Full text : Dudweiler Zeitung

gearbeitet werde. Kein Minister wird an die Frage der
Wahlrechtsreform ohne solche eingehend und sorafältig
durchgeführte Ermittelung mit Vorschlägen an die?es hohe
Haus herantreten können. Man würde mir mit Recht
Mangel an Gewissen'»aftigkeit und Mangel an Verant—
wortlichkeitsgefühl vorwerfen können wollte ich auf die—
sem wichtigen, für die künflige Entwicksung des Staates
entshridenden Clebicte einen Sprung ins Dunkle machen.
Neine Herren, bei der Lage der Vorarbeiten werden Sie
degreifsen, daß die Regierung es sich versagen muß, sich
in der Beratung des Gegenstandes der Tagesordnung zu
zeteiligen.
Zur Bearündung des freisinnigen Antrages erhält
hierauf das Wort der
Abg. Träger (Fr. Vp.), der zwar anerkennt, daß
zie Regierung zum ersten Male bei der Verbandlung der
Wahlrechtsanträge die Initiative ergreisfe, aber meint, daß
»er Minister etwas erzählt habe, was ieder längst wisse.
Als Fürst Bülow seine Programmrede über die konserva—
iv-liberale Paarung hielt, hätte man neinen können. daß
nich die Wahlrechtsreform Fortschriste machen werde. Aber
schon der 10. Januar habe die Freisfinnigen sehr ent—
äuscht. Seine Freunde hielten die Wahlrechtsreform in
Preußen für mindestens ebenso wichtia wie die Reichs—
finanzreform. Bei uns kommt man aus dem Stadium
der Vorarbeiten und Statistiken nie heraus. Die letzten
Landtagswahlen haben wiederum deutlich gezeigt, wie
schlecht und veraltet unser Wahlipstem und unsere Wahl—⸗
kreiseinteilung ist. Der Redner kritisiert dann eingehend
vas bestebende Wahlrecht und weist die EGinwände gegen
die Uebertragung des Neichstagswahlrechtzs auf Preußen
zurück.

A. 23
Deutscher Reichstag
(193. Sitzung.) Mittag 1 Uhr.
Berlin, 25. Januar.
Vizepräsident Paasche, der die Sitzung eröffnete,
macht Mitteilung von dem Ableben des Abg. Streßen.
Das Andenken wird in der üblichen Weise geehrt.
Auf der Tagesordnung steht die erste Beratung des
Gesetzentwurfs gegen den
unlauteren Wettbewerb.
Staatssekretär ve Bethmann-Hollweg erkärt:
Den laut gewordenen Wünschen kommt die Vorlage in
der Hauptsache nach; so z. B. in Bezug auf das Aus—
verkaufswesen. Dagegen sieht der Entwurf ab von der
Regelung der Frage betr. Bestechung der Angestellten. Die
Regierunz hoffe, daß das neue Gesetz bessere Zustände
ischaffen werde.
Abg. Giese (cons.) begrüßt das Gesetz. Die SCom—
mission werde ja vielleicht imstande sein, die Vorlage aoch
erheblich zu verbessern. Leider sei der Entwurf richt aus—
gedehnt auf Extratage. Seine Freunde seien der Mein—
ung, daß auch diese Ankündigungen unter das Gesetz ge—
zören Leider sei auch die Frage des Schmiergelder-Un—
vefens nicht geregelt worden Zur Klärung aller dieser
Fragen beantrage er kommissarische Beratung.
Abg. Roeren (3.) bemerlkt, der Vorwurf seiner
Freunde gegen den Entwurf gehe dahin, daß er manches
Notwendige nicht bringe. Zum Beispiel gegen Lockarti—
fkel, als gegen Verschleuderung einzelner Waren unter
Einkaufspreis, wie das geschehe bei den Warenhäusern,
das erwecke den Irrtum, als würden auch alle anderen
Waren unter Preis verkauft. Auch das sogenannte Gut—
scheinsystem lasse der Entwurf leider unberücksichtiagt. Bei
dem Ausverkaufswesen fehlten Bestimmungen über die
Dauer des Ausverkaufs. Ferner fehlten auch Vorschriften
liber Kontrollmaßnahmen. Auch enthalte der Entwurf
nichts über sogenannte Extratage, die doch auch nur auf
Täuschung berechnet seien.
Abg. Findel (ul.) erklärt, auch seine Freunde
begrüßten den Entwurf, der die bestehenden Uebelstände
beseitigen werde. Es sei anzuerlkennen, daß die extremen
uind unlösbaren Probleme von vorneherein aus dem Ge—
etzentwursf ausgeschalten jeien.
Abg. Frank (Soz) ist mit einem Spezialvorgehen
zegen den unlauteren Wetibewerb einverstanden.
Abg. Linz GGReichsp.) meint, hoffentlich sei in der
zsommission eine Verständgung über die Vorlage mög—
ich.
Abg. Dove (F. Vp.) ist der Ansicht, daß nur eine
zgenerelle Regelung ersprießlich ist.
Abg. Hanisch (W. Vgg.) spricht seine Befriedig—
ing über den Gesetzentwurf aus.
Abg. Mülher-Meiningen (F. Vp.) hält es für
aingezeigt, auch die Revolverpresse in den Gesetzentwurf
inzubeziehen.
Nach weiteren unwesentlichen Besprechungen wird die
VKorlage an eine Kommission von 21 Mitgliedern ver—
viesen
Morgen 1 Uhr: Subventionsvorlagen und Petitionen.
Schluß 64Uhr.

