paar wiro am Portal des Nathauses vom Ovberbürger—
meister und Bürgerausschußobmann begrüßt. Im Fest—
aale hält der Oberbürgermeister eine Ansprache, nach der
»em Kaiser aus einem Trinkgefäß des alten Silberschatzes
z»er Stadt Stuttgart ein Ehrenrrunk verabreicht wird. Die
Stadt hat zu den Veranstaltungen den Montag Nachmit-—
ag in Aussicht genommen, doch hat sich das Kaisetpaar
ezüglich der Zeit sreie Hand vorbehalten.
** König Eduard von Enaland ist von hier wie—
zer abgereift
Der schwedische Generalitreik.
Eine teilweise Einigung.
Durch die Intervention der staatlichen Vermittler
wischen dem Landes ekretariat und den Unternehmerver—
»änden außerhalb des Arbeitgeberverbands wurde ein
Bergleich geschlossen: Die Rufnahme der Arbeit er—
'olgt (heute) Montag, alle Maßregelungen unterbleiben,
ille Konflikste werden einem Schiedsgericht unterworfen.
der Arbeitgeberverband bleibt vom Sireil beiroffen.
Da nunmehr der Generalstreit beseitigt ist, beibt nur
ioch der Konflikt zwischen dem Svenska Arbetsg fvare—
oerening und seinen Arseitern übrig. Die Steiklleitung
jat den staatlichen Vertrauensmann gefragt, ob unter die—
en veränderten Verhältnissen eine Vermittelung durch die
Regierung zu erwarten sei. Dieser antwortete, er habe
die feste Ueberzeuzung, daß die Regierung die Ver—
mittelung übernehmen wolle, wenn der Ronflikt
mis die von Anfang an streitenden Parteien, nämlich auf
den genannten Arbeitgeberverein und seine Arbeiter, be—
ichränkt werde.
Die Arbeit wieder aufgenommen.
Die Arbeit wurde in den Betrieben, für die der
Ztreik aufgehoben ist, zum Teil schon am Samstag, spü—⸗
testens aber (heute) Moniaa aufgaenommen —
4 a* 4
Zur Vierpreisbewegung.
Mainz, 4. Sept. Da die hiesigen Brauereien die
Bierpreisermäßigung ablehnten, beschloß eine von etwa
3000 Personen besuchte sozialdemokratische Verianimlung,
den Bierkonsum einzuschränken.
Weißenfels, 4. Sept. Gegen die Bierpreis—
Erhöhung der Brauereien hier und in der Umgeb—
ing gehen die Gewerkschaften jetzt energsch vor. Sowohl
sjier wie in Naumburg und Zeitz ist in gutbesuchten so—
‚ialdemokratischen und Gewerkschastsversammlungen be⸗
chlossen worden, solange sich des Biergenusses zu enthal—
en, bis die Wirte wieder die alten Btierpreise einführen.
Görlitz, 4. Sept. Vier Görlitzer Brauereien setzten
die Bierpreise um 1 M. pro Hektoliter herab,
iachdem wegen der Preiserhöhung ein hedeutender Rück—
tang des Konsums eindetreten war
Der Reichstag bei „Zeppelin 3“
Friedrichshafen, 4. Sept. Der Einladung
»es Grafen Zeppelin zur Besichtigung des Luftschiffes und
eilweisen Mitfaährt sind mehr wie 200 Reichstagsabgeord—
nete gefolgt. Den Reichstagspräsidenten vertritt Geheim—
rat Dr. Paa'sche, vom Bundesrat werden u. a. Staats⸗
ekretär v. Delbrück, Ministerialdirektor Just, Staatssekretär
Dernburg erscheinen, sowie Vertreter der Städte Stutt—
gart, Konstanz, Friedrichshasen und Lindau und ein
Tei! der Deputation der Stadt München, welch' letztere
»em Grafen Zeppelin eine Urkunde überreichte, durch
velche er zum Ehrenbüraer der Stadt München
rnannt wird.
Friedrichshasfen, 4. Sept. Der Kronprinz
zat dem Grafen Zeppelin ein Telegramm geschickt, in dem
er ihn zu der glücklichen Heimfahrt des Luftschiffes be—
zlückwünscht und sich anerkennend über die Leistungen der
Luftschiffmannschaften bei der schwierigen Fahrt ausspricht.
