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der Sonn⸗ —— A —4 — —34 — J — 351 — Petitzeile.
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wurfss fur ein neues Strafgeseßzbuch eine Entscheidung
noch aicht getroffen.
*In einer in Berlin stattgefundenen Volksversamm—
lung wurde beantragt, die kirchliche Gesetzgebung einer
gründlichen Revision zu unterziehen, und zwar in fol—⸗
gender Richtung: Die Anmeldung zur Wählerliste für die
Wahlen der Gemeindekörperschaften wird au'gehoben. Die
Listen der Wahlberechtigten werden wie für die politischen
und kommunalen Wahlen von Amtswegen aufgestellt. Die
Rechte der Synoden werden erweitert. Es ist eine be—
sondere Snnode Porlin einzurichten.
Frankreich.
* General Tremeau, Leiter der großen Ma—
nösver, die in der Nähe von Vichy abgehalten werder
sollen, gab den fremden Offizieren, die an den Manöverr
teilnehmen werden, ein Frühest ück. General Tremear
sührte in seiner Begrüßungsansprache aus, wie die Lieb«
zur Fahne zwischen den Vertretern der verschiedenen Ar—
meen aufrichtige Kameradschaft herbeiführe, und erhob
darauf sein Glas zu Ehren der Souveräne der vertrete.
nen Armeen. Der italienische General di Majo dankte als
Ddoyen der fremden Offiziere des kameradschaftlichen Ge—
ühls der fremden. Dann trant er auf das Wohl des
Präfidenten Fallieres und der französischen Armee
Spanien.
* Die von einer spanischen Telegraphenagentur verbrei—
tete Nachricht, daß die spanischen Truppen den Riff—
lieuten bei Seluan eine schwere Niederlage beige—
dracht hätten, wird von Madrid aus als unwahr be—
zeichnet. Der Minister des Aeußern, Salazar, der gegen⸗
wärtig in San Sebastian weilt, erklärte Journalisten fol—
zendes: Die sensationelle Meldung von einer großen Nie—
derlage der Riffkabylen bestätigt sich nicht. Ich habe kei—
nerlei Nachrichten darüber erhalten und bezweifle vor
allem, daß unsere Truppen ühberhaupt ichon his nach Se—
luan vorgedrungen sind.
* Der „Matin“ meldet aus Oran: Meldungen aus dem
Riff, welche über Udschda eingetroffen sind, berichten
entgegen anderen Meldungen, welche über Melil!a einge
laufen sind, daß die panischen Truppen am v.
September in der Nähe von Cap Dana eine ernste
Schlappe erlitten hahen. Die Truppen mukten den
Fiick z uUndg antreten
— — — — ZW8
rossen. Zum CEuipfang war erjschienen der Kaiser, de
Feldunikorm eines ösierreichischen Feldmarschalls trug
Prinz Oskar und die Herren der Umgebung; die Ehren
kompanie erwies die Honneurs. Nach überaus herzlicher
Begrüßung geleitete der aiser den hohen Gast zu Fufß
nach dem Kurhaus Carlsbad, wo der Erzherzog Wohn
ung nahm. Bei der Abendtafel jaßen der Kaiser und der
Erzherzog einander gegenüber, der Erzherzog zwischen dem
Priuzen Oskar und dem Fürsten Fürstenberg, der Kaiser
zwischen dem österreichischen General der Infanlerie vor
Sötzendorf und dem österreschischen General der Kavalle
e Bruckmann; geladen war auch der öjterreichische At
hee Hauptmann von Bienerth
— III—— —-Sozialdemokratischer
VParteitag.
Leipzig, 15. Sept.
