Full text : Dudweiler Zeitung

die amerilnesche Botschaft zuruckkehrte. Die Jour—
en der bede tenden Blätter erwarteten ihn hereits
langerer Zeit. Et drückte ihnen seine große Befrie—
ung Rüber den sreundlichen Empfang in Paris aus.
iedel speiste Abends in der Botschaft und wohnte
eu feiner Gemahlin und Tochter der Vorstellung
Theater francaise bei. Auch hier wurden Roosevelt
dem Publikum, das ihn erkannte, begeisterte Ovatio—
usaebracht
— Bei Reims stieß ein Automo—
das eine Fransenschwester nach der Stadt bringen
te, mit einem Lastwagen zusammen. Die Krankenschwe⸗
wurde herausgeschleudert und erlitt ebensgefaͤhrlice
rletzungen. Der Chauffeur wurde ebenfalls schwer ver—
aus den Trümmern hervorgezogen. Das Automobil
g vollständig in Trümmer.
—

* —EE ——

Von der Lujftschiffahrt.
Her Kölner Klub Jur vufstschiffahrt
chloß, um die Führer aller deutschen Luftschiffahrtsver—
czur möglichsien Vorsicht anzuhalten, an die Drei
ilon Kommission“ des Deusschen vustschifferverbandes
tsprechende Aulräge zu stellen, die demnächst zur Be⸗
rechung gelangen. Es soll künftighin keine Ballonfahrt
hr angetreien werden, ohne daß die telegraphische Mel⸗—
ng der Aachener Wetierwarte in jedem einzelnen Fail
rhegt, die die Wetterlage als günstig bezeichnet. Es
irde eine Kommission gewählt, die sofort zusammenge—
en und in Verbindung mit Hauptmann von Abercron
sprechende Vorschläge zur Anwendung weiterer Vor⸗
Asmaßregeln ausarbeiten soll.

Gerichtszeitung.
leich mit Bruhn. In dem Erpresserpro
rre waren im Herbst vor dem Gericht
en⸗ der Verteidiger Dr. Werthauer und Dr. Puppe
n den Verleger der „Wahrheit“, Reichstagsabgeordne—
Bruhn, schwerwiegende Beschuldigungen erhoben wor—
en, worauf die Staatsanwaltschaft gegen Bruhn ein ge—
iliches Unlersuchungsverfahren einleitete. Die „Wahrhane
 dann gegen die beiden Rechts anwãlte scharje
griffe gerichtet, die gegen Bruhn und seine Redakreure
en Strafantrag wegen Beleidigung und Ziv lprozesse
ͤalen. Jetzt ift nun ein Vergleich zwischen den ürei—
den Pareien zustande gekoummen. In dem Vergleich er
mBruhn, „daß er die gegen Dr Werthauer und Dr.
»pe aufgestellten Behauptungen, insbesondere den Vor—
s. daß alle nicht pflichtgemäß gehandelt haben, zu—
nimmt.“ Dr. Werthauer und Dr.‚ Puppe ziehen
gestellten Strasanträge zurück und erklären, „daß sie
erseits gegen Bruhn nichts haben und deshalb ve
ihn im Prozeß Dahsel und im Anschluß daran auf—
Aen Behauptungen persönlich nicht aufrecht erhalten.“
Geheimnisse der Leberwurst. Die Verarbeitung
Kalbsgekröse und Spießdärmen in die Leberwurst
cbisher allgemein üblich. Das soll anders werden.
3 Nahrungsmitteluntersuchungsamt kämpft gegen diese
aImmensetzung an. Ein Mesxzgermeister in Frankfurt a.
hatte eine Anklage wegen Nahrungsmittelfälschung er—
n, wurde aber vom Schöffengericht freigesprochen, da
n gutem Glauben gehandelt habe und sich der Straf—⸗
leit seiner ⸗ udlungsweise nicht bewußt gewesen sei.
Staatsanwalt legte Berufung bei der Strafkammer
vor der jetzt drei Sachverständige vernommen wur—
Polizeioberarzt Dr. Jäger hob hervor, daß das
alikum in der Leberwurst Kalbsgekröse und Spieß—
Ne nicht erwarte. Mit dem Kalbsgekröse, das nicht
gfältig gereinigt werden könne, kämen feinste Kotte⸗“
n in Menge in die Leberwurst hinein, sodaß sie ein.
wachen Kotgeruch ausströme. Kreisarzt Dr. Fromm
b hervor, daß die Schleimhaut von dem Kalbsgekröse
wer zu entfernen sei. Leberwurst, die Kalbsgekröse mit
Schleimhaut enthalte, sei dem Verderben leichter aus—
otzt als ohne Schleimhaut. Obermeister Jung vertrat
Anficht, daß das Kalbsgekröse wohl gereinigt und
Leberwurst verwendet werden könne. Solange Ein—
»eideteile zur Wurst genommen würden, könne das
lbsgelröse verwendet werden, das an und für sich in
eirtschaften und feinsten Privathäusern gern gegessen
»rde. Die Bundesratsbestimmung vom 30. Mai 1903
re unter den Fleifchteilen, die zur Wurstsabrikation ver—
undet werden dürfjen, auch Kalbsgekröse an. Die Straf
mer verwarf die Bernfung der Staatsanwaltschaft.
Gesundheitsschädlichkeit oder Verdorbenheit könne nack
Gutachten keine Rede sein. Was die Frage anlangt
eine Verfälschung im Sinne des 8 10 des Nahrungs
telgesetzes vorliege, so kam das Gericht zu einen
on liquet‘. Man könne erstens nicht mit Bestimmthe
istellen, ob das Publiksum etwas anderes in der Wi
warte, zweitens aber sei eine Minderwertigkeit de⸗
ilbsgekröses bei den über den Preis auseinandergehen
n Gutachten nicht festzustellen. Wohl würde eine Ver
ischung dann vorliegen, wenn zuviel Gekröse in di
berwurst hineinkomme, was sich aber in vorliegender
ille nicht nachweisen lasse, da die Polizei keine Prob
s dem Wursttessel entnommen, sondern nur einen Bo
wmit Kalbsgelkröse vorgesfunden habe.

