sortsetzte, ist noch zu keiner Einigung gelangt. Dem Mini—
sterrat liegt der Plan vor, unter Ausschaltung der Bank—
frage die Wahlreform durch das Abgeordnetenhaus
versandeln zu lassen. In dieser sollen, um den Wider—
sttand der Unabhängigkeitspartei abzuschwächen, nur d'e
Doppelstimmen aufrecht erhalten und die Bestimmungen
über die Analphabeten-Wähler fallen gelassen werden, wel—
chen Anträgen jedoch Graf Andrafsy energisch oppo—
niert. Außerdem wird von einer Neubesetzung des Acker—
bau—⸗ und des Justizressorts gesprochen.
Frankreich.
* Nach einmütigem Urteil aller französischen Offiz'ere
oom Rang ist Tremeau, der neue Generalissimus, als
der tüchtigste Frontsoldat, der beste Taktiker, und auch
als der erste Reitergeneral bekannt. Freilich scheint er
nach seiner ganzen Veranlgaung zu der ultrademokrateschen
Gerierat.
.neue fronzos. Generaliss ĩ mus.
Richtung nicht zu passen, die jetzt im französischen Heeres⸗
wesen das große Wort führt und die Schuld an der ge—
wissen Schlappheit trägt. Tremeau ist vielmehr als ver
Verfechter des Schneid bekannt. Er ist jetzt 60 Jahre alt
und hat also noch 5 Jahre Zeit, bis er die Altersgrenze
erreicht.
Leumundszeugnisse.
Der badische Minister v. Bodmann hat neuer—
dings eine sehr zeitgemäße Anweisung über die Austellung
von Leumundszeugnifsen erlassen,
die mit allgemeiner Befriedigung aufgenommen werden
wird, Es wird, wie die „Straßb. Poft“ mitteilt, in die—
ser Anweisfung darauf hingewiesen, daß ein Leumunds
zeugnis kein Vorstrafenverzeichnis sein, sondern bekunden
roll, ob der Beteiligie nach seinem ganzen Verhalten, die
illgemeine Achtung mit Recht genießl. Dies kann, heißt
es in der Anweisung weiter, wohl der Fall sein, obwohl
das Strafregister eine gertngfügige oder zeitlich weit zu—
rückliegende, vielleicht durch jugendliche Verirrung, Rot
oder augenblickliche Erregung verschuldete Bestrafung auf⸗
weist. Ob die Voraussetungen gegeben sind, die es ge⸗
rechtfertigt erscheinen lassen, über eine fruͤhere Verfehlung
hinwegzusehen und den Leumund einer Person troß vor
ausgegangener Bestrafung als einen guten zu bezeichnen,
muß unter Berücksichtigung aller Umstaͤnde der natürlicher⸗
weise sehr verschieden gelagerten Fälle entschieden wer—
den. Die Anweisung schließt wie folgt: „Allgemeine
Grundsätze lassen sich hierüber nicht aufstellen, wir möch⸗
sen aber glauben, daß es der Behörde bei Beachtung der
ybenerwähnten Gesichtspunkte mögüch sein wird, dem Leu—
mundszeugnis eine Fassung zu geben, die den Interessen
aller an der Ausstellung desselben Beteiligten unbeschadet
der unter allen Umständen gebotenen Wahrhafnakeit des
Leumundszeugnisses gerecht wird“
Die deutschen Kaisermanöver.
Mergentheim, 13. Sept.
Mergentheim, das während der diesjährigen großen
Kaisermanöver, an denen das 13., 14., 1. und 3. bahe—
rische Armeekorps beteiligt sind, das kaiserliche Hauptquar—⸗
tier und die Manöverleitung beherbergt, legte Flaggenschmuck
an. Die Manöverleitung, mit General v. Moltke
an der Spitze, ist bereits eingetroffen. Für die Idee
der Kaisermanöver kommen diesmal ein blaues Reich
und ein roter Staat in Betracht. Auf dem von der
Manöverleitung ausgegebenen Kartenmaterial sind die
Grenzen dieser beiden gedachten Länder als treilweise zu—
sammenstoßend eingezeichnet. Die gemeinsame Grenze zieht
sich etwa von Neckarsulm am Kocher entlang bis Pier—
gentheim. Das blaue Reich dehnt sich südlich dieser Linie
aus; der rote Staat ist nördlich, während östlich und
westlich neutrales Gebiet liegt. Die ausgegebene alige—
meine Kriegslage lautet: Während die Hauptkräfte des
blauen Reichs auf einem entfernten Kriegsschauplatz ver—
sammelt werden, ordnet der rote Staat die Mobilmach—
ung seiner Armee an.
wenigen nur in oberflachticher Weise, so sprach hn nur
selten einer an. Und da es geschah, vernahm er es
nicht; er war in seine Gedanken versunken, als waͤre er
abgestorben für die Außenwelt.
