzung auszuschlie—
zen und entfernen zu lassen, ihn aber nicht für sechs bis
cht Sitzungen auszuweisen. Redner tritt der Auffassung
utgegen, als seien die Voeschläge der Kommifsion ein
Lerstoß gegen die Verfassung. Die Regelung der Ge—
chafesordnung ist eine Frage der Nützlschkeit und die
dinge haben sich leider so entwickelt, daß die Verschärf—
ing dringend geboten ist. — Abg. Boisty inatl.): Wir
ind überzeugt, daß die Sozialdemokraten sich durch ihre
ednerischen Ausschreitungen nur selbst geschädigt haben,
»aß es sich aber nur um vorübergehende Erscheinungen
zandelt, die nicht eine dauernde Verschärfnng der Ge—
chäftsordnung rechtfertigen. Eine solche würde nur neue
ind zwar absichtliche Ausschreitungen hervorrusfen und
sazu wollen wir die Hand nicht bieten. — Abg. Vier—
ck Greik.) ist der Ueberzengung, daß es sich nicht um ge—
egentliche, sondern um absichtliche Ausfschreitungen der So—
ialdemokratie handelt, und daß daher für dauernde Ab—
ilse gesorgt werden muß. — Abg. Träger (. Vp.)
vendet sich gegen sämtliche vorliegende Anträge.
Darauf wird die Verschärfung der Geschäftsordnung
eschlossen, worauf sich das Haus auf morgen vertagt. —
Sagesordnung: Wohnungsgeldzuschuß-Gesetz und Neben—
ahn-Vorlage

Heer und Flotte.

Deutsche Unterseebboote in der Nordsee. Bisher
varen die deutschen Unterseeboote vorwiegend in der Ost—
ee stationiert. Sie machten in der Kieler und Eckernför
der Bucht, überhaupt in dem westlichen Teile der Ostsee,
hre Uebungsfahrten und Versuche und besuchten die Nord—
ee nur von Zeit zu Zeit. Jetzt sollen einige Uebungs—
oote dauernd in der Nordsee stationiert werden. Als Be
leitfahrzeug ist ihnen das Torpedodivisionsboot „D 5“ zu—
Tteilt worden; das bisherige Begleitschiff „D 10“ dient
einem alten Zweck für die Ostsee-Unterseeboote, besonders
ür die neu zur Ablieferung kommenden Unterseeboote
veiter. Die dauernde Stationierung einiger Unterseeboote
hedeutet in jeder Beziehung einen Fortschritt, sowohl für
ie Schulung der Besatzung, wie in der Richtung, die Be—
iutzung der Unterseeboote bei allen Witterungsverhältnis—
en und auch unter ungünstigen Voraussetzungen zu er—
nöglichen. Der Dienst in der Nordsee wird erheblich schwe—
er sein, als in der Ostsee, aber die gewonnenen Vortei!e
verden auch viel größer sein. Auch in der deutschen Ma—
ine scheint die Entwicklung dahin zu führen, die Ver—
vendung der Boote von den Küsten auf die See zu ver—
egen. Das spricht für die Güte und Leistungsfäbhiakei
er deutschen Unterseeboote.