— — — ——————
Und ich ertläre Ihnen hier, daß meine Geduld ge—
wist, daß ich Ihnen die Wohnung kündige, da ich cs
habe, mich um die Miete stets mit Ihnen zu balgen
meine Varteien vor Ihren Ausschreitungen sichern

dobias Gorowitsch hatte seine Wut bezähmt, da er
, daß er der Uebermacht nicht gewachsen war und
dandgemenge den Kürzeren gezogen hätte.
‚Schon gut, entgegnete er mit verhaltener Wut dem
sherrn. „Ich werde schleunigst Ihr sauberes Vogel⸗
3 verlassen. Wahrhaftig, es ist kein besonderes Ber—
en, in dieser Flohburg seine Tage zuzubringenl“
ind indem er sich drohend an den Winisterialandte,
 fuhr er fort:
ind Sie, Sie älterer, würdiger Herr, den der
ud gerade da vorbeigehen hieß, Ihnen rate ich sehr
undschaftlich, mir auf der Gasse möglichst auszwei hen;
in. wenn ich jemals das Vergnügen haben sollte,
men auetn zu degegnen, so konnen Sie schon jetzt di
ersicherung entgegennehmen, daß ich Ihre Knochen kurz
ad klein schlagen werde * —
„Na, warten Sie, mein Junge, ich werde Sie ge—
tlich belangen.. —E
Tobias Gorowitsch gab keine Antwort, sondern schlug
Türe derart heftig zu— daß die Heraußenstehenden ein
Indes Zähneklappern befiel und daß die Tie inen
Nuna hekam. der ibr ganzes Geiafel durchzoos

* * J
Acht Tage später wurde Tobias Gorowitsch vor dem
misgericht zum Erfatze des minister alrätlichen Zylin—
13.umd zur Herftellung einer neuen Tuͤre deurteinn
Feilich nur am Papier; Der dute Junge hatte schon
uge seine hundert Mark zur Auffrischung seiner Leib—
Hhleit verwendet und aleichzeitig das feierliche Versprechen
stet. niemals mieder dag Cparcn persuchen —

Die „geborcae Reformatorin.“

„Sin hübsches Charalterbilde der amerikanischen Frau
Hnet eine sehr gewitzte Amerikanerin, die sich viel in der
elt umgefehen und ihre Schwestern in der Heimat wie in
kr Ftemde gut beobachtet hatenet ameritanischen Frauen,
2 chreibt sie, sind heboren Reformatorinnen. Mindestens
eun von zebn unler ibnen fünene überall und

Vermischtes.

