Full text : Dudweiler Zeitung

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n, war. Als aber ausfuhrlichere Nachrichten über
— eintehen da wuchs auch soglesch wieder die
Aneilnahme, die das deutsche Volt nun einmal Zep⸗
elins Werlen entgegenbringt.
Die Schuldfrage.
Immer tlarer schaãlt sich aus der Menge der Nachrich—
en die Erkenntnis heraus, daß das Unglück unseres
ichslufttreuzers bei Weilburg weder große Aehnlichteit
in Echterdingen⸗ hatte, noch überhaupt auf elementaren
reionissen, gegen die Wenschenhand ohnmächtig ist, allein
rudte. Den Worten des Inspekteurs der Verkehrstrup⸗
en, Generals von Lyncker, die er an den Kaiser drahtete:
33. aͤßt sich schon jetzt beurteilen, daß die Schuld an
em unglüuͤck niemandem zuzumessen ist, sondern dasselbe
durch höhere Naturgewalt verursacht“, kann man, nach⸗
m sich das Unglück übersehen laßt, keineswegs ohne
Hrbehalt zustimmen. Wir sind im Gegenteil der Ansicht,
. durch menschliche Schuld der Anstoß zur Katastrophe
egeben worden ist. Die Meteorologen warnten we—
cu des starken Windes vor der Fahrt, sie prophezeiten,
aß die Luftschifse zwar nach Homburg, jedoch in abseh⸗
— Köln zuruͤcktommen würden. Diese
Vognose ist inbezug auf den Zeppelin⸗Kreuzer zur Tat⸗
sche geworden. Auͤch die Kölner Luftschiffachleute waren
oller Bedenken. Hatte unter solchen Umständen der oberste
nutarische Leiter des Luftschiffwesens nicht die Perpflich⸗
ing, diese Sorgen dem Kaiser vorzutragen? Der Kaiser
nidle unmöglich wollen, daß werwolles Gut der Armee
große Gefahr gebracht wurde, wobei sogar Menschen—
n vernichtet werden konnten. Hat dieser solche nicht
cwagt, war für ihn ein Wunsch unumstößlicher Befehl,
onnen wir das nur als Ausdruck eines Byzantinis—
us ansprechen, den wir sehr bedauern müssen. Wenn
un noch obendrein versucht wird, das starre System für
e Katastrophe verantwortlich zu machen, so ist das umso
derhörter, weil das Zeppelinsche System mit dem Unfall
osolut nichts zu iun hat, die Schuld vielmehr dem Sy—
in des — Militarismus zuzuschreiben ist. Freilich auch
n starres System!
Die Bergung.
Die Bergungsarbeiten schreiten rüstig voren. Man
jerki daß die Begleitungsmannfchaften keine Neulinge
iehr in ihrem Fache sind. Es gibt kein unschlüssiges Hin
ns Hertasien, sondern zielbewußt ist sogleich erfolgreich
in der Bergungsarbeit begonnen worden. In kurzer Zeit
bird „Z. 2* wieder in seinem Kölner Heim ankommen.
reilich nicht mehr in seiner stolzen Anmut, mit der er
uüͤher den Rhein und die alte Domstadt grüßte, wenn er
on seinen glückhaften Fahrten heimkehrte: In einzelne
eile zerlegt, wie eine Ware verpackt, wird das Lust chiff
oln wieder erreichen. Jenes vielbelachte Geschich, das
nst den P.⸗ und M.-Luftschiffen zugestoßen ist, obwohl
eförderungsmittel, doch selbst die Eisenbahn in Anspruch
Hmen zu müssen, wird nun auch dem stolzen Luftsegler
3. 2* zuteil. Man hätte zunächst annehmen können, man
ürde die einzelnen Teile des Lujtschiffes nach Friedrichs—
afen bringen, doch heht aus den neueren Meldungen her—⸗
or, daß dies nicht bea' si htigt ist. Das auseinaͤnderge⸗
rate Luftschiff geht nach Köln zurück. In den nächsten Ta—
Mein wird man wohl erfahren, wie sich die maßgebenden
zersönlichkeiien zu der Reparaturmöglichkeit des Schiffes
ellen werden, ob eine solche überhaupt denkbar ist, oder
b die unbeschädigten Teile nur in ein neues Sõ“chiff
ngebaut werden können