Die Unruhen in Albanien.
Konstantinopel, 6. Mai. Blättermeldungen zufolge
ourden die Redif-Regimenter von Samsun mobilisiert, um
ie nach Albanien abgegangenen Bataillone zu ersetzen. —
der neue englische Marine-Reformator Williams hat sei—
en Dienst angetreten.
Saloniki. 6. Mai. Weitere Truppensendungen nach
»em Schauplatz der Rebellion in Albanien sind eingestelli
vorden, da die Operations-Armee Vorbereitungen getrof—
en hat, die Rebellen zu umzingeln und sie zur Nieder
egung der Waffen zu zwingen.
Saloniki, 6. Mai. Im letzten Gefechte bei Morawa
n dem die Truppen 25 gefangene Soldaten befreten,
etrugen die Verluste auf türkischer Seite 60 Tote und 30
Verwundete. Die Höhen von Chernaljewo an der Straß«
aach Prizrend sind nur noch von 400 Arnauten besetzt
velche dem Anmarsche der Truppen nicht lange standhai
en werden. Von Adrianopel gehen noch zwei Bataillone
iebst Artillerie nach Albanien ab. Der Rebellenführer Id—
iß Sefer hat im Kampfe mit den Truppen bei Ghilan
0 Mann verloren; sene Leute sind gänzlich zecsprengt.
Saloniki, 6. Mai. Hier zirkulieren Gerüchte, daß die
latholischen Malissoren sich den aufständischen Arnauten
angeschlossen haben. In der Nähe von Gilan haben Auf—
tändige einen Munitionstransport überfallen, 48 Kisten
Patronen erbrochen und beraubt. Hierbei wurden 6 Sol—
daten getötet, 16 verwundet. 12 wurden entwafsnet und
vieder freigelassen.
Lokales und Vermischtes.
Ausstellung. Der Geflügelzucht- und Vogelschutz-Ver—
in beabsichtigt, vom 26. Juli bis 8. August eine Aquarien—
ind Therarien-Ausstellung im Saale des Herrn Huber in
er Scheidterstraße zu veranstalten. Die Ausstellung ver—
pricht diesmal eine großartige zu werden, da bereits eine
roße Anzahl Teilnehmer ihre Beteiligaung an der Aus—
ollung zugesagt haben.
Mai kühl und naß, füllt dem Bauer — das Regen—
iß! Gestern abend hatten wir eine Witterung, die wir
»nst Ende Oktober haben. Heute früh 7 Uhr waren noch
Grad Wärme. O du süßer Wonnemond!
Eingesandt. Wie aus dem Inseratenteil ersichtlich,
indet am Sonntag im Restaurant „Zur Post“, Inh. Herr
Andreas Wagner, Singspiel-Konzert statt. Es handelt sich
sierbei um Darbietungen, die auch lin der großstädtischen
zresse lobende Erwähnung fanden und die deshalb geeignet
ein dürften, auch einem anspruchsvolleren Publikum amü—
ante Stunden zu bereiten. Wir können den Besuch der
konzerte nur empfehlen

„Denken Sie sich, Herr Krause“, sagte Alwine schel—
nisch lächelnd, — dabei legte sie ihre Rechte auf den Arm
hres Retters, während sie mit ihrer Linken ein Locke in
)en Nacken strich, — „denken Sie sich, heute Nacht hat
nir von Ihnen geträumt! Beweis genug, daß ich Ihrer
zedachte. Ich stand auf einer steilen Bergwand und sah
zinab in die grünenden Täler; mein Auge irrte in die
en und vergebens suchte ich einen Ruhepunkt für das—
elbe zu finden; da sah ich Sie daher kommen, traurig
ind einsam; Sie versolgten einen schmalen Fußpfad und
chritten gesenkten Hauples, ohne mich eines Blickes zu
vürdigen an mir vorbei. Plötzlich fühlte ich den Boden
Ainter mir wanken; die Bergwand, auf der ich stand ging
in die Tiefe; ich stürzte, schrie auf und breitete die Arme
aus, irgend einen Stützpunkt zu finden. Da eilten Sie
herzu, stemmten sich fest an, fingen die Fallende auf —
za erwachte ich.“
Schade, daß es nur ein Traum war', verjetzte Julius,
Ihre Phantafie führte Ihnen das Ereignis von gesiern in
seränderter Gestalt vor; aber immerhin ist es sehr schmei—
helhaft für mich.“
„Meine Schwester“, nahm Kowalsky das Wort, „phan—
asiert gerne; auch weiß sie allerliebsse Träume — zu er—
inden.“
Du Loser“, lachte das Mädchen, „Traum ist immer
Spiel der erfinderischen Phantasie, mag das nun im
—XE oder im wachen Zustande gescheben. Trinken wir!“
Hell tönten die Gläser wie Silberglöckchen. — — —
Klingen und singen, das ist mein Lebenselement“,
agte Alwine, Julius von neuem das Glas suͤllend, ich
din allem Griesgram abhold und lebe als reinste Opu—
nistin der Heiterkeit. — Aber a propos, Herr Kroujse.
darf ich fragen wo Sie gesiern Abend sliedten? Sie hat—
ten sich geradezu unsichtbaͤr gemacht.“
„Sie erinnern mich an Line sein traurige Geschichte.
dJIein voon Sowoltne

