Full text : Dudweiler Zeitung

Ver ichtes.
mit vier Millionen. Un der
Sine Zuru naut intthe wird nun eine Turn—
Zurnie die eher den Ramen eines Turnpalastes
9 en su nach ihrer Vollendung wohl das volkom—
zeni, — 8 der Welt sein wird. Die Piane, die
aste Gym a sind, sehen einen Kostenauswwand von
Ite mingen Mislionen Mart vor. Das Gebaäude wird
t als vische Eisbahn anfweisen, ein kotossales und
——— Schwimmbassin, zwei kleinecg Badebasuüber
 hundert Baderaume, niehrere aroße Duschenhal⸗
ausgedeynte Schießstäude, eine Rennbahn fur
⸗er, Plaäßze für die verschiedensten Arrzen von Balt pie⸗
hor, Ring- und Fechiraume, einen großen —W
Iddrei reich ausgestattete Lesehatlen. Der neue
wird sich am Harvard-Square in Canbridge Raß
useins, erheben; ein großer Teil wird durch Subslrip—
aufgebracht werden.
e nächste Sonnenfinsternis in Europa. Seit—
Ende des vorigen Jauryunderts eriige vol it
Jerfinsterungen der Sonne, die entweder Mittel⸗Eu⸗
scbst oder in benachbarten Sändern sichtbar waren.
cahem Zeitabstand aufeinander gesolgt sind, haben
Naeurereignisse unsern Erdteil gemieden Auch von
ab wird man in Europa noch zwei Jahre warten
sen, ehe sich die Gelegenheit zur Beooachtung dieses
irschaufpiels wiederholt, ohne daß man weiter zu rei—
braucht Die näaͤchste vollständige Sonneninsternis, die
ni m Teil Cucopas sichtbar sein wird, fällt auf den
pril des Jahres 1912. Wenn man die Erdgegenden
rechnet, in denen die Verfinsierung nur als eine ring—
uge erscheinen wird, beginnt die Zone der Sichtbar⸗
h norblichen Süd-Amerika und verläuft von dort
Nord⸗Spanien und weiter durch Frantreich, Belgien.
ruischland und Rußland, um in Sibirien zu enden. Zieht
mn Nechnung, daß nur ungefähr dreimal in einem
rhundert für ein Gebiet in der Größe Deutschlands
vollstandige Sonnensinsiernis eintritt, so darf man
Ereignis wohl schon jetzt ins Auge fassen, wie es
sstronom Dr. Savitch in der „Nature“ tut. Die Größe
erfinsterung nimmt längs ihrer Mittellinie fortgese st
Hamit verwandelt sich die Art der Verfinsterung aus
Nolalen in eine ringförmige. Nun tritt aber der
iwuͤrdige Fall ein, daß der Punkt, wo diese Verün—
ung Platz greifen würde, mit Sicherheit noch nicht an—
jzeben werden kann, da schon ein ganz geringer Irrtum
den bisherigen Messungen des Monodurchmessers einen
eblichen Fehler in dieser Bestimmung geben kann. Der
t des Monddurchmessers ist immer noch um etwas mehr
ünf Viertel Bogensekunden unsicher, und das würde
gen, für die Ausdehnung der vollständigen gegenüber
ingförmigen Verfinsterung einen Unterschied von ei—
na 100 Kilometern hervorzurufen. So viel kann man
lich sagen, daß in Deutschland die Finsternis wahr—
einlich nur eine ringförmige sein wird. Leider wird
h diese Finsternis wegen der Kürze ihrer Dauer keine
legenheit zu einer besseren Bestimmung des Mond—
ichmessers bieten, wozu überhaupt keine Sonnenfinster—
eit dem Jahre 1715 geeignet gewesen ist.
Fischfang mit gestohlener Elektrizität ist der
e Trick, den sich die Amerikaner ausgedacht haben.
Staat Indiana verläuft zwischen den Städten Frank—
ind Columbia eine elektrische Bahn mit Oberleitung,
dem Weißen Fluß für eine erhebliche Strecke folgt.
ch der Eröffnung der Bahn machte man die Entdeck
g, daß die Oberleitung zu einem mertwürdigen Zwech
Agezapft“ wurde, nämlich um mit dem auf diese Weise
stohlenen elektrischen Strom zu fischen. Die findigen
ute legten einen Draht mit dem einen Ende über die
itung und fuhren mit dem andern im Wasser de Zlus—
Jherum. Wenn sie damit einen Fisch trasen, wurde
eser selbstverständlich betäubt und konnte dann bei eini—
Aufmerksamleit in einem einfachen Fangnetz an die
erfläche gezogen werden. Der Diebstahl an Elektrizität
wohnehin schon eine gewisse Berühmtheit gewonnen,
dies Beispiel stellt wohl doch noch eine neue Form
ier Rechtsverlezung vor, die übrigens so einfach zu
»scheint. dak eine Warnung am Plote ir