Friedrichshafen, 27. April. Direktor Colsmann
tklärle, daß offizielle Mittellungen über das Unglück bei
er Zeppelin Gesellschaft noch nicht eingetroffen seien. Nach
rioalen Meldungen sei die Vorrichtung zur Befsestigung
es Haltetaues an der Vorderspitze des Schiffes abgeris⸗
ꝛn und das Haltetau der Hinteren Gondel durchgescheuert
nd beim Abfliegen zerrissen worden. Durch Kontrolle die—
er Haltetaue hätte das Unglück verhütet werden können.
Köln, 27. April. Von gut unterrichteter Seite wird
nte eilt, daß die Luftschiffmanöver am Samstag abge—
en werden sollen, und daß die Luftschiffkommandos
us Berlin und Metz von Köln und Limburg zu ihren
zaͤrnt'onen zurückkehren. „P. 2“ erhält jetzt eine Einrich—
ung jür drahtlose Telegraphie. Die ertten Versuche sol—
en morgen beginnen
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kine Kneipp⸗Kuvpv.
Vorsitzender: Nun, Kreiselt, da haben wir Sie ja. Ihre
Ztrafe wegen des letzten Diebstahls ist gerade jetzt zu Ende
a haben wir Sie sich gleich aufs neue vorführen lassen.
„Juten Morjen, Herr Jerichtsrat! Et freut mir mäch⸗
ig, det Sie sich meiner erinnert haben,“ bemerkt der mehr⸗
aach wegen Diebstahls und Hehlerei vorbestrafte Angeklagte,
der jedoch von seiner neuen Festnahme anscheinend wenig
58 ist. Ick habe aber ooch manchmal an Ihnen ie,
acht.“
84 „Sie wissen, weshalb Ihre Vorführung erfolgt
Angekl.: Ick bin baff und finde kaum Worte, for'n Ein⸗
recher jehalten zu werden. Uff alle Fälle is det nich hu—
nan jedacht, Hervy Staatsanwalt, mir jetzt, wo ick meine
dneippgur vorhabe, uff't neue mit'n irienen Wagen abho⸗
en au lafsf⸗en

ieut. Heinrich bettachtete neugterig den Fremden und
en Mitleid mit ihm zu empfinden, vielleicht war es
nah Neugier, hier hinter ein Geheimnis zu kommen, das
Jar zu gern gekannt hätte, nämlich Barbchens Vergan—
heit zu erfahren.
„Das Mädchen ist nicht hier aus det Gegend', ant
dot ete er, „wohnt aber schon zwei Jahre auf der Farm,
ie Dächer Sie dort zwischen den Apfelbäumen erbliden.
eshalb erkundigen Sie sich nach ihr?“
„Nichts, nichts“, versetzte der Mann mit einer fast
nestlichen Geberde und strich mit der rechten Hand über
ie Augen, gleich als wollte er ein Traumbild verscheuchen
nd zut Wirklichkeit erwachen; es mußten in d'esem Au—
eczrclicke felssame Bilder längst vergangener Zeiten an sei—
em geistigen Auge vorüberhuschen, denn er stand einige
zelunden in Nachdenken verloren. Dann schien endlich ein
ieser Seufzer ihn aus dem bestrickenden Zauber zu erlö—
en, ein trauriges Lächeln umspielte seine Lippen und bef—⸗
ig schüttelte er mit dem Kopfe. —
Barbchen war aus dem Gesichtskreise verschwunden. —
Nit dem Manne muß es nicht so ganz richtig sein“, dachte
Heintich, doch war er ontschlossen, noch einen Versuch zu
machen und mit einem nichtssagenden „Nichts“ sich nicht
abweisen zu lassen. „Sie müssen das Mädchen kennen“,
uhr er fort, „denn Sie erschraden ja ordenisich, als Sie
Borbchen gewahrten!“ Es ist eine Tänuschung gewesen,
nein Bestet‘, gab der Mann, jetzt wieder vollständig Herr
einer selbst, zut Antwort; nahm aber selbst sein Fernrokt
ur Hand und musterte die auf und abwogende Menge.
vahrscheinlich, um das Gesicht zu entdecken, das ihn für
nen Möoment außer Fassuna gebrakt hatitö —

J In dem einzigen Wirtshause des Dorfes ging es am
Ibende lustig her denn die verlodenden Töne einer lär⸗
neitden Musit riefen mit ihrer allmächtig wirkenden Spracke
dic unge und alie Welt von allen Enden hecbei. Einsig
var das Wirtshaus insofern, als es einen Terzsaal cus⸗
uweisen hatte, den man in einem geräumigen Hinlerge—
re ner Duet hatte. nicht als ob das Haus far gech
echt vindiciert hätte, Bier oder sonstige Ge—
vIn zu verabreichen, denn auch in dem kleinsten Dorfi
fich mehr als eine Schenle vor.