uUm eine Verwechselnng des seit Oktober 1908 außer
urs gesetzten Talers mit dem neuen 3 Mark-Stück —
»iche ist mehrfach vorgekommen — zu verhüten, sollen
sach der „Voss. Ztg.“ alle Reichs- und Landeskassen, sowie
zankinstitute, bei denen der Versuch gemacht wird, Taler—
tücke in Zahlung zu geben, diese durch Anschneiden kennt—
ich machen. Dem Emipfänger eines alten Talers ent—
teht nämlich durch den verminderten Silberwert ein Verlust
»on etwa 1,80 Mark für jedes Stück.
Saarbrücken, 6. Mai. Am Mittwoch nachmittag 4
lhr wurden zwei Tamen beim Eingang ins Tannenwäld—
hen, nach dem St. Johanner Waldhaus zu, von einem
Strolch überfallen. Einer Dame wurde das Ledertäschchen,
n deni sich das Portemonnaie mit größerem Inhalt sowie
Lisitenkarten, Notizbuchennd Bleistift befanden, entrissen.
Mit welcher Gewalt dies geschah, geht daraus hervor,
»aß auch der Schirm, den die Dame in derselben
and neben der Tasche trug, abgebrochen wurde.
der Räuber verfolgte die Dame eine geraume Zeit, um
iesesdannzin einem günstigen Augenblick von hinten zu über—
allen. Trotzdem verschiedene Spaziergänger daher kamen,
vurde von diesen nichts besonderes bemerkt. Hoffentlich
sat der Schrecken für die Dame keine nachteiligen Folgen
ind wird es der Kriminalpolizei gelingen, den Täter hinter
chwedische Gardinen zu bringen. — Gut wird es sein,
»enn die Spaziergänger auch auf die Umgebung besser
chten würden

Saarbr. Lokalanz.)
Saarbrücken, 7. Mai. Zzu der 50jährigen Inbiläum
es 8. Rheinischen Infanterie-Regiments haben sich 7560
hemalige Siebziger angemeldet. Tausende von ihnen sah
nan gestern durch die Straßen der Stadt burchwandern,
zie haben sich nach den Kompagnien zusammengesunden,
ei denen sie einst gedient haben. Die Feier wurde gestern
bend eingeleitet durch einen Zapfenstreich, den die Infan—
eriekapelle mit dem Tromlerkorps durch die Straßen der
5tadt ausführte. Die zahlreichen, hisr eingetroffenen ehe—
aligen Offiziere des Regiments trafen sich gestern bei
inem Festmahl im Regimentskasino. Heute vormittag ist
ine Parade vorgesehen, der geplante Feldgottesdienst fällt
us. Um 12 Uhr erfolgt die Einweihung des Siebziger
denkmals im Ehrental. Der Nachmittag soll geselligem
zeisammensein gewidmet sein.
Saarlouis, 6. Mai. Die Leiche eines in den vierziger
rahren' stehenden Mannes wurde vorgestern an der Ens—
orfer Schleuse aus dem Wasser gezogen. Nach den bei
em Toten gefundenen Papieren handelt es sich um einen
zuchbinder G. W. aus Saarlouis. Ob ein Unglück vor—
iegt, wird die Untersuchung ergeben.
Hühnerfeld, 5. Mai. Gestern verunglückte der ver—
eiratete Bergmann Adam Hoffärber von hier kurz vor
Nittag auf Grube Altenwald im Sumpfquerschlag tkötlich.
Das Unglück geschah dadurch, daß ein anscheinend schlecht
ingehakter Wagen, der mittelst Förderhaspel durch ein
leines Bremsschächtchen nach der etwas höher gelegenen
Zohle gefördert werden sollte, sich während der Fahrt los—
öste und den untenstehenden Hoffärber erfaßte.? Die Ver—
ehungen waren so schwer, daß der Tod nach einer Viertel—
tunde eintrat. Der Verunglückte hinterläßt eine Frau und
drei unversorgte Kinder. (Fr. An.)
St. Ingbert, b.* Mai. FEine eigenartige, Protestver—
'ammlung, zu der sich weit über 100 Männer und Frauen
eingefunden hatten, tagte heute hie. Die Versammlung
var einberufen von Mitgliedern des Sterbekassenvereins des
sjiesigen Eisenwerkes und richtete sich gegen eine Veröffent—
ichung der pfälzischen Hebammen, wonach der Preis für
Entbindungen 24537 M. betrage. Es wurde ausgerechnet,
daß im vergangenen Jahre jede Hebamme zu 88 Geburten
gerufen wurde, was, bei dem bisherigen Preis von 15 M
inem Verdienste von 1320 Mk. gleichkomme, abgesehen von
den nicht‘ unbeträchlichen Trinkgeldern. Es wurde der, Vor—
chlag gemacht, aus der Kasse des Vereins, der ein Ver
nögen von 36 000 Me. besitzt, unentgeltlich Z Hebammer
uusbilden zu lassen, die sich verpflichten, in den ersten fün
Jahren eine Geburtshilfe mit 10 Mk. und dann mit 15 M.
u berechnen. Es haben sich hierzus 3Frauen auch bereit
»rklärt. Von einer anwesenden Hebamme wurde geltend
zemacht, daß der Preis von 24537 M. bereits vor 10
Jahren von der Regierung festgesetzt sei, daß aber« die
Hebammen nicht, verpflichtet waren, den Preis auch tatsächlich
u nehmen, sondern in den meisten Fällen ihre Hilfe mit
5 Mk. dem seitherigen Preise, berechnen. Die Versammlung
jab sich damit nicht zufrieden und verlangt eine bündige
ẽrklärung in der Zeitung, andernfalls der gemachte Vor—
chlag verwirklicht werde.
* Homburg, 6. Mai. (HHom burg und der Kar—
eer.) Magistrat und Stadtverordneten-Versammlung hat—
n dem Kaiser bei seiner Abreise von Homburg eine Dank—
dresse zugehen lassen, in welcher der Dank für den aus
edehnten Aufenthalt, für die Anregung zur Errichtunç
imes Quellenpavillons und zum Ausbau der Eisenbahn
erbindungen Homburgs und zugleich die Bitte ausge
prochen wurde, der Kaiser möge sein Wohlwollen de
ztadt auch fernerhin bewahren. Aus dem Zivilkabinet
es Kaisers ist hierauf folgende Antwort eingegangen
Seine Majestät der Kaiser und König haben von de
reuen Kundgebung des Magistrats und der Stadtverord
setenversammlung vom 25. v. M. gerne Kenntnis ge—
tommen und werden allerhöchst ihr landesväterliches In—
eresse und MWohlwoston ün Somhura auch fornerhin gerne
vetätigen.“

