Bau in städtischer Regie gut und schnell fertiggestellt wes
den kann.
Erfurt, 4. Mai. Der hier tagende Verband der
Thüringer Metallindustriellen beschloß die Unterstützung
»er Bauarbeitgeber bei Aussperrungen und die Stärkung
hres Unterstützungsfonds.
München, 4. Mai. Die Organisationen der Bauar—
eiter haben dem Magistrat der Stadt München auf sein
Anerbieten eines neuen Vermittlungsversuches, bereits ge—
intwortet, daß sie jederzeit zur Wiedeaufnahme der Ver—
sandlungen gern bereit seien.
Lokales und Vermischtes.
Das Bergfest findet in diesem Jahre wieder statt.
Lie aus einer Bekanntmachung der Königlichen Bergin—
pektion Dudweiler ersichtlich, wird die Vergebung des
zleisches, Bieres usw. öffentlich ausgeschrieben.
Von den Saargruben. Schon längere Zeit ist geplant,
ie älteren Grubenbeamten, welche keine eigentliche Gruben—
rbeit mehr verrichten können und deshalb auf den Bureaus
„eschäftigt sind, zu Werkassistenten zu machen. Dies wäre
»en Grubenbeamten schon recht gewesen, wenn ihnen ge—
tattet worden wäre, die Prüfung für das Rechnungsfach
u machen, um dann auch in den Genuß des höheren Ge—
salts zu kommen. Dies ist den Betreffenden aber nicht ge—
tattet, sondern sie erhalten nur einen andern Titel, bleiben
iber im Gehalt der Steiger. Trotz der energischen Abwehr
»es Steigerverbandes ist der Plan jetzt zur Wirklichkeit ge—
vorden. Es haben eine ganze Anzahl älterer Steiger der
eun Inspektionen ein Schreiben zugeschickt erhalten, daß sie
u Werksassistenten ernannt wären, was den Betreffenden
icht zur Freude gereicht.
Personalnachrichten des Bergwerksdirektionsbezirk Saar⸗
rücken. Dem Steiger Jakob Hans, bisher beim Bergwerk
keden, ist aus Anlaß seines Uebertrittes in den Ruhestand
er Königliche Kronenorden 4. Klasse Allerhöchst verliehen
vorden. — Der Fahrsteiger Louis des Steinkohlenbergwerks
ßerhard ist zum Einfahrer beim Bergrevier Nord-Bochum
rnannt worden. — Der Fahrsteiger Krause des Stein—
ohlenbergwerks Friedrichstal ist zum Einfahrer beim Berg⸗
evier Gelsenkirchen ernannt worden. — Der Steiger Joh.
zchmidt des Steinkohlenbergwerks König ist vom 1. Mai
910 ab zum Fahrsteiger befördert worden. — Der Steiger
heinrich Fuhrmann des Steinkohlenbergwerks' Reden ist vom
.Mai 1910 ab zum Fahrsteiger unter gleichzeitiger Ver—
etzung an das Steinkohlenbergwerk Gerhard befördert worden.
— Der Steiger Ernst Bartsch des Steinkohlenbergwerks
deden ist vom 1. Mai 1910 ab zum Fahrsteiger unter
zleichzeitiger Versezung an das Steinkohlenbergwerk Gerhard
»efördert worden. — Der Steiger Jakab Gundlach des
Steinkohlenbergwerks Dudweiler ist vom 1. Mai 1910 ab
um Fahrsteiger befördert worden. (Bergmannsfrd.)
Der Erholungsurlaub für Bergleute, welcher eine
Woche beträgt, soll auch in diesem Jahre wieder möglichst
rühzeitig beginnen. Während im Jahre 1909 157000 Mk.
sierfür ausgeworfen waren, ist der Betrag für 1910 auf
31000 Mark erhöht worden. Der Urlaub wird unter
Fortgewährung des Lohnes erteilt.
Der Saarbrücker Knappschaftsverein hat eine neue,
ach Geburtsjahrgängen geordnete Mitglieder-Personal—
segistratur eingerichte. In allen Eingaben von Seiten
hrer Mitglieder ist deshalb in Zukunft stets das Geburts—
natum anzugeben.
