ie dunkle Nacht hereingebrochen war, und das Wetter
tarie Schwierigkeiten zu machten drohte, entschloß sich die
Führung zu einer Zwischenlandung. In der Ferne tauchte
Regensburg auf, in dessen Nähe man landete und kurze
Rast hielt, Um 6 Uhr morgens erhob sich die „Helvetia“
wieder mit fast gleicher Windrichtung wie beim Aufstieg
n Ei. Moritz. Dieser Teil der Fahrt sollie vornehmlich
ine Hösenfahrt werden. Der Ballon stieg nach reichlicher
Ballastabgabe bis auf 7000 Meter und überflog kurz vor
den Plan die böhmische Landesgrenze. Dann ging es
iber Plan nach Marienbad und weiter nach Karlsbad zu.
Jetzt wurde die Landung beschlossen, und glatt und ohn
Anfall erfolgte der Abstieg bei dem böhmischen Dorfjft
Werdwesgrün. Die Bevölkerung empfing die kühnen
Schweizerfahrer außerordentlich freundlich und entagegen⸗
ammend
Zur Bierpreisbewegung.
* Wetzlar, 26. Aug. In einer von den Vorständen
ziesiger geselliger Vereine zahlreich besuchten Versamm—
ung wurde zu der Frage der Bierpreiserhöh—
ung Steklung genommen. Es wurde beschlossen, unter
den jetzt obwaltenden Verhältnissen auf den strengen Ver—
icht des Biergenusses hinzuwirken. Mehrere Vereinsvor—
tände gaben die Erklärung ab, daß sie guf die Abhalt—
ung ihrer Wintervergnügungen verzichten.
Hersfeld, 26. Aug. Der hiesige Wirteverein beschloß
nfolge der Erhöhung der Bierpreise durch die Brauerei—
besitzer die Errichung eine Genossenschafts—
hrauerei.
* Mainz, 26. Aug. Die Vollsversammlung in der
Stadthalle, die de Bierpreiserhöhung galt,
zatte einen Massenbesuch aufzuweisen, es waren ca. 7000
Personen anwesend. Die Redner forderten in ihrem
Schlußworte die Anwesenden auf, die bereits jetzt begon—
nene Taktik, die den Brauereien schon recht fühlbar ge—
vorden, einfach fortzusetzen und die bereits auf diese
Weise eingetretene „Steuerverweigerung“ und „passive Re—
sistenz“ weiterhin auszuüben. Es wurde eine aus fünj
Mitgiedern bestehende Kommission gewählt, die mit den
Brauereibesihern in Unterhandlung treten soll.
Vermischtes.
Die Theaterkrippe. Der Direktor des Metropolthe—
iters in Glasgow hat eine interessante Neuerung einge—
ührt, um jungen Müttern, die ihre kleinen Kinder nicht
aAllein zu Hause lassen woglen, den Befuch des Theaters
zu ermöglichen. Neben der Garderobe ist eine Krippe,
eine richtige Kleintinder-Aufbewahrungsstelle, eingerichtet
worden, in der die Mütter ihre Kleinen gegen Empfang
einer Erkennungsmarke abgeben können. In der Krippe
finden die Kinder Milch und Spielsachen. Erprobte Wär—
lerinnen und sogar einige Ammen geben sich rediich Mühe,
die Kleinen zu unterhalten und ihren Hunger zu stillen.
Während der Pausen können die Mütter ihre Babys in
der Krippe begrüßen und sich von ihrem Wohlergehen
überzeugen, um dann völlig beruhigt den nächsten Akil
zu genießen. Diese Neuerung scheint vei den Frauen
von Glasgow großen Beifall gefunden zu haben und wird
biel benutzt. Die englische Presse begrüßt die „Theater—
trippe“ als glückliche Lösung einer Frage, deren Regelung
einem großen Uebvelstand avhelfe. Die anderen Theater
in England schicken sich an, dem Beispiel des Glasgower
Metropoltheaters zu folgen. Auch von Pariser Blaättern
wird die Einrichtung von Theaterkrippen nach englischem
Muster empfohlen, und gerade in der französischen Haupt—
sttadt entspräche sie tatsächlich einem Bedürfnis. Mütter
mit Babys sind in den Nachmittagsvorstellungen der Pa—
tiser Theater, besonders auf den oberen Galerien, eine
bekannte Erscheinung, und oft genug wird die Vorstellung
durch das Wimmern oder gar laute Schreien eines „pon⸗
pon“ gestört, bis die Mutter sich bei immer energischeren
Pstl-Rufen der anderen Zuschauer endlich entschließt, auf
hrem Platz, unbekümmert um die Nachbarn ihre Mutter—
aflicht zu erfüllen.
