Full text : Dudweiler Zeitung

Aprilwetter.
April — April
Der macht das Wetter, wie er will,
War eben heller Sonnenschein,
dann's plötzlich wieder trübe sein,
dommt Hagel, Schnee und Regen,
Der Wind beginnt zu fegen,
Die Freude ist auf einmal aus,
Am schönsten ist es da zu Haus.
KFomet. Mit rasender Geschwindigkeit nähert sich der
»alleysche Komet jetzt der Erde. Am 2. Mai ist er noch
13 Millonen Kilometer von uns entfernt, am 13. Mai
19 Millionen, am 15. Mai 22 Millionen Kilometer. Dann
ntfernen sich beide Weltkörper wieder von einander. Das
hestirn zieht auf seiner der Sonne abgewandten Seite den
ielen Millionen Meilen langen Schweif mit sich. Gemäß
er Bahnlage des Kometen muß dieser Schweif in der
stacht vom 18. zum 19. Mai über die Erde hinwegsausen
nit der ungeheuren Geschwindigkeit von 280 000 Kilometer
in der Stunde. Bestände der Schweif aus Materie, die
uuch nur die Dichte des Wassers besäße, so würde es am
9. Mai mit dem Menschengeschlecht zu Ende sein, keine
Vissenschaft und keine Technik könnte die Erdbewohner vor
em Verderben retten und die rohe Materie würde den end⸗
ültigen Sieg über die menschliche Intelligenz davontragen.
Nan muß dies recht erwägen, um zu erkennen, wie über—
rieben die Ansichten sind, welche von einer „Herrschaft“
es Menschen über die Natur und deren Kräfte so oft aus—
esprochen werden. Glücklicherweise aber steht vom Wesen
er Kometenschweife fest, daß sie aus einem über alle Vor—
tellung dünn oder fein verteilten Stoff bestehen, der nach
en Beobachtungen von Bessel und Struve selbst das hin—
urchgehende Sternenlicht nicht merklich beeinflußt.
Kohlenmarkt in Mannheim. Die Marktlage war
iuch waͤhrend der jüngsten Zeit höchst unbefriedigend für
»en Handel, dem ausreichende Beschäftigung angesichts des
chwachen Kohlenabsatzes fehlte. Wohl wurden alle Ver—
uche gemacht, den Absatz zu heben, allein bei dem geringen
donsum war dies geradezu eine Unmöglichkeit. Die Be—
tände am Oberrheine sind in allen Sorten reichlich. Noch
elten verfügte man über so große, freie Vorräte kurz nach
zeendigung der Winderperiode, besonders in Hausbrand⸗—
ohlen, was seinen Grund darin hat, daß wir einen sehr
nilden Winter hatten und der Verbrauch daher weit hinter
em normalen Umfang zurückblieb. Viele Kleinhändler
aben infolgedessen noch größere Qualitäten auf Lager, und
— 00
ich Kontrahierung von Abschlüssen vorläufig abwartende
Stellung einzunehmen. Ob die Händler dabei tatsächlich
jut fahren, muß noch abgewartet werden. Die Rheinschiff⸗
ahrt ab Mannheim nach dem Oberrhein war immer noch
m Gange, so daß die Häfen von Karlsruhe und Straß⸗
urg⸗Kehl immer noch mit Kohlenschiffen erreicht werden
onnten. Besserung kann aber nur länger andauernde
Anterbrechung der Zufuhren bringen. Bisher wurden ja
illerdings nur reduzierte Posten beigebracht, allein da ein
keil davon immer wieder auf Lager gehen mußte, war an
deduzierung der Voräte eben nicht zu denken. Dies ist das
Nißliche an der Situation des Kohlenmarktes in dieser
zaison! Die Effektuierung ab Ruhr auf neue Abschlüsse
rfolgte bereits. Die Gasanstalten klagen fortgesetzt über
izulänglichen Absatz, zumal da sie ebenfalls große Mengen
Ware an der Hand haben. Man sieht daher sehr billige
Angebote am Markte, die aber durchaus keine Veranlassung
u Abschlüssen geben können.
Der evangelisch⸗-soziale Kongreß hält vom 17. bis
9. Mai in Chemnitz feine diesjährige Tagung ab. Die
borträge und Referate beschästigen sich in der Hauptsache
nit der Tage des Arbeiterstandes im Rahmen der gegen—
värtigen wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse. Das
olitische Gebiet wird durch einen Vortrag berührt, in dem
ie Gegensätze zwischen sozialistischer Weltanschauung und
hristlicher Religion behandelt werden sollen. Gleichfalls
vom 17. bis I9. Mai hält der Gesamtverband evangelischer
Urbcitervereine in Elberfeld eine Tagung ab.