— —

— —

Die beiden Müller.
SFrzähluna yvon Hedda Lenqauen

NPachdruck verbhoten

Im Städichen können die vielen fremden Bauleute und Ar—
seiter nicht alle unterkommen, da ist nicht Platz genug.
Bestern ist nun ein fremder Herr bei uns gewesen und hat
angefragt, ob nicht in unserem hübschen Häuschen ein paar
Zimmer zu haben wären. Ich habe ihn abgewiesen. Heut'
ist er wiedergekommen und hat so lange gebeten und gebet—
zelt, bis ich „ja“ gesagt habe. Dem Annerl ist es auch recht
szewesen.“
der Meister sah erstaunt auf.
„So ... dem Annerl auch ... das wundert mich
bev.“
„Wie heißt denn der Mensch, dem ihr unsere schönen
Stuben vermietet habt?“ fuhr Zankerl nach einer kleine Weile
rort.
Frau Zanlerl, die anscheinend mehr Widerspruch erwartet
atte und froh war, so leichten Kaufses davonzukommen,
ourde nun sehr gesprächig.
Eigentlich wären es zwei Herren, auf jede Stube kommt
iner. Und Müller täten sie heißen, Müller alle beide, ob—
aleich sie keine Brüder, sondern nur Freunde wären. Alle
wei aber sind Bauleute beim neuen Sanatoriumsbau und
dem Aeußern nach recht ordentliche Menschen; denn sonst
—D
genommen.
Der Meistevy ließ den Redotrom seiner Amalie ruhig
orüberrauschen: er sprach garnichts und mußte sich augen—
cheinlich erst an den Gedanken gewöhnen, daß er und seine
Familie nicht mebr die alteinigen Bewohner des hübichen
dauses sein sollten.
Erige Tage darauf zwitscherte die helle Mädchenstimn
Aunerls vor der Schlaftammer des Meisters.
„Vaterl, bist schon auf ... komm herunter zum Kaisee
rhh muß dir etwas erzähtlen“

