Munchen, 30. Aug (Vom Hansabund.) Der
Bezir!sverband des Königreichs Bayern im deutschen Flei—
cherverband hat in seiner außerordentlichen Obermeister—
herjammlung auf eine Anregung des Vorsitzenden Fried—
iich aus Nürnberg, dem Hansabund beizutreten, dem
Wunsch Ausdruck verliehen. daß es dem Ginzelnen über—
assen bleiben soll
Aus aller Welt.
*Typhus-⸗Epidemie. In Kassel ist eine Typhus⸗Ep⸗
oemie ausgebrochen, an welcher bereits 60 Personen er—
rankt sind. Von den Erkrankungen verliefen einige töd—
sich. Die Erkrankungen werden auf den Genuß von Milch
nrückgeführt, die aus der Kasseler Sanitäts-Molkerei her—
tammt. Die Polizei hat die Mollerei geschlossen.
*Neues Opfer der Bergkraxelei. Ein Münchener
Professor und Miseraloge soll aus dem Wege von der
Berliner Hütte zur Greizer Hütte in den Gletscherbach ge—
türzt sein Eine ausgesand'ie Rettungserpedision von 14
Führern kehrte erfolglos zurück.
* Dem Schicksal verfallen. Das Reichsgericht in
zeipzig verwarf die Revision der Witwe Luise Gläser,
»ie am 24. Juni vom Schwurgericht in Hirschberg (Schle—
sien), wegen Gisftmordes zum Tode verurteilt worden war.
* Eine Bergwerks-Kataftrophe. In dem in der
Nähe des Dorses Dombrowo gelegenen Bergwerke „Jan“
»rang während der Arbeit Wasser aus dem alten verlasse—
ien Schacht ein und überschwemmte die Bergwerke. Im
Augenblick der Katastrophe befanden sich 26 Arbeiter in
»er Grube. Man hegt die Befürchtung, dak sämtliche Ar—
eiter umgekommen sind
* Die gestohlenen Mitrailleusen. Wie Pariser Blät—
er melden, sind in der Kaserne des 106. Infanterie-Re—
ziments in Chalons-sur-Marne die wesentlichen Teile ei—
ner der zerlegbaren Mitrailleusen, mit denen die Infan—
erie⸗Regimenter jetzt ausgerüstet sind, von einem Korpo—
al entwendet worden. Der Korporal ist flüchtig. Die
trengste Untersuchung ist eingeleitet.
* Preisausschreiben. Der „Matin“ stiftet einen Preis
zon 100 000 Franks für einen Wertbewerb von Aeropla—
tien. Die Wettfahrt soll in Etappen auf der Strecke Pa⸗
is⸗Dijon⸗Belfort⸗Nancy⸗ Lille-Par s* ausgetragen werden.
* Schiffsunfall. Infolge dichten Nebels strandete bei
Vales das Paketboot „Le Nord“, das mit 98 Personen
nus Dover abgefahren war. Der größte Teil der Passa—⸗
ziere wurde durch Rettungsboote an Land gebracht. Un⸗—
älle sind nicht zu verzeichnen. Nur trat infolge des Un—
alles eine starke Verspätung der Züge nach Varis und
zelgien ein.
* Ueberschwemmung. In Meriko ist der Santa-Cata⸗
tina⸗Fluß infolge gewaltiger Regengüsse, welche 24 Stun⸗
»en währten, über die Ufer getreten. Man schätzt, daß
300 Personen umgekommen sind. Montery ist stark be—
roht, der Bahnkörper der panamerikanischen Bahn und
der der Nationalbahn sind meilenweit weggeschwemmt; der
Materialschaden wird auf insgesamt zwei Millionen
dollars geschätzt. — Nach einer weiteren Meldung aus
Larede CGexas), bestätigt es sich, daß durch die Ueber⸗
chwemmung in Nordamerika zahlreiche Bienschen umge⸗
sommen sind und viel Eigentum vernicht worden ist. Bis
HNontaa wurden in Monterey 450 Leichen ageborgen
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Neneste Meldungen.
