Jokales.
Voraussichtliche Witterung: Vocerst noch stellenweise
diederschläge.
Ordensverleihung. Von Sr. Mojestät dem Kuser
st den drei aliesten Mitaliedern des Freiwilligen Feuerwebr⸗
orps das Allgemetne Ehrenzeichen verlicehen wordenr. Es
ind dies Maschinenwärter Huy, Schuhmachermeister Pälchen
und Wiegemeister Raith. Die D korieiten gehören dem Feueir⸗
vehrkorps seit 40 Jahren an.
Bierfrage. In dieser Sache ist, laut Anzeige in der
zeurigen Nummer, auf nächsten Sonntag eine Volksversamm⸗
lsung auf dem hiesigen Maiktplatze angesttzt.
Es ist nicht alles Gold was glänzt. Eire seltame
Rolle spielt die Firma Krupp in Essen anläßlich der
Bierpreiserhöhbuno. Wie bekannt, hatte die Fama auf ihrem
Werk, ihren Kantinen und ihren vielen Kor sumanstalten den
zlaschenbierpreis pꝛo Flasche von 14 auf 17 Piennig erhöht.
Dabet spekulierre die Firma bei gleichem Abfatz wie früher
uf einen jährlichen Mehrgewinn von 75000 bis 100 000
Mark. Die Sache ist aber dank der Einmütigkeit der Ar⸗
»eiter anders ge ommen. Die Verkaussstätten behielten ihr
Bier und der Bireroerkauf versagte vollständig, sodaß m
„anzen kaum täglich 30 bis 40 Flaschen verkauft wurden.
Xls Ersatzmittel kauften die Acbeiter nun Selterswasser,
das für 5 Pieunige die Flasche zu haben war. Jetzt hat
die Firma Krupp durch Anschlag verkündet, daß sie den
Preis des Selterewassers auf 10 Pfennig herabgesetzi habe,
aim den Schaden, dien sie durch den verringerten Bierkonsum
;zxlitten hat, wieder zu decken. Man zwingt also die Arbeiter
sum Alkoholgenuß! Die Eibitterung der Arbeiler in begrrif—
icherweise sehr gioß.
Vom oberschlesischen Kohlrumarkt berichlet die
Hreslauer Morgenzettung: In der allgemein günsiizen Ver—
'assung des obeischlesischen Kohlenmarktes ist kaum eine Aen—
)erung eingetreten. Einzig ern ähnenswert wäre, daß sich der
Abruf in Stück⸗ und Würfelnußkodlen wie auch in den
nöberen Nußkohlensorten täglich vermehrt hat, je näher der
l. September heranrückt. Nachdem dle von da ab gültigen
Winterpreise für diese Sorten herausgekommen sind, die sich
wischen 2 bis 3 Pfig. pro Zentner höher als die Sommei—
zreise stellten, hat man vielseitig noch schleunißgst den Wunter
»edarf aufgegeben, teils mit, letls aber auch ohne Eifolg
e nachdem die betreffendenGruben den in Frage kommenden
Zortimenten mehr oder weniger mit Aufträgen besetzt waren.
Der Absatz von Industriekohlen konnte noch keine Erhöhung
fahten. Es ist ja nicht zu verkennen, daß der Bedarf
pieler Industriezweige, so zum Beispiel der Ziegeleien, hierin
ich gehoben hat, daß auch seitens der Zucke cfabriken beeits
ansehnliche Anspiliche gestelt worden sind, dtie Haup bestell⸗
ingen kommen eist in den nächßsen Monater, nichtsdestoweniger
nacht sich ein Mehibedaif der heimischen Ir dustrie nur sehr
angfam bemerkbat. Dieser Umstand, in Verbindung mit
zen allenthalben noch recht großen Beftänden der Gruben in
dein⸗, Gries und Siaubkohlen hat in interessierten Kreisen
ine wirklich freudige Stimmung mmer noh nicht aus—
ommen lassen. Der Export nach Oesterreich, Uugarn nameni⸗
ich in Industriekohlen, ist weiter recht stattlic gebieben, und
war derart, daß vorübergehend wieder einmal die Annahme
von Frachten seitens der Kaschau⸗O erberget Bahn für
cinige Tage eingestellt werden mußte. Da auch die Ausfuhe
nach Russisch-Polen sich langsam zu heben beginnt. was wohl
nit der besseren Verfassung des dortigen Eisenmarktes zu—
ammenhängt, und zudem auch jetzt mehr denn je beiecchtigte
doffnungen vorhanden sind, daß die Gesundung des deutschen
cziseomarktes, und damit ein größerer Kohlenverbrauch
angsam vor sich geht, so läßt sich die Lage des Kohlenmarktes
les in allem wieder vorteilhafter beurieilen. Fraglich er—
ch int es allerdings, ob die vorhandenen Bestände voch in
»resem Jahre in den Verbrauch übergehen. It dem Absatz
jon Gaskohlen ist noch keine merkliche Besserung einzetreten,
benso wie der Absatz von Kokskohlen weiter auf Schwieria—
eiten an kämnfen ho:
Aus Nah und Fern.
