ein neues Verfahren zur Bekämpfung der Kohlen⸗
taub⸗Explosionen. Seine Entstehung findet der Kohlen—⸗
taub durch· Zerkleinerung der Kohle beim Loslösen der—
elden von dem festen Kohlenstoß. Der Wetterstrom, welcher
ille Grubenbaue vom Einzieh⸗- bis zum Ausziehschachte
zurchzieht, führt den Kohlenstaub durch alle Teile der viele
dilometer langen Strecken des Grubenbaues. Vermehrt
vird die Verteilung des Kohlenstaubes durch den Trans—
dort der Kohle in den Grubenwagen. Diese verkehren
neistens in det Richtung dem Wetterstrom entgegen, wo—
»ei von dem Wagen Kohlenstaub abgeblasen wird. Der
Staub lagert? auf den Ecken und Vorsprüngen der Strecken—
vände und besonders“reichlich auf dem Boden der,Strecken
ind den Kappenhölzern der Streckenzimmerung.
Kommt mit Luft gemischter Kohlenstaub, also fliegen
er, mit einer genügend heißen, offenen Flamme in Be—
ührung, so tritt aus dem Kohlenstaub plötzlich ein brenn—
ares Gas aus. Dies Gas, Grubengas oder Methan, ist
hne Luftmischung nicht explosibel, mit Luft gemischt hat
s furchtbare, explosible Wirkungen. Der Stoß der Explo—
ion wirbelt weiteren, noch ruhenden Kohlenstaub in die
ruft. Die entstehende Wärme treibt aus dem Kohlenstaub—
zuftgemisch das Gas aus, welches sich an der Flamme ent—⸗
ündet. In dieser Art durcheilt absatzweise die Kohlenstaub—
bxplosion unter Umständen das ganze Grubengebäude.
Verhinderungsmittel solcher Katastrophen müssen sich
»arauf beschränken, den Kohlenstaub am Aufwirbeln zu be—
indern, oder aber die Wärme einer entstandenen Explosion
inschädlich zu machen, damit die plötzliche Destillation des
dohlenstaubes und die Bildung des Grubengases aufhört.
Alle brauchbaren Verfahren, Kohlenstaub⸗Explosionen zu
ekämpfen oder zu begrenzen, beruhen darauf, der Explo—
jonswelle Wärme zu entziehen. Die Wärmeentziehung
dird durch Einbringen nicht brennbarer Flüssigkeiten in die
drubenräume bewirkt, welche im Falle einer Explosion von
»er Explosionsflamme zum Verdampfen gebracht werden
Je größer die Menge der verdampfungsfähigen Flüssigkeit
ind je größer die Fläche, auf der sie ausgebreitet, von der
kxplosionswelle getroffen werden kann, desto größer und
chneller ist auch die Wärmeentziehung.
Als zu verdampfende Flüssigkeit wird heute Wasser be—
uitzt, als Verteilungsflächen kommen die Wände der Gru—⸗
enstrecken in Frage. Die Bewässerung oder Berieselung
nuß sich auf alle Grubenräume erstrecken, in denen Kohlen—
taub vorkommt, dies ist staatlich in Deutschland und Oster⸗
eich vorgeschrieben. Das übrige Ausland, speziell England,
Umerika, Frankreich konnte sich zu dieser staatlichen Anord⸗
ung der Wasserberieselung bis jetzt nicht verstehen.
Das dünnflüssige Wasser läuft von den senkrechten Flä—
hen der Streckenwände schnell ab. Es bleibt also wenig
uf der Fläche haften und das wenige verdunstet in eini—
zen Stunden. Etwas länger bleibt das Wasser auf den
vagerechten Flächen, also der Sohle der Strecken. Hier
ildet es mit dem Kohlenstaub einen Schlamm, der aber
zuch bald wieder trocken wird. Von den vier Flächen, den
„eiden Seitenwänden, ferner der Firstfläche und der Sohlen—
läche, ist also als Verteilungsfläche praktisch nur die Sohle
ängere Zeit wirksam.
Diese Umstände bedingen eine häufige Erneuerung der
dewässerung. Zu häufige Bewässerung zeigt aber große
Nachteile für den Grubenbetrieb. Das dünnflüssige Wasser
ringt in porbses Gestein ein und bringt dies zum Auf—
suillen, wodurch sich das Gestein lockert und Einsturzge—
ahren für die Strecken drohen. In warmen Gruben bil—
en sich durch das schnell verdunstende Wasser schwüle Wetter,
zie für die Gesundheit und die Arbeitsfähigkeit, der Berg—
eute nachteilig sind..
