Full text : Dudweiler Zeitung

Aummer 66.
— — —32

—

Montag, den 21. März 010.

/3. Jahrgang

Postschließfach Nr. 14.
— — — — —

224 —37 J
* hi 3 4 8*
— 3 — 5 *
7
3538 V8B— —*
* 2 * —535
3— * 8 * * b *
8 * * 4* 7 *
* * 5 3

Postschließfach Nr. 14.
E nzeigen
kosten 10 A pro Gipaltig Petitzeile
auswärtige 15 4

Erscheint
zäglich mit Ausnahme der Sonn⸗ und
Feiertage.

XOQO

Amtliches Publikationsorgan
Abonnementspreis 3 or
nonatlich 70 S frei in's Haus für die Buraermeisterei Dudwei
gebracht,
bei der Post bestellt A 2,25 viertelsährlich. Fernsprech⸗Auschluß Saarbrücken Nr. 60, 269, 269 u. 1261.

4

süt zwei Beilagen: Reklamen
Sonntaasblaft und humoristische Bläfter 30 4 vro Sspaltige Metitzeile

Redaktion, Druch und Verlag von J Unterkeller Dudweiler.

Bei Jahres-Abonnement höchster Rabatt.

*

——
e

5 6 o ⸗*
Zuspitzung der englischen Krise.
Redmond, Führer der irischen Nationalisten im Un
cus, hat in einer Rede in Newceastle ausgeführt, da
seiner Meinung Neuwahlen fürs Unterhaus späte
ns in vier Wochen stattsinden würden. Herr Redmond
mnicht Herr Balsour und nicht Herr Asquith. Er ist
r Parteihäuptling von 72 Manuͤ. Aber da die Libe
alen und Unionisten sich bis auf eine Stimme Mehrheit
uf seiten der Liberalen die Wagschale halten, da die Iten
Brienscher Observanz und die Arbeiterparteiler nur zu—
imimen über 51 Stinimen verfügen, so ist er z. 3. eine
ehr maßgebende Persoönlichkeit in Großbritannien.“ Den—
nif die Seite, auf die er seine Schar konimandiert, faälle
ie Entscheidung. So hat denn auch seine Rede im Un—
erhaus ähnlich gewirktt, wie wenn ein Hecht auf einmal
ieinen Karpsenteich gelassen wird. Und die von dem
nterhausabgeordneten Bostomley herausgegebene Wochen
„rift John Bull“ will bereits Näheres vom Verlauf der
rrise wissen. Der Haushalt werde das Unlerhaus nich!
assieren, Herr Haldane, Sir Edward Grey und vielleich!
zuch Herr Me Kenna, die nicht mit den lesbten Entschlüs⸗
en des Kabinetts zufrieden seien, würden zurücktreten. Die
Lords würden die Vetoenischließungen zurückweisen, und
»er König würde sich weigern, die verlangten Garantier
u geben, solange das Gesetz felsst nicht vorliege. Das
dabinett würde zurücktreten und ein allgemeines finanziel—
es Chaos folgen. Daunn Neuwahlen.
All dieses große Unheil hat also Herrn Redmonds
DRalelrede in greisbare Nahe gerückt. Man sieht, er ist
ilso sozusagen der parlamensarische Volkswille in leben—
iger Verkörperung. Man könnte meinen, der Mann habe
lles Interesse, sich in dieser leitenden Stellung zu erhal—
en, denn wenn bei den Neuwahlen die Unionisten einen
edeutenden Sieg erringen sollten, dann ist es mit seiner
derrlichkeit aus. Herr RNedmond ist auch zweifellos für
eine Person fehr friedlich gestimmt, denn die Gejfahr ei—
ier unionistischen Vehrheit liegt nahe, mindestens die un—
edingt ausschlaggebende Bedeutung, die seine Häuptlings—
tellung ihm jest verschafft, ist dahin. Er für seine Per—
on würde Herrn Asquith jedenfalls gerne auch nur gegen
Lechsel auf die Zukunft unterstützen. Aber er wird von
inem bösen Geist übel geplagt. Und dieser böse Geist ist
ein Volksgenosse O'Brien, mit seinen O Mann Gefolg-—
chaft. Dieser Herr ist in erster Linie wirtschaftlich ge—
innt. Er will zunächst die Schutzzollgesetzgebung unler
Dach und Fach hringen, vor allem in bezug auf land—
virtschaftliche Produkte, entsprechend den wirtschaftlichen
zuteressen des vorwiegend agrarischen Irland.
Herr Redmond darf, wenn er sich seinem schutzzöllne⸗
rischen Gegner gegenüber, der diesmal im ersten Ansturm
ꝛereits 10 Sitze erobert hat, behaupten will, nicht mi
eeren Händen von dieser Parlamentstagung zurücktehren.
ẽr muß vielmehr, um seinen Gegner, der reiche wirtschaft⸗
iche Vorteile verspricht, auf politischem Gebiet zu über—
rumpsen, das durchsetzen, was den JIren als erste Vor—
ussetzung zur Erreichung ihrer Home Rule, ihrer inne—
en Selbst'ndigkeit gilt: die Beseitigung oder mindestens
ie Demokratisserung, die Wählbarkeit des Oberhauses nach
emokratischen Rezepdken. In einer aus allgemeinen Wah—
en hervorgegangenen Versammlung mit ihren wechseln—
en Wehrheiten, mit ihren Verstimmungen und Leiden—
haften des Augenblis wird immer einmal der Momen
ommen, in dem die Home Rule durchgedrückt werden
ann