CKamphaufen, 2. Sept. Von den Verunglückten sind
ie Leichen von Hermary, Bilawany, Nikolaus Breuer und
Johann Vogel geborgen. Die Leichen der übrigen vier hofft
nan bis Freitag mittag zu bergen. Alle waren noch junge
Leute, der älteste 33, der jüngste 21 Jahre. 2 walen vei⸗
eiratet. Die Bühne ist 90 Meier abgefiürzt.
Saarbrücken, 2. Sept. Oberleutnant Gottschow vom
zuf.-Reg. Nr. 70 hat sich mit Cyankali in seiner Wohnung
vergistet. Er hat sich an einem 14jährigen Madchen ver⸗
sangen und sollte verhaftet werden
Berdruß und ueverauntgreit. Der Xruig vemerrte es wohl;
und als sie den andern eben nicht ganz nahe waren, sagte
er halblaut: D' Franzi macht aber heut ein völlig un—⸗
gutes Gesicht! 'leicht muß ich mir denken, Du wärst bös,
daß ich da neben Deiner geh' und nicht ein anderer?!“
Die Miene der Franzi wurde noch unwilliger. Ein
anderer? Was meinst denn da mit Deiner Red' jetzt?“
Der Lenz schaute sie ernst und groß an. Und wie
eine leise Traͤurigkeit klang es aus seiner Stimme. ‚Was
ich mein'? Ich hab' halt gehört, daß ein Bergmeyr Sohn
Dir so viel schön tut. Daß er Dich gern möcht'“.
Die Franzi erwiderte nichts darauf; schweigsam, mit
gesenktem Kopfe, ging sie weiter. „Ist es nicht wahr,
zas?“ fragte da der Lenz plötzlich heftig. Da nicte sie.
Freilich! freilich ist es wahr. Er möcht; mich ja
gern, aber ich kann mich alleweil nicht entschließen dazu!“
MNicht? Und wegen was nicht, Franzi?“ fragte er
jeftiger wie zuvor und neigte den Kopf zu ihr weit hin—
iber, um ihr gut in die Augen sehen ukönnen. Maait
hn !leicht nicht gut leiden?“
Das Mädchen schüttelte den Kopf. „Er ist mir gerad'
nicht zuwider, ah na; aber ich mein' halt, es sollt' mich
un dem, den ich heiraten soll, doch ein wenig mehr hin—
ziehen wie zu einem andern Menschen. Sonst hab' ich
a kein Glück und keine Freud mein ganz' Lebtag in der
Eh'! Und mich zieht halt nicht ein bissel richtige Liehb⸗
zin zum Bergmeyr Peter.“
Die Worte scheinen eine Freudenbotschaft für den
Lenz zu bedeuten, denn sein Gesicht verklärt sich förm⸗
iich. Sein Blick haftet in einem fort an dem Gesichte der
Franzi, leuchtend ind aus weit offenen Augen. Noch mehr
neigt er sich ihr zu. Und — und magst 'leicht einen an—
dern lieber, Franzi? Sag' mir's aufrichtig! Oder — —
oder bist vielleicht zu stolz, daß es gerad' ein reicher, an⸗
desehener Bauerssohn sein muß, den Du nimmst? Ha,
wenn der nur ein armer Knecht wär', den Du möchtest,
was wär' es nachher? Tätest da Deine Lieb' verleugnen,
ha.“ —VVVVDDDDD—
Immer leiser, aber immer leidenschaftlicher klingend
war seine Rede geworden; aus seiner breiten, kräfligen
Hrust drangen rasche kurze Alemstöße, die heitßz über ihr
vesicht hingingen Mehr aber, wie das alles verkündeie
ner Blidk seiner Augen die leidenschaftliche Empfindung,
in 743— KRir dse shiähe MAßnHon aAn srine (AAtito Repec—
Saarb rücken, 2. Septi. Gestern abend fand beim
zerrn Bürgermeiter Mangold eine Besprechung siatt, um
en Maureistreik, det nun 14 Wochen wmährt, beizulegen.
