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Z
56. Katholikentag.
Brestau, 30. Aug.
Wie alljährlich, so beschließt auch die diesjährige 56.
generalversammlung der Katholiken Deutschlands an den
Papst und den Kaiser Begrüßungstele
iramme zu senden.
Telegramm an Papsft Pius 10.
Das Telegramm an den Heiligen Vater hat solgen⸗
en Wortlaut:
„Seiner Heiligkeit Pius 10., Rom. Viele Tausende
zon Männern, zu Breslau in der 56. Generalversamm—
ung der Katholiken Deutschlands vereinigt, entbieten Dir,
deiliger Vater, als dem Oberhaupt der katholischen Kirche,
ind Stellvertreter Jesu Christi, hiermit aus tiesster Seele
en Ausdruck ihrer Ergebenheit und der unüberwindlichen
dreue und erbitten demütigst Deinen, den Beratunzen der
Lersammlung so fördernden apostolischen Segen.“
Telegramm an den Kaiser.
Das Telegramm an den Kaiser lautete folgen⸗
ermaßen:
„Ew. Kaiserliche und Königliche Majestät bringen die
ur 56. Generalversammlung der Katholiken Deutschands
in der Hauptstadt Schlesiens unter dem Schutz der
—D deutschen
datholüken ihre ehrerbietigste Huldigung entgegen. Getreu
hren Traditionen will auch diese Generalversammlung im
Zinne und nach dem Vorbild Ew. Maiestät der Versöhn—
ing der Konfessionen und der sozialen Gegensätze zu die—
ien bestrebt sein, zum Heile Heil des deutschen Vater⸗
andes.“
Redner auf der General⸗-Versammlung.
Für die ösfsenthichen Bersammlungen
er 56. Generalversammlung der Katholiken Deutschlands
ind folgende Herren als Redner gewonnen worden:
techtsanwalt Dr. Johannes Bell EEssen-Ruyr): Auf—⸗
jzaben der deu schen Katholiken aufs sozialem und wirt—
chaftlichem Gebict; Rechtsanwalt Dr. Hans Herschel—
zreslau: Der Bonisaziusverein; Universitätsprofessor Dr.
kheol. M. Faulhaber-Straßburg i. E.: Die Frauen—
rage; Rfarrer Johannes Kapintz a-Tichau O.S.: Die
Altoholirage; Alois Fürst zu Löwenstein-Wert—
e im-Schloß Kleinheubach a. M.: Misssionen; Projsessor
)r. Jalob Meyer s-Luxemburg: Charttas; Oberlandes—
erichtsrat Wilselmn Mianr x⸗Düsseldorf: Die Schulfrage;
zchriftsteller Johannes Mumbauser-Rom: Literatur;
techtsanwalt August Rump sj⸗—Nünchen: Wie pflegen und
ördern wir die christliche Kunst; Domdekan Prälat Dr.
zranz Schäsdler-Bamberg: Papsttum und Pius 10.;
Amtsgerichtsrat Hermann de Witt-Köln a. Rh.: Presse.
Im Volksverein werden heute Dienstag spre—
hen: Fabrikbesitze Brandts und Generaldirek: Dr.
Pieper (M.Gladbach), Dr. Donders (V unster),
Landgerichtsdireltor Gerö beir (Heilbronn) und Geh. Ju—
tizrat Dr. Porsch (Breslomnꝰ
*
S⸗mokraten nud der Breslauer Ka—
I Kathbolikentag scheint den
machen. Wir
40** *
ischen Arveiter gefett zu machen. Es wird deshald der
zater der Sozialdemoitratie Lafssalle aufgevoten und an
»iinem Grabe ein Kranz niedergelegt. Daß die heutige
Zozia: demotratie gar nicht mehr auf dem Boden vassal—
es steht, tut nichts, denn so eine kleine Feier macht sich
ben seyr hübsch. Genosse Bernsteun entwickelte in ei—
zer Rede über Bischof Ketteler und Ferdinand vassalle
ilte Phrasen und Tatsachenverdrehungen. Dieses beriebte
thema ist zwar schon längst durch ein Flugblatt aus M.⸗
z3ladbach ausführlich widerlegt worden, aber was tuns?