Vors.? Sagen Sie mal, seit wann nennen Sie sich von
Jeruf Uhrmacher? Nach den Voralten waren Sie doch zu—
tzt Bademeister.
Angekl.: Det stimmt, weil ich aber im Winter mehrsch⸗
endeels ohne Siellung war, habe ick mir auf die Uhrmache—
ei verlegt.
Vorf.: Dagegen wäre nichts einzuwenden, wenn Sie
ur die Bademeifterlcusbahn nicht gar so plötzlich aufgegeben
ätten. Sie fanden ja nicht einmal Zeit, die beiden golde—
jen Herrenuhren, die Ihnen in dieser Eigenschaft zur Auf⸗
ewahrung übergeben waren, den betressenden Badegästen zu—
ückzuftellen. Wir lommen damit zum ersten Punbkte der An⸗
lage. Vermutlich nannien Sie sich nur deshalb Uhrmacher,
im sich in den Augen der Polizeibeamten über den Besitz
er beiden Uhren auszuweisen.
Angekl.: Und ick habe mir dadriber jeniejend ausjespro—
hen. Die eene Uhr war von Talmi-Jold und jehörte mir,
ie andere hatte ick zur Repratur anjenommen.
Vors.: Sie verstricken sich da in lauter Widersprüche. Die
thren sind beide echt und bedürfen keiner Reparatur, da
se gut gehen. Sie liegen Ihnen hier zur Ansicht vor, und
zie werden gut tun, sich der Unterschlagung in zwei Fällen
ie Sie als Bademeister verübien, schuldig zu bekennen,“*
sor ich die Zeugen hereinrusen lasse.
Angekl.: (nach kurzem Besinnen): „Jck kann natierlich
ls einzler ohne rejuläre Verteidgung jejen Jericht, Staatsnwalt
 und Zeujen nich uffkommen und will die beeden
lhren auf meine Kappe nehmen. Sie waren mir als Bu—
emeister überjeben worden, und da ick umjesattelt hatte und
hrmacher jeworden, mußte ick mir for unzuständig halten,
e ohne weiteres retur zu jeben.
Vors.: Sie können ganz ruhig sein, da die Uhren, wie
Zie sehen, auch so in den Besitz der rechtmäßigen Eigentü⸗
ner zurückgelangen werden.
Angell.: Ick fühle mein Jewissen beruhigt, und nu ma—⸗
hen Sie 't man jnädig mit de Strafe.
Vors.: Wir kommen nun zu dem versuchten Einbruchs⸗
ziebstahl, der Ihnen weiterhin zur Last gelegt wird. Sie
»ersuchten in einer Sommernacht vorigen Jahres in das
Parlerrezimmer einer Villa im Tiergurten einzusteigen und
purden hierbei dingfest genacht. Geben Sie zu, daß Sie
dort einbrechen und stehlen wollsen? Ee
ungeti.: wieine Vergangenhett sollte dem hohen Jerich
afür bürgen, des ick mir in den Jrenzen bewegt habe, die
ꝛr Gesetzgeber als Diebstahl und Unterschlagung festjeleg!
at. Durch den Verdacht injebrochen zu sein fühle ick mir
sermoassen deklassiert und will det nich uff mir sitzen
en.
Vors.: Aber Mann, Sie waren mitten in der Nacht über
en eisernen Gardenzaun der Villa gestiegen und wurden sestge⸗
tommen, während Sie sich am Gitter eines Parterresenster
n die Höhe zogen. Wollen Sie uns um Himmelswillen
agen, was Sie dort wollten?
Angekl.: Eine Kneippkur machte ick, damit Sie't wis⸗
en. Der Berufswechsel und dat Umlernen hatte mir zu
ehr anjestrengt und war nicht ohne Eintluß auf mein Ner—
ensystem jeblieben.
Vors.: Und zu diesem Zwecke kletterten Sie in der Nacht
ber einen fremden Gartenzaun?
Angekl.: Was dut der Mensch nich for seine Jesundheit?
zck konnte nirjends so'n scheenet langes Iras entdecken wie
u dem Jarten der Villa. So stieg ick denn rin in't Ver—⸗
niejen, zog meine Trittlinge aus —
Vorf.: Vermutlich, damit man ihre Tritte auf dem
dies nicht hören sollte.
Angekl.: Zog meine Trittlinge aus, um recht nach Her—⸗
enslust durch det fette Iras zu latschen, und bin da so
twa een Stündeken janz nach Vorschrift herumpromeniert
ls ick uff eenmal eenen Dodesschreck kriese. Et war näm
ich stodenduster und ick konnte die Trittlinge nicht mehr fin
»en. In meiner Herzensangst will ick an't Fenster kloppen,
vo ick det Portierzimmer vermute und um een Endsken
dicht bitten —
Vors.: Und da geschah das Unerhörte: Man hielt Sie
tür einen Einbrecher und Sie wurden festgenommen.
Angekl.: Und nun frage ick: Wo soll een armer Mensch
da noch seine Kneippkur machen? .
Das Gericht verhängte über den erholungsbedürftigen
auner eine Gesamtstrafe von zwei Jahren Zuchthaus.

