Knospen.
dun drängst du, junge Knospe
Ins Licht mit ganzer Macht.
Sag: ist dein heiß Begehren
Auch reiflich überdacht?
zerkennst du nicht die Fährnis,
Die draußen dich umdroht? —
Sin Reif, ein Hagelwetter,
Und du sinkst in den Tod.
die Knospe öffnet lächelnd
dich unternm Sonnenkuß:
Was kümmert's mich, ich blühe,
zo lang ich kann und muß.
Ich strecke mich zur Sonne
And suche Gottes Licht,
Varum? — ich kann's nicht sagen,
s auch und frage nicht
Hie Mosel- und Saarkanalisierung. Am 7. Februar
O5 beauftragte das preußische Abgeodnetenhaus die
reußische Staatsregierung, „Die Frage' der Zweckmäßig⸗
eit und Durchführbarkeit einer Kanglisierung der Mofel
ind Saar mit möglichster Beschleunigung einer Prüfung
zu unterziehen und gegebenen Falls einen Gesetzentwurf
»arüber vorzulegen.“ Dieser Auftrag, welcher von der
»reußischen Staatsregierung angenommen wurde, verpflich⸗
et die Regierung zu einer Prüfung der Frage, also doch
vohl zu einer eigenen Untersuchung der einschlägigen Ver—
vältnisse, zu einer Ermittelung der heutigen Wettbewerbs—
serhältnisse zwischen den infrage kommenden Gebieten, der
Lerschiebungen, welche zwischen ihnen vorgehen, der benach—
eiligenden Einwirkungen des Rhein-Weserkanals auf die Mit⸗
bewerbsfähigkeit der südwestdeutschen Eisenindustrie und der
wahrscheinlichen Wirkungen der Mosel- und Saarkanalisie—
ung. Am 7. April 1910 hat der preußische Minister der
zffentlichen Arbeiten im preußischen Abgeordnetenhause durch
eine Erklärung nur eine Abschlagszahlung geleistet. Er
hat nämlich nicht erklärt, die preußische Staatsregierung
habe diese Prüfung vorgenoumen und sei aufgrund von
hr zu einem Entschlusse gelangt, sondern sie habe sie „ein—
geleitet und nach Möglichkeit gefördert.“ Dann hat er die
Behauptung aufgestellt, die Vertreter des Südwestens hät—
ten erklärt, daß nur durch eine einwandfreie Feststellung
der von der Eisenindustrie im Nordwesten und im Süd—
vesten aufzuwendenden Selbstkosten für Thomasroheisen die
Hrundlage für eine zutreffende Beantwortung der Frage
gewonnen werden könne, welchen Einfluß die Kanalisierung
oon Mosel und Saar auf die westlichen Eisengewerbe haben
würde. Das ist nicht zutreffend. TDer Südwesten hat nie—
mals eine derartige Erklärung abgegeben, und sie wäre
auch lächerlich gewesen, da noch niemals der Bau eines
Kanals von der doktrinären Lösung einer solchen Frage,
ür die es eine absolute Lösung nicht gibt, abhängig ge—
nacht worden ist, am allerwenigsten der Bau des Rhein—
Weserkanals! Trotz aller Vorstellungen des Südwestens
iber deren schädliche Wirkungen auf den Südwesten hat
sich die preußische Staatsregierung nicht darum gekümmert,
vie hoch im Nordwesten und im Südwesten die Roheisen—
elbstkosten waren, sondern hat den Kanal einfach zum
zchaden des Südwesten gebaut. Wenn aber nun der Süd—
vesten auch seinen Kanal haben will, dann muß erst eine
einwandfreie Feststellung der Thomasroheisenselbstkosten“
heider Gebiete stattfinden. Die Vorstände der wirtschaft—
lichen Vereine an der Saar haben durch einen förmlichen
zeschluß in ihrer Sitzung vom 18. April 1910 der Be—
zauptung des Ministers denn auch anfs schärfste wider—
prochen, und demselben wird nun der Beweis obliegen,
vo der Südwesten die Feststellung der Roheisenselbstkosten
ür notwendig erklärt hat, oder die Zurücknahme jener Be—
auptung. Jedermann, welcher die grundsätzlich feindliche
Ztellung des Nordwestens gegen die Moselkanalisierung in
en Verhandlungen im Januar 1908 erkannt, mußte im
»oraus wissen, daß Erhebungen unter Mitwirkung solcher
Widerstände zu keinem Ergebnis führen konnten. Daher
st kein genügender Grund, wenn der Minister sagt: „Die
zerhandlungen der Kommission haben aber zu einem prak—
ischen Ergebnis nicht geführt. Damit fehlt die Grundlage
ür die Feststellung der wirtschaftlichen Folgen, die die
danalisierung von Mosel und Saar mit sich bringen würde.“
Seit wann sind denn die Verhandlungen gerade dieser Kom—
nission das einzige Mittel, um die Frage zu untersuchen?