Desto mehr redete der Peter. Der hatte sich, als ein
Bekannter kam, zu diesem an den nächsten Tisch gesetzt,
plauderte über Wirtschaftsangelegenheiten und sprach bald
diesen, bald jenen der neu eingetretenen Gäste an. Es
schien, als läge dem Peter gar nichts schwerwiegendes im
Sinn; und doch war er gar nicht ruhig innerlich. Er
baute gar nicht so fest auf den Stolz der Franzi, wie er
fich vorhin geäußert; ihre Lieb' zu dem Lenz waär eine
sonderlich große, das hatte er gemerkt, und leicht mög—
lich war die Liebe größer, stärker wie der Stolz. In har—
ter, indes gut verheimlichter Svanning harrte ar arnf dasa
Erscheinen des Pauli.
Die Kirchenbesucher hatten sich beinahe alle wieder
aus dem Wirtshause entfernt, um heimzugehen, als der
Pauli endlich eintrat. Er sah rot uͤnd erhitzt aus. Die
Wärme des Tages und schnelles Gehen hatten ihm wohl
zu schaffen gemacht. Wie gut auch der Peter bisher ver—
heimlicht hatte, wie sehr ihm die Sache am Herzen lag,.
nun, wo er ein rotes Bündel erblickte, welches der Pauli
qn einem Finger der Rechten leicht hin und her schau—⸗
lelte. nun dachte er gar nicht mehr ans Verheimlichen.
Er schnellte empor wie von einem Pfeil getroffen und ein
Leuchten von friumnhierender Frode erabt sih über sein
Gesicht.
Auch der Lenz fuhr in die Höhe; mit beiden Händen
hielt er sich am Tischrande fest, beugte sich vornüber und
starrte fahlen Angesichts dem Boten entgegen. Er bewegte
die Lippen, als der Pauli herantrat und das Bündel auf
die Bank neben ihn hinlegte, eine lange Weile hindurch
ftam aber kein Laut über dieselben. Endlich vermochte er
tammelnd ein paar Worte hervorzubringen. „Die G'schrift
dio Schrift, das Geschriebenel) Zeig her die G'schrift!“
z30n der Pauli aus Ihiche oekurzen
in— roẽ tat
no in,
Aus aller XWelt.
Gattenmord. In Moabit hat der Portier Mayer
eine Ehefrau im Streite mit einem Handbeil erschlagen.
sachdem der Mamn gesehen hatte, was er angerichtet,
egte er die Leiche auss Bett, schloß die Wohnung ab und
ging nach dem Polizeirevier, wo er den Tatbestand schilderte.
Von einem furchtbaren Unwetter wurde in der
Veontag⸗-Racht das Eich s feld heimgesucht. Mehrere
Ztunden lang ging ein wolkenbruchartiger Regen nieder.
Die Bäche und Flüsse traten über die Ufer und verur—
achten große Ueberschwemmungen. Der Schaden ist be—
deutend. Das noch auf dem Felde befindliche Getreide ist
otal verdorben. Durch Blitzschlag wurden mehrere
Brände verursacht. In dem Dorfe Silberhausen schlug
der Blitz in die Mühle des Besitzers Karl Engelhardt ein
und äscherte die Mühle mit den Nebengebäuden ein. Meh—
rere Stück Vieh und große Fruchtvorräte verbrannten. Das
Burggut Scharfenstein bei Kallmerode wurde ebenfalls
durch Blitzschlag eingeäͤchert. Das Hochwasser richtete
auch an den Brücken und in den Straßen großen Scha—
den an.