Konstanz, 4. Sept. Um 94 Uhr. fuhren 120
Reichstagsmitglieder mit dem Sonderdamp—
er „Stadt Meersburg“ gegen Manzell. Die Stadt ist fest—
lich beflaggt. Bei herrlichem Wetter herricht sehr aroßer
Fremdenandrang
— —
Aus aller Welt.
*Graf Eulenburg verlobt. Dr. phil. Sigwart Graf
zu Eulenburg, der zweitälteste Sohn des Fürsten Eulen⸗
hurg, hat sich mit der bekannten Konzertiängerin Helene
Stegemann verlobt.
* Die Cholera in Holland. Immer noch fordert die
Lholera in Holland ihre Opfer. Schon wieder wurde ein
Todesfall an Cholera festgestellt, und sind somit seit 20.
August 12 Personen an der Cholera gestorben, wãhrend
zie Gesamtsterblichkeit in dieser Zeit 216 betrug. Vier
Personen wurden als geheilt entlassen, 16 befinden sich
noch in Behandlung, davon geht es dreien leidlich. Alle
n Beobachtung befindlichen Personen sind gesund.
* Ein „Ila“Ballon in Frankreich. „Petit Journal“
zerichtet aus Nantes, daß ein deutscher Ballon mit dem
Augenνιν Snaonioir Riedinger und iny Dr Urioi
— der Braut als Beistand dienen soltte Im zweuma
Wägelchen haiten der Bröutigam, die Franzi und der
Ldenz, welchen der Hannes zum Beistand gebeten, Platz
genommen. Tie eine, die noch vom Buchenhof mitgekom⸗
nen, niuußte in einem der andern Gefährte ein Platzchen
ür sich ausfindig machen. Das gelang ihr dem auch
ehr bald. Der Wegscheider Sepp, der eben als einer der
ehßten unter die Haustüre trat, hatte das ein wenig ver—
egen herumschauende Dirndl kaum bemerkt, als er auch
chon eilig heranstapfte und fragte: „Na, was ist's mit
dir? Findti'st vielleicht keinen Platz für Dich zum Mit—
ahren?“ Und als sie nickte, da griff er auch schon zu
ind hob das schmächtige Dirndl' in sein zwe dsitĩges
Wägelchen. Die Rosl sträubte sich freilich aus Leibes—
räften gegen diese widerrechtliche Beschlagnahme ihrer
bersönlichkeit, doch sie saß flugs oben, der Sepp neben
hr, und dahin ging es in einem Saus.
„Laßt mich nicht gleich hinunter, Du keder Kund'!
Gleich laßt mich hinuntert, Sepp! Ich bitt' Dich, um
alles in der Welt, laß mich vom Wagen!“ so zankte und
lehte das Dirndl mitten in das Rafseln und Rollen des
Befährtes hinein. Der Sepp tat, als höre er nichts.
MNit der Zunge schnalzend, und dazu mi der schönstieli⸗
gen Peitsche leicht um den Kopf des Goldfuchsen her⸗
imfuchtelnd, fuhr er dahin. Bis auf einmal ein leises,
jeftiges Weinen neben ihm erklang und er mit einen
ähen Ruck herumfuhr und dem Dirndl ins Gesicht
chaute. Ja, aber ha, Rosl, was treibst denn?“ fragte
r erschroken. „Bin ich Dir denn so zuwider, daß du
jar nicht mit mir fahren maast?“
„.Da brachte das Dirndl stoßweife unter sehr heftigem
Schluchzen, voll hellen Jammers hervor: Kein einziges
Dirndl hat, eine Ruh' vor Dir — hat d Loisi ⸗Mahm
Muhme) g'sagt — einer jeden steigst nach, und einer jeden
tust schoͤn! — Und eine Schand' wär' es schon — wenn
man nur ein einziges Wörtel mit Dir reden tät'! — Und
jetzt sitz' ich mit Dir allein auf Deinem Wagen — so ei—⸗
nen langen Weg! Mein Gott, was werden die Leut da
reden? 'leicht sagen sie, ich hätt' mich gern da heraui—
gesetzt zu Dir!“
In des Sepps Gesicht war, während das Dirndl
derart offen aussprach, wie die Meinung der Leute über
hun war, langsam ein duntles Rot gesüegen, und sein
Blick hing starr an dem Peitschenstiel, den er zwischen
den Findern berumdrehte Er sah vqus als (66668 —
rus Franfurt a. Wt. an Bord, 100 Wieser von der Grenze
nternt gelandet sei. Nach Erledigung der Zoll-Formali
äten wurde die Rückkehr nach Franktiurt a M. angeireten.
