Full text : Dudweiler Zeitung

„Zeppelin 2* zerstört.
Limburg, 25. April. „Z. 2“ ging um 1 Uhr 30
Mmin am Webersberg bei Weilburg nieder. Der hintere
deil soll total zerstört sein.
Limburg, 25. April. „Z. 2“ hängt in Gunter s⸗
u dei Weilburg am Felsen.

Vermischtes.
eude über den Renngewinn gestorben.
Sin 8 Zwischenfall ereignete sich auf der Renn—
Ahn Weißensee bei Berlin. Dort geriet ein Besucher des
luen Piasbes, ein Restaurateur aus der Lüneburgerstr.,
mn Glücksrausch über den ihm zugefallenen Gewinn in
diche Erregung, daß ihn ein Herzschlag traf, der ihn auf
Sielle lotete ... Eng gedrängt steht das Publikum
es Iweiten Platzes an der Barriere und verfolgt mit ge—
nuler Aufmerifamteit das Rennen der Traber, das
ste des Tages. Näher und näher rücken die Pferde in
eschlossenem Zuge dem Ziele zu, da plötzlich löst sich ein
raber mit mächtigem Ruck aus dem Rudel und zieht
it weit ausholenden Schritten davon. „Hanf gewinnt!
zanf gewinnt!“ schrillt es plötzlich mit zitiernd erregter
nime durch die Menge . 104 für 101 lündet der To—
alisator. Mit wilden Gesten, hochgerötetem Gesicht drängt
id druckt sich ein Mann durch die Schar der über den
zieg des Aeuͤßenseiters bitterlich Enttäuschten und sagt,
uft, schreit, es schier jedem zu: „Ich habe 100 Mark au
ein Gaut! Hundert Mark auf dem Gaull“ Plötzlich ein
rampfhaftes Zucken der Lippen und der schwere Körper
chlägt zu Boden Rasch wird ein Arzt zur Stelle ge⸗
olt. Umsonst. Tot. Ein Herzschlag hatte seinem Leben
in Ende gemacht. 7577
ie Kavallerie auf Schaukelpferden. Aus Lon—
on wird berichtet: Die Spaziergänger, die kürzlich in
ier Nachmittagsstunde in Whitehall oder auf der Wen⸗
nnsterbrücke lustwandelten, sind die Zeugen eines seltsa—
jen Anblickes geworden. In einem Transportwagen der
ritischen Heeresverwaltung, der mit gemächlichem Ernst
angsam seinem Bestimmungsorte zusuhr, erblickten die ver⸗
punderten Bürger mit Staunen ein großes hölzernes
zchaukelpferd. Man traute erst nicht seinen Augen, man
jeb sich die Augenlider; aber es war kein Zweifel mög⸗
ich, dort oben auf dem Armeewagen thronte ein mäch—
iges, braunes, hölzernes Schaukelpferd. Der Schwanz
oredem Kutfcher zugekehrt, der fromme ausdruckslose
dopf ragte über die Hinterwand des Wagens und starrte
nii unbewegtem Gleichmut vor sich hin, indes das Ge—
aͤhrt zum Kriegsministerium fsuhr. Der Soldat auf dem
hoͤcke achtete nicht auf die verwunderten Blicke und auf
as Lächeln der Passanten. Er war im Dienst, er war
ich der Bedeutung seiner Aufgabe bewußt: auf seinem
Vagen stand ja das Schaukelpferd der britischen Armee,
er neue Typ von Reittieren, auf denen fortan die eng—
ischen Rekruten die Reitlunst erlernen sollen. Ein Schau⸗
elpferd für Rekruten! Das erste Eremplar ist bereits in
Woolwich bei der reitenden Artillerie im Dienste, für die
6. Lanzenreiter ist schon eine ganze Anzahl fertiggestellt
ind die übrigen englischen Kavallerie-Regimenter werden
nuden nächsten Tagen ihre Schaukelpferde bekommen. Die
deeresbehörden sind zwar stolz auf ihr Schaulelpferd, aber
s8 ist ihnen anscheinend nicht angenehm, daß so viel von
hm gefprochen wird. Ein Londoner Zeitungsschreiber,
er in der Artilleriekaserne das neue Reittier besichtigen
vollte, wurde abgewiesen und konme nur unter der Hand
inige Einzelheiten erfahren. Einige Rekruten, die den
zorzug genießen, täglich auf dem Schaukelpferd zu reiten,
aben ihm eine genaue Beschreibung. Das hölzerne Pferd
st lebensgroß, saͤuberlich braun gemalt und schwebt sanft
uf seinen zwei Schaukelschienen auf und nieder. Das
Nerkwürdige aber ist die Halskonstruktion; in ihr ist ein
rautschukmechanismus verborgen, der den Nacken des Pfer⸗
es beweglich macht. Der junge Rekrut, der seine ersten
deitlünste auf dem Schaukelpferd erproben muß, springt in
en Sattel und ergreift die Zügel, während der Reitlehrer
as Gerät mit dem Fuße in Bewegung setzt. Wenn der
tekrut zu fest an den Zügeln zieht, dann senkt das Pferd
lötzlich den Kopf; das geschieht so überraschend, daß der
och unerfahrene Neuling, gewöhnlich vom Schreck über—
nannt, sich unwillkürlich am Sattel festklammert. Die
zautelpferde sind die Erfindung eines alten Offiziers. Sie
ind billig, die Rekruten lernen auf ihnen reiten, ohne
lIlzuviel Angstzustände durchzumachen, sie erlernen einen
uten Sitz im Sattel und bereiten die jungen Kavalleri—
en durch ihre Schaukelbewegungen allmählich auf das
or, was seiner Majestät Lanzenreiter oder Artillerist auf
em Rücken eines lebendigen Pferdes erwartet. Es sehlt
war nicht an Offizieren, die über diese Präliminarien
es Reitunterrichtes die Achseln zucken, aber einstweilen
ovird die britische Heeresverwaltung auf ihre Schaukelpferde
iicht verzichten. Denn in der englischen Armee herrscht
rotz aller Vorbeugungsmaßregeln ein schlimmer Pferde—
nangel; daher nahm man zu einem mechanischen Hilfs—
nittel für die Rekrutenausbildung die Zuflucht und kon—
lruierte die hölzernen Schaukelpferde, die wenig bkosten.
venig fressen und lange leben. ...
Ein schmackhafter Luftschiffgrußß. Bei der Fahrt
er drei Reichsluftschiffe von Köln nach Homburg fiel un—
veit der Loreley auf das bergwärts fährende Schiff des
Schiffere Ad. Mundschenk von Bingen plötzlich aus der
blauen VLnit ein Schinken. Der treue Schifissvitz. der die
m