Schutz den Flöthzen! Alles mögliche wird heutzu
ige der öffenilichen Obhut unterstellt, morsches Gemäue
nd alte Bäume, Elche, Büffel und aussterbende Vöolter
amme. Man merkt aber doch, daß diese große Schutz
ewegung sich noch in ihren ersten, unvollkommenen An—
ingen befindet, sie würde sonst nicht eine ganze beden—
ende Gruppe interessanter Lebewesen übersehen haben,
ie schützender Fürsorge dringend bedürftig sind. Zum
zlück ist hier die Berliner Tierschutz Korrespondenz mi—
indrudsvollen Mahurufen auf dem Plan erschienen, be—
or es zu spät ist. Unzähligen, die bisher graufamer
dordlust gefröhnt haben, muß es die Schamröte ins Ge
cht treiben, wenn sie in einer Nummer des Blat
s lesen: „Einen endlich nach eifriger Jagd gefangenen
lloh oder eine Wanze, die keck über die Tapete spazierte,
n Waschbecken Todesqualen ausstehen zu lassen, ehe die
iere nach langem Zappeln elend ertrinken, ist ebense
rausam wie das aus reiner Laune und Sucht zum Quä
n oft beliebte Einsperren eines Flohs in einen Raum
er vielleicht nur einige Zentimeter hoch ist, damit er sic
nmal unter Aufsicht ausspringen kann. Es ist festgestellt
uß Flöhe in solchem Glasgefängnis sich über eine Woche
ug täglich den Kopf beim Hochspringen verletzen, ehe sie
ir Ruhe kommen oder vor Erschlaffung tot zu Boden
len.“ Vortrefflich gesagt, allein ich möchte dem hoch—
erzigen Flohfreunde doch in einem Punkie zu widerspre—
en wagen. Er scheint nämlich außer Acht gelassen zu
iben, daß das Einsperren seiner Lieblingstiere in einem
edrigen Raum zumeist erziehlichen Zwecken dient. Es
ird dadurch angestrebt, daß der Floh sich das planlose
myerspringen abgewöhnt; ist das erreicht, dann kanm.
as zierliche Geschöpf dem künstlerischen Berufe zugeführ
»erden, zu dem seine reichen Talente es schon seit Jahr
underten haben bestimmt erscheinen lassen. Oder lollte
er Verfasser bislang durch sein Zartgefühl von dem Be
ich eines Flohzirlus zurückgehalten worden sein? Dann
ate ich ihm angelegentlichst, das Versäumte recht bal
achzuholen; er wird sich mit Freuden, ja mit Stolz da
on überzeugen, welche erstaunlichen Fähigkeiten durch
ne auf den ersten Blick vielleicht grausam erscheinend«
dethode bei seinen Lieblingen entwickelt werden. Und
hließlich sind die Flöhe immer noch besser daran, als
eispielsweise unsere auf Klavierarbeit dressierten Wunder
uder. Peinlich überrascht hat es mich, daß der Floh
eund am Schlusse seines sonst von so hohem sictlichen
rnste getragenen Mahnrufes im Tone blutigen Spottes
hreibt: „Sofortige Tötung durch Zerknacken ist für den
loh, diesen besten Statspieler, der Bube, Dame und
tönig sticht, der schnellste Tod“ Wie gemütsich das
lingt!
Der Wahnsfinn einer Königin. Es handelt sich
mm Maria Pia von Savoyen, die Mutter des ermorde
en Königs Karols von Portugal und Großmutter des
ungen regierenden Königs Manuel. Mit 16 Jahren lan
ete sie, eine Tochter Viltor Emanuels 2., des ersten
zönigs des geeinten Italiens, in Portugal, um dort den
königsthron zu besteigen. Sie herrschte wirklich, so mel—
at der Lissaboner Korrespondent des römischen „Corriere
»Italia“ seinem Blatt, durch ihre Schönheit und Hoheit
zielleicht gab es in unserer Zeit keine Herrscherin, die sich
n so hohem Grade wie Maria Pia der Liebe und Be
eisterung eines Volkes erfreute. Bei Volksfesten befan
ie jta, manchmal im dichten Gedrange, und wenn es ilhb
udlich gelang, sich zu befreicn, sah sie ihre Kleider zer
eßt, denn Hunderte von Händen hatten daran herumge
issen und geschnitten, um eine Reliquie der geliebte
zürstin zu erlangen. Die Tragödie des grauenvollen Kö
tigsmordes umdüsterte vollends ihren Verstand, der be
eits inmitten der Heimsuchungen der letzten Jahre gelit
en hatte. Seitdem sie die blutigen Leichen von Sohr
ind Enkel in ihren Armen gehalten, hat sie für ihre Um
ebung keinen Sinn mehr. Schrecklich abgemagert wan
elt sie in den Sälen des Ajuda-Palastes, auch nächtli
herweile, umtzet und unterhält sich dabei laut mit ihren
ieben Toten, die sie anwesend wähnt und an die sie gü
ige, zärtliche Worte richtet. Nicht selten begießt sie Blu
den, die nur in ihrer Einbildung existieren. Bei Tisch
laubt sie den toten Sohn an ihrer Seite zu sehen und
interhält sich lebhaft mit ihm. Oft bricht sie in Jubel—
vorte aus. Maria Pia ergeht sich nie in Klagen, sie lei—
et nicht, aber bei ihrem Anblick leidet sehr ihre ihr treu
nhängende Umgebung. So wankt die einst vergötterte
dönigin, durch schwere Schicksalsschläge niedergeschmettert
ind, von der Nacht des Wahnsinns umfangen, gleichsam
etzt schon tot, dem Grabe entgegen