tgeschlagene Diplodoeus. Man muß gesteyen,
Aorew Carnegie in der Verwendung seines Geldes
jsenichaftlichen und anderen öffentlichen Zweden viel—
gründliche Arbeit gemacht hat. So hat er nicht nur
später nach ihm benanntes großes Museum in Pitts—
eg, dem alten Mittelpunkt seiner Macht als Stahlkönig,
ründet, sondern dieser Anstalt auch reichliche Mittel über
esen, um alliaäͤhrlich in großen Expeditionen ihre Samm—
igen erweitern und vervollständigen zu können. Auf die—
u Wege sind die großartigen Entdeckungen ausgestorbe—
Riesentiere zustande gekommen, so auch die des bp
omten Diplodocus, dessen ungeheures Knochengerüst em
»guß als Geschent Carnegies an den Deutschen Kaiser
ich im Berliner Naturhistor ischen Museum angestaunt
erden kann. Die Jagdzüge auf Reste ausgestorbener
ere werden von den Beamten des Carnegie-Museums in
ttsburg von Jahr zu Jahr fortgesetzt, und ihre Ergeb—
sse zeigen, daß der Reichtum des Boͤdens der Vereinig-—
tStaaten an solchen Schätzen immer noch nicht erschöpft
vielmehr noch neue Ueberraschungen birgt. Jetzt ist
der Diplodocus selbst durch einen neuen Fund ge—
zagen worden. Nach einer Ankündigung des Leiters je⸗
Mitiouume Dr Golsane z 4 im Stagt Utan

sie Knochen von drei Exemplaren eines Dinosauriers ne—
eneinander entdeckt worden. Die Dinosaurier sind die
jamilie, zu der alle jene Kolosse von Reptilien der Kreide—
eit gehören. Die Knochen wurden am Rande einer Sand—
eintslippe ausgegraben und erwiesen sich als erstauntich
ut erhalten. Das größte der Skelette übertrifft das Ge—
richt des Diplodoeus an Höhe und Maisigkeit, steht aber
n der Länge von nur 25 Metern etwas hinter diesem
urück.
Die Gefahren einer Eisenbahnfahrt. Die wenig—
en Leutk ahnen, daß sie bei jeder Bahniahrt — nament—
ich in Zeiten der Influenza und anderer Epidemien
aGefahr sind, sich eine ansteckende Krankheit zuzuziehen,
enn die Eisenbahnmitroben zählen tatsächlich zu den
chlimmsten Feinden der Menschheit. Eine Untersuchung,
ie ein englischer Mediziner mit dem Fußbodenstaub von
wölf Eisenbahnwagen verschiedener Bahnlinien angestellt
at, ergab ein sehr bedenkliches Resultat. In zwei Rauch
vagen erster Klasse fand der Analytiker Keime, die Tuber—
ulose erzeugten, während der Staub der anderen Wagen
Influenzaä⸗, Scharlach- und Diphtheritiskeime, sowie andere
chädliche Mikroben beherbergte. Wie oft machen beispiels—
beise Bewohner großstädtischer Vororte die Erfahrung,
aß sie von einer Fahrt in die Stadt, die sie in voll
ommener Gesundheit antraten, krank zurückkehren. Am
mpfänglichsten für die Ansteckung durch Eisenbahnmikro—
en pflegen die Kinder zu sein. Man sinnt dann hin und
ser, wo sie sich dieses oder jenes geholt haben könnten,
och fällt es niemand ein, den Eisenbahnwagen dafür
erantwortlich zu machen. Eine täglich einmalige Reinig—
ing der Böden und Polstersize, wie sie in det Regel
iblich ist, genügt absolut nicht. Bei Fernzügen, die tags—
iber nur spärlich besetzt sind, dürfte die mehrmalige Rei—
ligung allerdings ihre Schwierigleiten haben, während sie
nden Vorort- und Sekundärbahnen, die sich an den End—
tationen entleeren, mit Leichtigkeit durchzuführen wäre.