Der Kampf gegen den Kuß. Im Staate Jowa
in Amerika ist von der Behörde dem Kuß der Krieg er—
lärt worden — natürlich aus Bazillenfurcht. Der Staat
hat ein besonderes Bureau zur Ausrottung dieses alten
ind nicht gerade umbeliebten Brauches eingerichtet, an
essen Spitze ein Arzt namens Dr. Kepford steht. Dieser
zat unzählige blaue Seidenbänder an mit Kindern geseg—
tete Eltern ausgeschickt, aut denen in goldenen Buchsta—
hen gedruckt steht: „Bitte, mich nicht küssen!“ Dazu erhal—
en die Eltern eine Ahhandlung über die Schädlichkeit die—
er Liebkosung und die Mahnung, ihre Kinder durch das
Amlegen des seidenen Bandes vor der Gefahr zu schützen.
Aber auch Kinder in etwas reiferen Jahren bleiben von
Dr. Kepfords Fürsorge nicht verschont; sobald eine iunge
vame verj agaeht ihrem Brautigam von der Ge—
Lem eun nden er ermahnt
* Ueberfahren. In Berlin verunglückte ein Bankbeam—
er, als er beim Ueberschreiten des Fahrdammes einem
n scharfem Tempo fahrenden, schwer beladenen Stein—
uhrwerk ausweichen wollte. Der Mann wurde umgeris—
en und sowohl das Vorder-, als das Hinterrad gingen
hm über den Hals hinweg, den Kopf glatt vom Rumpfe
rennend. Der Beamte war sosort tot.
* Hinrichtung. Der Mörder des Marienburger Bür—
zermeisters Dr. Cuntze, der Invalide Hein. wurde in El—
ing hingerichtet.
* Burzew enthüllt weiter .... Der Führer der rus—
ischen Sozial-Revolutionäre, Burzew, der sich bekanntlich
urzeit in Berlin aufhält, setzt jetzt seine in der Pariser
Humanite“ begonnenen Enthüllungen über Rußland
ind seine Polizei im „Vorwärts“ fort. Er sucht an
»er Hand eines authentischen, im „Vorwärts“ faesimilier—
en Dokumentes und Mitteilungen eines Vertreters der
ussischen Regierung namens Krivosch die Legende zu zer—
ören, als wäre der Zar ein Minsch ohne Willen, von
chwachem und unstetem Geiste, dessen Unfähigkeit ihn zum
zpielzeug in den Händen der Kamarilla machten, als
visse er nichts von der Willtür und dem Schrecklichen,
das in seinem Reiche vorgeht. Vielmehr wird für den
zaren regelmäßig eine Art Journal in einem einzigen
ẽxemplar hergestellt, welches vom Direktor im Polizei—
epartement ausgearbeitet und dem Zaren vom Miin ster
»es Innern oder seinem Stellvertreter überreicht wird.
diefes Journal ist mit ettenen Ausnahmen ein Journal
olitischer Informationen. Es gibt eine ganz genaue Dar—
tellung von dem System der Spionage, der Provokatio—
ien, der Willkür und all der blutigen Gewaltalte, die in
tußland vorkommen. Der Zar weiß von der Existenz der
rockspitzel, er liest die Briefe, die den Revolutionaͤren von
er Polizei in Rußland und in der Fremde zugesiellt
derden und er ist auch unterrichtet über alle Niederträch—
gkeiten seiner Polizei. — Burzew wil in seinen Ent—
ütlungen fortfahren.
* Opfer der Berge. Eine aus einem Herrn und zwei
)amen bestehende deutsche Touristen-Gesellschaft, die am
zonntag eine Partie auf die Koschutta unernahm, wird
ermißt und dürte wahrscheinlich abgestürzt sein.
*,Fliegende“ Räuber. Der Speisewagen des aus
Fiume in Budapest eingetroffenen Schnellzuges wurde
vährend der Fahrt von unbekannten Tätern vollständig
iusgeplündert, nachdem die Bediensteten des Waggons
uf der Stauon Sorosd durch ein singiertes Telearamm
tach Fiume zurüctbeordert waren.
