Full text : Dudweiler Zeitung (22.1909)

es Konflitites Coot-Peary die Aussage eines Weißen ge—
gen die eines anderen. Die Zeugen, die Dr. Cook an—
ührt, sind daher ebenso gut oder ebenso schlecht wie di⸗
Pearys. Pearys Dampfer „Roosevelt“ liegt noch imme.
oor Bettel⸗-Harbour. Scine Ankunft dürfte kaum vor dem
2W. dis. zu erwarten sein.

ιαααCXOOXOX
Vom „Zeppelin 3.“
Frankfurt, 15. Sept. „Z. 3“ ist 9.05 Uhr unter der
dersönlichen Leitung des Grafen Zeppelin, der von Kiel
Arückgelehrt ist, in Begleitung des Parseval-Ballons zur
Fahrt nach Mannheim aufgestliegen.
Darmstadt, 16. Sept. Heute vormittag wurden die
kEinwohner für das vergebliche Warten auf „3. 32 am
Samstag eutschädigt. Um 410 Uhr kam „3. 3* auf der
Reise von Frankfurt nach Mannheim in Sicht, begleitet
von „Parseval 3“. Beide Luftschiffe überflogen in etwa
100 Meter Höhe das Residenzschloß. Am Südende der
Stadt verabschiedete sich „Parseval 3“ von seinem größe—
ren Bruder und kehrte über die Stadt nach Franklurt zu—
cück, während „8. 3* seine Fahrt nach Mannheim fort⸗
etzte.
Mannheim, 15. Sept. Das Zeppelin'sche Luftschiff
ist nach schöner Fahrt um 11.17 Uhr auf der Friesenheimer
 Insel glatt gelandet.
Mannheim, 15. Sept. „Z. 3* ist, nachdem er auf
er Friesenheimer Insel 16 Stunden gelegen hat, gegen
Uhr wieder aufgestiegen und nahm den Kurs auf Lud—⸗
wigshafen, das er im Bogen überflog. Danach nahm er
die Richtung auf Frankfurt. Graf Zeppelin sen. macht
die Rückreise nicht mit.
Bürstadt, 15. Sept. „Z. 3* hat 1.15 Uhr unseren
Ort passiert.
Darmstadt, 15. Sept. Um 2.20 Uhr passierte das
Zuftschiff unsere Stadt.
Fraukfurt, 15. Sept. Gegen 34 Uhr erschien „Z.
3z“ in schönem Fluge wieder über der „Ila“ und landeie
nach einigen Kreuzungen glatt. Abends wurde zu einer
Rachtfahrt aufgestiegen, deren Ziel unbekannt ist.

Solingen, 15. Sept. Auf eine Anfrage, ob Zep—
elin 3 auf seiner Fahrt ins Industriegebiet auch die
Städte Solingen, Remscheid und Lennep
berühren werde, hat Direktor Colsmann telegraphisch ge—
Intwortet: „Wenn Zeit, am Samstag nachmittag, sonst
Sonntag. Wahrscheinlich wird das Luftschiff am Sams—
lag nachmittag auf der Fahrt nach Düsseldorf, von Bar—
nen-Elberfeld kommend, seinen Weg über Lennep, Rem⸗—
scheid, Solingen, Ohligs nehmen.“

a
Sausvstmitarbeiter

—
Ecat Cepheu ν Pitcxter olemer Ot e nlec ur
Aus aller Welt. —
In Lebensgefahr. Bei einem Wohnungsbrande in
Rixdorf schwebten fünf Kinder des Privatbeamten Schmidt
n ernster Lebensgefahr. Das älteste, achtiährige Mäd—
hen wollte auf einem Spirituskocher Milch für ihre jün—
geren, mit ihr allein gelassenen Schweftern wärmen. Der
uslaufende Spiritus entzündete sofort mehrere Möbel—
tücke. Auf die Hilferufe der Kinder drangen die Nach—
»arn in die Wohnung ein und brachten die Kinder außer
Befahr vor Ankunft der Feuerwehr.
Unerhörte Brutalität. Einer gräßlichen Roheit ist
auf der Grube „Emanuelsegen“ bei Kattowitz der 26jäh—
rige Bergmann Schrida zum Opfer gefallen. Er wurde
waͤhrend eines geringfügigen Streites von seinen Gegnern
zu Boden geworfen und derart mit den Füßen getreten,
daß der Unglückliche verschied. Erst als Schrida tot war,
ließen seine Peiniger von ihm ab.
Römerfund. Bei den Fundamentierungsarbeiten ei⸗
nes Neubaues in Regensburg stieß man auf die gut er—
haltenen Grundmauern einer fast unversehrten Heizungsanlage
 eines römischen Hauses.
Unwetter. Im Bezirk Horschitz sind schwere Gewit—
ter niedergegangen, die von Wolkenbrüchen begleitet wa—
ren. Durch das Unwetter wurde ungeheurer Schaden an—
gerichtet. In einer Gemeinde wurden alle Häuser zer—
stört. wodurch 300 Menschen obdachlos sind. In einer