Das neue Verfahren „Patent Kruskopf“ wählt nun
ils verdampfende Flüssigkeit einen klebrigen Brei, der durch
hemische Zusätze unter der Einwirkung der Luft des Wet—
erstromes nicht verdunstet, wohl aber bei der starken Wärme
iner Explosionswelle verdampft.
Die klebrige Breiform gestattet die ca. achtfache Menge
—
zlächen, auch den senkrechten, der Strecke aufzuspeichern,
Ine daß die Flüssigkeit? abläuft oder verdunstet, die Ober⸗
läche also vervierfacht. Der dicke Brei dringt auch nich
in das Gestein ein und trägt durch das Nichtverdunsten
iuch nicht zur schwülen Wetterbildung bei. Versuche haben
zezeigt, daß sich Kohlenstaubexplosionen begrenzen lassen,
zurch ihre Eigenart absatzweise fortzuschreiten, wenn man
n einer langen Strecke nur ein Stück von ca. 100 Metern
eucht hält. In diesem Stück kommt die Explosion wegen
Mangel an Nahrung zum Erlöschen. Durch die Betriebs—
erhältnisse entsteht die ursprüngliche Entzündung des Koh—
enstaubes in fast allen Fällen an den Kohlengewinnungs⸗
erten und schreitet dann durch die Strecken zum Schacht.
Nan hat also die Möglichkeit, durch Feuchthalten entspre—
hend langer Streckenstücke um die Abbaureviere herum,
kohlenstaubexrplosionen aus den Abbaurevieren gegen den
Ichacht und die übrigen Teiso des Grubhengehäudes 21 ho-—
* J * 28
Wenn Liner sparen will ...!
Qumoreske von Alois Uhreich. *
M Nachdrud verboten.
MWerdde als Toblas GaAowitsch im Begriffe war, in
Imtlichen Taschen seiner wenigen Kleider nachzuforschen,
vW sich nicht ein bergessenes Geldstück irgendwo verborgen
zatte, wurde kräftig geklingelt.
‚„Ahl!“ sagte Gorowitsch, als er den schrillen Ton der
hlode dernahm. „Das ist das Schicksal!“ Er eilte an
zie Türe und öffnete.
Und wahrhaftig. Das Schicksal stand draußen! Es
zatte die Gestalt des Geldbriefträgers angenommen.
Gestatten Sie, lieber Freund!“ rief Gorowitsch in
einer begreiflichen Begeisterung. „Gestatten Sie, daß ich
Zte umarme! Sie von Gott gefsandter Engel!“
Ehe sich der biedere Mann noch wehren konnte, hatte
Tobias Gorowitsch bereits seine beiden Aume um den
Arglosen geschlungen und dessen mit einer Warze ge—
chmückte Nafe mit mehreren Freudenküssen bededt. Die
Wangen hatte ihm der Ueberfallene noch rechtzeitia ent—
ogen.
Nachdem Gorowitsch das Geld in Empfang genom⸗
nen hatte, las er erst den Abschnitt der Postanweisung,
velchen ihm der Briefträger zurückl'eß. Da siand in klei⸗
ien, kritzeligen Buchstaben, die man laum lesen konnte,
sondern mehr erraten mußte, daß dieses Geld das
etzte sei, das ihm der Onkel senden könne, da er jetzt
heirate und überdies die Ernten so schlecht ausgefallen
ind, daß er sein Erspartes ganz zugesetzt habe.
Für einen Augenblick war Gorowitsch sehr nieder—⸗
geschlagen, aber dann siegte wieder seine leichtsinnige
Lebensfreude, und er beschloß sosort, diese letzten hundert
Nark möglichst würdevoll zu verwenden. Während er zu—
erft daran dachte, von dem Gelde einige Tage sehr gut
u leben, änderte er nach einigem Ueberlegen diesen Ent—
schluß und nahm sich vor, mit diesen hundert Mark ein⸗
nal möglichst wirtschaftlich zu leben, so viel wie möaglich
u sparen.
Gorowitsch überlegte auch sofort, wie er alle unnd—
igen Auslagen auf das vorteilhafteste vermeiden könne
mhb kam au dem Entschlunge. Wirtshaus und Kaffeehaus
zrenzen, ohne die ganzen, viele Kilometer langen Strecken
jach dem neuen Verfahren behandeln zu müssen. Dadurch
vird die Abersicht sehr erleichtet und die Kosten werden
erhältnismäßig gering.