wertem Eiser und trotz der angestrengten Tätigkeif
mit Gründlichkeit gearbeitet. Die rechtzeitige Verabschied
ung des Etats war doppelt schwer, weil das CEsterjes.
auferordentlich srüh fällt. Um das gesteckte Ziel zu errei—
chen, war eine haushälterische Ausarbeitung der übriger
Gesetzesvorlagen dringend notwendig. Aber der Reichstac
hat noch Zeit gesunden, neben den verschiedenen Handels
berträgen eine Reihe von Interpellationen zu erledigen
darunter einige von dringlicher Art, so die Auskunftsfor
derung über die Rieler Werft, über den Arbeitsnachweis
im Ruhrkohlenrevier, über die Privatbeamienoersicherung
iber den Mansselder Ausstand, über das 8alisyndikat
iber die mecklenburgische Verfassung, über die Rattowitzer
Beamtenmißhandlung und schließlich über die Verlinern
Wahlrechtskundgebung. In eriter Lesung sind erledigt das
Arbeitskammergesetz, die Novelle zur Gewerbeordnung, das
Stellenvermittelungsgesetz, das Hausarbeitsgesetz, das Ka—
igesetz, die Strafprozeßnovelle und das dieichsbesteuer—
uingsgesetz. Zur Beratung siehen noch drei Gesetze, von
»enen das eine über die Reichsversicherungsordnung ersi
n diesen Tagen eingegangen ist. Im ganzen hat der
steichstag nach Ostern, wenn nichis Neues hinzukommt ein
dutzend Gesetze zu erledigen.
sDer Generaloberst Freiherr v. d. Goltz geht im Auf—
trage des Kaisers, wie Berliner Blätter melden, nach
Argentinien.
* Die halbamtliche bayerische Nachrichtenvermittelung
die Korrespondenz Hoffmann in München meldet: Die in
der Tagespresse verbreitete Nachricht, der Reichstagsabge
ordnete von Oldenburg sei an den bahyerischen Kriegs
minister mit eine Duellforderunng beranaetreten
ist unzutreffend.
*Entgegen der offiziellen Dementi wird aus wohl in
formierter Quelle versichert, daß der Abgeordnete von
Oldenburg sofort nach der Rede des Kriegsministers von
Horn von diesem eine regelrechte Ehrenerklärung fordern
ließ. Im gegenseitigen Gedanken-Austausch kamen sodanr
»rst die Vertrauensmänner beider Parteien überein, d⸗
der bayrische Bundesrats Bevollmächtigte die vorher
nau festgelegte Erklärung im Reichstage abgeben soll
mit der Herr von Oldenburg sich zufrieden erklärte.
* Die Adelsstreberei in Preußen ist eine durchaus
anerfreuliche Erscheinung der Gegenwart. Es ist nicht
übertrieben, wenn behauptet wird, daß in Preußen beim
Träger der Krone alljährlich ungefähr mindessens 1000
Bittgesuche um Verleihung des Adels einlaufen, also täg—
lich ungefähr drei. Tavon finden durchschnittlich alljährlich
ungefähr 10 bis 12, meist auch erst nach mancherlei grö—
zeren Schwierigleiten, ihre Bewilligung, also im TDurch—
chnitt etwa 1 Prozent. Dabei muß noch berücksichtigt
werden, daß sich der Landesherr und seine Ratgeber wohl
nicht selten Gesuchstellern gegenüber befinden, denen eint
solche Bitte schver abgeschlagen werden kann, wenn man
auch sonst wohl nicht daran gedacht hätte, dem Betreffen—
den den Adel verleihen.
* Als no ig erachtet ist worden, für diese Berat—
ung des E s eines Arbeitskammergesetzes ein kla—
res Bild den Umfang der Kosten zu erhalten, die
aus der Errichtung der Arbeitskammern entstehen werden.
Eine solche Kostenbecechnung aufzustellen, ist jedoch, wie
man der „Rh. W. Zig.“ schreibt, aus verschiedenen Grün—