Piodtzlich fuhy man ins Freie hinaus.
Just in diesem Moment sank der angeheiterte Meister
dAuchuhn in einen wohltätigen Schlummevp.
Ballin war etwas erstaunt, als der Wagen die Stadt
unter sich ließ und auf einer geraden Chaussee da⸗
sinrollte.
ach Verlauf einer Viertelstunde erwachte fein Vetter
ufällig.
„Wo fahren wir denn hin?“, fragte ihn Ballin.
Ick sagte did ja, wir fahren nach die jrößte Mert⸗
vürdigleit von Berlin“, antwortete der Vetter mit einem
elinden Zungenschlag, und nidte alsdann sofort wie⸗
er ein.
Der Schneider, von den Getränken und der ein⸗
zrnigen Gegend ermüdet, folgte seinem Beispiele.
Plõtzlich erwachte er und fah zu seinem Schrecken, daßß
e fich am Saume eines dunkeln Föhrenwaldes befanden.
die Stadt aber lag, von der untergehenden Sonne ba—
euchtet, in weiter Ferne.
Hastig wedte der Schneider seinen Vetter.
Kaum hatte dieser die Augen qufgetan, als er jubelnd
iosrlef: „Hurra, der Irunewald!“
„Aber Vetter“, wandte Baͤllin jetzt ein, „wo ist denn
die Merkwürdigkeit, die du mir zeigen wolltest?“
„Na, hier ist sie jal“ entgegnete Kluckhuhn freudigen
ones. „Der Irunewald ist es Die grienen Veene den
und die jreßte Merkwirdigkeet von Berlin.“
Ach, du lieber Gott!“, rief jetzt der Schneider jzam⸗
nernd. „Die sehe ich ja bei mir zu Hause alle Tagel
Nachdem fich die Vettern in einem Wirtshause er—
Ascht, kehrten ste zur Stadt zutuck, die sie ber bolen Dun
telheit erreichten.
. EAn nächsten Worgen punkt sechs Uhr verlietz Herr
Ichneidermeifter Ballin die Residenz, sehr unbefried'gt von
einem Befuche. Und doch hallte er ja die großte Meit—
oArdiakelt von Betlin gefehen! A
7
Der Groschen.
Von Ada Batitke,