Maßstnahmen gegen den
Halleyschen Kometen.
Vie aus Wien geschrieben wird, werden in den österrei—
hischen Kronländern nach Berichten, die an ojfizieller
ztelle eingetrofsen sind, an das Erscheinen des Halleyschen
dometen große Befürchtungen geknüpft. Das Unterrichts—
ninisterium hat sich deshalb auf Anregung des Fandels—
ninisters Dr. Weiskirchner veranlaßt gesehen, einen Er
aß zunächst an die Statthalter von Triest und Dalma
ien, sowie an die Landespraͤsidenten von Krain zu rich
en, in dem auf den herrschenden Aberglauben unter der
zevölkerung Bezug genommen wird. Das Schreiben an
sie genannten Beamten verweist darauf, daß in der
dandbevölkerung der südlichen Kronländer, insbesondere in

numer ihren Mitmenschen den rechten Weg zu weisen, ver
ottete Verhältnisse von Grund auf zu bessern und die du⸗
unter Leidenden zu erlösen. Diese Manie ist der letzte
zrund, weshalb in den Vereinigten Staaten die Frauen⸗
ubs so sehr in Blüte stehen. Hier finden die auf die Bes—
erung der Menschheit bedachten Frauen ein Feld, auf dem
e ihren Reformeifer betätigen können. Oft genug geht es
mden Redeschlachten, die in dem Feldzug gegen allerlei
ienschlichen Irrwahn ausgefochten werden, recht stürmisch
u. Der höchste Ehrgeiz einer großen Zahl von amerilani⸗
hen Fratten ist es daher, in einer solchen Versammlung den
zorsitz zu führen, Kommissionen zu leiten und ihre Reform«
deen zu propagieren, und dieser Ehrgeiz beherrscht sie so
ehr, daß die Sorge für das Haus, die Familie und an—
ere „Alltäglichkeiten“ dadurch völlig in den Hintergrund ge⸗
rängt wird. Ein klafsisches Beispiel für die Art, wie die
Amerikanerin sich als Reformatorin gebärdet, ist ihr Ein⸗
reifen in die Temperenzbewegung. Mit Verwunderung las
nan in den letzten Jahren in der alten Welt von den Hel—⸗
dentaten der Carrie Nation, die mit dem Beile in der
dand an der Spitze einer Schar anscheinend rasender Frauen
in die Gastwirtschaften eindrang und den bösen Dämon Al—
'ohol dadurch bekämpfte, daß sie seine Apparate kurz und klein
klein schlug. Das war nur die radikalste unter den Frauen,
die einen „Kreuzzug“ gegen die Trunksucht eröffnet hatte;
fast ebenso unbegreissich würde dem Europäer das Vorgehen
der anderen Temperenzvorkämpferinnen erscheinen, anständig
uind sanft aussehender Frauen, die in die Schanlwirtschaf—
en gingen und den „Schnapsdämon“ durch Gebete und Be—
—00
lich energischen Reaktion, um die Temperenzbewegung zu et—
was milderen Formen des Vorgehens zu bewegen.
Zu voller Blüte gelangt der angeborene Reformeifer
der Amerikanerinnen aber erst, wenn sie in fremde Länder hin—
auzkommen und zu Vergleichen mit den Zuständen in ihrer
Heimat Gelegenheit finden. Da wird alles an der amerika—
nischen Herrlichlkeit gemessen, und nichts hält einen so erha—
benen Vorbilde gegenüber stand. Es genügt der Amerika—
gerin nicht, das feftzustellen; alles soll sich nun auch nach
»iesem Muster modeln. Die Hotels, die Eisenbahn, kurz
alle eurepäischen Einrichtungen passen ihr nicht, weil sie
anders sind als jenseits des Ozeans. Alles Amerikanische
ist gut, alles, was davon abweicht, ist schlecht und muß sich
»omen sprechend ändern, — diese Maxime sucht sie allenthal⸗
»en zuw Geltung zu bringen. Vor allem ärgert sie sich über
das Fehlen eines Luxus, an den sie zu Hause, auch wenn
e nicht gerade aus dem Millionärviertel kommt, gewöhnt
st. Sie kann nicht ohne diesen Luxus leben, und andere
deute die es können haben mir ihre tieffte Verochuma