weilches Jeidenshaftrices, so Teveschiges Derz hatte sich
dem Kinde zugewendet in einer tiefen, warmen, selbstver—
gessenden Neigung. So viel sie freie Zeit hatte, beschäf—
tigte sie sich mit dem Kinde, und unter dem Einfluß ih—
rer gemütvollen Natur, ihres liebereichen Herzens wuchs
an ihm ein guter, treuer, sanft-heiterer Mensch heran.
Mit jedem Tag freute sie sich mehr an ihm. Und jeßtzt,
wo er groß und ein so braver, sauberer Bursch gewor—
den, jetzt meinte sie oft, sie würde sich versündigen, wollte
sie sich nicht mit dem Geschick ihres Lebens ausföhnen.
Jetzt, wo sie einen solchen Menschen ihr eigen nannte,
jetzt durfte ihr Herz nichts mehr spüren von jener schmerz—
lichen Sehnsucht, die sie in einsamen Stunden, in hrllen,
schlaflosen, Nächten schon so oft überkommen. Der eine,
den sie einst begehrt hatte als Glück ihres Lebens, er
war ja uichts gewesen gegen diesen, der ihr zugehörig
war. Der war nicht gut gewesen, sondern ein sündiger.
nerlorener Mensch.
Der Lenz! Sie hatte ihn nicht mehr in der Nähe
gesehen, da sie sich mieden wie Feinde. Sie wußte es,
daß er geheiratet, hatte auch vernommen, daß er ein Kind
besaß, eine Tochter, und daß er ein Bauer war wie kein
anderer in der Umgegend. Strebsamkeit und Eifer bei
der Arbeit, eine merkwürdige Umsicht in wirtschaftlichen
Verhältnissen war ihm eigen, dazu der sparsame, allem
Ueberflüssigen abholde Sinn — aus dem allen war es ge—
kommen, daß aus dem Kleinbauern in einem Zeitraum
von achtzehn Jahren ein Großbauer geworden; das Ober—
seitnerhäusel“ hatte es einst geheißen, nun hietßz es das
Oberleitnergut.“ Langsam hatte der Lenz ein Stück Bo—
den um das andere dazu gekauft, eine Kuh um die an—
dere in den Stall gestellt, bis er vor sieben Jahren sich
ein großes, stattliches Haus erbauen ließ, und das bis—
herige Wohnhäuschen zur sogenannten „üeberländ“ wurde.
Seit vielen Jahren lebte bei dem Lenz sein alter.
weißhaariger Vater. Der Franzi war derselbe einmal bei
einem Kirchenbesuch gezeigt worden, und sie hatte lange
in einer seltsamen Rührung dem kleinen Männlein nach—
gesehen, das langfam und gebückt auf müden Füßen da—
hinschlich und ein gar mageres, von Sorge oder Kummer
zurchfurchtes Antlitz hatte, — bis sie jäh die Rührune
on sich abschüttelte und eilig ihren Weg fortsetzte. Wat
zing sie der Vater jenes Mannes an? — jenes Mannes.,
er sich so leichtlich eine andere zum Weibe nehmen
vante, nachdem er sie nicht hekammen! Mit derartic