* Breslau, 31. Aug. In der ersten geschlossenen Ver—
ammlung, die im Vamnzenzhause stattjand, wurde der
deichs⸗ und Landtagsabgeordnete Herol d⸗Münster zum
ßräsidenten, Graf Valentin Ballesst rem, ein Sohn
zes ehemaligen Reichstagspräsidenten, zum Ehrenpräsiden⸗
en gewählt. Nach der Konstimierung des Vorstandes
timmte die Versammtung lebhast dem Vorschlage, Be—
rtrüßungsteegramme an den Papst und den
daisfer zu senden, zu. Alois Fürst zu Löwenstein
rstattete den Geschäftsbericht, Rechtsanwalt Jösr g-Köln
zegrundete eine Resobution, in deren Schlußsätzen
s heißt: Die Versammlung verlangt nach wie vor jün
den Papst als Oberhaupt der katholischen Kirche eine
»olle und wirkliche Freihcit und Unabhängigkeit in Aus—
ibung seines obersten Hirtenamtes als Vorbedingung für
ie Freihert und Unabhängigkleit der katholischen Kirche.
da zur Unabhängigkeit des Papstes auch die vol'e finan—
ielle Selbständigkeit der päpftlichen Verwaltung gehört,
ordert die Versammlung die Katholiken Deutschlands auf,
zie Sammlung vom Peterspfennia reichlich und
egelmäßig zu unterstützen.
* Meiningen, 31. Aug. Der nationalliberale Land—
agsabgeordnete Krausfsse, der lange Jahre die Graf—
schat Camburg im Meininger Landtag vertrat, wurde
pon einem Schlaganfall getroffen; er war sofort tost.
* Innsbruck, 31. Aug. Kaiser Franz Josef ist
iner großen Ovationen der Bevölkerung am Montag nach
Zregenz abgereist, wo „8. 3“ vorgeführt werden sol!. Un—
terwegs erhielt der Kaiser Nachricht von dem Unfall des
Ballons. Er sprach sein lebhaftes Bedanern aus. An den
Brafen Zeppelin sandte er ein sehr herzlich gehalte—
aes Beileidstelegramm.
* Saloniki, 31. Aug. Wie verlautet, zeigen sich bei
aom Exsultan Abdul Hamid seit einigen Tagen An—
eichen von Geistesgestörtheit. Seine Aerzte widerlegen
»as Gerücht, daß Abdul Hamid an Kehlkopfkrebs leide.
* Konftantinopel' 314. Aug. In Besprechunz der Ein—
adung des Generalissimus Scheftbet Passcha zu dem
deutschen Manöver hebt die „Jeni Gazetta“ die Vorteile
der Bedeutung der Freundschaft Deutschlands hervor, die
ingerechtiertigler Weise nur als Andenlen des alten Re—
rimes beitrachtet würde.
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Jokales.
Voraussichtliche Witterung. Zunächst wechselnde, dann
sunehmende Bewölkung, später Niederschläze, stellenweise Gr⸗
wvitter, dann Abkühlung.
Von 1895 bis 1909 sind in Preußen 119 Millioren
Mark für d'ie Veibesseung der Wohnungs-Verhältnisse der
m Staatsdienst beschäfrigten Personen aus staatlichen Min
eln entnommen worden. In Frankfurt und Vororten wur⸗
den hiervon 2,441,920 Matk verwendet und zwar für 39
yon der Eisenbahndirektion Frankfurt zum guten Teil er—⸗—
tichtete oder doch geplante dteis und viergeschossige Häuser
nit 471 Wohnungen, davon mit vier Räumen 320 mit drei
Raumen 242 Wohnungen.
Theater. Am Sonntag ging die reizende Opereilten⸗
vosse „Der Walzerkönig“ in Scene. Das Spiel war wiede⸗
tum ein einzig brillantes. Aber besonders gefiel uns Frl.
Franz als Pauline, sie ist eine ausgezeichnete Sängerin
and würde jedem guten Theater Etre machen. Auch dic
derren Reuß und Völker, als Guido und Höppner taten
vieder ihr bestes, und setzten die Lachmuskeln der Besucher
n Bewegung. Die Trios, Quartetis und Chöre kamen olle
zut geschult zum Vortrag, und wir müssen behaupten, daß
diese Vorstellung eine der besten war, das bewies der Bei⸗
'all bei den Akischlüussen. Heuie Dienslag abend ist Benefi;
ind Ehrenabend fuür den Cydarakterdarsteller Herrn L. Spiel⸗
zerg. Jur Aufführung gelangt das Hanpizusftück „Der
derrgottsschnitzer von Oberammergau“, ein heriliches Bolks—
nück mit Gesana und Tanz. Das Sktück selbst ist hrillant
geschrieben und mit sehr zuten Chatakterrollen versehen und
rfte, da es hier noch nicht ausgesührt wurde, seine große
Anziehungskraft nicht verfehlen Das Gastspiel tst noch ein
urzes, denn es sind füͤr Dudweiler nur noch 6 Vorstellungen
vorgesehen. Die Vorstellung findet im Nassauec Hof satt.
