MA. Wenn wir jetzt zur schönen Frühlingszeit in der
reien Natur sind, im Walde, auf dem Felde, auf der
Wiese oder im Garten, wie schön ist es da, wenn wir
Bögel antreffen, die uns durch ihren zierlichen Anblick, ihr
nunteres Hüpfen und Fliegen, ihr schelmisches Wesen, be—
onders aber durch ihren Gesang erfreuen. Einsam, tot,
edrückend und arm wäre die Welt, wenn es keine, Vögel
zäbe. Jeder einzelne von uns kann der Welt diesen Reich⸗
um an Lieblichkeit und unschuldiger Freude erhalten und
ichern helfen, indem er die wehrlosen kleinen Segler der
rüfte beschützt, indem er im Winler Futterstellen für die
Zögel errichtet und im Frühling Nistkästen aufhängt. Jeder
inzelne kann auch das Gegenteil tun, indem er den Vögeln
nachstellt und sie oder ihre Bruteier vernichtet. Doch schlecht
ind unbarmherzig ist solches Tun. Aber auch dumm ist
—DD—— Vögel durch das
Wegfangen schädlicher Insekten bringen, ist groͤßer. als die
ieisten Menschen ahnen.
Ueber Streik und „höhere Gewalt“ veröffentlicht in
»en „Mitteilungen der Hauptstelle deutscher Arbeitgeber—
„erbände“ Justizrat Dr. Fuld in Mainz eine Abhandlung,
er folgendes zu entnehmen ist: Das Streikfiebet, das in
en letzten Jahren in verschiedenen Ländern geherrscht hat,
nußte natürgemäß dazu führen, daß die Rechtsprechung
äufiger denn früher Veranlassung hatte, sich mit der Frage
zu befassen, ob und wann ein Streik als höhere Gewalt
zu betrachtet ist. In den die ausländische Rechtsprechung
enthaltenden und verarbeitenden Spruchversammlungen ist
ie Zahl der sich hierauf beziehenden Entscheidungen er—
seblicher wie in den Sammlungen der Erkeuntnisse deut—
cher Gerichte. Die Ergebnisse, zu welchen die Rechtsprechung
n den verschiedenen Laͤndern hierbei gelangt ist, weisen eine
veitgehende Uebereinstimmung auf. Zunächst ist zu bemer—
en, daß die Vereinbarung der sogen. Streikklausel die
zraktifche Bedeutung der Frage nicht unerheblich abge⸗
chwächt hat. Ist vereinbart, daß der Streik als höhere
vewalt anzusehen ist, so tritt selbstverständlich ein Verzug
uuf seiten des Unternehmers, welcher nicht oder nicht recht
eitig liefern kann, nicht ein. Eine Betriebsstörung durch
ztreik hat nicht notwendig zur Voraussetzung, daß alle
Irbeiter oder mindestens die Mehrheit der Arbeiter eines
Anternehmers die Arbeit niederlegen, vielmehr kann die—
elbe auch schon dann vorliegen, wenn auch nur einzelne Ar⸗
eiter die Arbeit wegen bevorstehender Lohnkämpfe verwei—
zern und anzunehmen ist, daß die übrigen das Beispiel
iachahmen. So die Entscheidung des Reichsgerichts vom
0. Oktober 1909, der beizupflichten ist. Die Behandlung
der Vertragsverpflichtungen, bezüglich welcher die Streiklausel
vereinbart worden ist, kann der Praxis kaum noch
sennenswerte Schwierigkeiten machen, insbesondere dann
nicht, wenn sie dabei dem Umstande Rechnung trägt, daß
nicht der Wortlaut für Auslegung und Tragweite maßge—
zend ist, sondern der Sinn, welchen die Kontrahenten damit
»erbunden haben, und daß dieser Sinn sich aus den Ver—
yältnissen ergibt, die in dem bezüglichen Gewerbe zur Zeit
»er Abmachung bestehen. Anders verhält es sich mit den—
enigen Fällen, in welchen die Streikklausel nicht vereinbart
vorden ist. Die Rechtsprechung konnte selbstverständlich der
in den gewerblichen und industriellen Kreisen vielfach heute
ioch vertretenen Ansicht, wonach ein Streik schlechthin unter
»en Begriff der höheren Gewalt falle, nicht folgen. Der
Zztreik kann als höhere Gewalt anzusehen sein, aber er
nuß nicht mit Notwendigkeit unter diefen Begriff fallen
Aie konkreten Umstände sind maßgebend und auch hierbe.