Die Kuh des Wtajors. Aus einer kieinen Garnu
on wird fotgende angeblich wahre Geschichte beriiet:
der Garnisonaästeste, bei dem die Fahne seines Truppen—
eils steht und dessen Haus deshalb von einem Posten
ewacht wird, hält sich für seine zahlreiche Kinderschar
ine Kuh. Das Tier weidet auf einem Rasenplatz vor
dem Hause. Eines Tages beklagt sich die Frau Maslorin,
aß ihre Kuh dauernd erheblich weniger Milch als früher
zäbe, und ertlärte das damit, daß das Gras auf der
duhweide von den Passanten zertreten würde. Die Schild—
vacht erhält darauf von dem Kommandeur den strengen
Befehl, daß außer der Kuh niemand die Wesdefläche be—
reten dürse. Bald darauf will die Kommandeuse eilig
iber den Grasplatz gehen, wird aber von dem Posten
ngesalien: „Nun, Mann, wissen Sie nicht, wer ich bin?“
Alles, was ich weiß“, entgegnete der aufgeregten Dame
er stramme Krieger, „ist, daß Sie nicht die Kubh des
zerrn Maiors sind HSerunter vom Gras!“*
* Paris, 6. Sept. Die Morgenblätter melden aus
Französisch-STudan: In etwa 120 Ki.ometer Entfernung
on der Oase Biima fand ein hestiger Kampfzwi—
chen einer Ableilung des Kolonialbatgillons von Zinder
ind Tuaregs siatt, wobei letztere völlig geschlagen wur—
zen, 7 Tolte, eine Anzahl Gewehre und 130 Kamele ver—
oren. Eine große Anzahl Frauen und Kinder, die von
enden Tuaregs geraubt worden waren, wurden befreit.
luf französischer Seite ist Leumant Domard gefallen. Die
dase Biema liegt auf dem Wege vom Tschade-See nach
ripolis, etwa 800 Kilometer nordwestlich von Zinder.
* Paris, 6. Sept Der „Matin“ meldet aus Athen:
die Situation wird wieder unsicher. Die Un—
erstützung des Ministeriums gegen die Theotokisten er—
cheint wieder zweifelhaft. Theotolis selbst wird aus Korfu
‚ier zurückerwartet und bei seiner Ankunft die Entschetd—
ing trefsen. Das „Amtsblatt“ veröffentlichte die zur Dis—
ositionsstellung des Kronprinzen und des Prinzen Niko—
aus, sowie eine längere Urlaubsbewilligung für die üb—
igen Prinzen.
Lissabon, 6. Sept. Der König wird seine ojfi—
iellen Antrittsbesuche in Madrid, Paris und London im
dovember unternehmen.
Kiel, 3. Sept. Die Kieler Arbeiterschaft beschloß in
ünf grohßen Versammlungen, die Wirte zu boytot—
ieren und sich des Bier⸗ und Schnapsgenusses voll⸗
ommen zu enthalten, bis eine Herabsetzung der Vreise
erfolgt ist.
Unverschämt. Viel ist schon über die Sitte des
TDrinkgeldwesens in Hotels, Cafes und Restau—
atlionen geschrieben und geklagt worden, indessen haben
»is jetzt aͤlle Bestrebungen nicht zur Abschaffung dieses
astigen Gebrauches geführt. Daß man in interessierten
dreisen durchaus noch nicht daran denkt, die Trinkgelder
u beseitigen, vielmehr bestrebt ist, den Gebrauch zu festi—
jzen und die Trinkgeldsätze in bestimmter, nicht zu niedrig
emessener Höhe fefstzusetzen und zu verlangen, davon legt
ine Berliner „Fremdenzeitung“ Zeugnis ab. In dieser
zeitung werden den Fremden die wichtigen Gebräuche
zerlins zur Kenntnis gebracht, und bezüglich des Trink—
elderwesens wird folgendes gesagt: „Jeder Fremde tut gut,
ich die hiesigen Trinkgeldergebräuche anzueignen. Man
ahlt in Wein- und Bier-Restaurants dem Kellner, von
»em man bedient wird, durchschnittlich 10 Prozent von
er Gesamtzeche, bei ganz kleinen Beträgen jedoch selten
inter 10 Pfgl; in großen Cafes wird dem ZahlteAner
twa 10 Prozent gegeben, und den Zuträgern von Spei—
en außerdem ein kleines Trinkgeld verabfolgt. Im Hotel
ibt man bei einer Rechnung bis zu 30 Mark zirka 20
zrozent, und bei Beträgen von über 30 Mark ca. 15
zrozent Trinkgeld; die sich so ergebende Trinkgeldsumme
erteile man an die Bediensteten des Hotels.“ Vielleicht
virkt dieser „gute Rat“ auf die Besucher Berlins anders,
As beabsichtigt wird, so daß die Einspruchsbewegung ge—
gen die jeßige Form des Srinkaeldermesens neue Anbän—
er erhält.