Wenn jemand eine Reise tut mit leinen Kindern, so
nuß er im Sommer darauf achten, daß das Kind stets eine
leichmäßige und leicht verdauliche Nahrung bekommt und
iicht auf die oft läuernde und verschieden ausfallende Milch
aingewiesen ist. Man versorge sich vorher mit dem Nestle's
dindermehl, dee besten Makrung für kleine Kinder
Aus Naßh und ZFern.
Saarbrücken 83, 31. Aug. Gestern mittag gerieten
inige junge Burschen in der Schillerstr. in Streit, waährend
essen Verlauf eine. das Messer zog und seinem Gegner
men Stich in den Leib versetzt. Der Junge ging noch
inig Schriste und brach dann zusammen. Der St'ich ist
nicht lebensgefährlich.
* Saarbrücken, 30. Aug. Ein italienischer Erdarbeiter
er des Schwimmens unkundig war, nahm gestern nach—
nittag iu der Saar am Neuostviertel ein Bad und ertrank.
Die Leiche wurde uoch nicht geborgen.
* Neunkirchen, 30. Aug. In der veiflossenen Nacht
ind die beiden berüchtigten Einbrecher Brocker und Peter
Marx, beide etwa 20 Jahre alt, aus dem hiesigen Gefäng⸗
nis ausgebrochen. Sie hatten die Betten zertrümmert und
nit den eisernen Stangen die Türen erbrochen. Beide teagen
laue Gefängniskleidnng.
*Heinitz, 26. Aug. Von dem hitesigen Polizeidien er
5chäfer auf der Arbeitsstelle verhaftet wurde heute vormitt ag der
doksarbeiter Schmidt aus Neunkirchen, welcher dringend ver⸗
ächtig erscheint, den Ueberfall und die Vergewaltigung
in der kleinen Pfeiffer am vergangenen Sonntag im Walde
wischen hier und Sinnerthal verübt zu haben. Bei der
Zegenüberstellung erklärten beide Mädchen, daß sie sich in
zer Person nicht getäuscht haben; auch die Bahnwärtersfrau,
ie ihn vorher am Weiher gisehen hat, erkannte ihn wieder.
Dda er sein Alibi nicht nachweisen konnte, wurde er nach
eunkirchen in Untersuchungshaft abgeführt.?
* Soest, 24. Aug. Folgin der Tabakfsteuer. Hier
nachen sich die Folgen der Tabaksteuer bemerkbar. Im Be—
k Hamm⸗Soest haben sich die Zigarrenfabrikanten genötigt
esehen, etwa 300 Tabakarbeiter wegen geringen Absatzes
hret Fabrikate zu entlassen. Nach der „Südd. Tabakztg.“
ind in den letzten 14 Tagen in Westfalen und dem en⸗
zrenzenden Tabakindustriebezirk etwa 800 Tabafarbeiter hrotos
aeworden.
—
Tesegramme.
