— Srimmitschau, 28. Aug. 2 Uhr Nachm. So—
ben wird „8. 3“ über unserer Stadt gesichtet.
Altenburg, 28. Aug. 4 Uhr Nachm. „Z. 3“ hat
zwischen Crimmitschau einen Propeller verloren, er fährt
jangsam weiter. Man vermutet eine Landung in Leiv⸗
zig.
Tannenberg, 28. Aug. Das Lufftschiff überflog
4.40 Uhr unsere Stadt, der vordere Propeller fehlte. Der
Flug ist sehr langsam. Der Propeller hat sich bei der
Heilanstalt Tannenberg gelöst und stürzte in die Tiefe.
Bitterfeld, 28. Aug. „Zeppelin 39 wird, 46
Uhr, von Leipzig kommend, hier gesichtet.
Die Landung in Bitterfeld.
Bitterfeld, 28. Aug. 6.30 Uhr. „Z. 3* ist so—
eben glücklich gelandet. Gleichzeitig mit dem Luitschiff kam
der Kronprinz mit dem Grafen Zeppelin im Automobil
an der Landungsstelle an—
Berlin in Erwartung.
Berlhin, 28. Aug. Nachdem es die ganze Nacht
his in die frühen Morgenstunden sehr stark geregnet hatte,
jat sich seit Vormittag das Wetter stetig aufgeklärt. Der
himmel ist noch von lichtgrauen Wollen bedeckt, aber zeit⸗
weise blickt sthon die Sonne durch und es ist alle Aus—
sicht auf einen hellen, regenfreien Nachmittag. Die Aus—
schmückung der Straßen, die Flaggen an den Häusern und
auf den Dächern zeigen etwa das Bild, das Berlin an
einem großen Paradetag gibt. Ein starker Zuzug von
Fremden macht sich bemerkbar. Es herrschte auf den Stra—
zen schon in den Vormittagsstunden gesteigerles Leben
ind auf den großen öffentlichen Plätzen im Tempelhofer
Feld haben sich bereits große Menschenansammlungen seit
»en Morgenstunden eingestelnt, die, teilweise mit Proviant
usgerüstet, Zeppelins Ankunfst erwarten wol'en.
Bitterfel d, 28. Aug. 4.40 Nachm. Nach hierher
gelangter Nachricht wurde 8. 3“ gegen 44 Udr über
Borna gesichtet. Ingenieur Kober telegraphiert, daß an
2 Propellern je 1 Flügel abgebrochen sei.
Leipzig, 28. Aug. Das Luftschiff fuhr in ruhi—
zer Fahrt über unsere Stadt und ichlug die Richtuna nach
BRitterfeld ein
* *
Das „Militärwochenblatt“ über Zeppelin.
In einem Begrüßungsartikel, überschrieben: „Dem
rafen Zeppelin“, sagt das „Militärwochenblatt“ u. a.:
„Luftschifse sind vorläufig noch keine Vertehrsm ittel,
za sie für eine Anzahl von Tagen technisch noch unver—
neidbare Abhängigkeit von der Windstärke regelmäßige
Fahrten nach der Uhr ausschließt. Sie sind aber hervor—
agende Beförderungsmittel für eine große Anzahl von
Tagen im Jahre. Daher ist der vom „Luftschiffbau Zep⸗
helin“ ausgegangene Gedanke, eine Alttiengesellschaft zu
rründen, die die Motorluftschiffahrt praltisch zu Rund—
ind Zielfahrten verwerten will, mit Freuden zu begrü—
zen. Daß solche Fahrten an den meisten Tagen gelingen
verden, zeigen die herrlichen Fahrten des „3. 2“ nach
Köln und hoffentlich die Fahrt des „Z. 3“ nach Berlin.
Darum werden die Zeppeline, auch wenn sie der Wind
»orläufig an einer Reihe von Tagen ausschaltet, ein sehr
vich iges Hilfsmittel der strategischen Fernaufklärung sein
Auch Kavallerie-Divisionen können durch starke Gelände
abschnirte in ihrer Tätigkeit gehemmt werden; sollen wir
sie deswegen nicht verwenden? Doch nicht nur dem Werke
und seiner Bedeutung wollen diese Worte gerecht werden,
sie sollen auch sagen. warum wir dessen Schöpfer mit so
besonderer Freude willkommen heißen. Wir begrüßen in
dem Grafen Zeppelin den tapferen Soldaten, der als ei—
ner der ersten auf heldenmütigem Ritte am 24. bis 26.
