Full text : Dudweiler Zeitung

At. 207. 23. Jahrg.

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naglich mit Ausnahme MMIIIIIä— 3 J 33 183—0
— und Feiertage. — — M — B —— —
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Montag 6. Sept. 09.

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Rußlond.
* Eine Petersburger Meldung des „Berl. Tagebl.“ mel—
det allerhand standalöse Vorgänge vom Petersburger
Hofe, die mit der Entlassung des Kabinettscheis des Za
ren, des Fürsten Obolensky, in Verbindung siehen
Fürst Obolensky, ein Jugenogespiele und Duzfreund des
Zaren, von Hause aus arm, aber eine durchweg anstän—
dige Persönlichleit, bekleidete seit drei Jahren das Amt
des Chesfs des kaiserlichen Kabinetts, wofür er ein Ge—
halt von 5000 Rubeln bezog. Fürst Obolensky riet dem
Zaren nun, seinen sibirischen Goldbergwerken zur Hebung
der Einnahmen eine andere Verwaltung zu geben, was
auch geschah. Die Einnahmen des Kabinetts stiegen, doch
ging dem Zaren vor einigen Tagen ein Bericht eines frü—
heren Beamten zu, in dem nachgewiesen wurde, daß das
System Obolensty wohl die Einnahmen des Kabinetts
vermehrt habe, daß das Kabinett aber im Laufe eines
Jahres um 40 Millionen Rubel bestohlen
worden sei, eine Angabe, die bei solcher Höhe der Sum
me selbst für russische Verhältnisse unwahrscheinlich klingt.
Daraufhin soll nun der Zar den Fürsten innerhalb vor
24 Stunden entlassen haben.
Persien.
* Es geht das Gerücht, an der türkischeserbischen Grenze
stehe eine neue Militär-Expedition bevor,
in kürzester Zeit würde eine große Militärmacht in Mitro—
vbitza konzentriert. Von hier aus sollen starke Streitkräfte
zuerst in die unruhigsten albanesischen Gegenden abgehen
Die türkische Regierung scheint entschlossen, jedwede wei—
ere Gärung in Albanien mit allen Mitteln schnellstens
zu unterdrücken und das neue Regime dort 31
festigen

Der Nordvol-Entdecker Cook.
Unser Bild stellt den kühnen Entdecker des Nordpoles
»ar, den amerikanischen Arzt Dr. F. A. Cook. Dr. Cool
jat sich seine Sporen als Forscher bereits im Jahre 1891
zerdient, wo er die Erpedition Pearys begleitete. Dann
hat ax aus der Jacht 2 Feilerpedition selbstän—
22

Fachmännische Stimmen über die NRordpol-Entdeckung
Die Londoner „Daily Mail“ weist in einem offenbar
auf fachmännssche Angaben gesrtütten Arike. auf eine
Reihe von Punkten hin, de in Dr. Coots bisher vorlie
genden Mitteilungen auffallend sind. Daß eine Exrpedition
in den Nordpol improvisiert werden konnte, hat visher
ür unmöglich gegoliten. Ferner sind die zurückgelogten
Distanzen in Anbetracht der Zeit enorm, die Märsche
wunderbar. Cookf hat seine zwei Estimos zu Taiten der
Ausdauer und Energie angeseuert, die man von dieser
Rasse nie erwartet hätte. Jeder seiner Hunde muß be
trächtlich mehr als 100 englische Pfund gezogen haben
— V
wurden. Obgleich weiter angegeben wird, daß beständis
Wind herrschie, sehlt in den bisherigen Angaben der se
wichtige Faltor der Windrichtung. Zwischen dem 30
März und dem 8. April hat Cook täglich fünfzehn Meilen
zurückgelegt, eine wahrhaft außerordentliche Leistung! Wie
er daun feinen Rückweg vom Pole fand, bleibt rätselhaft
Da die Sonne Tage lang verfinstert war, waren Beobach—
tungen unmöglich. Der Forscher war mithin bloß auf
den Kompaß angewiesen, den die meisten Reisenden als
einen ungenügenden Führer befunden haben. So wurde
Nansen durch den Kompaß um eine enorme Entfernung
von seinem eingebildeten Wege abgeleitet.
Prinz Roland von Bonaparte, der Prä—
sident der französischen Geographischen Gesellschaft, drückte
gegenüber einem Korrespondenten des „Daily Chronicle
feinen Zweifel darüber aus, daß Cook den Nordpol er—
eicht habe. Er erllärte, die Geschichte klinze ihm doch zr
amerikanisch. Er hoffe aber, daß Cook die volle Richtig—
teit seiner Angaben beweisen könne. Die „Jewish World
schreibt, daß Er. Cook, alias Koch, aus einer belannter
Frankfurter jüdischen Familie stammt.
Die amerikanische „Neuyorkt Times“ bringen einen
ängeren Leitartkel über Coots Nordpolentdeckung für so
rstäunlich, daß weitere Beweise abgevarteil
verden müßten. „World“ hatte eine Unterredung mit Dr
Hill. D'eser erklärte, Coot müsse erst das Instrument an
geben, mit dem er 83 Grad unter Null war. Bisher sei
—7— in physikalischen Instituten kein solches Instrumem
ekannt.