Ist denn die Regierung in diesem Falle wirklich so hilflos,
zaß sie nicht die Männer und die Mittel besitzt, über eine
der größten Wirtschaftsfragen der preußischen Lande sich
ine eigene Meinung zu bilden? Der Südwesten und das
zreußische Abgeordnetenhaus müssen verlangen, daß die Re—
sierung die wirtschaftlichen Verhältnisse, welche sich an die
danalisierung der Mosel und Saar knüpfen, ebenso selbstän—
ig untersucht, wie sie stets die Verhältnisse untersucht hat,
oelche sich an den Bau anderer Kanäle geknüntt hahen
π — —
srrgänge des Leber
rrgänge des Lebens.
Frzähluna von Wilhelm Koch
Es war eine kräftige Gestalt, dieser junge Herr mit
den blonden Locken, breitschulterig, aber doch schlank ge—
»aut, und das Haupt ruhte auf einem starken, freten Nak—
en, das Gesicht war leise gerötet, die Augen hell, klar,
orschend und die Stirn start hervortretend. Eine dunkel—
cote Narbe zog sich über die linke Wange bis an den
Mund hin, ein famoser „Schmiß.“ Leicht, als schlage er
zu seinem Liedchen den Tatt, fuchtelte er mit einer zier—
ichen Reitgerte in der Luft umher, und hätte uns das
reite Uhrband mit dem Bierzipfel nicht den Studenten
herraten, so hätten wir dies an der roten Mütze, die keck
uuf einem Ohre saß und awischen den dichten Locken fast
nerschwand, erkannt.
Fröhlich und munter durchschritt unser Studiosus eine
astanienallee, hin und wieder eine Dorfschöne grußend,
die auf dem Kopfe ihre Milicheimer zur Stadt trug. „Es
st doch herrlich früh Morgens im Freien“, murmelte er
till in den blonden Vollbart hinein, „man fühlt sich so
rei, gehoben, getragen, die VBrust möchte mit einem Male
die ganze Schönheit der Natur in sich aufnehmen Wahr—
aftig“, setzte er halb lächelnd hinzu, „ein schöner Morgen—
paziergang könnte mich poetisch stimmen.“
Mit diesen Worten verließ er die Laudstraße und bog
in einen Fußpfad ein, der sich in leisen Windungen in
ie Berge hineinschlängelte. Höher und höher sieg er und
ald lag die Stadt wie ein schwarzer Fleck zu feinen
Füßen. „Fort aus diesem Pfuhle“, sagte er halblaut vor
ich hin, — „fort, und ist es auch nur für einige Stun—
den. Wie erbärmlich dünkt dem Menschen in der freien
Natur das elende Schachern und Jagen da drunten in
den engen Straßen, wo die Menschen nichns kennen, als
Beldgewinnen nachrennen, von der Höckrin an, die ihren
däse Stückchen vor Stückchen abschneidet und behutsam ab—
vägt, bis zum Kaufmanne, der seine Ballen verpact und
ie dicken Bücher voll Soll und Haben führt, — das nen—
nen die Menschen Jedustrie. Diese großen Kamine da,
nie viese farrserid Hänhbe narmer une rinkonee ariteetnre
Wenn sie dann ihre Venkschrift darüber vorlegt, dann wird
dieselbe der öffentlichen Erörterung unterworfen werden,
und das Parlament wird zu enticheiden haben, ob die für
imd wider vorgebrachten Gründe stichhaltig sind
Uber die Ubungen der Nannschaften der Infanterie
Reservey im Jahre 19160 hat das Generalkommando das Fol—
gende bestimmt: Die Ubungen der schiffahrttreibenden Mann—
chaften findet vom 12. bis 25. Januar 1911 beim In—
anterieregiment Nr. 28 statt. Die Ubungen der Reser—
»isten dauern 14 Tage; auf Ernteverhältnisse usw. ist
runlichit Rücksicht zu nehmen. Unteroffiziere und Unter—
offizier- Diensttuer müssen einen Tag vor Beginn der Ubung
hei ihrem Truppenteile eintreffen. Die Unteroffiziere und
Nannschaften werden kaserniert; sämtliche Ubungsmann—
haften halten gefechtsmäßiges Schießen mit scharfer Mu—
ition ab. Zum 7. Juni werden einberufen zum Infan—
erie-Regiment Nr. 70 aus dem Bezirkskommando Kreuz—
ach 21 Unteroffiziere, 193 Mann; aus dem Bezirk St.