..Bunses allerie 84

das Parfüm als Verräter.
Aus Genf wird eine merkwürdige Geschichte berichtety
kine junge Dame, die sich verheirgten wollte, hatte ihre in—
imsten Freundinnen eingeladen, sich die Hochzeitsgeschenke
anzusehen. Als sie fort waren, merkte sie, daß ein wertvol⸗
es goldenes Arnmiband, das Genschent ihres zukünftigen Gat—
en, fehlte. Da niemand als die Freundinnen in dem Raum
zewesen waren, so konnte nur eine von diesen den Diebstahl
»egangen haben. Während die junge Braut unter Tränen
»as leere Kästchen empor hebt, fühlt sie auf einmal ein star—
es Veilchenparfüm demselben entströmen, von dem sie weiß
»aß es das Lieblingsparfüm einer ihrer Freundiunen ist.
un weiß sie auch, wer der Dieb gewesen ist; die stark par—
ümierte Hand hat zu deutliche Spuren hinterlassen, als sie
zen diebischen Griff ausführte. Die Schuld des Maädcheus
var durch diesen merlkwürdigen Selbstverrat so augenschein—
ich daß sie nicht leugnen konnte.
. Wie die Perte entsteht.
Die Nerlenfischereien sind fürn Eyon von er⸗
ste Gesse zu bdegehen pflegte, war mit Taxustränzen ver—
sert und mit einigen Sprüchen, die ein Dekorationsgenie
»es Dorfes geliefert hatte, zierlich ausgeschmückt; die Stelle
n welcher die Musikanten ihre Plätze genommen, war so⸗
zat mit einem roten Tuche umspannt, an dem hie und da
och einige Fransen sichtbar waren. —
Die Kirmessen und Schuͤtzenfeste, die einzige Unter⸗
rechung der Monotonie des Landlebens, sind die Tage
er privilegierten Freude der Dorfbewohner und uralt. Sie
aben sich ihren volkstümlichen Charakter, welcher Erhol⸗
ng von der harten Arbeit, Abwechselung in der Einför⸗
nigkeit des Lebens und unschuldige Freuden bezweckt, ein⸗
ig und allein auf dem Lande bewahrt, denn in den Städ⸗
en, wo ein Vergnügen das andre drängt, und tausendfach
zelegenheit geboten wird, sich zu zerstreuen, sind diese Feste,
venn auch nicht verschwunden, so doch unter ihr ehemali—
ses Niveau versunken, ja die vornehme Welt hält es so⸗
ar unter ihrer Würde, sich an diesen Volksfesten, die nur
ir die ärmere Klasse dienen, zu beteiligen Auf dem Lande,
yo es keine Theater, kein Konzert, keinen Zirkus gibt, wo
öchstens hin und wieder eine vagabundierende Künstler⸗
ande sich produßiert, gipfelt die ganze Freude und die
ẽzrholung des Volkes in den lustigen Kirmestagen, umd
in Wunder, daß alles aufgeboten wird, dieses Fest nach
ltet Würde zu begehen, daß schon die sorgsame Hausmut⸗
er wochenlang scheuert und putzt und backt und jedes Kind
rpicht ist, in dem Hochamte am Sonntage in einem neuen
dleide zu erscheinen! —
Der „Festball“ am Abende, wie großprahlerisch das
dreisblatt den Tanz genannt hat, setzt selbstverständlich dem
anzen Feste die Krone auf, ind die junden Mädchen
issen schon wochenlang vorher davon zu erzählen. Man
laube ja nicht, auf einem solchen Balle gehe es steif⸗
äuerisch her; dieser sogenannte „teife“ Tom ist weit eher
n den geschlossenen Ballkränzchen der Aristokrotie zu fin—⸗
en, wo die strenge Etikette ihre beengenden Reifen von
utem Ton, noblem Anstand, Frack, weißen Glacees und
veißer Weste um die fröhliche Ungebungenheit und natür—⸗
iche Munterkeit gelegt hat, die doch die Hauptwürze eines
danzes ausmachen. Naturkinder kennen das fischbeinge⸗
pickte Korsett steifer Etikette nicht, sie geben sich, wie sie
nd, fröhlich und heiter, ohne indes gegen die Regeln des
nstandes im geringsten zu verstoßen. Sogar eine gewisst
seaon der Toliletten wirb Schou oettnen. und Mzger

