arade. Von Stuttaart aus fährt der Kaiser dann
nach Böhmen zum öjsterreichischen Kaissermanöver. Von
dort begibt sich der Kaiser nach Karlsruhe und trifft
im 11. September auf dem Paradefeld in Forchheim bei
darlsruhe ein. Die Kaiserin wird sich vom 10. bis 12.
Zeptember in Karlsruhe aufhalten und dann nach Berlin
urückreisen, während der Kaiser sich z2u den Manövern
rach Mergentheim heaiht
*
Zum Ableben des Bischofs Dr. MWESchneider
MRaderborn
Heer und Flotte.
— *Die Uebungen der Hochseeflotte und
des Küstenpanzergeschwaders vor dem Kaiser in der Nähe
von Stubbenkammer wurden mit einem Nachtangriffe al—
er Torpedobootsflottllen auf die in Fahrt befindliche
Flotte beendigt. Der Katser kehrte nach 11 Uhr abends
»on dem Flottenflaggschiffe Deutschland auf die „Hohen—
ollern“ zurück. Die Uebungen unter Hinzuziehung der
Schul⸗ und Versuchsschiffe und der Torpedoboote wurden
ortgesetzt. Zu dieser Uebung manövrierte die blaue Flotte
unter dem Befehle des Prinzen Heinrich von Preußen
zegen die gelbe unter dem Befehle des Bizeadmirals von
Holtzendorff. Der Kaiser schiffte sich während dieser Ueb—
ung wieder auf der „Deutschland“ ein. Das Wetier ist bei
frischen, westlichen Winden und gelegentlichen Regen⸗
chauern kühl und die See mäßig bewegt. — Die tat—
ischen Uebungen des Herbstmanvers wurden mit
einem Gefecht des unter dem Obervefehl des Prinzen Hein—
cich vereinigten Geschwaders gegen einen markierten Feind
heendigt. Der Kaiser ließ durch Flaggensignale von
der „Deutschland“ aus der Flotte seine vobiste Zus
friedenheit über die Leistungen aussprechen. In
der Nähe von Göhrren fand die Wiedereinschiffung des
Kaisers auf die „Hohenzollern“ statt. Die Kaiferjacht ist
nach Swinemünde abgedampft, wohin die Flotte folgie,
im dort einen Ruhetaa vor Anker zu verhrindgen
Zur Lage am Riff.
Nach Berichten aus Melilla hatten die spanischen
Truppen einen glänzenden Sieg. Die Riffleute planten
einen Angriff auf das Lager bei Elarba. Die Spanier
amen ihnen jedoch zuvor. Indem sie zwei starke Abteil—
ingen vorschoben, gelang es ihnen, die beträchtlichen
Streitkräfte der Maroktaner von den Flanten zu umschlie—
zen und in ein furchtbares Feuer, besonders der Schnell⸗
feuergeschütze, hineinzuzwingen und darin festzuhälten.
Die Riffleute wandten sich schließlich nach enormen Ver—
lusten zu wilder Flucht, wirlsam verfolgt durch die Ka—
vallerie. Die Artillerie verwüstete ppäter in weitem Um—
kreise die Wohnstätten der Eingeborenen. Die Spanier
hatten angebsich nur drei Verwundete
Zur Bierpreisbewegung.
* Essen, 1. Sept Gegen die Bierverteuerung
rhob eine von etwa 2000 Personen, vom Demokratischen
Lerein einberufene Versammlung Einspruch. Es wurde
ꝛeschlossen, sich solange des Biergenusses zu enthal—
ein, bis die ungerechtfertiate Erbzhung des Preifes ge—
allen sei.
Dortmund, 1. Sept. Der Bierkrieg ist hier in
iller Schärfe ausgebrochen. Die Brauereien, ebenso die
Wirte, haben nicht mit dem Widerstand des Publikums
gerechnet, als sie die Bierpreise so wesentlich erhöhten.
Viele Wirte haben nun, um die Kundschaft nicht gaͤnzlch
zu verlieren, die alten Preise beibealten; deren Lokale
ind immer besetzt, während diejenigen der Nachbarn, die
leine Gläfer führen, leer bleiben. Der Brauereiverband
erklärt allen Klagen der Wirte gegenüber, die Vereinigung
halte unter allen Umständen an dem NMutichiage von “vie?
Nark fest.