vendel 22 Unteroffiziere, 114 Mann; aus dem Bezirke
Zaarbrücken 21 Unteroffiziere, 1939 Mann, zusammen 64
'nteroffiziere, 5850. Mann. Ferner werden am 7.
uni beim Infanterie-Regiment Nr. 30 einberufen, aus
em Bezirkskommando St. Wendel 16 Unteroffiziere, 145
hann, aus dem Bezirke Saarbrücken 32 Unteroffiziere, 290
Nann und aus dem Bezirk Saarlouis 16 Unteroffiziere,
45 Mann, zusammen 64 Untecroffiziere, 380 Manu.
Sschwarze Truppen gegen Deutschland? »iuch durch
ie deutsche Presse ist neuerdins eine gewisse Beunruhigung
arüber gegangen, daß die frauzösische oberste Heeresleitung
ugeblich die Äbsicht haben sollte, schwarze Truppen in
roßer Zahl — es war von 200 000 Mann die Rede — teils
hon in Friedenszeiten, jedenfalls aber für den Kriegsfall
on Nordafrika aus nach dem Mutterlande heranzuziehen.
nd es war zur Ermöglichung dieser Pläne dazu berichtet
vorden, die Regierung beabsichtige, ein völlig neues System
es Hecresersahes mit der allgemeinen Vienstpflicht in
lgerien und Tunis als Basis einzusühren und eingeborene
druppen aus Französisch-Westafrika dorthin zu verlegen.
zei der Wichtigkeit, die diesen Projckten von vielen Seiten
eigelegt wird, verlohnt es sich, etwas näher vuf sie einzus
ehen und dabei Tatsächliches von übertriebenen Darstellungen
ind unausführbaren Wünfchen einzelner Phantasten zu tren—
en
Der Grundgedanke, weshalb in den obersten militärischen
dreisen Frankreichs sehon seit längerer Zeit an durchgreifende
Reformen der militärischen Machtmittel in Nordafrika ge—
acht wird, ist der, daß die Besorgnis nach wie vor vorhanden
st, es werde bei der alljahrlich zunehmenden Verminderung
»er Geburtsziffern die Friedenspräsenzstärke des Heeres im
Mutterlande immer weiter heruntergehen, so daß nach 20
Jahren möglicherweise nur noch ein Stand von 370000
Mann erreicht werden könne. Im Interesse der Landesver—
eidigung müsten daher alle erdenklichen Vorkehrungen g troffen
verden, und dazu sei das Nächstliegende, die von der mutter—
ändischen Armee zurzeit zum 19 Armeekorps und zur Be—
atzungsdivision nach Algier und Tunis abkommandierte Ein—
seiten freizubekommen und wieder für ihre alten Verbände
erfügbar zu machen. Erst darnach könne in Frage kommen,
zuch die Eingeborenen-Truppenteile aus Tunis herüberzuneh—
nen, wodurch das mobile Heer die allerdings nicht unwe—
entliche Verstärkung von 4 Tivision oder 2 Armeekonpe
»rhalten würde. Nun lag aber auf der Hand, daß, um auch
nur den ersten Teil dieser Projekte zur Ausführung bringen
u können, Mittel und Wege gefunden werden mußten, die
s ermöglichten, auf afrikanischen Boden genügenden Ersatz
ür die dort vorhandenen und nun allmählich zu veringernden
Truppenkörper sicherzustellen. Und da machte zuerst der
bgeordnete Messimy den Vorschlag, man solte auch auf
ie Bevölkehruug von Algier und Tunis das Prinzip der
er obligatorischen Dienstpflicht ausdehnen, wodurch sich
hne erhebliche Schwierigkeiten nach und nach ein zum Schutze
er Kolonien hinreichend starkes Besatzungskorps heranbilden
assen würde. Denn die beiden Provinzen seien von nahezu
Millionen Köpfen bewohnt, durch die bei nur 0,75 v. H.