Manöverunfälle. Die „Halberstädter Allg. Zig.“
mneldet: Im Manöver bei Benzingerode starben 4 Infan—
teristen, bei Gatersleben 2 Husaren an Hitzschlag. — Bei
den Manövern der Gardekorps in der Neumark sind vier
MNann an Hitzschlag gestorben.
Einsturz eines Schulneubaues. In Radomierz bei
Altkloster stützte der Schulneubau teilweise ein. Ein Mau—
er wurde getötet, mehrere Personen erlitten Verletzungen.
100 Jahre alt. Die verw. Frau Musikus Zeinert
n Guben vollendete ihr 100. Lebensjahr. Die noch sehr
üstige Frau ist seit a2 Jahren Witwe und seit einem
Fahre Ururgroßmutter. Zu ihrem Jubeltage erhielt sie
ius dem Kaiserlichen Zivilkabinett ein Geschenk von 300
Nark. Die Stadt Guben überreichte ihr ein Geschenk von
60 Mark.
Feuersbrunst Eine große Feuersbrunst wütete in
ßimmendorf im Kreise Neidenburg (Ostpreußen). 124 Ge—
zäude wurden ein Ranub der Flammen, ebenso Scheunen
nit der ganzen Ernte. Der Brand soll durch mit Streich—
zölzern spielende Kinder veranlaßt worden sein.
Eine neue arktische Expedition. Der englische
dapitän Robert Scott wird eine neue arktische Expedition
zrganisieren, die im Juli nächsten Jahres beginnen soll.
Die Erpedit'son soll von einer zweifachen Basis ausgehen,
inmal von Mac Murdo-Sund, dann vom König Eduard—
rand aus. Der Zweck der Erpedition ist einerseits die
ntdeckung des Südpols, andererseits die geographische
rforschung des König Eduard-Landes.
Decs Eisenbahnkönigs Beisetzung. Die Beisetzung
Zarrimans, des amerikanischen Eisenbahnkönigs, ist in
Arden erfolgt. An der Beerdigung nahmen nur 600 An—
estellte teil. Zuschauer waren ausgeschlossen. Nur eine
steihe hervorragender Persönlichkeiten, u. a. Morgan, hat
en Zutritt. Sämtliche Züge auf den Bahnen Harrimans
in der atlantischen Küste bis zum Stillen Ozean hielten
ie angeordneten 53 Minuten lana still as Zeichen der
rauer
u
Renes aus dem Reiche der Lüfte.
Vom Schütteschen Luftschiff. Aus Mannheim
vird berichtet: Nachdem das Gerippe des Schütteschen
Luftschiffs nahezu völlig zusammengesetzt ift, sieht maäan
»aß die Form von der des Typs Zeppelin wesentlich ver—
chieden ist. Der Körper verdickt sich nach hinten, er ist
eulenförmig, die äußeren Teile sind aus Holz, die inne—
en aus Aluminiumstahl. Ballonets und Uüeberzug fehlen
noch. Die Probeflüge sollen bestimmt schon Ende dieses
Monats beginnen. — Das Schiff hat einen Durchmesser
von 18,50 Meter und einen Gasinhalt von 20 000 Ku—
ikmeter. Das Gesamtgewicht beträgt 22 000 Kilogramm,
»ie Nutzlast 5000 Kilogramm. Die Gasmenge ist in 18
Ballons verteilt und zwar in zehn Kugel- und acht Ring
allons, die durch eine noch geheim gehaltene Vorrichtung
niteinander in Verbindung stehen, und zwar derartig, daß
»ie. Ringballons das aus den Kugelballons allmählich ent
veichende Gas aufsaugen und diese Gasmenge, die früher
nerloren ging, wieder erneut in die Kugelballons gelan—
gen lassen. Das neue System ist vom Erfinder „Ifa“ ge—
auft nach den Worten, die er seinen fachtechnischen Wi—
dersachern zugerufen hat: „Ich sage: Abwarten!“ Das Ge—
cippe besteht aus Holz, das der Gewichtsersparnis hal—
ber vielfach angebohrt ist. Das Bindematerial ist Stahl,
Aluminium ist wegen seiner geringen Festigkeit nicht ver—
wendet. Den Antrieb besorgen vier Daimlermotoren von
usammen 540 PS. Sie treiben vier Wellen, an deren
Enten je ein Propeller von 3.50 Meter Durchmesser mon—
iert ist. Nach den Berechnungen soll damit eine Eigen⸗
zeschwindigkett von 60 Kilometern vro Stunde erreicht
verden 4
————— —
Gerichtszeitung.