* Aluminiumgeld? Der französische Finanzminister
sat eine aus Gelehrten, namentlich Chemikern zusammen—
esetzte Kommission ernannt, die die Frage der Ersfetzung
er französischen Bronzemünzen durch Aluminiummünzen
tudieren sorl. Es soll vor allem untersucht werden, ob
Nünzen aus reinem Aluminium oder aus einer Legier—
ing dieses Metalles vorteilhafter sind.
* Mörder und Simulant. Die Vermutung der Pa—
iser Polizei erwies sich als richtig, daß der Apotheker—
jehilfe Biot sich selbst einen Knebel in den Mund gesteckt
satte. Biot gestand, seinen Prinzipal ermordet zu haben,
veil dieser ihn des Diebstahls beschuldigte.
* Kindesraub-Affäre. Auf Ersuchen der russischen
Zolizei wurde in Bordeaux der russische Student Gum—
andier, welcher beschuldigt wird, Mitglied einer Diebes—
zande zu sein, die im März in Tiflis ein Kind entführte
ind es gegen Zahlung von mehreren tausend Rubeln wie—
er austieferte, verhaftet. Im Zusammenhang mit die—
er Affäre sind bereits in Rußland mehrere Verhaftungen
orgenommen worden. Gumbandier bestreitet, mit der
Zache etwas zu tun zu haben und behauptet, dem Vor—⸗
iehen der Polizei lägen politiche Motive zugrunde.
* Verunglückter Schwimmer. William Westlake, der
ersuchen wollte, auf einer 18 Fuß langen und zwei Fuß
reiten, nur mit einem kleinen Segel und ein Paar Ru—
ern ausgestatteten Planke über den Kanal zu schwimmen,
vurde in der Nordsee abgetrieben und trieb zwei Tage
ind eine Nacht umher, fest an der Planke angekllammert,
»hne Nahrung und Getränk, auf der zeitweilig stürmischen
Zee. Am dritten Tage wurde er von belgischen Fischern
esichet und bei Oftende välliga erichöyft ans Land ge—
racht.
* Bottrop, 26. Aug. (Gefahrliches Sptel⸗
eug.) Ein-ꝓsiebenjähriger Knabe spielte mit einem ge—
adenen Revolver. Die Waffe entlud sich und die Kugel
»rang dem Kleinen in den Leib. Er wurde ins Kranken—
zaus gebracht, wo er bald nachher starb.
* Von der Nahe, 26. Aug (Keblausherd.) In
»er Gemarkung Laubenheim an der Nahe ist jetzt ein
weiter Reblausherd gefunden worden. Der erste neue
deblausherd in der Gemarkung Münster bei Bingen ist
leichsalls entdeckt worden.
* Mainz, 26. Aug. (Mor d.) Der 27jährische Fischer
zriedrich Feth aus Weisenau erstach auf offener Straße
ie Prostituierte Christine Müller von hier. Der Messer—
Naing mitten ins Herz, sodaß der Tod sofort eintrat.
2i⸗Flucht. wurde aber gleich darauf
der er Zahälterdienste leistete, ein Verzältn'e. Während
iun die Müller für einige Zeilt im Acbeitshaus war
nüpfte Fehl mit einer anderen, ebenfalls unter Kontroll
tehenden Frauensperson namens Bused ein neues ver⸗
jältnis an. Als die Müller hiervon Kenntnis erhielt, er—
tattete sie gegen ihren untreuen Liebhaber Anzeige bei der
Polizei wegen Kuppelei. Aus diesem Anlasse drohte der
Feth in letzter Zeit wiederholt, die Müller zu erstechen.
Als Feth nun gestern das Mädchen traf, wiederholte er
hierbe seine Drohung und suchte diese auch sosort aus—
zuführen. Das Mädchen flüchtete vor dem Rasenden in
einen Laden. Der gewalttätige Mensch eilte ihm nach
und zerrte die sich ängstlich Wehrende auf die Straße her—
aus. Als die Müller sich losgerissen hatte und von neuem
n den Laden flüchtete, stürzte sich Feth mit einem langen
Dolchmesser auf sein Opfer, schleifste es vor die Ladentüre
und brachte ihm vor derselben drei tiese Stiche in de
Brust bei. Das Mädchen brach lautlos zusammen. Der
Anniensch zeigte nicht die gerinaste Reue über seine schreck
iche Tat.