— Der internationale Gewerkschaftssongreß zu
Paris hat setne Arbeiten beendigt. Nach langen Debaiten
vurde der französische Antrag, die jetigen internationalen
denferenzen zu regelrechten Kongressen auszubauen, mit
illen ausländischen Stimmen abgele int. Man beischäft gte
ich jerner lange mit der Frage der Legitimatuonskarten
— B—
räge, die Angelegenheit vor die Haager Friedenskonferenz
der die Partamente zu bringen, wurden verworfen und
nan enigte sich schließlich auf eine Resolution, wesche for⸗
»ert, mit alten Mitteln auf die Abschaffung dieser Legiti—
nationskarten hinzuarbeiten. In Bezug auf die Bekämpf—
ng der Streikbrecher votierte man einen englischen An—
rag, der es aufs schärfste verurteilt, wenn während eines
roßen Streiks Arbeiter aus einem anderen Lande sich
inwerben lassen. Der deutsche Vertreter Legien wurde
aufs neue zum Morhandssefreftär gemäöählt
. wor sagte er rangsamen, seyr gedehnten Tones
A so reden die Leut' von mir? So arg haben sie mich
m Bandl, daß sie mich jetzt auch bei dit verschwätzt
saben? Ist doch fwilich nicht zu glauben! Weil ich ein
pack Dirndl ein wenig schön getan hab', jetzt soll ich
ine solche Nachred' erleiden? Und soll's erleiden, daß
ich ein ordertliches Dirndl zu Tod' schämt, wenn
nit mir beifsammen sein muhe: Eaha, was w ich?
vas tu' ich da? Wie stell' ichs nur an daß die Leut
ine bessere Meinung bekommen von mireie
TCFV ιεe in seiner tlaglichen Rede. Das
Zchluchzen neben ihm hatte schon seit einer Weil⸗ aufge⸗
ört. Und als er ein wenig später aufsah und fragend
as Dirndl anschaute, da sah er ihre hellblauen, noch
anennassen Augen schier mitleidig auf g gerichtet. —
Zanftmütig sprach er sie da an: Geh', Dirndl. gely,
deißt denn keinen Rai für mich, daß ich herauskosnn⸗
us derer Klemm'?!“ αιαα.α
Nur eine kurze Weile hatte das Dirndl dem Sepp
n die Augen geschaut, dann hatte sich ihr Blic scheu
uf ihre Schürze niedergesenkt, und da vlied derselbe
aften. Mußt halt keinem Ddirnde mehr schön tun!“ li—
delte sie endlich zaghaft. Nachher wird das Gered
hon wieder stili werden.
Der Sepp mochte gerade die Antwort erwartet ha⸗
en; er nicte. Ein leichtes Schmunzeln in den Zügen,
ugte er die Rosl ein wenig von der Seite an. Ja, das
st halt leicht geredet, aber viel schwerer getan/Na—.