* 77 6—
Eine Dorneßkfone.
Historischer Roman von Freiherr von Winterfeld.
27 Petron fuhr fort: „Sie war auch anfangs sehr glück⸗
ich dor. Ich besuchte die vier Madchen oͤfters umd es
varen herrliche Stunden, die ich dort verlebte und ich
zann heute die Erinnerung noch nicht aus meinem Herzen
eißen, obwohl sie mich schmerzt. Einmal begleitete mick
ein Freund und Landsmann — Ludwig Bongaparte, wei
doch auch seine Schwester dort in Ecouen weilte und von
ieser Stunde an datiert mein und meiner Schwester Un
zlück. Dieser Tag sollte zu einem surchtbaren Wonde—
unkt in unserem Leben werden.
Wie ich später aus dem Munde meiner Schwester er—
uhr, besuchte Ludwig Bonaparte die Mädchen noch ei—
nige Male, schließlich überredete er meine Schwesier zu
Jeimlichen Zusammenkünften, indem er vorgab, sie glüh
mnd zu lieben. Eines Tages wußte er sie zu heimlichen
Flucht zu bewegen und er brachte sie nach Korsika zu
rück, wo er sich mit ihr trauen lassen wollte. Ich erfuhr
zu spät diesen Schritt meiner Schwester; als ich sie wie
der traf, hatte ihre Leidenszeit begonnen. Ludwig Na
poleon hatte sie verlassen; er nahm an dem Feldzug sei
nes Bruders in Agypten teil. Er kehrte nimmer nach
Korsika zurück, sondern erklärte meiner Schwester in ei—
nem Brief, daß unübersteigliche Hindernisse sie iür immer
von einander trennten. —*
— Meine Schwester war dem Wahnsinn nahe, denn sie
ind ihr Kind waren treulos verlassen und ihre einstige
große Liebe zu Ludwig Napoleon verwandelte sich in
eben solchen Haäß.
Ich suchte die meiner Schwester zugefügte Schmach
u rächen. Ich hatte es ihr hoch und heilig zugesichert
iber vergebens versuchte ich es, den Treulosen mich zu
ähern, der inzwischen durch seinen Bruder in die Höhe
am? Ehses Tages erhielt ich sogar meine Entlalsung al⸗