en mindergebildelen Vostsschichten Balmafsens, große Beo—
ürchtungen wegen des Erscheinens des Halleyschen Kome—
in herrichen. Angehörige dieser Vollsschichten sollen so—
ar in Erwartung des herannahenden Weltunerganges ihr
zab und Gut zu verkaufsen und ihr Geld zu verschleudern
zeabsichtigen, Angesichts dieser Erscheinungen sei es
weckentsprechend, gegenüber der vielfach verbreiteten Ko
netensurcht durch angemessene Belehrung der Kinder in
»er Schule und durch austlaärende Mitteilungen von der
ranzel herab beruhigend auf die Bevölkerung einzuwirken
und hierdurch etwäige bedauerliche Verirrungen, sowie
—E
zleich mit dem Erlasse wird den Behörden auch eine po
»uläre Darftellung über das Erscheinen des KHalleyschen
dometen übermittelt, die den zur Aufklärung in Beitrach
ommenden Versonen als Informationsquelle dienen soll
Ss heißt darin: „Bei den astronomischen Berechnunger
jat sich ergeben, daß der kleinste Abstand des Halleyscher
Fometen von der Erde nicht weniger als 23 Millioner
dilometer betragen wird; es ist dies eine Entfernung, zu
zeren Zurücklegung ein Eisendahnschnellzug mehr als 50
dahre brauchen würde und die etwa sechzigmal größer ist
ls der Abstand des Moundes von der Erde. Man er
ennt schon aus dieser einzigen Angabe, daß von eine:
lnnäherung des Kometen an die Erde im eigentlicher
Zinne des Wortes „Annaherung“ nicht gesprochen werder
ann, somit sind alle Befürchtungen in dieser Hinsicht gänz
ich unbegründet. Außerdem ist solgendes von Wichtig
eit: Man kennt gegenwärtig nicht bloß die Gesetze der
Bewegunzg der Himmelskörper so genau, daß man jeder
eit den Lauf und die Entfernung eines solchen Himmels
örpers zu berechnen oder vorherzusagen in der Vage ist
ondern man hat auch genügende Kenntnisse, über ihr«
Größe und Beschaffenheit gewonnen. So weiß man jetzt
daß die Kometen trotz aller Helligkeit und scheinbarer
Ausdehnung, welche einzelne derselben zeigen, immer nu
eine sehr geringe Masse haben, und daß sie deshalb ei
genclich recht harmlose Wesen sind. Wenn sie sich in ihren
eaufe der Sonne nähern, so entwicleln sich unter den
värmenden und sonstigen Einfluß der Sonne gewisse che
nische und andere Vorgänge, in deren Verlauf aus der
Zometenkrone Gase ausströmen und leuchten, was sich un⸗
als Entwicklung eines mehr oder minder großen, manch
mal auch fächerförmigen Schweifes darstellt; bei zuneh
mender Entfernung des Kometen von der Sonne hör
dies wieder vollstäändig auf. Da jeder Komet nur ein
sehr geringe Masse besitzt, so kann auch sein zeitweiliger
Schweif nur eine ganz unbedeutende Masse haben und
muß deshalb aus einer außerordentlich dünnen Materie
bestehen, die dünner als unsere Luft ift. Man darf da
her nicht glauben, daß ein Komet mit einem großen und
glänzenden Schweif ein Himmelskörper von fester Sub
tanz ist; diese Meinung ist, wie man sieht, ganz falsck
und ein gegenwärtig von der Wissenschaft überwundenen
Irrtum vergangener Zeiten. Ebenso unberechtigt ist der
Aberglaube, daß so sehr geringfügige Wesen, wio es die
dometen im Vergleiche zur Erde sind, irgend einen Scha
den anrichten könnten. Darum isit es mehr als leichtser
ig, wenn deraraige Gerüchte verbreitet werden, und es
⸗wächst für jeden Bürger die moralische Pflicht, dieser
durch Belehrung der Unkundigen wirksam entgegenzutre
en.“ — Uebrigens hat der Halleysche Komet sich bereits
m Jahre 1853 den Wienern gezeigt. Richt ohne Besorg
is war der vagabondierende Stern erwartet worden. Die
erde und der Komet, hieß es auch damals, werden sid
erühren, und Aengstliche fürchteten davon das Weltende.
Dda nahm Nestroy mit den Waffen seiner Satire der
dampf gegen die Leichtgläubigen atf und schuf so di
östliche Figur des Schusters Knieriem im ,Lumpazivaga
unduns“, welches Stück um jene Zeit auf die Bühne kam
dnieriem versauft sein Geld; er sagt: „Wozu soll mar
enn sparen? Aufs Jahr kommt der neue Komet, der d
Welt zu Grund richt'!“ Als ihm die Tischlerstochter Vor
tellungen macht, indem sie sagt: „Hör' er auf mit sein
zalketen Kometen!“, antwortet er: Die wird Augen ma
hen!“ und singt das berühmte Kuplet: „Es ist kein Ord
iung mehr in die Stern, — D' Kometen müßten sonj
»erboten wer'n. — Ein Komet reist ohne Unterlaßg —
Am am Firmament und bat kein VBäß.“...