Sonntage. Der kommende Monat Mai hat 8 Sonn—
»der Feiertage. Der 1., 8., 15., 22. und 29. sind Sonn—
age, am 85. ist Christi Himmelfahrt, am 16. Pfingstmontag
ind am 26. Fronleichnam. Die Leute, welche die Arbeit
richt als des Lebens Würze betrachten, werden also den
Nonat Mai mit Freuden begrüßen können.
Die Erneuerung der Lose zur 65. Klasse der Königl.
dreußischen 222. Klassenlotterie muß mit Vorlegung des
Loses 4. Klasse bei Verlust des Anrechts bis zum 3. Mai
»8. J. abends 8 Uhr bei dem 'zuständigen Könial. Lotterie—
innehmer geschehen.
500 deutsche Arbeiter in Brasilien verschollen und
erstorben! Nach Aussagen von Arbeitern, die in die
heimat zurückgekehrt sind, sind von 700 Mann 500 ver—
chollen oder geblieben! Die Anwerbungen waren im Juli
d August 1908 durch den Ingenieur Wilhelm Jürgens

G6esühni.
Novelle von Hermann Ehrlich.
Nachdruck verbaten
Sin rauher Herbstabend. Heulend, mit gellenden Tö⸗
ien streicht der Wind über die Straßen, und in den Laternen
haclern unvuhig die Gasflammen. Hie und da bringt sie der
zturm zum Erlöschen. An den Baͤumen der Promenade riu—
elt er, daß sie in ängstlichem Rauschen wispern und schmerz⸗
oll aufstöhnen und ächzen... Ein Mensch irrt durch das
dunkel. Durch die fadenscheinige, dünne, zerrissene Klei—
uung dringt der eisige Hauch des Windes, und der dürre
törper mit seinen Spuren von Not und Hunger, er er—
chauert in Frost. An einer Brücke kommt der Mann vorbei.
dort unten zischen und schäumen die rollenden Wogen. Ue—
er die Brücke saust ein Eisenbahnzug in die Finsternis hin⸗
in. Wie kohlschwarze Silhouetten stehen die Baͤume wil
scharf ausgeschnittenen Zacken. Unruhig wühlt der Regen⸗
vind im Geäst. Aus dem Schornstein der Lokomouve stäubit
zine Handvoll Funken, die wie ein Schwarm Glühwürmchen
nie dertaumeln und auf den feuchten Boden verglimmen. In
inschläferndem Takt stampfen die Räder, — husch, wie ein
gespensterheer ist alles verschwunden. Von fern noch hört
nan das monotone Rasseln und dann gellt ein Pfiff wie
ein brutaler Schrei durch die Stille. Stöhnend ist der Zug
orübergerast, aus großer Weite noch sieht man seine Lich—
er glänzen und mehr und mehr verschwinden, bis alles wie—
er rings in die düstere Finsternis gehüllt ish
Neidvoll hat der Mensch dem Zuͤge nachgesehen. Da
rinnen in den Kupees der ersten Klasse, da druckten sich die
dinder des Reichtums in die schwellenden Polster; mit ihrem
jelben Golde fesselten sie das irdische Glück an sich. Und er,
ꝛx war ein Ausgestoßener, ein vom Glück Geächteter, der
bdachlos, gehetzt, durch das Dunkel irrie, nicht eiumal einen
Irt hatte, wo er zur Nacht vor den Unhisden des Mone
zchutz fand!
Vor Monaten hatten sie ihn aus dem Gefängnis ent—⸗
assen. Lange Jahre war er dort gewesen. Es war ihm ein
beim geworden, alles hatte er dort gehabt, was er zum Le⸗
en brauchte, regelmäßiges Essen, eine Siätte, wo er nach
»em Tagewerk sich zuv Ruhe legen konnte. Und doch hatte
r sich auf die Stunde gefreut, die ihm die Freiheit brachie.
kr kam hinaus in eine ihm fremd gewordene Welt. Das
r⁊ste, was er tat, war, daß er sich an einen Verwandten
vendete. Der wies ihm die Tür. Man stieß ihn hinaus
ad die Strakße, dey Not in die hdürren ArmeMimaenß

im Auftrage des Madeira-Mamore Railway Company in
London erfolgt, einer Gesellschaft, die in Brasilien am
Madeiraflusse, einem Nebenflusse des Amazonenstromes,
ine Eisenbahn baut. Nach Erkundigungen, die von den
iuch schon in den Hamburger Passagierhallen gewarnten
lngeworbenen in Para eingezogen worden sind, sollen in
en letzten Jahren bei diesem Bahnbau 3000 Mann geblie—
en sein. Als sie dies erfahren hatten, wandten sich die
herschleppten an den deutschen Konsul in Para, der ihnen
agte, sie sollten nur in das Arbeitsgebiet fahren, es sei in
en letzten sechs Monaten viel gebessert worden. — Wie
venig diese Auskunft zutraf, geht aus dem Faktum hervor,
aß von den in mehreren Transporten hinübergebrachten
00 Arbeitern nur 200 — und von diesen die meisten
rank — in die Heimat gekommen sind. Am 15. Sept.