nuß individualisiert, nicht schablonisiert werden. Es kommt
eineswegs lediglich auf Umfang und Intensität der Streiks
mm, auch bei einem allgemeinen Streik kann unter Umstän—
»en die Sachlage eine derartige sein, daß der Unternehnier
ie nicht rechtzeitige Lieferung zu vertreten hat, jedoch wird
»ies nur in Ausnahmefällen anzunehmen sein... Die
Anterscheidung zwischen einem von dem Arbeitgeber ver—
chuldeten und nicht verschuldeten Streik ist natürlich außer—
irdentlich schwierig, es liegt auf der Hand, daß der Richter
»or eine vielfach für ihn gar nicht zu lösende Aufgabe ge—
tellt wird, wenn man ihm zumutet, ein Urteil darüber ab—
ugeben, ob der Unternehmer oder die Gesamtheit derselben
»en Streik verschuldet hat oder nicht. Wer weiß nicht,
vie sehr die Ansichten der Nationalökonomie und ihrer
vissenschaftlichen Vertreter hierüber auscinandergehen, ob—
vohl diese den bezüglichen, keineswegs einfachen, sondern
ielmehr recht komplizierten Verhältnissen viel weniger fremd
jegenüberstehen wie der Zivilrichter! Bemerkenswert ist,
aß in der Rechtsprechung auch der Gedanke verwertet wird,
in vorsichtiger Unternehmer müsse unter den heutigen Ver—
zältnissen mit der Möglichkeit eines Streiks bei Nbernahme
yon Verpflichtungen bis zu einem gewissen Grade rechnen.
In einer Entscheidung des schweizerischen Bundesgerichts
»om 30. November 1906, die sich auf den Generalstreik
er Bauarbeiter in Basel bezog, ist derselbe in folgender
Veise verwertet: „Solche Streiks bilden in den heutigen
—
i⸗
fierbudiker.
Nachdruck verboten
Neben fliegenden Buchhändlern haben wir auch flie⸗
zende Zoologen. Das sind die Schausteller zoologischer
Verkwürdigkeiten und deren Helfershelfer. Von den Bu—
dilern, welche auf Vogelschießen, Messen, Jahrmärkten hier
inen Seehund, und weil das gar zu gemein klingt, na⸗
ürlich als Seejungfer oder Seebär, Seewolf oder See⸗
öwen, dort einen Dachs als amerikanisches Stinktier,
inen Schäferhund als Wolf präsentieren, weiße Mäuse
»der Rattenalbinos, Murmeltiere, dressierte Flöhe, ge⸗
ehrte Hunde oder abgerichtete Kanarienyögel zur Schau
lellen — über diese Kleinkrämer hinweg lassen Sie uns
u den Engroisten der Gilde übergehen.
Wer kennt nicht die Firmen van Aken, Martin, Renz,
dreutzberg, Batty, die sich teils durch kostbare Tiersamm—
ungen, teils durch ihre Vertraulichkeit mit wilden Bestien
einen Namen gemacht. Sie alle, ausnahmslos, und mö—
gen sie die ausgezeichnetsten Schauspieler heißen, verschmä—
hen nicht, zu „klappern“ — Klappern gehört zum Hand⸗
verk —, ja scheuen selbst vor Täuschungen des Publi⸗
lums nicht ganz und gar zurück. Wagen sie auch nicht,
wie das schon einmal geschehen, ein gemeines Masken—
chwein hochtrabend als Zwerghippoppiamus oder als
Rhinozerosschwein auszuposaunen: in der Regel wird doch
her Gänfegeier zum Lämmergeier, und mit allerleit rei—
enden Titulaturen für seine Tiere ist man keineswegs
arg. Klappern gehört zum Handwerk, und es steht dieße
Matime nicht nur bei Menageristen in hohem Ansehen, sie
vird eigentlich bewußt oder unbewußt überallb befoigt.
Für Schaustellungen wenigstens ist sie das unerlaͤßliche
AIushängeschild. Die Amerikaner nennen das „Humbug“.
xs hat sich damit ein etwas verächtlicher Begriff ver—
unden; aber es ist ganz besonders lustig, die Donunen,
die nicht alle werden“, zu foppen, und gewiß nicht gor
hne Verdienst, sie zu witzigen. J
Doch bleiben wir bei unseren Tierbudikern.
Menageristen sind unter sehr schwierigen Verhältnissen
jeschulte und notgedrungen ganz hortreffliche Praktiker.
