Full text : Dudweiler Zeitung (22.1909)

tr. 211. 23. Jahrg. * F —— — — A
JBVFMB SV 8* — 8 — ö
Ersheint —86 J— 597 8* 5 TR———
5 * JIIRRBEEZBE —— 3 I 8BBRBR
Aglich mit Ausnahme JIBREEEZS— * —— J 838382
— und Feiertage. — e e 26

Freistag 10. Sept. 60

Anzeügen
kosten 10 4 pro Gspaltig
Petitzeile.
auswärtige 15 4

Amtliches Publikationsorgan
Abonnementspreis —
onatlich 70 A frei in's ssir die BVürgermeisterei Dudweiler.
Haus gebracht,
jei der Post bestellt C 2,25
vierteljãhrl. Fernsprech⸗Anschluß Saarbrücken Nr. 69, 259 269 u. 126

Reklamen
253 4 pro 3spaltige
Petitzeile.
——— —
Bet Jahres⸗Abonnement
höchster Rabatt.
ucht allein unsere wissenschaftliche Ertenntnis gefördert, !det wird, leidet die BZarim an einer wanderniere, deren
ondern den ethischen Inhalt unseres Gemeinschaftsdaseins GExistenz der Leibarzt Dr. Botkin festgestellt hat.
zemehrt zu haben.
Den Weg, den sie gezogen, werden vermutlich, auch
venn das Polubuftschiff seinen Teil der Arbeit übernom⸗
nen, noch viele ziehen, und der Umtreis des „großen Na⸗
els“, wie die wortarme Eskimosprache jenen Punkt der
5rdachse genannt hat, wird sich bald weniger als ein
eues Sportgebiet, denn als ein unendlich reiches Feld
er wiffenchaftlichen Forschung erweisen, für die der Weg
»xsft aufgemacht ist. Darum ist uns — aller Stubenhocker⸗
eredisamkeit zum Trotz — nicht bange. Was wir erlebt
haben, war in jedem Betracht, wie schnell wir in unse—
len sorg⸗ und kampferfüllten Tagen darüber hinwegalei—
en mögen. eine garoße Begebenheit. T. B.
Volitische dviundschau.
Deutsches Reich. —
* Zur Frage der hypothekarischen Beleihung der Erb⸗
haurechte wird mitgeteint; daß dem Reichstage nach sei—
sem Wiederzusammentritt eine Denlschrift der Reichsre—
zierung über das Erbbaurecht unterbreitet werden soll, in
zer auch das WMiaterial verwertet wird, welches aus einer
hei den Bundesstaaten und Elsaß-Lonringen veranstalte⸗
en Umfrtage über die bisherigen Erfahrungen mit der
Inwendbarteit und der Beleihung des Erbbaurechts ge⸗
vonnen ist. Bekanntlich hat der preußische Landtag sei—
lerzeit die Regierung um eine gesetzliche Regelung der
Jeleihungsfähigkeit von Erbbaurechten ersucht, uni eine
linwendung der Rechte auch für kleinste Rentenaüter zu
rmöglichen.
* Zu den neuesten englischen Abrüstungswünschen
aßt sich die „Köln. Zig.“ anscheinend offiziös aus Berlin
bigendermaßen vernehmen: „Die Rede des englischen Mi—
usters Asquith liegt hier noch nicht im Wortlaus vor,
soch kann man auch so aus ihr entnehmen, daß Asquith
nit der Aeußerung: „Wir haben die Initiative ergriffen“,
uf die der Oeffentlichkeit bereits bekannte Tatsache hin—
euten wolte, daß über die Frage der Flattenabrüstung
rüher vertrauliche Gespräche stattgefunden haben. Ueber
en Inhalt der Gespräche sind weder in Deutschland noch
n England Veröffentlichungen erfolgt, und es soll auct
uicht völterrechtlichem Brauche entsprechen, daß Regierun—
zen über Aeußerungen vertraulicher und unverbindlicher
Natur, die zwischen befreundeten Regierungen stattgefun
en haben, der Oeffentlichkeit Mitteilung machen. Infolge⸗
effen müßten sich Erörterungen über die Gespräche auf
nbekanntem Boden bewegen, so daß für eine einwands—
reie kritische Behandlung dieser Frage keine Rechtsgrund⸗
aae vorhanden ist

Mit zwei Beilagen:
gonntagsblatt und Humoristische Blätter.