Zahna, 30. Aug. Das Luftschiff 3. 3 kam auf seiner
Rückfahrt von Berlin nach Friedrichshafen infolge Bruches
es vorderen linken Propelers nur langsam vorwärts. Etwa
im 5 Uhr erschien es mit etwas geneigter Spitze bei Belzig,
sas etwa 5 Kilometer von Wittenberg entfernt ist. Die An—⸗
riebscheibe des rechten Propellers war abgebrochen, ein Pro⸗
zellerflügel riß sich los, zerriß die Ballonhülle und kam auf
zer anderen Seite wieder heraus. Dadurch entstand ein Loch
on etwa 2 Meter Durchmesser. An eire Weiterfahrt war
richt zu denken. Etwa 500 Meter von der Staunon Belzig
ntfernt auf dem Haideberg ging das Schiff glatt nieder,
nmitten von Erikablüten lieglt es idyllisch gebeitet. Zeppelin
r. hatte irotz des Unsalles seine Ruhe nicht verloren. Da
n der Frühe keine Hülfe vorhanden wmar, ließ er pon der
enachbarten Ziegelei mit der Dampfpfeife das Alarmsignal
jeben, auf das die Bevölkerung herbeieilte. Radfahrer wa—
len inzwischen nach Wittenderg geeilt und hatten um milllä⸗
ische Hülfe gebeten Eine Komp. des 20. Inf.⸗Reg. kam 'm
raufschritt an und ging sofort an di?e Arbeit, trotzdem die
Nannschasft völlig erschöpft war. Weitere 400 Mann und
ämtliche Büchsenmacher sind eingetroffen. Um die nötigen
krsatzteile wurde sofort nach Friedrichshafen telegraphicti.
Im 11 Uhr begann man mit dem Absägzen der vorderen
Beftelle, an welche die Propeller montiert sind. Nachts
sjatten in den oberen Luftschichten starke Winde geherrscht,
zie den Bruch des zweiten Propellers verursacht hatten.
Zahna, 39. Aug. Alle Mann haben zu tun, um dae
pufischiff, das on der Spitze an einem einge,rabenen Wagen
iner Ziegelei, der mit Eisenschienen belastet ist, zu verankern
ind in die Windrichtung zu stellen. Der kallon ruht mit
einem geringen Uebergewicht auf der vorderen Gondel, so—
aß er fortwähren gesüllt werden muß. Die hintere Goudel
chwebt in der Lust. Die Risse im Ballon werden notdürf⸗
ig repariert, da die Gefahr besteht, daß sie sich bei starkem
Vinde sehr erweiterr. Mittleiweile sind Leute vom Luft⸗
ch fferbataillon beschäftigt, das zerstörte Ballonnett aus seiner
zelle zu ziehen, was viele Mühen kostet, damit
ie Reparatur vorgenommen werden kann. Ein großer
Topf mit Gummilssung stebt zu diesem Zweck bereit. Major
zroß ist ebenfalls an der Unfallstelle anwesend. Auf ein
delegramm, das Oberingenieur Dürr nach Berlin sandte, sind
ofer 530 Mann vom Luftschiffer-⸗Bataillon aus Berlin ein⸗
etrofften.
Zahna, 31. Aug. Bei der Beratung über die zutreffende
Maßnahmen wurde beschlossen, nur einen neuen Piopeller
nit drei Schtauben zu montieren. Die Friedrichshakenter
Nonteure sind gestern hlier eingeiroffen.
Zahna, 31. Aug. Zwischen 7 und 8 Uhr änderle sich
ie Situation folgendermaßen: Ein schweres Gewitter zog
serauf. Bei grellen Blitzen erschien das Luftschiff in wun—
erbarer Beleuchtuug. Der veraakerte Ballon schwenkte in⸗
olge des Windes in die Zuschauermenge hinein, welche rasch
»as Feid räumen mußte. Die Offiziere hbeßen alle Lichter
ind Laternen 200 Merer vom Ballon entfernen, da die Ge⸗
ahr einer Explosion bestand. Gleichzeitig wurde mit dem
rinbauen eines neuen Propellers begonnen, was bei Scheir⸗
jerfern geschieht. Im allgemeinen war gegen 8 Uhr die
zituation ähnlich, wie bei Echterbdingen. — Graf Zeppelin
at gestern dem Kaiser Franz Joseph gemeldet, daß die Be⸗
chtigung verschoben werden müsse, worauf aer Kaiser mit
iner Einladung zur Hoftafel antwoꝛtete.
Kattowitz, 30. Aug. Beim Bau eines neuen Schachtes
er Jahngrube bei Dombtowo stürzte die Seitenwand ein;
icht Bergliute sind tot.
Wien, 31. Aug. Der polrische Gutsbefitzer Kotowski
»enahm nich gistein auf einer Eisenbahnfahit derart aufge—
egt, daß die Verwaltung beschloß, ihn zu beobachten. Ploͤtz⸗
sch zog der Gutsbesitzer einen Revolver und feuerte einen
„chuß auf einen Beamten ab, der ihm gegenüber Platz ge⸗
sommen hatte. Ecntraf den Beamten ins Herz, der sofort
ot war. Dann wandte er die Waffe gegen einen andern
zeamten. Die Waffe versagte jedoch und als man ihn un—
hädlich machen wollte. sprang derselhe aug dem Quge
Nachdem der Zug anhielt, konnte man den Wahnsinnigen
estnehmen.