MNan denke nut daran, welche Kalamität das Romaden—
eben ist, und wie wenig Schutz sie dabei für ihre Tiere
vor den Wiberlichkeiten des Klimawechsels baben. Was
ind Arbeitern eine dem Gewerbebetrieb, namentlich auch
im Baugewerbe, derart inhärente Erscheinung, daß der
zetriebsinhaber mit ihnen rechnen muß, da sie für ihn
urchaus voraussehbar sind, und es muß jeder vorsichtige
Anternehmer bei der Eingehung größerer Verpflichtungen
eit der Möglichkeit ihres Eintritts rechnen.“ Daraus fol—
ert das Bundesgericht, daß, wenn ein vorauszusehender
treik eintritt, der Unternehmer, der nicht damit gerechnet
at, sich auf das Vorliegen der höheren Gewalt nicht be⸗
ufen kann. Diese Argumentation des eidgenössischen Bun—
»esgerichts kann nur bedingt als richtig anerkaunt werden.
Richtig ist allerdings, daß in einer Reihe von Gewerbs—
zweigen, wie vor allem in dem Baugewerbe, die Möglich—
seit des Ausbruchs von Streikbewegungen keine fernliegende
st, und diese Tatsache hat ja auch vor allem dazu geführt,
»on der Anwendung der Streikklausel einen umfangreichen
Bebrauch zu machen. Man kann also feststellen, daß die
Rechtsprechung immer nur von Fall zu Fall und unter
Berücksichtigung der individuellen Verhältnisse die Anwend—
arkeit des Begriffs der höheren Gewält auf den Streik ge—
»illigt hat. Zu einer anderen Beurteilung zu kommen ist
ür die Rechtsprechung auch unmöglich. Daraus folgt, daß
er Unternehmer, der ganz sicher gehen und sich nicht dem
disiko aussetzen will, das mit der richterlichen Würdigung
er Verhältnisse des Einzelfalles regeliuäßig' verbunden ist,
inbedingt die Streikklausel mit seinen Ahnebhmern verein—
aren muß.
Ueber die Wirkung der 1000,Mark-Dienstprämie
auf die Dienstzeit der Unteroffiziere unterrichtet eine kürzlich
er Rechnungskommission des Reichstages zugegangene
Nachweisung, aus der hervorgeht, daß die weilaus groͤßte
Nehrzahl der Unteroffiziere, nämlich 87 v. H., nach dem
2. 13. und 14. Dienstjahre aus dem Militärverhältnis
usscheidet. Von 5161 Unteroffizieren, die den Anspruch
uf die Prämie erworben hatten, sind 1393 nach 12 Jahren
988 nach 13. Jahren und 1101 nach 14 Jahren, die üb—
gen 721 nach 15 bis 132 Dienstjahren ausgeschieden
)emnach hat die Dienstprämie im großen und ganzen die⸗
enigen Wirkungen gehabt, die bei ihrer Einfuͤhrung—
vartet wurden.
Die Greuel der chinesischen Justiz, wie sie jetzt be—
onders in der Mandschurei gegen die immer zahlreicher
verdenden Räuberbanden, die Chunchudzen, zur Anwendung
elangt, schildert der in Charbin lebende Dr. Rogger Ba⸗—
on Budberg in den letzten Nummern des „Slobus“ Nach
hinesischem Gesetz unkerliegt jeder der sich eines Raubes
chuldig gemacht hat, sei es auch in leichtester Form, der
Todesstrafe durch Enthauptung. Wird der Räuber während
es Raubes von vielen gesehen und erfaßt, so kann er auf
ner Stelle hingerichtet werden: wird er aber nicht auf frischer
Tat festgenommen, so muß er auch nach der Ueberführung
urch Zeugen ein Geständnis ablegen und es selbst durch
Ibdruck des in Tusche getauchten Zeigefingers unterzeichnen.
egt er freiwillig das Geständnis nicht ab, so kann er durch
oltern dazu gezwungen werden. Die leichteste Form der
olter sind dabei Schläge mit einem langen Lineal, das aue
ner Anzahl dünner, uͤbereinandergeschichteter Bambusplatten
ebildet wird, auf die an eine kleine Bank gebundene Hand
das Lineal hat eine furchtbare Schwungkraft, mit großer
Schnelligkeit fallen die laut klatschenden Hiebe nieder, un
monoton rust dazu der Schlagende die Schlagzahl aus, in⸗
dessen nur die graden Zahlen. Schon nach kurzer Zeit bildet
ich eine große Blase, die sich durch Blutausiritt schwarzviolet
ärbt. Die Hiebe können zu Hunderten verabfolgt werden
nuch am nächsten Tage, bis der Angeklagte ein Seständnie
zblegt. Noch schwerer find die Schläge auf den Oberschenke
»ie sehr bald das Fleisch zum Vorfchein kommen lassen, je
isweilen werden die Knochen buchstäblich freigelegt. Ein
gentliche Folter aber ist erst das Knien am Kreuzgestell
in die Erde gerammt ist ein Pfosten. Der Delinquent wird
3. Fußfesseln geschlagen, so über ihn hinweggehoben, daß der
zfosten zwischen seine Unterschenkel zu stehen kommt, aus
em Erdboden sind dünnere Ketten zusammengerollt, au
iese kommen die Knie zu stehen. Der Zopf wird an dem
ZRfahl hoch aufgebunden, während im Ruͤcken ein durch der
Rfosten gesteckter Keil den Mann zum Geradehaltung zwingt
Un einem mit dem vertikalen Pfosten nun vereinigter
Querbalken werden die horizontal ausgestreckten Arme vor.