*Mannheim, 6. Mai. (Cin bestiauipcyher ur
mord.) Der Vorort Waldhof ist durch ein scheußliches
zerbrechen in große Aufregung versetzt worden. Gesterr
bend lockte der 17jährige Tagelöhner Georg Keller sein«
dusine, die 11jährige Tochter eines bei der Firma Ben
1. Ko. beschäftigten Fräsers in den der preußisch-hessischer
Bahn sich entlang ziehenden Wald und verübte dort eir
Zittlichkeitsverbrechen an denn Kind, worauf er sein Opfen
nit einem Prügel erschlug. Die Mutter des Kindes irrt
oie ganze Nacht klagend im Walde unmher. Die Le'che
die der Täter verscharrt hatte, wurde durch die Kriminal
polizei, die mit einem Polizeihund den Wald abstreifte
»eute Vormittag hinter den Kugelfängen der Militärschieß
tände ausgegraben. Der jugendliche Mörder ist geständig

*
Die Nahrungsmittelpreise in Westdeutschland.
Während die Lebensmittelpreise in den meisten öst
aichen Landesteilen von Februar auf März gesunken sind
»aben sie in der nämlichen Zeit in Wesideuischland fas
illgemein eine Erhöhunng erfahren, so daß die Ver—
seuerung der Haushaltskosten gegenüͤber dem Vorjahr
ich verschärft hat. Von westfälischen Städten sind beson
»ers Bielefeld und Paderborn mit einer Preis
teigerung zu nennen, indes Dortmund einen Rück
jang aufzuweisen hat. In Bielefeld ging die Standard
iffer des Nahrungsmittelaufwandes von 22.56 Mart im
Februar auf 22.62 im März hinauf, in Paderborn stie—
ie gar von 20.40 auf 21.84. Die Standardzifser Dort
munds ging von 23.52 auf 23.13 Mark zurück. In Kas
el stellte sich die Standardziffer im März auf 23. 10 Maun
gjegen 22.71 Mart im Vornmonat, in Hanau auf 24.32
zegen 23.91, in Franksurt a. M. auf 24.54 gegen 24.13
ind in Wiesbaden auf 25.80 gegen 25.65 Mart. Für
dessen-Nassau ergeben sich also durchweg Steigerungen —
unter den rheinisschen Städten ragen besfonders
Drefeld und Keööln mit einer empfinduichen Erhöh
ing der Haushaltskosten hervor. In Krefeld ging die
Ztandardziffer des Nahrungsmittelaufwandes von 24.18
uif 24.69 Mark oder um 0.51 Mark in die Höhe; in
döln stieg sie von 25.98 auf 26.61 oder um 0.63 Mark
Mit Steigerungen sind ferner zu nennen: Koblenz, we
ie Standardziffer von 25.59 auf 25.77, Düsseldorf
vo sie von 25.56 auf 25.80, Trier, wo sie von 22.80
ruf 23.10, und endlich Aachen, wo sie von 25.86 au
25.95 Mark hinaufgina

Aus aller Welt.
Pearyh in Berlin. Der Nordpolfahrer Rob. Peart
st in Berlin eingetroffen. Am Dienstag wird er in dei
Besellschaft für Erdkunde den Bericht uͤber seine Polar—
eise erstatten. Zu der Sitzung sind Eimladungen an die
Spitzen der Reichs-, Staats- und städtischen Behörden unf