den unmöglich. Denn einmal sollen die Arbeitskammern
durch Verfügung der Landeszentralbehörden nach Bedarf
errichtet werden. Inwieweit indessen ein solches Bedürf—
nis gegenwärtig besteht, läßt sich mit einiger Genauigkeit
nicht angeben, da statistische Erhebungen hierzu nicht vor—
liegen. Ferner aber ist zu berücksichtigen, daß die Arbeits—
lammern auf sßachlicher Grundlage sür die einzelnen Ge—
werbezweige oder mehrerer verwandter Gewerbezweige er—
richtet werden sollen. Hieraus ergibt sich von selbst, daß
der Umfang der Kammern je nach der Ausdehnung des
ewerbes sehr verschieden sein wird. Nun sollen bekannt—
ich nach dem Entwurf die aus der Errichtung und Tä—
igkleit der Arbeitslammern erwachsenden Kosten von den
Bemeinden getragen werden, die sie wiederum auf die be—
eiligten Arbeitgeber und Arbeitnehmer umtlegen. Hierbei
wird man sich erinnern dürfsen, daß das gleiche Verfahrer
auch für die Handrwerkskammern besteht. Die Kosten der
Sandwerk?«nntern aner ven sich als so gerinefee
aber nachher nach dem Sumpf gewandt und da ich nich
durchbaden wollte, bin ich nicht weiter nachgegangen.“
„Und wenn wir nun die Hunde auf diel Fährte
setzten?“
„Die ist jetzt alt,“ sagte der Alte lopfschüttelnd,
‚und sie folgen nicht mehr. — Nein, morgen früh wollen
sie einmal abspüren und wenn er sich dann in der Nacht
wieder hergewagt hat, können wir ihm vielleicht das Hand⸗
werlk legen.“ J
„VPtorgen früh/?““ 7
„Ja, ich will gleich vor Tag einmal ohne die Hunde
hinübergehen und ist was da, so satteln wir die Pferde
und koönnen ihm eine gute Hetze geben. — Aber jetzt geht
nns Haus, Fremder! — Ich sehe, da kommt Jenny mit
den Spänen; nun können wir ein tüchtiges Feuer an—
nachen und den Truthahn g'eich braten. Schade um das
chöne Fett, das an der Haut sitzen geblieben 5 läßt sich
abecs eben nicht ändern,“
Sie gingen jetzt zum Hause zurück und während die
Frauen das Abendbrot bereiteten, saßen die beiden Män—
ier am Kamim und plauderten mit einander von dem Wild
das es früher einmal in diesen Sümpfen gegeben haben
ollte und das jetzt, mertwürdigerweise, so abgenommen
zatte, daß ein Mann ost einen ganzen Tag im Walde
erumlaufen konnte, ehe er selbst nur einmal einem „er⸗
»ärmlichen Hirsch“ begeanete — von Bären gar noch nicht
rinmal zu reden.
Nach dem Essen drehte sich das Gespräch aber um
mdere Dinge. Die jungen Mädchen hörten dem Frem
den gar so gean zu, wenn er von seiner eigenen Heimal
erzählte — was interessierten sie auch die alten Jagdge⸗
chichten, die sie schon hundert- und tausendmal mit an—
zehört. Aus der Ferne wollten sie etwas wissen, von dem
nerlwürdigen Leben und Treiben im alten Lande und
ie wußten so geschickt immer bald da und dort Fragen
inzuwerfen, bis Ralffon — glückich nur, daß er der Ge⸗
iebten gegenüber sitzen durfte — endlich nicht länger aus⸗
veichen konnte. Aber er wußte es auch so schlau anzu⸗
angen, daß er sich — in der Erzählung selber — nul
Jenny fast allein unterhielt, denn er schilderte, hauptsäch⸗
ich nur für ihr Ohr bestimmt, seine eigene Heimar, sein
sreundliches Haus, das er dort in einem wenten Park be—
itze — schilderte seine Mutter — seine Geschwister und
nußte manchmal an sich balten, daß er nicht vor Frei—