MNMachoruck verbolen Y

Eine milde, feuchte Winternacht. Die Großstadt schöpft
ltem. Das eben n sich krampiartia im ZVu

Zituation anscheinend sofort übersah, hatte das corpus
elifti, das mit gehöriger Wucht auf das Schiff gesaust
var, gleich beim Wickel und brachte es seinem erjtaunten
errn. Der Schinken war von dem gerade an dieser
elle über dem Schleppkahn jahrenden Lufikreuzer „Par—
eval“ auf das Schiff gefallen, in dem Augenblick, als die
Ichiffer durch Böllerschüsse die erschienenen drei Luftschiffe
egrüßten. (Sollte dieser Schinken keine „Ente“ gewesen
ein? — Red.)

3

*

J
—7—
7
—
2.

.Bunes lierlei
.

HOer VBoast.
Wir wissen es häufig garnicht, was für uraltit Gebräuche
vir gedankenlos in unser modernes Leben übertragen. Längst
ergangene Kulturen, gänzlich verschwundene Sitten haben
o in den Formen unseres Verkehrs noch eine Spur hinter⸗
assen. Der Trinkkomment unserer Studenten läßt sich bis in
ie Urzeiten germanischen Wesens zurückverfolgen, und die
sjeute allgemein übliche Sitte, auf das Wohl eines andern
u trinken, entstammt vielleicht noch jener primitiven Kul⸗
u epoche, da die germanischen Stämme in steter Feindechaft
nit einander lebten. Jedenfalls wird nach alten englischen
Lhroniken das Zutrinlen als ein geheimes Zeichen der Eng⸗
änder ersoähnt, die sich damit nach dem Eindringen der Dä'
ien der gegenseitigen Treue versicherten. Wie „Chambers:
Journal“ mitteilt, überfielen die Dänen, die sich zu Herren
er Insel gemacht hatten, die alten Bewohner des Landes
esonders häufig, während sie mit ihnen an der Tafel sa—
zen. Trant dann ein Engländer und war dadurch
nomentan wehrlos, so erdolchte ihn der Däne. Die Eng—
änder erfanden daher, um sich gegenseitig zu schützen, das
Zichen des Zutrinkens, durch das der Trinkende einen Freund
mrief und ibm damit zu verjtehen gab, er sollte aufpassen,
Ramit ihm während des Trinkens tein Leides geschehe. Man
rhob sein Glas und sagte zu der Freunde: „Deine Gesund⸗
eit!“ womit angedeutet werden sollte, der Freund möge ge—
und bleiben, solange der andere trinke, und zur Verteidgung
nit der Wasse bereit sein. Das Zutrinken hat auch später
ioch als geheimes Zeichen gedient, so z. B. den Anhängern
zakobs 2. zud Zeit König Wilhelms 3., die ihren verrä⸗
erischen Absichten durch verschiedene Formen des Zutrinkens
lusdruck gaben. Es war natürlich, daß sich an das Grü—
„en mit dem Glase ein paar Worte schlossen, und aus ihnen
st der Toast entstanden, den wir auch heute bei keiner Fest⸗
ichleit missen wollen.
Das Wort siammt von dem gerösteten Brot her, das im
englischen „Toaste heißt und nach der Sitte demjenigen, der
ie Gesundheit ausbringen sollte, übergeben wurde. Man
laubte, daß das Brot im Wein dem Getränk ein besonders
chönes Aroma verleihe. Einen sehr kostspieligew Toast
rachte Sir Thomas Greshan aus, als die Königin Elisae
»eth von England die Börse besuchte, denn statt des Zuckers
chüttete er, durch die alte Geschichte von Kleopatra verleitet,
ulverisierte Perten im Werte von 300 000 Mt. in den Po⸗
al. Im Zeitalter der Galanterie wurde die Brotschnitte
»urch den Namen einer Dame ersetzt, den man bei Ueber—
eichung des Glases nannte und auf dessen schöne Trägerin
ie Gesundheit ausgebracht wurde. Die Seigneurs vom Hofe
darl 2., die an Extravaganzen mit ihrem königlichen Herrn
vetteiferten, führten einen Vrauch ein, nach dem jeder, der
uuf die Gesundheit seiner Angebeteten trank, zum Zeichen den