Wie in der gestrigen Nachmittagssitzung, so setzte der
sozialdemokratische Parteitag auch heute Vormittag sein«
Beratungen über die politische Lage fort. Die Erbschaft
steuer spielte dabei eine gewichtige Rolle. Die Partei ijs
dabei an einen heiklen Punkt angelangt, über den sie nich
einfach zur Tagesordnung übergehen konnte. Die Partei
tagteilnehmer trennen sich in zwei Lager: die einen sind
für, die anderen gegen eine etwaige Annahme der Erb—
schafissteuer. Heute sprach zunächst Richard Fischer:
Alle Parteien beneiden uns um die günstige Situation, in
der wir uns besinden. Alle Parteigenossen im Lande
harren darauf, diese Situation zu benützen, um die Scharte
von 1907 auszuwetzen. Alle Nachwahlen der letzten Zei
sind glänzend für uns ausgefallen und in diesent Augen,
blick verbringt der Parteitag seine Zeit damit, sich um
ungelegte Eier zu streiten, darüber, wie man sich eventuell
bei der dritten Lesung verhalten hätte. — Hoch (Hanau
freut sich der Kritik, die an der Fraktion geübt wordeir
—
sonders zu fesseln. — Böhle Etraßburg) verteidigt die
Annahme der Erbschaftssteuer. — Kautsky, der hier⸗
auf zum Wort kommt, spricht überaus matt. Er legt dar,
daß das Programm nicht dazu verpflichtete, jede direkte
Steuer zu bewilligen (Zuruf: Das verlangt ja niemand!),
und daß es nicht genüge, den Besitzenden Lasten aufzu
erlegen, unbekümmert um den Verwendungszweck. Wir
wollen die Besitzenden expropriieren zugunsten des Pro—
letariats und nicht zugunsten der Soldateska. GBeifall.)
Hierauf wird die Debatte geschlossen. —
Während der Abstimmung geht beim Bureau ein Antrag
Frank ein, der die Zustimmung zur Erbschaftssteuer
billigt. Bebel widerspricht der Verhandlung des
Antrages, weil er zu spät eingebracht sei und eine Ueher—
rumpelung bedeute.
Den württembergischen Hosgängern wird nach einer
Erklärung der „sieben Schwaben“, daß sie dem Ausflug
ferngeblieben sein würden, wenn sie gewußt hätten, daf
sich eine monarchische Huldigung anschließen würde, ver
geben. Dann tritt die Mittagspauĩe ein
— — — — —
Die Entdecker des Nordpols.
Peary erklärte wieder, er sei der einzige
Weiße, welcher den Nordpolherreichte, und sei
bereit, dies zu beweisen, werde indessen warten, bis Cool
die angekündigte Darlegung gemacht habe.
„Daily Telegraph“ meldet aus New-Yorkl: Es
macht sich immermehr eine Zunahme der Volkstümlichkeit
Cooks bemerkbar. Umfragen bei dem Publikum, die
von Zeitungen und Theater-Direltoren angestellt wurden,
heweifen, daß Cook mindestens so volkstümlich ist, wie
Peary. Man wundert sich besonders darüber, daß Peary,
unstatt direkt nach New-York zurückzukehren, seine Zeit in
Harbourt vergeudet unter dem Vorgeben. Revaraturen an
seinem Schiffe vornehmen zu lassen.
Der „Matin“ meldet aus New-York: Mehrere ame
rikanische Journalisten haben den Kommandanten des
französischen Kreuzers „Isly“ zu bewegen versucht, Peary
entgegen zu fahren. Der französische Botschafter unter—
stütßzte das Gesuch. Der Kommandant weigerte sich jedoch,
und wird wahrscheinlich das Eintrefien PRearvs nicht ah
warten können.
Aus New⸗-York wird den Blättern gemeldet: Die
Freunde Pearys sind bitter darüber enttäuscht, daß dessen
Begleiter bei der Erreichung des Nordpoles ein Neger
namens Hansen und vier Eskimos waren, daß sich also
—0— Es stehe also bezüglich
we — — ce——
Schauen erschienen, ein unruyig wandernder, unkfroher
Blick, als hätte der Mann ein schlimmesßs Tun zu ver—
bergen. —
Sie hatten sich nie gestritten, er und die Franzi, in
den ganzen langen fünfundzwanzig Jahren nicht ein ein—
ziges Mal, aber sie waren auch niemals froh zusammen
gewesen. Aeußerlich ruhig, waren sie still, ohne viel
Aufwand mit Reden, nebeneinander dahingegangen, ins—
zeheim mochte eins wie das andre fried- und freudlos
sein. Die Franzi mühte sich freilich, ihren Mann nicht
allzusehr merken zu lassen, daß sie keine Liebe zu ihm
empfand, sie hatte ihn ja aus freiem Willen — freilich ih
rem Vater zuliebe, der sie gerne verheiratet sehen wollte,
— genommen, nun mußte sie ihm auch ein rechtes Weil
sein, über das er sich nicht beklagen durfte. Den Weg zu
ihrem Herzen fand er ireilich nicht: der war yverschlossen
auf immerdar.