IMFAMCook,
der Entdecker des Nord poles
dig begleitet und sich 1883 als Organisator und Leiter
der „Mranda-Expedition“ bewährt. 1899 nahm er an der
helgischen Nordpolexpedition teil, ebenso 1901 an der
*ẽxpedition Peary. Er ist 45 Jahre alt und besißtzt eine
olossale Energie und Körperkrast

Marokko.
* Muley Hafid erteilte die forme le Zusicherung, daß
Züchtigungen in der von den Konsuln beanstande
ten Art nicht mehr vorkommen würden.
* Wie aus Fez gemeldet wird, sind alle Soldaten des
Roghi, die gefangen genommen waren, in Freiheit ge—
fetzt worden; sie wurden in verschiedene Bataillone ein
gereibt

Neueinteilung der Reichstagswahlkreise.
tleber die Schwierigkeit, die heutige Verteilung der
Reichstagswahllreise zu ändern, äußert sich Herr von Le—
vetzow im „Tag“. Bekanntlich sollte ursprünglich auf j
100 000 Einwohner ein Abgeordneter gewählt werden
Eine Vermehrung der Abgeordneten der heutigen Bevöl
kerungszensur enisprechend ist schon aus technischen Grün—
den unzweckmäßig. Wollte man also an der gleichen
Wäblerzahl jicsschatten, so würde ein Abgeordneter au
150 000 Einwohner tressen. Es würden dann noch mehr
erhalten Preußen 13, Sachsen 7, weniger Bayern 5,
Württemberg 2, Hessen 1, Baden 1, Elsafß⸗Lo hringen?
(al'o Süddeutschland 12), Wollte man aber dte heutige
Zahl der Abzeordneten für jeden Einzelstaat beibehalten
und nur innerhalb dieser die einzelnen Wahlkreise auf die
gleiche Kopfzahl aufbauen, so hätte man sofort die Un—
gleichheit. Der Süddeutsche würde höher bewertet wer—
den als der Norddeutsche. Im einzelnen ergebe sich für
Preußen folgendes Bild: Die Stadt Berlin würde durck
13. Abgeordnete, die Provinz Westpreußen durch 10, und
Schleswig-Holstein nur durch 9, die Rheinprovinz dage
gen durch 11 Abgeordnete vertreten sein.
Der Au'ssatz kommt zu dem Schluß:
Es kommt überhaupt nicht darauf an, ob jeder ein
zelne Wweler genau denselben Einfluß ausübt wie jeder
andere, soͤndern darauf, daß jeder Wähler sein Wahl
recht ausüben und dadurch sein Interesse am Staats
wesen bekunden kann. Es kommt vor allem darauf an
daß alle Teile des Staatswesens ihrer Bedeutung ent
sprechend zur Geltung kommen.