909 traf der erste Transport in Porto Belho ein und
h»urde von hier aus in Erdbewegungszügen in den Urwald
ebracht. Die Verpflegung war nach allgemeiner Aussage
ienschenunwürdig. Die sanitären Einrichtungen ließen
lles zu wünschen übrig, und die Todesfälle häuften sich
nerschrecklicher Weise. Auch die pekunären Verpflichtun—
en wurden von der Gesellschaft nicht erfüllt, und so kamen
ie meisten der Unglücklichen auch noch um den Verdienst.
Nan hatte ihnen eine Einnahme von etwa 15 Mark den
dag versprochen. Der deutsche Konsul von Managos zwang
iuf einen Beschwerdebrief hin die Gesellschaft, die ange—
vorbenen deutschen Arbeiter unverzüglich zu entlassen. An—
jeblich fügten sich die leitenden Direktoren dieser Forderuug
zoch wollten sie den Zug, auf dem die Rückfahrt angetreten
verden sollte, erst vier oder fünf Tage nach der Arbeits—
iederlegung abgehen lassen. Während dieser Zeit mußten
»ie Angeworbenen hungernd und durstend im Freien
ampieren. Diejenigen, die sich zu Fuß nach Porto Belho
ufmachten, bekamen die Heimat überhaupt nicht mehr zu
ehen. Sie sind auf dem Marsche verdurstet oder dem
zieber zum Opfer gefallen. Die auf Station 10 Zurück—
ebliebenen hörten dann nach einigen Tagen den Bescheid,
aß sie überhaupt nicht befördert werden, wenn sie nicht
irbeiteten. — In den acht Wochen, die dort gearbeitet
vurden, sind allein 300 Mann am Fieber gestorben. Die
leberlebenden konnten jetzt die Reise nach Manaos hezahlen
vurden aber meistens noch um die Hälfte des verdienten
vheldes gebracht In Monaos nahm sich der Konsulats—
erweser von Bülow der Unglücklichen mit großer Menschen—
reundlichkeit an und ermöglichte ihnen die Rückfahrt nach
hamburg. Eine ganze Anzahl von ihnen fand im Tropen—
rankenhaus Unterkunft und rühmt die liebevolle Behand—
ung durch die Aerzte und Schwestern.
Der Verein zur Bekämpfung der Tuberkulose.
Im Dienstag trat in Kehl in Anwesenheit der Großher—
ogin von Baden unter Beteiligung von mehreren hundert
Lersonen aus ganz Baden, der badische Landesverband des
Lereins zur Bekämpfung der Tuberkulose zusammen. Pro—
essor Dr. Stark-Karlsruhe erstattete Bericht über die Tätig—
eit der Ausschüsse des Vereins im Lande, die ein günstiges
desultat zu verzeichnen hätten. Drei wichtige Aufgaben
ätten die Ausschüsse zu erfüllen: Für die Aufklärung über
Lissen und Heilbarkeit der Tuberkulose zu sorgen, zu ihrer
zerhütung beizutragen uud schließlich Fürsorge für bereits
erkrankte zu treffen. Im Jahre 1910 werde ein vor
ldolf Bensinger-Mannheim geschenktes Wandermuseum we—
entlich zutragen. Erholungsheime und reiche Gelegenhei
u Soolbadkuren, namentlich für Kinder, Wohnungsdesinfek—
ionen und andere Maßregeln vermochten die Sterblichkeits—
iffer der Tuberkulosekranken immer mehr herabzudrücken
Das zeigt eine Sterblichkeitsstatistik der Tuberkulosen in
baden, wo einer Sterblichkeitsziffer von 4202 Personen im
Jahre 1904 eine von 3679 im Jahre 1908 gegenübersteht.
Lrof. Nietner-Berlin sprach über die Tuberkulofe im Kindes—
ilter und ihre Bekämpfung in Haus und Schule. Die
hauptgefahr für die Kinder bildeten die erwachsene Lungen—
ranken. Im Säuglingsalter trete die Tuberkulose häufig
iuf, besonders als Hirnhauttuberkulose. Säuglinge müßten
inter allen Umständen von tuberkulösen Müttern fernge—
alten werden. Offene Tuberkulosen seien vom Schulunter—
icht fernzuhalten. Besonders wichtig seien schulärztliche
—chlußuntersuchungen vor Eintritt ins Berufsleben. Als
ritter Redner sprach Bezirksarzt Dr. Stoher aus Kehl über
den Stand der Tuberkulose im Bezirk Kehl, ihre Ursache
uind Bekämpfung. Die Sterblichkeit in diesem Bezirk sei
»erhältnismäßig gering, dank der günstigen Bodenverhält—
risse, dank des Fehlens großer Industrien und dank der
ünstigen Wohnungsverhältnisse. Der Redner erläutert, in
velcher Weise die Bekämpfung der Tuberkulose durch den
905 gegründeten Ausschuß geschieht. An den Vortrag
hloß sich eine Diskussion: Bürgermeister Dr. Schweickert
zforzheim trat für die Erhöhung der vom Staat und der
andesversicherungsanstalt gewährten Mittel je (5000 Mk. ein.