un beide Daumen geschlungenen dünnen Schnüren in solche!
Stellung erhalten. Um die Qualen noch zu vermehren
verden nach Bedarf zwei bis drei Ziegelsteine unter die Fuß⸗
ücken gestellt, was bedingt, daß die ganze Last des Kör—
ers auf einer sehr kleinen Fläche beider Kniescheiben der
detlen aufliegt.
Für den Europäer ist der Anblick entsetzlich! Manchen
zerbrecher kniet so auf dem Hofe des Gerichts in glühender
ommerhitze oder in eisiger Winterkälte den Tag über, mar
ißt ihn wohl auch noch in der Nacht an der Folter, un
ie Sache schnell zu beenden, und auf seine monotonen Klag⸗
uufe antwortet man ihm mit dem Trost: „Gestehe ein und
wiost befr⸗at dein⸗ Hinrichtung befreit dich von allem
otll das sjagen, Eobuee z. . Undo Renniitere duus engen.
taum beschränlkt, in brennender Sonnenhitze einem lang⸗
deiligen Transport ausgesetzt zu sehen; jedenfalls bedent⸗
icher noch ist es, tropische Tiere vor grimmiger Kälte
hützen zu müssen. Gern nehmen unsere heutigen Mena—
erien ihren Weg die Linien des Eisenbahnnetzes ent⸗
ang, sonst aber galt es auf Heerstraßen sich fortzuschlep⸗
en, und da litten deñn die Tiere, abgesehen von der
rangwierigkeit, durch Staub und holprige Passage oft
anz erschredlich. Kolosse, wie Elefanten, mußten ihre
deise natürlich zu Fuß zurücklegen und marschierten zwi⸗
chen einem überdedten, mit Pferden bespannten Räder—
asten. Wenn es dem Unhold nicht behagte, weiter Fuß
ei Fuß zu setzen, und es dem Kornak nicht gelingen
vollte, seinem Tiere die Untunlichkeit, auf offenet Landtraße
Halt zu machen, beizubringen, dann zogen zehn
Rferde nicht den Widerspenstigen von der Stelle. Notge⸗
rungen hielt man eben, bis der Elefant beliebte weiler
u marschieren, was nicht selten erst dann geschah, wenn
nan dem Indianer tüchtig zugesprochen, und zwar nicht
los mit Worten, sondern am liebsten mit Rum. Koanail
der Arak.
Das Menageriegeschäft galt bis vor wenigen Jahr⸗
ehnten als ein sehr einträglicher Erwerbszweig. Immier
ber war es nicht ohne Wagnis, weil die Spesen dabei
anz ungeheuer sind. — Zuweilen verfolgt sie Mißgeschick:
in epidemisches Sterben kann eine Menagerie binnen we—
sigen Tagen ruinieren. Renz geschah es, daß bei der
leberfahrt von Kopenhagen seine sämtlichen Tiere übev
zord gestürzt werden mußten, um das lecke Schiff vom
ͤntergang zu retten.
Augenblickliche Geldverlegenheiten haben schon ganz
espeltable Firmen betroffen; glüdlicherweise fcheitern aber
zeabsichtigte Pfändungen an der Ratlosigkeit der Gläu—
iger und der Gerichte, wie Löwen, Tiger, Elefanten und
dashörner aufzubewahren sind. Wenn freilich ein zoolo—
ischer Garten am Orte ist, dann versteht sich wohl dieser
azu, die gepfändeten Tiere aufzubewahren. So waren
inst Batth's Löwen im Dresdner Tiergarten fast einen
anzen Sommer lang als Bürgen für die Schulden thres
herrn inhaftiert.