in Friedensstand von etwa 46000 Mann erreicht werden
önnte. Die Regierung ging bereitwilligst auf die Vorjchläge
Nessiniys ein und entsandte eine mehrgliedrige Kommission
ach Nordafrika, die an Ort und Sielle die einschlägigen
zerhältnisse prüfen und mit den obrigkeitlichen Behörden
nd mit den Häuptern der Stämme im Innern in Verbindung
neten sollte, um darnach ihre Wahrnehmungen u. Erfahrungen
einem ausführlichen Bericht niederzulegen. Dieser Bericht
tnicht direkt ungünstig ausgefallen, ja, er stellt es sogar
icht als unmöglich hin, daß sich im Laufe der Zeit die all—
eineine Wehrpflicht in der nordafrikanischen Kolonie werde
inbürgern lassen. Tro.dem scheint die Regierung, wenigstens
orläufig, nicht an die Verwirklichung dieses Projektes herantre—
en zu wollen. Sie besorgt, damit den Arabern möglicher—
veise eine Waffe in die Hand zu drücken, die in der No—
ür das Mutterland zu ne ernsten Gefahr werdem er
— e
afsen sie mich sehen, die sich in den dumpfen Gebau—
zen plagen und nie die freie Himmelsluft so recht in vol—
en Zügen und froh ihres Daseins genießen. Ich muß
och immer unwillkürlich lachen, wenn ich einen großen
Nenschenhaufen beisammen sehe, bemüht, allem möglichen
dand Wert beizulegen, der da rennt, jagt und wühlt, —
a ich doch all' diesen sagen kann, über hundert Jahre
ind noch eher seid ihr nicht mehr, dann sind eure großen
der kleinen Ohren, eure liebesglühenden oder kalten Her—⸗
en, eure Lumpen- oder Seidenkleider soviel wert, als der
Zztaub, den ich hier mit Fußen trete; — ja, wer es ver⸗
nöchte, die Dächer von dieser Stadt zu heben und von der
VBogelperspettive aus herabzusehen auf all' das Elend und
den Gram, der dort herrscht, — doch fort mit diesen Bil—
dern, das Leben ist kurz, verbittern wir diese Kürze nicht
zurch nutzlose Grübeleien.“
Unter diesem Selbstgespräche war der Stadent auf der
döhe angelangt und abermals bog er in einen Seitenpfad
in, der nach einem stattlichen Bauernhofe führte, dessen
oeiße Giebel ihm freundlich entgegen leuchteten. Es war
die Jarm der Halferin, die wir am Kirmessonntage ken
ien gelernt haben. Zur Rechten lag das Vorf.
Das Blöcken der wohlgenährten Kühe, das Schnattern
unzähliger Enten, das Gackern der Hühner und Tauben
md das Bellen eines großen Hundes empfing den Mor—
jenspaziergänger. Wie ihm hier alles so reinlich und
reundlich zulachte! Wie sich hier ales so malerisch grup—
ierte zur einfachsten, schönsten Joͤhlle, die eher dem Pin
el wie der Feder zum Kopieren dienen könnte. Der Wie—
engrund, welcher das Gehösfte rinasum einschloß, war mif
Ibstbaumen dicht bestanden, und zwischen diesen lagerten
n dem hohen Grase buntscheckige Kühe. Das Wohnhaus
dar ein festes, massives Gebäude neuerer Bauart in Stein
ufgeführt und mit Pfannen bedeckt, während die Stallun—
jen, welche sich an dasselbe anschlossen, zum Teil noch
jachwerk, Lehmwände und Strohdächer zeigten. Was aber
em ganzen Gehöfte den Stempel des Anmutigen, des Fes⸗
elnden und der Gediegenheit auf drückte, das war die Ord⸗
iumg und die Reinlichkeit, die allenthalben bis zum klein—
—— auf
as Auge wirkten. Der Studiosus trat in die Haußstü—
nd musterte mit sichtlichem Wohlbehagen das Janere des
»aufes; der große Vorraum rechtfertigte in jeder Bezieh⸗
na die Erwartungen. welche das Neußere der Tarm
Vährend man vielleicht an der Ostgrenze mit den aus Afrika
erangezogenen Verstärkungen siegreich kämpfe, könnten in
ifrika felbst sich Wolken zusammenziehen, gegen die europäi—
chen Truppen nicht mehr rechtzeitig verfügbar gemacht wer
ven könnten.