— 5

Der Nordpol.
Die Nachrichten über die Bezwingung des Pols, die
ins die letzten Tage brachten, haben ein merkwürdiges
Schicksal gehabt — sie brauchten einige Zeit, um sich die
Jemüter der Menschen zu erobern. Die erste kurze Meld—
ing von Frederick Cook wurde mit Zweifseln und Lächeln,
aft mit Achselzucken aufgenommen, von dem Laien sowohl,
zer an die plötzliche Erfüllung des grandiosen Strebens
nicht glauben, als von dem Fachmann, der seine tausend
unftmaäßigen Bedenklichleiten widerlegt sehen wollte. All⸗
nählich besiegte die Ruhe des zurückgekehrten Forschers und
die Schlichtheit seiner Erzählungen bei vielen den Skepti⸗
ismus Man wurde, nachdem man sich erst an den Ge⸗
anten der Ueberwindung des Pols gewöhnt hatte, ver⸗
rauensvoller. Nun kommt — ein wirklich märchenhaftes
Zusammentreffen — die Meldung von dem Erfolg des
mermüdlichen Peary, des zähesten aller Polfahrer, — und
zun ift es für alle Wett selbstverständlich geworden, daß
ie Eroberung des Pols vollzogene Tatsache ist. Die noch
ECoot nicht alauben wollen, glauben um so stärker an
peary; einer von beiden ist sicher dort „oben“ gewesen,
ehr wahrscheinlich aber alle beide. einer nach dem an⸗
eren.
In der Geschichte der Menschheit werden die Namen
Foots und Pearhs für immer einen Ehrenplatz einneh—
nen, so hoch und leuchtend wie der des Columbus und
enes anderen Cook, der der Enwecker des australischen
Festlandes gewesen, und viele Namen von Großen, die
seute glänzen und gepriesen sind, werden in wenig Jahr⸗
junderien verblassen und vergessen sein, wenn der ihrige
ioch wie ein Markstein aus der Flut der hingegangenen
deneration herausragt. So stark und tief ist die Sehn⸗
ucht der Menschen nach der Erxreichung dieses Zieles ge⸗
vesen, daß das Gedächtnis ihres Vollbringens unaus—
oschlich sen wird, — mögen der praktische Gewinn, die
visfenschaftlche Ausbeute, die politischen, die volkswirt
chaftlichen Konsequenzen auch vielleicht weit geringere sein
uis bei srüheren Expeditionen und anderen Entdeckungen.
Der Kampf um den Nordpol ist in der Tat das Rin⸗
gen um ein Ideal gewesen, und die tiefe Berriedig⸗
ung, die die Menschen aller Länder in diesem Augen⸗
düde erfüllt, quillt aus dem Frohgefühl über die Ver—
virklichung eines ihnen allen gemeinsamen Ideals und
mus dem Araftgefühl der Art, die den Beruf spürt, im⸗
ner neue Räisel, die sich vor ihr auftürmen, in gemein⸗
amen Mühen zu lösen. Man darf darum die Freude
ür ehrlich halten, die Coot äußerte, als ihm die erste
dunde vom Erfolge seines „Rivalen“ gebracht wurde, und
nan muß sich der Freude besonders freuen, die von Ge⸗
ehrten und Ungelehrten, von Freund und Feind auf der
zanzen Erde, soweit der elektrische Funke dringt, ob die⸗
es Sieges über das Unbekannte empfunden wird. Die
Freude äußert sich vielletcht nicht so stürmisch als in den
kagen, da Nansen, obwohl er fast um vier Breitengrade
»em Pol ferngeblieben, von seiner wunderbaren Fram—
ahrt zurückkehrte. Wir sind heute an das Wunderbare
nehr gewöhnt. Wir finden es selbstverständlich, die wei—
zen Siellen auf Landkarten und Globen heute in einem
Fahre rascher verschwinden zu sehen, als sonst in Jahr—
ehnten, wie auch unsere Schiffe zehnmal schneller den
Dzean durchsurchen. Wir wunderten uus schon nicht mehr,
As die Südpolforschung fast über Nacht einen unerhört
zroßen Schritt vorwärts tat, und die Eroberung der Luft
zurch die Riesenschiffe und die kleinen motorgetriebenen
Bögel hat uns fast mit dem Gedanken vertraut gemacht,
zaß wir eben dazu berufen sind, die jahrhundertelangen
räuine unserer Vorfahren, auf deren Schultern wir jetzt
tehen, verwirklicht zu sehen.
Das Ereignis der Polarentdeckung, mit wie ruhiger
Freude es auch hingenommen sein mag, wird nachwirken.
die tapferen und selbstlosen Männer, die den unbezwing⸗
aren Eiswüsten mit noch unbezwingbarerer Ausdauer ihr
heseimmis abgerungen haben, sind nicht, wie Ibsen einst
»on Nansen gesagt haben soll, die Vollbringer einer
Indianertat“, gewesen. Sie sind und bleiben unsere
Jorbilder und Erzieher, die uns den Gebrauch unserer
delsten Kräfte lehrten. Gleich der langen Reihe ihrer
Zorgänger, den Roß und Franklin, den Payer und Nor⸗
enstiid und den vielen anderen. bleibt ihnen der Ruhm
—