In Hafenstädten zumal findet man stets Firmen, die
usgedehnten Handel mit lebenden Tieren treiben; so
dagenbed in Sambura. Sein HSauptzwech aber d nicht
deiden.“ Schließlich hört man den Unglücklichen rufen
Ich will reden, möge eine Person kommen!“ Reicht diese
olter aber noch nicht aus, so ist eine härtere Form diese
Der Verbrecher kniet ebenso auf Ketten auf einem erhöhter
ziedestal, in die Kniekehlen wird ein langes Brett gelegt,
uf dessen beide Enden zwei bis vier Personen sich stellen
ind eine wippende Schaukel bilden. Die Qual isi unbe—
chreiblich wobei Schenkelbrüche nicht selten vorkommen
Hhat der Angeklagte das Geständnis abgelegt, so sind ein
Reihe von Formalitäten zu erfüllen, und es kann sehr ver—
chieden lange Zeit bis zur Hinrichtung verstreichen, die der
Verbrecher in elendester Lage in furchtbaren Gefängnissen
zubringen muß. Die Hinrichtungsplätze liegen in der Mand—
churei außerhalb der Städte, dort wo allet Unrat abgeladen
vird und nur ein freier Platz vorhanden ist. Da die Liste
er zum Tode Verurteilten dem Kaiser zur Bestätigung nur
alljährlich im Herbst vorgelegt wird, so finden in der Regel
eine Anzahl Hinrichtnngen zu gleicher Zeit statt, in den großen
Städten oft hunderte an einem Tage. Auf großen Lastwagen
verden die Delinquenten zum Richtplatz geführt. Sie sind
alle in Holzfußfesseln geschlagen, und die Arme werden ihnen
auf den Rücken zusammengebunden. Auf einem großen schwar⸗
zen Papierstreifen, der auf dem Rücken befestigt wird, ste
hen Name, Heimat und das Verbrechen verzeichnet. Me
sallposaunen verkünden den Gang der Cxekution: es sind
erschütternde Töne, metallen hohl, wie aus der Liefe des
ẽrdreichs hervordringend, die leise beginnen, immer lauter
verden, um dann wieder herabzusinken: dazwischen mischt
sich ein anderer, ruckweise hervorgestoßener, der sich wie
ein wildes Hohnlachen anhört. Erschallen diese Tone, se
trömt das niedrige Volk auf dem Richtplatz zusammen
das Benehmen der Verurteilten ist sehr verschieden: es
st übertrieben, wenn immer erzählt wird, daß alle Chine⸗
en bei der Hinrichtung völlige Gleichgültigkeit, ja Heiter—
eit an den Tag legen. Mancher alte Chunchudze hat wirk⸗
ich keine Angst vor dem Tode, aber junge Perfonen sieht
nan ost weinen, andere sind trunken, singen meist frivole
ieder oder schimpfen über die Beamten und Richter. Ist der
Zug auf dem Richtplatz angelangt, so hat die ihn begleitende
rilitärische Essskorte diesen in einem Moment gesäubert und
instellt uud richtet das Sewehr oder den Revolver auf das
Zentrum des Platzes, auf dem die Wagen Halt machen
Schnell werden die Verurteilten in die richtige Stellung
gebracht, zun Teil hüpfen sie selbst an ihren Ort: sie knien
in langer Reihe. Wie aus der Erde gewachsen steht plötz⸗
ich der Scharfrichter, der sich bis dahin verfteckt gehallen, hinter
dem ersten der Reihe, und sehr häufig hat er ihm den Kopf
vom Leibe mit einem gewaltigen Schlage seines Schwertes
getrennt, ehe er ihn bemerkte. Fällt der Kopf, so ruft nicht
aur das Publikum „hau“, d, h. „Gut gutgemacht“, sondern
zuch mit gewisser Begeisterung die andern Verurteilten.
Viderwärtige Szenen aber ereigneu sich, wenn etwa der
Lerurteilte im Moment des Schlages zusammenzuckt und
der Scharfrichter nicht den Nacken trifft, sondern den Kopf
oder die Schultern. Der Scharfrichter, der sein Handwerl
versteht, trennt fast ausnahmslos den Kopf mit einem Schlage
'o von den Schultern, daß dieser ein beträchtliches Stuck
in die Höhe und vorwärts geschleudert wird, um mil dumpfen
Beräusch auf die Erde zu fallen: einige Sekunden danach
erhebt sich der Rumpf ein wenig wie zum Sprunge und
ällt nach vorn über. Der Kopf macht bis zu fünf Minuten
nit dem Munde noch Atembewegungen, aͤber das Aug
erhält sofort einen ausdruckslosen Blick, der nicht die geringste
Geistestätigkeit verrät. Als eine geringere Strafe gilt für
den Chinesen die Erdrosselung, die den Turopäer in der Ar—
ihrer Ausführung einen noch gräßlicheren Eindruck macht
Vei Verwandtenmord'gehen in Fällen wie Eltern und Gatlen⸗
mord langsame Zerstuͤckelung durch Vivisektion, Pfählung
anf dem Rücken eines Esels, Zertrümmerung der Gliedmaßen
und ähnliche Martern der Todesstrafe voran.