40... RAIMan
 die Vorstände der deutschen geographischen Gedellschaf
en ergangen. Im Anschsuß an die Sitzung findet eir
Diner statt, zu dem der Vorsitzende der Gesellschaft, Geh
Oberregierungsrat Prof. Dr. Penck zahlreiche Einladun
jen hat ergehen lassen.
Abgetriebener Vergnüguugsdampfer. Der Ver
gnigungsdampfer „Nordstern“ mit 300 Personen erlit
iuf der Rückfahrt von Glücksburg nach Kiel Kessel-Hava
rie. Das Schiff trieb nachts in die See. Eine Berguͤngs
dampfer ging seewärts zur Hilfeleistung.
Der Fall Hofrichter. Die Hofrichteraffäre bring
neue Ueberraschungen. Hofrichter hat sein Gesiändnis teil
weise abgeschwächt resp. widerrufen. So will er das Ver—
brechen nicht schon vor Jahren geplant haben, sondern ers
am 13. November. auf den Gedanken der Tat gekommen
sein, als er in seiner Linzer Wohnung allein war. Hof⸗
richter gibt serner an, nur zehn Briese versandt zu ha
ben, während die Untersuchung ergab, daß zwölf Giftsen
dungen zur Post gegeben wurden.
Spionage. Im Wiener Landgericht wurde ein jun
ges Mädchen namens Tymczyszun eingeliesert, das be
schuldigi wird, mit einem wegen Spionage in Untersuch—
ang befindlichen Leutnant Beziehungen angeknüpft zu haä
hen, um als Vermittlerin für die Vertreter eines fremden
Ztaates zu dienen. Die Untersuchung dürfte große Di
nensionen annezmen und auch aui andere Perfonen aus
gedehnt werden
nuuvomorder. IIn der Arrjchast Szatow vei xXrakau
wurden fünf Leute verhaftet, welche einen Pol zeiagenten
überfallen und ermordet hatten. Bei ihrer Untersuchung
fand man sie noch im VBesitz der dem Ermordeten geraub
ten Gegenstände, sowie eines großen Geldbetrages.
Ertrunken. Aus Zürich wird berichtet: Bei einer
Vergnügungsfahrr au; der Limmat sind vier Personen
ertrunken.
Dynamit-Exrplosion. In der Nähe von Zirl sind
nach einer Meldung aus Innsbruck vier beim Bau der
Mittenwalder Bahn beschäftigte Arbeiter, welche in ihrer
Kochbaracke Dynamit wärmten, verunglückt. Die Raracke
wurde weergefent und die Arheiter zexrissen
ffizier, ohne daß ich mir die geringste Schuld bewußt
hin und wurde ich mit meiner Schwester und dem Kinde
ständig überwacht, sodaß es mir unmöglich war, Ludwig
Bonaparte nur ein Mal entgegenzutreten und ihm seine
Schlechtigkeiten in das Gesicht zu schleudern. Ein Mal
erhielten wir eine sehr große Suͤmme Geld mit der An—
weisung, uns in einem kleinen Orte der Schweiz nieder—
zulassen und denselben nicht wieder zu verlassen. Von
wem das Geld war, erfuhren wir nicht; es konnte aber
nur von Ludwig Bonaparte kommen, der damit seine
Treulosigkeit sühnen zu können glaubte, denn er war da—
mals gerade im Begriff, sich mit der Stieftochter seines
Bruders, Hortensie, der einstigen Freundin moine Schwe⸗
ster zu verheiraten.
Der Haß und die Erbitterung zehrten am Lebens—
mark meiner Schwester; ich ahnte wohl, daß sie nicht
lange leben würde und behielt daher das Geld für das
Kind. Wir reisten von Ort zu Ort, dahin, wo Ludwig
Bonaparte weilte, in der Absicht, ihm gegenüberzutreten
und ihm vor aller Welt seine Treulosigkeit ins Angesicht
zu schleudern, aber wir wurden immer gewaltsam daran
gehindert und mehr wie ein Mal wurden wir verhaftel
und nachdem man uns wieder weit fortgebracht hatte,
ontlassen. Ludwig Bonaparte wurde König von Holland.
Sofort reifte in meiner Schwefter der Plan, am Tage
seines Einzuges ihm entgegenzutreten und ich reiste mit
ihr und ihrem kleinen Mädchen heimlich nach dem Haag;
leider war ihre Kraft zu Ende — sie starb, ohne erlebi
zu haben, wonach sie in den letzten Jahren ihres Lebens
gestrebt hatte, es mir alleine überlassend, das Werk ihrer
Rache durchzuführen. Ich sollte der Königin Hortensie
noch in der Nacht ihres Todes ein Zeichen überbringen,
velches dieser ihr Ableben verkünden sollte, denn meine
Schwester war fest überzeugt, daß ihre einstige Freundin
um den Treubruch ihres Gatten gewußt, ihn dvielleich
uoch dazu veranlaßt hat. J

