Full text : Dudweiler Zeitung

Die staatlichen Gruben haben im Monat März in
24 Tagen gefördert 877 738 Tonnen. Von Privaten wur—
den im fiskalischen Feld 632 Tonnen gewonnen. Die Ge
amtförderung hat also betragen 878 370 Tonnen. Abge—
setzt wurden mit der Eisenbahn 587612 Tonnen, mit Schif
37 066 Tonnen, mit Fuhre 34833 Tonnen, mit Seilbahnen
109 747 Tonnen. Es kamen also zum Verkauf 760 248
donnen. Hiervon wurden den im Bezirk gelegenen Koke—
reien zugefuͤhrt 222781 Tonnen.
Für die diesjährige Generalbefahrung der Saar—
gruben uiift die Zeit vom 6. bis 13. Mai in Aussicht ge—
nommen.
Militärische Jugenderziehung. Die in mehreren
remden Staaten seit Jahren vorhandenen Bestrebungen, die
nännliche Jugend schon vom Knabenalter an für militärische
Zwecke auszubilden, erfahren eine ausführliche Aufzählung
n einem Aufsatz der Vierteljahreshefte für Heereskunde und
Truppenführung, die der Große Generalstab im Verlage
»on S. Mittler und Sohn in Berlin herausgibt. In
Frankreich beftehen seit einer Reihe von Jahren vier große
bereinigungen, die sich der militärischen Jugendausbildung
vidmen, die Vereinigung der französischen Schießvereine
»eren Zahl 82000 beträgt und mehr als 300 000 Mitglieder
imfaßt, der Verband der Turngesellschaften mit 1100 ein—
elnen Vereinen und 300 000 Mitgltedern, die Vereinig—
ing der Verbände zur Vorbereitung für den Militärdienst
nit 830 Vereinen und die Vereinigung zur militärischen
Borbereitung der berittenen Waffen. Alle diese Gesellschaf—
en werden vom Staat durch Geldmittel und Vergünstigun—
Jen aller Art unterstützt. Noch eifriger betreibt England,
»as keine allgemeine Wehrpflicht besitzt, die militäaͤrische
Erziehung der Jugend, um hierdurch den Boden für die
illgemeine Wehrpflicht vorzubereiten. Die Regierung hat
einen Teil der „Jugendwehren“ bereits als militärische
Organisationen anerkannt. Es sind das Offiziersausbildungskorps,
 durch das in zwei Abteilungen Knaben von
14417 Jahren und Jünglinge von 17—220 Jahren für
den Offizierberuf vorgebildet werden und dem 16 000 junge
deute angehören, und dann die Kadettenbataillone, aus
denen geeignete Mannschaften für die Territorialarmee her—
borgehen sollen. Daneben bestehen private Jugendorgani—
ationen in den etwa 50000 Mitglieder zählenden Knaben—
»erbänden, den Knabenschützen-Vereinen, denen 150000
unge Leute angehören, und den Knaben-Kundschaftern
Boy Scouts), deren Mitgliederzahl 300 000 Knaben be—
rägt. In den englischon Kolonien bestanden bisher staat—
iche Jugendorganisationen noch nicht, sie werden 1911 in
Australien durch das neue Wehrgesetz eingeführt und sind
uch für Neuseeland in Aussicht genommen. Private Ju—
zendorganisationen bestehen in allen englischen Kolonien mit
ahlreicher weißer Bevölkerung; besonders die Boy-Scouts-»ewegung
 macht große Fortschritte. In den Vereinigten
Staaten gibt es eine Anzahl von Military Colleges mit
umnd 22 000 Schülern im Alter von 17—20 Jahren, die
hren Zöglingen neben allgemeinem Unterricht auch eine
nilitärische Ausbildung erteilen. In der Veröffentlichung
»es Generalstabes wird jedoch betont, daß militärische Ju—
zenderziehung niemals als ein vollwertiger Ersatz für
virkliche militärische Ausbildung angesehen werden kann.
kine wie immer geartete Jugenderziehung könnte niemals
rsetzen, was etwa der aktiven Dienstzeit genommen wird.
Sie kann nur in mancher Hinsicht vorbereiten, indem sie
‚or allem moralische Werte schafft. Sie muß die Liebe
zum Vaterland pflegen und das Bewußtsein der Pflich!
wecken, Körper und Geist zu seiner Verteidigung zu schulen.