Vie es hetßt, hatte die Konferenz kein Ergebnis, da die Ar—
eitgeber an der Besprechung sich nicht beteiligter.
* Merlenbach, 27. Aug. Die Bettinger Mühle ist seit
urzemein den Besitz eines rheinischen Fabrikbesitzers über—
egangen, der außer der Wiederaufaahme des Mühlenbeteiebes
eobsichtigt, das große zugehörige, direkt an den Bettinger
züterbahnhof gelegene Gelände durch Ebaunng von 14
Vohnhäusern und Anlage eiges größeren Dampfsägewerkes
ind einer Sp zialfabrek auszunutzen. Meilenbach mit seinem
zroßen Kohlenreichtum und seiner günstigen Lage an dem
zsenbahnnitz geht ohre Zweifel einer schnelleun iudustciellen
ẽntwichlunm entgeger.
eHamm, 2. Sepi. Auf Zeche Radbod wurden im
Zdaufe des gestrigen Tages weitere 6 Leichen geborgen. Die
zeerdigung findet morgen vormittag auf dem Friedhof in
Fzövei statt. Die Aufräumungsarbeiten auf der zweiten
zohle sind nahezu beenden. Man arbeitet bereits in Quer⸗
hlägen unterhaib der Sohle. Mit der Sümpfung der
ritten Sohle dütrfte in kurzer Zeit begonnen werden.
Recklinghausen, 2. Sep. Einen niederträch igen
Streich begig der auf der Zeche Ewald Foristtzung beschäf⸗
igte Bergmann Sluwen⸗ki. Um von der Zeche Voͤrschaß zu
rhalten, verfiel er cuf den Gedanken, seine Tochter sterben
uu lassen. Flugs ging er zum Standesamt und meldete
ort sein Kind als an einem schweren Nervenfieber gestorben
in. Mit der ihm ausgebändigten Urkunde begab er sich zur
Zeche und erhielt den gewünschten Betrag. Sehr bald stellie
ich die Fälschung heraus, von der auch die Polizei Kenninis
rhielt. Der Mann hatte vor einiger Zeit in ähnlichem
eine Ehefcau „steiben“ lassen; damals wurde er von der
zirafkammer Bochum für tängere Zeit hinter die schwedischen
zardinen geseßt
Jelegramme.
Cöln a. Nh., 3. Sepi. Der umfangreiche Pionier⸗Pon⸗
on⸗Schupoen ist abgebrannt. Die Flammen schlugen kirch⸗
urmhoch Das Feuer sprang nach Deutz über, woselbst ein
zaus und viele Dachstühle eingeäschert wurden.
Nürnberg, 2. Sept. Nachdem der Z. 3 kurz vor 1
Uhr Bayreuth passiert hatte, fuhr er in der Richtung nach
sürnberg weiter. Z. 3 erichien um 3 Uhr 10 Min. von
Zräfenbera kommend über der Stadt. Er nahm seinen Weg
iber die Burg und kreuzte längere Zeit in ziemlich niedriger
Fahrt über der Stadt, wobei man jah, daß die Ansassen der
Zondeln dem zahlreich auf den Straßen anwesenden Publikum
nit Mützen und Tüchern zuwenkten. Das Publium brachte
zeg eisterte Hochrufe aus, als es des Luftschiffes ansichtig
ourde. Das Lufftschiff setzte ohne zu landen die Fahrt in
er Richtung nach Schwabach fort. Sänilliche vier Propeller
irbeiteten, wie man deuillich sehen konnte, völlig tadellos.
Ulm, 2. Sept. 7,465 Uhr passierte 8. 3 unsere Siadt.
Friedeichshafen, 3. Sept. 8. 8 ist gestern abend um
3,40 Uht glatt zelandet. Um 9.30 erschien das Luftschiff
ei herrlichem Wetter und sternenklarem Himmel über der
See in etwa 50 Meter Höze. Kurz vor der Halle ging es
angsam auf das Wasser nieder. Das Luftschiff hat durd⸗
chnittlich 55 Kilometer pro Stunde zurückgelegt.
Frankfurt a. M., 2. Sept. Der Linjährige Berndard
om 21. Pionier⸗Bat. 'n Kastell erhängte sich heute nacht.
Rotterdam, 3. Sept. Nach amtlichen Meldungen be⸗
inden sich 20 Choleraktanke in den Baracken. Die Oder⸗
yflegerin ist plötzlich gestorben.