Ddu, die Buß' ist mir doch ein wenig zu haͤrt, die lann
ch nicht auf mich nehmen
Ganz entsetzt blickte jetzt das Dirndl auf. Ja, aber
zeh', kommt Dich denn das gar so hart an. daß Du
die Dirndl in Frieden laßte!“
Der Sepp nidte mit einem schier schwermütigen Ge—
ichtsausdrud. Ist gewiß wahr, leicht nicht! Wenn ich
in sauberes Dirndl seh', nachher fängt sich mein Herzel
u rühren an und zittert und „bagatzt“, daßz mir ganz
otenübel wird; so lang, bis ich hingeh' zu dem Duͤndi
ind red“ auf eine schöne Weis' mit ihr. Nachher wird
nir wieder gut und 's kommt eine Freud' in mich, eine
inbändige! — Na, da weiß ich mir schon gar nicht zu
jelfen, was ich das ansteü iebtl Na. na. so was. aher
o was!e
‚Hinschauen tust nicht, wenn Du ⸗inem Dirndl
anι meinto die Maseiferae
(1) Der kälteste Punkt der Erde. Bsher nahm man
in, daß sich in der Nahe der Stadt Werscho anskt im
tordosten Sibitiens untert 66 Grad 8 Min.en. Br. der
zuntt der Erde befände, an dem die große Kälie bisher
emessen worden ist. Der russische VRNaler Wladimir Bo—
issow hat jedoch bei dem Ort Matotichkin auf der Insel
dowaja⸗Semlza, einen Behalter gefunden, in dem zwei
Thermomeier lagen, die der ösierreichische Gelehrte Höfer
ort zurückgelassen hat'e, als er im Jahre 1872 durch
diese Gebiete eine Forschungsreise unernahm. Die e bei—
en Thermometer — ein MNinimum- und ein Marimum
hermometer — zeigten, wie der „Gaulois“ berich. et, eine
kemperatur von —15 Grad und —70 Grad Celsius. Bei
znem Temperaturunterschied von 85 Grad ist dieser Punkt
ver Erde mithin de Stelle. an der bisber die größte
251te gemessen Wworden m
Verletzungen durch elektrischen Strom
verden durch die immer wachsende Ausdehnung elelrri—
cher Anlagen von Jahr zu Jahr häufiger. Im Jahre
906 sind in Preußen 43 Wenschen durch den elektrischen
Strom ums Leben gekommen. Die Art der bei den Un—
ällen entstehenden Verletzungen ist natürlich abhängig von
»er Stärke und Spannung des Stromes, aber ungünstige
Verhältnisse konnen unter Umständen einen sonst gefahr—
ofen Strom gefährlich machen. Bei einer Spannung des
Ztromes, die 250 Volt nicht überschreitet, werden nur
elten Unfälle schlimmer Art zu beachten sein. Das Ner—
jenfystem scheint am empfindlichsten gegen die Einwirk
ing des elektrischen Stromes zu sein, es treten Bewußt—
osigkeit, Krämpfe, vorübergehende und dauernde Lähm—
ingen auf, sowie Störungen in der Funttion der nervo—
en Orzane. Die Bewußtlosigkeit tritt meistens sofort
in, wobei trotzdem manchmal noch zweckmäßige Abwehr—
ewegungen gemacht werden. Sie hat Aehnlichkeit mit
er Gehirnerschütterung und hält wie diese manchmal nur
in ge Minuten oder bis zur Dauer von einigen Tagen
in. Erregungszustände und Erinnerungsjfehler stellen sich
ausig ein. In leichteren Fällen kehrt das Bewußtsein
ald zurück, der Verletzte erhott sich rasch und hat in kur—
zer Zeit die Folgen der Verletzung überstanden.
Da der menschliche Körper dem Strome einen Wider—
tand entgegensetzt, so wird bem Durchtritt des Stromes
Wärme enwickelt und zwar an der Eintriusstel'e und
der Austrittsstelle am stärksten, so daß hier nicht selten
Brandschorfe und Verkohlungen gebildet werden. Sehr
»t sind die Veränderungen keineswegs der Schwere der
Folgen entiprechend. Bei inniger Berührung eines blan—
en Kabe's mit ungeschützten oder gar seuchten Händen
ritt der Strom oft selbst bei tödlich verlaufenden Fällen
nden Körper ein, ohne eine Spur zu hinterlassen, dah.
hne das Gewebe an der Berührungsstelle nachweisbar zu
chädigen. Auch Veränderungen der inneren Organe las
en sich bei tödlich verlaufenden Fälsen häufig nicht nach—
veisen. Der Tod wird bei Unfällen wie auch bei den
lektrischen Hinrichtungen durch Herzlähmung hervorgeru—
en. Bei den ersten elektrischen Hinrichtungen hat es sich
sezeigt, daß eine Spannung von 1700 Volt bei guten
Zontakten nicht mit Sicherhet eine Atmungslähmung her
zorrufen kann. Auf die kurze Einleitung des hochge—
paunten Stromes von 18000 Volt scheint nicht mit Si
herheit den Tod herbeizuführen. Das wird erst erreicht
venn man die Spannung mehrfach wechselt von 18 606
uf 400 Volt und wieder zurück.