Praktische Versuche auf einer westfälischen Grube und
er zum Studium der Explosionen von den Grubenvereini—
ungen erbauten Versuchsstrecke“ haben- die-Theorie dieses
zerfahrens als einwandsfrei richtig erwiesen. In der Grube
eigten sich nach ca. 3000 Stunden die Streckenwände noch
eucht, bei Wasser sind sie nach 6 Stunden schon eingetrocknet.
kin Dynamitschuß von 5 gr. entwickelt soviel Wärme
ind Flamme, daß ein Kohlenstaub-Luftgemisch sofort zur
Explosion kommt, wenn die Streckenwanderungen trocken
ind. Aus diesem Grunde ist die Anwendung von Dynamit
beim Sprengen der Kohle bekanntlich verboten.
Bei Versuchen mit dem Verfahren Patent Kruskopf
onnte man mit 160 gr.“ Dynamit in ein Kohlenstaubluft—
gemisch schießen, ohne eine Entzündung zu erhalten. Die—
er Versuch wurde zwölf Mal hintereinander' wiederholt,
ohne Entzündung. Bei dem Versuch wurde die Befeuchtung
der Streckenwandung nicht erneuert, dagegen, nach jedem
—„chuß, wurde das Kohlenstaubluftgemisch durch ein sich
zleichbleibendes Quantum trockenen Kohlenstaubes erneuert
cesp. die Menge erhöht. Bei diesem sehr scharfen Versuche
ritt bei Wasser die Entzündung beim dritten Male ein,
vährend bei dem neuen Verfahren die Entzündung erst
jach dem zwölften Schuß schwach erfolgte. Bei diesen Ver—
uchen werden die Kohlenstaubverhältnisse und die Entzün—
ung desselben viel ungünstiger gewählt, als sie praktisch
nder Grube vorhanden sind.
In der neuen Eisenbahnkreditvorlage werden be—
anntlich Mittel in Höhe von 75 Millionen Mark zur
Lermehrung der Fahrzeugbestände verlangt. Hierfür sollen
112 Lokomotiven, 1224 Personenwagen und 89400 Gepäck—
und Güterwagen beschafft werden. Im Etat für 1910 ist
die Anschaffung von 560 Lokomotiven, 760 Personenvagen
und 7900 Gepäck- und Güterwagen vorgesehen
Insgesamt sollen also im laufenden Etatsjahr für die
reußisch-hessischen Eisenbahnen 972 Lokomotiven, 1974
Lersonenwagen sowie 17 300 Gepäck- und Güterwagen neu
»eschafft werden. Die Gesamtsumme, die hierfür im neuen
ßesetz und im Etat ausgeworfen ist, beläuft sich auf 162.4
Nillionen Mark.
Die Handelskammer Saarbrücken hielt kürzlich im
zaale der Handelskammer eine Sitzung ab. Der Vor—
tzende, Herr Kommerzienrat Vopelius gedachte des Hin—
heidens des früheren Mitgliedes der Haudelskammer
herrn Aug. Karcher, zu dessen Ehren sich die Versammlungç
rhob. Es wird sodann das Ergebnis der Handelskammer—
rsatzwahl im Wahlbezirk Kreis Saarlouis bekanntgegeben
oo für Herrn Neu⸗-Lier Herr Direktor Hugo Mayer ale
ztellvertreter des Herrn Luitwin v. Boch-Galhau gewählt
»urde. Die Kammer beauftragte den Syndikus Herr Dr—
kille, ein Musterformular für Verträge für kaufmännische
lehrlinge zu entwerfen und es den Mitgliedern zugänglick
u machen, sodaß in der nächsten Sitzung der Wortlaul
eindgültig festgestellt werden kann. Von 17 größeren Ver—
Ȋnden des Gewerbe- und Handelsstandes ist den deutschen
dandelskammern eine Eingabe unterbreitet worden, die fich
zegen die Konsumvereine richtet. Darin heißt es u. a.