Zur Erdbebenkatastrophe in Italien
Kaum haben sich die Bewohner des Erdbebengebie
es vom ärgsten Schrecken einigermaßen erholt, ereign?t
ich ein neuer Erdstoß, der an Hestigleit dem Beben vom
s Tezeniber faft gleichstehen soll. Reggio und Messina
varen wieder die Hauptleidtragenden. Eine allgemeine
Panit bemächtigte sich der geängstigten Menschen. Viele
Trümmerwände stürzten ein, doch gab es keine Opfer an
Renschenleben.
Infolge der neuerlichen Erdstöße ist der Tunnel
‚wischen Villa San Giovanni und Seilla einge—
zürzt. Die Eisenbahnverbindung ist infolgedessen unter—
ochen.
Die unterbrochene Eisenbahnverbindung Giopanni—
Scillg ist bereits wieder hergenellt worden.
——— —
Sprachecke
Ew. Hochwohlgeboren. Wie soll man das Ew.
esen in Ew. Majestat, Ew. Exzellenz, Ew. Hoheit, Hoch—
vürden, Hochwohlgeboren uswp.? Das „w“ ist bekanntlich
zie veraltete Schreibung des u, die wir eigentlich längst
ätten über Bord werfen sollen; aber sie ist wohl noch
imtlich vorgeschrieben. Es beißt zunächst ‚Euer Maie—
tät“ usw., und „Euer“ ist die ungebeugte Form des be
ibanzeigenden Fürworts, d. h. die ursprüngliche Wes
aliform des persönlichen Fürwortes „ihr“; denn bekannt
ich sind unsere besitzanzeigenden Fürwörter alle ei—
entlich nichts anderes als die Wesfälle der persönlichen
vas man ja besonders gut noch daran erkennen kann
daß der Beisatz dazu im Wesfall stehen muß, z. B.
Nein, des Feldmarschalls, strenger Befehl usw. Da die
zauptwörter in diesen Fügungen meist weiblich sind, so
jzerwandelt man das unverstandene „Euer“ im 1. und
n 4. Fall gar ost zu „Euere“und beugt dann im 2
und im 3. Fall oft „Eurer“. Die alte Form „Euer“ ist
aber in allen vier Faͤllen durchaus zu dulden, entspricht
ie doch auch schrießlich überhaupt ant besten dem Alt—
ränkischen und Zopsigen, das diese Formeln nun einmal
in sich haben. Im zweiten und dritten Fall könnte man
jie auch einigermaßen richtig damit verteidigen, daß aus
Cuerer“ beim schnellen Sprechen „Eu(r)er“ und also „Euer“
vird, wie man ja auch „Zauberin“ statt „Zaub(e)rerin“
agt usw. — Die Dativsorm „Eu(e)rer“ wirktt übrigens
»esonders häßlich, wenn das Hauptwort nicht weib.iche
*inzahl ist, sondern Mehrzahl ist oder wenigstens zu sein
heint (Euerer Gnaden), aber gleichmäßig mit jenen an—⸗
eren behandelt wird; und ebenso auffällig wirkt sie bei
zochwohlgeboren, wo wir ja auch kein weibliches Haupt⸗
vort herausfühlen, weniger bei Majestät und Etzellenz,
ei denen man sie wie bei Hoheit u. a. ganz natürlich
indet, weil man sie als besitzanzeigendes Fuürwort zu
iesen weiblichen Wörtern auffaßt. Na, von dielem Hoch—
vohlgeboren-Zopfe wollten wir uns ja eigentlich be—
reien. nicht wahr? Aber wie oft müssen wir uns noch
o anreden lassen: Euere Hochwohlgeboren, oder in Vor—
rucken „Euer ... ohlgeboren“, wo dann nach Belieben
We oder „Hochw“ eingeschrieben werden soll, oder gar,
vie das auch in Rundichreiben vorkommt: „Euer pp. (1))
st bekannt. daß .. .“ oder: „Ew.! Hierdurch bitten wir
Zie höflichst usw.“ Ist das nicht die Höhe des — bleiben
vir varlamentarisch: heisioen Navierius? ————
ιασàαXιO
7
Vermgeytes
Die auferstandene Tote. Wie ein Brüsseler Blatt
zerichtet, erhielt vor einigen Tagen eine in einer Vor—
tiadt wohnende Arbeitersamilie die Nachricht, daß eine mit
hr unahe verwandte alte Frau, die seit mehreren Jahren
m Spital gelebt hatie, gestorben sei. Die Stunde der
ßeerdigung war festgesetzt, und man erwartete die Fa—
nilie zur Einsargung der Leiche. Die Verwandten be—
zaben sich in Trauertleidung und mit Kränzen beladen
nach dem Sptital, um der alten Tante die letzte Ehre zu
»weisen. Im Sterbezimmer nahm man schmerzlichen Ab⸗
chied von der Dahingeschiedenen und siellte weinend fest,
aß die Entschlafene sich doch schon sehr in ihrem Aus—
ehn verändert habe. Einem kleinen Mädchen von acht
zahren ging der schmerzliche Auftritt so nahe, daß es
ich nicht beruhigen konnie und schließlich von einem An—
zestellten des Spitals hinausgeführt wurde. Im Garten
ind in einer fremden Umzebung sand die Kleine jedoch
nach Kinderart schnell ihre Heiterkeit wieder und spielte
nah kurzer Zeit fröhlich wie sonst. Aber plötzlich blieb
je starr vor Schreck stehen. Wenige Schritte von ihr ent—
ernt bewegte sich leibyaftig die Tante, die sie eben noch
alt und steif auf der Totenbahre gesehen hatte und kam
ächelnd anf sie zu. Entsetzt lief das Kind davon, indem
s laut rief: „Die tote Tante ist da. die tote Tante ist
da!“ Intolge des Schreiens des Kindes kamen die El—
ern heraus und sahen zu ihrem nicht geringen Entetzen
»ie Tante lebend vor sich. Die Aufllärung war bald ge—
unmden Der Beamte der Spiialverwaltung, der die schrift⸗
ichen Arbeiten zu erledigen hat, hatte die Bettennummern
der Verstorbenen verwechselt. und so war die Tabes⸗Mv