Innsbruck, 30. Aug. Kalser Franz Josef ist heute
norgen 7 Uhr unter großen Dpationen der Bevölkerung nach
Zregenz abgereist, wo ihm der Z. 3 vorgeführt weiden sollte.
Anterwegs erhielt dec Kaiser Nachricht von dem Ungluck des
Zallone. Ec sprach sein lebhaftes Bedauern darüber aus.
An den Grafen Zeppelin sandte ei sehr herzlich gehaltenes
Beileids⸗Telegramm.
Brüssel, 30. Aug. Baron be RNove und seine Gattin
sefand sich gestern auf einer Spazierfahrt im Wagen. Der
dutscher wollte eine nicht geschlossene Eisenbahnschranke noch
sor Ankunft des Zuges überfahren. Der hintere Teil des
Wägens wurde von dem heranbrausenden Zuge ersaßt und
die Insassen herausgeschleudert. Dem Baron wurde der
dopf abgeriffen, die Baronin starb kurz nach dem Unglück
in den erlittenen Verletzungen. Der Kutscher klam mit dem
Schrecken davon.
Paris, 31. Aug. Echo de Paris meldet aus London,
daß von den 6 Kriegsschefffen, deren Bau bedingungswe'ie
beschlossen ist, 2 im November dieses, die andern im April
ächsten Jahres fertiggestellt sein müssen.
Chalon, 31. Aug. Der mit der Untersuchung betr. des
Diebstahles des Laufes eines Maschinengewehrs betraute General
rklärte in einem Interview, daß die Wichtigkeit des Dieb⸗
lahles bedeutend übertrieben sei, daß das Hauptftück gar
nicht gestohlen wurde, da es an der Lafette fest angeschraubt ist.
Madrid, 31. Aug. Die Beschießung von Ponan dau⸗
ert fart. Ein Stamm Mauren hat gegen die Belästigungen
der Spanier, gegen die er freundlich gesinnt sei, Einspruch
ꝛ hoben.
London, 31. Aug. Aus Madrid wird gemeldet,
35 000 Reservisten sind durch königliches Dekret mobil gemacht
vorden. Der Minister des Auswärtigen dementiert das
Berücht, wonach der Frieden bevorstehe.
Newyork, 30. Aug. Die Ueberschwemmung des Santa
datharinaflusses zat in dem Gebiet von Monterey allent⸗
salben Schaden angerichtet. Am Samstag morgen stürzt en
lötzlich Wassermassen im Fußbett zu Tal und rissen die
däuser am Suldufer mit allem, was sich darin befand, mit
ich fort. Vom Nordufer schauten die Menfschen zu und
varen nicht imstande, Hilfe zu bringen. Tausende von
Menschen haben ihr Hob und Gut verloren. Die Zahl der
fẽrtrunkenen erreicht 1200, die Sachschaden wird auf 20
Millionen Dollar geschätzt. Der Fädtischen Behörden sind
zergebens bemüht, sür die Notleidenden Nahrung und Klei⸗
)ung zu beschaffen. Heute begingen die Wasser zu verlaufen.
Die Gefahr ist vorüber. Bis Sonntag abend waren 500
Zeichen geborgen.
New PYort, 30. Aug. In der Nähe von St. Louis
iberfuhr der Rocky ⸗Dountains Schnellzug ein Automobil.
5 Mersonen sind getötet. daruner 4 Deufsche
56. Katholikentag.
Die 56. Generalversammlung der Katholiken Deutsch—
lands nahm heute Nachmittag 2 Uhr durch einen Festzug
der katholischen Arbeiter —500 Gesellen- und Handwer—
ervereine mit gegen 20 000 Mitgliedern — seinen An—
ang. Vor dem fürstbischöflichen Palais hielt Kardinal
Dr. Kopp eine Ansprache und erteilte den Segen, wor
ruf der Zug sich weiter zu der auf dem alien Scheitniger
tennplatz erbauten Festhalle bewegte. In der vom Diö—
zesanbaurat Ebers entworfenen, von der Firma Stromeyer
n Konstanz ausgeführten, 10 000 Personen fassenden Fest⸗
ꝛalle jand um 8 Uhr die Begrüßung statt.