wWwiesen, daß ein Teil der Gemeinden üvberhaupt davon ab—
gesehen hat, die ihnen erwachsenen Kosten umzulegen.
* Die Betriebscinnahmen der PreußischHessi—
schen Staatseisenbahnen haben im NMonat
Februar 1910 gegenaber dem Ferruar des Voriabres
ecgeben: im Personcnoerlehr 4Witlienen Work gleich 13,02
v. H., im Guatervrerkebr 6,3 Millienen Mark leich 6,653
o He mehr, inzgesamt nach Abzug der geringen Riitier—
einnahme der sonstigen Quellen 10,2 Millionen M aleich
7,149 v. H. mehr. Die Zahl der Sonn- und Werktage im
Februar war in den veiden Jahren gleich.
* Die Petersbirger Nachricht, daß die Entscheidung Tes
Dneschen Kompetenz Gerichtchofes in der Sct. setoctecee.
2 bevorstehyt und zu Ungunsen Sellieide aussonan
erde, stelt der Sachrverwalter Heltselds danin tiinedaz
der Fall zur Zeit noch der Begutamiunng durch das Runtu—
mergericht unteritegt und erst Ende des Rionans au den
Hompetenzgericmushof gelangen dürite, dessen Entscheidung
zer die Angelegenheit dann im April ober Miai zu er—
arten sei. Herr Hellfsetd dente zur Zeit nimt daran. sicwh
den russischen Gerichten zu unterwerfen.
* Das Kieler sozialdemokraische Organ erkärt, daß, nach—
dem der Massenstreit am Dienstag auf so großar—
tige Weise gelungen sei und die ausgesperrt gemesenen
Arbeiter mit über 34000 M. entschädiat werden konnten,
derartige Streiks solange fortgesetzt werden sollen, bis ein
anderes Waghlrecht erreicht ist. Da dazu in erster Linie
Beld erforderlich sei, fordert die Partei alle besser gestell—
en Mitglieder und namentlich auch alle diejenigen Bür—
ser auf, die ebenfalls ein anderes Wahlrecht wünschen
ie VPartei durch Geldspenden zu unterstüßken