 Bedeufung, und die Unsicherheit, eue dniit dieser Zndu—
trie verbunden ist, hat der indischen Regierung schon oft
Anlaß zu Sorge gegeben, so daß sie eine gründliche Unter
uchung der Bedingungen und umfassende Nachforschunger
iber die Natur und Gewohnheiten der Perlenauster hat an
tellen lassen. Als eine Folge dieser Untersuchungen und der
adurch gewonnenen Konntnisse hofft man, die Perlenfischere
nuf eine wissenschaftlichere Grundlage stellen, und wenigstens?
einige der jetzigen Beeinträchtigungen entsernen zu können
Die unter Leitung von Professor Hartmann ausgeführter
Untersuchungen haben bemerkenswerte Taisachen enthüllt
und von ganz besonderem Interesse ist eine genauere Er
lenntnis der Art, wie die Perle sich bildet. Gewöhnlich ha
nan angenommen, die Perle sei die Folge eines in die Mu
chel gelangten Sandkornes: dadurch werde die Auster so ge
reizt, daß sie um den Eindringling eine Anzahl Schichter
perliger Substanz gelegt hätte. Es hat sich jedoch gezeigt,
daß in der großen Mehrzahl der Fälle die Perle in Wirk—
sichkeit der Anwesenheit eines tleinen Wurmes zu verdanken
ist; um die kugelrunden toten Puppen dieses Wurmes leg—
die Auster die zahlreichen Perlmutterschichten und bildet auf
diese Weise die hochgeschätzten Perlen. Es war daher wich—
lig. die Lebensgeschichte dieses parasitischen Wurms kennen
u lernen, und Ichließlich fand, man, daß bestimmte Arten
hdornfische, die Schalentiere fressen, von dem Wurm durch—
zrungen werden; durch sie wird die Infektion wieder auf
zie großen fischfressenden Rochen oder Haie übertragen, die
ich von den Hornfischen nähren. In diesem Rochen erlangt
der Wurm seine Reise und scheidet zahlreiche Nachkommen
n das Meer aus, die in die Auiter dringen und ih—
den interessanten Lebenslauf beginnen. Vie Nusetnaundeolge
»erschiedener Tiere als Wirte ist für den parasitischen Wurm
rötig; folglich würde es ohne Hornfisch und Rochen die schöne
zrientalische Perle nicht geben. Ducrch Halten infizierter Ro—
hen in großen Käfigen in der Nähe von Austernbetten kanr
man daher möglicherweise die Erzeugung orientalischer Ver
len wesentlich vermehren. —
Willst Du den Geist im Gesang erspüren
Und Dich erfreuen an feinem Duft:
Laß Dich nicht vom eitlen Klang verführen,
Zuche der Erde Gold nicht in der Luft.

*Freier: „Ich schwöre Zyhnen, Herr Kommerzienrat
daß ich ohne Ihre Tochter nicht leben kann.“ — Kommer
ienrat: „Das glaub' ich Ihnen aufs Wort — bei Ihrem
geringen Einkommen!“
*Seppel: „Denk der mol, mei' Vaiter hott sona—
ro“es Gsoæwur am Maul.“ — Schorsch (entrüstet): „Sag
doch zu deim Varter seiner Gosch net Maul!“

Humor Friedrichs des Großen.
Bei der Inspezierung eines Reiterregiments erkun—
digte sich Friedrich beim Obersten nach seinen Offiieren.
Der Oberst äußerte sich über allie sehr lobend, nur den
Rittmeister F. tadelte et und meinte, es wäre ihm lie—
ber, wenn derselbe versetzt würde, weil er saufe.
Nichts war dem Konige verhaßter als dies Laster. —
Während der Revbue beobachtete der König den be—
chuldigten Rittmeister und seine' Schwadron genau und
and zu seimer Ueberraschung, daß die Schwadron unter
Fzührung des Rittmeisters in jeder Beziehung ausgezeich—
net ererzierte, während die Leistungen des Obersten mit—
elmäsßige waren.
Nach Beendigung der Revue nahm der König derp
Oberst beiscite und sagte zu ihm:“
Weiß Er was, sauf Er auchl!“
*
Friedrich warde von Ma'or v. d. H. um die Erlaub—
n's zu seiner vierten Vermählung gebeten. Der König
an den Raud der Einzabe:
„Von jetzt an kann sich der Major v. d. H. so ost
vyerheireun als er wi“