Mainz, 1. Sept. Eine Wirteversammlung
eschästirte sich mit dem Bieraufschlag. Nach einer all—
gemeinen Aussprache wurde eine Resolution angenommen,
eren Inhalt besagt. der Ausschlag von 2 Pfg. für ein
Bierzehntelglas decke nicht einmal die Mehrkofien. es könne
Usd daraui uicht vorzichtet marden
ne der Segen Gottes dahei uUn der Bem Einstarm in
mein Haus.
Der Knecht tat, wie ihm geheißen worden: in from⸗
mer Weise bekreuzte er sich Gesicht und Brust mit den in
Weihwasser getauchten Finger. Dann wollte er dem Bauer
— Tisch hin foigen. Aber er blieb stehen. Und sfeine
ugen schauten in Verwunderung und Staunen auf die
schlanke, hochgewachsene Dirne, die da vorne beim Tische
gesessen hatte und sich nun langsam erhob. „Wen bringt
denn der Vater da mit?“ fraate lie mit einer hessen wn,
lenden Stimme.
Einen neuen Knecht. Für den Hannesvetter iut er
mir gut passen; nachher kann der Hannes bald Ernst ma⸗
chen mit seinem Heiraten.“ Und indem der Bauer sich
zu dem Burschen herumwandte, fügte er kurz hinzu: ‚Das
ist mein einziges Kind und zualeich meine Wirtschafterim —
die Franzi.“
Den Blick nicht von dem Mädchengesicht abwendend,
lam der Bursche langsam heran. Der Nusdrud des Stau—
nens wich nicht von jeinen Zügen; mit einem eigenen,
leuchtenden Schimmer in den blaugrauen Augen schaute
Z in das schmalgerundete, bräunliche Angeficht vor ihm.
So ein schoͤnes Dirndl war ihm noch nie begegnet; ·—
pie zwei Sternlein hell und klar und goldig glanzend
tanden die lichtbraunen Augen in dem schoͤnen Gesicht,
und wie eine dunkelrote Rosenblüt' vom Garten draupen,
o sammetweich und leuchtend erfchien der kleine, weiche.
dolle Mund. So ein Dirndl, so ein Dirndl. Gerad' das
derz jauchzt einem, wenn man so eine anschaut!
Die hartgearbeitete, feste Hand des Burschen stredt
sich nach vorwärts mit eirner raschen Bewegung, „leicht
st sie zu stolz, daß sie mir die Hand gibt!“ dentt er sich,
r hat eben einen Zug in ihrem Antütz wahrgenommen,
* pun erlennen läßt, daß sie gar wohl weiß, wer
ie ist.
SGrüß Gott!“ sagt er laut. „ch verhoff', daß sich
die Franzi an mich gewöhnen mägi Bin sonst gerad
lein zuwiderer Mensch. Mein Nam' ist Lorenz Fraun—
herger.“
Wider sein Erwarten reicht ihm die Franzi die
hand mit einer freundlichen Gebärde. Gruͤß Dich auch
Vott!“ erwidert sie. „Wenn Du ein braver, und fleißiger
DNensch bist, nachher ist es uns eine Freud' und ein KRuor
x ⏑ G—— Baα ——
SBSanau, 1 Sepr Eine zandltceich besuchte Ver'emm—
ung der Gastwiurrte von Hanau und Umgegend er
annie die von den Brauereien eingeführte Bierpreis Er—
Hung, die hier pro Hektoliter 3 Mark betragt, an und
eschloß, den Ausschantspress von 4 auf 10 Pig. drei
zehntel auf 12 Pfg., vier Zehntel auf 14 Pfg. und von
ünf Zehntel Liter auf 17 Wig. festzuletzen.
Jena, 1. Sept. Nach einer DTauer von etwa drei
Vochen ist der Bierkrteg heute aufgehoben
vorden. Einige nach Jena liefsernde Brauereien haben
sen Bieraufschlaag von 3 Mark auf 2 Mark für das
agerbier reduziert, und nun ist auch eine Verständigung
ustande gekommen. Es soll das Halblitermaß beibehai—
en und der Preis für Lagerbier 15 Pfa.. für Weißbier
0 VPBfa. betragen
Lins West- und Süd-Deutschland.