Für die körperliche Ausbildung unserer Jugend bietet diese
nilitärische Erziehung auch bei uns ein noch herzlich wenig
erschlossenes Feld der Tätigkeit, dem Staat, Gemeinden
ind wohlmeinende Private ihre volle Aufmerksamkeit zu—
venden sollten. Neben der Schule würde hier eine organi—
ierte Ausgestaltung der Jugendspiele von hohem Wert
sein. Nicht eingeengt in die äußerlichen Forinen militär—
ischer Erziehung, sondern möglichst frei und ungebunden
joll sich unsere Jugeud unter fachkundiger Leitung in Wald
und Feld und auf Spiel- und Sportplätzen tummeln und
o den Körper stählen und Geist und Herz frisch erhalten.
Das ist die beste Vorbereitung für den Vienst im Heere,
wenigstens für unsere deutschen Verhältnisse.
Einführung der gekürzten Schulstunde. In Frank—
surt a. M. ist mit Beginn des Schuljahres 1910 11 eine
»emerkenswerte Neuerung auf dem Gebiete der Unterrichts⸗
jeit, die sogenannte Kurzstunde, eingeführt worden. D. h.
ꝛs wird die Dauer der Schulstunden auf 45 Minuten ge⸗
ürzt und der gesamte Unterricht auf die Vormittagsstun⸗
den zusammengelegt. Dadurch werden in der Zeit von
seinhalb Stunden 6 Lektionen erteilt und die Nachmittage
höchstens durch Turnspiele, Wanderungen ꝛc. in Anspruch
zjenommen. Man ist zu dieser Maßregel gekommen, um
zuch den Schülern der Oberklassen der höheren Lehranstal—
en mehr Zeit als bisher zu körperlicher Erholung in frischer
Luft und zu geistiger Sosbethetätigung zu geben. Nuch mag
— — — —7—
dei wieder guft.
Sag, Madli, bist Du harb auf mi?
Bist garnit mehr mir gutf
Ia, Swahel weißl du wirkli nit.
wVie bitter weh das tut?
ind hab ei Di gekränket denn.—
Vit Will'n geschah's halt nit
Drum schau mi wieder freundli anñ.
dJar herzunin Di vin
Zei wieder lieb, sei wieder gut,
Fann ja nit froh sonst sein.
—* mir a Busferl ganz geschwind,
Schau freundli wieder dreim
* * —IAC
e* 368

has lenkbare Luftschiff.
vumoresle von Josef Pauly.
hochhruck vervoten.

— Rolle! Rolle soll leben! Hurrah!“
„So klang es aus einem Separatzimmer des Gasthauses
Zur goldenen Kugel“, welches in einer der Hanptsiraßen der
Universitütsstadt B. belegen war. In dem Zimmer trank
eine Anzahl Studenten nach altem guten deusschen Brauche,
und die überaus heitere Stimmung der Herren ließ auf
ein besonderes Ereignis schließen, das an diesem Abend ge⸗
eiert wurde. Der Student Benno Rolle, dem man soeben
zin Hoch ausgebracht hatie, stand auf einem Stuhl und hielt
eine kleine Anrede, in weicher er sagte, daß er gleich noch
in Viertel Echtes auffahren lussen werde, welche Anky
jqung allseitigen Jubel hervorrief. J
ge Rolle!“ sagte der Student Strübing: „Unter uns
gegagt, Du scheinst eine wahrhaft beaͤngstigende Hochflut in
deiner Kasse zu haben.“
„Nun, mein Junge, ganz so schlimm ist es doch nicht!
Frosit! antwortete Roͤlle, seinem Korpskollegen zutrinkend.
„Hm, Hochflut scheint mir doch nicht der een Aus⸗
xuck, sagen wir Springflut. Ein ganzes vViertel Echtes!
Alle Achtung!“ fuhr Strubing unbeirrt v7.
„Ich meinte, daß auch das nichts Reues ift! Habe ich
zenn nicht erst vor acht Tagen eine Kneipe —
„Ja, Du hast zuweilen sehr nobhle Anwan ungen, deren
Vert man uphedinßt schätzen muß· 3
SQAch hante Dief« ,

ie Berücksichtigung der zum Teil weiten Schulwege mit
estimmend gewesen sein. Selbstverständlich stellt diese
deuanordnung große Anforderungen an Lehrer wie Schüler,
a nur ein durchaus konzentrierter und straffer Unterricht—
jang die Erreichung der vorgeschriebenen Lehrziele ermög—
ichen wird.