ummen und fiebt
dunkel liegen.
Sie gehören zu seinem Bezirk, diese Straßen. Da fährt
er alinächtlich von einer zur andern und sammelt den Schmutz,
en die halbwüch gen Burschen vorher in langen Ketten vom
Usphalt zusammengeschürft haben. An jeder Abflußstelle ein
chwarzer See von dicksrüssigem Kotbrei, obenauf irübe Re—
lexe schäfrigen Laternenlichts und in dem engen Kreis die—
es Lichtes der Wagen mit den stumpfsinnia barrenden Tie—
en.
Wahrlich kein angenehmes Geschäft, die schwarze Masse
chippenweise dort hineinzulöfseln. Dem Manne aber ist's
ange schon egal. Schmutz schippen oder ein Handwerk trei—
ben — — es kommt alles auf dasselbe hinaus: Schinderei
ind Entbehrung.
Er faßt seine Schaufel kürzer und beschleunigt den
Hleichtalt der Arbeit. Nur fertig werden, fertig. Er ist
um Umsinken müde.
Ingrimmig nimmt er den Kot auf — — Sö“chindereil!
dann in kurzem sicheren Schwunge auf den Wagen damit
— — Entbehrumg! Und der trübselige Rhythmus geht un—
interbrochen: Schinderei und Entbehrung — Schinderei und
ẽntbehrung.
Die Straße entlang kommen zwei, die sich lieben. Seit
ehn Minuten erst. Und ob ihre Seligkeit lange dauern
vird, wissen sie nicht, fragen einander auch nicht danach.
Zie sind eben glücklich. So überreich glücklich, daß sie der
janzen Welt davon abgeben möchten.
Die Frau wenigstens. Sie ist's auch, die den Mann
im Straßenvande bemerkt und die seiner Arbeit mit Auf—⸗
nerksamleit zublickt. Sie ist's, die ganz deutlich vernimtt:
Schinderei und Entbehrung —
„Du, schenk' ihm 'n Groschen.“
„Zehn, wenn Du willst.“
Er langt in die Westentasche, und während sie lachend
orauffchlendert, tritt er gutmütig an ihn heran:
w gdier oller Freund. Für einen Schnaps auf mein
o
Ueber das stumpfe Gesicht des anderen zuckt frohes Er—
schrecken. Wahrhaftig ein Groschen! So etwas ist ihm noch
ltiemals bei seiner nächtlichen Arbeit begegnet. Keine Seele
gan nach dem Schmutzfinken am Straßenrande. Keine
eele.
Wißt ihr, was ein Groschen ist? Was solch ein Gro—
chen in einem Leben bedeutet, dessen arbeitsharter Einför—
nig'eit nie eine plötzliche und unvorhergesehene Ueberraschung
eubelebten Mut zulächelt? Was ein freudig geschenkter
roschen einem Armen bedeutet, der jeden Pfennig des klei—
ien Lohnes zusammenhalten muß für die tägliche Notdurft.
sich nie den na — Ä — —