Arbeitsnarkt. Mehr als alle vereinzelten Nachrichten
iber Einlegung von Feierschichten auf dieser oder jener
Zeche zeugt die Entwicklung der gesamten Kohlenförderung
avon, daß die Arbeitsgelegenheit nachgelassen hat. Die
Förderung von Stein- und Braunkohle zeigt im Monat
März eine auffällige Einschränkung gegenüber der vorjäh—
igen; sie betrug zusammen nur 17504977 To. gegen
8839 477 To. im vorigen März. Der Minderbetrag der
Förderung stellt sich demnach auf nicht weniger als 7
ßrozent. Nun ist wohl das Bild dadurch etwas verschoben
daß in diesem Jahre Ostern in den März fiel (im Vor—
ahre im April). Die Zahl der Arbeitstage stellte sich im
März 1909 auf 26einviertel, im März d. J. auf 25.
Auf den Arbeitstag berechnet, ergibt sich für dieses Jahr
eine Förderung von 700 196, während sie im März v. J.
17 694 betrug. Von Monat zu Monat hat sich demnach
das Bild gegenüber dem Vorjahre in recht ungünstiger
Peise verändert: während im Dezember der Vorsprung
egenüber 1909 noch 42487 To pro Arbeitstag betrug
esteht im März ein Minderbetrag von 17 498 To.
Steinkohlenförderung im Oberbergamtsbezirk Dort
nund. Im ersten Vierteljahr 1910, in das ein Bestand
on 702 638 Tonnen (i. V. 692876 Tonnen) Kohlen
ibernommen wurde, betrug die Förderung auf den zum
Iberbergamtsbezirk gehörigen Zechen 20680 9506 Tonnen
i. V. 19 844 047 Tonnen). Absatz und Selbstverbrauch
hezifferten sich auf 20 387 169Tonnen (19 638 656 Tonnen),
o daß am Ende des Vierteljahres ein Kohlenbestand von
96 425 Tonnen (738 267 Tonnen) verblieb. Im Betrieb
varen 162 (161) Werke. Die Förderung hat gegen den
ntsprechenden Zeitraum des Vorjahres um 4,2 Prozent
ugenommen, und die Zahl der Arbeiter ist um 1 Prozent
gestiegen.
Der gestrige Himmelfahrtstag war recht rauh und
indig. Trotzdem hatten viele Vereine Ausflüge unter—
ommen. Auch wir Dudweiler hatten Besuch von aus—
värtigen Vereinen (Sulzbach uswp.) Im allagemeinen ver—
ief der Tag jedoch still und ruhia.
Flucht meines Wannes erhielt, war schreclich, — aber —
diese Stunde überwog alle Qual, die ich bis dahin erlit—
en, hundertfach. Leidenschaftlich drückte ich noch einmal
die armen Dinger an meine Mutterbrust, preßte den letz—
en Kuß auf ihre unschuldigen Lippen, — dann riß ich
nich los und flog wie ein gehetztes Reh, wie ein Verbre—
her von dannen, floh die Stadt, um sie nie, nie wieder
u betreten. ... Gott, daß ich das alles ertragen konnte!
Von dem Augenblicke an lebte ich ein anderes Leben;
8 schien mir, als sei eine gänzliche Umwandlung in mei—
nem Innern vor sich gegangen. So gefühlvoll ich bis da⸗
jin gewesen, so siumpfsinnig und apathisch war ich jetzt.
Nein Herz glich einem leergebrannten Krater, in dem
ioch die Schlacken bitteren Grolles und Tiefsinnes lager—
en. Aus einem poetischen, liebewarmen Mädchen war ein
lendes verlafienes sich mnd die Meoht hassondas Moih novorden.
In der ersten Zeit konnte mir der Gedanke an mei—
jsen treulosen und pflichtvergessenen Mann, an meine va—
er⸗ und mutterlosen Kinder, an meine Jugendzeit und
as zertretene Glück meines Lebens Tränen der Wut und
des Schmerzes aus den Augen pressen; bald versiegten auch
iese, auch dieser Quell der Linderung versagte — ich habe
ange, lange Jahre nicht mehr weinen können. Oft war
s mir, als lege sih ein Schleier des Irrsinns um mei—
ien Geist, in ssumpfem Hinbrüten irrte ich durch die Fel—
der oder saß zusammengekauert in einer einsanien Hütte,
aber die Wohltat des Wahnsinnes, des Vergessens de
Beschehenen, ward mir nicht zu Teil.