Rätsel des menschlichen Seelenlebens und unbe—
zannter Kräfte. Ueber dieses Thema hielt gestern abend
m oberen Museum Schriftsteller D. Ammon aus Freiburg
. B. einen längeren genußreichen und anregenden Vortrag
vorin er zwar nur eine Auslese der genannten Rätsel be—
)andeln konnte, aber doch noch so viel des Interessanten
bot, daß Besinnliche mit Aufmerksamkeit den Ausführungen
des Redners folgten. Dieser zog einige viel umstritten
osychologhche Probleme in den Bereich seines Vortrages,
vor allem das Traumleben. Die Träume ließ er aus
dreierlei Ursachen entstehen: Es gibt Träume physsologischen
osychischen und transzendentalen Ursprunges; zu den letz
eren gehören auch die Eingebungen der schöpferischen
Menschen, der Dichter und Künstler. Der Redner ließ sich
roch über das Thema der Gedankenübertragung aus, wobei
r einige bemerkenswerte und seltsame Ereignifse erzählte
ich aber doch im großen und ganzen an Tatsachen hielt.
die fast jeder schon in seinem eigenen Leben beobachtet hat
Was aber das Wichtigste an dem Vortrag war, der Red—
ier begnügte sich nicht, trockene Tatsachen anzuführen, son—
ern ihm wurden seine Beobachtungen auf pefychischen
zebiet ein Hinweis oder ein Beweis für eine individuelle
eele, die das körperliche überdauert. Für ihn ist die Wet
a noch nicht zu Ende, wo sie für unsere Sinne aufhört
u existieren. Diese Anschauung bekräftigt der Redner noch
urch seine Erfahrung bei Nachtwandlern, durch die Tat—
ache der Ahnungen und Vorgefühle, die bei sehr sensitiven
Nenschen eine so große Rolle spielen, die aber ineistens von
keptischen Köpfen in das Gebiet des Aberglaubens oden
udas Reich des Zufalls verwiesen werden. Der Redner
sing auch auf die Vorgefühle bei den Tieren ein, bei dener
Ahnungen noch häufiger und ausgeprägter vorkommen, als
»ei den Menschen. Im zweiten Teil feines Vortrages be—
ührte Herr Ammon noch einige feinere psychologische
Probleme. Und es war uns von höchstem Interesfe, zu
ören, was er über Farbeneinwirkungen, über das Geset
er Anziehungskraft, über Antipathie und Sympathie sagte
zum Schlusse brachte er sogar noch einige praktifche Er—
iuterungen über das Wesen der Sympathie. Der mit
»armer, eindringlicher Beredsamkeit gehaltene Vortrag fand
inen starken, Beifall bei den aufmerkfamen Zuhörern.
Nichts ist so fein gespponnen. In Zieelenzig in der
Mark verschwand am 117 April 1904, also vor sechs Jahren,
der 72jährige Altenteiler Ferdinand Fabian, von dem ein
Hherücht wissen wollte, daß er ermordet sei. Jetzt nach 6
Jahren hat man die Reste des Ermordeten gefunden uͤnd
eine Mörder verhaftet. Ferdinand Fabian wohnte bei
den Eheleuten Kramm auf Altenteil. Frau Kramm wan
eine Nichte Fabians, die auf dem Grundstück eine Hypothek
n Höhe von 300 Talern hatte. Da F. in der Zeit von
einem Verschwinden in Streit mit seinen Verwandten ge—
ebt, und da er weiter ihnen die Hypothek gekündigt hatte,
o sprach man davon, daß die Kramms den alten Mann
eiseite geschafft hätten. In dem Kranmschen Hause wohnte
it über 30 Jahren ein Freund des Ermordeten, der Huf—
er Hermann. Das Haus brannte im Januar dieses Jahres
ieder. Es wurde diesmal gleich Brandstiftung vermutet
der Gendarm untersuchte die Sache und kam am 11. April
uch zu Hermaun. In einer längeren Unterhaltung, dic
mit Hermann hatte, sprach dieser den Verdacht aus, daf
as Ehepaar Kramm, das der Brandstiftung verdächtig war,
as Haus nur angesteckt habe, um ihn als lästigen Mit—
isser des Mordes an Fabian aus der Welt zu schaffen.
r führte den Gendarmen nach einer etwa 80 Meter von.
rammschen Hause entfernten Stelle auf einem Acker. Es
»urde dann nachgegraben, und man fand 13,, Meter unter
er Erde einen Sack, der das Skelett des verschwundenen
lltenteilers, seinen Lederriemen und mehrere Styoffreste
nthielt.