E

—*

8
———

Einladung
zum Abonnement
auf die
Dudweiler Zeitung
amtliches Publikations-Organ für die
bürgermeisterei Dudweilet und die
Kgl. Berginspektionen Dudweilet und
Camphausen.

—M à ͤ ê„ —:: “[D 4

Die Dudweiler Zeitung erscheint von jetz
bein der heutigen Grösse mit den Beilagen
lustriertes Sonmntagsblatt ·
—
umoristische Blatter
— — —
Andwirtschaftl. u. Handelsbeilage
—— — — ————
Wie bisher wird die Dudweiler Zeitung
uch fürderhin als
unparteiisches Lokalblatt
weitergefünrt.
Wir leben in einer sehr ernsten Zeit. Das
ueben ist in jeder Beziehung viel komplizierter
geworden. Es stellt so grosse Anfordeérungen,
dass es Pflicht eines jeden Bürgers ist, sich
über das- was in der Welt vorgeht, zu orien.
fieren, sowohl in wirtschaftlicer wie in poitischer
 Beziehung. Dazu ist es nötig, sich
ein gut geleitetes Blatt zu halten.
Die Dudweiler Zeitung wird sich bemühen,
iieser Aufgabe nachzukommen, was ihr durd
den jetzt zur Verfügung stehenden grösseren
aum möglich wird.
Unsere vornehmste Aufgabe wird sein,
aca bestem Können der Allgemeinheit zu
iienen und sich nicht für die Sonderinteressen
eines einzelnen Standes festzulegen.
Wir bitten unsere Leser, uns hierin unter—
æützen z2u wollen, damit uns die Erfüllung
der gestellten Aufgabe möglich wird.
Redaktion und Verlag.
—XX

Oesterreich⸗- Ungaru.
* Der Professor des Kirchenrechts an der Prager deut—
ichen Universität, Wahrmund, über dessen Köonflikt mi
dem dortigen juridischen Professoren-Kollegium seiner Zei
viel berichtet wurde, wird demnächst seiner Stelle enthob—
ben werden. Dies geht aus einer Erklärung hervor, die
der österreichische Kultusminister im Abgeordnetenhause in
Boantwortung einer Interpellation abgegeben hat.
Fraukreich.
* Der Vorsisende der Patriotenlsiga, Deroulede, wurde
non einem Mitarbeiler des Journals über seine Ansichten
zur Berleihung der Autonomie in Elsaßz
Lothringen befragt. Deroulede erklärte, Frankreich müsse
sich jeder Intervention in einer so heiklen Frage enthal—
ten, da derartige Bemerkungen von der deuischen Regie—
rung ausgebeutet würden. Frankreich dürse weder etwas
sagen noch etwas tun, was der deutschen Regierung zu
einem Vorwande für irgendwesche Maßnahmen dienen
nnt⸗

Svanien.
** Die „Espagna Nueva“ bestätigt, daß neue Truppen—
sendungen demnächst nach Ceuta abgehen sollen. Da—
mit die einzelnen Garnisonen nicht zu sehr in Anspruch
zenommen werden, werden Detachements auch aus den
sarnisonen Pampelona, Cijon, Burzos und Valladotid
ür diese Truppen-Nachschübe entnommen werden. Das
genanute Blatit fügt hinzu, der Ministerpräsident möge sa—
gen was er wolle, es bestätige sich, daß sich dort augen—
blicklich nichts ereigne und auch nichts ereinen werde.
Es könne von jener Meldung nichts zurücknehmen un
hr auch nichts hinzufügen
Portugal.
* Eutsprechend dem Artikel 79 der Verfassung legte Dom
Affonso, Herzog von Porto, den Eid auf die Vers
fassung ab, wodurch er ofsiziell als Kronprinz auer⸗
kannt wird. Die Feier verlief im gewohnten Zeremonioll
im Beisein des ganzen Hofstaates und des diplomatischen
dorps ohne besonderen Zwischenfall.
Persien.
* Nach einer Meldung des „Daily Telegraph“ aus VPe—
tersburg war es den russischen Truppen unmöglich, die
Angriffe der persischen Rebellen zurückzuweisen. Rach aus
Tiflis eingegangenen Melduugen scheint es, daß möon in
oheran mit der Miöesichkoit der α“νο— einer Wiili
den laut aufjubelte, wenn er sah, mit welchem gespanntem
Interesse des Mädchens Blicke an seinen Lippen hingen.
Aber sie selber unterbrach ihn mit keiner Silbe. Während
hre jüngeren Geschwister nur immer lachten und mit hin⸗
einplauderten und dam bald noch dieses oder jenes wis⸗
sen wollten, saß sie still und in sich gekehrt und sprach
kein Wort, richtete an ihn keine Frage!
Der alte Backwoodsman war indessen müde geworden
und auf seinem Stuhle sanft eingenickt; was interessierte
ihn jene alte und, wie er sie nannte, „abgenutzte“ Well
da drüben über der „Salzlache'? Hier in Amerika gab
es neues, frisches Leben, gab es zu schaffen und zu rin
gen und wenn es dort drüben besser gewesen wär als
hier, ei, so wanderten die Amerikaner nach England aus,
denn so klug sollten die auch wohl sein, daß sie sich die
hesten Stellen aussuchten; aber jetzt wars nur immer um—
zekehrt der Fall und deshalb hier drüben doch ein gana
Teil behaglicher als dort.
Die jungen Mädchen aber wollten wissen, wie es die
Frauen dort in England hätten, ob sie viel arbeiteten
ind wie sie gekleidet gingen, wie sie tanzten und sich be⸗
uchten und tausend andere Dinge mehr, und wenn Jen⸗
nys Mund auch die Frage nicht mittat, hingen ihre Au⸗—
gen doch unverwandt an ihm.
Es war spät geworden, als der Alte, der im Schla
zeinahe vom Stuhl gefallen wäre, plöglich aufwachte, nach
der in der Hütte hängenden Nankee-Uihr sah und dann
auriei.
„Aber alle Wetter, Mädel! plagt Euch denn der Böse?
Es ist zehn Uhr vorbei. Wollt Joͤr machen, daß Ihr zu
Bett kommt! Das ist neugieriges Volt, Fremder, und
venn Ihr denen den Willen mitet, ließen sie Euch die
ganze Nacht nicht vom Kamin fort. Marsch mit Euchy,
wir, wollen auch schlafen gehen, denn wir müssen morge;
wvieder früh bet der Hand sein.“
2. Kapitel.
Das Rendez-vous.
Am nächsten Morgen weckte der gue Mann seinen
Gast noch vor Tag, um drauzen im Wade einnal ——
spüren, ob sich der Bär wieder in der Nachvarshaltt ge—
zeigt habe und dann womöglich eine Hetze zu wachen. —
Eigentlich konnte er nicht gut von Hause sort, denn wenn
plötzlich ein Dampfschiff anlegie, das Holz haben wollte,
mar es doch immer besser, wenn er selber mit dem Kapu