anderen Gemeinde sfanden 8 Wtienschen ihren Tod in den
Fluten. Die Not im ganzen Bezirk ist außerordentlich
aroß.
Spione? Der in Venedig aufgestiegee Ballon
„Giulio Verne“, mit dem die Ueberquerung
des adriatischen Meeres geplant war, ist in—
folge Sturmes nächst Klagenfurt gelandet. In der Gon—
»el befanden sich angeblich der Venezianer Automobilfab⸗
rikant Piccolo und der Mailänder Industrielle Borsalina
Als die Luftschiffer auf dem Villacher Bahnhof ankamen,
vurden sie verhaftet und die photographischen Plat
en konfisziert; die Kopien werden nach Wien gesendet.
der Ballon wurde mit Beschlag belegt. Die Verhafteten
eugnen, irgendwie Spionage getrieben zu haben
und erklären, daß es sich lediglich um ein sportliches Ver—
gnügen handle.
Ein entsprungener Tiger. Der Käfig einer schö—
ien Königstigerin, die nach Oran transportiert werden
ollte, wurde durch den Hufschlag eines scheuen Pferdes
‚ertrümmert. Die Tigerin entkam, eilte zur Stadt Mar—
rille, verwundete einen Arbeiter durch Achselschlag und
ötete einen Hund durch einen Biß. Durch das Aufgebot
ewaffneter Polizei und Gendarmerie gelang es, noch ehe
8 weiteren Schaden anrichten konnte, das Tier wieder
inzutreiben und in einen neuen Käfig zu bringen.

Gerichtszeitung.
s Wann ist man erwerbsunfähig? Ein für die
drankenkassen wichtiger Prozeß beschäftigte das Frank—
urter Schöfsengericht. Die „Frankf. Ztg.“ berichtet dar—
iber: Ein Kaufmann war angeklagt, die Kranken- und
zegräbniskasse des Kaufmännischen Vereins dadurch um
00 Mark geschädigt zu haben, daß er vom Juni bis
tovember 1908 Krantengeld bezog, obwohl er nicht er—
verosunfähig gewesen sei. Die Beweisaufnahme ergab,
zaß der Kaufmann in der fraglichen Zeit in der Wohn
uing Käse zu machen versuchte, was ihm mißlang, und
zaß er seiner Frau, die einen Handel mit Eiern und mit
Zutter betreibt, hie und da die Körbe getragen hat. Der
lrzt, der den Kaufmann wiederholt erwerbsunfähig ge—
chrieben hat, bekundete als Sachverständiger, daß der
daufmann vom 9. Juni bis 28. November durch hoch
zradige Neurasthenie erwerbsunfähig gewesen sei. Eine
ẽkrwerbsunfähigkeit liege wohl nach allgemeinen ärztlichen
Anschauungen dann vor, wenn jemand zur Ausübung sei—
ies bisherigen Berufes — in diesem Falle Bureautätigkeit
— unfähig sei. Das schließe natürlich nicht aus, daß
emand trotzdem fähia sei, Körbe zu tragen. Der Ver—
rauensarzt der Krankenkasse, der den Kaufmann am 20
ovember untersucht hat, bescheinigte als Sachverständiger
ꝛbenfalls die damalige Erwerbsunfähigkeit des Angeklaäg—
en, bei dem jede Simulation ausgeschlossen ist. Auf Grund
der Gutachten kam das Gericht zur Freisprechung, wodei
es betont, daß eine Erwerbsunfähigkeit durch Verrichten
leiner Arbeiten nicht ausgeschlossen sei. —
⸗ ⸗ 4
Landwirtschaftliches.
Geflügelzuchtkurse für weibliche Personen. Wie
n den beiden Vorjahren, hat die Landwirtschaftskammer
ür die Rheinprovinz auch in diesem Frühjahre an der
Beflügelzuchte und Lehranstalt in Neu ß Geflügelzuchturse
 für weibliche Personen, die hauptsächlich für Frauen
ind Töchter der Landwirte bestimmt sind, veraunstaltet. Im
zanzen wurden die beiden je 6 Tage dauernden Kurse von
25 weiblichen Personen besucht, die sich auf die einzelnen
egierungsbezirke wie folgt verteilen: Aachen 8, Düssel—
orf 10, Cöln 3, Coblenz 1, Trier 2. Der Unierricht ist
vie bisher von dem Anstaltsleiter und von dem Veteri—
närrat Kreistierarzt Eckardt in Neuß erteilt. Bei den theo—
retischen Belehrungen wurden folgende Gegenstände be—
handelt: Allgemeine Bedeutung der Geflügelzucht, natür—
liche und künstliche Brut und Aufzucht, Mast bes Geflü—
jels, Schlachten und Dressieren des Geflügels, Aufenthalts—
äume des Geflügels, die wichtigsten Nutzrassen, Ernähr—⸗
ing und Pflege des Geflügels, Krankheiten des Geflügels,
Unarten und Feinde des Geflügels, Verwertung der Pro—
zukte und Buchführung. Die praktischen Unterweisungen,
velche vormittags, mittags und abends etwa 14 bis 2
tündig erteilt wurden, erstreckten sich auf die Fütterung
der Tiere, Bedienung der Apparate, Kontrolle des Ge—
lügels, Feststellung von Krankheiten, sowie Zusammen⸗
etzung und Zubereitung des Futters für den sfolgenden
Tag. Der durchaus günstige Verlauf der Kurse läßt er—
varten, daß die Veranstaltungen gute Früchte tragen und
nit zur Hebung der ländlichen Nutzgeflügelzucht beitragen
verden. An etwa 20 bedürftige und würdige Teilnehme—
innen werden die vom Herrn Minister für Landwirtschaft,
domänen und Forsten bereitgestellten Beihilfen überwie—
en werden.