Opiumseuche in Amerika. Die Verbreitung des
Ipiums greift in Amerika ständig um sich. So sollen,
vie man schreibt, nach einer neuen Statistik in New-Yorfk
»ereits an 5000 Weiße dem Opiumgenusse fröhnen. Trotz
der strengsten Maßregeln der amerikanischen Regierung ver—
nehren sich die Opiuümkneipen sehr schnell. Aber nicht
iur in New-NYork, sondern auch in anderen Staaten, in
Kanada, Quebeck, Toronto, Montreal usw. entstehen immer
neue Opiumhöhlen. Ganz besonders reizvoll aber scheint
)us Gift für die amerikanischen Frauen zu sein; denn in
eder Opiumhöhle findet man zahlreiche Amerikanerinnen
nd Irländerinnen gemeinsam mit den Chinesen rauchend
Die bedeutendsten amerikanischen Tageszeitungen forderr
ast täglich zum Kampfe gegen die Seuche auf, die ameri—
anische Regierung veranstaltet eine Versammlung nach der
aAnderen uinr dioesee hodetee *«* 21.

„Kinder! Rolle hat noch ein Viertel besiellt! Das muß
inen triftigen Grund haben! Heraus damit, altes Haus
Zeute ist doch nicht Dein Geburtstag?“ fragte Studiofus
stasmussen.
Nun, wenn Ihr es denn so gern wissen wollt, so will
ch Euch die Ursache nennen, ahe ich heute 4. freigebig
in. also aufgepaßt!“ rief Rolle, an sein Glas s agend.
„Silentium! Aufgepaßt!“ tönte es durcheinandeß.
Meine Herren, ich habe eine Tante.“
„Hoch! Hoch! die Tante! Rolles Tante soll leben! —“
„Das ist doch gewiß nicht merkwürdig! Viele von Euch
nerden Tanten haben —“
Gewiß! Vatürlich! Alle Tanten sollen leben! Hurrah!“
„Aber Rolfles Tante ganz besonderss« warf Strübing
in.
„Ich danke, mein Junge!“
„Also meine Tante ist eine sehr reiche Tante, die es mit
nir sehr gut meint.“
„Die edle Tante! Die gute Tantel!“ riefen die Studen—
en.
„Nur in der letzten Zeit ist es mir schwer geworden, sie
um Geldsenden zu bewegen, bis ich auf eine großartige
dee vecsfiel.“ „Ahl! Hört, hört!“
„Meine Tante Bettnyeinteressiert sich sehr für Erfin⸗
ungen, und daher hin ich unter die Erfinder gegangen.
„Husreh! DTer Exrfinder soll leben!“ jubellte der Chor
„Das heißt, nur für die Tante bin ich ein Erfinder; ich
abe ihr vor einigen Mongten die Mitteilung gemacht, daß
ch das Problem des lenkbaren Luftschiffes in absehbarer
Zeit gelöst haben werde. Daraufhin sendet sie mir daun ab—
ind zu einen Fünfziger, weil ja doch zum Erfinden Qavi
al gebört. Großartig, wie?“
Diefe ErlSrnng Rolles wurde mit aroßem JZubel ous
enommen. Man gratulierte ihm von allen Seiten —A
er Findigkeit, und die guie Tante und der große Erfinder
urden nach allen Regeln gefeiert. Später trennten sich die
ztudenten, und als Rolle in seiner Wohnung angekommen
oar, dauerte es leine zehn Minuten, bis er in Norpheus
rmen Jag. Er hatte eine unruhige Nacht. Er träumte vor
Aufthallons, von Flugmaschinen von Windvädern, Maschi⸗
erien und von den tollsten Dingen. Er sah sich in einem
zuftschiff sitzen am Steuerruder, waͤhrend Tante Betty, mi
inem Fernrohre bewaffnet, in der Mitte des Schiffes stand
ind ihm beifällig zuwinkte. Als er nach diesen lustigen Träu
nen erwachte, konnte er sich des Lachens nicht erwehren. Er
prang auf, machte Toilette, und rief der Wirtin zu, den
staffee zu bringen. Die alte Sludentenmutter, Frau Linde,
ie seit Jahren Studenten bei sich wohnen hatte, brachte mit
em Kaffee auch einen Brief. Rolle sah naäch der Aufschrif'
ind erkannte die Hand seiner Tante Betty.
„Sieh! sieh! die liebe Tante läßt schon wieder von sid
jören,“ sagte er, „wenn sie wüßte, wie angenehm ich heute
Nacht von ihr getiräumt habe! Ha! ha!“
Machdem er die erste Tasse getrunken haite, öffnete er
»en Brief. Seine Gesichtszüge nahmen beim Lesen einen
anx eiagentünlichen Auädr s e 44

doch scheint nach den bis heute vorliegenden statistischer
Nachweisungen über die Verlreitung des Opiums alles
nergebens zu sein, denn wo der gelbe Mann hinkommt
vird auch das Opium heimisch. Auch aus Südamerike
onnunen die erschreckendsten Meldungen von dem ständigen
Steigen des Opiumverbrauchs.