Saarbrücken, 21. April. Gestern abend um halb
üUhr versuchten zwei etwa 13 Jahre alte Burschen mi
inem Dietrich ein Apfelsinen-Lager in der Fürstenftraße zu
ffnen. Sie wollten eben die Tüͤre öffnen als zufällig der
zesißzer des Lagers des Weges kam. Die Bengels gaber
»fort Versengeld und es gelang dem Eigentümer nicht die
damen der kleinen Langfinger festzustellen. (Sbr. Volksz.)
EEiweiler, 20. April. Heute nacht wurde hier de—
Bbergmann Johann Dörr, angeblich von einem italienischer
Arbeiter mit einer Hacke erschlagen. Ob Raubmord vor
liegt, wird die gerichtliche Untersuchung ergeben. Dörr war
allgemein beliebt und man versteht es nicht, daß er irgend
eine Veranlassung gegeben haben könnte. die den Mörden
zu einer so ruchlosen Tat beftimmen konnte, (Sbr. Volksz.
St. Avold, 20. April. Gestern vormittag 6 Uhr 35
Min. hat ein hiesiger Soldat sich von dem Paris⸗Frank—.
urter Schnellzug überfahren lassen. Der Kopf wurde ihn
om Rumpf getrennt.
Bottrop, 18. April. Ein grauenhafter Anblick bot sich
estern abend der Bergmann Karl Prehallu von hier. Der
Mann ist seit 4 Tagen verheiratet. Als er seine Qiich
Alunellung, sondern der Hander. Hier werden in
der Regel wenig Umstände mit den Tieren gemacht, un⸗
zleich weniger, als wir in zoologischen Gärten zu machen
flegen. Zeit ist Geld, sagt der Handelsherr und auf ein
egenseitiges Verständnis wird bei der zumeist kurzen
daued des Verkehrs ohnehin nicht gerechnet. Einem
dichtwollen antwortet der Besitzer mit dem unerbittlicher
NRuß, und dem einfachen Kommando wird die Wasser⸗
pritze, oder je nachdem, die eiserne Brechstange Nachdrud
u verleihen wissen. Die Zufuhr überseeischer Tiere is
och keineswegs so geregelt, als man dem europäischen
zedarf nach erwarten und wünschen möchte. Die Be—
ugsquellen sind oft genug rein zufällig. Seeleute wie
gassagiere führen nicht selten einzelne Tiere zur Kürzung
»er Langeweile, während einer eintönigen Fahrt mit,
chlagen dieselben bei der Landung gegen ortsübliche
Nünze los und so trifft es sich zuweilen, daß bedeutende
dostbarkeiten zu Spottpreisen eingehandelt werden. Klei—
iere Tiere, zumal Vögel, vor allem aber Papageien, so—
pie das Heer der kleinen afrikanischen Finken, die soge⸗
nannten Schmuckvögel werden bekanntlich zu Hunderten
und Tausenden auf Spekulation verschifft und in Europo
zu Markt gebracht. Transporte von größeren Tieren aber
delieben Kapitäne selten und dann höchstens nur die ein—
zelner weniger Individuen und womöglich in besonderem
Auftrag. Handelt es sich gar um Tiere, welche nicht am
überseeischen Landungsplatze sich darbieten, sondern, wie
fast alle größeren Tiere, tief aus dem Lande her beschaffi
werden müssien, so kann, wenn nicht besonderer Zufall im
Spiele ist, auf deren gelegentliche Zufuhr nicht gerechnet
werden. Diese Aufgabe fällt einer besonderen Kaste zu,
den eigentlichen Voyageurs des Geschäfts. Wenige nur
—XR
pvenigere mögen dazu berufen sein. Keiner von allen
aber hat soviel gewagt und sobviel gewonnen, als der be⸗
'annte Casanova. 1
Durch Gründung der zoologischen Gärten sind die
Ansprüche des Publikums allerdings gewachsen und mag
das Geschäft auch wohl einigermaßen beeinträchtigt wor—
den sein. Lange vorhex aber, schon weil die Menagerien
sich täglich mehrten und weil der Kreis der in Buden
auszustellenden Tiere ein ziemlich beschränkter ist, schien
es nicht recht mehr zu genügen, die Bestien einfach an⸗
zuschauen. Es galt dem sast aleichmäßig wiederkehrenden
betrat, fand er dort eine Blutlache. Nichts gutes ahnen
prang er die Treppe empor zu seinem Schlafzimmer. DJ
Türe konnte nur gewaltsam aufgedrückt werden. Hinte
»erselben lag in einen großen Blutlache seine Frau m
)»em Gesicht nach dem Erdboden zu. Als er die Frau um,—
rehte, entdeckte er in der linken Brustseite ein bis an daz
Zeft, in der Brust steckendes Brotmesser. Die Frau was
bereits gestorben. Noch in der Nacht wurden auch mi
Hilfe von Polizeihunden die umfangteichsten Ermittelunge
angestellt. Man neigt nach der Art der Auffindung de
Leiche der Vermutung zu, daß es sich um einen im Fieber.