8 Hoffnungsvoller Jüngling. Die Würzburger Straf⸗
kammer verhandelte am Montag als Jugendge⸗
richts hof gegen den 18 Jahre alten ledigen Arbeiter
Josef Meßling us Düsseldorxrx. Mehling hatte am 14.
Wit großen unbeholfenen Buchsiaben stand da auf dem
rauhen Papier: ‚B'hüt Dich Golt und bergiß mich, wie
ich Dich vergessen will — über das gibt es kein Darüberommen.“
Der Lenz las und las wieder, bis die Buchstaben vor
einen Augen ineinanderschwirrten und allmählich einen
rasenden Reigen aufführten, bis es wie glühende Funken
in seine Augen sprang. Schwer, aber unwiderstehlich nie⸗
dergezogen fielen die Lider über dem heißen, starrenden
Blick, und ein krampfhaftes Schluchzen hob und senkte die
Brust gewaltig auf und nieder. Dazwischen fielen einzelne
Vorte von seinen Lippen, tönend wie ein jaͤh zersprin—
jend, Erz: „Hab' gemeint — Du hättest mich gern — über
illes! — So eine Lieb' — ah, so eine Lieb“ — Lachen
ind weinen könnt' man — da drüber!“
Und dann lachte der Lenz wirklich gell auf, öffnete
die Augen weit und schaute mit wildem Blid auf den
Zeter hinüber. „Geh' Du jetzt und tröst siel“ sagte er,
sie will mich ja vergessen — da hast eine leichte Sach'!“
And noch einmal gell auflachend, nahm er cus seiner
Brieftasche zwei Silbergulden, sowie etliche Kupfermün⸗
en, warf die ersteren dem Pauli hin und die lehzten legte
r neben sein Glas. „So Du, da hast Deinen Boten—
lohn! Ein besonderer Gang braucht eine besondere Zahl⸗
ing — und Du hast mir ja eine Gewißheit gebracht, ob
ch noch einmal einen Frieden find' auf derer Welt und
eine Freud'l — Das da ist für meine Zech', Kellnerin!“
Ein paarmal fuhr sich Lenz mit den Händen über die
Stirn, als wäre er wirr im Kopfe, dann padte er in ei—
ner Hast, als versäume er etwas, das rote Bündel neben
ihm und schritt damit eilig aus der Stube.
Draußen im Freien wurde sein Schritt immer lang⸗
samer, und als er,an den letzten, nahe beieinandersteheu—
den Häusern des Dorfes vorüberkam, da war sein Gehen
geworden, wie das eines kleinen Kindes, das unbeholfen
die Füße hebt, schier nicht vom Flecke kommt und über
jsedes Steinchen, das im Wege liegt. stolpert und ine
Schwanken gerät.
Auf einmal warf der Lenz das rote Bündel in das
Bras und setzte sich auf den sanft ansteigenden Wegrain
nieder. Lautlos verbarg er das Antlitz in den Händen.
Er war ein Stück außer das eigentliche Dorf gekommen;
icht nehen ihm fiibhrte ein schmaler Fußfsfeio Amn3
599
Furn v. J. bei Mainbernheim den auf der Wanderscha
befindlichen Mechaniker Ostar Seidel aus Liegnitz meuch
lings erschossen und beraubt. Er wurde zu 15 Jah—
ren Gefängnis verurteilt.
SEin Student als Bücherdieb. Der 33jährige Stu—
dent und Sprachlehrer August Eugen Breuil aus Belle—
ue in Frankreich stahl am 6. Januar d. J. aus dem
Lesezimmer der Leipziger Universitätsbibliothek 5 Bände
»es im Jahre 1772 erschienenen Siebmacherschen „Waffen—
buches“, das einen Wert von 1000 M. haben soll, reiste
damit nach Schweden und versetzte seine Diebesbeute in
Ztockholm für 50 M. Auf der Untversität Upfala hat er
zleichsalls Bücher gestohlen, wofür er am 1. März vom
»ortigen Strafgericht zu fünf Monaten Strafarbeit verur—
teilt wurde. Außerdem ist B. im Jahre 1907 in Berlin
wegen Bücherdiebstahls zu 6 Monaten Gefängnis verur—
scilt worden. Die Leipziger Strafkammer verurteilte den
Angeklagten, der aus Not gehandelt haben will, weil er
ohne alle Existenzmittel gewesen sei, zu 2 Jahren Ge—
ängnis und 2 Jahren Ehrenrechtsverlust.