Auch schon zu Fried ichs Zeiten war es den Offi—
zieren streige versoten, Zioll lider zu tragen.
Ein flotter Leutnant überttat einmal das Verbot. Er
ginz mit einer Herzenszame in Saussouci spazieren, tru
dabei einen bürgerlichen dtock und hatte, wohl aus Mu
willen, den Degen untergeschnallt im Gefühle der Sicher
heit, daz der Köniz in Potsdam sei Beim Einbiegen in
eine Allte stand plaͤnlich der König vor ihm. Verwunde;
—
„Wer ift Er?“ Der Ossizier war erschrocken stehen ge
blieben, haite aber doch die Geistezgegenwart zu antworten
„Ich bin Ofjfizier, allein ich bin inkognito hier.“
Diese witzige Entsshuldigung gesiel dem Kenige, und
schlagfertiz gab er zur Autwott: „So mach' Er, daß ihn
der Könia nicht sieht“ und aing weiter.
eisten seelenver niigt nach Haufe. Aber sie kehrten min
langen Gesichtern und dicken Backen zurück. Der Fall wan
erledigt.
Kurz darauf stellte einer von ihnen wieder etwas an.
Appell. Der Rittmeister erscheint. „Reiter X. vortreten!
Wachtmeister, schreiben: X. erhält drei Tage — — —
drlaub!“ „Aber, Herr Rittmeister, ich möchte ja gar kei—
nen Urlaub!“
Es half nichts. Er ging.
Die Schlingels in der Schwadron aber besserten sich
rus „Furcht vor Urmaub“. (Jugend.)
Der Ungar. Begreif ich gor nicht, daß Westeuro—
päer sich aufregen, wenn Minister uns' was an Kopp krie
gen. Heißt Parlamentieren. item müssen paar lamen
tieren

veiblichen anddewohner suchen einander an Pracht und
leidertracht zu überbieten; je kleinstädtische — um so
zrächtiger; denn die Frau des Fleischers darf doch hinter
der Frau Bürgermeisterin nicht zurücstehen!
An den langgereihten Tischen saßen lachend und plau—
zernd und trinkend die Einwohner, die Eltern mit ihren
offnungsvollen Kindern. Welch' ein Stolz für das Mut—
ꝛrherz, ihre blühende Tochter in dem hellen Kleide, desser
ztoff sie selbst qus dar Stadt geholt, präsentieren zu kön
en, wie zufrieden und seelenvergnügt lächelte manches
stütterchen, wenn das Auge die jungen Tänzerpaare über
log und stie sich der schönen Zeit erinnerte, als auch sie
o jung und flink gewesen, sich in wirbelndem Polka ge—
reht und der Vater um sie gefreit, der jetzt aber ihr zu—
rickend, sein Glas an die Lippen führte.
Wie freudig hüpfte ihr Herz, wie stolz tanzten die
Augen mit dem Töchterchen, das so leichtfüßig walzte,
venn auch die Füße ihr selbst den Tanz versagten. Unter
den Anwesenden befand sich auch die Halferin, der wir
aim Nachmitkage auf dem Spaziergange durch das Dorf
degegnet sind, mit ihren beiden erwachsenen Töächtern, alle
hrei in Atlasseide rauschend. Die behäbige, gemütliche
Frau unterhielt sich sehr lebhaft mit ihrer Nachbarin, und
vährend sie die Talente und Vorzüge ihrer liebenswürdi—
gen Töchter recht zu beleuchten sich bemühte, führte ste mit
der Rechten melancholisch Kuchen und Bonbon zum Munde;
die Töchter aber „emnuierten“ sich, wie sie selbst sagten,
denn beide hatten in der Stadt „ein höheres Töchterpen⸗
ionat“ besucht, und infolgedessen hatte die Kultur schon so
eht an ihrer ländlichen Herkunft geleckt, daß sie sich daheian
richt mehr so techt heimisch fühlen konnten.
Mit düsterer Miene und offenbar umzufrieden musterte
Heinrich in einer Ecke des Saales stehend die tanzenden
Paare, die lachenden und fröhlichen Gruppen. Er selbst
anzte nicht, und die Burschen des Dorfes boten vergebens
hre Redekünste auf, den Verdrießlichen in ihre Kreise zu
ziehen. Plötzlich schien er einen Entschluß gefaßt zu ha—⸗
ben, denn eilig durchschritt er den Saal und näherte sich
dem Tische der Halferin. Diese mochte den jungen Mann
vohl leiden; er war der Sohn eines begüterten Bauern,
reißig und solidl. „Nun, Heinrich“, sagte scherzend die
zrau vom Gehöfe, „Du hast ja ein Gesicht wie seben Taa—
stegenwetter! Was fehlt Dir?“
Seinrich sachte bell ä abep däa Lachen klang meß—