wahn begangenen Selbstmord handeli. Die Leiche ist eim
veilen beschlagnahmt worden.
*Köln, 21. Apri. (Drei,‚Lenkbare“ im Tar
nus.) Aus Homburg wurde gemeldet, der Kaiser ãußert
dei der Mittagstafel, daß er für Donnerstag die drei ü
föln stationierten Militärluftschiffe, nämlich den „3. 2*
„M. 1* und „P. 2* in Homburg erwarte, wo er Ane Be
ichtigung der Fahrzeuge vornehmen wolle. dDie Luf
schiffe sollten vor Tagesanbruch Köln verlassen und vor
russichtlich gegen 11 Uhr in Homburg eintreffen. Tatsäch
lich ist diese Lufischiffreise auch geplant, mußte aber heuie
wegen böigen Wendes und Regenwetters aufgeschobe,
werden.
* Düsseldorf, 21. April. Gin jugendliche
Abenteurer.) Ein 16ähriger Kaufmannslehrling, de,
einem Vater in Essen mit einer größeren Summe Gelde—
durchgebrannt war, fiel auf dem Hauptbahnhof einen
Bauernfänger in die Hände, der ihin den größten Tei
des Geldes abschwindelte. Hierauf stiellte sich der jung
Mensch selbst der Kriminalpolizei, die ihn wieder nad
Essen spedierte.
* Kreuznach, 21. April. (Eine Lebensmäd e.
Auf dem Friedhofe begoß eine unbekannte ältere Frat
ihre Kleider mit Petrol-um und zündete sich dann an,
die Leiche der Unglücklichen wurde bis zur Untenntlichlei⸗
verbrannt aufgefunden.
**Landau (Pfalz), 21. April. (Sehb st mordver
such aus Zorn) Gestern abend gegen 6 Uhr stürzt
sich der verheiratete Gelegenheitsarbeiter Hermann aus⸗
Zoxn darüber, daß ihm seine Ehefrau kein Geld geben
wollte, aus dem Fenster seiner im dritten Stockwerk ge
legenen Wohnung. Er wurde töodlich verletzt ins Kran
kenhaus gebracht.
Aus aller Welt.
Gestrandeter Kahn. Bei schwerem Sturm stran
dete ein großer Lloydschlepptahn in der Wesermündung
Zwei ausgelaufene Rettungsboote konnten die Mannschaf.
bisher noch nicht retten.
Der Rachlaßz Dr. Luegers. Die Aerzte, die der
verstorbenen Wiener Bürgermeister Dr. Lueger währen
seiner letzten Krankheit behandeiten, haben eine Gesamt
rechnung von 22 500 Kronen eingereicht, welche von de
Kommune beglichen wird. Eine große Ueberraschung ha
ben die Erhebungen über den Vermögensstand des ver
storbenen Bürgermeisters gebracht. Man fand ein Vermä
gen von 120 000 Kronen nicht etwa in Wertpapieren vor
sondern in bar, in Banknoten-Bündeiln. In Wertpapie
ren waren 12000 Kronen vorhanden, die Coupons wa
en seit Jahren nicht abgetrennt.
Selbstmord. Die 20jährige Fürstin Chilkow, ein
Nichte des ehemaligen Miniflers für Wegebau, vergiftet
sich in Petersburg vermutlich aus Lebensüberdruß. Die
munge Fürstin war Studentin der höheren Frauenkurse.
Neubaueinsturz. Im Petersburget Staditeile Was
sljewsti Ostrow ist ein sechsstöckiger Neubau eingestürzt,
mur die Mauern des Untersiockes blieben stehen. Acht Ar—
beiter werden vermißt.
Schiffsunglück. Aus New-Castle in Neu-Südwales
wird telegraphiert, daß der Dampser „Satara“ an einer
lippe an der Küste von Neu-Südwales strandete und un⸗
ergegangen ist. Das Schicksal der an Bord befindlichen
Personen ist unbekannt. Die Besatzung bestand aus ei
suropäern, meistens Italienern.