Hatte miqh früher die schöne Natur entzückt und der
Anblick ihrer Reize mich mit Wonneschauer erfüllt— jeht
nahnte ihre Harmonie mich um so furchtbarer an meinͤe
igene Disharmonie. Ich beneidete das Vöglein, das vor
nir sersuien A8 dew ein Heim, ein Nestchen, wo
s mit seiner Familie hauste und sich ber 31
eree e nt sich bergen konnte
Fingernägel und Charakter. Den mancherlei Cha—
akterdeutern ist in England ein neuer Rivale entstanden,
er ein ganzes System zusammengestellt hat, mit dessen
ilfe er aus der Form und der Farbe der Fingernägel die
harakteranlagen der Menschen erkennen will. Alle, die
ange, schmale Fingernägel besitzen, so berichtet eine eng—
ische Wochenschrift, können im allgemeinen als gutmütige
Nenschen gelten. Es sind Leute von günstiger Charakter—
inlage, sie haben Selbstvertrauen, aber in der Regel siud
ie gegen andere mißtraurisch. Breite Fingernägel sind ein
dennzeichen für liebenswürdige Gemütsart, die in den
neisten Fällen mit einer gewissen Schüchternheit oder Furcht—
amkeit gepaart ist. Wer kleine runde Fingernägel hat, is
elten zufrieden, selten guter Laune, er wird leicht ärger—
ich, ist boshaft und nachtragend. Dicke fleischige Finger—
iägel dagegen sind das Kennzeichen eiues ruhigen, heiteren
Temperaments, der Betreffende weiß die Freuden eines
juten Males zu schätzen, schläft ruhig und lang und zieht
in kleines Einkommen mit wenig Arbeit einem
zroßen Vermögen, das durch Fleiß und Rührsamkeit er
vorben ist, bei weitem vor. Bleiche Fingernägel von einen
hleiernen Farbton sind das Kennzeichen eines grüblerischen
nelancholischen Temperaments; sie kennzeichnen oft philo—
ophische und wissenschaftliche Veranlagung. Lange, schmale
vohlgeformte Nägel verraten einen verfeinerten künstler—
schen Geschmack, Freude an gesellschaftlichem Leben und
zegeisterungsfähigkeit für alles Schöne.
Eingesandt. Der nationalliberale Verein für Saar—
rücken hält am Sonntag, den 8. Mai, nachmittags 4
lhr im Saalbau in Saarbrücken eine allgemeine Wähler—
ersammlung ab, in der Herr Landtagsabgeordneter Amts⸗-erichtsrat
Dr. Lohmann über die politische Lage sprechen
»ird. Im Vordergrund des allgemeinen Interesses steht
aturgemäß die greußische Wahlrechtsfrage und deshalb
dird es sich der Referent nicht nehmen lassen, besonders
ie dunklen Wege des Zentrums in dieser Frage grell zu
eleuchten. Da auch unser Reichstagsabgeordneter, Herr
deheimrat Boltz, wie auch die drei Herren Landtagsabge—
rdneten, Excellenz von Schubert, Dr. Röchling und Dr.
Maurer in der Versammlung anwesend sein werden, wird
ie sich an das Referat anschließende Debatte willtommene
helegenheit zur Aussprache der Wähler mit ihren Abge—
erdneten geben. Ein guter Besuch der Versammlung darf
ils sicher angenommen werden.
B. Zum Jubiläumsfest ehem. Toer. Es wird an
ieser Stelle nochmals darauf aufmerksam gemacht, daß
das Antreten der Kameraden ehem. 70er am Samstag früh
? Uhr beim Kameraden Jos. Kuhn, Fischbachstraße, statt—
indet. Anzug möglichst dunkel mit Vereinsmütze. Orden
ind Abzeichen sind anzulegen. Es wird ferner darauf auf—
nerksam gemacht, daß denjenigen Kameraden, welche
on den einzelnen Kriegervereinen sich an der Deputation
ind an der Feier beteiligen und das Festessen mitmachen
»ollen, das Essen für 80 Pfennia geliefert wird. Musik
rei!