Zum? Nachteil des Handels zahlreicher Branchen machen sich
eit einer Reihe von Jahren Einflüfse geltend, deren Ur—
prung teils bei den Regierungen und politischen Parteien,
eils bei den Vertretungen verschiedener Erwerbszweige zu
uchen ist und die eine gewisse einseitige wirtschafts⸗ und
ozialpolitische Färbung zeigen. So sind z. B. Geistliche,
rehrer, Beamte von der preußischen Regieruͤng direkt ange—
viesen und angelernt worden, die leitenden Posten und
kechnerstellen bei den Genossenschaften und Konsumvereinen
nsbesondere der Landwirtschaft, des Handels und der Am
—VV
beheimbünden zur Erlangung von hochgeschraubten Kon—⸗
essionen bei den Geschäftsleuten ist bekannt. Die steigen—
en Gehälter der Beamten belasten doch auch die Handels—
tände in steuerlicher Hinsicht mit. Staatsgelder werden zr
illigen Zinssätzen an die Ein- und Verkaufsgenossenschaften
usgeliehen, ohne zu bedenken, daß diese Gelder zum Tei
uch aus den Steuern des Handels herrühren. Oftmals
ehen staatliche oder kommunale Räume, Gerätschaften, Be—
zrderungsmittel den Einkaufsvereinen und Genossenschafter
ostenlos zum Gebrauch zur Verfügung.? IDie' Besteuerungç
er Genossenschaften ist teils gänzlich unterlassen* worden,
eils sind die Steuern im Verhältnis zum selbständigen
andwerk gering.“ Wir wollen nicht eine naturgemäße
entwicklung aufhalten, aber dringend bitten wir unsere
eutschen Handelskammern, auf eine Beseitignng der vor—⸗
»ufgeführten Mißstände im Sinne ausgleichender Gerechtig—
eit gütigst Bedacht nehmen und zu diesem Zwecke in den
inzelnen Bezirken Recherchen anstellen zu wollen. Di—
»andelskammer erkannte die bestehenden Uebelstände voll
tändia an und war ebenfalls der Meinuna. daß der
zu metden. Vas eine verlettete ihn zum Trinken, das
andere zum Nichtstun.
Schon am nächsten Morgen wollte Tob'as Gorowitsch
nit seiner neuen Lebensweise beginnen. Deshalb ging er
ofort aus, um einerseits für den nächsten Tag alle nöti—
zen Einkäufe für die Selbstbereitung des Frühstüces zu
treffen, andererseits rasch irgendwo zu Abend zu speisen.
Wahrhaftig, Gorowitsch brachte es fertig, r och einem
rurzen und bescheidenen Imbiß das Gasthaug gu ver⸗
assen. Das erfüllte ihn mit großer Freude und croͤffnete
ihm gute Aussichten für die Zukunft.
Während er sonst immer spät nachts zum Entsetzen
aller übrigen Hausbewohner lärmend und heulend die
vier Treppen emporkletterte, kehrte er heute bereits zu
einer Zeit nach Haͤuse, zu der es nicht einmal noch völlig
dunkel war. Gorowitsch empfand an diesem denkwürd'gen
Abende vor sich selbst eine çewisse Hochachtung. Er las
noch eine Sturide und legte sich dann zu Bette, so daß
er am Morgen ungewöhnlich früh erwachte und seinem
Vorsatze getreu, die gewonnene Zeit zum Studium be—
nützte. Vuntt 338 Uhr schicte er sich an, das Frühftück
zu bereiten, welches cus einer Schale Tee und einem
Stück Brot vestehen fsollte
Gorowitsch kochte zunächst Wasser. Als es im RNessel
brodelte, goß er es über die Teeblättet. Vo er grozen
Hunger hatte, bereitete er einen ganzen Topf Tee, den er
auch bis aur völligen Leere ausschlürfte.
Tob!as war über sein Talent zur Teebereitung ent⸗
züct. Das Kochen erschien ihm als das angenehmsie und
zweckmäßigste Vergnügen, mit dem ein junger Mann sich
durch das Leben scherzen kann. Allerdings, das Abräu—
nen und Geschirrreinigen erschien ihm wieder als etwas
Langweiliges, das viel aufhält. Er trachtete, das Ge⸗
schäft auf dem kürzesten Wege zu besorgen. Das im
lleinen Kessel übriggebliebene Wasser verwendete er, um
den Topf zu reinigen, während er die im Teeseier zurück—
gebliebenen, entwerteten Teeblätter kurzer Hand durchs
offene Fenster muf die Straße warf, ohne zu bedenken,
daß in demselben Augenblicke der Ministerialrat von Pap⸗-penheim
vorbeiging und von den herniederfallenden nassen
Teeblättern empsindiich auf seinen neuen Zolinder qge—
renffen wurde
Ertragswirtschaft des Handels mittels der Konsumvereine
oft eine unbillige Konkurrenz gemacht wird. Gesetzliche
und behördliche Bevorzugung der Konsumvereine ist auf's
schärfste zu verwerfen. Die gesetzliche Bevorzugung der
donsumvereine sieht die Kammer vor allem in ihrer
Steuerfreiheit. Diese steuerliche Bevorzugung läßt sich nur
adurch beseitigen, daß gesetzliche Bestimmungen geschaffer
verden, welche ihnen eine Einkommensteuer von dem Be—
rage auferlegen, den eine ertragswirtschaftliche Unternehm—
ing in der gleichen Lage durchschnittlich haben würde. Die
dammer beschloß, eine derartige gesetzgeberische Anregung
zu geben. Aehnliches gilt von der Gewerbebesteuerung.