ausopferumng das Herz ersuue, itgend etwas, das et am
Leibe trug, in die Flammen werfen solle. So riß man denr
ein Stück kosbare Spitze von der Manschette ab, oder nahm
auch ein Schmuckstück und warf es in die Glut, wenn man
das Wohl der Geliebten ausbrachte, und die begeisterten
Zechgrnessen folgten bisweilen diesem Beispiel. Einen in—
icressanten Ursprung hat auch die Sitte, beim Trinken mit
den Gläsern anzustoßen. Sie hängt ebenfalls mit einer aus
politischen Grinden eingeführren Geheimsprache zusammen
und entstand, als sich der englische Kroaprätendent Prinz
Karl Eduard nach dem Mißlingen seiner Erpedition vom
Jahre 1745 in Frankreich aushlelt. Seine Anhänger, die
auf allen Seiten von Spionen umgeben waren und in ihm
dort ihren alleinigen König sahen, wollten, wenn auf das
Wohl des Königs getrunken wurde, sich durch ein Zeichen
darüber verständigen, daß sie nicht König Georg, sondern
den König jenseits des Kanals meinten. Um das srenbo—
lisch auszudrücken, hielien sie ein Glas über das andere oder
stießen mit dem Fuße der Gläser an den Nand des audern
Gloses. Später wurde die Sitte allgemein, und men ver—
gaß, aus welchem Anlaß sie zuerst gebsecgt worben war.
Fatales Geständnis.
Ver Furst eines kleinen Landes besucht eine Stadt, tin
der er seit vielen Jahren nicht mehr gewesen. Der Empfamg
gestaltet sich sehr imposant, und der Bürgermeister hätt eine
Festrede, in der er besonders betont, wie leid es ihm tue
daß der Fürst solange nicht in der Stadt gewesen.
„Meine Herren!“ war die Antwort Sr. Durchlencht
„ich bin von dem mir zuteil gewordenen Enmpfang ganz ge—
rührt! Sie haben allerdings recht, es sind fünfzehn Jahre,
seidem ich Ihr Städtchen nicht mehr besucht — doch ich will
Zenen beweisen, wie sehr und wie oft ich mich an meinen
damaligen Aufenthalt erinnert habe, denn ich erkenne unter
den lieblichen Festjungfrauen noch alle von damals wie—

Die Laufbahn eines Multimillienärs
Marshall Field, einer der reichsten Männer Amerikes
umd der Welt, ist in Chicago gestorben. Auf der Lisfte der
VPerneimillionäͤre, die im vorigen Jahre veröffentlicht wurde
tand er mit einem nominellen Vermögen von 400 Millionen
Mark damals an zwanzigster Stelle. Aber sein eigentliches
Lermögen läßt sich garnicht auf eine bestimmite Summe aus—
echnen, denn es besteht in ungeheuer wertvollen Liegen—
chaften. Er bezahlte jährlich in Chicago drei Millioner
Nark Steuern. Field hat seine Millionärskarriere als Ar—
eiler auf der Farm seines Vaters begonnen; dann fing er
in Schnittwarengeschäft an und setzte dieses während des
zürgerkrieges mit vielem Erfolg fort. Seine Kompagnons
varen dabei der berühmte Weizenspekulant Leiter und der
pätere Miltlionär Pokier Palmer, der sich schon 1867 von
em Geschäft zurückzog und das verschwenderisch ausgestat⸗
ete Palmer House-Hotel gründete, dessen Friseurladen einen
nit Silberdollars gedielten Fußboden hat. Leiter und Field
ergrößerten bei dem gewaltigen Brande Chicagos, durch
derrainspelulationen ihr Vermoögen, so daß sie bald vielfache
Nillionärs waren. Field führte das Geschäft dann allein
veiter und gestaltete es zu einem riesigen Unternehmen, an
em 7000 Angestellte beschäftigt waren. Field hat der Stadt
hicago das Kunstgebäude der großen Kunstausstellung durch
ie Schenkung von 4 Millionen Mark erhalten, und sein
ame wird durch dieses „Field Columbian Museum“ der Nach—
yelt überliefert werden

Ameprikanische Ueberraschungen,
Amerisa, das Land der „unbegrenzten Möglichkeiten“,
weist senfationelle Begebnisse cauf, die kein anderes Land in
dieser Weise hat. Eine Miß Gray, d'e nach dem Tode ihres
Vaters vor 27 Jahren mittellos geworden war und als
Goudernante ihr Leben frissete, hat Pfandbricse im Werte
»on 800 000 Mtk. endechkt, die sch unter alten Papieren ihres
Vasers vorfanden. Während die Dame ihr spätes Erbe ver—
mügt antritt, ist ein Newyrorter Rechtẽanwalt, NAugusais
D. Prentice, wahnsinnig geworden, weil er die Aufregung
richt ertragen konnte, die ihm die von seinem Tater hinter—
assene Erbschaft von vier Mitlionen Mart bereitete. Seine
edanken verwierten sich immermebr., ued er erfraukte iehhttaß—
B1heishßare