Herr Zankerl, der schon lange ausgeschlafen hatte, öffnete
die Türe.
„Nun, Annerl — was gibt's — was willst mir denn
erzählen?“
Annerl dängte sich an den Arm des Vaters und zog ihn
die Treppe hinab in die Wohnstube.
Als die beide den Kaffee tranken, beaann das lustige
Bzlappermäulchen zu erzählen:
„Denke nur, Vaterl ...„in aller Frühe sind sie schon
ingezogen die beiden Müller. Und weißt, trotzdem sind die
leichen Namen haben, sind sie grundverschiedene Menschen.
Zie nur die Freunde sein können! Der eine ist kleim, breit—
chultrig und häßlich, schaut so finster drein, daß man sich
ürchten könnt' ... und der andere ... ja der ist ...
jewachsen so schön und schlank und hoch wie die Tannen—
äumlein draußen in unserem Walde, und so lustig und gut
chaut er aus. Dem kann man nicht Feind sein. ... So
denk ich mir. Und einen blonden Lockenkopf hat er und
hlaue Augen ... ja Vaterl ... so ein schöner Menich ist
das .. den schaut jeder gern an!“
Zankerl ist ganz blaß und still geworden bei der Rede
seines Kindes. Ein unbehagliches Gefühl ist ihm gekommen,
taft fröstelt ihn, trotz der sommerlichen Wärme.
Weil er aber garnichts spricht, schaut ihn das Annerl
zesorgt an. Es fällt ihr garnicht ein, daß ihre enthusiasti⸗
che Beschreibung des neuen Mieters den Vater verstimmt
zaben könnte. Sie meinte eher, er sei krank. Sie streichelt
»esorgt seine Wangen.
„Was hast denn auf einmal, Vaterl, geh, schau doch nicht
co betrübt aus, lach' doch wieder“ ...
Herr Zankerl lachte an diesem Unglückstage nicht mehp.
Eine seltsame Bangigkeit hatte ihn ergriffen; sie ließ
hn nicht mehr Jos und noch adends im Bette ärgerte er
ich, daß er die iremden Mieter so widersiandslos auige—
onimen hatte.
Ihm war zu Mute, als habe er mit den beiden Müller
dem Unheil seine Türe geöffnet. — — — — —