Die Kammer beschloß ferner, Erhebungen darüber anzu—
stellen, ob es in ihrem Bezirk eine nennenswerte Anzahl
oon Konsumvereinen gibt, welche nicht eingetragene Genof⸗
senschaften sind. Sodann hielt es die Kammer für wichtig
daß gegenüber denjenigen Konsumvereinen, die eingetragen
Genossenschaften sind, aufs schärfste von den Strafbestim—
mungen Gebrauch gemacht wird, die das Genyossenschafts—
gesetz gibt. Zu diesem Zwecke hält sie es für geeignet
alle Fälle zur Anzeige zu bringen, in denen die betreffenden
Bestimmungen übertreten werden.
Saarbrücken, 20. April. Die Vorstände der wirt—
schaftlichen Vereine an der Saar faßten in ihrer Sitzung
»om 18. April 1910 hier einstimmig eine Entschließung, in
»er es heißt: „Die Vorstände des Vereins zur Wahrung
der gemeinsamen wirtschaftlichen Interessen der Saarindustrie
und der Südwestlichen Gruppe des Vereins deutscher Eisen—
und Stahlindustrieller verwahren sich gegen die Behauptung
des preußischen Ministers der öffentlichen Arbeiten am7
April 1810 im preußischen Abgeordnetenhause, daß dic
Vertreter ihrer Gruppe je erklärt hätten, daß nur durci
eine einwandfreie Feststellung der von der Eisenindustri
im Nordwesten und im Südwesten aufzuwendenden Selbst—
kosten für Thomasroheisen die Grundlage für eine zutref
fende Beantwortung der Frage gewonnen werden könne
velchen Einfluß die Kanalisierung der Mosel und de
Saar auf die westlichen Eisengewerbe haben werde. Si
—DD—
Minister der öffentlichen Arbeiten, trotzdem die Frachtkom—
mission eine völlige Klärung der Frachtenfrage gebrach
hat, und trotz der Einreichung der umfassenden Vorarbei—
ten der südwestdeutschen Mitglieder der Roheisenselbstkosten⸗
kommission über die südwestdeutschen Roheisenselbstkoster
und die nordwestlichen Kohlenselbstkosten, es nicht für ein—
mal nötig befunden hat, die Mitglieder der Kommission
auch nur zu einer mündlichen Besprechung dieser Arbeiter
einzuladen, und auf diese Arbeiten überhaupt nicht einge—
gangen ist. Sie geben ihrem Erstaunen darüber Ausdruck
daß das k. preußische Staatsministerium sich, ohne sich über
die Frage der wirtschaftlichen Nütßlichkeit der Mosel- und
Saarkanalisierung ein eigenes Urteil gebildet zu haben,
nicht nur gegen die Zweckmäßigkeit derselben ausgesprochen
hat, sondern auch'noch ihre von niemand bestrittene und
offenkundig vorhandene Durchfuhrbarkeit bestreitet.
Saarbrücken, 22. April. Die Dienstmagd Josefine
Boyeere aus Geislautern wurde am 13. Januar von den
Heschworenen wegen Kindsmords zu 2 Jahren Gefängnis
verurteilt. Seine Majestät der Kaiser und König hat nun
auf ein Gnadengesuch der Geschworenen durch Erlaß vom
3. dieses Monats die Strafe auf eine solche vonTeinem
Jahr herabgesetzt.
Saarbrücken, 21. April. Mit der Aufstellung des
70er⸗Denkmal im Ehrental wird nunmehr begonnen. Der
Unterbau ist schon vor Eintritt des Winters sertiggestellt
vorden. Jetzt werden die großen Granitquadern für den
eigentlichen Sockel des Denkmals an Ort und Stelle ge—
bracht, sodaß die Aufstellung in Kürze beginnen wird. Das
Denkmal soll gelegentlich des Jubilänms des Infanterie
Regiments Nr. 70 am 7. Mai enthüllt werden.