Neueste Nachrichten und Telegramme.
Saarbrücken, 22. April. Gestern nachmittag gegen 3/
Uhr verunglückte auf der Burbacherhütte der Schlosse
August Mösinger. M. war mit Reparaturarbeiten auf de
dalkbühne des Stahlwerks beschäftigt. Beim Eintreiber
ines Eisenkeils verlor der Schlosser das Gleichgewicht und
türzte aus einer Höhe von zirka 13 Meter auf den Bode!
»er Konverterhalle herab. Der Verunglückte, der schwer
topfwunden erlitten hatte, wurde ins Knappschaftslazaret
ebracht, wo er heute früh gegen 8 Uhr verstarb.
Köln, 22. April. Der als schuldig an dem Eisenbahr
inglück bei Mühlheim verhaftete Lokomotivführer Garbs
sst gegen Stellung einer Kaution von 20000 Mark au
der Haft entlassen worden.
Berlin, 22. April. Das Abgeordnetenhaus setzte heut
die Beratung des Kultus-Etats fort. Morgen Weiter
eratung.
Berlin, 22. April. Nach inem in parlamentarische
reatten vnorsbroiteten Gerüecht sot der Reichskanzler mi

ommt die Amerikanerin nach England, so ist der erste Stei.
hres Anstoßes für sie der Kamin. „Warum haben Sie hie
leine Dampf- oder Luftheizung?“ inquiriert sie. „Weil wi
damine vorziehen,“ erwidert die Engländerin kühl, wir wür
den in Ihren überheizten, geschlossenen Zimmer ersticken“
‚Uff“, antwortet die Amerikanerin schaudernd, „wenn ich
rische Luft haben will, gehe ich ins Freie; aber zu Hause
nuß es warm und gemütlich fein.“ Ueber dieses Theme
iritt eine Amerikanerin mit zwei Engländern einen ganzer
Abend lang, und als sie am nächsten Morgen beim Früb
rück zusammen kamen, begann das Rededuell von neuem.
Nun erst der Kontinent! Da weiß sie garnicht, wo an
angen mit Ausstellungen und wo aufhören. Erstens spre
hen die Leute nicht englisch! Daß sie zwei oder drei fremde
Zprachen beherrschen ist keine Entschuldigung. Es gehört sich
daß man englisch spricht, ganz besonders, wenn man mi
einer Amerikanerin zu tun hat, die soviel bezahlt. Und wi
hat die Amerikanerin nach ihrer Meinung darunter zu lei—
den, daß es in manchen Städten des Kontinents an der nö
tigen Reinlichleit und an sanitären Einrichtungen fehlt! Was
nutzt den Italienern alle Pracht ihrer großen künstlerischen Ver—
gangenheit, was sollen die berühmten Schlösser und die ge
waltigen Dome mit ihren majestätischen Kuppeln, was hilf:
ihnen die große Tradition, wenn man die ungewaschenen
Leute auf übelriechenden Siraßen umherlaufen oder in unge—
junden Häusern dahinvegetieren sieht. Das sagt den Einhel—
mischen die Amerikanerin mit groͤßter Offenheit und Umftaänd—
lich eit, und sie geht mit dem Bewußtfein davon, ein gutes
Werk getan zu haben; die Saat, die sie da gesät, meint sie,
müsse aufgehen und reiche Frucht tragen. Anlaß zu bitteren
slagen und energischen Vorstellungen bieten ihr allenthal—⸗
ben auch die Speisen, Sie bringt ihre Tage in Kummer da—
rüber hin, daß sie in Europa sich nicht ebenso beköstigen
klann wie zu Hause. Das Frühftück, das man ihr vorsetzt,
sieht sie mit Mißtrauen an, und bei den anderen Mahlzei—⸗
ten vermißt sie die gewohnten Lieblingsgerichte. Ihr Herz
sehnt sich nach den Hankeesleischtöpfen, den vielen Gemüsen,
den gefrorenen Süßigkeiten und dem heißen Brot. Sie be—
stellt sich eine Extraspeise, bezahlt hohe Preise dafür, und
findet sie dann nicht richtig. Das alles muß sie über sich
ergehen lassen, darüber kann sie den Fremden nicht genug
Vorhaltungen machen, und wenn sie nach reichlichen Ermah—⸗
nungen abreist, so ist sie innerlich überzeugt, in dieser Nach!
der Unkultur doch wenigstens ein Licht angesteckt zu haben.
an dessen Schimmern die Fremden wenigstens eine Freud
in ihrem traurigen Dasein haben werden