*Bonn, 1. Rept. Gericht vollzrieher und
üch utzhleute) Zu schweren Ausschreimngen ist es
n und vor erner Wirtschaft im eingemeindeten Gravb—
theindorf gekommen. Die „D. R. 3.“ erfährt dazu:
erichtsvollzieher Treitz hatte dort eine Psändung der
rassen vorzunehmen. Eine Pfändung der Gegenstände
urch den Gerichtsvollzieher des betrefsenden Bezirkes
oar bereits ergebnislos verlaufen. Die Gläubiger erwirk—
en daher einen Gerichtsbeschluß, wonach Gerichtsvollzie—
sjer Treitz, dem ein anderer Bezirk zugewiesen ist, für die—
en Fall dort die Pfändung des Geldes, und zwaär zur
dachtzeit, vornehmen sollte. Der Gerichtsvollzieher traj
nit zwei Gehilfen gegen 9 Uhr in der Wirtschaft ein und
sling zu dem Schuldner, dem gegenüber er sich legitimierte
ind ihm den betreffenden Gerichtsbeschluß zustellte. XR
ie Erklärung des Wirtes, daß er nicht zahlen könne,
fändete der Gerichtsvollzieher zuerst die Tanzkasse, dann
ie Weinkasse, die Wirtschaftskasse und die Gartenkasse vor—
hrift⸗mäßig. Das gepfändete Geld übergab der Ge—
ichtsvollzieher den beiden Gehilien. Es entstand darauj
wischen den Gästen, dem Gerichtsvollzieher und seinen
ßehilsen Streit, den, wie es heißt, die Volizei zu
chlichten versuchte. Der Roltzeifergeant Zannemann er—⸗
ielt zum Teil ersebliche Verleßungen, sodaß er einige
dage das Bett hüten muß. Der Gerichtsvollzieher und
eine Gehilfen wurden gleichfalls mißhandelt. Die Unter—
uchung ist eingeleitet. Nach dem Bericht der „B. Zig.“
jat der Wirt, nachdem der Gerichtsvollzieher die Kassen
gjepfändet und die Siegel angeheftet, zwei anwesende
Zchutßleute zu Hilfe gerufen. Diese hätten dem Gerichts⸗
»ollzieher zugerufen, er habe hier nichts zu sagen, ob⸗
vohl er sich mit seiner amtlichen Erlennungskarte habe
iusweisen können. Die anwesenden Gäste, die zumeist
n der späten Stunde nach der Kirmesfeier trunken wa—
ren, ergriffen den Gerichtsvollzieher und seine Gehilfen
und mißhandelten sie bis zur Bewußtlosigkeit.
* Manderscheid, 1. Sept. (Das alle Lied.) In—
olge Verwendung von Petroleum beim Feueranmachen
rlitt ein zähriges Mädchen derartige Brandwunden, daf
s unter fürchterlichen Schmerzen starb.
* Biebelhausen, 1. Sept. EErtrunten) Ein 2
Fahce altes Kind spielte am Bach, siel in denselben hin—
in und ertrant. Die WMiurter konnte ihr Kind nur als
Leiche bergen.
*Selm, 1. Sept. Geim Baden ertrunken.)
An der Vahnübersahrt ertrant in der Stever der Rotten—
irbeiter Falt beim Baden.
* Siegburg, 1. Sept Aus dem Fenster ge—
türr zi.) Hier stürzte ein 18 Jahre altes Kind eines
Friseurs in der Kaierstraße aus dem Fenster des dritten
Stockwerls und war sofsort tot. Die Ellern waren abwe,
end und das Kind war dem Dienstmädchen zur Obsut
invertraut worden.
* Linden (Ruhr), 1. Sept. Gergmannslos.)
Auf der Zeche „Baker-Mulde“ wurden zwei Beraleute
»urch Gestein verschüttet und getötet.
* Annen i. W. 1. Sept. Getrug.) Auf der Krupp—
chen Gußstahlfabrik hat, wie sich jetzt herausgestellt hat,
ein Portier, der auch mit den Lohnberechnungen zu
un hatte, seit langer Zeit grode Veruntreuungen began—
jen. Er setzte die Löhne einer Anzahl Arbeiter höher in
die Lohnlisten ein, als die Löhne in Wirklichkeit betru—
gen; vor der Aushändigung der Lohndüten an die Ar—
beiter nahm er die überschießenden Beträge heraus und
steckte sie in seine Tasche. Auf diese Weise hat der Mann
das Werk um große Beträge gebracht.