zeige der Tante, vie sich noch ihres Lebens erfreut, aus
gefertigt worden, statt derjenigen ihrer Bettnachbarin, die
wirklich aestorben war.
Mißbrauch der Amisgewalt. Zu einem taum
glaublichen Mißariff ließ sich der Polizeidiener des Dor—
es Gutenbera bei Kreuznach verleiten. Ein auswärtiges
Mädchen heiratet demnöchst in diesem Ort. Einige junge
Surschen leisteten sich dabei folgenden „Scherz“: Sie üher
ledeten den Polizisten dazu, das Mädchen vorzuloden mit
der Begründung, jedes in den Ort heiratende Mädchen
nmüsse sich genau abmessen lassen. Da die Braut sich
sträubte. dem Verlangen zu solgen, machte der Po—
tizist die Amtsgewalt geltend. Bei der nun folgenden
Abmeiiung“ waren die Burschen Zeugen Der Bräwti
am ließ aber in dieser Sache nicht witf sich spaßen und
zeigte die Sache der Stagtsenwaltichaft an. Dem fon—
derlaren Wächter des EGteotzes, wie den Burschen dürfte
dieser „Scherz“ teuer zu sieben kommen.
Ausrottung der Seehunde? Nachfolgenden Mahn—
ruf veröffentlicht die Stuttgarter Monatschrift der Gefell—
chaft der Naturfreunde „Kosmos“, die auch dem Hei—
nat- und Naturschutz besondere Beachtung widmet. „Durch
zie Tageszeitungen geht eine Notiz, laut der zwischen
Schweden, Deutschland und den übrigen Ostfeestagten ge—
meinsame Maßregeln zur Ausrottung der Seehunde an—
gestrebt werden. Das ware im Interesse des Naturschutzes
außerordentlich zu bedauern, und es ist deshalb sehr zu
wünschen, daß alle naturfreundlichen Vereine und Kör—
perschaften beizeiten ihre Stimme gegen diese neue Ver—
gewaltigung unserer ohnehin schon so verödeten Natur
Abeben. Ansaß zu diesemn Vorgehen haben wohl die
lagen der Fischer über den ihnen durch die Seehunde
zugefüften Schaden gegeben. Ist es damit wirklich so
chleimm? Nun, es läßt sich nicht leugnen, daß der See—
zund ein arger Fisschränber ist und täglich z3 Kilogramm
Fische verzehren kaun, wenn — er sie hat. Aber im
Sommer wenigstens bilden doch allerlei Krebstiere, Mol—
lusken, Seesterne und dergleichen jür den Men'chen aleich—
gültige Meeresgeschöpse die Haupptnahrunag. Die berühm—
esten Seehundsiäger der Nordsee, Altmanns, Vater und
Zohn. haben über 500 Seehundsmagen geöffnet und dar
n überwiegend Krabben und Garneelen, nur nebenbe—
auch Schollen und Butten gefunden. Ehenso ist der be
annte Zoologe Nehring auf Grund eingebhender Unter
uchungen zu dem Schlusse gekommen, daß der der Fi
chere' durch die Seeknunde zugefügte Schaden nicht grof
genztg sei, um ihre unnachsichtliche Verfolagung zu recht
ientigen. Und dann darf gerade hei den Verhältnissen an