In diesem Stadium der Erwägungen tkrat einer der be—
kanntesten Offiziere der afrikanischen Kolonialarmee, Oberst
Mangin, mit einer neuen Idee hervor und empfahl der Re—
zierung, aus Französisch-Westafrika, das die Gebiete von
Senegambien, Guinea, Nigeria, Dahoma und der Elfenbein—
üste umfaßt, Negertruppen in genügender Zahl nach Al—
zerien überführen zu lassen und mit ihnen nach und nach
uicht nur cin starkes Okkupationskorps zu bilden, sondern
auch noch einen Ueberschuß zu sammeln, der im Eenstfalle
zuch in die Entscheidungen auf dem europäischen Festlande
ingreifen könnte. Oberst Mangin begründete seine Vor—
chläge damit, daß die Negerstämme von Senegal durch
sohe militärische Eigenschaften, Ausdauer und Taäpferkeiten
ind absolute Zuverlässigkeit ausgezeichnet seien und dies bei
viederholten Gelegenheiten, zuletzt bei der jüngsten Marok
ofehde, bewiesen hätten, wo zwei Bataillone fenegalesischer
Tirgailleure mit guten Erfolgen hinzugezogen worden waren.
Es werde keine unüberwindliche Schwierigkeilen machen, in
der westafrikanischen Kolonie, die rund 4 Millionen Bewohner
zähhle, 76000 Mann auszuheben, »wenn ihnen günstiee
naterielle Bedingunden während der Dienstzeit und für
Pensionierung gestellt würden, um dann in wenigen Jahren
eine gut ausgebildete Armee von 100000 „6pieu für die
nordafrikanischen Provinzen bereitzustellen. Die Vorschläg«
Mangins haben nun wahrscheinlich mehr als diejenigen Messi—
inys den Beifall der Regierung gefunden; denn sie hat auf
Vorschlag der Armeekommission den Entschluß gefaßt und
der Kammer vorgelegt, vorläufig ein Bataillon senegalesischer
Schützen zu 4 Kompagnieen in der Stärke von 800 Mann
nach Algier heranzuziehen und ihre militärische Verwendung
dort einige Zeit zu erproben. Nach lebhafter Diskussior
st der Antrag angenommen worden. Ob sich aus diesen
ersten kleinen Anfängen nach den weiteren Projekten des
»es Obersten Mangin ein oder mehrere schwarze Armeekorps
intwickeln werden, läßt sich in diesem Augenblicke auch nicht
mentferntesten übersehen. Aber aus den höchst beachtenswer—
en Aeußerungen des Kriegsministers im Parlament zu diesen
wichtigen Reformplänen läßt sich jedenfalls erkennen, daß
der Versuch mit den Senegalschützen sich über einen längern
Zeitraum ausdehnen wird und daß daneben noch sehr viele Fra—
gen zu prüfen sind, bevor eine endgültige Entscheidung über
die Zweckmäßigkeit der Verlegung größerer Truppeneinheiter
von West- nach Vordafrika getroffen werden kann.
Saarbrücken, 29. April. Als gestern ein Schutzmann
im Stadtbezirke St. Johann einen Gelegenheitsarbeiter
festnehmen wollte, riß dieser aus, lief nach der alten Brücke
zu und sprang in die dort tiefe Saar. Er wurde aber bald
von Schiffern aus dem nassen Element herausgeholt und
zur Polizeiwache gebracht. — In der Varzinerstraße im
Stadtteil Malstatt versuchte sich gestern abend kurz vor 6
lhr ein junger Mann mittels eines Revolvers zu erschießen.
der Selbstmörder wurde verletzt, doch hofft der Arzt, ihn
im Leben erhalten zu können. Der Beweggrund zu der
nsäglichen Tat ist nicht bekannt. (Sbr. Volksz.)
Altenwald, 28. April. Das Haus der Erben Witwe
zwerharth, oberhalb der Schaum'schen Wirtschaft in der
)auptstraße, ging für 16 500 Mark in den Besitz des
derrn August Breitwieser über.
Trier, 28. April. Am 19. April sind im hiesigen
Zriesterseminar 46 junge Leute eingetreten, um Theologie
u studieren und sich dem Priesterstande zu widmen.
* uouu, 29. Aprtit. Ein treinet vevensret—
er.) Der dreizeunjahrige Peer Brauer fiel von einem
zloß in den hein; er tauchte mehrete Wale uner. Wäh—
end die anderen gleichälterigen Knaben davouiefen und
in Hilfe riesen, machte sich der neunjäührige Ehr. Schlan—
sen ans Rettaäungssert. Es gelang ihm, den größeren
Spielgenossen an den HAaren aus dem Wasser auf das
Floß zu ziehen und ihn so vom sicheren Tode zu retten.