Paris, 3. Sept. Aus London wird gemeldet, daß in
»em Hafen Weymouth, wo Kriegsschiffe ihre Kohlen einneb⸗
nen, Sprengstoffe unter denselben entdeckt wurden. Der be
eits abgegangene Kreuzer „Vorwarth“ wurde zurückaerufen
ind die Kohlen wieder ausgeladen.
Paris, 2. Sept. Aus Toulon wird gemeldet: In dem
Druck'achenbriefkasten fand man eine unfrankierte Dtuck ache,
zie an einen dortigen Apotheker adressiert war. Sie enthielt
ür 50000 Francs Wertyaniere, die ihm 1906 Sestot len
vorden.
London, 2. Sept. Ueber die angebliche Entdeckung
»es Nordpols liegen heute keine weitere Meldungen vor.
Die Korreipondenlen der hiesigen Zeitungen sagen, daß abso⸗
utes Sckweigen über alles bewahrt wurde. Offenbar habe
Dr. Coot nicht gewollt, daß von seinem Erfolg etwas vor⸗
eitig bekannr gegeben werde. Die „Dailg Mail“ läßt sich
nelden, es sei noch nicht festgestellt, daß De. Cook wirklich
)en Nordpol entdeckt habe. Es heißt, er sei nur bis zum
nagnelischen Pol gekommen, was natürlich nicht als ein be⸗
nGerer Ecfolg anusehen sei Allein der Direktor d⸗s Ob—
ind der Frange gorrorauner gerpfsanr tief auf die Brujt;
das Herz Aopfte ihr, zum Zerspringen, und das Blut
ann in ihrem Körper wie fluͤssiges Feuer. Sie wußte es
chon seit Tagen, daß ihr der Lenz gefiel wie keiner
onst; jetzt aber —77* sie es, daß es der Lenz war, den
e mochte zum Mann oder keinen sonst; es war eine Ge⸗
alt in ihr, die sie hinzog zu ihm, die sie nicht über—
inden konnte. Und diese Gewalt, diese seltsame Gewolt
emütigte ihren Stolz. Ein armer Knecht war es frei—
ich, den sie sich da nahm, aber wenn sie ihres Geldes,
hres Besitztums wegen nur einen nehmen sollte, der reich
zr, wenngleich sie ihn nicht mochte, dann war es ihrt
chon lieber, sie mußte hart arbeiten um ihr täglich Brot
ind hatte dafür einen Frieden und eine Freude im Ge—
niit. Und aus diesem Empfinden heraus erwiderte sie:
Ah na, verleugnen tät' ich meine Lieb nicht, ganz und
jar nicht wegen dem. Ist mir schon lieber ein —S
»er mich vom Herzen heit. als wie ein solcher, wo ich
illeweil nur auf sein Geld denken sollt', wenn ich mich
reuen will. Ah na, das macht nichts aus, wenn der
Bub', den ich mag, nichts hat; wenn er nur brap und
echtschaffen ist, das ist alles.“
Wie vom Schlag getroffen sank der rechte Arm des
denz, der sich soeben erhoben, um sich um den schanken,
chmiegsamen Leib der Franzi zu legen, schlafft nieder.
Dder Lenz rührte sich eine ganze Weile nicht; wie verstei—
iert in unsäglichem Schmerz erschienen seine Gesichtszüge,
AIäfern starrten seine Augen geradeaus. Da hobe die
Franzi, verwundert über sein stiles, suummes Verharren,
en Blic fragend zu ihm und sagte dann leise, befremdet:
Was hast denn jeßt auf einmal, Leuz. daß Du so ipazig
drein schaustẽ“
Die weiche, leicht zitternde Stimme Franzis klang wie
ein Glödchen an sein Ohr. In ihn kam wieder Leben.
And da nidte er, ein-⸗ zweimal, mit von ihr abgewende⸗
tem Blick, und wunderlich schwerfällig, tonlos kam es
uus seinem Mund: „Recht hast, ja, ja, da hast schon recht,
rur gerade, brav und rechtschaffen muß einer sein, sorg
tichts; sonst braucht er gar nichts, aber nur brav und
echtschaffen muß er sein?“ Und noch einmal murmelte
c leise, gebrochen: Nur brav und rechtschaffen!“ Dabei
etzte er die Füße wieder vorwärts mit eigentümlichem.
chwerem, wankendem Tritt, ala spüre er den Baden un
⸗»* Finen Tiijbon niß—
ervatoriumz in Ucele erhelt ein Telegtamr von Dr. Cook
datz er den Nordbol entdeckt habe. Aus Kopenhagen wird
roch gemeld:t, daß der bekmite Nordpolforscher Rasmussen
Dr. Coot beim Nord'ap getroffen und daß er mit den beiden
ẽstimos gesprochen hade, welhe Dr. Cook nach dem Nord⸗
»ol begleiteten. Nich den von Dr. Cook gemachten Angaben
interliegt es keinem Kweife! daß er wirklich den Rordpol
intdeckt hat.