Heusweiler, 21. April. Die Bluttat in Eiweilen
scheint sich als Mord herauszustellen. Unter dem Verdach
des Mordes wurde heute nacht 2 Uhr der bei dem Ermor—
deten in Logis gewesene Bahnarbeiter Franz Buchner ver—
haftet, heute morgen“ die Frau des Ermordeten. Beide
vurden in das Gefängnis zu Saarbrücken eingeliefert
Beide sollen die Tat gemeinschaftlich begangen haben. *
Spiesen, 21. April. Der hiesigen freiwilligen Feuer—
wehr ist in diesem Sommer' das Feuerwehr-Verbandsfest
des Kreises Ottweiler übertragen worden. Dasselbe soll
nit dem 25jährigen Jubelfeste der hiesigen Wehr an einemn
noch näher zu bestimmenden Tage gefeiert werden. Auße
den freiwilligen Wehren des hiesigen Kreises sollen auc
ie an denselben anstoßenden Wehren unseres Nachbarkreise
zaarbrücken und der Pfalz Einladungen erhalten. Den
doppelfeste wird eine Hauptübung der hiesigen Weh
orausgehen.
Neunkirchen, 21. April. Ein schwerer Straßenbahn⸗
infall ereignete sich heute nachmittag kurz nach 6 Uhr am
Zerginspektionsgebäude auf der Kuchenbergstraße. Der 12—
Ahrige Schulknabe Wilh. Müller, Sohn des Stittonate
vOu J, yνα _r intjtee etur, als Ott
Teesuppe über die Hutkrämpen träufelte, Was ijt denn
oas für eine ordinäre Gewohnheit hier, die Abiälle
auf die Straße zu werfen?“
Besorgt griff er nach seinem Bylinder und sah da
erst, welcher Schaben ihm zugefügt wurde. Erbojde über
so viel Rüdcsichtslosigkeit, musterte er die Fenster des
Hauses, aus denen der ahnungslose Wurf gekommen
war, und da schöpfte er sofort den berechtigten Verdacht,
daß der Schütze wohl da oben im vierten Stock wohnen
dürfte, weil das Fenster das einzige war, welches offen
stand. Sofort stürzte der Herr Ministerialrat zum Haus
meister und verlangte, daß der Uebeltäter zur Rechenschaft
gezogen werde, da er eine Vergütung für seinen ruinier
ten Zylinder und seinen beschädigten Ueberrock bean⸗
pruche. Nachdem er Erkundigungen eingezogen, wer da
oben wohne, kletterte er wieder in den vierten Stock hin
uuf und klopfte an die Wohnungstür des Herrn Tobias
Borowitsch, der noch in Entzücken über seine neue. spar—
iame Lebensweise schwamm.
„Aha!“ sagte Gorowitsch, als er das Klopfen hörte
„Das Schicksal steht wieder vor der Türe!“
Und wahrhaftig stand wieder das Schichsal draußen.
Aber diesmal halte es die Gestalt des Ministerialrätes
Pappenheim angenommen. Als Gorowitsch öffnete und
diesen würdigen älteren Herrn draußen stehen sah, desser
Wangen von der Anstrengung des Stiegensteigens ebenso—
sehr gerötet waren, als von dessen begreiflichem Zorne
sagte er: „Verzeihen Sie, was verschafft mir das Ver—
gnügen? Wenn ich mit etwas dienen kann, dann bitte
ich, in meine Gemächer einzutreten.“
Der Ministerialrat fühlte sich durch diese harmlosen,
heiteren Worte erst recht gereizt.
„Wollen Sie mich etwa foppen, Sie junger Mensch!“
schrie er zornig. Sie haben soeben Tee getrunken....7
Nicht wahr?“
„Ich —?“ fragte etwas erstaunt Gorowitsch, der eine
Ahnung hatte, auf welch' seltsame Art der würdige älter—
Herr zur Kenntnis dieser Tatsache gekommen war.
ZLeugnen Sie nicht!“ schrie der Ministerialrat.