Die Versendung mehrerer Packete mit einer Post—
zaketadresse ist für die Zeit vom 8. bis einschl. 15. Mai
veder im inneren deutschen Verkehr, noch im Verkehr mit
dem Ausland gestattet.
Eine totale Sonnenfinsternis findet am 9. Ma
tatt; diese beginnt früh 4 Uhr 32 Min. und endet 8 Uhr
16 Minuten vormittags. Völlig sichtbar nur cuf dem
Neere, teilweise in Australien, Neuguinea und auf den
istlichen Sudainseln. — Am 24. Mai folgt eine totale
Mondfinsternis. Diese beginnt früh 4 Uhr 40 Min. und
ndet 8 Uhr 22 Minuten vormittags. Sie ist sichtlich im
üdwestlichen Europa, in Afrika, auf dem Allantischen
Rzean, in Amerifa und auf der östlichen Hälfte des Stillen
Reans.
Saarbrücken, 5. Mai. Die Sbr. Zig. schreibt: Einen
ehörigen aber wohlverdienten Denkzettel erhielt dieser
dage ein Schreinerlehrling aus Dudweiler für sein imper—
inentes Vetragen bei der Gesellenprüfung. Als der
Zzrüfungsmeister ihn nach dem Gesellenstück fragte, schnodderte
r denselben an: „Das habe ich in Dudweiler, soll ich
s Ihnen vielleicht auf dem Buckel daher schleifen?“ Der
tehrling, welcher sich bei seinem Lehrherrn durch unge—
ührliches Betragen ausgezeichnet hat. wurde ein Jahr au—
ückgewiesen.
Saarbrücken, 5. Mai. Wie wir in in einer Saar—
zrücker Zeitung lesen, ist der Gymnasiast Sachse, 11 Jahre
ilt, beim Spiel auf dem Spielplatz des Königl. Ludwigs—
ymnasiums verunglückt. Der Junge war beim Schleuder—
allspiel mit dem Leibe gegen einen Baum gerannt, wobei
er sich so schwere innere Verlekungen zuzoa. daß er an
den Folgen verstarb.
Trier, 3. Mai. In Esch an der Alzette ist in der
Nacht zum Montag der 28 Jahre alt deutsche Bergmann
1dolf Arendt frühmorgens auf der Straße überfallen und
erstochen worden. Ein französischer und ein belgischer
Arbeiter wurden als der Tat verdächtig festgenommen.
Trier, 3. Mai. Nachrichten von tollwütigen Hunden
und neuen Opfern kommen wieder aus mehreren Gegenden
inserer Provinz. Nachdem in Bleialf wieder ein tollwütiger
Zund ermittelt worden ist, wurde über 13 Bürgermeister—
eien die Hundesperre verhängt. Aus Euskirchen wird ge—
neldet, daß im nahen Orte Blumenthal acht Personen vor
inem tollwütigen Hunde »ebissen wurden, ehe es gelan—
—kine Dornenkrone
gsssorischer Roman von Freiherr von Winterfeld.
26 Der Professor fuhr fort: „Es war mir nur dadurch
nöglich, die ausgegrabene Erde fortzuschaffen, daß ich
ieselbe täglich beim Spaziergang brockenweise aus mei
ier Tasche auf den Weg warf. So leicht war dies nicht
vo so viele Augen aufpassen und es gehörte mein gan—
er Scharfsinn dazu, um mich unbemerkt der ausgegra
enen Erde zu entledigen. Aher Gntt schützte mein Un
ernehmen.
An die Möglichkeit dachte ich nicht, daß der Gang
instürzen könnte und wäre der Fußboden dieses Rau—⸗
nes mit solchen Steinen wie in meiner Zelle gepflastert,
o wäre es wohl auch nicht geschehen. Aber liegt nicht
arinnen auch ein Fingerzeig Gottes? Wer weiß, ob
s mir alleine gelungen wäre vollends durchzukommen.
lber nun, unseren vereinten Bemühungen wird es viel
her gelingen; nur noch eine kurze Strecke ist es, viel
eicht winkt uns bald die Freiheit!“
„Sie tapferer, geduldiger Mann,“ mit diesen Worten
hloß Petron vor Freude den Professor in seine Arme.