* Hückeswagen, 29. April. (Stisftung.) Ter Eh—
enbürger der Stadt, R. Schnabel, der jetzt in New-Yort
vohnt, hat auker dem vor einigen Wochen gemeldeten
Beirage dem hiesißzen evangelischen Johannessttit weitere
5000 Mark geschentt.
* Düsseldorf, 29. April. (Unghücksfälle) JIi
der Maschinen,abrit Sack in Rath stürzte ein eiserner Stän
der beim Aufrichten um und erschlug einen 181ährigen Ar
eiter, der am Morgen erst in der Fabrik seine Arbei
mgetreten hatte. — Buf der Aberbilker Allee wurde ein
Djährtger Schüler, Sohn des hresigen Fuhrun ernehmers
Lornelius Funk von dem Rusoniobil des Kommerzienrats
Bily aus Duisburg überfauren. Der Antomobileigentü
ner brachte ben schwerverletzten Knaben in die eiterlich
Wohning. wo er insotge der erlittenen Veriezungen starf
Die Untersuchung, wen die Schutd trifft, ist engeleitet.
* Saarbrücken, 29. Apreii. Teilweises Ge
tändenis. In der Eiwoeiler Mordangelegenheit haber
ie Verhafteien ein teilweises Gestendnis adgelegt. De
nerhaftete Bahnarbeiter Franz Buchner hat eingestander
a. — zrr wi nnrnn Breil in 8—
dg auf die Duchtigkeit der
Steinplatten, sauber und hell geputzt, waren mit frischem,
weißenn Sande bestreut; an den Wänden glänzten in lan
zen Reihen die kupfernen Reifen, — alles war so blinkent
md funkelnd, als sei es gediegenes Gold, — wahrlich ein
echtes Bild regen Fleißes und landwirtschaftlicher Tätig
eit. In der Mitte des Raumes stand ein großes Butter
aß mit blank geputzten Reifen und tupfernen Nägeln be—
chlagen, welch' letztere die Anfangsbuchstaben des BVestters
des Gehöftes und die Jahreszahl 1860 bildeten. An die
sem Fasse stand ein junges Mädchen, welches den Rücken
der Tür zugewandt, eifrig das Rad des Fasses drehte.
„Guten Morgen, Barbchen“, ließ sich plötzbeich eine
Stimme vernehmen, — „schon so früh tätig?“
Das Mädchen schrak zusammen und wandte sich nach
der Tür. „Ach, Sie sind es, Herr Krause, — mich so zu
erschtecken! Treten Sie ein.“
„Erschrecken Sie denn, Liebchen, wenn ich komme?⸗“
fragte der Student lachend und klopfte dem Mädchen auf
die Schulter; „Sie hatten mich wohl nicht erwartet?“
„Daß ich Sie erwartet, beweist schon das Gics Milch,
velchos ich für Sie dort zurecht gestellt; selbst die Halferir
ragte schon vor einigen Minuten, ob der lustige Studen
noch nicht vorgesprochen habe.“
„Ei“, lachte der Studiosus, „die Frau hat nach mir
zefragt? — Ist doch nicht in mich verschossen, Barbchen?
Sagen Sie ihr, ich wolle keine Witwe .....“
„Gehen Sie, — Sie Loser, — so zu sprechen.“
„Na, na, Kind. nicht aleich böse; Sie verstehen doch
ꝛinen Scherz.“
Mit diesen Worten schritt er inn die neben dem Vor—
raume gelegene Stube, wofselbst ein großes Glas Milch auf
einem sauber gedeckten Tische seiner wartete.
Die ländliche Morgengabe schien dem jungen Manßne
recht zu behagen, denn mit sidtlicher Beftiedi ung leerte er
»as Glas, während setne Nugen in dem VRjmmer umber—
rrten. 2
„VBarbchen“, rief er halblaut in den Flur hinaus. in
dem er das Glas auf den Tisch stelltee, um sich ein zwetes
ringen zu lassen, — ‚wenn ich Sie in der Bletschaft be—
chäftigt sehe, rastlos schaffen ind sorgen, erinnere ich mich
inwilltürlich der bibrischen Martga, der Schwester des va
arus, — und Maria, welche die Hände mühig in der
XMASB. TAMAI A - ——,
wehr erschlagen habe. Bas Beil will er unter einema—
geschütteten Erdhausen an dent Bahndamm vergraben
ben Eine Orisbesithtigung hat stattgefunden, das—
ist indes nicht gefunden worden.