Gerichtszeitung.
I Unlauterer Wettbewerb. Die Vestimmungen des
euen Geseses gegen den unlauteren Lettbewerb vom 7.
uni 1909 werden in der Geschäftswelt anscheinend noch
icht so richtig beachtet. So standen am Mittwoch in Düs—
ldorf die Inhaber eines Obst- und Gemüse-Engrosge—
häfts wegen unlauteren Wettbewerbs vor Gericht. Sie
atten am Wehrhahn ein Vadenlokal gemietei und das
chaufenster trug die Inschrift: „Obstausnellung Ottover⸗
ezember.“ Mitte Dezember kam noch ein einfaches Schild
Ausverkauf“ zum Aushang. Da der Gruid des Ausver—
iufs nicht wie vorgeschrieben angegeben war, so erstat
te ein Konkurrent Anzeige. Die Anklage warf dem Groß
ändlern noch vor, Waren (Blumenkohl) nachgeschoben zu
aben. Vor Gericht entschuldigten sie sich damit, daß
hnen die Bestimmungen des Gesetzes nicht bekannt gewe—
en seien. Sie waren andererseits aber der Meinung, daß
er Grund des Ausverkaufs in den Worten: „Oostausstell—
ming Oktober-Dezember“ zum Ausdruck gekommen sei. Der
ztaatsanwalt meinte, daß in diesem Falle kein großes
ffentliches Interesse vorliege, sondern, daß es sich um den
dacheakt eines Konkurrenten handele. Er beantragte da—
er die nieorigste Strafe, je 6 Mark. Das Gericht heß in
eiden Punkten der Anklage Verurteilung eintreten und
etzte die Strafen auf je 60 Martk fest.
d' Der Zechenverband und vie schwarzen Listen.
zn dem bekannten Prozesse Pieters gegen den Zechenver—
„and wegen Ersatz des durch die Aussperrung auf Grund
es Systems der schwarzen Listen erlittenen Schadens ist
on dem Essener Gerichte nach eingehender Verhandlung
olgendes Urteil gefällt worden: Die Klage des Bergman
es Hugo Voß aus Volmarstein wird abgewiesen. Die
ibrigen neun Kläger werden, insoweit Schadenersatz für
ie ersten 6 Wochen nach der Aussperrung gefordert wird,
nit der Klage abgewiesen. Im übrigen wird der Klage
mspruch dem Grunde nach für berechtigt erklärt. — Damit
at das Gericht das System der schwarzen Listen und die
lussperrung der kontraktbrüchig gewordenen Arbeiter (so—
»ohl für den erklärten Kontraktbruch mie für den ange—
ommenen Vertragbruch wegen unentschnuldigten Versaͤu—
iens dreier Schichten) grundsätzlich als berechtigt und nicht
egen die guten Sitten verstoßend anerkannt. Die früher
erhängte Aussperrung auf 6 Monate jedoch nicht für alle
zälle des Kontraltbruches für zulässig erklärt, sondern für
ille diese Fälle die Zeit der zuläfsigen Aussperrung auf
zz Wochen maximiert. Für besonders grobe Kontraktbrüche
vie ein sfolcher in dem Falle des Angeklagten Voß vor—
ag, aber auch die Aussperrung auf 6 Monate für zuläs—
ig angesehen. Soweit mit dieser Entscheidung die frü—
sere Aussperrungszeit von 6 Monaten für unzulässig er—
ichtet ist, hat dies keine wesentliche Vedeutung mehr, da
eit Einführung des Allgemeinen Arbeitsnachweises die
lussperrungszeit auf 14 Tage vermindert ist, während
indererseits von wesentlich praltischer Bedeutung die grund—
ätzliche Anerkennuna der Berechtiaunaga der schwarzen Li—
ten ift

* ⸗ J
Landwirtschaftlies.
—Saatenstand in Preußen. Stand Mitte April
910, wenn Begutachtungsziffer2 gut, 3 mittel und 4
ering bedeutet. Winterweizen 2,33 dim April 1909: 3,2),
Winterspelz 2,2 (2,7), Winterrogen 2,8 (2,9), Luzerne
2. 5. (2.9). berieselte Wiesen 2.7. 43. 2). andere Wiesen

»9 (I.. In den Bemerkungen ver „Staustischen Korre
pondenz“ wird erläuternd zu diesen Zahlen bemerkt, daß
ich in olge des vorübergehend milden Winters nennens
erte Auswinskerung nicht ergeben habe. Schädlinge sind
ußer den gewöhnlich vorkommenden Insekten verhältnis⸗
näßig selten gewezen. Die vorzeitige warme Witterung
es Februar hat allerlei Unkräuter gezeitigt. Im einzel⸗
ien meidet die Korrespondenz, daß Weizensaaten und
Winterspelz durch die spüten Nachtfröste nicht geschädigt
vurden, die Roggensaaten dagegen rostgelb geworden sind
ind warmen Regenwetters bedürsen. Winterrapp und
Rübsen haben nur ganz vereinzelt unier Maden gelitten.
lee und Luzerne werden durchaus günstig beurteilt. Die
Wiesen sollen aber infolge des Spätsrostes wieder grau
aussehen. Bei der trockenen Witterung konnte die Bestell—
ung der Aecker zur Sommersaat besonders im Westen bis
auf die Hackfrüchte beendet werden.