Der Begrüßungsabend.
In der Begrüßungsversammlung am Sonntag abend
errschte ein gleich starkes Gedränge wie in den kurz vor—
ser gegangenen Arbeiterversammlungen. Die glänzende
zeleuchtung ließ das harmonische Farbenspiel der inneren
lusstattung erst zur richtigen Geltung kommen, besonders
»ie Erlöserstatue und die der allerheiligsten Jungfrau mit
hrem Perlenkranze von eleltrischen Glühlampen wirkte zur
Andacht stimmend. Die alten treuen Mitglieder der Ge—
neralversammlungen der Katholiken Deutschlands hatten
ich schon zu der Begrüßunzsversammlung fast vollzählig
eingefunden. Es würde zu weit führen, alle die Namen
zon gutem Klang zu nennen, oder auch nur ein Wort
iber die dargebotenen musikalischen Genüsse zu verlieren,
die auch den höchsten Ansprüchen genügen mußten.
Die Reihe der Begrüßungsansprachen eröffnete der
bräsident des Lokalkomitees Geh. Justizrat Dr. Porsch
nit einem herzlichen Willkommen. Seine Rede schloß mit
dem Ruf: Die beiden höchsten Gewalten, unser glorreich
regierender Past Pius 10. und Seine Mejestät Kaiser
Vilhelm 2. Hoch! Hoch! Hoch! Die Versammlung stimmte
egeistert in das Hoch ein und sang stehend die National⸗
symne. Es kam im Laufe des Abends noch eine sehr
roße Zahl von Rednern zu Wort.
Abg. Leopold Quntschak⸗Wien knüpfte an die
zemerkuͤng des Präsidenten an, daß wir in Deutschland
ine Minderheit bildeten. In Oesterreich sei man in der
Neorheit, aber auch das habe sein Bedenkliches, die In⸗
olenz werde leicht zu groß.
Geh. Justizrat Dr. Por sich dankte für die Grüße
us Oesterreich und sagte, Graf Praschma werde als Ver⸗
reter der Breslauer Generalversammluna dem Wiener
datholikentag beiwohnen.
Universitätsprofessor Schnüsrer überbrachte die
zrüße der Schweizer Katholiken, Dr. Frhr. v. Aretin
des katholischen Bayernlandes; er bat, auch wieder ein—⸗
nal eine Katholikenversammlung in Bayern abzuhalien.
Aus der Reihe der zahlreichen weiteren Redner seien
senannt: Domprobst Dittrich, der Grüße des Ermlandes
iberbrachte, und Justizrat Trimborn-Köln, der in seiner
ekannten humorvollen Art die Versammlung längere
Zeit aufs angenehmsie fesselte. Die Grüße der Westsfalen
ind seines erkrankten Vaters, des Vorsitzenden des Zen—
ralkomitees, überbrachte Graf Max Droste-Vischering. Die
Brüße des römisch-katholischen Zentralvereins Amerikas,
Nikolaus Jonner. Auch sprach Amtsgerichtsdireftar Gioßer-Mannheim.
Zahlreiche Begrüßungstelegramme aus allen Teilen
des Reiches und aus dem Auslande wurden verlesen, dar—
unter auch cin Telegramm des Abg. Frhrn. v. Herthmna.
sßegen 11 Ubr aing die Nersammung auseinondor
Anläßlich der Generalversammlung der Katholiken
deutschlands fand Sonntag Nachmittag in der Festhalle
eiine Arbeiterversammlung statt, an der unter
türmischem Beifall und Hochrufen Kardinal Fürsibischoj
Or. Kopp erschien. Dieser sprach seine Freude aus über
die große Beteiligung der Arbeiter an dem Festzuge und
an der Versammlung. Die RKirche ehrte die Arbeit siets;
sie wolle die Arbeites nicht nur geistig, sondern auch ma—
erell heben und trete für höhere Löhne ein. Diese höge—
en Löhne sollen aber nicht zur Befriedigung von Leiden—
chaften, sondern zur Wahrung des christlichen Familien—
innes dienen. Zum zcchusse seanete der Fürstbischof die
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