Genähte Adern. Zu den schwierigsten Aufgaben des
IPperateurs gehört die Naht durchtrennter oder zerrissener
Blutgefäße. Vrofessor Sonnenburg vom Städtischen Kran—

atte er. Die Eltern waren tot. Ver vVater, ein aluer, ore
erer Beamter, hatte die erste Verurteilung seines Sohnes
ticht überleben sollen, und auch der Mutter hatte die
zchmach ihres einzigen Kindes am Lebensmark genagt. Ei—
es Tages hatte man auch die alte Frau hinausgetragen auf
en Gottesacker und ihr neben ihrem Manne in den Gra
erreihen eine Ruhestatt bereitet.
Seit ener Zeit hatte er den letzten morallischen Halt
erloren. Immer tiefer in ihren wirbelnden Sprudel lockten
hn Sünde und Verbrechen. Gar oft noch schickte der Spruch
es Gerichtes ihn ins Gefängnis. Mehrere Jahre hatte er
uletzt abgebunht. Als er dann frei war, da hatte er sich
orgenommen, sortan in heißem, aber redlichem Ringen durch
ie Klippen des Lebens zu steuern. Zu dem Verwandten
zar er darum gegangen, der sollte ihm eine Stütze sein, sei—
en Vorsatz auszuführen. Doch er hatte ihn hinausgejagt
us dem ˖ Hause. Für ihn, den Verbrecher, sei dort kein Blei—
en, hatte man ihm bedeutet. Er war durch die Straßen
ewankt, zur Stadt hinaus, ziellos, und ohne, daß er es
zollte, stand er plötzlich vor der Friedshofspforte. Es zog
hn hinein. Die Hügel, unter denen die Eltern schlummer—
en, fand er bald. — Als er das Totenfeld verließ, trat
r mit neuer Hofsnung in die Welt hinaus. Es würde ihm
chon gelingen, Arbeit zu finden. Er fragte hier und dort
in. Man siellte ihn ein. Länger aber als einige Tage be—
sielt man ihn nirgends. Denn dann kam die Polizei, unter
eren Aufsicht er gestellt war, und die Arbeitgeber erfuhren,
zas es mit seinem Vorleben auf sich habe. Keiner wollte
s mit einem solch zweifelhaften und gefährlichen Menschen
u tun haben und man entließ ihn. Wer konnte denn wis—
en, wenn er's sagte, wer wollte es denn glauben, daß er
nit setner Vergangenheit abgeschlönen habe. — Mtan zucte
ur die Achseln und gab ihm zu verstehen, daß aus dem,
vas einmal schwarz sei, nicht mehr weiß werden könne
IAnd kurz und gut, man mochte einen solchen Arbeiter nicht.
Z0 war's ihm überall ergangen, wohin er sich gewandt.