* Weilburg. 29. April. (Ein Doppelgäng
des Grafen Zeppelin,) Die Aunde, daß 6
Zeppelin hier eingetroffen sei, hatte sich in der Umgebu
mit großer Schnetligkeit verbrettet und bewirkt, daß
neut tausende von Personen zur Unztudestätte eilten,
den ehrwürdizen alten Herrn zu sehen. In Wirklich
handelle es sich aber um einen Doppelgänger des Gr
Zeppelin, der in blauer Joppe mit Lustschiffermütze
getreue Kopie des Grafen abgab. Er entsprang elasf
dem Zug und degab sich unter ständigen Hochrusen
Weenge nach Weilburg, von wo er sich alsbald zur
fallsielle begab. Die Hochruse wollten kein Ende nehn
nur reagierte der vermeintliche Graf nicht darauf,
aber der Bürgermeister von Weilburg anhub, ihn ossi
zu begrüßen, trat er raschen Schrittes vor und sag“en,
verblüfft dreinschauenden Stadtoberhaupt, er sei ein R
schullehrer aus Wiesbaden. Die Menge verharrte dar
den Grafen Zeppelin vor sich zu haben, der incognito
ter ihnen weile. Man bestürmte ihn mit Fragen
brachte ihm unzufhörlich Ovationen dar, umsomehr,
der Bürgermeister ihn herumführte und ihm den Vert.
der Bergungsarbeiten zeigte.
* Nüruberg, 29. April. (Ddas Nürnvergerze
miliendrama.r) In der Sache der Ermordung
Rektors Dr. Herberich ist außer der Gattin auch der,
weilende älteste Stiffohn des Ermordeten, der Siud.
am Muürnchener Potytechnikum Dillinger, wegen Verdach—
der Anstifung zunmn Morde verhaftet worden Dadurch
winnt die Lesart eine gewisse Wahrscheinlichteit, daße
GBrund der ehelichen Zwistigkeiten Geldsorbverungen; die
Sindenten gewesen seien, die bei dem Stiefsvater auf
derspruch stießen, von der Mutter aber unterstützt w
den. Wie es heißt, bestreitet der junge Dillinger,
dem Vorhaben seiner Mutter etwas gewußt zu haben
Aus aller Welt.
Flüchtig gegangen. Unter Hinterlassung einer Sch
denlast von über 100 000 Mark, ist der Bauunternehn
Georg Koch aus Südende flüchtig geworden.
Ein Geständnis Hofrichters. In der Affäre
Oberleutnants Hosrichter ist eine sensationelle Wendu
einzetreten. Hofrichter, der bisher alles geleugnet har
hat unter der Wucht der gegen ihn gesammetiBewe
endlich sen Leugnen aufgegeben und dem Untersuchung
richter ein volles Gest ndnis abeelegt. Seine Frau
von vier Polizisten auus der Bohnufng abgeholt und m
dem Poltzeiprasidium geracht werden, wo sie einem e
gehenden Verher aintetzozen euede. Es scheint, daß
durch das Gesteudnis ihres ienies der Mimisserich—
beschuldigt wird.
Ein Wolf in Freitit. Aus einer Menagerie
dem VBreteipfas im 7. ariser Bezirt entwischte bei
Reinigen enes Kastgs er si rischer Wolf. Obgleich
fort eine ailgeneine Jag: disf das Tier unternomme
wurde, gelang es diesem, n der Richtung auf das Bo
loganer Wäldchen zu entkommen. Alle Nachitellungen bs
ben bisher eegebnielos.
BZur Spivnage. Währens man die Geliebte des
der Garnison Lafere verhastesenn Sotdaten, namens Land
die gleichfalis verhaftet worden war, wieder sreilass
mußte, da sie ihre Unschuld an der Spionage nachzuw
sen vermochte, glaubt die Polizei mit der Verhafungd
Geliebten des zweiten Soldaten, der dem 21. Infanter'
Regiment angehört, einen guten Faug gemacht zu habe
denn nach dem Verhör, dem sie sofert nach ihrer m
haftung unterworfen wurde, wurde sie ins Untersuchunt
gefängnis abgeführt. Die Verhafsiete ist eine junge Witn
namens Taillander aus Paris und hat schon früher
Polizei in einer ähnlichen Sache zu schaffen gemacht.