Von der Saar, 19. April. Der 480 Meter lange
Tunnel zwischen Landweiler und Eiweiler der Strecke Lebach—
Völklingen ist am Samstag zum Durchstich gelangt.
Trier, 20. April. In Schlausenbach bei Prüm in der
Eifel stürzte der Giebel eines Hauses ein und zertrümmerte
»ie Ställe. Der größte Teil des Viehes wurde getötet.
die Hausbewohner konnten sich retten.
Klein-Rosseln, 19. April. Die Unsitte des Petroleum—
gebrauchs beim Feueranmachen hat heute morgen hier wie—
der ein Opfer gefordert. Der Frau G. Steiger-Urselsbach
explodierte hierbei die Petroleumkanne in der Hand und
'm Augenblick stand dieselbe in hellen Flammen. Beson—
ders schwer hat sich die Frau am Unterleib verbrannt
Die Nägel fielen der Armsten förmlich von den Fingern
Diese ist Mutter von 5 noch unerzogenen Kindern. De
Ehemann, der mittels Tücher die Flammen ersticken wollte
zog sich hierbei erhebliche Brandwunden an den Händer
zu. (Sbr. Volksztg.)
Saargemünd, 19. April. Die Ehefrau B. Heisel aus
Schönenberg (Pfalz), welche ihrem Dienstherrn in Forbach
eine Uhr mit Kette sowie verschiedene Kleidungsstücke ent—
vendet hatte, die sie in Saarbrücken verkaufte, erhielt, weil
schon zweimal vorbestraft, von der Strafkammer 1 Jah
Befängnis.
Hayingen, 19. April. Hente morgen ereignete nict
auf dem hiesigen Hüttenwerk „Patural“ ein bedauerlicher
Unglücksfall. Ein Arbeiter aus Kneuttingen, Vater von
zwei Kindern, war an dem Innenanstriche von Gasröhren
»eschäftigt, als unglücklicherweise Gasausströmungen ent—
tanden, die sich in die Röhre fortpflanzten uund den Arbei—
ter erstickten.
Bochum, 19. April. Das Schwurgericht verurteilte
den Bergmann Johann Töpfer aus Langendreer wegen
Münzverbrechens zu drei! Jahren Zuchthaus und den üblichen
Nebenstrafen

*Bottrop, 20. April. (Raubmord?) Am Dieustag
voriger Woche hatte sich der Bergmann Pecherla verhen—
ratet. Als er am Freitagabend von der Arbeit nach Hausfe
urückkehrte, gesang es ihm nur mit Mühe, die Türé sei.
ier Wohnung zu öffnen. Nachdem er sich geiwaltsam Ein
zjang verschaft hatte, bot sich ihm ein Frrenaster An
»lick. Er sand seine junge Frau tot in einer sehr gro
ßen Bluttdche dicht vor der Ture liegend. Die vVLeiche
der ein Brotmesser bis zunm Hest in der entblößten Bruͤsr
talk, hatlie den Ein zaug versperrt. Man veermuiet, daß ein
Raubmord vorliegt. Es sehlie ein Geldbetrag von elf
Park. Da die zunge Frau begüterte Eltern hat, st es
nicht ausgeschlossen, daz ein mit den Verhal nissen Ver
trauter sie in der Annahme getötet hat, bei ihr Geld zu
finden, das sie anläßlich ihrer Hochzeit erhalcen habe.
*Homburg, 20. April. (Die Homburger Kai—
sertage.) Das Kaiserpaar und die Pprin esfin Vittoric
Luise werden Honiburg am Samstag. 23. April, verlas—
sen. auf der Fahrt nach Strazburg dem 6toßherzoglichen
Polin Karlsruhe einen kurzen Beiuch abitatten, dre Tag⸗
Straßburg, dann vier Tage auf Schloß Urville
en und am Sonntag, 1. Mai, nachmittags 54 Uhr, in
Wiesbaden eintrefsen. Dort werden das Kaisecpaar und
»ie Prinzessin den am 2. Mai beginnenden Festspielen im
doftheater beiwohnen und nach der letzten dieser Vorstell
ingen am Samstaa, 7. Mai, abends 11 Uhr, wieder ah—
eisen.