Und ich Schwächling verzagte und wollte mir den Tod
eben wie ein Feigling. Ich verdiene nicht einmal die
Hilfe, die mir wie vom Himmel gesandt ist.“
„Machen Sie sich keine Selbstvorwürfe,“ wehrte der
Brofessor sanft ab 3zu Selbstanklagen ist jetzt keine Zeit,
ondern es heißt nunmehr handeln. Die Zeit ist für
jeute verronnen; ich muß zurück. “Sorgt vor allen da
ür⸗ daß nicht; das Geringste entdeckt wird; vielleicht
norgen schon beginnen wir mit der weiteren Arbeit.“
Petron half dem Professor wieder in das Loch hin⸗
in verwischte sorgfältig alle Spuren und als die ersten
Ztraͤhlen der Morgensonne durch das Fenster fielen, da
var nichts zu, bemerken. was sich hiem in dex. Rachl er⸗
denselben zu töten. Sämtliche gebissene Personen begaber
sich nach Berlin ins Pasteursche Institut.
Pluwig, 4. Mai. Eine Frau aus Seizenburg war.
inscheinend im Wahnsinn ihr vier Monate altes Kind in
inen tiefen Hausbrunnen, um es vor dem durch den Ko—
neten drohenden Veeltirtfergang zu bewahren. Das Kind
st ertrunken.
*VSeideverg, 7. iai. Komet und Erde.) Aus
London wird der Sternwarte in Heidelberg gemeldet, das
die Berechnungen auf der Sternwarte Greenwich bei Lon—
don, die auf Grund der letzten Beobachtungen veranstalte!
vurden, ergeben haben, daß die Erde nicht durch den
Schweif des Halleyschen Kometen gehen werde. Der Ob—
ervator der Berliner Sternwarte, Herr Guthnick, setzt die—
ier Londoner Meldung einige Zweifel entgegen.
* Nürnberg, 4. Mai. (Die Bierpreiserhöh—
ung.) Zur Frage der Bierpreiserhöhung hat die Ver—
einigung von Brauereien in Nürnberg, Fürth und Um—
gebung beschlossen, die Erhöhung des Bierpreises in fol—
gender Weise vorzunehmen: Vom 15. Mai an soll jeg—
liicher Stonto in Wegfall kommen und es sollen die bis—
serigen Nettopreise für Faßbier einen Zuschlag von Mark
1.50 pro Hektoliter erfahren. Die Flaschenbierpreise er—
halten eine Erhöhung um einen Pfennig. Die Verein
»arung für besondere Biere bleibt vorbehalten. Die Braue—
reien wälzen somit nur einen Teil der ihnen durch das
teue Malzaufschlagsgesetz erwachsenden Lasten auf die
Wirte ab und übernehmen selbst einen kleineren Teil die—
ier Belastung, weil sie pro Hektoliter bis zu M. 1.90
mehr Malzaufschlag zu zahlen haben als bisher.
Aus aller Welt.
Todesfall im Parlament. In der zweiten sächsi—
chenschen Kammer ereignete sich am Dienstag während der
Plenarsitzung ein plötzlicher Todesfall. Der konservative
Abgeordnete, Großgrundbesitzer Siebert aus Liebau ar
her böhmischen Grenze, Vertreter des 44. ländlichen säch
ischen Wahlkreises, erlitt nach einer längeren Rede in der
Plenarsitzung einen Schlaganfall, wurde sofort nach Hause
gebracht, wo er bald seinen Geist aufgab. Die Kammer
sitzung wurde sofort geschlossen.
Mord. In einem Nachbarorte Leipzigs drangen Ein
brecher in die Wohnung der 60jährigen Witwe Altmann
ein, wurden jedoch verscheucht. Sie müssen aber später
zurückgekehrt sein, denn man fand die Frau gefesselt und
ermordet auf.