Schließung der Reichstags-Session gedroht haben, falls der
Reichstag vor der Vertagung nicht noch eine Reihe von
Gesetzentwürfen, wie z. B. das Wertzuwachssteuer und das
Kali-Gesetz erledige. Wie der L.⸗A. von zuständiger Stelle
zu erklären ermächtigt ist, hat Herr von Bethmann-Hollweg
eine vorzeitige Schließung des Reichsßtages weder in Er—
vägung gezogen, noch eine derartige Drohung nach irgend
einer Seite ausgesprochen.
Dresden, 22. April. Direktor Colsmann von der
Zeppelin-Gesellschaft in Friedrichshafen hat dem Oberbürger—
neister von Dresden mitgeteilt, daß Z. 3 Ende Mai von
Vien über Prag nach Dresden kommen werde. Graf
zeppelin werde selbst an der Fahrt teilnehmen. Die Rück—
s'ahrt wird wahrscheinlich über Chemnitz und das Vogtland
gehen.
Dresden, 22. April. Der Generalkonsul Eugen Kaps,
früher Mitbesitzer der bekannten Pianoforte⸗Fabrik von
Eugen Kaps hat sich heute früh in seinem Bureau am
Alten Markt erschossen. Er war 47 Jahre alt. Wie ver⸗
autet, soll der Grund in schwierigen geschäftlichen Ver—
hältnissen zu suchen sein.
Homburg v. d. H., 22. April. Die Führer der drei
zeu'e hier angekommenen Luftschiffe wurden nach Ver—
ankeeung zum Kaiser befohlen und man besprach sich über
die Abfahrt. Es wurde beschlossen, da ein starker Wind
acn'gekommen war, auf freiem Felde zu übernachten und
Re Rückfahrt nach Köln erst morgen früh — die genaue
-unde ist noch nicht festgesezt — antreten. Gegen B./,
r verließ der Kaiser mit dem Automobil den Ankerplatz
Se Luftschiffe blieben unter militärischer Bewachung.
Schwerin, 22. April. Heute mittag, kurz nach 2 Uhr,
tdie Großherzogin Alexandra von Mecklenburg-⸗Schwerin
on einem Prinzen entbunden worden. Das Befinden der
Hroßherzogin und des kleinen Erbgroßherzogs ist gut.
Liegnitz, 22. April. Als der bereits mehrfach vorbe—
trafte Arbeiter Neudeck von der Strafkammer wegen Betrugs
u 1 Jahr Gefängnis und 3 Jahren Ehrverluft verurteilt
durde, ergriff er einen Stuhl und warf ihn gegen den
Staatsanwalt Mit einem anderu Stuhl schlug er auf den
serichtsdiener und den Polizeibeamten ein. Nur mit größte;
konnte der Wütende überwältigt werden.
München, 22. April. Das hydrotechnische Bureau
veröffentlicht folgende Hochwasser-Warnung: Für Süd—
bayern und die Donau Hochwassergefahr. Die Gewässer
der Regnitz und des Maingebietes werden vorerst mäßig
teigen. Aus Traunstein wird gemeldet, daß das Hoch—
vasser in Traunstein den unteren Stadtteil teilweise uͤber—
flutet hat. Die Flußregulirungsarbeiten sind zerstört.
Das Wasser steigt noch. Auch die Isar hat einen ziem⸗
li hen Hochstand erreicht.
Naney, 22. April. Heute früh um 3 Uhr entgleiste
bei Frouard ein von Paris kommender Zug am Kreuzungs—
dunkt der Linie Paris-Naney und Paris-Metz. Es wurden
3 Waggons umgeworfen, die erst nach 2stündiger Arbeit
entfernt werden konnten. Der Schaden ist nur ein mate—
ieller. Infolge der Sperrung der Geleise ist die Pariser
Post mit Briefen und Zeitungen heute früh in Lothringen
ausgeblieben.
London, 22. April. Im Vorort Forsthill vergiftete sich
gestern ein junger deutscher Journalist. Georg Arnemann
nach einem heftigen Streit mit seiner Frau.
Konstantinopel, 22. April. Der heutige Selamlik in
der Moschee von Dolma Bagdsche, unmittelbar gegenüber
dem Sultans-Palais, wurde in letzter Minute abgesagt,
obgleich die Truppen und die Zuschauer bereits versammell
waren. Der Sultan ist von neuem erkrankt. Da das
Freitaggebtt nur im äußersten Notfalle aufgegeben zu wer—
den pflegt, so muß der Zustand des Sultans nicht unbe—
denklich sein.
Jagodina, 21. April. Durch heftige Regengüsse und
plötzliche Schneeschmelze sind die Morava und ihre Neben—
flüsse seit zwei Tagen völlig überschwemmt. Der Vahn—
verkehr in der Nähe von Jagodina ist vollständig unter—
brochen. In Kragujewatz werden viele Häuser weggerissen
30 Personen sind umgekommen.
Dresden, 23. April. Der Sandtag wird ba—
ctimmt am 13. Mai geschlossen werden.
Wien, 23. April. Der Gemeinderat wählte den Vize—
ȟrgermeister OBr. Neumayer mit 29 Stimmen zum
Bürgermeister, 11 Stimmen erhielt der Liberale Dr. Dorn
ind 5 Stimmen der Sozialdemolrat Reumann. Bürger⸗
meister Neumayer erklarte unler großem Beifall, daß
in der Haltung der politischen Gegner nicht eine gehässt
feindliche, sondern eine ehrlich sachliche Gegnerschaft er
blillke, welcher er die schuldige Achtung nie versagen werd⸗
New-NYork, 23. April. Die Bundesregierung unter
Rucht die Geschäftsgebarung der Chicagoer Getreidebörse
Biarritz, 23. April. König Ednard verläß
Biarritz am Dienstag, den 26. dss. Mts. abends mittel
Spezialzuges und begibt sich ohne Aufenthalt nach Lon
don. wo ?er an mn ναναιιαι ν