* Mainz, 20. April. (Ddie Tat eines Wahn—
innigen.) Der Landwirt Buchner in Kleinwiniern
eim (Rheinhessen) wurde plötzlich vom Wahnsinn befal—-en
 Er überfiel seine Frau und seine vier kleinen Kin—
der und verletzze sie durch Hammerschläge aufs schwerste
zuchner erschoß sich hierauf. Zwei der Kinder sind le
ensgefährlich verlezt und mußten hierher ins Hospita
ebracht werden. Es wurde sofort an den Schwerverletz
en eine Operation vorgenommen. Die Frau, und die
»eiden anderen Kinder befinden sich in Winternheim in
irztlicher Behandlung

— —
Aus aller Welt.
Professor Koch erkrankt. In dem Befinden des
Prosessors Robert Koch trat nach einer Meldung aus Ber—
lin eine leichte Verschlimmerung ein. Wenn auch der Zu—
stand des Erlraͤnkien zu Besorgnissen keinen Anlaß gibt,
so ist doch die Gefahr einer Lnnaenentzündung nicht aus
zeschlossen.
Erpresserbriefe. Zahlreiche hochangesehene Hambur⸗
Jer zrausleute haben mehrere KErpresserbriefe er— J
halten, in denen Summen von 100 000, 200 000, 500 000
ind 1000 000 Wiark gefordert werden. Im Weigerungs
al! werden die Empfänger mit dem Tode bedroht. Die
bolizei forscht nach den Absendern der Briese.
Liebesvrama. Ein blutiges Liebesdrama hat in dem
Dorse Piwsiitz in Westpreußen sich abgespielt. Der Lehrer
—0 2 x hαα οιια ä auααν

MWer lachen wollte, dann aber verfinsterten Fe sich zusehends,
und nach einigen Minuten; nachdem er den Brief anscheinend
nehrere Male gelesen hatte, waͤrf er denselben mit Unwillen
die Sofgacecke.
„Na, das ist ja reizend!“ sagte er, „das ist ja herr
Ich! Diese gute Tante! Nein, die alte Zuckerschachtel! Sie
will mich heute besuchen und mein Modell des lentbater
Lustschiffes ansehen. Das ist in der Tai kiaffisch! Diese
Tante muß ich mir doch erhalten. Was nun beginnen?“
In diesem Augenblick irat der Siudent Strübing ein,
um einen Freund zu einem kleinen Morgenbummel an
zuholen.
„Strübing! Mensch! Dich sendet mir der Himmel“, rief
Rolle, dem jungen Mann entgegen eilend. Ich bin in 72x
Lergrößten Verlegenheit!“
„Nanu! so schnell? und gestern schwammst Du noch in
el Wonne!“ erwiderte Strübing.
„Denke, Div, ich belomme heute Nachmittag Befuch.“
„Hm! Unter Umsüänden ist das nicht angenehm.“
Wesneh von einer Dame, von meiner Tante⸗
Bettp?“
Betty!“ F
„Sieh mal an, wie reizend.“ 7
„Ich danke vielmals.“ .*
„Loffentach winn sie Dich mit einem kleinen Kaplial zu
deine indung beglügwünschen.“ ü
„Den Feufel auchl Sie will diese großartige Erfindung
beaugenscheinigen.“ — — 7
„Das Luftschiff? J 28
Das Zuftichiffte
„Hm! Das ist stsrendl Hast Du denn ein Moden oder
so eiwas Aehnlichesd?
„Nichts habe ich! Weder ein Modell, noch eine Zeich
nung, noch ein Eniwurf.“ —
„Das ist sehr fatal.“
„Wo nehme ich jetzt ein Vuftschiff hevn
„Und noch dazu ein lenkbares?“
„Na, Dein Spott ist hier doch schlecht angebracht.“
„Weißt Du, mein Junge, wir müssen Raͤsmuffen auf⸗
uchen, der weiß in den verjchmitztesten Fällen immer einen
juten Rat. Wann kommt denn die liebe Tante?“
.Sie wird so gegen drei Uhr hier sein und noch heute
ibend zurüchfahren.“
„Da haben wir, also Zeit genugl Gehen wir jetzt erst
u Rasmussen und holen seinen Rat. Vielleicht kann“ man
ich mit der Sache einen großen Spaß machen.“
„Gut, gehen wir! Solch eine Tante muß man sich doch
erhalten.“
Die heiden Freunde verließen eilends die Wohnung und
begaben sich in das Restaurant zur „Goldenen Kugel“,“ wod—
selbst sie den Studenten Rasmussen antrafen. Nachdem man
diesem einen genauen Bericht abgestattet hatte, brach er in
ein herzhaftes Lachen aus.