Humoriftische Ecke.
*Deutlich. Junger Lebemann (zu seinem verwit
weten Vater): „Wie wäre es denn, wenn Du die Ban
erswinve Buchenstein heiraten würdest und ich ihré
Tochter?“ — Vater: „Ich dante! Es genügt mir schon
daß Du mein Sohn bist — ich will Dich nicht auch noch
zum Schwiegersohn haben!“
*EulenWeisheit. Die junge Eule: „Warum
geht denn die Sonne jeden Morgen auf?“ — Die alte
FEule: „Damit wir wissen, wann es Zeit ist, jchlasen zu
gehen!“

Von der Luft'chiffahrt,
*Deutsche Festungenals Luftschiffsta—
io nen. Im Kriegsministerium trägt man sich mit dem
ßlane, verschiedene deutsche Festungen zu Lujtschiffslationen
suszubauen. Es soll nach dem Vorbild der österreichi⸗
chen Heeresverwaltung das Dellwik-Fleischersche Verfahren
ingerichtet werden. Damit sollen größere aer onautis he
Anlagen in den Festungen verbunden werden.
“Der Schütte-Ballon. Zu den Gasfüllung-z⸗
rbeiten für den ersten probeweisen Aufstieg des Schütte
chen Luftkreuzers ist, wie aus Mannheim gemeldet wird
ine Abteilung von 30 Mann des Mannheimer Grenadier—
egiments mit einem Vizefeldwebel und zwei Unteroffi—
ieren kommandiert. Der Aufstieg des Luftschiffes dürfte
edoch bei programmäßigem Fortschreiten der Arbeiten
nicht vor Ende Mai oder Anfang Juni zu erwarten sein,
za das Anbringen der Innen- und Außentzülle bei den
stiesendimensionen des Lenkballons noch einen sehr er—
neblichen Zeitaufwand erforderlich machen wird.
*Einneuer Weltrekord. Der Aviatiker Som
ner unternahm in Mouzon mit seinem Zweidecler einer
Flug von 5 Minuten Dauer, wobei sich vier Personen au
hord befanden, womit ein Weltrekord geschaffen wurde.
Der Apparat hat eine Tragfläche von 36 Quadratmeter
und eine Spannweise von 10 Mieter

Neueste Nachrichten und Telegramme.
Saargemünd, 20. April. Die bekannte Unterschlagungs
affäre des 38 Jahre alten Fabrikbeamten Schwarz, der seit
27 Jahren in Diensten der Adtschen Fabrik in Forbach
tand und großes Ansehen genoß in der Forbacher Bürger—
chaft kam, gestern vor der hiesigen Strafkammer zur Ver—
andlung. Der Angeklagte, der kurz vor seiner Verhaftungç
inen Selbstmordversuch durch Vergiften machte, soll in den
Fahren 1905 bis 1909 durch falsche Buchführungen über
5650 Mk. unterschlagen haben; allein für 911 Mk. nicht
geklebe Marken wurden nachgewiesen. Während der An—
Jjeklagte jede Schuld bestreitet, beantragt der Staatsanwal
1 Jahr Gefängnis. Der Verteidiger plädiert auf Frei—
prechung. Die Slrafkammer ließ mildernde Umstände ir
veitestem Maße walten und erkannte auf 3 Monate Ge—
ängnis, die im Gnadenwege bedingt erlassen werden sollen
St. Ingbert, 21. April Verhaftet wurde gestern au'
dem hiesigen Bahnhof der 18 Jahre alte Schreibgehilfé
Jakob Preis von hier. Er hatte ein Strafmandat erhalten,
aber dasselbe unberücksichtigt gelassen. Am 31. Mai hat
er sich nun wegen Unterschlagung und Urkundenfälschung
vor dem Landgericht Zweibrücken zu verantworten.
Kön, 21* April. Nach einem Newyorker Telegramm
der „Köln. Ztg.“ wird aus Caracas gemeldet, daß Präsi—
dent Gomez gemäß den Bestimmungen der neuen Ver—
'assung formell abgedankt hat, doch erscheint seine Wieder—
wahl nicht zweifelhaft.
Berlin, 21. April. Der neue Paragraph, der für künf—
ige Abänberungen des Wahlgesetzes in beiden Häusern des
Landtags die Zweidrittelmehrheit fordert, wurde mit 14
zjegen 6 Stimmen abgelehnt. Der 8 4, der die indirekte
Wahl und die geheime Wahl der Wahlmänner enthält
wurde mit 14 gegen 5 Stimmen in der Fassung des Ab—
zeordnetenhauses angenommen. Die Drittelung gelangte
'n einer Fassung zur Annahme, die noch eine wesentliche
Verschlechterung gegenüber den Beschlüssen erster Lesung
oedeutet. Der „Kulturträger“-Paragraph erhielt eine ähn—
liche Fossimg wie die ursyrüngliche Regierungsvorlage.