Also Herr Redmond, der Herrscher des britifschen
Barlaments, ist im Grund seiner Seele ein armer Mann,
der den Boden unter den Füßen wanten sieht, und der
iun das liberale Minisserium vorwärts und immer vor—
väris schiebt. Herr Redmond will „Garantien“ von Hen.
8quith für die Reform des Oberhauses, dann ist er, so
rklärt er seierlich im Namen seiner Partei, bereit, den
daushalt innerhalb einer Stunde anzunehnmen, ohne ein
douma daran 224

—88

— — —
Volitisije Rundschau.
Deutsches Reich.
s Der Deutsche Reichstag hat in der letzten Zeit, um
en Etat rechtzeing serugzustellen, miß anerkennens
.O, wie dant' ich Ihnen für das Vertrauen!“ rief
der junge Mann leidenschaftlich und wollte seinen Ary
im sie legen, aber sie entwand sich ihm.
„Nicht jetzt!“ rief sie, „Sie müssen zurück — schneiden
Sie hier hinüber durch den Wald, daß Sie von einer
mdern Seite zum Hause kommen. Wenn wir zusammew
jesehen werden, ist alles verloren.“
Aber ich begreife nicht —“
„Wenn Sie mich wirklich lieb haben, tun Sie, um
vas ich Sie bitte,“ flehte das junge Mädchen in sichte
ichex Auftegung und Ralfson konnte einer solchen Auf—
orderung allerdings nicht zuwiderhandeln.
„Sie sollen sehen, wie folgsam ich ben,“ sagte er herz—
lich und ihre Hand, die er noch in decr seinen hielt, nun
asch an seine Lippen drüdend, drehte er sich ab und
chlug eine Richtung ein, die ihn um das Haus herum—
ührte, so daß er, nach kaum einer Viertelstunde, von der
ntgegengesetzten Seite auf die Lichtung trat.
Dort fand er auch den alten Mann, der aus dem
Walde zurückgekehrt und eben beschäfligt war, einen un—
erwegs geschossenen, wilden Truthahn selber abzugziehen,
»enn in dieser Jahreszeit sind die Holzböcke in den ELn
fen noch so arg, daß man beim bloßen Rupfen sie nicht
us der Haut entfernen kann.
„Hallo, Mr. Ralfson, wo suud Sie gewesen?“ rief er
ihm entgegen, „ohne Büchse im Wald?“
Ich suchte nach einem Persimon-Baum, den ich dort
drüben glaubte gesehen zu haben,“ sagte der Engländer,
konnte ihn aber nicht wiederfinden.“
„Dahinein steht auch keiner,“ sagte der alte Mann,
eich kenne da drinnen jeden Baum — Sie hätten ein
Stück grad vom Fluß ab suchenn müssen. Aber die Per—
imons sind noch nicht ordentlich reif und schmecken dann
oerteufelt sauer.“
„Sie haben einen tüchtigen Truthahn geschossen.“
„Nun ja — der Bursche ist feist genug,“ nickte der
Alte, „aber es giebt doch lange nicht so viel hier als
üben in Oil-trobdebottom. Wetier noch einmal, dort
vollt ich an einem Tage ein Pony mit ihnen beladen.“
„Keinen Bären gespürt?“
„Doch — gleich an dem Sumpfe dort drüben ist die
alte Gelbnase in dieser Nacht wieder vorbeigestrichen und
muß uns auch ein Schwein gerissen haben, denn ich hör—
e morgen vor Tag ganz deulich schreien. Er haͤt sich