Kunst und Wissenschaft.
(72) Der Planet Mars zeigt einen großen Spalt! Bei
den jüngsten Beobachtungen des Planeten Mars hat Pro—
sessor Lovel festgestellt, daß die wahrscheinlich aus Eis
und Schnee hestehende Sündnosarregion einen gewaltigen

abwetsenden Gedanken suchte sie auch jedesmal die of
aufsteigende Sehnsucht zu ersticken, und es gelang ihr
iuch immer für eine Zeit lang. Hatte der Schreden,
das Entsetzen vor dem Verbrechen, nochmehr aber ein
tarkes Ehrgefühl und die Liebe für ihren Vater sie einst
ewogen, den Lenz von sich zu stoßen, so hatte die rasche
Zeirat desselben ihr im stillen trauerndes Herz tief ver—
etzt, und die ersten Jahre hindurch empfand sie kein
Zehnen nach dem Mann, durch den ihr so weh geschehen
Danach aber, als der Mann in den Mund der Leute kam
zurch seine Wirtschaftlichkeit und rasches Wohlhabendwer
»en, als sie allseitig Worte der Wertschätzung, ungemei—
ier Achtung vernahm, da schlich es zeitweise in ihr
derz: eine qualvolle Lust zum Denken an ihn, ein tie
es, wehes Verlangen nach seinem Anblick.
Sie drückte dies Empfinden nieder mit ernstem Willen
 — sie hatte ja einen Mann, dem sie Treue in Wort
und Gedanken gelobt hatte. Und — und der andere ver—
diente es nicht, um ihretwillen nicht, daß fie an ihn
achte. Nein, der Lenz verdiente es nicht! Das dachte
ie auch jetzt wieder, als sie ihrem aus der Stube schrei—
enden, Rann mit dem Blid folgte und dabei allerlei
sedanken durch ihren Kopf gingen. Und daun lächelte
e plötzlich über sich selbsi; — sie war eine alte Frau ge⸗
vorden und hatte einen großen Sohn — da war'es doch
nehr wie dumm, daß sie sich noch Gedanken machte über
einen, den sie geliebt hatte, als sie jung gewesen!
Die Frau nahm plötzlich den Kalender, der an der
Vand neben dem Tisch hing, herunter und blätterte, bis
ie den Monat Dezember vor Augen hatte. Auf das
veiße, leere Merkblatt daneben sqgrieb sie einen kurzen
Vermerk: an welchem Tag der Most verkauft worden, wie—
diel und zu welchem Preis. „So!“ sagte sie dann befrie—
digt und hing das Büchelchen' wieder an seine Stelle zu—
rück. Dann sah sie nach dem Sohn hin, der an dem gro—
zen Kachelofen stand und sich wärmte, indem er den
e und die Handftächen an die warmen Kacheln
rückte.
Ist eine schneidige Kälte draußen heut, Mutter!“
agte er wie beiläufig und nickte ihr zu. „Ist mir frei
»urch und durch gegangen. Muß frei morgen gehen und
den Schneider bestellen, daß er mir auf meinen Pelz ei—
nen neuen Oberstoff draufmacht, das Kodenrödel de ist
mir wahrhaftig zu kalt jeht.“
Die Buchenhoferin nii⸗

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sAtiß zeigt, der die ganze Polargegend in zwet Hälfter
teilt. Gleichzeitig erblickte man an der Schneegrenze einen
seltsam leuchtenden Punkt, der einen der dunklen Mars—
Zeen fast vollstündig bedeckt. Auf dem Mars scheinen also
gegenwärtig gewaläge Umwälzungen vorzugehen. Und
wie Professor Lowell weiter beobachtete, soll die Atmo—
sphäre auf dem Mars Schauerstoffschichten enthalten. Diese
Entdeckung lege von neuem die Möglichkeit nahe, daß sick
auf dem Mars Lebewesen befinden.