*HNun, und wenn ich es zugebe, so wird Sie das
vohl einen blauen Teufel kümmern!“ entgegnete barsch
Sorowitsch, den die gereizten Manieren des Fremden zu
irgern anfingen. Ich sebe gar nicht ein, wielso Sia 2
Georg Müller aus Wiebelskirchen, glitt beim Bordstein «
und geriet unter einen von Wiebelskirchen kommenden elektr
Straßenbahnwagen. Um den Unglücklichen aus seine
chrecklichen Lage zu befreien, mußte der Wagen mit einem
Pfahl gehoben werden. Wenige Minuten nach dem Un—
zlück traf der Sanitätsrat Dr. Thiery an der Unfallstelle
ein, der die Ueberführung des schwerverletzten Jungen il
das evangelische Krankenhaus anordnete. Mit demselbe
Straßenbahnwagen wurde dann der schwerverleßte Jung
eine Wegstrecke transportiert und von der Hüttenbergstraß
aus mit einem kleinen Wagen nach dem Krankenhause ge
fahren. Kurze Zeit nach der Einlieferung ist der Knabe
nachdem er noch auf mehrere Fragen Antwort gegebe
hatte, gestorben. Ein Rad des Straßenbahnwagens ist ihr
über den Leib gefahren, sodaß die Gedärme heraustrater
Nach der eigenen Darstellung des unglücklichen Knaben i
er von einem Spielkameraden im Scherz gestoßen worden
daß er vom Bordstein abglitt. Auch von Augenzeugen wirt
dieser Vorgang bestätigt. (Saar- u. Bliesztg.
St. Ingbert, 21. April. In einer Versammlung de
Gastwirtevereins wurde beschlossen, ab 1. Mai den Bierprei—
um 2 Pfg., also auf 26 Pfg. zu erhöhen, wovon 1 Pfg
der Brauerei zufällt. In einer großen Versammlung sol
demnächst Stellung dazu genommen werden.
St. Ingbert, 21. April. Aus der heutigen Stadtrats
sitzung ist zu berichten: Der Bürgermeister ersucht und er
hält die Genehmigung, an der morgen Freitag in Müncher
im Ministerium des Innern stattfindenden Besprechunt
über das Projekt der Ueberlandzentrale der Rheinische
Schuckert⸗Gesellschaft teilzunehmen. Er teilt hierbei mit
daß neuerdings ein billigeres Offert vou Saarbrücken, von
wo der Ueberlandzentrale Konkurrenz entstehen sollte einge—
gangen sei.
* Köln, 22. April. (Ddie Fabrder drei Mi
lhütär-Luftschisffenach Homburg.) Gegen41
Uhr stiegen die Luftschiffe „Mi. 1“, „85 2 und 3P
2 aus ihrer Halle in Bickendorf auf, manövrierten einig
zZeit über Köln und fuhren dann in der Richumng nad
Bonn weiter, wa sie um 12 Uhr 10 Min. gesichtet wur
den. Gegen 1 5 wurden die Vwaftschifse beceits in Cob
lenz gesichtet, wo sie den Rhein verließen und sich land
einwärts nach Ems wandten. 3 Uhr überflogen J
Mainz in der Richtung nach Biebrich. Es hatte den An
schein, als würden sie seitwärts abgetrieben. Sie ve—
schwanden in der Richtung nach Erbenheim.
* Homburg, 23. April. (Die Ankunft der Lufe
schi ffe.) Die drei Luftschiffe pafssserten um J Uhr Hom
burg in westlicher Richtung. „Z. 2.“ voran. Sie manobv
rierten längere Zeit über Homburg, worauf gegen 4 Uh
die Landung erfolgte. Der Landungsplatz für die Luft
schifse ist auf dem freien Felde bei dem neuen Bahnhose
Grode Menschenmengen aus Franksurt, Homburg und der
umliegenden Ortschaften römten zusammen. Der Kaiser
die Kaiseren und Prinzessin Viktoria Luise trasen kur
nach 3 Uhr auf dem Landungsplatze ein. Die Heimfahr
erfolgt noch vor Abend.
* Trier, 22. April. Genickstarre.) Ein Unterof
fizier des hiesigen 69. Inf.-Reas. ft an Genickstarre er
krankt. Es werden die schärfsten Maßregeln gegen di
Verbreitung der Seuche angeordnet.
* Landau (Pfalz), 22. April. (Diebstahl) Gesterr
zormittag wollte ein Soldat des 5. Feldartillerie⸗Regi
ments auf der Stadtpost für die Kassenverwaliung sernes
Regiments 1070 Mark am Postanweisungsschalier einzah
en. Er legte das Geld in einen Beutel ausf die Schal
erbrüstung und begab sich an den nur wenige Meier ent
fernten Markenschalter, um Briefmarken zu laufen. Al
er gleich darauf wieder zurückkehrte, war der Beutel mi
seinem Inhalt verschwunden. Von dem Dieb hat mo
trotz sofortiger Recherchen keine Spur.