Griechenland.
* Die Dekrete, denen zusolge der Kronprinz und
Prinz Nikolhbaus zur Disposition gestellt wur—
den, sind jetzt veröffentlicht worden. — Der Kronprinz
weilt gegenwärtig in Deutschland bei seiner sich zur Zeii
in Cronberg befindlichen Gemahlin.
Serbien.
* Die türkische Regierung ließ in Sofia nachfragen, ob
ein Gegenbesuch rürkischer Offiziere genehm
wäre. Die Frage wurde bejahend beanwortet.
Marvkko.
*Aus Melilla wird gemeldet: Eine starke spani—
che Kolonne rückte gegen Morgen gegen Osten vor und
prengte mehrere Hauser der Quesdanas und der
Lehedaras in die Luft. Sodann wendeten sich die
Zpanier gegen Muley Ali Scherif. Der Befehlshaber der
Zpanier wollte dieses Dorf zerstören. weil dessen Bewoh—
ser an den letzten Kämpfen teilgenonimen haben, aber
aAle Bewohner des Dorfes, Männer, Frauen und Kin⸗
der, gingen den Spaniern mit weißen Bannern entgegen,
hoten ihrte Unterwerfung an und lieferten Waffen und
Nunition aus. Ein großer Trupp von Mauren aus Mu—
ey Ali Scherif unterwarf sich in Restinga. General Mia—
Ana wird die Unterwerfung annehmen, wenn die Wafs—
en von allen Mauren abgeliesert werden und letztere un—
weideutige Beweise ihrer Ausrichugkeit geben. Auch von
qOberst Carrea treffen gute Nachrichten ein. Er setzte sei⸗
den Marsch auf dem ünken User des Mulugu fort. Die
Naunrern unterwarfen sich, sodaß dieses an Algerien
renzende Gebiet schnell beruhigt sein dürfte. — Die in
Nuley Ali Scherif aufgestellten Batterien haben das Haus
es Kaids Chea, des einflußreichsten Agitators im Riff—
gebiet, zerstoöri und das Dorf Ulda Busit b eschossen.
die Maͤuren flüchteten sich nach dem Gurugu. Hierdurch
rtlärt sich, daß die Stellungen ichwerer angearifien wur
den als gewöhnlich—