Ihn selber, den Peter, faßte es im Anfang manch—
mal an in einem haßvollen Groll, in einer wahnsinnigen
Eifersucht auf den einen, der der Franzi Herz besessen,
und es drängte ihn dann gewaltsam, es zu versuchen, ob
er nicht das Andenken an den andern aus ihrem Herzen
löschen könnte. Aber wenn er seine Zurückhaltung auf—
geben, sein heißes Wünschen und Wollen einmal überflu—
ten wollte in begehrenden Worten, in feurigen
Reden, dann legte es sich wie ein Tamm vor die Unge—
bärdigkeit seines Innern; ein Gefühl der Schuld an ihr
belastete seine Seele und scheuchte die begehrenden Worte
von seinen Lippen zurück.
Franzi merkte nichts von dem, was ihren Mann
quälte, sie hatte kein Auge dafür und fand mit sich selber
genug zu tun. Und dann — je länger ihre Ehe so da—
hinlief in äußerer Ruhe, in innerlichen Kämpfen, umso—
mehr nahm der Mann ein rauhes Wesen an, zeigte er
seiner Umgebung eine abstoßende, grimmige Außenseite
Unter diesem Wesen litt die Franzi nicht im mindesten;
sie hatte sich, als sie diese Ehe einging, auf ein Leben
gefaßt gemacht, welches keine Freude und Annehmllichkei—
ten für sie barg. So nahm sie diese abstoßende Rauheit
m Wesen ihre⸗ —
— 8
Selwierige Lage in Griechenland.
Daß die innere gçcriechtsche Krise mit dem Sieg der
meuternden Truppe nicht erledigt sei, war wohl von vorn⸗
herein klar. Daß die nicht mehr bloß verschämt rosenrot
geschminkten Berichte über eine Uebereinstimmung zwischen
dem König und der meuternden Soldateska unwahr wa—
ren, bedurfte eigentlich keiner Widerlegung. Das neue
Ministerium Mauromtchalis saß von vornherein zwiischen
drei Stühlen, dem Königtum, der Volksvertretung und
der Armee, und eben diejenige dieser drei Instanzen, die
von Rechts wegen in die Frage überhaupt nicht dreinzu—
reden hätte, das Heer, hatte dieses Ministerium aufge—
stellt. Ungesetzlich, d. h. seinem Wesen nach revolutionär,
war es also von vornderein; nur die Macht der im Heere
organisierten Volkskraft repräsentiert es. Junge COffiziere,
die wegen Beschäftigungslosigkeit ihr Land politisch be—
glücken wollen — Müßiggang ist ailer Laster Anfang —
hatten diesen Umsturz der staatlichen Ordnung inszeniert.
War es doch vorgekommen, daß man den treuen älteren
Offizieren, die sich dem Abzug der meuternden Truppen
aus den Kasernen widersetzen wollten, die Waffen auf
die Brust setzte. Aber schon dieses revolutionäre Vor—
dränzen des Heeres mußte alle die Kräfte auf den Plan
rufen und verbinden, denen diese Macht, die das Heer
sich anmaßte, entrissen worden war. Königtum und Volks—
vertretung scheinen sich heute gegen das Heer zusammen—
zuschließen, um zunächst einmal dem Prinzip der Ordnung
zjum Sieg zu verhelfen gegenüber einer Selbsthilfe, die,
einmal siegreich, zur Auflösung aller Bande, zum Anar—
hismus führen muß. Ob diese Gegensätze sich friedlich
ausgleichen lassen, ob ein Ministerium gebildet werden
und sich halten kann, das, wenn es schon an der von den
Meuterern erzwungenen Anarchie nicht rüttelt, doch we—⸗
nigstens die bedingungslose Ausrottung aller politischen
Bestrebungen aus dem Offizierkorps durchsetzt, muß die
Zukunft lehren. Nach den heute vorliegenden Meldungen
cheint allerdings die Lage sehr ernst zu sein, und es
cheint, daß man sich beidersests an das „Volk“, d. h. an
zie breiten Massen, die im letzten Grund die brutale
Macht bilden, wenden will. Das Heer, d. h. der in die—
er ganzen Entwicklung tonangebende aufständiiche Sol—
aten⸗ und Of'lizierpöbel der griechischen Hauptstadt, schließt
ich an die großstädtischen Massen an, an die Sozialde—
nokratie und die Zünfte, die Arbeiter und die Kleinhand
verker, während die Partei der Volksvertretung und des
Königstums die ihnen untergebenen Bauernschasten gegen
den „Militarismus“ mobil macht. Auf welcher Seite die
eberlegenheit ist, läßt sich heute nicht sagen. Die Macht-—
nittel find durchaus ungleich und deshalb schwer vergleich
har. Die geschickte Verwendung wird aber vieles vermö—
zen. Die Entscheidung dürfte vielleicht bei den in Thes—
salien stehenden Grenztruppen liegen, von denen gemel—
det wird, daß sie die politischen Liebhabereien ihrer groß—
tädtischen Kollegen nicht teilen. dem Köniatum erae—
hen sind
Türkei.