Skagen, 4. Sept. Dr. Coolk ist mit dem Damp
fser „Hans Egede“ angekommen. Trotz hohen Seegange«
gelang es einem Korrespondenten, an Bord zu kommen
Dr. Coot erklärte dem Korrespondenten, daß er von Grön—
land zunächst nach Westen, dann nach Norden vorwärts
geganen sei. Bei der Abreise von Grönland hätten ihn
zehn Eslimos begleitet, diese habe er paarweise umkeh—
cren lassen, so daß zuletzt nur noch zwei Eslimos bei ihm
gewesen seien. Am 21. Alril, 7 Uhr morgens, habe er
den Nordpol erreicht, was er mitags 12 Uhr
zurch Messungen festgestellt habe. Schon in den letzten 14
Tagen vor der Erreichung des Nordpols und acht Tage
nachher habe er Messungen vorgenommen. Er habe am
Nordpol kein Land gesunden. Die Meerestiefe habe er
nicht gemessen, da ihm die nötigen Instrumente gefehlt
hätten. Die niedrigste Temperatur während
der ganzen Reise habe 83 Grad betragen. Am Nordpol
habe er die amer kanische Flagge aufgepflanzt. Die Er—
sfolge seiner Reise schreibe er dem Umstande zu, daß er
die alten bekannten Hilfsmittel, nämlich Estimos und
ihre Hunde, angewandt und völlig als Eslimo gelebt
yabe. Die Expedition habe ungeheure Leiden und Ent—
behrungen durchgemacht. Die Reise zum Nordpol habe
drei Monate, die Rückresie neun Manate in MAninpruch ge—
iommen.
Skagen, 4. Sept. Der „Daily Erpreß“ meldet aus
Skagen, daß Dr. Coot eine Anwwort an die Kritiker vor
bereite, die ihm nicht glauben, daß er den Nordpol ent
deckt habe. Dr. Cootk hat in einer Unterredung an Bord
des Dampfers „Hans Egede“ ertärt, daß er unter dem
Flaggenmast am Nordpol einen kurzen Bericht über die
Erped tion veriraben habe. Weiter er lärt er, in den
Nächten Schneehütten gebaut und eine Kälte von 83 Grad
Fahrenheit festgestellt zu haben

Politische Rundschau.
Deutsches Reich.
* Eine der ersten Vorlagen, die den Reichsstag nad
einem Zusammentritt im Spätherbst beschäftigen wird
dürsten Nachtragsetats zum Reichshaushyalts
etat für 1909 und sämtliche Einzeletats sein. Diese wer
den erforderlich durch die neue Reichsbesoldungsordnung
der bekanntrich rüchkwirkende Kraft vom 1. April 1908 ab
zegeben ist. Es werden daher in den ordentlichen Etate
die Besoldungserhöhungen für 1909 und tin den außer
ordentlichen die Nachzahlungen für 1908 enthalten sein
Die zuni Teil bereits zur Auszahlung gelangten oder ir
der nächsten Zeit zur Anweisung gelangenden Beträge sint
ja vom Reichstage bisher noch nicht bewilligt. Di—
Reichsregierung ist jedoch vom Reichstage ermächtigt, ev
im Wege des Kredits — durch Ausgabe von Schatzan
weisungen oder Aufnahme von Reichsanleihen — die für
die Gehaltsnachzahlungen erforderlichen Mittel zur Ver—
jügung zu. stellen. Um welche erheblichen Summen es sich
dabei handelt, geht aus der Tatsache hervor, daß alleir
die fortdauernden Mehrausgaben der Heeresverwaltancç
sich auf annähernd 20 Millionen belausen. Durch den
Nachtragsetat zum Reichshaushaltserat für 1909 wird
ferner auch die Regelung der gestundeten Matrikularbei
räge aus den Jahren 1906 bis 1908 in einer Höhe vor
144 Millionen vorgenommen werden, die edenso wie die
Fehlbeträge aus den Jahren 1907 und 1908 durch das
Finanzgesetz auf Anleihe übernommen sind, deren Tilgunç
jährlich mit mindestens 1,9 vom Hundert vorzunehmen ist
* Zur Frage der Rehabilitationbestrafter
Personen hat die badische Regierung in den letzten
Tagen eine wichtige Anordnung getroffen;: sie hat die Auf—
ächt über die vorläufig entlassenen Straf
gefangenen und die unter Polizeiaufsicht stehenden, nicht