tdeben den Sozialdemokraten fehlten natürlich auch die an—
eren Kirchenfeinde nicht, denn wenn es gegen die Katho—
iken geht, sind sie ja alle einig, und wenn sie sich sonst
im liebsten die Augen ausckratzten. So sprach denn am
Zamstag Abend 86—Uhr Oberst GäsdkeBerlin im Saale
»es Konzerthauses über: „Der Block der Ritter und der
deiligen“ für die demokratische Vereinigung; am Montag
eferierten Prediger Schieler, Tschirn und Vogt—
err über das Thema: „Los von Rom“ im Ge—
verkschaftshause, im „KNronprinz“ und bei Milde, Gräb—
henerstraße. Die katholischen Arbeiter aber lassen sich durch
olch ein Brimborium wenig stören: Die gewaltige Zahl
»er Teilnehmer am Festzuge war die beste Antwort und
egte Zeugnis dafür ab, wo der latholische Arbeiter seine
znteressen am besten geführt und gewahrt weiß — bei
en Sozialdemokraten sicher nicht...
Der Kampf um das
weibliche Stimmrecht.
Die deutschen Frauenrechtlerinnen wollen also tatsäch—
ich es ihren englischen Gesinnungsgenossinnen nachmachen.
Vas man anfangs nicht glaubte, scheint doch zur Tai
oerden zu wollen. In Berlin soll in den ersten Sep—
embertagen eine große Versammlung stattfinden zwecks
ßropaganda für das weibliche Stimmrecht. Wenn es bei
ieser Versammlung briebe, so könnte man nichts dagegen
saben. Weshalb soll man dann nicht den Leriinerinnen
as Vergnügen gönnen, einen Kaffseellatsch ros zu imn
zenieren? Bedentlicher dagegen ist es schoc, wenn die
ztimmrechtlerinnen nach englischem Muster auf die Straße
ehen wollen. Das einmütige Verurteilen des Vorgehens
er englischen Suffragetten in der deutschen Presse müßte
»och schon die Führerinnen der neuen Bewegung darüber
zufklären, daß bei uns der Boden zu solchen Veranstalt—
ingen ganz und gar mccht vorhanden ist. Die Blätter
ller Parteien konnten nicht genug die greuliche Form, in
»er die englischen Misses ihren Kampf um das weibliche
Ztimmrecht durchzufechten versuchen, verspotten.
Der Charakteristik der ganzen Bewegung, wie sie
ieser Tage die „L. N. N.“ brachten, dürfte fast die ganze
eutsche Frauenwelt, mit Ausnahme der paar Stimmtecht—
erinnen zustimmen. Es heißt da u. a.: „Man will das
olle Wahlrecht; die Politit soll Weibersache werden. Auch
»as Argument des Altenburger Genossen auf dem Partei—
age von Mannheim, daß die Frauen die Hand von der
Zolitik lassen sollten, denn „sonst müßten wir fürchten,
»aß unsere Kinder Läus' bekommen“, übt eine Wirkung
ius. Man wird allerdings wohl kaum, wie die Dame
VLestenholtz jetzt in Kopenhagen tat, in den Sitzungssaal
‚es Reichstages dringen und dort in stürmischer Rede die
Lolksvertreter aufscheuchen, sintemal die Volksvertreter da—
seim in Sicherheit sind, aber man wird Umzüge halten
nit Reklametrommeln, Reklamewagen und Reklamebildern,
»bdi⸗e weihsliche Sehniucht ihre letzte Erfüll—
hielt, da stöhnte Genosse Zgnaz Auer entgeisterte? „Das
zält ja kein Vieh aus!“ Wir sind wirklich nicht reif für
zie Herrschaft der Weibmänner, für die Verleihung des
Zimmrechtes an alles, was Unterröcke trägt.“ Das Blatt
neint dann weiter, daß auf diese Weise die Stimmrecht—
erinnen ihrer Sache mehr schadeten als sie förderten.