Reueste Nachrichten und Telegramme.
Mörs, 25. April. Eine große Anzahl Bergleute der
zeche Rheinpreußen hat vor einigen Tagen ihre Kündigung
ingereicht, um ihr Glück in amerikanischen Gruben zu su—
hen. Größere Transporte gehen wieder am 23. d. Mt
ind am 6. Mai er. von hier ab.
Weilburg, 25. April. Generalinspekteur v. Lynker
andte an deu Kaiser folgendes Telegramm: An der Un—
allstelle des 3. 2 eingetroffen, finde das Luftschiff mitten
urchgebrochen und schwer beschädigt, sodaß eine Wieder
serstellung ausgeschlossen ist. Menschen sind nicht zi
—5chaden gekommen. Bis jetzt läßt sich beurteilen, daß die
z5chuld an dem Unglück niemand zuzuweisen ist, da eint
öhere Naturgewalt es verursachte. Näheren Bericht werd
»ald unterbreiten. v. Lynker.
Weilburg, 25. April. Nach einer neueren Meldung
st „Z. 2* in der Mitte geknickt. Es ist beabsichtigt, die
inbeschädigten Ballonets zu entleeren und das Geripp«
»Ssoeinanderzunehnten. Militär ist aus Diez einoet *t

o“uUne den«
kürzen?
Ach, ihr wißt's nicht, ihr hohläugigen Schlemmer mit
der lasterhaften Schlankheit der Glieder. Und euer fettwan—⸗
stiges Dienerpack auch nicht. Und all ihr Millionen, die ihr
wenigstens genug habt, was wißt ihr davon?
Ein Groschen bedeutet einen wärmenden Schnaps. Oder
ein Glas Bier sür den Durst. Oder ein paar Pfeifen bele—
benden Tabaks. Man könnte sich aber lieber 'ne warme
Wurst dafür kaufen und Muttern ein Endchen mit heim neh—
men. Mutter ißt warme Wurst riesig gern. Für 'n Groschen
Milch wäre ihr freilich gesünder. Aber wenn sie sich auch
wirklich 'n Töppchen Milch leisten möchte — trinken tut sie
doch nichts davon. Da kriegt jeder der fünf lüsternen Schnä—
bel ein Kostschlückchen — es würde ihr das Herz abdrücken,
ollte sies ihnen verweigern —, und für Muttern bleibt na—
ürlich nichts übrig. Nee, nee, lieber 'ne Wurst. Bei der
zibt's wenigstens nicht viel zu teilen. Man beißt einmal
rein, und gleich ist sie alle. Uebrigens — hat der Aelteste
nicht gesagt, daß ihm der Lehrer 'n Tadelstrich einschreiben
will, wenn ey noch mal den neuen Gummi und den Blei
stift vergäße? Lieber Gott, was sich so'n Schulmeister vor
stellt! Als ob sie den Groschen nicht nötiger brauchten. Gut
daß ihm das noch rechtzeitig einfällt. Hier ist ja der Gro
schen. Nun darfj der Junge die alte Lust am Schulgehen
wiederhaben. Was er für Augen machen wird morgen. Zu
erst muß er aber 'n bißchen veruzt werden: „Du, Otto. —
ch habe den Groschen zum Bleistift immer noch nicht.“
„Heute gibt's aber Keile, wenn ichein wieder vergene.
„Sag eben die Wahrheit.“
„Ach, er glaubt's mir ja doch nicht,“ klagt die moin⸗r
liche Stimme des Jungen.
„Na, denn komm mal her, mein“Sohn hier — — —
Herrgott, hier! Hier war er doch eben noch, der Gro⸗
chen. Er meinte wenigstens, ihn schon in der Fauft ge⸗
jalten zu haben. Sder sfäuschte er sich? Soklte der Geber
zu eilig gewesen sein, und die schwerfäkllige Arbeiterhand
ungewohnt, zu empfangen, hatte in der Erreauna fehlae
griffen?
Der Groschen ist weg.
Bestürzung uard zuversichtliche Selbstermutigung wechseln
zey Zügen des Mannes. Der Groschen muß da sein. Er
muß jal
Fieberhaft beginnt er zu suchen.
Der Groschen ist weg.
Dann bleibt nurw noch der Schmutz. Ohne Zweifel liegt
das Geldstück unten im Brei. Daß er nicht gleich darar
achtel Natürlich liegt es da unten. Abfließen kann nichts
— Und ein Gaichen iß doch uch