Berungluckte Bergleute. In Vecazeville
reich) bei Toulouse stürzien drei Bergleute infolge Reiße
des Seiles mit dem Foörderlorb in die Tiefe; zwei ne
den getötet, der dritte schwer verletzt.
Gekentertes Segelboot. Der Fahrradhändler Gu
lot in Cherbourg nnernahm mit drei Bekannten g
Ausflug in einem Segelboot längs der Küste; infolge
nes Windstoßes kenterse das Boot und alle vier Imn
irtranten.
Höhere Bierpreise in Eugland. In einer in x0
don abgehaltenen, von zirka 200 Brauern besuchten 9
sainmlung wurde die Erhöhzung des Bierpreises beschi
sen. Der Umfang wie de Zeit des Inkrafttretens d
Preisaufschlages werden noch später bekannt gegeben
Mangel an Arbeitskräften. Die Farmer gewis
Staaten Amerikas befinden sich der mangelnden Arbel
räfte wegen in sehr bedrängier Lage. Aus diesem Grum
verden in der Umgebung von Tacoma die Landstreich—
don den Behörden eingesangen, um gegen gute Zahlu
Arbeit bei den Farmern zu verrichten, andernfalls werd
ie in Ketten gelegt und zur Arbeit getrieben.
Ein Lufttorpedo. Wie Londoner Blaätter berichie,
st bereits eine sremde Macht mit dem Erfinder des Lus
orpedos, Ingenieur Philipp, in Verbindung getreten z—
Frwerbung seines Lufttorpedos, welcher von ihm vor
nigen Tagen öfsentlich vorgeführt worden ist. Anderersei
vird mitgeteilt, daß der Ingenieur mit dem Erfinde
zer drahtlosen Telephonie, Grindel-Machews ein Erpert
nent verabredet hat, welches dazu dienen soll, festzujie,
en, ob die Steuerung des Lufttorpedos durch andere al—
entsandte Herzwellen erfolgen kann. Der Erfinder hat si—
»ereit erklärt, diesen Versuch zu unternehmen, der den
nächst stattfinden wird.
Roosevelt in Christianiag. Roosevelt hat Sein
Vortrag über Friedensfragen im Nional-Thec
er gehalten, wohin er sich mit seiner Gattin in Beglei
ung des Königs und der Königin begeben hatte. Verei
hildeten Spalier und. bereiteten dem Gast lebhafte Huldi,
angen. Roosevelt leitete seinen Vortrag mit Gedächtni—
vorten für Björnson ein. Seine Ausführungen fande
viederholt Beifall. Der Vizepräsident des Nobel-Komitee⸗
John Lund, brachte ein Hoch auf Roosevelt und Ameri—
sus und Roosevelt ein Hoch auf Norwegen.
Folgenschwere Explosion. Aus Virmingham (Au
ama), wird berichtet: In der Palosmine hat sich ein
ẽrplosion ereignet, bei der hundert Menschen umgekomme
ind. — Es liegen noch folgende Einzelheiten vor: 3
5ẽxplosion entstand in der Mine Nr. 3, 150 bis 200 9
er unter Tage. Eine einzige große Flamme erfüllte plö
ich den ganzen Raum und war begleitet von einem gr
zeu Knali. Die Stärte der Detonation war so groß, da
je meilenweit gehört wurde. Erst mehrere Stunden spi
er konnte man an die Rettungsarbeiten herangehen. J
Bevellerung ist in großer Aufregung.
Rieseubrand. „Morneng Leader“ meldet aus Kobe
die Stadt Aumori wurde durch eine Feuersbrunst zer
tdört. 8000 Häuser sind niedergebrannt. 30 000 Persone,
ind obdachlos. 16 Versonen sind umgekommen und vie
rerletzt.
Eine Grönland⸗-Kereuzfahrt. Verschiedene amerit
lische Millionäre, welche sich sür den Sport interessieren
aben beschlossen, einen Dampfer herstellen zu lassen, n
em sie eine Kreuzfahrt nach den grönländischen Jnse
mternehmen wollen. Unter ihnen befindet sich der Mi
ionär Whitney, der die bekanne Unterredung mit 5
zvot hatte, sowie auch Paul Rainey, welcher bereits
dergangenen Sommer eine Kreuzfahrt nach der Küste v
Labrador unternommen hatte.
Erdbeben in Mitielamerika. Cartago, die frühe
Zaupistadt von Costarica, wurde durch ein Erdbeben hei—
zesucht. Es sollen 5300 Menschen tot, ebensoviele verle
ecin. Die Hälfte aller Gebäude ist zerstört, darunter b
Halast, welchen Carnegie für das zentralameritanische Fr
denstribunal gestiflset hat. Die Bevölkerung flieht, da fo
dauernd Erdstöße stattfinden. Hunerte von Menschenn
in San Jose angelangt. Die Natastrophe trat am Mi
woch Abend ein; 650 Diebe und Mörder entkamen
den Gefängnissen, sie plündern und morden Es wur
das Standrecht ertlärt. Zwei Stunden nach dem
Froͤstoß wurde ein gewaltiges Meteor gefehen. Erdu—
vurden auch anderwäris in Mitte!amerika beobachtet,
uders in Greytown. wo indessen wenig Schaden an—
richtet wurde