„Na, da ist auch viel zu lachen! Gib mir lieher einen
nutien Man saoe Molso verstimm«

seuerte auf die 181äahrige Gertrud Vohlmann, die,
eines Gutsbesitzers, sechs Revolverschüsse ab. Vie
geln trafen das Mädchen in den Hals, zwei in der
ten, sodaß der Tod auf der Stelle eintrat. Der M
ergriff die Flucht, wurde aber in Hohenkirchen verh
der Grund zu der Tat ist in verschmähter Viebe zu si
8 175. In Leipzig haben mehrere Aufsehen err.
Vechaftungen staitgesunden, die sich auf den 5 175
B.B. stützen. Der eine der Verhafteten ist ein Lei—
Jdommerzienrat, ein anderer gehört einer bekannten
zandlers-Familie an. Einige Messenger-Boys sind
haftet worden, die von anderen Personen mit Erp
Briesen an die Herren geschickt wurden. Ferner
mehrere Handeis-Hochschüler in die Affäre verwickelt
Sturm. Auf der Nordsee und in der Elbemür
herrscht schweter Rordweststurm. Die hochgehende S—
hindert die Schiffe, der Verkehr stockt, der Dampfer,
Holland“ tras mit schwerer Veschädigung in Cuxhaver
Verhängnisvolle Explosion. In einer Streic
fabrie in Szegedin, sand eine Resselenplosion statt,
durch zehn Maäadchen und ein Mann getöet wurden
Madchen und ein Mann wurden schwer verwundet
Eisenbahnunglück. En aus Wiedika kommen
beiterzug ist bei der Einfahrt in die Staion 9
auf eine Lokomolide gestolen. Mehrere Wagen de
wurcen schwer beschädigt, zuei Personen rodlich.
grose Anzahl teils schwer, teits leichter verlest

Won der Vußftechiffahrt,
*15 Lufstschiffstationen übderganz
land. Eine Drei-Mlitglieder-Kommijssion des eng
„Aerial League“ ist am Dieanstag, den 12. April,
Vondon abgesahren, um eine Rundreite durch ganz
land zu unternehmen, und diejenigen Plätze auszuwä
welche sich am besten zur Einrichting von militär.
vuftschiffyäsen eignen. Die Reise erfolgt im Aui
und auf KRKosen der englijschen Heeresverwaliung. Es
len im ganzen 15 Plätze ausgewahlt werden, die sie
derartige Zwecke eignen. Als Zentrale der Lufischü
wird das VLager von Alidershot angesehen, wo schon
die beiden englischen Luftsichiffe „Carbie“ und „Baby'
Probeslüge unternoumen haven. Die 15 Vuftschisff—
nen wecden aber nicht nur den militärischen vLuftsch
zwecken dienen, sondern sie sollen auch privaten Aero
ten überlassen werden, wofür diese ein Entgelt zu
len haben werden. Von den beabsichtigten 15 VLufts
stationen werden 8 Plätke mit großen Luftschiffhallen
gestattet sein, wo hingegen der Rest der überigen
Stationen nur Ankerptätze haben werden, auf denen
Luftschifse besestigt werden können. Diese sieben soller
Aushilfshäfen sein. Haupisachlich werden von der—
nissien der „Aerral League“ Platze in der Nähe von
ßen Stedten ausge ucht werden. Die ecnzelnen Luft
haäsen sollen rad al liegen, d. h., sie sollen sich von
Zentrale aus strahlensormig über das ganze Land ve.
ten. Jeder Luftjchtffyasen wird eine bejondere Hal'
Flugapparate besinen. Ferner werden uübernil Sig—
tionen errichtet werden, so daß den Luftschinern auch
Landung die Moglichteit gegeben st, sich mit den Bay
nerun vom Ballon aus zu verständigen

— 8* n
Handel und Verkehr.