Dies dürfte wohl der Fall sein. Die Führerinnen
her Bewegung könnten doch wissen, daß sie durch ihre
Straßendemonstrationen nur das Gegenteil von dem er—
eichen, was sie wollen, daß durch Lärmen und Schreien
»ei uns nichts erreicht werden kann. Sie wollen ja sonst
o klug sein. Vielleicht besinnen sie sich auch noch. ehe ñi⸗
m Sevbtember zusammenkommen.
Eine neue deutsch⸗englische Streitfrage ˖
sjaben wir jetzt in Süd-Westafrika. Die Walfischbai-Frage
cheint ja für eine Zeitlang von der Tagesordnung abge—
etzt zu sein, dafür aber streitet man sich, was nur zu
iatürlich istt um die beste Diamantenfeldes.
Rach einer englischen Meldung erwarb im Jahre 1862
ine Kapstädter Firma Deyaß Spencer u. Co. die Kon—
ession auf einem Küstenstrich in der Nähe der Lüderitz-—
»ucht, ein Stück Land, das später von einem Häuptling
»em Lüderitz gegeben wurde. Es kam hierauf zu einem
Besitzstreite, der 1886 durch ein deutsch-englisches Abkom—
nen erledigt wurde, das der Kapstädter Firma ein dauern—
»es Recht auf einen Teil des strittigen Landstreifens zu—
prach, in welchem jetzt die besten Diamanten gefunden
verden. Die deutschen Behörden haben nunmehr einem
eutschen Untertanen namens Weiß zugestanden, auf die—
em Gebiete nach Diamanten schürfen zu dürfen. Dagegen
rotestieren aber die betreffenden britischen Untertanen, die
eit 1886 das alleinige Recht dort besitzen wollen. Der
dapstädter Korrespondent der „Daily Mail“ erfährt hier—
u, daß das Londoner Auswärtige Amt sich bereits mit
ieser Angelegenheit befasse. — So die Darstellung seitens
»er englischen Presse. Von deutscher Seite liegt über den
Zrreit noch keine Nachricht vor, sodaß wir uns einstwei—
en versagen müssen. näher auf die enalische Melduna ein—
ugehen
Volitische Rundschan.
Deutsches Reich
*Die portugiesische Kammer genehmigte den
sßandelsvertrag zwischen Deutschland und Por—
tugal.
* Ueber die Frage einer reichsgesetzlichen Regelung des
Irrenwesens wird folgendes geschrieben: Schon vor
twa achs Jahren hat die Reichsregierung die verbünde—
en Regierungen zu Gutachten aufgefordert, ob eine reichs—
esetzliche Regelung des Irrenwesens angebracht und auch
urchführbar erscheint. Hierbei ergab sich, daß die Auf—
assungen der Bundesregierungen über diese Frage sehr
veit auseinandergehen. Von der überwiegenden Zahl der
tegierungen wurde ein Bedürfnis für die Neugestaltung
zurch Reichsgesetz nicht anerkannt, da man der Ansicht
var, daß die bestehenden landesrechtlichen Verordnungen
ind Vorschristen der Verwaltungsbehörden vollkommen
iusreichten, Mißsiänden vorzubeugen, und daß, wo trotz—
em folche vorkommen, durch Verbesserung der bestehen⸗
den Verordnungen abageholfen werden könnte. Es kommt
veiter hinzu, daß ein reichsgesetzliches Sorgeden sehr er—
Einerifie in die jetzt bestehenden landesrechtlichen
mit sich bringen voürde. Trotz
22 wiederum
den