Humuristische Ecke.
Probates Mittel. Sollte auf Kreta je wie
der eine griechische Fahne gehißt werden, so nahe man
nächtlicherweile in die vier Eckzipfel nach Art unserer be—
währten Preisfahnen je eine Drachme ein, und man werd
sehen, daß die Fahne bis zum Morgen niedergeholt ist.
Berechtigte Entrüstung. Szene: Bahnhos
Friedrichstraße in Berlin. Handelnde Personen: Ein Herr,
noch ein Herr, eine Dame mit Handtafche. Die Dame
eilt die Treppe hinauf, der Herr stößt an sie, die Dame
fällt, der Herr entschuldigt sich und will (mit dem In—
halt der Tasche) forteilen. Zweiter Herr (mit Erkenn
ungsmarke) hält ihn san und will ihn feststellen. Erster
Herr (entrüstet)y: „Ja, kennen Sie denn den alten Taschen⸗
dieb Goßmansti nicht?“
Kindermund. „Müllers scheinen alle ihre Sa—
chen. auf Abzahlung zu haben.“ „So, woraus wiillst Du
das schließen?“ „Fritzchen Müller fragte gestern in mei—
ner Gegenwart seinen Vater, ob das neue Brüderchen
wieder abgeholt würde, wenn sie die Raten nicht regel—
mäßig zahlen könnten.“
Das Gehirn. MNaturgeschichtsstunde.) Der Pro—
fessor spricht gerade vom Gehirn des Menschen, als er
bemerkt, daß er das Modell des Gehirns im naturhistori—
schen Kabinett vergessen hat. Er beauftragt einen Schü—
ler mit folgenden Worten, es zu holen: „Sie, Novotny,
wollen Sie die Freundlichkeit haben, ins Kabinett zu ge—
hen und dem Herrn Director zu sagen, er möchte mir
mein Gehirn herunter schicken, da ich es augenblicklich
brauche!“

Vermischtes.
Eine „Automobilistenfalle“, die auch bei uns gut—
Dienste leisten könnte, hat die Polizei der englischen Graf⸗
schaft Stafford eingeführt. Ohne daß die Automobilisten
von der ihnen drohenden Gefahr eine Ahnung hatien,
wurde ein 500 Meter langes Stück Straße durch eine
elektrische Leitung verbunden, an deren Enden sich Klin—
geln befanden, die von je einem Polizisten bewacht wer—
den. Bei jedem Automobil drückte der eine Polizist aus
einen Knopf und gab zuerst ein Achtungssignal und dann
ein weiteres, in dem Augenblick, als ein Automobil die
Linie passierte. Die Zeit von diesem Signal bis zum
Pafsieren des zweiten Polizisten diente zur Ermittelung
der Fahrgeschwindigkeit. Die Ausbeute der neuen Me—
thode am ersten Tage war zwar nicht allzu groß. Es
wurden die Fahrgeschwindigkeiten von 52 Automobilen
gemessen und nur 6 davon gelangten zur Anzeige, weil
sie die Geschwindigkeit von 24 enguschen Meilen in der
Stunde überschritten hatien.
Wie ein Russe fliegen wollte. Darüber erzählt
die „Tägl. Rodsch.“ eine allerliebste Geschichte Bei dem
franzöfischen Luftschiffer Delagrange erschien ein Russe, der
fragte, ob er ihm nicht einen seiner Aeroplane verkaufen
könne. Delagrange bejahte und nannte als Preis 12000
Franks. Sofort zog der Russe seine Brieftasche und über—
reichte dem überraschten Delagrange zwölf Tausenfrancs—
scheine. Direklt verblüfft aber war er, als der Russe er—
klärte, sofort einen Ing unternehmen zu wollen. Man
machte ihm klar, daß er erst fliegen lernen müsse. Der
Russe wies nur immer darauf hin, daß der Apparat jetzt
ihm gehöre, und daß er zu fliegen wünsche. Da mit dem
Mann kein Verhandeln möglich war, ließ Delagrange die
Maschine wirklich laufen. Sie erhob sich ein paar Meter
hoch, flog ein kurzes Stückchen, dann aber fiel fie, da von
erner sachverständigen Steuerung keine Rede war, zu Bo
den. Mit Mühe zog man den unglücklichen Russen, am
ganzen Leibe zerschunden, unter der Maschine hervor. Der
aber strahlte vor Vergnügen und dachte nicht, zu klagen!
Er war ganz entzückt von seiner Luftreise, sagte nur das
eine Wort: „Ausbessern lassen, ich versuche es noch ein
mal“, und fuhr dann mit Hochgefühlen in der Brust nach
Paris.