Aus aller Welt.
Schwerer Unglücksfall. Bei der Kohlenübernahm
auf dem vLinienschiff „Zähringen“ riß die Ketie des Krah
nes und die ganze Kohlentaoung stürzte in den Kohlen
raum, wobei 8 Mann zum Teil schwer verletzt wurden
Sturm. In der Reordsee herrscht seit Donnersta.
wieder ein schweres von Hagelschauern begleitetes Sturm
wetter. Auf der Tezeler Plate ist ein Schiff gestrande:
Die gesamte Mannschaft gilt als verloren.
Todesurteil. Das Schwurgericht in Natibor verut
teilte den 20jährigen Bäckergesellen Abrahamcyt zum Tode
Der Verurteilte hatte am 11. Februar eine 70 jährig
Frau ermordet und beraubt.
Ein brennender Dampfer. Aus Rotterdam wirt
berichtet: Der im Jahre 1907 erbaute Frachtdampfer Som
melsdytk der Holland-Amerika⸗-Linie sieht in Flammen
und gilt als verloren. Der Schaden beläuft sich auf meb
rere Millionen Gulden.
Roosevelt in Paris. Roosevelt tauschte mit Fal—
lieres und Pichon Besuche aus. Bei dieser Gelegenheit
wurde die Politik nicht berührt, doch interessierie sich der
Expräsident lebhaft für die internationale Konserenz ge—
gen die Schmutzliteraur. Roosevelt nannte diese Konfe
renz höchst notwendig. Nach den Besuchen beim Prösi—
denten Fallieres und beim Minister des Aeußern, Pichon,
begab sich Roosevelt zu dem früheren Präsidenten Lou—
bel mit dom er sich eine Mioctelttunde unterhielt. woraui
, um mein αα u limmern. Seren
Sie sich zum Kuckuck mit Ihrer Neugierde. Ich habe
waͤhrlich besseres zu tun, als Ihnen solche läppische Aus⸗
künfte zu geben.“
„Sier werden also keck auch noch? Wissen Sie, wer
ich bin? Wissen Sie das, Sie dummer Junge? Wahr⸗
scheinlich nicht . .. sonst würden Sie sich anders be—
nehmen...“
Die Sache wurde jetzt dem guten Tobias Gorowiisch
zu bunt. Er pacte den wutschnaubenden älteren Herrn
kräftig beim Arme, und indem er denselben derart schüt⸗
telte, daß dessen Seele sich jeden Augenblick vom Körper
zu trennen bereit schien, sagte er: „Sie ganz elender
Kerl! Sie wagen es, da herauf zu kommen und einen
stillen Nebenmenschen mit Ihren Frechheiten zu belästigen
Wenn ich nicht annehmen müßte, daß Sie verrückt sind,
und auf die Beobachtungszelle gehören, schlüge ich Ihnen
wahrhaft Ihre armseligen Knochen emzwei!“
Jetzt hatten sich Leute am Gange angesammelt, der
Hausmeister war heraufgekommen. Da man fürchtete, dab
Herr Tobias Gorowitsch den Fremden in seinem Zotrr
erenstlich prügeln würde, wehrte man seinen beitigen Be—
wegungen ab.
„Ja, was ist denn hier los?“ rief in diesem Augen
blich eine Stimme. Es war die Stimme des Hausherrn
den der seltsame Lärm herbeigeloct hatte. Als er Goro
witsch herauzen siehen sah, rief er sofort: Aha, das
dachte ich mir, daß sich diese Angelegenheit um Ihre
werte Persönlichkeit drehen würde. Sie bleiben nicht nu
hartnäckig Ihre Miete schuldig, sondern stiften nahezr
täglich in meinem Hause die peinlichsten Unruhen....“
„Aber nicht nur das — dieser saubere Patron beld—
stigt auch die Vorübergehenden“, bemerkte dir Ministerial⸗
rat sofort, als er sah, daß er Unterstüßung wider seinen
Gegner fand.
„Ohol“
„Jawohl, Herr Hausbesitzer! Dieser würdige Jung—⸗
ling wirft seine Speisereste einsach zum Fenster hinaus, so
daß dieselben anderen Leuten auf die Kleider fallen.“
Das ist ja recht nett.“
„Ich verlange für meinen Zylinder, den er mit toto
beschmutzt hat, zwanzig Mark Entschädigung:
Dao haben Sie recht.“
AIFch werde noch heute meine Ansprüche gerichtlid
⸗Atend Beche ae