* Frankfurt, 1. Sept (Gergiftet.) In einem
dause der Taunusstraße vergiftete sich die 24jähr. Schnei—
»erin Klara Krämer aus Karlsruhe, indem sie Lysol trank.
Die Rettungswache bemühte sich vergeblich, durch Gegen,
zifte und künstliche Atmungsversuche die Unalöckiche wie—
der ins Leben zurückzurufen.
Tx F!elberg, T. Septbre (Großherzogliche
Tdeilnahme.) Anläßlich des Ablebens des Geh. Hos—
ats Prof. Lossen und des Geh. Kirchenrats Prof. Bas—
ermann liefen hei der hiesigen Universität Beileidstele—
zramme des Großherzogs von Baden ein, worin er seine
Teilna ymo n dom sihneron Morlsusfft qusspricht
Dem Mädchen scheint es, alus fayre der Buvsche hef⸗
tig zusammen und als verfärbe sich sein Gesicht, aber sie
st nicht gewiß darüber, denn nun richtet sich der Lenz
tracks in die Höhe, lacht, daß seine weißen Zähne sichtzar
werden, und streckt gähnend die Arme weit vor sich
ind daß die Rockärmel sich eilends zurücksschieben und das
este, starke Handgelenk sich dem Auge bietet. Ich sag'
83 Dir wie eben erst Deinem Vater: wenn Du meide
Arme siehst, nachher merkst, daß die Arbeit nigs lang auf
nich zu warten braucht.“
Da geht ein Lachen über das ernste, stolze Gesicht
der Franzi hin. Und wie sie dabei den Lenz anschaut,
nerlt man wohl, daß er ihr mit einem Mal wohlgefällt.
Und umbringen tust gewiß auch niemand — also ist nach—
jer mit der Brapheit auch nichts zu fürchten,“ sagte sie
cherzend und lacht, hält aber gleich wieder mit ihrem
dachen inne, denn nuͤn hat sie es deutlich wahrgenom—
nen, wie die Züge des Lenz einen Moment hindurch ei—
ien seltsam starren Ausdrud haben, und wie es blaß,
vie in Leichenfarbe über das Gesicht hinzieht. Und der
Blick seiner Augen wendet sich von ihr ab und geht un⸗
tet durch die Stube. Sie hört auch einen schweren, ge—
reßten Atemzug. Gleich darauf sieht er freilich wieder
die vorhin aus — aber sie weiß, daß sie sich nicht ge⸗
äuscht hat. Und sie wundert sich, weshalb er einen NMu—
jenblic, so verändert war, denn auf ihre Worte schiebt
ie es nicht, er hat dazu einen viel zu Zuten Findrrre nẽ
ie gemacht.
Die Tür wird jetzt hastig aufgestoßen, und die Groß—
nagd kommt herein, einen Krug voll Most hereinbrin—
jend. Da langt die Franzi aus der Tischlade einen mäch—
igen Laib schwarzen Brodes, und der Bauer wendet sich
u dem neuen Knecht. Wirst wohl Durst und Hunger ha—
zen nach Deinem weiten Weg, fetz Dich hin zum'Tisch
ind stärk Dich; bis zum Essen da dauert es icgon noch
ine Weil'.“
„Heut gar,“ meinte die Großmagd, eine derbe, dralle
ltliche Dirne, lachend. „Heut ift bei uns ein besonderer
resttag. Unser Bauer ist ein Anton von Padud und da
st heut sein Tag (Namenstag). Da muß halt doch eine
rdentliche Schüssel voll Krapfen auf den Tisch kommen,.
onst wär' es eine Schand' und eine Lumperei Und
drapfen, meine Leut', die geben eine Arbeit! Ist nicht
ergd' so. daß man dazü sgeht ung Ginß än fte
Aus aller LWelt.
* Muttermörder Die Frau des Wiaschinenbauers R.
Vulf in Zierhen wurde mit Stichwunden am Kopfse im
keller erhängt anfgesunden; als mutmaßlicher Mörder
vurde der eigene Stiefsohn verhastet.