Schiffsunglück. Beim Einlaufen in die Brunsbüt—
teler Schleuse kollidierte nach einer Meldung aus Kiel
das Admirals-Flaggschiff „Grille“, auf dem sich der Ad—
miralsiab an Bord befand, mit dem Kanalschlepper von
Bötticher, von dem der Mast brach und der auch sonst
Beschädigungen erlitt.
Ein verhafteter Gerichtsvollzieher. Der Gerichts—
oollzieher Zicke aus Rummelsburg in Pommern wurde
derhaftet und dem Stolper Gefängnis zugeführt. Grund
der Verhaftung ist, daß Zicke einkassierte Gelder nicht ab—
geliefert, sondern für sich verwendet hat.
Der Fall Hofrichter. Hofrichter hat am Dienstag
unmittelbar vor dem Verhör, dem er jetzt täglich unter—
worfen wird, nach einem Priester verlangt. Ein Feldsu—
perior begab sich in die Zelle und blieb länger als eine
Stunde bei ihm. Hosrichtier beichtete und betete mit dem
Geistlichen zusammen. Der Geistliche nahm den Eindruchk
mit sich, daß bei dem Häftling aufrichtige Reue eingetre—
en ist. In militärischen Kreisen zirkulieren jetzt die ver—
Von der Luftschiffahrt,
*)Ein Flug ums Straßburger Münner
Aus Straßburg wird berichtet: Am Dienstag Abend um
flog der auf dem Polygon sitationserte Antoinette-Eindecke.
des Straßburger Sportsmuns Mathis mit dem Piloten
Wieneczerz an Bord das Münster. Der kühne Plan wa.—.
erst am Nachmitteg bekaunt geworden, sodaß die Zu
schauermenge auf dem Münsterplatz verhälinismäßig kleir
war. Viele, die lange gewartet hatten, waren schon weg.
gegangen, da man an die Ausführung nicht glaubei
wollte. Da wurde turz vor 7 Uhr das Fahrzeug vor
Osten her an dem schon leicht grauenden Abendhimme
gesichtet. Wie eine mächtige Rheinschnake kam es mit fas
nicht erkennbaren Bewecungen heran. Nur wer genan
hinsah, konnte die Verschiebungen der Steuerung beobach
ten. Es fehlte dem Segler, der, an sich fast farblos, di
Farbe des Abends angenommen, der märchenhafte Zau—
ber des glänzenden Zeppelinschiffes, das vor zwei Jahre
zum ersten Male um das Münster flog. Dafür war heut
die intellektuelle Wirkung fast größer, wenn man wußte
daß nur ein kühner Einfamer auf schwebendem Sitz dor
hoch oben der Welt ein Schauspiel ohne gleichen bor
Kaum gesichtet, war die surrende Fliege da. Zweima
umflog fie in weitem Bogen etwas über Plattformhöhe
also wohl 70 Meter hoch, das Münster, um dann schnei
den Port zu gewinnen, der draußen am östlichen Rand.
des Polygons, vier bis fünf Kilometer weit, auf sie war—
tete. Der Jubel der Menge war beiiviellos, der Eindrud
unvergeßlich.
*Ballon Clouth. Das Clouthsche Luftschiff is
in die Luftschiffhalle bei Bickendorf geschafft worden unt
im Laufe des Tages gefüllt worden. „P. 2“ ist in de—
Halle entleert worden. Bei günstigem Wetter dürfte das
Clouthsche Luftschiff sofort seine ersten Fahrten unter
nehmen.
Landwirtschaftlid es.
Abhaltung der Erdflöhe von den bkeimende
Kohlpfanzen. Josef Deilmann-Heller bei Appelhül
sen (Westfalen) schreibt in Nr. 27 der „Ill. Landwirtsch
Ztg.“: „Die aufgehenden Kohlsaaten fallen nur zu o
dem Erdflohe total zum Opfer, besonders, wenn währem
der Keimungsperiode Sonnenschein vorherrscht. Man kann
sich nach meiner Erfahrung ziemlich gut dagegen schützen.
wenn man Zweige oder Stöcke über die Saatbeete leg
und diese dunn mit Stroh bespreitet. Sodann bespritz
nan morgens gegen 9 bis 10 Uhr die Fläche ordentlid
nit Wasser. Schatten und Nässe vertragen die Erdflöh—
nicht. Dieses Mittel ist probater als Tabakstaub, Steinöt
Petroleum⸗) güsse, Thomasschlacke usp. Sind erst die
Pflanzen aus der Keimlage, dann ist die Gefahr über
standen“
Lunst und Wvissenschaft.