— —— ——
Heer und Flotte.
** An dem Besuch des Kaisers auf dem Rat
haus in Stuttgart veteiligt sich auch die Kaifse
rienn. Die Feier wird enuprechend dem Wunsch des Kai
serpaares in ganz einsacher Form gehalten. Das Kaiser
auf in ihren helbraunen Augen wie mhewer, stum⸗
mer, banger Frage. J
Und in den Augen des Lenz wohnte eine namenlose
Traurigkeit — in der nächsten Sekunde wandte er sich ab
und sprang auf den Kutschbock hinauf.
Im Hinterlehnergute war die Wohnstube schon voller
Leute, als der Bräutigam und seine Begleiter ankamen.
Auch der Bergmeyr Peter, der den Zubräutigam, heute
machte, befand sich unter den Leuten. Die Franzi hatte
denselben seit den Johannistag nur auf, dem Kirchgang
hin und wieder gesehen, sie halten kein Wort mitsammen
gesprochen seit jenem Abend. Nun ging sein Blid so—⸗
zleich zu ihr, als sie eintrat, und ein sähes leidenschaftli—
Hes Aufflammen in seinen Augen bewies, daß seine Liebe
für sie die gleiche geblieben. Die Franzi, kümmerte sich
nicht um ihn, uͤnd als er dann vor sie hintrat und ihr
die Hand zum Gruße entgegenstrectte, da besann sie sich
erst eine Weile, ehe sie ihre Rechte in die seine legte.
Für den Peter war dies Zögern, als hätte eines mit starlem
 Atem in das Feuer seines Innern geblasen. Eine
jähe Zornesröte stieg ihm bis zur Stirn unter das Haar
hinauf. „Bist eine trotzige Dirn!“ sagte er halblaut und
drohend.“ „Aber wart' nur, Dein Trotz, der kann noch
zusammenfallen als wie ein Haus, das keinen sesten Un—
tergrund hat. Ist noch nicht der letzte Tag heut, wo wir
beifammen sind, mein' ich!“
Unwillig entzog ihm die Franzi die Hand. „Gilb
mir einen Fried', nachher kannst meinen, was Du willst,“
sagte sie kalten, abweisenden Tones.
Der Peter halte ein Lachen voll Triumph als Ant—
wort. „Na, heute sind, wir nicht gleich fertig, wir zwei
miteinand'“ NAuf den heutigen Tag gehörst mein', weißt
es ja so, daß ich Zubräutigam bin, und da hab' ich heur
ein Recht auf Dich. und ich muß gefragt werden, wenn
einer tanzen will mit Dir.“
„Abh, das gilt nichts, 's ist der Vater bei mir, und
ich fiell' mich unter seinen Willen, nicht unter den Tei—
nigen,“ versetzte die Franzi mit fester Entschiedenheit.
„Ah beileib', ich laßs mir mein Recht nicht nehmen!
Dein Vater weißz den Brauch von da herum, und der
hält sich nicht auf dagegen. So kannst nichts machen.“
Und lachend wendete sich der Peter ab und trat zu einem
der Umstehenden. Gleich darauf wurde abgefahren — in
den nächsten Markt zur Kirche. Im ersten Wagen saßern
MNofenß vehen dor Mraurt nd dent Miho *

