Full text : Dudweiler Zeitung (22.1909)

Sivel des Puonrums. RNach wenigen Vinuten war es
sm dichten Nebel entschwunden. In der vorderen Gondel
efanden sich Graf Zeppelin sen. Graf Zeppelin jun., die
Oberingenieure Dürr und Kober, Ingenieur Lau, Steuer⸗
mann Hacker und die Monteure Schwarz und Laburda, in
der hinteren Gondel Direktor Colsmann, Ingenieur Stabl
und Monteur Kast.
Wittenberg. 29. Aug. „Z. 3“ befand sich um 8
Uhr 40 Min. über Wittenberg.
Potsdam, 29. Aug. 53. 3* erschien um 10 Uhr
15 Min. über Potsdam, manövrierte über Sanssouci und
nahm um 411 uhr seine Richtung nach Berlin.
In der Reichshauptstadt.
Berlin, 29. Aug. Bei prächtigem Wetter, unter
»em Jubel der Bevölterung, ohne irgend einen Zwischen⸗
all, und ohne daß in den großen Menschenansammlungen
rgend ein gefährlicher Moment entstanden wäre, hat heute
Berlin Zeppelin empfangen. Alle Berliner, sagen wir
Froßberliner, einige Millionen, haben den Grafen und
ein Schiff gut, nae und ohne Gefahr gesehen, haben ihn
ubelnd begrüßt und sind zufrieden. Kein Mißton hat
»en Tag gestört. — Kurz vor 11 Uhr entstand schon leb—
zafte Bewegung. Im Südwesten war am Horizont das
rie we Schiff als feines, weißes, in der Sonne hel!
euctendes längliches Etwas zu erkennen, noch weit in
der Ferne über den südwestlichen Vororten kreuzend, of⸗
enbar um für pünktliche Ankunft Zeit zu gewinnen. In
der am Rande des Platzes gelegenen Augustaner-Kaserne
zing die Kaiserstandarte hoch. Der Kai s,ser, aus der
Farnisonslirche kommend, war mit der gesamten Familie
und dem Hof eingetroffen. In wenigen Minuten war die
weite Fläche des Feldes von einer einzigen, großen, dicht⸗
Jedrängten Menschenmasse bedecht. Alle Blicke waren auf
das Luftschiff gerichtet, das gegen 124 Uhr von Lichterjelde
 her in rascher direster Fahrt auf das Feld zusteuerte.
VBon uͤngeheurem Jubel begrüßt, steuerte es in mäßiger
Zdöhe in der Mitte des Feldes und in großem Bogen
iach dem Rand der Hasenheide, wo die Augustaner⸗Ka⸗
erne liegt, und beschrieb vor den Tribünen eine Kurve.
Von da sieuerte es über die Stadt nach dem Schlosse,
überall von den Dächern und Straßen aus mit Jubel
hegrüßt, umsuhr den Dom, das Rathaus, vor dem es
eine Verbeugung machte, die Petrikirche, fuhr die Linden
entlang am Reichstag vorbei nach Westen, kam von Char⸗
tottenbura noch einmal den gleichen Weg 2urück und aing