luch in anderen Städten. Immer wieder sah er sich er—
»armungslos auf die Straße hinausgejagt. Keine Arbeit,
ind der Hunger, er wühlte und bröckelte an seiner Lebens—
raft. Die Menschen sahen in ihm nur einen Versehmten,
ür den das Gebot der Nächstenliebe aufgehoben sei. Aber
ticht alle Menschen. Als er vor einigen Tagen wieder ar—
eitslos herumvagierte, da war er, seine Verzweiflung zu
etäuben, in eine Destille gegangen. Ein bekanntes Gesicht
atte er dort getroffen, einen früheren Sträfling, den er vom
zefängnis her kannte. Beide waren sie im selben Arbeitssaal
eschäftigt gewesen. Dann später hatten sie noch mit einem
udern, der wegen Einbruchsdiebstahls saß, eine gemein—
haftliche Zelle inne. Dadurch hatie sich nach und nach ein
iM⸗ S Bnmsß 2wiilcben ibnoen gewoabon 1Und ienß—

enhaufe in Moabit berichtet nun in der „Deutschen Me—
izinischen Wochenschrift“ über einen Fall, in dem es ihm
elang, die im Querdurchmesser fast völlig zerrissene Schen—
elschlagader durch Naht zu vereinigen und zu erhalten
odaß der Blutstrom wieder durch die Ader hindurchtreteu
onnte. Es handelte sich um einen 26 jährigen Schmied
dem bei der Arbeit in der Fabrik ein kleiner Stahlsplitten
in das Bein gedrungen war. Der Verletzte wurde mit
einer kleinen Wunde, aus der es wenig blutete, in das
Krankenhaus eingeliefert und nach einigen Tagen, als sich
iine Anschwellung bildete, operiert. Die Schenkelschlag—
ider zeigte einen Querriß durch den größten Teil ihrer
Wandung, sie mußte ganz durchtrennt werden und wurd—
)ann kunstgerecht, unter Benutzung feinster Seide, genäht
Schon drei Tage später konnte abwärts von der Nahtstelle
im Knöchel der Puls gefühlt werden, ein Beweis dafür,
)»aß die Blutzufuhr durch die verletzte Ader glatt vor sich
zing. Andernfals hätte infolge mangelnder Blutversor—
zung das Glied absterben und brandig werden müssen
Eine militärische Reform, die erst im vorigen Jahre
ingeführt wurde, ist jetzt wieder rückgängig gemacht worden
Damals wurde bestimmt, daß Ehrenbezeugungen marschie—
ender Abteilungen vor Offizieren innerhalb der Städte in
osem Gleichschritt auszuführen seien. Fortan ist bei diesen
vhrenbezeugungen wieder der Exerziermarsch (mit durchge—
»rückten Knien und scharfem Auftritt) in Anwendung 21
hringen.
Saarbrücken, 26. April. Der Verband der technischer
Berg⸗e, Hütten- und Salinenbeamten der preußischen Staats
verke hielt am Sonntag nachmittag im „Tannhäuser“ hier—
elbst eine Generalversammlung ab. Nach Eröffnung durch
den Vorsitzenden, Steiger Prendel Elversberg, erstattete der
Schriftführer den Jahresbericht. Aus diesem ist besonders
hervorzuheben, daß der Verband im verflossenen Jahre das
neue Verbandsorgan „Der technische Werksbeamte“, Berlin
zegründet hat. Außerdem schloß der Verband mit der Le
hensversicherungs-Gesellschaft „Deutschland einen Vertrag
wonach diese für jedes Mitglied ein festgesetztes Sterbegeld
zahlt. Der Verbandsbeitrag mußte wegen dieser Sterbe—
geldversicherung dauernd auf 3 Mk. pro Vierteljahr und
Mitglied festgesezt werden. An das Abgeordnetenhaus
schickte der Verband im verflossenen Jahre 3 Petitionen,
die die Beseitigung der Gehaltsdifferenzierung bei den oberen
Werksbeamten 2. Klasse, die Erhöhung des Grundgehalts
der Steiger von 1650 auf 1800 Mk. und die Erreichung
der Höchstpension mit 50 Jahren forderten. Außerdem
schloß der Verband mit einer Reihe voun Firmen Verträge
ab, die den Mitgliedern und der Verbandskasse finanziell'
Vorteile bringen. Zurzeit ist der Verband an der Arbeil
eine Denkschrift für das Abgeordnetenhaus auszuarbeiten
in der die Gesamtverhältnisse der Grubenbeamten eingehend
geschildert werden sollen. Im letzten Jahre hat der Ver—
band einen Zuwachs von 70 Mitgliedern zu verzeichnen.
Der diesjährige Delegiertentag des Verbandes wurde aus
den 24., 25. und 26. Juli des Jahres festgesetzt. Er fin—
det in Saarbrücken statt. Desweiteren wurde ein] Antrag
aingenommen, bei dem Abgeordnetenhause um Gewährung
einer Gewinnbeteiligung in gleicher Höhe für die Gruben—
beamten znu bitten. Man glaubt darin auf dem richtigen
Wege zur Hebung der ÜUberschüsse zu sein. Die Versamm⸗—
lung wurde hierauf mit einem dreifachen „Glück auf“ auf
den höchsten Bergherrn geschlossen. (Saarbr. Ztg.)
Bildstock, 26. April. In einer hier stattgehabten Bür—
gerversammlung wurden die Straßenbahnobjekte, Verbindung
von Friedrichsthal nach Bildstock, sowie von Friedrichsthal
nach Elversberg, einer eingehenden Besprechung unterzogen.
derr Fahrsteiger Matheis gab folgende Erklärung ab: „Da
slversberg die Kommissionsverhandlungen mit uns einfach
iblehnte, so wandten wir uns an den Herrn Straßenbahn—
irektor in Saarbrücken. Dieser erkärte uns, daß jetzt ein
Straßenbahnobjekt Reden —Bildstock — Elversberg von der
Bergwerksdirektion Saarbrücken angestrebt worden sei, um
»adurch den Bergleuten aus dem Hinterlande eine bessere
Fahrtgelegenheit nach ihrer Arbeitsstätte zu verschaffen
Zobald dieses Projekt, das zurzeit auch den Landratsämterr
Ottweiler und St. Wendel zur Begutachtung und Geneh—
nigung unterbreitet wurde, seine Genehmigung gefunder
hat, dann würde auch die Teilstrecke Friedrichsthal —Bild—
tock ausgebaut werden, d. h. wenn die Gemeinde Fried—
ichsthal einen Garantiefonds übernimmt.