Berlin, 21. April. Die Geschäftsordnungskommission
des Reichstags hat heuke das Institut der kurzen Anfragen
in der Gesamtabstimmung mit 13: 13 Stimmen abgelehnt.
Berlin, 21. April. Zu dem Antrage Erzberger über
die Deckung die Kriegskosten für Südwestafrika wird
Staatssekretär Dernburg voraussichtlich morgen in der Bud⸗
get-Kommission Stellung nehmen. Wie man aus Kreisen
hört, die die Meinung des Staatssekretärs kennen dürften,
wird Dernburg den Antrag Erzbergers als undiskutierbar
erklären. Der Gedanke als solcher, die Kolonie mit zur
Tragung der Kriegskosten heranzuziehen, dürfte dagegen vom
Staatssekretär nicht abgewiesen werden.
Berlin, 21. April. Das Abgeordnetenhaus erledigte
heute einige weitere Kapitel des Kultus-Etets und vertagte
dann die Weiterberatung auf morgen.
Hildesheim, 21. April. Ein junges Mädchen, das
vor einiger Zeit mit ihrem Liebhaber, einem jungen Maler⸗
gehilfen verschwand und dessen Kleider an dem vorbeiflie—
zenden Flusse aufgefunden wurden, wurde heute früh als
Leiche aus dem Fluß gezogen. Von ihrem Liebhaber fehlt
noch jede Spur, jedoch deuten hinterlassene Briefe darauf
hin, daß beide gemeinsam in den Tod gegangen sind.
Breslau, 21. April. Die hiesige Strafkammer verur
leilte den Haushälter Paul Schölz, der bei den Wahlrechts—
Straßen-Demonstrationen am 20. Februar einen radfahren⸗
den Schutzmann, der Zivilkleidung trug, vom Rade gestoßen
und beschimpft hatte, zu ) Monaten Gefängnis.
saßnitz, 21. April. Als gestern die Torpedobootsflotte
im hiefigen Hafen einlief, wurde der Matrose Larnanski
vom Torpedoboot 8 123 von einer überbrechenden See mit
solcher Gewalt gegen das eiserne Geländer geschleudert
daß sein Tod bald darauf eintrat.
Wien, 21. Agril. Wie das Vaterland aus gut infor
mirter Quelle erfährt, wird der Wiener Nuntius, Fürs
Belmonte allerdings den Kardinalshut erhalten, der ihm
chon in Rom vorigen Jahres zugedacht war,“ wird aben
ruch weiterhin in Rom bleiben. Bon einer Abberufung
es Fürsten Belmonte von seinem Wiener Posten ist nichi
die Rede. ——
Cettinje, 21.* April. Eie montenegrinische Regierun—
hat einer reichsdeutschen Gesellschaft die Versorgung der
Stadt Cettinje mit elektrischem Licht übertragen. Das
zlektrizitätswerk wird an den Ufern des Rieka Flusses
rrichtet und die Wasserkräste sollen ausgenutzt werden
Außerdem wird diese Gesellschaft auch den Bau'der elek—
trischen Eisenbahn nach Danilowgrad und Reka erhalteu.
Paris, 22. April. Die Staatsanwaltschaft von Tours
beschlagnahmte im Schlosse des angeblichen Grafen Aulbt.
de Glatigny eine große Anzahl von Bildern, die mit Hamil—-ton
 Largillieres, Teniers usw. gezeichnet waren und nack
dem Geständnis Aulbis gefälscht sind. Aulbi gab zu, daf
er sich auch den Grafentitel unrechtmäßig angeeignet habe
und der Sohn eines Schneiders aus London sei.
Petersburq. 21. April. Eine zahlreiche Duma⸗Kom⸗
mission unter Führung des Duma-Präsidenten Gutschkow
hat gestern die Befestigungen von Kronstadt besichtigt. In
den Befestigungen von Kronstadt sollen umfassende Verän—
derungen vorgenommen werden. Die Besichtigung der Be—
festigungen durch die Duma-Kommission hat den Zweck
die Duma über diese strategischen Veränderungen zu in—
formiren. Gutschow versprach, seinen ganzen Einfluß für
zie Bewilligung der notwendigen Mittel zu den Befestig-—
ungen und militärischen Sicherheitsmaßnahmen für Kronstadt
 speziell und für Rußland im Allgemeinen einzutreten.
Moskau, 21. April. In der Uspensky⸗Kathedrale im
Kreml wurde ein kostbarer Brillantschmuck des alten Mut⸗
tergottesbildes im Werte von einigen Hunderttausenden ge—
stohlen. — Nach einer späteren Meldung hat die geraubte
Bekleidung des Heiligenbildes allein einen Wert von 200 000
Rubel. Auch an drei anderen Heiligenbildern wurden die
Brillanten ausgebrochen.
Konstantinopel, 22. April. Es wird behauptet, daß
die deutsche Regierung den Verkauf des gepanzerten Kreu—
zers „Blücher“ an die Türkei für 2 Millionen Pfund an—
geboten hat. Das Schiff kostete Deutschland 1382 000
Pfd. Es ist, obwohl es leicht und schnell läuft, doch entschie⸗
den den letzten Bauten des deutschen Kreuzertyps unter⸗
legen. Die türkische Admiralität wird wahrscheinlich auf
dem Standpunkte bestehen bleiben, daß es sich einen
gepanzerten Kreuzer von mäßigem Deplacement bei einer
britischen Firma bestellen wird. Der „Blücher“ ist ein
Probeschiff.
Newyorhk, 21. April. In der kubanischen Provinz Santa
Clara fand ein Negerputsch statt. Die Ruhestörer wurden
zerstreut; die Regierung sandte Truppen ab.
Birmingham, (Alabama), 21. April. Durch eine Ex—
»losion in den Nulga⸗Minen wurden 40 Arbeiter verschüttbet,
 20 sollen tot sein