* Stuttgart, 26. Aug. Geichstagsabgeord
rete bei Zeppelin.) Für den Besuch der Reichs
agsabgeordneten in Friedrichshafen ist folgendes Pro—
gramm aufgestellt worden: Samstag, den 4. September,
1 Uhr vormittags: Treffpunkt beim Bootshafen zu
zriedrichshasen; Dampfbootfahrt zum Luiftschiffausstieg in
Nanzell; Aufnahme von Lufftschiffahr gästen. Einige Lust
ahrgäste werden bestimmt, sechzig andere werden ausge
off und kommen truppweise zur Auffahrt. Der Dampfe—
begleitet dann das Luttschiff gegen Lindau-Bregenz. Im
»iß an Bord, erster Wechsel der Fahrgäste auf dem See
»ei Lindau, Rückfahrt nach Friedrichshafen. Gang zum
Werftplatz. Hierauf erfolgt der zweite Wechsel der Fahr—
zäste. Besichugung der Werftanlagen, Bierrrunk. Dritter
Wechsel der Fahrgäste. Fahrt des Dampfers nach Man—
zell und Einrücken des Luftschiffes in die Halle. Fahrt
iach Konstanz zum Essen im „Inselhotel“.
* Pforzheim, 26. Aug. Großfeuer.) Ein bedeu—
endes Feuer zerstörte den westlichen Teil der Brötzinger
ziegelwerle der Gebr. Vetter A.«“G., Ziegelwerke Pforz—
heim Mühlacker, deren Werk in Mühlacker erst vor weni
zen Monaten durch eine große Feuersbrunst zerstört wor—
den ist. Auch diesmal ist der Schaden beträcht'ich, wenn
nich das Brötinger Werk bedeutend kleiner als das in
Nühlacker ist und ein Teil desselben gerettet ist. Auch hier
st die Brandursache bis jetzt unbekannt —
* Ueberfall. In dem Vorort Asnieres von Paris ifn
der Apothe?er Bouriinier im Kesler seines Hauses tot
aufgefunden worden. Aeußere Verletzungen waren an
der Leiche nicht zu bemertien. Der Gehilse lag gleich
ralls bewußtlos im Keller. Als er wieder zu sich gekom—
men war, erzählte er, daß er von einem Unbekannien et—
nen Faustschlag erhatten habe, der ihn niederstreckte. Dann
sei er geknebelt worden. Das geheimnisvolle Verbrechen
shun, die Bevölkeruna von Asnieres in aroße Aufregung
nerso
Humoristische Ecke.
*Protest: „Warum haben Sie denn Ihre Stellung
uufgegeben? Sie hatten doch eine Lebensstellung.“ —
‚„Nette Lebensstel ung, wenn man sich totarbeiten muß!“
*Stolz. „Lenzbauer, Ihr seid doch jetzt 60 Jahre
ilt, Ihr sollt aber am Kirchtag wieder sehr viel getrun—
en, ja sogar geraust babenz!“ — O so gesund bin ich
chon noch!“
*Der Pantoffelheld. Die Kinder, welche in
bwesenheit der Mutter der Obhut des Vaters anver—
raut sind: „Vater, wir gehen ietzt ein wenia in den
ßark ... darfst Du mit?“
*Fatale Gewohnheit. Fremder, der mit ei—
rigen Freunden im Alpenhotel übernachtet hat; „Sie, Herr
Wirt, das ist aber doch unerhört! ... Als wir heute früh
us unseren Zimmern wollten, da waren wir al' e einge—
perrt!“ — Wirt: „Ach, sind S' nur nicht bös! Das ist
so eine dumme Gewohnheit von meinem neuen Hausknecht.
»er war nämlich bis vor kurzem Ortspoliziste“
olteben. Allerdings kann er kaum stich selbst das Verdiens
uschreiben. Dasselbe gebührt vielmehr seinem Adjutanten,
er einen klügeren Kopf besitzt als er, und dem es gelun⸗
gen ist, den Spuren unserer Familientraditionen Schrit:
im Schritt zu folgen. Hier, in diesen Dokumenten“ —
»amit zog Edgar feierlich die bewußten Papiere aus sei—
ier Rodtasche — „sind alle entscheidenden Beweise für
Arabella Lowestofts Heirat und die Erbrechte ihret Nach
ommenschaft.“
„Die entscheidenden Beweise?“ wiederholte Lady de
BZruce, und Triumph blitzte es in ihren scharfen
zrauen Augen auf. Also war endlich doch der große
Augenblick gekommen! Die Rechte, für die sie gekämpft
ind an die sie so lange und so stolz geglaubt hatte, stan⸗
»en endlich doch über allen Zweifel erhaben dasgn
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