Spiesen, 25. April. Heute Nacht 2 Uhr ertönte die
Sturmglocke. Das ganze Anwesen des am Butterberg woh—
nenden Gastwirts Wendel Marx stand in hellen Flammen.
Bei dem heftigen Sturme griffen die Flammen auf das
angebaute Wirtschaftsgebäude über. Die umfangreichen
Bebäude mit Wurstfiliale, Wirtschaft und Wohnungen wur—
den ein Raub der Flammen. Die Bewohner konnten nur
das nackte Leben retten. Heute morgen noch stand der an—
zrenzende Schießstand des hiesigen Schützenvereins in Flam—
men. Der Schaden ist sehr groß. (S. u. Blz.)
Essen, 26. Avril Der Verband technischer Grubenbe—

ven sie sich in der Kaschemult eb, die einstigen Zellen⸗
zenossen. Nur bev Dritte fehlte. Der lungerte in der Stadt
herum. Auch er war kürzlich aus der Anstalt entlassen wor—
den, und auch lei ihm hatte der Herr Gefängnisdirektor die
übliche Abschiedsermahnung, wieder zurückzukehren auf den
Pfad des Rechts, sicherlich nicht vergessen. Ja, er hatte gut
reden! Konnte man denn ein ehrliches, schuldfreies Leben
beginnen? Die Menschen stießen sie, die Gebrandmarktten,
von sich, als brächte ihre Nähe die Pest. Trieb man sie nicht
zurück zum Verbrechen? Es blieb ja doch nichts anderes
übrig, der Hunger quälte. .. Das ging nicht mehr so wei—
ter. Wollten ihnen die Menschen das karge Broi nicht ge—
ben, so wollten sie es sich nehmen und dafür ausreichend.
Leise flüsterten die beiden Zellengenossen miisammen
In den Augen des einen leuchtete es in heißer Begierde auf
Ja, bei dem Coup war noch Geld zu gewinnen, Gold, gel—
des, funkelndes Gold, an dem zwar mancher erpreßte Bluts
ropfen und manche Träne kleben mochte. Doch an den glei—
zenden, klingenden Münzen, die du;ch viele Hände gerollt,
ah man das ja nicht. Wer sie in glitzernden Mengen hatte
dem brachten sie Genuß und irdisches Glück. Und dies such—
en die beiden nach den Tagen des Elends...
Eingehend war der Plan besprochen. Dem Banlkgeschäft
am Orte galt der Coup. In dem einen erwachte noch ein⸗
nal die mahnende Stimme des Gewissens, er zögerte; aber
der andere machte mit seiner Ueberredung alle Bedenken hin—
ällig, und so willigte er ein. Nun suchte man den Dritten
toch auf. Der war selbstverständlich dahei. von ihm rührte
iberhaupt der Plan.
Schon in der folgenden Nacht führte man den Einbruch
aus. Man hatte alle Hindernisse überwunden und war bis
zu dem großen Tresor gelangt, um an ihm die Einbruchs—
verkzeuge zu erproben. Aber an dem Schrank war eine ver—
teckte elektrische Batterie, die, als die Dietriche und Bohrer
ingesetzt wurden in Wirkung trat. Die beiden Einbrecher
vurden von den starken elektrischen Schlägen be—
äubt und am Körper wie gelähmt. Die Batterie stand mit
einem Läutewerk in Verbindung, das mit schrillem Klang
das Haus zusammenrief. Die Polizei wurde herbeigeholt.
Man fesselte die Verbrecher und führte sie wieder zu den ho—
hen Mauern ab, aus denen sie vor kurzem erst herausge—
kommen. Dem dritten Genossen, der draußen vor dem Hause
Schmiere gestanden, war ey gelungen, zur geeigneten Zeit
noch zu entrommen. Aber man war ihm auf den Fersen,
die Polizei fahndet auf ihn. — Hätte er nur wenigstens
Beld gehabt! Aber so mußte er in der Umgegend herum
schleichen und sich in Schlupfwinkeln versteckt halten. Ni—
und nimmer wollte er sich der Polizei selbst ausliefern
kher sterben als ins Zuchthaus gehen. In der rauhen Herbst
nacht war epr zu den VPromenaden gekommen Hier hocte—

amtenvereine des Oberbergamtsbezirks Dortmund umtsab
nach den neuesten Bericht jetzt 15 Vereine mit rund 500
Mitgliedern. Die Tätigkeit des Verbandes erstreckte sit
im verflossenen Jahre insonderheit auf die Wahrung de
Interessen der Beamten bei der neuen Berggesetznovell.