Lon von, 3. Sept. Ulber die Unterredung, die Kaiser
Franz Joseyh miun dem Grafen Zepp lin gelegentlich in
ẽriedrich hatea hatte, verlautet folgendes: Der Kaiser be⸗
auerte, nachjem Z ppelin den Unglücksfall bei Bülzig ge⸗
childert hatte, daß er daz Luftschiff welches zweifellos die
dohenmacht in kommenden Kriegen bilden werde nicht in
Tätigket sehen könne. Oesterreich werde dem Bau von
zuftsch ffen erhöhte Aumerksamkeit zuwenden um gleichen
Schriit mit den andern Staaten zu halten. Der Kaiser
yrach auch von dem Jubel der Berliner und meinte lächelnd:
„Auch die Weener wücden j beln, wenn Zeppelin mit seinem
Lustschiffe die Stadt besuchen würde. Dann erlundigie sich
er Kaiser über den Bau des nächstn Luftschiffes und hoffe
päter einen 8. 4 und 5 in Taätigkeit zu sehen.
Newyork, 2. Sept. Die hiesige Presse hält die Me.⸗
»ungen von Cooks Vordringen zum Nordpol noch nicht für
zanz sicher. Cook kabelte einem Brooklyner Freunde, daß
r eafolgreich uns gesund sei, ind ssen erwähnt er nicht, daß
r wirklich sein Ziel erreidin. Die letzte Nichricht von Cook
zatsert vom 17. März vorigen Jahres. Damals war er
im Kap Thomas Husbard, 560 englische Meilen oom Nord⸗
‚ol. Er war urspunglich auf einer Jagdtour mit einem
eichen Newyoiker nach Grönland gekommen und verbrachte
den Winter 1907—08 mit einem jungen Deutschamerikaner
Francke in Annatok im nordwestlichen Gröaland, welchet ihm
ei den Vorbereilungen half. Fcancke ging im Februar
908 mit Cook nach Fraglers Bai, wurde daan von diesem
jach Annatok zur Bewachung der Vorräte zurückgeschickt und
ahielt am 17. Mätz durch einen Eskimobooten einen Brief
‚on Coot des Inhauus, Cook habe funf Baren, 102 Bisam⸗
chfen und 160 Hasen erlegt, das Wetter set riesenkalt. Er
habe reichlich Hunde und nehme die direkte Route zum Nord⸗
51. Ende Mai werde er zurlick in Annatot sein. „Wenn
nicht so gehen Sie heimwätts mit Walfischlahrern.“ Francke
led ein Jahr in Ännatok, bis die Peary ⸗Erpedition dorthin
sam, worauf Francke zurückkehrte. Cook haue nuc zwei Es⸗
mos bei sich.
Batavia, 2. Sept. In Besock, im Süden Batavias,
nerursachten verheerende Ueberschwemmungen großen Schaden
300 Eingeborene büßten ihr Leben eir.
Wermischtes.
Drahtlose Lichterzeugung. Auf der elektrischen
lusste.lung in Omaha, ist der Versuch, die elektrische Licht⸗
inlage auf dem drahtlosem Wege zu speisen, mit Erfolg
rusgeführt worden. Die 4000 Lampen in der Ausstell⸗
ing wurden durch den 8 Kilometer entsernten, im Fort
)maha aufgestellten Funkenapparat zum Leuchten gebracht,
ind konnten später wieder abgedreht werden. Die Ver—⸗
indung arbeitete vorzüglich und wird regelmäßig benuszt.