er dazu vestimmten Steltle. Der Katser und vus Sesorge
gingen ihm entzegen. Absperrung gab es nicht und mühe—
os landete das Schiff. Zeppelhin mit seinen Beglei—
ern entstieg der vorderen Gondel, vom Kaiser herzlich
ind scherzhaft begrüßt, denn er drohte mit dem Finger.
kEine Musikkapelle spielte „Deutschland, Deutschland über
illes“. Mit lauter Stimme hielt Bürgermeister Reicke
ine Begrüßungs-Ansprache an den Grafen Zeppelin. Nun
rtönte des Kaisers helle Stimme: „Exzellenz Graf Zeppe—
in hurra!“ Die Versammelien stimmten ein, dann zeigte
zeppelin dem Kaiser den zerbrochenen Propeller und über—
ab das Luftschiff dem vom Kaiser herbeigerusfenen Mazor
jroß. Etwa eine Viertelstunde lang fand noch eine leb—
afte Unterhaltung statt. Man besichtigte das Schiff und
ie Gondel, und als der Kaiser mit Zeppelin mit seiner
veißen Mütze voraus nach den Automobilen ging, zog die
Musikkapelle lustig mit und unter Grüßen und Rufen der
zurückbleibenden führte der Kaiser den Grafen im Auto—
nobil, gefolgt vom Hose, ins Schloß, auf dem ganzen
Weg und namentlich Unter den Linden vom Publikum
türmisch begrüßt. Der Kaiser war sehr erfreut.
Berlin, 29. Aug. Gleich nach der Landung wurde
Drville Wright dem Kaiser und von diesem dem
vrafen Zeppelin vorgestellt.
Berlin, 29. Aug. Seit 3 Uhr ist dem Publikum
sas Betreten des Schießplatzes in einem gro—
zen Umkreis um das Luftschiff herum gestattet. Alles
zerläuft ruhig und ohne Gedränge.
Im Schlosse.
Berlhin, 29. Aug. Der Kaiser traf mit dem
Brafen Zeppelin um 24 Uhr im Schlosse
in. Ungezählte Tausende von Menschen umstanden den
zchloßplatz jubelnd und patriotische Lieder singend. Als
ie Ovationen kein Ende nahmen, erschien der Kaiser in
er Uniform des Luftschifferbataillons mit dem Grafen
zeppelin auf dem Balkon, enthusiastisch von der
Nenge begrüßt. Graf Zeppelin hatte anscheinend die Ab—
icht, eine Ansprache zu halten, doch ließ ihn der Jubel
er Menge nicht zu Worte kommen. Später erschien der
zraf noch einmal an der Hand der Kaiserin; auch die
Zberingenieure Dürr und Kober zeigten sich, lebhaft
zegrüßt, auf dem Balkon.
Berlin, 29. Aug. An der Frühstückstafel bei dem
daiserpaar nahmen Graf Zeppelin im dunklen
Fakettanzug, wie er vom Luitschiff kam, sowie Direktor
Folsmannu, Oberingenieur Dürr und Oberingenieur
Zober teil. Der Kaiser trank während des Mahles
edem dieser Herren zu.
Die Rückfahrt von Berlin.
Berlin, 30. Aug. Das Luftschiff trat die Rück—
ahrt Sonntag 11.24 Uhr an. Kurs Südwesten.
Wieder eine Zwischenlaͤndung auf zwei Tage.
Berlhin, 30. Aug. „Z. 3* ist 6 Uhr 30 Min. bei
der Station Zahna an der Linie Jüterbog-Wittenberg ge—
landet infolge von Propellerbeschädigung. Der Ballon
wird mindestens zwei Tage bei Belzig liegen bleiben, da
die Ersatzteile, die von Friedrichshafen abgehen, erst mor—
gen eintressen. — Nach einer weiteren zuverlässigen Mit—
eilung hat „Z. 3* einen Bruch des zweiten vorderen Pro
ellerserlitten. Ein Stück durchschlug die Hülle, sodaß
gas ausströmte. Obgleich der Ballon sich in Höhe hielt,
og man doch vor, die Fahrt abzubrechen. Das Luit—
chiff liegt auf der Heide bei Belzig.
die Abreise des Grafen Zeppelin im Salonwagen.
Berlin, 29. Aug. Graf Zeppehbin hat heute
ibend vom Anhalter Bahnhofe aus mit dem fahrplanmä—
zigen Zuge um 9 Uhr 45 Min. in einem Kaiserlichen
Saͤlonwagen die Rückreise angetreten. Trotzdem die Stunde
der Abfahrt nicht bekannt gegeben worden war, hatte sich
doch auf dem Baqhnhofe ein zahlreiches Publikum ange—
ammelt, das dem Grafen begeistert zujubelte und ihm
Auf Wiedersehen“ zurief. Graf Zeppelin hielt vom Wa—
jzenfenster aus in sichtlicher Rührung über die begeisterte
Zaltung des Publikums etwa solgende Ansprache: „Ich
zanke Ihnen und Ihren Mitbürgern für die warme und
egeisterte Aufnahme, die ich nicht nur beim Kaiser und
einem Hause, sondern auch bei der ganzen Bevölkerung
Beruns gefunden habe. Sie wissen, daß es schon lange
nein Wunsch war, nach Berlin zu kommen. Wenn es mir
eßt trotz vieler Zwischenfälle, die mich auf dieser Reise
betroffen haben, gelungen ist, so habe ich das Gott zu
derdaukten. Nochmals meinen inniasten und herzlichsten
Dank.“
Babys suchen ihre Eltern....-Berlhin,
 30. Aug. Während des Zeppelinta—
02 irhden »ie ner narene Kinder 06*