und hat die Absperrungsmaßregeln übernommen. Aus der
näheren und weiteren Umgebung ist eine große Menschen—
menge zu Fuß, zu Wagen, mit der Bahn und in Antomo—
bilen hier eingetroffen.
Weilburg, 25. April. Das Kreisblatt meldet: Das
Luftschiff ist mitten durchgebrochen und hängt in den Bäu—
men, die auf dem Webersberg stehen. Die Unteroffizier
und die Feuerwehr sperrten das Gelände ab. Es wird versucht
den Ballon zu verankern; soeben ist ein Extrazug von Lim
hurg mit Hilfsmannschaften abgegangen.
Berlin, 25. April. Aus der Nordwestprovinz Deutsch-Ostafrikas,
 Sultanat Randa, wird soeben die Ermordung
eines katholischen Missionars gemeldet. Nach einem tele—
graphischen Bericht des stellvertretenden Gouverneurs hatte
Pater Loupias den gegen den Sultan Miinga rebellischer
Grenzhäuptling Lukarra aufgesucht, um die Klage der Ein—
geborenen wegen Viehraubs zu vertreten. Lukarra wollte
sich entfernen, angeblich um das Vieh zu holen. Der Pater
saßte ihn am Arm, um ihn zunrückzuhalten, worauf die
Leute Lukarras auf dessen Befehl den Pater mit Speerern
öteten. Die Mörder flüchteten nach der anderen Seite des
Muhavura im Kongogebiet. Der Vorfall ereignete sich am
1. April. Am 5. April wurde eine von der 11. Kompagnié
verstärkte Polizeiabteilung an der Grenze in Marsch gesetzt
der Vorfall hat nach der Auffassung des Residenten von
Russanda rein persönliche Bedeutung und wird voraussicht—
ich ohne weitere Folgen für die Ruhe des Landes bleiben.
Die übrige Grenzbevölkerung beteiligte sich an der Verfol—
zung der Mörder.
Petersburg, 25. April. Aus Moskau wird die Ent—
deckung eines enormen Diebstahls in der Patriarchen-Schatz—
kammer gemeldet. Dort wird der wertvollste Kirchenschat
des gesamten griechisch-katholischen Ostens aufbe—
wahrt. Die Schätze repräsentieren nicht nur fabelhafte Kost—
barkeiten sondern haben auch einen hohen historischen und
künstlerischen Wert, der einzig in seiner Art ist. Die Un
—
Unter den verschiedenen Reliquien befindet sich auch ein reick
mit Edelsteinen besetzter Pokal, ein Geschenk der Zari—
Natalie Kyriowna.
Konstantinopel, 25. April. Die aufständischen Alba—
nesen von Birsowitz und Djakowa bemächtigten sich der Post
und zerstörten große Strecken der Bahn- und Telegraphen—
linie. Die dahin entsandten Truppen-Kommandanten er—
klärten Verstärkungen für unbedingt notwendig. Der Mi—
nisterrat hat entsprechende Beschlüsse gefaßt.
Konstantinopel, 25. April. Die gestern gemeldeten
Kämpfe bei Stimla endeten mit der Zurückdrängung der
Albanesen, die große Verluste erlitten. Auf Seite der Trup—
pen wurde 1 Offizier und 10 Mann verwundet.
Konstantinopel, 28. April. Im Sandschak Hai in
Pemen fanden Kämpfe mit Rebellen statt, die 28 Tote und
20 Verwundete hatten.
New-York, 25. April. Der deutsche Kaiser stiftete für
das im Juni stattfindende Bundesschießen des nationalen
Schützenbandes einen Preis.
New-York, 25. April. Weitere 26 Neger sind auf
Kuba verhaftet worden. Die Gefangenen, die sich in Ein—
zelhaft befinden, werden der Geheimbündelei und Verschwö—
rung beschuldigt. Weitere Verhaftungen werden erwartet.
Newyork, 25. April. Der New-Hork Herald berichtet
aus Pittsburg: Ein furchtbares Verbrechen, die Kreuzigung
eines Menschen ist in der Minenstadt Arvella in West—
Pennsylvania verübt worden. Mehrere hundert betrunkene
Bergarbeiter haben einen Kameraden, den sie für einen
Verräter bei der Gesellschaft hielten, gekreuzigt. Dieser
Unglückliche, namens Rapish, war noch nicht lange aus
seiner Heimat in der Stadt angekonimen und verstand nur
wenig englisch. Nachdem seine Kameraden in der letzten
Nacht sich aufgeregt hatten, zogen sie vor dessen Haus.
schleppten ihn vor die Mauern der Stadt und nagelter
ihn auf ein roh zusammengehauenes Kreuz. Der Unglück
iche starb unter furchtbaren Schmerzen, ehe die Polize—
serbei kam. Als diese erschien, kam es zwischen ihr und
»en Bergleuten, die meist mit Revolvern bewaffnet waren,
in Kampf. Nur drei der Missetäter konnten festaenommen
verden.
Washington, 25. April. Die Expedition nach dem
Südpol ist, wie Peary mitteilt, für dieses Jahr aufgegeben
worden, weil es an den nötigen Geldmitteln fehlt.
Cognak, 25. April. Das hier von einem Wähler ge—
tötete Mitglied des Wahlbureaus ist der Bürgermeister von
Eraville. Dem Vernehmen nach ist die Tat nicht auf poli—
tische Gründe, sondern aus solche privater Natur zurückzu—
führen.
—XI
Feuersbrunst wurden mehrere hundert Häuser, darunter das
Rathaus, die katholische Kirche und das Kloster zerstört
Der Sehadon heträat etwa ꝰ Millionen Dolsa