*Große Unterschlagung. Aus Kiel wird berichtet:
luf dem für die Aufbewahrung von Alten für die große
Werft-Unterlchlagungssache im Landgerichte besonders ein—
zerichteten Zimmer, sind durch bisher unaufgeklärten Ein—
xuch viele Schriftstücke und Briefe entwendet worden, die
ich in den Aiten befanden und besonders belastendes Pa—
erial gegen mehrere Angetlagte enthielten.
* Der Kassierer als — Einbrecher? Wie die Blät—
ter aus Trient melden, wurde dort während der Mit—
agspause von unbelannten Tätern in den Kassenlokaltfä—
en der Banca Cooperative ein Einbruch verübt. Die
Ziebe öffneten die Kasse mit Nachschlüsseln und stahlen
irka 100 000 Kronen. Die Polizei hat den Kassierer
ind einen Lehrling verhaftet.
* Feuersbrunst. In Kriwoj-Roy (Rußland) hat eine
jewaltige Feuersbrunst 450 Höfe zerstört. Der Schaden
eträgt über eine Million Rubel. 5000 Menschen sind
»odach- und brotlos.
*Burzew — und sein Aufenthalt in Berlin. In
iner französischen Zeitung ist eine neue Enthüllung Bur—
ews erschienen, die besonders Aufsehen in Berlin erre—
jsen dürfte. Es handelt sich um die Entlarvung eines
lzew im Unterrock, einer Frau, die unter der Maste
iner Revolutionärin eine Agentin der ru sischen Geheim—
‚olizei ist und dieser eine große Anzahl ihrer Landsleute
usgeliefert hat. Diese Frau wohnt in Berlin und heißt
zutschenko geborene Gergros und galt bis vor kurzem
ls eine bewährte Anhängerin der russischen Kampfpartei.
Iurzew reiste nach Beetin, unn Aunktärung über ihre Tä—
igkeit zu erlaußsen und es gelang ihm zuerst in der Woh—
rung der Frau, dann in einem Caie der Friedrichstraße
»or Zeugen ein Geitändnis der Frau zu erhalten.
* Krieg im Frieden. Aus Lorient wird gemeldet:
Vährend der Nachtschießübung bei Oziberon feuerte der
dreuzer „Gloire“ vom Nordgeschwader mehrere Granaten
segen den Kreuzer „Marseille“, von denen einige Treffer
varen. Eine Granate traf die „Marseiller am Vorder—
eil, durchbohrte das Schiff vollkommen und explodierte
m Innern. Ernige Matrosen wurden verletzt. Zum größ—
en Glück befand sich der größte Teil der Besatzung am
nderen Ende des Schiffes. Eine strenoe Untersuchung ifi
ingeleitet.
* Schiffsunfall. Die Unterseeboote „Circe“ und „Ka—
ypso“ haben Beschädigungen infolge Zusammenstoßes der
—D längere
zeit unbrauchbar geworden, daher mußlen die Versuchs—
ahren der französischen Unterseeboote zwischen Toulon und
Nentone auf später verschoben werden.
* Zum Maschinengewehr-Diebstahl. Ein Gewährs—
nann des „Matin“ berichtet diesem Blatte, daß der Kor—
»oral Deschamps, welcher des Diebstah!ls von Maschinen—
jewehrtetlen beschuldigt wird, ihn besucht habe und eine
Unterstützung verlangte, weil er jeder Mittel entblößt
ei. Andererseits wird mitgeteilt. daß nach dem Wer—
chwinden Deschamps aus der Kaserne auch das Ver—
hwinden von 150 Belleidungsstücken, die unter seiner
dontrolle stehen und das Fehlen eines wichtigen Doku—
nentes, des Mobilmachunasplanes Nr. 16 ⸗ensdeckt war—
den sei.
* Vom serbischen Ex-Kronprinzen. Schon seit eini—
gen Tagen sind Gerüchte über das Verschwinden des
zhauffeurs des Prinzen Georg, eines Franzosen, im Um—
auf. Das Blatt „Zwono“ behauptet nun, der sfrühere
kronprinz habe den Chauffeur zu Tode geprügelt und
er Chauffeur liege jetzt im Belgrader Kransenhause im
Zterben. Der „Zwnono“ bemerkt noch: Obwohl uns von
Freunden des prose sionellen und unantastbaren Mörders
alle möglichen Schwierigkeiten gemacht werden, werden
wir uns doch bemithen, diese neueste blutize Angelegen—
heit eines verrückten Jungen in allen Einzelheiten aufzu—
ecken und den Mörder auf die Anklagebank zu bringen.