und im Meere am allerwenigsten ein kleinlicher Maßstad
angelegt werden. Die weite Salzflut birgt ja solch un—
ndliche Reichtümer, daß all ihre Kinder fast mühelos
hre Nahrung finden, ohne sich gegenseitig zu beeinträch—
cigen Auch der unersättliche Rensch wird in der Ostsee
nicht wen ger Flundern und Lachse sangen, wenn dort
noech ein paar tausend Seehunde ihr Dasein fristen, die ja
ohnedies oft genug mit ihrem schönen, wasserdichten Fell
ür ihre Fischräubereien büßen müssen. Ob es wohl über—
jaup. noch so viele sind? Die anziehenden Tiere dürsten
»och schon ziemlich selten geworden sein. Ich wenigstens
»abe bei einem mehrjährigen Aufenthalte am Ostseestrand
aunt ein Dutzend zu Gesichte bekommen. Ein Grund
nehr ihrer planmäßigen Ausrottung mit aller Ent—
chiedenheit entgegenzutreten.“
Der leutselige Herr Bürgermeister. Aus Thürin—
zgen wird der „F. Zig.“ solgendes heitere Geschichtchen
rzühlt: War da in einem kleinen Städtchen einigen Mit—
zliedern des freiwilligen Fenerwehrkorps, die sich durch
anze Dienstzeit und opfserwillige Tätigkeit für die Sicher—
zeit ihrer Mitbürger ausgezeichnet hatten, vom Landes—
herrn das Allgemeine Ehrenzeichen verliehen worden. Da
der Bürgermeister, der die Dekorierung vornehmen sollte,
mit Recht fürchtete, daß sich einige andere, die diesmal
nit der landesherrlichen Gnade nicht bedacht worden wa—
nen, zurückgesetzt fühlen würden, beschloß er, auf eigene
daust diesem Uebelstande, der Zwist und Neid in die
Jdeuerwehr-Mannschast eindringen lassen würde, abzuhel—
en. Ein Klempnermeister in einer benachbarten Stadi
nußie einige Orden ansertigen, die dem wirklichen Ehren
eichen außerordentlich ähnlich sahen, und — alle waren
usrieden ob der ihnen bei dem letzten Feuerwehrfest zu—
teil gewordenen Auszeichnung. Doch alsbald erfuhr mas
m Ministerium das eigenmächtige Vorgehen des leut—
eligen Stadtoberhauptes, und der Landrat des Kreife«
zelehrte den klugen Bürgermeister schleunigst über der
Anterschied zwischen den Besugmissen eines Landesherry
ind denen eines Gemeindevorstehers. Immerhin soll die
Rase von oben“ nicht allzu schlimm geworden sein: mar
veiß eben auch bei uns in Deutschlanud divlomatische Fö
niakeiten manchmal zu schätzen
* Zur Steinheil-Affäre. Der Untersuchungsrichte
nahm eine Gegenüberstellung der Frau Steinheil mit ih
cen Zellengenossinnen vor. Frau Steinheil erklärte, da
die Frauen ihre Worte falsch ausgelegt hätten. Beide
zielten aber ihre Erklärung unbedingt aufrecht. währent
Frau Steinbeil sie andauernd beitrit⸗

Monate waren vergangen.
Herr Zankerl hatte Zeit gehabt, sich an seine neuc
Sausgenossen zu gewöhnen.
Gar so schlimm waren sie in der Tat auch nicht. Sie
zingen fleißig an ihre Arbeit, verhielten sich ruhig und zabb
en ihren Zins pünlilich.
Rur eins erregte steis das Mißbehagen des alten Meil
sers, und zwar war es gerade das, was andere eitlers Wiru
gewiß erfreut hätte.
Es war naͤmlich garnicht mehr zu übersehen, daß dil
beiden Müller und zwar der junge, hübsche ebenso wie vo
altere, häßliche ein wenig verliebt in Annerl waren.
Auch Frau Zankerl mußte es schon bemerkt haben, denn
ie erging fich häufig in bezügliche Ampielungen. Ihren
Mutterstolz schien es zu schmeicheln, daß Annerl plötzlich “*
umworben wurde, denn sie brüstete sich vamit öfters.
Herr Zankerl verwies ihr das ernstlich.
Aber die Mutter sagte leichthin:
„Was schadet es, wenn ein Mädchen Verehrev hat. Zur
deiraten taugt mir keiner der beiden Müsser, denn sie sin
einfache Arbeirker und haben lein Vermögen. Ein arm⸗
Zchlucker aber kriegt mein schönes Kind nicht!“
Annerl schien von alldem garnichts zu bemerken. St
var wie sonst, harmlos. iprach nicht viel und tat fleikie
ihre Arbeit.
Das beruhigte Herrn Zankerl einigermaßen, denn hein
ich hatte er sich schon vorgenommen, den beiden Mieter zꝛ
ründigen. Nun unterließ er's doch, nahm sich abey vor
»in wachsames Auge zu haben.
Es war dies seiner Ansicht nach umso mehr nötig, al
Franz Müller, seit einer Woche ganz au Hause bleibe
mußte.
Bei der Hebebaumfeier am Sanatorium hatte es näm
lich ein kleines Unglück gegeben. Die Rednerbühne, auf de
Franz Müller, der ältere, siand, um an die Arbeiter ei
Ansprache zu richten, fürzte zusammen und verletzte ihn —
Juß.
Nun hatte er große Schmerzen und mukte im Lehnm
ganz rithig fsißen

Tortietung solat.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.