Kaisergeburtstag in Dar-es-Salam.
Ein anmutiges Bild einer pamiotischen Festlichkeit in
Ostafrita entwirft ein in der Deutschen Tageszeitung ver—
offentlichter Aufsatz. Dort wird erzählt: „Es ist in Ost—⸗
afrika üblich, daß die deutsche Kolonie jeden Geburtstag
eines deutschen Landesvaters durch Zusammenkünfte in
Dar⸗es Salam festlich begeht. An solchen Tagen erhält
der Neger die zweite Tageshälfte frei. Es ist das eines
der Miltelchen, durch die man ihn mit der deutschen Herr—
schast zu versöhnen sucht. Da machen die Inder gute
Geschäste. Die Negerschönen vehängen sich mit allem nur
nroglichen und unmöglichen Flittertand, indes der Neger
jselbst seine gesamte Varschaft in Fusel anzulegen bemühl
bleibt. Wenn die deutschen verten ihre Festlichkeit begin—
nen, ist fast immer die ie der Negerschaft sinnlos be—
trunken, indes die audere Häaljte ihre Glieder in der „Go⸗
ma⸗ oder der „Ticheidanis“ — den wilden Kriegstänzen
der Stämme — verrentt. Als Beleuchtung bei diesen
Tänzen dienen Pechsackeln, de dem Ganzen ein schauer—
liches Ansehen geben. Das Ende der Tänze aber bilden
teils eben viehische Trunkenheit, teils geschlechtliche Or—
gien, die zu schildern alle gelegentlichen Beobachter sich al⸗
unfähig erklären.“
Ob das gerade die richtige Art ist, „Kaisers Geburts—
tag zu feiern“, möchten wir bezweifeln. Hoffentlich sind
di? deutschen Herren“ dabei etwas nücherner.

Oesterreich⸗ Ungarn.
* Kaiser Wilhelm traf in Ighau auf dem festlich
jeschmückten Staatsbahnhofe ein. Zur Begrüßung hatten
ich eingefunden: Erzherzog Franz Ferdinand mit Ge—
olge, der dem deutschen Kaiser zugeteilte Ehrendienst, Ge—
eraltavallerieinspettor, General der Kavallerie Ritter von
zrudermann, der Oberst des Generalstabskorps Hordliczka,
er Statthalter von Mähren Freiherr von Heinold, der
Stationskommandant von Iglau, Major Hermann und
der Bürgermeister Inderka. Kaiser Wilhelm in der öster—
teichisch ungarischen Generalsuniform entstieg dem Salon—
wagen und trat auf den Erzherzog Franz Ferdinand zu
ind begrüßte ihn überaus herzlichst. Nach der Meldung
es Ehrendienstes, des Statthalters und des Bezirks—
sauptmanns trat Bürgermeister Inderka vor und richtete
in den Kaiser eine Ansprache. Der Kaiser reichte dem
Zzürgermeister die Hand und dankte für den ireundlichen
Villkommaruß

Italien.
* Die Absage des Zarenbesuches ruft in Rom lebhaf
es Erstaunen hervor, obwohl die offiziellen Stellen ver—
chern, darüber noch keine Mitteilung erhalten zu haben.
Eorriere della Sera“ sowie „Giornale d'Italia“ meinen,
ie Krankheit der Zarin sei nur ein Vorwand. Jeden⸗
alls könne aber die sozialistesche Agitation nicht für die
bsage den Grund abgeben, da ja die Entrevue auf dem
Meere stattfinden solise — Wie iä Mefershra vemes