Unwetter.
Wien, 6. Mai. Das Regenwetter hat aufge.
der Himmel hat sich aufgeheéstert, doch ist die Temperau
noch inmmer niedria. Der Barometer zeigt auf veränd—
lich.
Budapest, 6. Mai. Zwischen Apatin und Rocd
hat die Donau die Dämme fortgerissen. Große Stroee
Landes wurden überschwemmt. Mehrere Ortschaften ster
hoch unter Wasser. Nach den bedrohtesten Orten iit
litär zur Hilfeleisuung abgegangen.
Pari's, 6. Mai. Wie aus Nimes berichtet
hat die kalte Witterung in der Umgebung von *
großen Schaden angerichtet. Die Maulbeerbäume ho
siark gelitten, wie auch die Seidenraupen-Züchtereien —
zen Schaden zu erleiden baben.

Neueste Nachrichten und Telegramme
Berlin, 4. Mai. Im Abgeordnetenhaus brachte—
Abg. Röchling (notl.) nochmals die Saar- und Mosel“
lisation zur Sprache. Der Südwesten wollte die gle
Berechtigung wie die anderen Teile der Monarchie.
Haltung der Staatsregierung sei im Elsaß-Lothringen
übel bemerkt worden. Staatssekretär Frhr. Zorn v. Bu
habe auch sein Bedauern über die Erklärung des &
hahnminifsters ausgesprochen. preußischen Ministe.
An jenem Abend fand zu Ehren des Einzuges de—
Königspaares ein glänzendes Bällfest statt. Ich kan
bis zu den Toren des Schlosses — ich hatte mich gerad
meiner Aufgabe entledigt — da wurde ich abermals über
fallen, aber nicht wie früher wieder freigelassen, sonder
ich weile nun seitdem hier und soll wohl auch für imms
hier bleiben, ohne daß ich weiß auf wessen Befehl in
hier bin und mit welchem Rechte man mich gefanger
hält. Was mag aus der kleinen Isabella geworden sein
Was aus Ludwig Bonaparte und Hortensie? Sonne—
sie sich beide noch in ihrem Glücke, während das betro
gene Weib in irgend einem Winkel unter der kalten Erd
schläft, ich hier wie lebendig begraben bin und das arm
Kind vielleicht schutzlos umherirrt ?“
Petron war zu Ende; der Professor ergrifi seine Han
und drückte sie teilnahmsvoll.
„Nur Mut, mein Freund. Wir haben beide Schlim
mes ertragen, aber wir wollen es tragen wie Männer
und nicht länger verzagen. Sie sind im Zweifel, wer di
Schuld daran trägt, daß sie hier gefangen sitzen? Dar
über kann doch eigentlich kein Zweifel sein. Wem wo
ren Sie unbequem? Ludwig Bonaparte; folglich hat e
Sie stets überwachen und Sie schließlich ganz verschwin
den lassen. Er brauchte sich dazu doch bloß der Hilß—
seines mächtigen Bruders zu bedienen, auf dessen Befeh
so manche Ungerechtigkeit begangen worden ist.“
„Diese Annahme liegt allerdings sehr nahe,“ entgegnet:
Petron. „Aber in der Einsamkeit der letzten Jahre, wi
so manche Stunde des vergangenen Lebens an mir vo—
übergezogen ist, sind manchmal merkwürdige Zweifel i
mir aufgestiegen. Ich war mit Ludwig Bonaparte en
befreundet und kannte seinen Charakter aut. sodaß ic
ihn eigentlich einer solchen Riederträthn nicht gu
ür fähig halte, welche mgn doch kaum an jseinem äralte
Feinde begehen kann“
            
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