56. Katholikentag.
Bresltau, 1. Seprtbr.
Die dritte öffentliche Versammlung begann heuie schon
im 5 Uhr, denn es sind vier Redner vorgemerkt.
Kardinal Kopp erscheint auch heute wieder und leb—
haft begrüßt zum ersten Mal der Weihbischof von Gnesen—
Posen, Liko wski. Graf Ballestrem läßt sich
vieder zur Tribüne geleiten. Missionsbischof Giesen
»ersäumt auch diese Versammlung nicht. Die Masse der
Besucher ist nicht kleiner geworden und sie jubelt der Ver—
ejung des Papit- und Kaisertelearamms in dankbares
FIreude 21u.
Die Antwort des Papfstes.
Der Heilige Vater, sehr erfreut über die Kundgebung
des kindlichen Gehorsams und der Treue, welche die dort
ur 56. Generalversammlung in Breslau versammelten
datholiken Deutschlands durch ihren Präsidenten Herold
argebracht haben, wiederholt seine Wünsche, es möge die
generalversammlung die rechsten und besten Früchte brin—
gen und erteilt dazu allen Teilnehmern und jedem einzel—
hen als Pfand himmlischer Gnade aus ganzem Herzer
den apostolischen Segen.
Rom. 31. August 1909. Merry del Val.
Die Antwort des Kaisers.
Ich habe mich über die Begrüßung der dort versfam—
nelten deutschen Katholiken gefreut und danke für den
Ausdruck treuer patriotischer Gesinnung.
. Wilbelm Rerx.
ιαιαααπαιrO
5 RNa Vu, das gem nicht; ich muß schauen, od ich
will oder nicht.“ sagte der Sepp, den Kopf schüttelnd.
Jetzt wußte sich die Roslnicht mehr zu helfen mit
dem Ratgeben. Sie sann eine Weile still für sich hin.
das schalkhafte Lächeln, das um den Mund des lusti⸗
jen, strammen Burschen zudte, bemerkte sie gar nicht. X
inmal faltete sie ihre beiden Hände im Schoß und sagte
nniggläubigen, weichen Tones: Ich seh' es schon, ich
muß zu unserer, lieben Frau beien für Dich, auf daß
Dir die Dirndln nimmer so gut gefallen.“
Der Sepp wußte es nicht, war es die Frömmigkeit
ind Unschuld, der einfältig reine Sinn des Sirndls der
die zärtliche, liebevolle Befugnis, die in ihrem Tone lag
F — die gens giheet mu— verriet,
ͤber er fühlte unter dem Eipdrug der WBorte das siartke
Wohlgefallen, welches er Au der a halle —B ct
ie zum erstenmal gesehen, sich wandeln zu einer warmen,
iefen Lieb'. Er legte seine Rechte hinüber auf hre ge
alteten Hände. Na, Roserl, so darfst nicht beten, so
aicht! Das muß ein bisserl anders lauten,“ sagte er mil
eltsam rauh klingender Stimme. Merk auf, ich sag' es
Dir vor, wie Du sagen mußt: „Unsere liebe Frau, ich
bitt' Dich schön, mach', daß dem Sepp von die Dirndlu
uuf der Welt keine mehr g'fallt, nur die einzige gerad',
die ihm jetzt gar so wohl g'fällt, zu der soͤ ewig und
wig die aleiche Lieh' in seinem Herzen drinnen blei—
hen.“ —
Die Rosl ließ ihre Hände ruhig unter der Rechten
»es Sepp liegen, nur das Gesicht wendete sich nach ei—
ier Minute langsam herüber zu dem Vurschen und fragte
nit zudenden Lippen: „Ja, hast denn schon wieder Deine
Bedanken auf eine gerichtet?“
Der Sepp nickte ganz traurig. Ja, es laßt mir
jalt gar keine Ruh', siehst es?! Ich hab' es Dir ja ih'
chon gesagt, wenn ich halt ein schönes Dirndl vor mir
jab' —! Schau, die ganze Zeit, was ich da neben Dir
itzt, bagatzt mein Herz schier nicht zum Aushalten, und
Meweil übler und abgehender wird mir; schau mich doch
nur einmal an im G'sicht, ich muß ja so ganz kaͤseweiß
int Roserl. schau, gar so wohl g'fällst mir. aar
vons