* Wiewohl die Reise des Zaren nach Kon—
stantinopel weiter unentschieden bleibt, entjendet der
Sultan demnächst eine Sondermission zur Begriü ß
ung des Zarenpaares nach der Krim. Die
Mission wird rujssischerseits mit größter Auszeichnung em
ofangen werden. An ihrer Spitze stehen der Minister des
Aeufern Rifaat Pascha und Generalleutnant Nasiim
Pascha. Letzterer war vom 13. bis 28. April Komman
deur des Gardekorps, wurde dann vecrabschiede
und ist kürzlich erst reaktiviert worden. Er ailt als ver
tono arata am russiichen Hose.
Amerika.
*Am 15. d. M. hat Präsident Taft eine längere Reie
hurch die Vereinigten Staaten angetreten. Er wird nicht
veniger als 20 000 Kilometer zurücklegen und die mei
ten Staaten der Union berühren. Die Hauptpunkte sei
ies Programms sind ein Besuch der Alaska⸗ Yul on⸗Aus.
tellung in Seatle und das Zusammentreffen mit dem
Präsidenten von Mexiko an der texanisch-merxikani
ichen Grenze. Natürlich wird Herr Taft eine große Reihe
don Reden halten müssen, in denen, wie verlautet, er ver
suchen wird, seine Haltung in der Tarifsache zu rechtfer—
igen und die außerdem dazu dienen sollen, sein Pro
tramm für die Beaufsichtigung der großen Industrie-Kom—
hinationen zu entwickeln. Die Reise wird ihr Ende am
21. November finden, an welchem Tage der Präsiden
wicder in Waslbington zu sein gedenkt.
Marukko.
* Muley Hafid wird sich durch eine Sondergesandt
schast bei der Hudson-Fulton-Feier in New-York vertreten
lassen. Der Finanzmins ster El Mokri erhielt den Auf—
trag, sich nach Europa zu begeben und bier Waffen
einzukauien. wozu ihm 300 6600 Duros verfügbar sind.
— — —
Die deutschen Kaisermanöver.
Der Erzherzog-Thronfolger Franz Ferdinand
ist auf der Halteielle Carlsbad ber Mergentheim einae
——— —
Nunv ver Sohn nier und niar iyr zu mit frohsinni
glänzenden Augen und leitet das h an r ne
oorüber und in den breiten Hofraum hinein. Die Bäue
zin gudt noch eine Weile der hochgewachsenen Gestalt nach,
die in dem kurzen, warmen Lodenroch, den hohen, glan—
zenden Wadenstiefeln und der schwarzen Pelzmütze au'
dem braunhaarigen Kopf einen flotten Eindrug macht.
Dann kehrt sie sich um und geht ins Haus zurück. Ei.
Jenhändig richtet sie in der Vorratskammer ein Gläschen
Iwetscheñbranntwein her und setzt es dem Sohne vor
dereshe 8 one Ah die Wohnstube hereinkommt.
„V. ink, das wärmt Dich nach de äl ßen.
hate sic, doas warn der Kälten drautzen.
Ver Sohn aber zählt erst aus einer großen, roten
Brieftasche Geld auf den Tisch und schiebt es der Mui—
ter zu. „Er hat mich gehandelt, der Daman von einem
Wirt,“ sagt er. „Das nächste Mal bring' ich den Mosi
in die Stadt hinein. dort zahlen sie mehr für unser gu—
tes Trankel!“
„Mein, mußt halt den Wirt auch leben lassen, Ferdl!“
meinte die Franzi und nimmt langsam das Geid auf.
.Er hat eine Schar Kinder, die er aufbringen muß.“
Innigen Blickes sieht der Ferdl die Mutter an. —
„Freilich, Mutter, das ist wahr — und da hab' ich dia
drei Balger einem jeden ein Sechserl geschenkt zu guder⸗
letzt auf den Handel hinauf,“ erklärt er.