Sie hatte zum Teil den gewünschten Erfolg. Nach eine,
neueren Anweisung des Ministers sollen künftig die Berg,—
schulzeugnisse als Oualifikationen anerkannt werden. D
bisher vorgeschriebene Prüfung durch den Bergrevierbeamte,
kommt soinit in Wegfall. Die Oberbergämter haben aller—
dings die Schulzeugnisse vor Abgang von der Schule zi
prüfen unð zu bestätigen. Diese Neuerung wird voraus.
sichtlich im Herbst dieses Jahres zur Einführung kommen
Sie entbindet die Steiger von unbequemen und nicht ge—
rechtfertigten Examina. Von Interesse ist ferner, daß an
1. er. die Grubenbeamten-Pensions- und Grubenbeamtern
Witwen- und Waisenkasse an den Bergbaulichen Vere
übergegangen ist. Auch in verschiedenen anderen Angelege
zeiten ist der Verband bemüht gewesen, die Interessen d—
Beamten nach jeder Seite hin wahrzunehmen.
*Elberfeld, 26. April. (Ein guter Fang.) Ein—
Diebes- und Hehlerbande, die umfangreiche Fabrikdieb
ttähle ausführle, würde von der Krimmalpolizei ermittel
und bisher 7 Personen in Haft genommen. Der Haupt
täter, der Eepedient Haathans, wurde, währenod er bei sei
ner Frau, einer Varieteesangerin, in Düsseidorf weilte
sestgenaminien. Im ganzen sotten 20 Personen in die An
gelegenheit verwictelt sein. Zwei Hehler, Inhaber vol
Fahrrad- und Rraftfahrzeuggeschäften von hier, hatten
wie festgestelt wurde, im leßzten halben Jahre Fahrzeug
leile im Werte von über 10 000 M. von Arbeilern ge—
kauft, die diese der Fahrzeugmaschinenfabrit Blombaäck
in Rhonsdorf gestohlen haltten. Einer der Hehler wa
fruher in der Rhonsdorser Fabrit angestellt und betreib
jetzt in Elberfeld ein Fahrradgeschäft.
* Trier, 26. April. (Un wetter.) Im unteren Mo
seltal ging gestern ein orkanartiger Sturm nieder mit Re—
zen und Schneegestöber und richtete an den in Blüte ste—
henden Bäumen großen Schaden an.
*Wermelskirchen, 26. April. (WerhafteterEin
drecher und Mörder.) Hier wurde. vor einigen
Tagen der frühere Schneider August Roth aus Remschei
verhaftet, weil man ihn für den berüchtigten Einbreche
hielt, der in den Monaten Januar, Februar und Maͤr
fast das ganze bergische Land heimfuchte. Die Unter
suchung hat nun ergeben, daß Noth nicht weniger als 3
schwere Einbruchsdiebstähle aussührte. Die gestohlener
Zachen wurden meistens von dem Feilenhauer Richart
Schreider in Remscheid und dessen Frau übernommen und
versguft. Das saubere Ehepaar flüchtete kuürz nach der
Verhaftung des Einbrechers ins Ausland und ließ sein
sieben unmündigen Kinder zurück. Bei einer Haussuchun
in der Schneiderschen Wolenung fand man noch eine sel
grode Anzahl der gestohlenen Gegenstände vor. Augu—
Roth wird übrigens auch von der belgischen Staatsan
waleschaft gezucht, weit er in Brüfiel eine 80jähr.ge Dam
erichlaagen und beraubt bat

— EkD
55 F
Aus aller Welt.
Gekentertes Boot. Insolge Sturmes ist nach eine:
Meinga aus Bremen ein mit drei Insassen vesetztes Se
ge ot auf der großen Weser gekentert. Zwei der In
salen sind ertrunlen, während der dritte von zwei Ar
beitein geretiet werden konnie.
Nach Rußlanud versegelt. Aus Posen wird berich
tet: Als die Lehrer aus Powidz auf dem dortigen Sed
eine Segelpartie unternahmen, wurden sie vom Sturm
nach der russischen Grenze vertrieben und dort von russi
schen Grenzsoldaten festgenommen, Ueber ihr Schicksal is.
nichts bekannt: — Eine spätere Meldung besagt: Die dre
Lehrer aus Powidz, die bei einer Kahnsahrt vom Sturn
auf russisches Gebiet verschlagen und von ru sischen Grenz
soldaten sestgenommen wurden, sind wieder freigelassen.