Noch immer der Mars. In den letzten Jahre.
hat der Planet Mars ganz besonders das Interesse de
Erdbewohner erregt, weil einzerne Forscher aus ihren Be
obachtungen glaubten den Schluß ziehen zu können, dal
dieses Gestirn von geistig hochstehenden, menschenähnlichen
Wesen bevölkert sei. Man wollte entdeckt haben, daß au
dem Mars genügend Wasserdampf zur Aufrechterhaltun—
organischen Lebens vorhanden sei. Außerdem sollten
großmächtige geradlinige Kanäle den Beweis dafür lie
sern, daß denkende Kräfte tätig gewesen sein müßten. Um
nun scheint es, als ob diese Annahmen, wie schon frühe
mitgeteilt, doch etwas voreilig gewesen wären und au
fehlerhasten Voraussetzungen beruht hätten. Denn de
Stockholmer Professor Dr. Svante Arrhenius, der in
„Kosmos“ die neuesten Anschauungen der Gelehrten übe
diese Frage zusammenstellt, kommt zu dem Resultat, da
der Mars ohne Zweifel eine tote Welt darstellt. Die an
geblich auf kunstvollem Wege hergestellten Kanäle sollten
in jeder Beziehung den auch bei uns bekannten Erdbeben
spalten entsprechen. Der schöne Traum, daß Erd⸗ unl
Marsbewohner sich bald mite nander würden verständige;
können, dürfte sich zunächst sobvald nicht verwirklichen.
Vermischtes.
Ein reicher Bettler. Folgende unglaublich klingend
Geschichte wird der „Augsb. Postztg.“ aus München mit—
geteilt: Dieser Tage starb im Alter von 67 Jahren der
ehemalige Zimmermann Johann Mayr, eine stadtbekannte
Persönlichkeit, der ausschließlich vom Bettel lebte. Mayr,
der sich den Anschein eines ganz armen Mannes zu geben
wußte, fristete nur mit Abfällen und Nahrungsresten, die
er von gutmütigen Leuten bettelte, sein Leben. Als man
nun jüngst das Zimmer des Verstorbenen durchsuchte, fand
man in einem Koffer unter altem Gerümpel 80 000 Mar
versteckt, etwa 7000 Mark in God, 15 000 M. in öster
reichischen, ungarischen, türkische:, russischen und anderen
ausländischen Banknoten, der Rest in Obligationen, vor
denen er für ungefähr 30 000 Mart vor seinem Hinschei
den im Ofen verbrannt hatte. Da die Nummern abe
noch vorhanden sind, kann der Wert ersetzt werden. De
kostbare Fund wurde gerichtlich beschlagnahmt. Da May
nicht verheiratet war und auch sonst keine näheren Ver
wandten besitzt, dürfte der Staat bei dieser Geschicht
ein autes Geschäft machen.
— —
Deutscher Reichstag.
Mittag 1 Uhr. Berlin, 4. Mai
(78. Sitzung.)
Die Vorlage betreffend das Reichsschuldbuch wird in
ð Lesung debattelos erledigt, ebenso die Posttaxe-No
velle.
Sodann wird die zweite Lesung des Gesetzentwurfe?
betr. Enilastung des Reichsgerichts fortgesetzt bein
Artikel 3, der u. a. die Revisionssumme von 2500 Mar
J585 er das Klopsen, welches ihm den Besuch des Pprosessors
F Ra vrten ankündigte und es währte auch nicht lange, so stieg die—
VBen folgenden Tag war Petron wie umgewandes ser wie am Abende vorher aus dem geheimen Gang.