Im Buchenhof

— — — — —— ——
wre micy anzuy Tauen. Sab' non nixts deniertt, des er
sich gar so viel um mich künmern tät'!“
„Nicht?“ fragte die Magd lachend. Ach geh, tu sich
die Franzi nicht gar so ver elhlen! Wir vien es ja doch
alle, daßz der Lenz nur für Dich Augen dat. Erst gestern
n der Nacht hab' ich ihn gesehen, wie er unter Deinem
dammerfenster langmächtig gestanden ist und hat alleweil
hinaufgeschaut. Da kannst nichis reden dagegen, der ist
in Dich verschossen wie nicht leicht ein anderer.“
Die Frarizi schien es der Magd überlatlen zu wollen,
in ihrem Elauben zu beharren oder davon abkommen zu
vpollen, sie sprach nicht ein einziges Wort. Doch aus
dem Spiegel schauten ihr mit einenmal ein VPaar Augen
entgegen, die plötzlich einen viel helleren, goldigen Schein
halten als wie eine kleine Weile vorher.
Umen in der Stube warteten der Vaner, der Lenz
und die Rosl, die mittlere Dirn, ouj die Sorustochter.
Und als diese in die Stube trat,. eigen lieblich anzusehen
in ihrer prächtiaen Gewandung, mir dem gello. duen, Jeyr
schweren Seidenkleid, der vielreihigen, silhernen Halstetté
und der glißernden Gotdhaude augeten da legte der Lenz
die Hand uüber die Rugen und em tieser, bedrückker Atem—
zug entraug sich seiner Biujt.
ug Der e ee aber schaute aut “olz auiteuchtendem
Blick auf seine Cochter und minte. . Tarnet, Gott gesegne
Dich in Teiner Saubert-nt nnne jich heut nient faht
zerreißen, die Buben, um Tich, nachher haben sie pures
Wasser im Leib ansjtatt Blut. 's wird Dir nicht schaden,
mein Reden und meine Freud' mit Dir!“
Was die Franzi darauf sagte, davon hörte der Lenz
nichts, denn er war eilig an dem Mädchen vorbeigeschrit
en und stand im nächsten Augendblick in dem weiten Hof
aum draußen neben dem Wägelchen, welches den Bräu
rigam und die Hochzeitsgätte vom BWenhof vorerst zu
Behausung der Braut bringen sollte. Mit rascher Hand
nahm er die blaue, halb verschobene Decke vom Rücken
—
neuem über und strich die Falten glatt, so daß die Decke
oben saß wie angewachsen.
Als die sFranzi in das Gefährt stieg und der Lenz
ihr dabei ein wenig half, damit das schwere Seidenkleid
richt so sebr zerdrückt wurde, trafen sich die Blicke der
deiden. Mit fast zärtlichem Ausdruck schaute die Franzi
rĩit 4uf den hiibschen Nürsichen nieder dann blißde ⸗383

Der Hannesvetter vom Buchenhok — sein Name war
eigenilich Johannes Aigney — hielt helte, am J. Sonntag
nach Jatodi, seine Hochzeit. Er hatte seit Jahr und
Tage um eine saubere Wittib, die Besitzerin des sogenann—
ten Hinterlehnergutes — gefreit, jedoch bisher mit der Hei—
tat warten müssen, da der Buchenhofer keinen Ersatz für
den tüchtigen, braven Burschen gefunden, der schon seit
seiner Jugendzenn auf dem Buchenhof meilte, zuerst als
Hüterjunge, bis er allmählich zum Großknecht vorgerüdl
war. — Nun hatto er es sich ein gemacht, seine Herz—
allerliebsite heimzuführen. Sie war auch voll Freude
gewesen, seine Resti, als es ihr die Botschaft gebracht hatte,
es wäre auf dem Buchenhof ein neuer Knecht eingestan—
den, der dem Bauer überdus gut passe anstatt seiner —
und somit wäre die Zeit da. wo er Ernst machen könne.
Die Franzi mußte die Zubraut machen; so war es
iange vorher schon bestimmt worden. Da stand sie nun
in der schönen Stube, und die Juli, die Großmagd, legte
eben den langen Rosmarinzweig um die breiten, am Hin—
terkopf aufgessedten Flechten. Dann nahm sie behutsam
die schwere, funtelnde Goldhaube von der bunt bemalten
Truhe auf und hob sie auf das june Mädchenhaupt. Die
Franzi rücktte diefelbe auf dem Kopfe zurecht his *e
einen guten Halt gewann.
Wa, bist Du aber ein schönes Dirndl, Franzi!“ brach
die agd in heller Bewundeeung aus. „So ein Gesichterl
und welch' feines, das paßzt gerad' zu der Goldhauben!
da muß sich eine jede versteden, wenn Du kommst! Deine
Jaänzenden Augen und die vielen Goldplatterln auf der
dauben, das funkelt ja, das eines freili blind werden
uß.“ Und schalkhaft lächelnd, aber ganz harmlos spre—
chend, fügte sie hinzu: „Da darf sich der Lenz schon ein
Paar gute Augen mitnehnien, mein' ich.“
.Wenn die Juli erwartet hatte, daß die Franzi ein
bischen rot werden und verlegen dreinschauen würde, nach
diesen Worten, so sah ne sich getäuscht. Die Franzi, bog
ich nur ein wenig weiter gegen den kleinen Handspiegel
der sich auf der Truhe befaund, vor und sagte dann ruhig
J 0—der hot was anderes u ftun 317
            
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