Julit 1870 Kunde über den Feind brachte. Wir freuen
uns, daß es ihm vergönnt war, in der an Ehren reichen
militärischen Laufbahn. die ihn bis zu den höchiten Stel—
sen führte, für die Größe des deutschen Namens und
des Heeres fortzuwirken in selbstloser, nie zu beugender
und schließlich großartig erfolgreicher Arbeit. Für unser
Volk wird der Name Zeppelin für alle Zeit unvergessen
ZAeiben; ihm bedeutet der Graf Zeppelin trotz all der an—
deren bedeutenden Luftschfier die verkörperte Erfüllung
des uralten Sehnsuchtswunsches der Menschheit, die Luf
nach eigenem Willen durchkreuzen zu können. Die Luit—
chiffahrt verdankt dem Grasen Zeppelin die Anregung zu
zer gewaltigen Entfaltung der Luftichiffahrt und des In—
teresses für diese in dem vergangenen Jahre. Seit dem
Tage von Echterdingen haben der Deutsche Luftschifferver—
vand und der Luftflottenverein einen auffallenden
an Mitgliedern, neuen Vereinen und Ori—
en. Zahlreiche Gesells*
vertung der Lue
tinna
aß Deutschland am Ende des ersten Jahrzehnts unseres
zahrhunderts im Zeichen der Luftschiffahrt, als des neue—
en zukunftsreichen Zweiges der Verkehrs!echnik, steht.
Nöge uns der ehrwürdige Vorkämpfer noch lange erhal—
en bleiben. Ein Hurra dem Grafen Zeppelin!
Zeppelins Fahrt nach Berlin.
Unsere Karte soll unseren Lesern den Weg veran—⸗—
chaulichen, den der „Zeppelin 3* bei seiner Fahrt nach
zerlin programmgemäß einhalten soll. Selbstverständlich
st dabei in Betracht zu ziehen, daß Wind und Wetter
roßen Einfluß ausüben können, und daß es zwei'elhaft
st, ob der Weg genau nach Vorschrift wird eingehalten
verden können. Unter allen Umständen aber hat Graf
Zeppelin versprochen, die Städte Ulm. Nürnbera, Plauen
in
2n
n
—
— 23
uind Bitterfeld zu besuchen. Es könnte sich alfo höchstens
uim geringe Abweichungen innerhalb der Zwischenstrecken
sandeln. Die ganze Strecke bis Bitterfeld mißt in der
Zuftlinie rund 600 Km. Da „Z. 3“ bei seiner Probe—
ahrt eine mittlere Geschwindigkeit von 40 Km. in der
Ztunde entwickelt hat, wären etwa 15 Stunden erforder⸗
ich. Der Rest der Strecke von Bitterfeld nach Verhin ist,
in 24 Stunde höchstens zu erledigen.
Bitterfeld, 28. Aug. Wetterbericht von 8 Uhr 30
Nin. morgens: Windgeichwindiokeit in 100 Meter Höhe 4
HMeter, in 200 Meter 36 ir 300 Meter 622, in 400 Meter
24
Ein neuer Unfall.
Altenbu?g, 28. Aug. 4 Uhr nachm. Z. 3 hat zwl⸗
chen Crimmiischau und hier nahe Schmölln einen Vroveller
gerloren und fährt langsam weiter.
Bitterfeld, 28. 4330 Uhr. Der Czef des Stabes
es Freiwilligen Automobilcorps begleitete Zeppelin mit sei—
rem Automobil und telegraphierte: Propeler gefunden ein⸗
chließlich Reemenschei er und Scheibe, ein Flüzel fehlt, bringe
Zropeller mit. Ferner ein Telegramm von 8. 3 eingegar—
jen, daß der Schaden repariert sei und die Fahrt fortgesetzt
rird. Das Vuftschiff arbeitet mit einer Schraube.
— 440 Uhr. Ingenieur Cober telegraphierte, daß zwei
Zropeller je einen Flügel veriocen haben. Graf Zeppelin ist
urz vor halb 5 Udr im Kraftwagen dem Luftschiff entgegen
efahren.
— Um 5,30 Uhr fuhr das Laftscheff langsam über Leip—
ig gegen Sirterfeld, wo es 5,55 gesichtet wurde.
— 8. 3 it, sehnlichst von Hunderitausenden erwartet und
egrüßt, an der Landungsstelle des Puisseval. Ballons att
elandet. Jubel unbeschreiblich. Dte Menge den*
er Kundgebungen für 3py lin
Bostenketse urg
Die Fahrt nach Berlin.