Er hatte bisher niemals an die Flucht gedacht; es gibt Dieses Mal hatte Petron es unterlassen, die Kerze anzu
Dinge, die so vollständig unmöglich erscheinen, daß man zünden und so saßen die beiden Gefangenen im Finstern
nicht einmal den Einfall hat, sie zu versuchen und den in Petrons Zelle, während der Professor sich an den
Gedanken daran instinktmäßig vermeidet. Rest der Speisen labte.
Jetzt aber, wo er sah, wie ein so alter Mann wie „Rachdem Sie mir gestern erzählten. welchem Umstan
der Professor sich so fest an das Leben gekblammert und Sie ihr ganzes Unglück verdanken, sollen Sie auch er
alle seine Kräfte zu dem kaum möglichen Befreiungsver- fahren, wie hart und grausam das Schicksal mit mir ver
uche aufgeboten hatte, begann er zu überlegen und seinen fahren ist,“ sagte Petron, den es mit Genugtuung erfüllte
Mut zu ermessen. Ein anderer hatte versucht und bei- wie dem Professor die Speisen so vortrefflich mundeten
iahe vollendet, was ihm nicht einmal in den Sinn ge- „Freilich, werden Sie sich wundern, wenn ich Ihnen sage
zommen war; ein anderer, der älter, schwächer und nicht daß ich eigentlich nicht weiß, warum a nich gewaltsan
jewandter als er war hatte ohne Hilfsmittel ein so un- hierher nach Schloß If geschleppt hat und mich hier a⸗
jeheures Unternehmen durchgeführt. Wenn ein anderer sangen hält, noch wer der Urheber dazu ist.“
das getan hatte, so konnte er es auch. Er wollte sich „Wenn Sie den Schuldigen an Ihrem Schicksal wis
hdie Hände blutig arbeiten und die Erde aufwühlen, bis sen wollen,“ sprach der Professor, „o erforschen Sie zu
der Gang vollends durchbrochen war, nachdem einmal nächst, wem das an Ihnen begangene Verbrechen nützer
der Anfang gemacht und nur noch ein kleines Stück konnte. Doch bin ich gespannt, erzählen Sie, vielleick
Arbeit übrig blieb. Der Professor, ein Gelehrter, hatte kann ich Ihnen mit helfen, das Rätsel zu lösen.“
ich nicht gefürchtet, sich in das Meer zu stürzen, dieses „Sie sind die erste Person, welche erfährt, was ick
Beispiel von Mut mußte ihn beschämen. hisher noch keinem Menschen anvertraut,“ begann Petron
Sein ganzes Sinnen war von dieser Stunde an dar- „Aber Sie haben ein Recht dazu, zu erfahren, wem sid
uuf gerichtet, wie er dem Professor am besten helfen konnte, anvertraut haben und wem Sie Ihre Hilfe angedeiher
»en Weg zur Flucht zu bereiten. Der Schließer fand lassen. Ich bin ein Korsikaner, habe aber sehr frühzeitic
Petron wieder vollständig gesund, wenn er sich auch meine Eltern verloren. Ich besuchte, gleichzeitig mit den
Mühe gab, um seine Aufregung zu bemeistern, damit der⸗ gewaltigen Mann, der jetzt auf dem französischeu Kaiser
elbe nicht den geringsten Verdacht schöpfte. Er ließ sich hrone sitzt, die Kriegsschule und wurde Offizier. Ick
aber reichlicher als sonst Speisen bringen und verbarg hatte nur eine einzige Schwester, ein sehr hübsches Mäd
sorgfältig einen Teil davon für den Professor, damit die- chen, die mit großer Liebe an mir hing und welche ich
er sich stärken konnte. Die Stunden dieses Tages ver- wie meinen Augapfel hütete. Sie kam mit mir nac
lofsen ihm langsam und ungeduldig zählte er jedes Mal Franukreich, und betrachtete ich es als ein großes Glück
die Schläge der Turmuhr, sobald diese die Zeit anzeigte. als ich sie in Ecouen unterbringen konnte, wo ich si
Wie alles aber ein Ende nimmt, so auch dieser Tag und mit einer Schwester Napoleons, sowie dessen Stieftochter und
α αH αιοα Na. a⏑α ι n einer dritten. mir sehr teuren Jungsrau' in Schutz wähnte
Fννα