453

rchaupt unzähmbar seien. Im Gegenten, owen und
ger gingen aus der Hand des einen ganz vortrefflichen
erbändigers in die eines andern über, angeblich als
lig unzähmbar, wurden aber dem neuen Herrn folg
n und wertvolle Schaustücke.
Martin pflegte mit seien Tieren nicht lange vergeb⸗
)e Versuche zu machen. Gelang es ihm nicht innerhalbß
ersten Wochen, dem Tiere das Verständnis seines
ohl wollens und seiner Ueberlegenheit beizubringen, so
b er die Hoffnung auf. Zuweilen kam es vor, daß er
jon am zweiten oder dritten Tage sich in den Käfig
nes neuangekommenen Tieres wagte. Auf meine Frage
er nicht dabei bisweilen eine Anwandelung von
tauen habe, war die einfache Antwort, daß er nie zu
nem Tiere gehen würde, ohne dessen gewiß zu sein, daß
e Bestie von der Ueberlegenheit ihres Gebieters durch⸗
ungen sei. Dies möglichft unfehlbar zu beurteilen. dos
r eben seine Kunst.
Man denke aber ja nicht, daß menschliche Verstellung,
it der wir unferes Gleichen wohl blenden, hinteichend
t, Tiere zu täuschen. Mertt doch unser Haushund gea⸗
au, ob eine böse Miene oder ein strenges Wort seines
zerrn ernstlich gemeint ist oder nicht. Unfeblbar spürt
den leisesten Schein der Unwahrheit in unserem Ge—
ihten heraus.
Ebenso und noch mehr wittern die urwüchsigen Na⸗
ren jener Tiere unter eiwa erkünsteltem Maunte, die feige!
denschenseele durch und, zum Bewußtsein ihrer Ueberegenheit
 kommend, werden sie durch ärmlichen Scheinmut
es Geaners nicht in Schramen dehalten werden tkönnen.
berste Bedingung in diso unerschütterliches Selbstber⸗
auen oder, wie jener Martin in seiner ihm eigenen
Prache sich ausdruͤcte: „Der Artikel Furcht ist in mei⸗
m Letikon nicht zu fiuden!“
Freilich ist man damit noch lange nuicht gegen alles
ngefähr gestchert, Ausfale bber une atzenen auch
ei Tieren Blindwütigkeit, und als dann kannes höchst
edenklich werden, ihnen zu nahen. Solche Momente was—
n es, denen selbst anertannt tüchtige Tierbändiger, wie
en Amhurg. Charles und andere zum Opier fielen ä
ein 3 Martin, von dem hier hauptsächlich die Redi
Wie sah sich bei einer seiner Schausteilungen in Paris
ge. mit seinem Lowen, wie der Kunstausdruck sagt
arbelen“. obaleich e von blee e