— — — —
Alle Müdigkeit hat der Aermste vergessen. Seine roten
Hände tasten vorsichtig in der eiskalten Brühe. Zur Kelle
gewölbt, schöpfen sie endlich den Brei von der Erde und
lassen ihn tropfweise in die Schaufel fickern — vergeblich
Alles vergeblich.
Er hat kein Empfinden für das Entwürdigende dieses
Suchens, und sein ganzer Aufwand von Selbstgefühl kon
zentriert sich nuv in halblautem Schimpfen gegen die schlechte
Beleuchtung. Aber auch dus erstirbt allmählich in dem bit
tern Weh, das, aus der Tiefe seiner Enttäuschungen auf—
quellend, der Fülle bunter Hoffnungen die Wagschale hält
Es ist tief in der Nacht. Glockenschläge dröhnen durch
die Stille, unheimlich, warnend. Da stellt er stöhnend seiné
Bemühungen ein. Mit dem Rutenbesen fegt er den lechter
diest des Haufens zusammen. Entlkräftet und übernöchtia er⸗-klimmt
 er den Wagen.
Er hat völlig vergessen, daß ihm der eine Groschen
cchließlich nur die Erfuͤllung eines einzigen seiner vielen
Wünsche gestattet hätte. Daß er nur dies dafür bhaben
tonnte, oder nuv jenes.
Sein Verlust ist riesengroß. Unabsehbar wie die Reihe
angenehmer Vorstellungen, die der Besitz plötzlichen Ueber—
flusses in ihm erweckte. Und was seinem Empfinden beim
Ausgeben des Groschens nicht zum Bewußtisein gekommen
wäre — das große Entsagen in dieser scheinbaren Befrie—
digung — das preßte ihm jetzt Tränen in die Augen und
belastet seine Seele mit Zenmern.
Er treibt die Pferde nicht an, wie er's sonst immer
getan. Gesenkten Kopfes trotten sie vorwärts nach dem ur—
alten Rhytbmus: — — Schinderei und Entbehrung,

Die erste Börse. Wool nickt allgemein dürfte
betannt sein, wie der Name „Vörse“ enistanden ist. Die
erste Börse ward im Jahr 1531 zu Antwerpen gebaut. Ar
der Stelle, wo sie jeßt angelegt ward, stand ein altes
Haus, woran das Wappenschild einer bekannten Familie
zu sehen war, an welchem drei Beutel (Burses) hingen,
die gleichfalls zum Wappen gehörten. Man hatte dieses
Haus im gemeinen Leben nur die „Bourses“ genannd.
Dieser Name ward auf das Institut, den Versammlungs⸗
ort der Kaufleute, übertragen. Als andere Handelsplätze
dieses Gebäude in ihrer Sitte nachahmten, behielten stie
ben diese Benennung bei, welche ietzt bhei den meisten
NY54405n0n Abe pämliche UVt
            
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