Groszer Dorsbraud. In dem Dorse Javre in Süd
Tirol sind 41 Häuser abgebrannt. Vom ganzen Dor
wurden nur zwei Häuser und die RKirche gerettet. 13
Familien sind obdachlos. Hie Entstehungsursache de—
Brandes ist unbekannt.
Erdbeben. Aus der portugiesischen Provin; Minht
wird starles Erdbeben gemeldet, das jedoch keinen großer
Schaden angerichtet zu haben scheint.
Prinz Georg von Serbien. Prinz Georg hat e
nen mehrwöchentlichen Urlaub erhalten und wird his au
weiteres in Velgrad bleiben. Der Prinz soll ernstlick
krauk sein. Er soll in hohem Grade blutarm und nervös
sein und außerdem an einem Magen-Katarrh und einem
Lungenspitzen-Katarrh leiden. In der Tat ist er star'
abgemagert.
Das Unwetter in Amerika. Der außergewöhnlick
starke Schneefall dauert fort. Die Baumwollpflanzunger
in den Staaten Alabama, Georgia und Floridas sind zun
Teil vollständig zerstört. Aus dem Süden wird eine Zu
nahme der Kälte gemeldet. Der Schaden der Vereinigter
Staaten wird auf über 40 Millionen Dollar geschätzt.
Ein Neger-Komplott. Der New-York Herald mel
det aus Havanna: Der Sekretär Gomez verösfssentlicht inm
Namen des Präsidenten eine Erklärung von einem an
geblichen Kompklott. das von der Neger-Partei gegen der
————— hιιαιαι
sur die Bacht einen Ort zu sfindven, ver 1iyn vor oem Vros
ein wenig schützte. Er stand auf der Eisenbahnbrücke, di
fich über den einen Teil des Parkes spannte. Einige Stufer
jsührten hinunter und man war in den Anlagen. — Ange
strengt lauschte er. Da war nur das ferne Fauchen und Rol
len eines anlommenden Güterzuges. Richtig, da sah mar
ja von Weitem schon die Lichter der Lokomotive durch das
Dunkel blitzen. Aber horch, war da nicht Stimmengewirr
Wieder lauschte er. In der Tat, es klang wie eine Unter
haltung. Jetzt unterschied er deutlich. Der Wind brachte die
Töne heran. „Hier soll der Kerl stecken,“ hörte er, „ey if
hier gesehen worden, wir müssen eine Razzia durch den Pari
machen.“ — Blinkende Helmspitzen tauchten auf... Barm
herziger Gott, man kam ihn zu fangen wie ein wildes
Tier! Die Sinne wollten ihm schwinden. .. Ueber den
Wellen des Flusses stiegen graue Schatten auf. Des Me
bels dichte Schleier. —
Sie wehten und schwebien herüber, hinüber. Hinan stie
zgen sie. Es ist ihm, als ob er in den Nebelgebilden die Ge
salt seines alten, graubärtigen Vaters sieht im Totenhemb
und die Gestalt seiner Mutter, die die Hände flehend zu ihm
hochhebt und ihm winkt. Immer näher heran schweben de
Schatten. Aus den Wellen zischt und murmelt es...
Ganz nahe schon tönt das Fauchen und Rädergesurr
des Güterzuges. Man sieht die Lokomotive mit den beide
roten Laternen vorn, die wie zwei blutunterlaufene Auge
in das Dunkel starren. Vom Park her hallen Tritte. Di
S ndarmen kommen den Weg, der zur Brücke führt.
Die Nebelschatten sie nicken und winken und die Wellen mu
meln ihr altes Lied. „Bei uns ist Friede!“ Schauernd blic
er hinab in die schäumende Tiefe. Nein, hier lauert de
Tod in grausiger Gestalt.. Die Gendarmen steigen die
Treppe empor ... Eher den bittersten Tod als in ihrer G⸗
walt! — Ueber die Barriere schwingt er sich. Noch einmo
will er fliehen. Auf den Schienen bricht er kraftlos zusanm
men. Immer näher hört er das Fauchen der Lokomotive
Jetzt fühlt er ihren heißen Atem schon sein Gesicht streifen
Ein markerschütternder, schmerzvoller Schrei gellt durch di
Nacht und der Zug rast weiter durch die Finsternis. Eip
heulender Pfiff dann. Er bleibt stehen. Man geht die Streck
enttang. Dort findet man einen gräßlich verstümmelten Men
scheukörper, in dem des Lebens letzter Pulsschlag noch zuckt
Atles, was ihm umsteht, spricht ein stilles Gebet für eint
zur Heimat ziehende Seele, die gesühnt und nun den Frie
den gefunden. ...
In den Blutlachen auf der Brücke spielt grell und höh
alisch das gelbe Mondlicht. .. Der Güterzuq ep stöhnt wei
er in die Finsternis hi⸗ein.
            
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