Adelstitel zu verkaufen! Die Sucht gewisser Ame—
ikanerinnen nach Adelstiteln und ihr Ehrgeiz, in der eu—
opäischen Gesellschaft eine Rolle zu spielen, hat in Ame—
ika ein neues Gewerbe, das des Titelverkäufers, gezei—
igt. Erheiratung eines Titels ist gar nicht nötig, man
ann ihn einfach kaufen, wenn man den nötigen Mam—
non besitzt. New-Yorker Blätter brachten in den letzten
kage eine Anzeige, in der eine Marquise de la Roche—
zriant titelsüchtgen wohlhabenden Amerikanerinnen mit
zesellschaftlichem Ehrgeiz einen oder mehrere ihrer 29
Ddelstitel, welche sie auf Grund des französischen Mar—
suisats Rochebriant zu führen berechtigt sei, zum Ver—
aufe stellt. Die Marquise weilt gegenwärtig innerhalb
»er Mauern New-Yorks. Sie erklärt, daß sie nach Ame—
itka gekommen sei, um durch den Verkauf einiger ihrer
ditel das Familienvermögen, welches ihr Bruder stari
eduziert habe, wiederaufzubauen. Sie empfiehlt als be—
onders wohlklingend ihren Titel „Gräfin d'Autier“, wel⸗
hen sie gern für den Betrag von einer Million Dollar
hergäbe. 500 000 Dollar habe man ihr bereits geboten,
doch könne sie sich auf einen so geringen Verkaufspreié
aicht bimlosien
— — — —
Humoriitische Erre.
wLetzter Bersuch. „Kann ich denn gar nicht den
Beg zu ihrem Herzen finden, Fräulein Aurelie?“ — „Ich
zlaube nicht.“ — „Ach dürfi' ich es nicht noch mit einem
rinen Auto versuchen?!“
*Wißverstanden. „Johann, holen Sie mir aus
dem Schreibtisch in meinem Arbeitszimmer..“ „Die
ileine Kiste Zigarren?“ Ja .. .. wie haben Sie dee
or, ,,nenn?“ (Srvartia Serr Wöront⸗
Sie Franzi rand und —nute eine Weile blassen An⸗
gesichts, mir weitoffenen Augen, in denen unklares Er—
chreden lag, ihm nach, dann stieg sie langsam wieder
»ergan. Milde strich die laue Luft um ihre Wangen, Jo—
jannisliferchen schwirrten vor ihr her, Leuchtwürmchen
jsingen an Gräsern. lauter winzige. agolden leuchtende
Pünktchen. In tiefe Gedanlen verloren schritt sie dahin.
und ihr Blidk folgte nur mechanisch bald diesem, bald
ienem dieser leuchtenden Pünktchen nach, bis auf einmal
ziicht vor ihr aus dem Dämmerungsdunkel eine Gestalt
wuftauchte und sie ansprach —; der Bergmeyr Peter.
Er war ein nicht gar großer, untersetzt gebauter Bur—⸗
che mit einem hübschen, frisch gefärbten, breiten Gesicht.
n dem der Mund deutlich seine sinnliche Form zeigte, da
hn kein Bart verdedte, und in dem ein Paar schwarzer
lugen funlelte, die einen verstedt schlauen Blick hatten.
Jetzt hab' ich schon gemeint, die Frunzi hätt' heuer
gar kein Interesse zum Sonnwendfeueranschauen. Jetzt
bär' ich gegangen und hätt' Dich geholt. Das Feuer
da droben brennt schon als wie ein höllisches.“ Und sich
iahe zu dem Dirndl beugend, fügte er hinzu: Gerad' als
vie in mir drinnen die Lieb' zu Dir brennt. Franzi, ge⸗
rad' sol“ —
Sie gab ihm keine Antwort und stieg in Eile wei—⸗
er, den letzten Bergesvorsprung hinan. Und dann sah
ie es vor ihr, das mächtig auflodernde Feuer da vorne;
rasselnd, sprühend, lodernd stieg es empor, zahllose Fun⸗
en flogen in die Lüfte und erloschen jäh da droben.
Jauchzende, johlende Buben rannten mit brennenden Be—
sen um das Feuer herum.
Die Franzi war stehen geblieben und starrte eine
Zeitlang unentwegt in die Flammen hinüber. Aleiner
und kleiner brannten die Reisighaufen zusammen, und
zun versuchten die Dirnen und Burschen unter Lachen und
Neden hinüberzuspringen über das Feuer; die Dirnen
nabmen ihre Röcke so hoch wie möglich und eng zusam—
nen. damit dieselben die Flammen nicht erfassen konnte.
das war für die Franzi jedesmal ein unguter Anblick
ewesen, dieses Springen über das Feuer, und sie wandte
iuch jetzt wieder die Augen davon ab. Ihre Blige gliten
über die Zunächststehenden binweg, suchend, bis sie
en Lenz entdedten. Er stand mitten unter der Schar
dienstleule nom Bichenhoi, aber er sroch mit keinem