Buhne betrat. Sein Kennerblick hatte sosfort herausge⸗
funden, daß das Tier heute nicht zum Spielen aufgelegt
var. Trotzdem, seiner Ehre und dem zahlreich versammel⸗
ten Publikum zu Liebe, wagte er es auch heute. Der
Zwinger öffnet sich, der Löwe tritt vor, dumpfbrüllend
vie so oft schon die beifallklatschenden Pariser entzückend.
Diesmal aber sollle des Tieres Annäherung, sein
Niederducken nicht Liebe, nicht Demut bedeuten; ein
mächtiger Satz, der Löwe faßt Martin am Schenkel, trägt
hn triumphierend über die Bühne und läßt ihn am
fFisengitter niederfallen. Martin rafft sich auf, rafft seine
zjanze Geistesgegenwart zusammen, stürmt, so gut es
ben gehen will, auf den in der Ecke lauernden, zu
rneuertem Sprunge bereits ausliegenden Löwen los und
üchtigt ihn für die Freveltat. Der Löwe erkennt sein
Unrecht und windet sich schweifwedelnd, um Gnade
lehend, zu seines Herrn Füßen. Martins Genesung
chritt nur sehr langsam borwärts und schon beriet man,
das schrecklich verwundete Bein zu amputieren. Das Pu⸗
blikum hatte hinreichende Zeit, sich in allerlei Vermutun⸗
gen für und wider zu ergehen. Auch ein wettsüchtiger
Engländer fand sich, der tausend Pfund Sterling einsetzte,
daß Martin, falls er wieder seinem Tiere sich anvertrauen
ollte, über kurz oder lang demselben zum Opfer fallen
vürde. Glücklich kam Martin nach sechs Monaten so—⸗
veit, seine Schaustellungen von neuem zu beginnen, und
ortan heftete sich jener Engländer ihm an die Ferse. Tag
ür Tag saß er zur bestimmten Stunde im Zirkus auf
»em von ihm abonnierten Platze, eifrig mit Lesen von
zZeitungen beschäftigt, die er nur dann aus der Hand
u legen pflegte, wenn Martin zu fseinem Lösven ging.
Und dieser ging zu ihm; denn er glaubte psychologisch
ichtig, gerade nach jenem Vorfalle, wo er doch schließlich
ls Sieger das Feld verlassen, auf das Tier um so
icherer zählen zu dürfen.
Erwartungsvoll saß so der Engländer Abend faäür
Abend da — es handelte sich ja um die Ehre, recht zu
jaben, und nebenbet um tausend Pfund — mit gekreuz⸗
en Armen, kein Auge von dem Schauspiel verwendend.
Nehrere Monate lang freute sich Martin der auf sein
Leben gestellten Wette. Sie trug nicht wenig dazu bei,
einen Vorstellungen für die große Menge einen ganz be—⸗
onderen Reiz zu geben. War doch jeder, so aut wie der
wettende Enaländer von der Ueherr—