Der neue Chef der Horhsecflotte.
Zum Nachfolger des Prinzen Heinrich, der jetz.
Broßadmiral und Generalinspekteur der Marine gewor—
den ist, ist Admiral von Holzendorff ernannt
worden. Der neue Chef der Hochsec?totte steht seit 40
Jahren in den Dienst der Marne und hat sich wiederhol—

Im Buchenhof

nuuicen, va Buchenhos o bald wie mogltich zu ver—
'assen. Wie schwer ihm dieser Entschluß geworden, das
5 — die tief eingegrabenen Schmerzenslinien in seinem
esicht.
Es liegt ihm wie ein Mühlstein auf der Brust, wäh⸗
rend sie beimwärtsfahren.
5.
Der nächste Tag beginnt mit einem trüben, wolken⸗
erhangenen Himmel. Ein zuwideres Wetter für den Bu—
henhofer. Das Korn auf seinen Feldern ist vollreif und
ollte, je eher desto besser, geschnitten werden. Ratlos steht
eꝛr eine Weile vor einem Fenster der Wohnstube und sieht
hald zu dem Himmel auf, bald zu den fremden Schnit—
ern hinüber, die im Hofraum bei einander stehen und
darauf warteten, ob das Machtwort des Bauers sie zur
Arbeit befiehlt oder zum Aufschub auf ein besseres Wet—
er. Und schon ist der Bauer zu letzterem entschlossen, als
»er Großknecht unter der Stalltüre erscheint, einen Mo—
nent nach dem Wetter auslugt und dann zum Fenster, wo
der Bauer steht, näher herankommt. „Ich mein, Bauer,
s wird noch schön heut' — und wir dürfen es wagen,.“
ruft er herüber. *
Der Bauer nickt zu. In Gottesnamen, so geht ihr
's halt an!“
Ueber all die fremden Gesichter zieht ein freudiger,
heller Schein; — diesen ist die Arbeit noch eine Gottes—
jab', denn nicht allein die Nahrung, auch Ehre, Friede
ind Freude bedeutet sie ihnen, und einen untätig ver—
zachten Tag haben sie, „dem Herrgott abgestohlen.“ —
Zu zweien und dreien schreiten sie nun aus dem breiten
Einfahrtstor, und fröhliche Lieder klingen dabei aus all
den frischen und den heisern Kehlen:
Und 's Dirndl hat g'sagt,
Und sie hätt' mi so gern
Als wie von die Pfirscha
Und Kerschen die Kern',
Die Sakara Dirndle
So san s allesam,
Und erst recht foppen ss oam
Bald s' oam andandelt ham.
Zu Dir bin i gangen
ieber Heden und Bühl,“
AUnd zu Dir geh' i nimmer,
Du foppest mi piel

Schau, schau, wie 's tuat regnen,
Schau, schau, wie es giaßt,
Und Du derfst nöt mit mir reden,
Wann 's di verdriaßt.