Diebstahl von Geschützteilen. Der „Matin“ 1.
det aus Nancy: Eine Untersuchung, die durch die Me
tär-Behörde in der Kaserne des 20. Insanterie-Regimen
eingeleitet worden ist, hat ergeben, daß wichtige Te
einer Mitrailleuse nach und nach gestohlen worden iin
Die Mitrailleuse war in einen verschlossenen Raum p
tergebracht und es ist noch nicht erwiesen, ob der Di
stahl durch Einbruch erfolgt ist oder durch Mitwirtung,
nes Ofsfizierzs. Bis jetzt hat die Unteriuchung noch mick
vosicives ergeben.
Schmuggel am russischen Hofe. Vor ein p
Tagen wurden im Gebäude der kaiserlichen Schloßverwe
ung große Vorräte eingeschmuggelter Waren aufgefunde
In den letzien Tagen nahm nun die politische Polizei
Petersburg Massen-Haussuchungen vor, die mit der Ane
legenheit in Verbindung stehen.
Auf der Straße überfallen. Der Bevollmächti
dittmar des bedeutenden deutschen Großhandelshauses 2
nans in Petersburg wurde auf der Straße in Peter
burg von einem Mitbewohner des Hauses übersallen m
durch 5 Schüsse schwer verwundet. An seinem AMuika
men wird gezweiselt.
Eine Kunde der Ertrunkenen. An dem nmärd
hen Strande der holländischen Insel Texel wurde en
Flasche angeschwemmt, die solgenden mit Bleistift—
schriebenen Zettel enthielt: Gott helf, wir gehen unt
An Bord Daämpser Prins Willem 2. A. v. V. Die Je
tiasen waren jene des 2weiten ards A. v. Loide
— —
„Es istl die Bestummung des Weibes“, versetzte
Mädchen, das gefüllte Glas ihm hinreichend, „das Hau
wesen zu versehen, die enge Grenze des Familienlebe
und des Hauses ist sein Berufskreis, über den hinaus
aicht soll, und doch ist diese Grenze groß genug, wenn
einen vielseitigen Obliegenheiten und Pflichten in vün
licher Weise nachkommen will.“
„Darin haben Sie vollkommen recht; sie sprechen gle
efner treuen Hausmutter; allein dieses Wirken und Sd—
en in seinem ewigen Einerlei, dieses Kochen, Putz
Stricken, Sähen muß durch das Geisttötende jede Po
des Lebens aufheben und schreckliche Lanaweile erzene
umal auf dem Lande.“
„Sie sptechen wie ein Mann, der sich in das Stir
einer Frau nicht finden kann; eine richtige Hausmut:
'eine Zeit, Langeweile zu fühlen; und was die Poesi⸗
elangt, — ach, Herr, glauben. Sie diese etwa nm—
Studentenmützchen suchen zu müssen? Meinen Sie
twa, eine brave Frau kenne nicht die hochbeseliçend
ühle des Lebens, unter denen Sie wohl Poesie ve
nüssen, wenn sie die Frucht ihres Schaffens in den
zeihen und Blühen munterer Kinder findet, wenn si
iebender Hand die Falten von der Stirn des—
treicht und glücklich ist in dem schönen Kreisfe des
ienlebens.“
Der Student blickte überrascht auf; die ungekü
Redeweise, das echt weibliche Wesen des Mädchens
sein richtiges Urteil berührten ihn in angenehmer
und zwangen ihm Achtung ah vor dem einiagchen
mödchen.
„Jeder ist glücklich nach seiner Weise“, entgegnet
„Gewohnheit und Anschauungsweise lassen den Einze'
nicht über den beschränkten Kreis hinaus, den Geburt
Verhältnisse ihm gezogen haben; ich z. B., der ich höb
Ansprüche an das Leben stelle, würde die Stille
Landlebens den Zerstreuungen und Genüssen der
nicht vorziehen können.“
„Es würde schlimm um die menschliche Gesellschaft
stellt sein, wenn es anders wäre, wenn dem Streben
den Zielen der verschiedenen Menschen nicht gewisse G
zen gesetzt wären, und wenn Jeder hoch hinaus wi
Der Bauer ist glüclicher in der Einsamkeit, in dem D
bei seinem Vieh und seinem Acker, als mancher Sto
an dem nimmersatten Nosse deöß sFhrataa— WMWi
—