Loksles. der Angab
osftpakete nach dem Ausland. Bei der Angabe
des Vostagee von Postpaketen nach dem Ausland kom⸗
men in den zugehörenden Zollinhaltserklärungen häufig
Versehen vor, indem die Absender in die Spalte mit der
Ueberschrift Kilogramm und Gramm nicht die richtige
Zahl der Kilogramm und Gramm, sondern die Gewichts—
gabe nach vezimalen eintragen, z. B. 3.85, statt 3
Kilogramm 850 Gramm. Diese Eintragung wird dann
im Bestimmungslande anders, z. B. in diesem Fall für
z Kilogramm 85 Gramm gelesen, woraus häufig Wei—
lerungen oder auch, wie 3. B. in Rußland, Zollstrafen
ibiuen; Yan nieyt dran dentt? Galer brauchet Ja
eh auch eine neue Hosen.“
Der Ferdl aber hatte plötzlich etwas anderes im
Sinn; ein vergnügter Ausdrud zog über sein Gesicht. —
„Du, Muatterl, die Neuigkeit aber, die ich heut mit brin—
gel Da wirst schauen! Hätt' bald drauf vergessen! Der
Hannesvetter ist mir begegnet — sein Bub hat sich ver—⸗
sprochen mit der Wegscheider Agatha!“
„Die Agatha nimmt er sich?“ Die Franzi schlug die
Hände zusammen vor Staunen. „Aber geh', die zwei
sind ja doch alleweil vom Schulgehen her so feind gewe—
sen, und hat jetzt alser große eins das andere nicht an⸗
geschaut!“
Der Ferdl nickte. Freilich, freilichh Wenn einmal
die Red' gerad' auf die Agathä'kommen ist, nachher hat
es allemal gleich geheißen bei ihm: „Das Mirll! das rot.
haarete, ungute Irot Und, jetzt heiratet er siel Muf
ihn auf einmal über Nacht die Lieb' angeflogen haben
As wie die Blümerln der Tau! In drei Wohgen ist die
und ich soll der Agatha ihren Brautführer ab—
geben.
„Kannst nicht „nein“ sagen bei einem so nahen und
quten Freund, wie der Hannes ist,“ meinte die Franzi—
„Freilich nicht. Ich hab' aber auch versprechen müs.
sen, daß ich dem Vater und der Mutter zured', daß alle
zwei kommen. Der Hannes kommt eh' selber ins Ein—
laden, und er will eine Zusag' erhalten, sonst freut ihn
der Tag nicht die Hälfte so — hat er gemeint.“
Die Franzi zuckle die Schultern. „Bin nirgends mehr
gewesen seit meinem eigenen Ehrentag!“ sagte sie wie für
sich hin, um dann nach einer längeren Weile erst hinzu
zufügen; „In der nächsten Verwändtschaft hat nie wer
geheirat't, und — ich hab' so keine Freud' gehabt. Frei—
lich der Hannes — na jal Wenn der Bauer geht und daf
es ihm recht ist, nachher kommen wir halt zu der Tafel.
Mußt ihm 's halt sagen, dem Vater Ferdl!“
Damit erhob sich die Buchenhoferin, um die Stube
zu verlassen, da die Arbeit sie in die Küche rief; an der
Tür wendete sie sich noch einmal um mit der Frage:
Was für eine wird denn die Zubraut?“
Der Ferdl zuckte die Achseln. „Ich weiß das nicht
Ich hab' auch gar nicht gefragt,“ meinte er gleichmütig
und seine Mutter entfernte sich ohne ein weiteres Wori
Fin stilles Sinnen war in ihrem Angesicht, und schie,
hlen BRischte einmol ein foinee Vieln Saorre
            
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