Das sonderhare Duell.

Jetzt kam sie heran und aus dem Dickicht tretend,
uing er auf sie zu und sagte freundlich, aber auch mit be⸗
wegter, vor innerer Aufregung kaum hörbarer Stimme:
„Meine liebe Jenny — Gott sei Dank, daß ich Sie
inmal einen Moment allein treffe — ich mußte Sie spre—⸗
hen, denn es hat mir die ganze Zeit fast das Herz ab⸗
edrücht.“
„Mister Ralfson,“ flüsterte das junge Wesen und war
n dem Augenblick totenbleich geworden, „ich hatte keine
lhnung, daß —“
„O, weichen Sie mir nicht aus, Jenny,“ bat aber
dalffon in leidenschaftlichem Drängen, „assen Sie mir den
ühen Glauben, daß ich Ihnen nicht ganz gleichgültig bin
a Ihnen selber dies Begegnen nicht unerwartet kommt!“
Ich verstehe Sie nicht, Sir.“
„Dann will ich deutlicher sprechen, Jenny,“ rief aber
talffon, die Zeit drängt überhaupt und mir bleiben viel⸗
eicht nur wenige wenige Minuten. So hören Sie denn,
aß ich Sie liebe — liebe aus vollem, warmem Herzen
ind unglücklich und elend werden würde, wenn Sie mir
iht Jawort weigern.“
„Ich bin reich, Jenny,“ fuhr er fort, als das Mäd⸗
hen erschreckt schwieg, „Sorgen sollen Sie von dem Au—⸗
enblich, wo Sie ihre Hand in die meine legen, nicht mehr
ennen und von Dornen will ich Ihren Piad freihalten
nein ganzes Leben lang. Sagen Sie ja, Jennhd — 0,
venden Sie sich nicht ab, sehen Sie mir ins Auge und
lauben Sie mir, daß kein Falsch in meinem Herzen ist
ind ich, wie ein braver Mann. auch halte, was ich ver⸗
dr⸗

„Ich glaube es Ihnen,“ flüsterte da Jenny, aber leise
so leise, daß er die Worte kaum verstehen konnte —
doch nicht hier — nicht jetzt! Sie müssen zum Hause zu—⸗
uͤck — mein Vater ist eben gekommen und hat nach Ihnen
efragt. Morgen früh — ich mußz Sie sprechen — neh—
nen Sie Ihre Büchse in der Frühe und gehn Sie in den
dald — kehren Sie aber zu diesem Vlatz zurück — gleich
dem Baum, wo wir die Spähne holen. Noch ehe die
chwestern aufgestanden sind oder gleich nachher bin ich
t Wallen Sie mich erwarten“ꝰ“
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.