Berlin, 29. Ruo., 10,30 Uhr. Soebven passierte 8.
dotsdam. 10,40 Groß-Lichterfelde. 10,44 war es Übe
»er Kadettenanstalt und um 12 Uhr wurde is in Tempel
of gesichtet. Um 11 Uhr fuhr der Kaiser, die Kaiserin und
Prinz Eitel⸗-Friedrich nach dem Tempelhoser Felde. De
dionprinz, welcher abends von Bitterfeld wieder in Berlp
ingetroffen war, fuhr nach
Die Antkunft in Berlin.
Berliun, 29. Aug. Z8. 3 schwebte 12.30 Uhr übe—
dem Tempelhoferfelde, wo es von einer ungeheuren Men
chenmenge begrüßt wurde. Es ist ein undeschreiblicher Ju
bel. Nachdem es eine Viertelstande maröverierr hatte, fuh
is nach Tegel welter. Die Mililät Cot ons wurden durch
hrochen. Der Jubel n mmt kein Ende. Zahlrelche Unfäll
ind vorgekommen. 1,85 landete 8. 3 in Tegel, von eine
iesigen Menschenmenge donnernd empfanger. Graf Zeppe
lin und stine Begieiter wurden von der Kaiserlichen Fam
ie aufs herzlichste begrüßt.
Berlin, 31. Aug. Graf Zeppelin hat gestern mit der
ahrplanmaßigen Zuge, 9. 8 Uhr, in kaiserlichen Salo wagen
den ihm der Karser zur Verfügung stellte, vom Anhalte
Bahnhofe aus die Ruckfahrt angetreten. Als sich der Gra
in den Wazen begab, brach die Menge in einen stürmischen
Jubel aus. Der Graf machte durch Zeichen kund, daß er
reden wolle und sofort schvieg die Menge. Er sprach sol
gendes: „Ich schätze mich glücklich, daß es mir mit Gottes
hilfe vergönnt gewesen war, mit meinem Luftschiffe hierhe
zu kommen. Ich danke der Berliner Bevölkerung von gan
zem Herzen für die mir erwiesenen Aumerksamkeiten, die mid
ast besch amen. Also noch vielen vielen Dank.“ Nach dieser
Worten folgte lanter Jubel und auf die Zurufe „Au
Wiedesehen“ sprach der Gtaf „Ich werde es richten.“ Unte'
inhaltenden Rufen fuhr der Zug davon. — An der Früh
dückslafel nahmen teil: Graf Zeppelin, die Oberingenieur—
Düurtr und Kober sowie Direltor Colsmann. Der Kaiser
rank während des Mahles diesen Herren öfters zu. Nad
der Fruhstückstafel erschien der Kasser mit dem Grafen an
Ferster. Die im Lustgarten anwesende Menge brach ir
ausend Hochtufe aus und sang „Die Wacht am Rhein“ so
wie „Deutschland über alles.“ Um 3.45 reiste der Kais⸗
lach Swinemünde zu den Fliuttenmanövern ab.
Die Rückfahrt und neuer Unfall.
Berlina, 30. Aug. Der 3. 3 hat die Rück'ahrt nach
friedrichshafen noch gestern abend um 8.30 Uhr angeireten
die Führung des Lustschiffes hat wiederum Oberingenieu
Dürr übernommen. In dec Goadel defanden sich außerden
der junge Graf Zeppelin und Oberingenieur Kober. Von
Scheinwerfern beleuchtet fuhr das Luftschiff nach Cyarlotten
durg weiter. Da nur ein kleiner Umkreis um den Ballor
abgesperrt war, wohnte eine nach tausenden zählende Mengt
der Abfahrt bei. Da die Reparaturen an dem Propellet
erst in Bitterfeld vorgenommen werden sollen, fährt es bis
horthin nur mit drei. Nach Beendigung der Rexa atur wird
ofort die Reise nach Friedrichshafen fortgesetzt.
Berlin, 30. Aug. Z. 3 ist auf der Ruckfahrt nach
Bitterfeld einstweilen zwischen Jüterbogk und Wittenberge ge—
andet. Es heißt wegen eines Defeltes. Näheres fehlt noch
Die Landung erfolgte in Zahna, woselbst das Schiff der
echten Propeller verlor. Bei der Landung wurde die Bal
onhalle auf beiden Seiten verletzt. Auf telegraphischem
Bege wurde Militär ron Wittenberg requir‘ert. Das Schis
vird einige Tage liegen bleiben, bis Ecsakeile aus Frie⸗
hrichshafen eintreffen.