Neueste Nachrichten und Telegramme.
Berlin, 27. April. Der Militär-Luftkreuzer „M.3*
wird bei günstiger Witterung eine Fernfahrt von Tege
nach Dresden antreten. Die Vorbereitungen hierfür sind
getroffen. Schon gestern sollte der Luftkreuzer diese Fern—
fahrt antreten, was jedoch wegen des starken Windes unter—
bleiben mußte. Wenn das Wetter in Dresden gut seir
wird, soll die Fahrt über Thüringen, den Rhein entlang
abwärts nach Köln ausgedehnt werden, um hierdurch mög—
lichst eine recht lange Dauerfahrt ausführen zu können.
Berlin, 27. April. Graf Zeppelin hat sür Mitte Jun
seinen Besuch mit dem „Z. 4“ auf der Weltausstellung in
Brüssel angesagt. Das Luftschiff wird 14 Tage Passagier—
fahrten unternehmen, und Graf Zeppelin wird Vorträge
über das Starre System halten.
Berlin, 27. April. Die von den Sozialdemokratern.
anläßlich der Maifeier geplanten Straßenaufzüge
sind in Treptow, Oberschöneweide und Zehlendorf durch
die Polizei verboten worden, da durch sie der öffentliche
Verkehr gefährdet werde. In Mariendorf wurde die Er—
aubnis zum Umzug nur durch die Hauptstraße verweigert.
— In einer ganzen Anzahl schlesischer Städte sind die
Maiversammlungen unter freiem Himmel, bezw. Umzüge
gestattet worden, so in Bunzlau, Hainau, Görlitz und
Hirschberg. In Breslau und Liegnitz wurden die Umzüge
genehmigt. — Die Exzesse der streikenden Gerüstarbeite
in den Vororten Berlins dauern an.
Berlin, 27. April. Die Zentralverbände der Arbeitern
haben jetzt ihre Zusammenstellung über den Umfang der
Bauarbeiter-Aussperrung im Reiche fertig gestellt. Dar—
nach sind rund 150 000 Arbeiter von der Aussperrung
betroffen und zwar 70 000 Maurer, 24000 Zimmerer
24 000 Bauhilfsarbeiter von den freien Gewerkschaften
Der Rest entfällt auf die Mitglieder des christlichen Ver—
bandes und auf unorganisierte Arbeiter.
Berlin, 27. April. Das Abgeordnetenhaus setzte heute
die zweite Lesung des Kultus-Etats fort und vertagte die
Weiterberatung auf heute Abend.
Weilburg, 27. April. Graf Zeppelin traf heute mittag
aus Köln mit dem D-Zug in Weilburg ein und begab sich
sofort nach der Unfallstelle, um die Aufräumungsarbeiter
an dem verunglückten Z. 2. in Augenschein zu nehmen
Die Unfallstelle ist seit gestern abend völlig abgesperrt unk
wird streng bewacht, da die zahlreichen in Limburg ein—
treffenden Fremden förmliche Raubzüge auf, das Wradck
unternehmen, um Aluminiumteile und Stoff-Fetzen al—
Andenken mitzunehmen.
Weilburg, 27. April. Graf Zeppelin zeigte sich seh—
niedergeschlagen über die Ballon-Katastrophe, meinte aber
daß gegen höhere Gewalt nicht anzukämpfen sei. Der
Graf dürfte selbst einen ausführlichen Bericht über den
Befund an den Kaiser erstatten.
Halle a. d. S., 27. April. In einem hiesigen Hote
vergiftete sich ein Fremder und seine Tochter. Die Per—
sönlichkeiten der beiden sind noch nicht ermittelt. Anschei—-iend
 stammen sie aus Königsberg in Preußen.
Leipzig, 72. April. Das Reichsgericht hat die Revi—
sion des Bergmanns Hermann Oste, der vom Schwurge—
richt in Kleve am 8. März wegen Ermordung eines Jagd—
aufsehers zum Tode verurteilt worden war, verworfen.
Rom, 27. April. Der Papst empfing den Kardina
Erzbischof Fischer-Köln in Audienz.
Rom, 27. April. Am 27. Dezember 1907 verscwwand
in Brombach der italienische Bergarbeiter Calvarelli. Jetz
bezeichnete sich der in Florenzer Zuchthaus sitzende Berg
arbeiter Bellini Mitgefangenen gegenüber als der Mörder
Calparelli leuanet, wird jedoch spüter an Deutschland aus
geliefert.
Pest, 27. April. Wie aus Großwardein gemeldet wird
erregt die Suspendirung des Vize-Notars Coloman Kertoe
in Naga Szaltonia großes Aufsehen. Nach einer Meldung
soll diese Maßregel wegen einer politischen Korruptions-Affäre
 erfolgt sein, nach einer andern hätte ver Notar eine
Frau, die in Rechtsangelegenbeiten bei ihm vorsprach, ver⸗
gewaltigt.
Paris, 27. April. Auf dem Bahnhof von Saint Cheror
wurde heute nacht ein Güterexpedien? überfallen und ge—
fesselt. Die Diebe erbrachen das Mureau, schleppten den
Geldschrank auf das freie Feld un“ beraubten ihn. Heutt
früh wurde der Expedient halberstarrt aufgefunden.
Biarritz, 27. April. Der letzte Abend des Königs
Eduard in Biarritz wurde von der französischen Behörde
durch die Veranstaltung einer italienischen Nacht gefeiert
Ein großer militärischer Fackelzug wurde veranstaltet ar
dem sich tansende Personen beteiligten. Der Fackelzus
defilierte vor dem König vorbei. Abends 10 Uhr 80 reiste
der König mit dem nach Paris abgehenden Zuge ab. Der
König wird ohne Aufenthalt in Paris zu nehmen heute
abend 6 Uhr in London eintreffen