Eine Antwort bekam der Pauli nicht.* Da lachte er
laut und fpotlend auf und entfernte sich endlich. Knapp
vor der Haustür fing der Bergmeyr Peter den Burschen
ab und ging mit demselben in die umere Gaststube pr
ein, in der zur Zeit nur ein aller stoktauber Knecht saß.
Eine reichliche halbe Stunde saßen die zwei da zusammen,
zifrig und heirlich miteinander redend. Danach ging der
Peter leise ili, t wohlgemner Miene dapons
Pauli aber osfneie As er ucein war, noch einmal sein
oraunledernes Drie ftäschchen und besah sich schmunzelnd
und gugenzwinkernd ein paar Fünferbanknoten, die drin⸗
gen stecten. So ein Geschäft, wenn ich ae Tagenmia—
hen lönnt — Herr Golt noch einmal!“ Und lachend,
Zrinsend schob der Pauli die Brieftosche wieder an ihren
borigen Plautz zurück.
Draußzen aber im Dunkel strich ein totenbleicher, zit⸗
lernder Mensch vor dem Hause hin und her und geitraute
iich nicht in das Zicht und unter die Menschen hinein, da
zwv fürchtete, sie möchien ihm sein Geheimnis oom Gesicht
herunterlesen, und — und — der Lenz ballle die Fäuste
und stieß einen Laut wie ein verendendes Tier aus —
Herr Gott im Himmel er wußte es ja, daß er dann fort⸗
In unter diesen Menschen da drinneuü nur wie ein Ausätziger
 leben würde — und die eine, die eine, welche ein
Herz hat, so golden, so rein und so gut, und eine dieb'
zu ihm hat, so tief und so fest. die ging vielleict da
an zu Grunde!
Der Lenz beginnt plötzlich zu rennen wie ein gehetz⸗
Tier und drügt die Fäuste gegen die Brust, in der das
Herz ihm wWüd hämmert so daß ea ihm hiet den
verlegt. Franzi, meine arme Franzi!“ stoͤhzt er immer
wieder schmnerzvoll hervor. Er kann ihr ja nicht mehr un⸗
ber die Nugen ireten dut eitem uhigen Gesche ruaue
mehr ihre Liebesworte anhoren, de vencat ihm vor⸗
konimt, als empfange er ein unrecht Gut. —
Als das Gefaͤhrt des Buchenhofers angefpannt wird,
—A Lenz still an der Mauer neben dem Ein⸗
fahrtstor und darct auf den Augenblidk, da seine Leute
us dem Gauf⸗ ireten werden. Er int 4u dem Enticheu

Zwoa schneeweiße Täuberl.
Und eins hat an Stern.
Und iatzt hat mein alter Schatz
Mi a' wieder gern.
Allmählich wurden die Worte unveiständlich, der viel—
stimmige Gesang tönte aber noch lange fort.
Drinnen in der halb dämmerigen Küche aber summte
eine weiche, traurige Mädchenstimme halb in Gedanker
leise nach: *
.... Und Du derfst ja mit mir nöt reden,
Wann 's di verdriaßtl“
Die Franzi lehnte an der Wand neben dem großen
Herde mit vor der Brust krampfhaft ineinander fest ver—⸗
chlungenen Händen. Und nun schlug sie die Hände vor
»as traurig erscheinende, blasse Gesicht und schluchzte fast
ichwer, tränenlos auf. Wie sie vorhin über den Hausflur
zur Küche gegangen und einen Augenblick unter die Haus—
lüre getreten war. da mar der Len« mit schwerfälligem

Schrikk an ihr vorübergesommen Sie hatte cufgeseheir ir
sein Gesicht, aber er tat, als s he er sie nicht; seine Au—
gen gingen an ihr vorüber wie die einesBlinden. Und
doch sah sie ein leidenschaftliches Aufflammen in den Au—
gen und sah es um den Mund zucken wie von einem tief
in den Körper einschneidenden Schmerz. Er boömerkte sie,
sie wußte es gewiß, aber — er wollte nichts reden mii
chr. Und warum nicht? Wollte er etwa den gestrigen Tag
zerlöschen aus seinem Gedächtnes. —
Sautlos, langsam, in den Füßen ein Zittern und
Wanken, harte sie sich in die Küche geschlichen und eine
Zeit lang wie wirr und betäubt dagestanden, bis die Me—
odie und die Worte, die sie vorhin gehört, in ihrem Ge—
dächtnis wiederkehrten und ihr so gut auf lie selber zu
dassen schienen; — nein, er brauchte ja nicht zu reden mit
ihr, wenn es ihn verdroßz! Sie dachte es, einen Augen—
lick erbittert, zornig, mit einem tief verletzten Herzen;
im nächsten Moment aber hatte ihre heiße Liebe alles wie—
der derziehen, und nur allein ein Weh itieg in ihr auf
—ãA2— 7 — — J
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.