„Du bist ein Narrentattel!“ meint sein Vater, der
am Tisch sitzt, aus einer kurzen Pfeife rauchend. Das
ind drei Sechserl! Und so ein schönes Geld wirfst hin—
aus für Leut', die Dich nichts angehen.“
„Va, Vater, ich hab' mir halt denkt, wenn ich ein
paar Geschwister hätt! und hätt' einem jeden ein Kirtagsgeschenk
gekauft, gerad' so viel hätt' ich anbracht. Und
eine große Zech' kann ich auch nicht machen, ich kann ja
schier nichts trinken, das weiß der Vater eh'. Und bei
einem Wirt da gehört sich ein Gegengeschäft!“
Der Buchenhofer brummte unverständlich vor sich hin
und erhob sich. Mit schwerfälligem Schritt, den Rücken
etwas gebeugt, als ob er eine unsichtbate Last auf den
Schultern trüge, gine »r aus der Stube. An diesem
danne hatte die sitarke Veränderung vollbracht
zeine Strammheit »wichene as a rif
Nach Meldungen aus Athen gedenkt der griechische
Militärbund eine nnere Zwangsanleihe für
sßeereszwecke aufzuerlegen. Der Bund selbst, sowie
die Zünfte, die Sozialdemokraten und auch die meisften
Zeitungen, besonders „Akropolis“, verlangen die sofortige
Besteuerung aller Reichen und Wohlhabenden, und fordern
die Regierung auf, zu diesem Zwecke die Einkommensteuer
und Erbschaftssteuer einzuiühren. Das Chaos wird von
Tag zu Taa arßßer
m
Volitische Rundschau—
Deutsches Reich.
* Fürst Bülow hat an das „Hamburger Fremdenblatt“
auf dessen Anfrage über seine Stellung zu dem Prozekt
seine Eisenacher Reichstagskandidatur
solgendes Telegramm gerichtet: „Ich würde die Kandida
tur nicht annehmen und bitte, von einer solchen
ozusehen. Nachdem ich meine Aemter niedergelegt habe,
wünsche ich pohitisscche nicht mehr in die Oe⸗ü
kentlhichkeit zu treten.“
* Wie die „Neue politische Korrespondenz“ zuverlässig
hört. iit über den Zeitpunkt der Veröffentlichung des Gut
Im Buchenhof
Bie Franzti war eine schöne, stattliche Bäuerin mit
ꝛinem gar ernsthaftigen Wefsen geworden“ Sie trat eben
unter die Haustüre und schaute nach dem Ferdl, ihrem
einzigen Soͤhne aus, der zu Mittag ins Dorf gefahren
war, um dem Wirt dort ein paar Fässer Most zu bringen.
Nun, hätte er schon wieder zurüdsein können. Freilich,
die jungen Burschen lockt batd dies, bald jenes zu einem
längeren Bleiben im Wirtshause.
Doch dort, weit drüben an der Biegung des Weges,
wird ein dunkles Etwas sichtbar, welches die Bäuerin
gar bald als das zum Buchenhofe gehörige Gefährt er—
kennt. Und dann sieht sie ihren Sohn abspringen vom
Wagen. Er nimmt' das Handpferd am Zügel und schrei—
tet mit großen Schrilten deben dem Gefährt einher. Ein
stattlicher, hochgewachfener Mensch ist er, der Ferdl, und
das Mutterherz hat seine Freude daran; das sieht man
an dem warm aufleuchtenden Blich, der über die Gestalt
des Sohnes hingleitet. Sonst ist ja das bräunliche Gesicht
der Buchenhofbäuerin tiefernst im Ausdruck, und die Au—
gen schauen für gewöhnlich mit einem stillen nach ingen
gekehrten Blick.
Schon von weitem nidt der Sohn seiner Mutter zu,
mit ihren scharfen Augen erkennt sie das leicht und nun
er nahe genug ist, ruft er seelenvergnügt: „Grüß Dich Gott
mei' liebe Muatter! Da wären dir halt wieder alser
Zanze — ich und die Falben und '8* Fuhrwerk! Hab' schon
gemneint. wir versinken zu tiefft im Schnee alle miteinen.
er.“ — —
„Geh', liegt denn der Schnee gar so tief?“ fragt die
Bãurrin, und die Spur eines schalthaften Lächelns zeigt
sich in ihrem Gesicht „Oder hast etwa beim Wirt zu
tief in das Glas geschauts datß Dir nnn Schnee so
diel vorkommie
Der Ferdl lachte. „Da schaut's her, was meine Mut⸗
ter ihrem Sohn iz zutrauen tät'! Vürft' der größte
Lumn im vand sein, so kommt das jetzt heraus!“
Dofßz Du dich immer 'd vbrav erweist, das ist meine
Freud' deben. weißt »s bhr