⏑—
arzwungen als natürlich. Was soll mir fehlen, Halserin
— Fragen wollte ich, weshalb Sie die Barb' daheim ge⸗
lassen haben?
Aha, das ist es also, das Mädchen steckt Dir im
Kopfe. Barbchen wollte nicht zum Tanze gehen.“
Wollte nicht? — ei, ein junges Mädchen will nicht
tanzen! Soll ich ste hierher holen?“ — ‚Wird Dir schwer
gelingen, Heinrich“, versetzte die Bäuerin, „aber versuchen
magst Du es immethin.“
Heinrich eilte davon; insgeheim ärgerte er sich, dah e
stch der Halferin verraten hatte und so offen bewiesen, daß
er an Barbchen ein mehr als gewöhnliches Interesse nehme,
zumal da die beiden „hochnastgen“ Töchter es mit ange
bört; aber er wußte sich nicht anders zu belsen. denn um
das geliebte Mädchen zum Balle zu führen, mußte er zu⸗
vor die Erlaubnis der Bäuerin eingeholt haben; indes
tröstete er sich mit dem Gedenken: „mag die ganze Well
denken, was sie will, — lieb hab' ich das Mädchen doch!
— und erfahren sollen ste es alle, wenn ich nur erst wüßt⸗
ob ... Er wagte den Schlußsatz nicht zu denken.
Heinrich stand einige Minuten in der Nähe der Farm,
die so friedlich und stille, beleuchtet von dem Lichte des
Vollmondes, vor ihm lag. Welch' ein unsäglich drückendes
Gefühl bemächtigte sich seiner, wie hörbar klopfte sein
Herz, als er da stand, und doch war es dasselbe Haus,
das er täglich, wenn auch mit Sehnsucht, so doch ohm
Herzklopfsen erblickte.
Die Töne der Tanzmusik drangen nur dumpf unt
schwach an sein Ohr; sie lockten ihn nicht und doch war er
sonst der lustigste Bursche des Dorfes. .. Es war ein
—R—
wirkte die erfrischende und erquickende Kühle des Abends
Vor der Tür des Wohnhauses saß der Großvater unt
rauchte behaglich sein Pfeifchen; der große Schäferhum
lag lang hingestreckt zu seinen Füßen; aus der Stallun—
kam eine Magd und schritt dem Hause zu, aber die Ge
suchte erblickte er nicht. In der großen Wohnstube branntt
ein Licht, dort konnte sie sein. Heinrich näberte stch dem
Hause und grüßte den Alten.
„Wie, Du hier, — nicht drüben?“ fraatke der Vatoi
ker Halferin
            
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