— — —
Ein Sachverständiger. „Können Sie mir
nicht sagen, Herr Wirt, ob das Paar dort in der Ecde des
Barlens verheiratet ist oder ledig?“
„Das ist leicht zu erfahren. Ich lass' ihnen einfach eine
dunkel brennende Lampe hinstellen. Schraubt er sie höhep,
ind fie verheiratet; dreht er sie noch niedriger, sind sie le⸗
dia]“

Auch wahr. Vaier: Ich begreise nicht wie man so
saul sein kann, für mich ist die Arbeit das einzige Ver—
znügen.
Sohn: Ja, aber Papa wir sind doch nicht zum Ver—
gnügen auf der Welt!
Neues Wort. A.: Ist Ihre Freundin Eulalia wirk⸗
lich dichterisch veranlagt?
B.: Nicht nur veranlagt, sondern sogar wiederholt ver⸗
auflagt ist sie schon. — *
Erklärung. Der kleine Max (aus der Zeitung vor⸗
lesend): „... Im abgelassenen Flußbette fand man das
wohlerhaltene Skelett eines Sauriers!.. Wags ist denn
das, Vater?“
Vater: „Hm — das wird der Essigfabrikant sein, der
vor zwei Jahren auf so rätelhafte Weise verschwunden
ist!“ VV— —
—P — 14146
Neuer Klub. ‚Was ist denn das für ein neuen
Philatelistenklub hier?“
„Das ist ein Verein von allen denjenigen, die die Brief⸗
ancn won Madagaskar aus dem Jahre 1840 nirgends mehr
rieden

Betrachtung. Fähnrich: „Warum soll der Mensch
nicht von den Affen abstammen, wenn man bedenlkt, daß
unsereins 'mal Zivilist gewesen ist!
— Wozu? In Boston verließ ein junger Rechtsanwalk,
der den größten Teil seiner Zeit mit Versüchen zubrachte,
recht beschäftig zu erscheinen, für eine Weile sein Bureau und
befestigte an der Tüv eine nett geschriebene Karte: „Werde in
einer Stunde zurück sein.“ Bei seiner Rücklehr fand er, daß
neidischer Konkurrent darunter geschrieben hatte: Wozu“
Kaltblütig. Fremder: Kann ich den Herrn Pro—
fessor sprechen?“
Diener des Chemikers (als in diesem Moment ein
furchtbarer Knall erfolgt): „Ich glaub nicht — der Herr Pro⸗
fessoß Fieat arad in D' QUit—e — —— —*
            
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