Gruben-Explosion. Durch eine Exrplosion in einer
Mine in Birmingham wurden 40 Arbeiter verschüttet. »
sollen tot sein.
Hochwasser-Katastrophe in Serbien. Die Stad;
Schemadija ist durch einen Wolkenbruch vollständig über—
chwemmt und vernichtet. 7 Dörfer mit ihren Ackerfeldern
stehen ebenfalls unter Wasser. Ter Morawe⸗-Fluß steigt
zusehends. Es regnet ununterbrochen. Das Wasser führ!
Teile zerstörter Haͤuser, Getreidevorräte, Leichen von Men—
schen und Tieren mit sich. Militär ist an die am mei—
sten bedrohten Stellen abgegangen. Die Regierung hal
erklärt, daß sie alle nötigen Schritte zur Hilfeleistung be
reits getan hat. Ganz Serbien befindet sich in Trauer.
Ueber 200 Menschen sollen zu Grunde gegangen sein. Un—
zefähr hundert Leichen wurden bereits angeschwemmt.
Mark Twain. Aus New⸗York wird berichtet: Dat
Befinden Mark Twains hat sich so verschlimmert, das
‚ede Hoffnung auf Genesung aufgegeben ist.
Einsturz von Erdmassen. Aus New⸗-York wiri
bemeldet: Nach einer Depesche aus Quebeck hai ein Erd
stoß an der neuen Grab Trunk Pacifichahn enorme Erd
nassen in Bewegung gesetzt, welche die Eifenbahnbrück
fortrissen und einen Zug in einen 75 Fuß darunter ba
findlichen Fluß schleuderten. Nach den letzten Fesistellun
gen sollen 40 Personen getötet und zwei verwundet wo
—FV ——
Sinerlei neuen Reiz zu geben, und damtt wurden aus
unseren Tierbudikern Tierbändiger. Schon die alten
Römer veranstalteten Tierlämpfe in ihrem Zirkus. Ihren
tarken Nerven aber war es nicht genug, die Gewandtheil
ind Kaltblütigkeit der Gladiatoren zu bewundern. Unbe—
zingt Blut mußte dabei fließen, gleichaültig ob das der
Tiere oder der Menschen.
Die Kunst, wilde Tiere zu zähmen, hat von jehe
als besonderes Geheimnis gegolten. Viele verschiedene
Ansichten sind darüber laut geworden. Kein Tierbändiger
hat aber bislang sein Geheimnis verraten und zwar nichi
darum etwa, weil er zünftig dasselbe bewahren zu müssen
geglaubt, sondern darum, weil er instinktiv mehr ate
jelbstbewutzt zu jener Pratis gelangt, welche ihm die Herr
schaft über die wildesten Tiete sichert und deren Kraß
in seiner Sphäre lahm legt und gleichsam bannt. Un.
weifelhaft in dem Blicke des Menschen liegt für sie etwat
Ueberwältigendes, Ehrfurcht und Unterwürfigkeit Gebie
tendes, auch ohne, daß zugleich die ganze Erscheinung
des Tierbändigers so imponierend zu sein braucht. Ter
seiner Zeit berühnite, vielen wenigstens dem Namen nack
bekannte Martin, der Vorgänger van Amburg's, war ein
kleiner diker Mann, aber noch in einem Alter von eini
gen siebenzig Jahren — so feurigen Wesens und so —R
bohrenden Blickes, ganz besonders, wenn er von seinen
Löwen und Tigern sprach, daß man bei seinen begeister⸗
ten und begeisternden Erzählungen sich selbst unter einen
gewissen Bann zu fühlen vermeinte.
Gemeinhin nimmt man an, daß Tierbändiger selten
ihren Bestien nur soweit trauen, auf Momente selbst die
Augen von ihnen abzuwenden, und ganz besonders bein
Verlassen des Käfigs diese Vorsicht nie gern versumen.
Aber auch das ist nicht zutreffend. Schon manchen Tier
bändiger habe ich gesehen, der in seiner bedenklichen Ge—
sellschaft sich ebenso bewegte, als wenn er von seinem
trautesten Freunden umgeben wäre. In entscheidenden
Momenten freilich und bei wenig erproblen Tieren wirt
natürlich auch von solcher Waffe Gebrauch gemacht. Ein
jedes Tier hat, wie der Mensch, auch seine Laune, sein
Sympathien und Antipathien, und diese zu verstehen un⸗
zu umgehen, das ist hier wie dort, Menschen wie Tier⸗
gegenüber die schwierige Kunst des Umgangs. Einzeln
Ungetüme scheinen allen Künsten ihrer Herden unzugäng
lich. Damit ist nun nicht gerade gesagt, daß dieselb