8 Soldatenmißhandlung. Der Sergeant R. Bauder
om Füsilier-Regiment Nr. 88 in Glatz stand vor dem
driegsgericht der 11. Division in Breslau, angeklagt der
Zzoldatenmißhandlung. Am 7. August zog sich der Ge—
reite Schimetzko nach des Unteroffiziers Meinung zu
angsam an. Der Sergeant gab dem Gefreiten mit ei—
iem in der Scheide steckenden Seitengewehr einen Schlag
uf die Schulter. Der Sergeant erklärte, er habe den Ge—
reiten „im Spaß“ antreiben wollen, und sich, da der Ge—
reite jetzt als Unteroffiziers-Aspirant zur Reserve aus—
cheide, nur eine „scherzhafte, kameradschaftliche Spielerei“
ꝛrlaubt. Der Sergeant ist aber bereits wegen Soldaten—
nißhandlung vorbestraft. Das Kriegsgericht erkannte auf
ine Woche Miittelarrest
Lokales.
Hütet euch vor den Herbstzeitlosen! Diese war—
ienden Worte sollen vor allen den Kindern, die zu Be—
sinn des Herbstes so gern auf den Feldern verweilen,
ugerufen werden. In allen Teilen der Blume, beson—
»ers aber in der tief braunroten Zwiebel, ist ein über—
ius scharfes Gift enthalten, das Colchicin. Es genügt
chon, daß man ein paar Herbsjstzeitlosen pflückt und dann
nit den Händen ein Butterbrot verzehrt, um sich eine ge—
ährliche Erkrankung zuzuziehen. Beichnend ist folgender
zall, der sich vor einigen Jahren ereignete. Ein Lehrer
atte in der Naturgeschichtsstunde seinen Schülern die tie
zerabgehenden Staubwege der giftigen Blume zeigen wol
en und mit den Fingernägeln einige Zeitlosen der Länge
iach aufgeritzt. Nach Beendigung der Stunde verzehrie
er sein Butterbrot. Doch als er wieder unterrichtete, stell—
en sich bei ihm plötzlich heftige Leibschmerzen ein! Mit
Mühe schleppte er sich bis ins Konferenzzimmer; dort
brach er auf einem Stuhle zusammen. Bald amete er
kaum noch; der Puls wurde immer schwächer. Sofort
wurden Wiederbelebungsversuche angestellt, und nach Ver—
auf einer halben Stunde hatte sich der Bedauernswerte
o weit erholt, daß er die Ursache seiner plötzlichen Er—
rankung angeben konnte. Diesem einen Fall könnten wir
ioch manchen anderen anreihen, der beweist, daß die im
Zeptember und Oktober zur Blüte gelangende Zeitlose
atsächlich eine ganz gefährliche Blume ist! In verschiede—
anen Gegenden nennt man sie auch Michaelisblume, Herbsi—
RAume, Spinnkraut, Wiesensafran. Den letztgenannten
Namen hat sie durch ihre Aehnlichkeit mit der Krokus —
Safran — erhalten
Anem kleinen Häuschen hin, das weit zurtick von der
Straße, halb verborgen hinter dicht nebeneinanderstehenden
Ibstbäumen stand. Auf diesem Weglein lief gleich darauf
ine junge Dirne daher, die erst, als sie bereitß neben dem
Lenz stand, diesen ersah. „Aber Lenz, Lenz, was ist es
denn mit Dir?“ rief sie laut und erschroden aus es wor
die Susi vom Bergmeyrhof. J
Sie trug das verhüllende Tuch nicht mehr am Nopfe
und die Verunstaltung ihres Gesichts war deutlich ersicht⸗
ich, der Lenz aber sah nichts hiervon; als er mit einem
Blick, in dem die bittere Verzweiflung seines Herzens
tand, aufschaute, traf er in zwei unendlich mitladédo
chauende Augen, und er sah nichts wie diese. Von dem
vehen Anblick des Burfchen überwältigt, fank die Susi
im nächsten Augenblick auf die Kniee nieder z.das Glas
uind griff mit beiden Händen nach der Rechten des Lenz:
„Mein lieber Lenz, ja ha, Lenz, geht es Dir denn wie
ir? Bricht Dir Dein Herz fast vor lauter Leid und
Weh? Hat sie Dich g'Iassen, die Du so gern gehabt?⸗
Sie, die selber an gleichem Weh litt, fand aus ihrer in—
uigen Teilnahme heraus einen Ton, der dem Leuz ans
derz rührte wie eine liebe Hand.