daß Maxrtin früher oder später der Bestie zur Beute fal—
len würde.
Schließlich mochte aber doch der Mann mit dem
rommen Wunsche im Herzen unserem Martin ein Gräuel
ind in manchen Augenblicken etwaiger Wide spenstigkeit
eines Läwen wie ein Memento mori vorgekommen sein.
Um daher den lästigen Gast loszuwerden, mach e ihm der
Tierbändiger folgendes Anerbieten. Der Löwe sollte ver
urteilt werden, zweimal vierundzwanzig Stunden zu hun
gern. Alsdann hatte Martin zu ihm zu gehen, ihm ein
Ztück Fleisch zu reichen, dasselbe aber, sobald die
sungrige Bestie mit Gier darüber hergefallen sein würde
oteder aus dem Rachen heraußzureißen. Der Engländer
ersprach für den Fall des Gelingens an Martin tausend
ßfund zu zahlen und damit von seiner früheren Wette
bzustehen. Termin und alles nähere war verabredet und
estgesetzt. Die Vorstellung nahte, die Billetts waren schon
seit Wochen vergeben und deren Preife aus einer Hand
in die andere um das Zehn⸗ und Zwanzigfache gestiegen.
Der Engländer hatte zweimal vierundzwanzig Stun
den bei dem Löwen Wache gehalten, um seiner Sach
icker zu sein, daß das Tier auch wirklich die bestimmte
Zeit über fasten werde. Martin trat zu dem ausgehun—
gerten Tiere ein und reichte ihm ein Stück Fleisch. Gie—
ig fiel der Löwe über den Fraß her. Triumphierend
brickte Mortin über die atemlose Versammlung hin und
varf dem Engländer, seinem Plagegeist, einen höhnenden
Blich zu. Doch das schwierigste der Aufgabe war noch
nicht abge:an. Martin beugt sich zu dem Tiere nieder
und auf sein infaches Kommando „a moi!“ (mir herl)
äßt der Löwe seine Beute los. Mit dem Fleisch in der
dand, seinen Löwen zur Seite gekauert, der natürlich mit
gierigem Blick jeder Bewegung feines Herrn folgt, ruft
Martin das ganze anwesende Publikum zum Schiedsrich—
ter auf. Unter stürmischem Applaus wird er als Sieger
gefeiert. Jetzt empfängt der Löwe sein Fleisch zurüd
und Martin verläßt unangefochten den Käfig. Der Held
wurde ob dieser Verwegenheit übermäßig gepriesen, strich
seine 1000 Pfund ein und war seines lästigen Gastes ledig
Nun aber den Schlüssel zum Rätsel, wie ich ihr.
qus Martins Munde selbst erfahren. Durch ein einfaches
Manöver hatte er seinen Löwen dahin gebracht, anf
edesmaliges Kommando ‚„a moi!“ die eben empfangene
ßeute loszulassen Vier Wochen bintereinander tagtäalich

vegab sich der Tierbändiger zu setnem Adwen, in jeder
Hand ein Stüd Fleisch. Das eine schlecht, Haut, Kno—
chen und Sehnen, wurde dem Löwen zuerst gereicht. Se
wie er sich anschickte, dasselbe zu zerreißen, wurde ihm
das andere Stück Fleisch, ein schönes Rippenstück vorge⸗
halten, während Martin das zuerst dargereichte unter ste
tem Zuruf seines „a moi!“ erfaßte und wegzog. Das
Tier, mit dem Tausch zufrieden, hatte sich schließlich ge⸗
wöhnt, auf des Herrn Wort seine Beute loszulassen, wen
es recht gut wußte, dabei nicht zu kurz zu kommen.
Nicht rohe Gewalt ist, es, womit der Mensch die ihm
überlegenen Tiere zwingt, noch sonst ein Geheimmittek.
Vor allem ein auf gegenseitiges Verständnis degründete⸗s
gegenseitiges Vertrauen vermag zwischen scheinbar so un—
gleichen Freunden ein einigermaßen dauerhaftes Bündnis
Iu vermitteln. Und darum eignen sich geistig befchränkte
Tiere, denen solches Verständnis unmöglich ist, wie zum
Beispiel der sonst so gemütlich scheinende Bär, zu solchen
Berkehr weniger als die sonst gefürchtetsten Raubtiere
wie Löwen, Tiger und Panther.
Der großen Menge freilich ist mit derlel einfachen
Aufschlüssen nicht gedient, weit eher wird sie an Zauberel
glauben. —3
Abgesehen von diesen Kunstproduktionen, sind die
Menagerien als Vorläufer der zoologischen Gärten von
großer Wichtigkeit. Sie waren die ersten Stätten, wo
wir unsere Schaulust befriedigen, unsere Studien nach dem
Leben machen konnten, und auf die hier gewonnenen An
regungen und Erfahrungen teilweise wenigstens fußen
einen Schritt weiter gehend, die Liebhabereien einzelner
Fürsten für Tiergärten. Das wissen die Herren Tier—
budiker sehr wohl und betrachten darum zoologische Gär—
ten nur als stehende Menagerien und die Tiergäriner ein⸗
fach als Kollegen, wenn auch nicht ohne den Hinterge
danken, daß diese als Gelehrte außerftande sind, Kemals
ihre Hohe zu erreichen. Auch der berühmte Lichtenftein,
der Gründer des Berliner zoologischen Gartens, mußte es
sich gefallen lassen, von einem Tierbudiker brieflich al⸗
Direktor von die wilden Beelter“ angesprochen zu wetden

z2M
            
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