Man erwartet mit großer Spaunung weitere Enthül ungen.
* Waisenhausbrand. Im Rockaway Park bei New—
jork brannte das katholische Malachy-Waisenhaus ab. 700
dinder wurden gerettet. Sieben Leichen wurden gesfun—
»en, mehrere Kinder Derden noch vermift
* Der schwarze Tod. In Casablanca sind unter den
Truppenteilen aus dem Senegalaebiet zwei Peĩfälle vor
wekommen
— —— —
* Exploston. In der Petroleüm-Rafftinerié Aktien-Ge—
»Alschaft in der Franzens-Vorstadt in Budapest explodierte
in Petroleum Reservoir, in welchem andert)alb Waggons
betro eum sich befanden. Zwei Personen wurden töd ich,
nehrere andere schwer verletzt. Tas Feuer konnte in ei—
ier halben Stunde gelöscht werden.
* Arsenik statt Mehl im Kuchen. In Neerpelt (Bel—
sien) sind drei Personen an Arsenikvergistung gestorben.
5s handelt sich um eine 75ährige Witwe, ihren 30jähri—
zen Sohn und eine 12jährige Enkelin. Das Mädchen
hatte beim Kuchenbacken der Großmutter vorsehentlich Ar-—
enifk statt Mehl gereicht
3 aoee ααĩä̊Jl tceceeasäeecetW
Und mit dem Kopfe zu wiederholten Malen nickend
uur Beträftigung ihrer Rede, ging die Magd aus der
5tube. Der Lenz aber hatte nichts eiligeres zu tun, als
yor den Bauer hinzutreten und ihm „viel Glück und lan—
zes, gesundes Leben“ zu wünschen an seinem Namens—-esttag.
Halb schwermütig nickte der Bauer dazu: „Mein,
ch bin nimmer der alte wie früher einmal! Seit mein
Weib gestorben ist, ist meine meiste Lebensfreud' dahin.
dann mit gäh einmal hinunterreißen, die Jahr“ dazu
sind da. Wenn ich nur meine Franzi nicht allein aurüdass',
das ist mein einziger Wunsch!“
Es war ein warmer Ton, in dem diese letzten Worte
klangen, und ein tiefzärtlicher Blick ging aus den grauen
Augen des alten Mannes über die Gestalt seiner Tochter
zin. Sie mußte sich wohl selten zeigen, diese herzliche
diebe zu seinem Kinde, denn die Franzi stand einen Mo—
nent ganz überrascht, dann ging ein Zuden, wie von
heftiger, innerer Bewegung über ihre, Züge, sie trat rasch
vor den Vater hin, neigte sich und küßte ihm ehrfurchts⸗
voll die schwielige Hand. „Unser Herrgott wird es recht
machen!“ sagte sie leise mit zitternder Stimme. Dann ver⸗
lietz sie hastig die Stube. Dem Lenz aber sank sein Kopif
tief auf die Brust und seine Augen seuchteten sich. Und
As er auf enmal den Kopf hob und der Franzi nach⸗
ah, war eine stille Freude in seinem Blick bemerkbar.
der Freudenstrahl erlosch indes gäh wieder, als der
Bauer sich nun seufzend auf die Wandbank niederließ und
agte: „Ist ein Kreuz mit dem Dirndll Sie will halt
illeweil noch nicht heiraten. Reden tät' ich gerad' genug
dessentwegen. Und ich mein', dazu bringen tu ich sie ha
doch bald mit meinem vielen Reden. Ich will's ja auch
erleben und meine Freud' boben neinem “rnen
Schwiegersohn!“ .....
Na, und der Bergmeyr Peter, der stünd' mir
echt gut zu, wär ein tüchtiger Bauernsohn und dazu ein
auberer fescher Bub', der einer jeden gut gefallen dann!
kine Weile schwieg der Bauer stille, um dann mit einem
eichten Schmuͤnzein um die glattrasierten Lippen wieder
ortzufahren: „Aber mein Dirndl ijt halt eine Siolze;
nie laßt sich eine ganze Weil' schön tun, bis sie, ja fagti
Berad so wie ihre Mutter. Da hat es halt auch Stesatti!
sebraucht, bis sie mir augesagt bat dan fie die elne
erden in—