9 Deutsche Reichsbank. Der Rückfluß zur
bank hat sich kräftig fortgesetzt und zwar in einem
fang, der über die gleiche Zeit des Vorjahres hinaus
Während das Institut am 7. d. M. noch mit 8986,27
Vark in der Notensteuer war, hatte es am 15. d
eine steuerfreie Notenreserve von 90,59 Mill. Mart
zuweisen. Die Besserung des Ausweises in der abg
senen Woche beirägt insgesamt 186,85 Mill. M., wal
sie vor einem Jayr 177,03 M. und vor zwei J
170,17 Miil. M. betragen hatte. Der Wechselbestan
sich um 150,41 Mill. M. vermindert. Der Effektenbe
ist um 35,09 Mill. M. zur ckgegangen, während e
vor einem Jahr um 3,92 Mill. M. erhöhle und vor
Jahren nur um 7,25 Mill. M. verminderte. Beme'
wert ist, daß, während sonst um diese Zeit der Dep
staind sich erhöhle (1909 um 30,20 Mill., 1908 um
Mill.) er diesmal um wertere 34,09 Mill. M. abg
men hat. Dabei hat sich der Morallbestand um
Mill. M. vermehrt, d. i. weniger as im Vorjahr
etwas mehr als vor zwei Zahren. Dabei muß
aufmerksam gemacht werden, daß in der abgelau
Woche 300 000 Lstr. Gold, bestehend in Sovereidns
Deutschland nach London abgeflossen sind.
— 23FBEeEE —„————0—
Humoristische Ecke.
*Pech. „Nun, hast du die veabsichtigte Hairan
nonee in der Zeitumg erscheinen lassen?“ — „Ja,
denke dir, gerade diese Zeimnasnummer ist koni
worden!“
*Die beste Empfehlung. Direttor: „Gie
werben sich also um die Stellte als Gefängnisaufs
Ja, haben Sie denn die Befähigung dazu?“ — Ra
ber: „O ja, ich habe ja selbst 10 Jahre gesessen.“
*“dostehts ganz genau drinne!“
Mainz wird fsolgendes nette Geschichtchen erzählt: Kam
kürzlich aus einem Dorse des Untermains eine bied
Bauersfrau au dem etagravhen des Nachbarortes
„Bie Sache wolien wir schon machen, Rolle! Das
einen Hauptspaß! Ich baue Dir in einer Stunde ein v
schiff,“ antwortete Rasmrssen.
„Nun gut, ich halte Dich beim Wort. Wann fänglt
an mit dem Bau?“
„Bau? Hm! Du mußt das nicht so wörtlich nehmen
baue eigentlich nicht, sondern klebe mit Kleister —*
„Meinctwegen mit was Du willst, baue flebe, kleift
backe, mir ist alles ganz gleichaüstia nar vorischffe min
Modell!“
— Die drei Studenten verließen als bald das Restaurantn
begaben sich zunächst in einen Spielwarenladen. Hier lau
Rasmussen ein Duttzeend kleine Luftballons, wie sie die
liener auf der Straße für zehn Pfennig das Stück verkau
Dann erstand das Kleeblatt in cinem Papierleden ein
zend Bogen helles Secidenpapier, Gummi und Bindfap
und mit diesem Material begaben sich die Studenten
Rolles Wohnung. Rasmussen entwickelte nun eine erst
liche Tätigkeit. Er klebte die Bogen Seidenpapier anei
der, hielt sie, nachdem er dem Ganzen eine ovale Form
geben, inwendig durch dünne Rohre auseinander, siecktet
die zwölf aufgeblasenen Luftballons vorne und hinten
ein, klebte die Enden zu, und nach einer Viertelflunde
das Luftichiff, das sich, an einem Bindfaden gehalten
und herbewegte, fertig. Dann nahm er noch einen
Bogen Papier, schrieb darauf: „Betty“ und heftete es —
Ballon. Nun ließ man das Ungetüm los, und unter
ßem Jubel der Beteilkgten stieg das Lufischiff empor
blieb unter der Zimmerdecke sitzen.
„Na, da haben wir einen Luftballon! Nun entwerf
noch schnell eine Zeichnung und dann mag die Tante
men. Sie findet Dich gerüstet,“ meinte Rasmussen.
„Junge, Du hast mir aus einer scheußlichen Verl
heit geholfen, wenn ich Dir einmal in irgend einer *
dienen kann, dann rechne auf mich,“ sagte Rolle, uu⸗
friedenen Mienen den gelben Ballon betrachtend.
„Darauf kannst Du Dich verlassen. Wenn die
kommt, müssen wir alle drei zugegen sein. Ich werd⸗e
die Erklaärung geben“, sagte Rasmussen.
„Das kommt doch mir als Erfinder eigentlich
zu.“
„Na, meinetwegen wir beide. Jetzt ist es 1 Uhr,
3 Uhr bleiben wir am Mittagstisch zusammen, wie?“
Ausgezeichnet! Wir wollen Tante Betty würd
pfangen.“
Nachdem Rasmussen noch schnell mit einigen gen⸗
Strichen die Zeichnung eines ganz unmöglichen Luftich
entworfen hatte, entfernten sich die Studenten in ar—
Seiterkeit und beaaben sichs 2zum Mittoadessen —
            
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