Nein, ist ja meine eigene Schuld, und ich kann es
hr nicht verdenten,“ stieß er schmerzvoll hervor. „Aber es
greift mich halt an. als wie wenn es mir ans Leben
zing!“
Sie Sun nickte. Ja, so ist es! Gerad' so. Ich hab
zuuch gemeint in den ersten paar Stunden, sterben müßt
ch daran — und hab' auch gemeint, das wäre noch am
ꝛesten für mich! Und noch drückt es mir oft schier das
derz ab. Aber aufs Sterben denk' ich dabei doch nim⸗
mermehr. Man weiß ja gar nicht, ob man nicht noch
einmal wem von großem Nutzen sein kann. Und das ist
eine Freud', wenn auch eine sille. Und so wird es Dir
auch gehen, wenn Du die ersie Zeit, darüber bist.“ Sie
schwieg eine Weile und schaute erbarmungsvoll auf den
regungslos Verharrenden nieder, dann frogte sie, wieder
aus tiefster Teilnahme heraus: Und wo willst denn jetzt
hin? Was willst tuͤn?“
Er zugte die Schultern. „Ja, wohin? Das weiß
der liebe Herrgott! Und was ich tun will? Arbeiten und
alleweil arbeiten, daß ich, soviel es nur angeht, auf das
vergess', was hinter mir liegt.“
Da legte die Susi ihre Linke dem Lenz auf die
Schulter. „Du, was meinft, wenn Du halt die erste Zeit
bei uns bleiben tätst? Schaͤu, so viel Ardeit dätees ge⸗
ben bei uns! Ich hab' mich erst vollig hart gesehen, wie
ich angekommen bin daheim; und ich weiß mir frei nicht
zu helfen, wo aus und wo' ein. Ich merk' es, daß der
Vater schon eine lange Zeit nimmer Lecht gewesen ist, wie
er hätt' sein sollen, und daß alles so überflüchtig getan
vorden ist. Eine schleunige Hand und eine Umsichtigkeit
tät' not in der nächsten Zeit. Ich und gewiß der arme
Vater auch wären Dir von Herzen dankbar, wenn Du Dich
herbeilassen tät'st und hülfest mir eine Weil' wirtschaften!“
Der Lenz hatte vorerst heftig den Kopf geschüttelt zu
diesem Ansinnen; er hatte so recht weit fortwanden wol—
jen von der Franzi; aber die Susi ließ sich nicht abschrek—
en, sondern redele dringlich auf ihn ein — und endlich
tand er auf, nahm sein roles Bündel an sich und folgte
dem Mädchen zum Hause hin. Daß ihn mehr noch wie
die Reden der Susi ein heimliches Verlangen nach der
Nähe der Franzi zu dem Bleiben veranlaßte. dessen war
er sich nicht bewuß
J.
Und unterdessen ag im Buchenhofe die Franzi sehr
schwer krank darnieder. — Zu gewohnter Zeit war sie an
diesem Morgen aufgestanden und hatte kurze Zeit später
ihre Kammer verlassen. Die halb verschlafen gusfehenden
Dienstleute betraten gleich nach ihr die Wohnstube; allen
oran ging die Großmagd mit ber vollgefüllten irdenen
Suphpenschuͤssel. Der Lenz aber fehlte. Auf eine Frage
des Bauern, warum denn wohl der Lenz so lange saͤume.
erwiderte der zweite Knecht, daß er den Großknecht schon
n aller Gottesfrühe aufstehen und aus dem Hause geben
shäart: auriifankomimen är n