ungen Grafin Beppelin, und einigen Herren seiner gereife
mpfangen. Graf Zeppelin hörte erst hier die näheren
imnstaͤnde des Mißgeschickes, das dem Luftscheff zugestoßen
st. Es sei klar, so meinte er, daß die Propeller nicht so
zAleiben konnten, sie müßten gewisse Abänderungen erfah⸗
ren, vor allem wohl etwas beschntten werden. Ein defi⸗
nitives Urteil darüber, sowie über die Frage, ob der
neue Antrieb beibehalten oder ob auf den alten zurückge⸗
friffen werde, sei natürlich ohne weitere Prazis nicht zu
ntscheiden. Er habe nicht mit völliger Zuversicht auf die
durchführung des Programms mit dem ungenügend aus—
robierten Fahrzeug gerechnet. Es sei aber unmöglich
zewesen, jeßt zum zweitenmal Berlin eine Enttäuschung
zu bereiten und den Termin erneut hinauszuschieben, zu⸗
nal da schlimmstenfalls wie jetzt einige Havarien eintre—
ten konnten. Er freue sich, daß er so bis Berlin habe vor⸗
dringen können, das ihm einen Empfang bereitet habe,
der ihm sitets unvergeßlich bleiben werde. Gegenüber die—
ser Landung und den andern Erfolgen trete das relat ve
Jeine Mißzgeschick völlig in den Hinterarund.
Neues von der Luftschiffahrt.
Ein Unfall des Parsevalballons.
Am Samstag gegen Abend unternahm der Parseval⸗
hallon wieder einen Aufstieg. In der Gondel saßen elf
bersonen. Das Luftschiff flog in nördlicher Richtung über
ie Stadt. Im Nordend wurde bemerkt, daß der Bal—⸗
on in der Mitte einen Knick hatte, er manövrierte einige
zeit über der Musterschule, wo er direlt über dem Dach
iand. Er fuhr dann, wenige Meter über der Erde, die
xschersheimer Anlage entlang, wo sich ein vielhundertköp⸗
iges Publikum angefammelt hatte. Man glaubte, er würde
and, doch schleppte er sich weiter. Der Motor wurde ab—
estellt und die Propeller hingen schlaff herunter. Gleich⸗
eitig sah man, wie aus der Gondel Wasserballast abge—
seben wurde. Das Luftschiff drehte sich einige Male im
dreise und es schien so, als wolle es in der Nähe des
daupthahnhofes niedergehen. Aber ebenso schnell wie sich
er Ballon deformiert hatte, nahm er auch seine pralle
gestalt wieder an. Er flog in schneller Fahrt weiter In—
olge der bedeutenden Ballastabgabe stieg der Ballon zu
ꝛeiner Höhe empor, wie er sie nur selten erreichte. Nach
34 Uhr landete er glatt auf dem Flugfeld, von wo er
u dem Korbplatz hinübertransportiert und in seine
Zalle gebracht wurde. Der Unfall erklärt sich dadurch,
zaß das Vent'l in Unordnung geraten war, so daß der
Ballon seine pralle Form verlor.
die aviatische Woche von Reims.
Reims, 29. Aug. Bleriot stellte einen neuen
Zchnelligkeitsrekord für 10 Kilometer mit 7 Min. 538 Set.
auf. Der Amerikaner Curtiß verbesserte ihn dann in
wunderbareni eleganeem Fluge auf 7: 55. — Im Gor—
don-Bennet,“Rennen braucht Curtiß für zwei Runden
zleich 20 Kilomeier 150 Min. 5 Set. Lefsebvre legte die
jleiche Strecke auf seinem Wright in 20: 48 zurück.
Reims, 30. Aug. Bleriot hatte einen Un—
all. Seine Maschine stürzte plötzlich herab und über
chlug sich auf dem Boden mehrmals. Der Benzinbehäl—
ter zerbrach, und die teure Maschine ging in Flammen
auf Bleriot hatie starle Schmerzen an der Hand, ist je—
»och gänzlich unverletzt. Er kann selbst nicht sagen, aus
velchem Grund die Maschine plötzlich versagt hat. Auch
Breguet hatte einen Unfall. Er streifte bei niedri—
gem Flug die Erde. Flügel und Schraube gingen ent—
zwei, der Luitöichiffer selbst ist mit heiler Haut davonge
n mmer

Aius West⸗- und Süd⸗Deutschlaud.
* Köln, 30. Aug. (Entghleist.) Am Samstag ent
gleiste die Lokomotive und der Postwagen des in de—
Fölner Hauptbahnhof einfahrenden Personenzuges 310
Reisende und Beamte wurden nicht verletzt. Der Betrieb
wird ohne bedeutende Störungen völlig aufrecht erhalten.
* Frankfurt, 30. Aug. GGin durchgegange—
ner Ballon.) Kurz nach zwei Uhr setzte ein heftiger
Wind ein. Der Ballon „Hamburg“ wurde losgerissen und
entwich führerlos ohne Korb in die Lüfte. Der Ballon
‚Alphia“, der zum Aufstieg fertig war, wurde eine kurze
Ztrecke geschleift. Der Führer, der schon in der Gondel
aß, zog die Reißleine und brachte den Ballon rasch zur
ẽntleerung. Er „landete“ am Ende dem Korbplatzes in
der Nähe des Aepjfelweinrestaurants.
* Pforzheim, 30. Aug. (HFe u er.) Im Stadttei'
Brötzingen brach Feuer aus, das 5 Häuser und ebenso—
ziele Scheunen vernichtete. Dreizehn Familien sind ob—
Ai 145 4 hierftel Million

ber dos *
N3
            
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