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Cokales.
Voraussichtliche Witterung. Vorübergehend trüb,
liederschläge, leichte Abkühlung.
Wirteversammlung. Die auf gestern hier angesetzte
ßersammlung war schwach besucht. Infolgedessen wird an
in einheitliches Vorgehen der Wirte in der Bierpreisfrage
orlaufig noch nicht zu denken sein.
Bäckerinnung. In der gestrigen Versammlung, der als
degierungsvertreter Herr Bürgermeister Jost beiwo nie, kam
er Beschluß zustande, die Conditoren aus der Innung aus⸗
umerzen. Diese werden an die Conditor-Zwangas'nnung in
rrier angeschlossen.
* Das Leben in den Kriegervereinen. Für den
lusbau und die Vertiefung des Militärver'inslebens hat das
Bräsidium des Königl. Sächs. Militärvereins Bundes beacht⸗
che Anregungen gegeben. U. a. werden die Militärvereine
ringend ermahnt, ihre Feste nicht so prunkend und kostspie⸗
ig zu gestalten Die Haupfsache liegt nicht, so heißt es, in
em Apupell, darin, wie viel der Verein Geld ausgiebt, wie
iel es gekostet hat, sondern vielmehr darin, daß ein Fest
puürdig und so gefeiert wird, daß auch der arme und ärmste
amerad teilnehmen kann. Unseren Militärveretnen gehören
icht durchgängen bemittelte, sondern viel mehr unbemittelte
dameraden an, und bierauf soll das kameradschaftliche Geflihl
kücksicht nehmen. Das Indiehöhschrauben der Vereinsbel⸗
räge ist mitunter ein Hindernis für viele, die gerne in einen
riegerverein eintreten möchten. Nicht der regelmäßige Bei⸗
rag ist is, um den es sich handelt, fondern es sind die Ex—
raausgaben, Ertrabeiträge, die durch das Begehen kostspte⸗
iger Feste nötig werden. Weiter wird auch das Streben
zach einem gewissen Nimbus der Vereine nach außen durch
ie Ernennung hochstehender und vieler Edrenmitglieder ge—
adelt und daraus hingewiesen, daß der Kyffhäuserbund Deut.
cher Landeskriegerverbände beschlossen hat, innerhalb der
randesverbände regierende Fürsten und Prinzen nicht uehr
u Ehrenmitgliedern zu etneunen. Der Kaiser von Oester⸗
ceich lehnt in neuerer Zeit jede Ehrenmitgliedschaft in Ver⸗
inen ab. Auch sonst sollen die Kriegervereine sparsamer mit
ner Verleihung ihrer höchster Auszeichnung, der Ehrenmit⸗
zliedschaft, sein. Interessant ist es gewiß, daß ein sächsischec
triegerverein so weit gegangen ist, den König von Spanien
um Edrenmitgliede zu einennen.
Theater. Dienstag ging, vor leider schlecht bisuchtem
dause, das Lustipiel „Im weißen Röß'l“ in Scene. Gespielt
wurde flott und die Darsteller ernteten verdirnten Beifall.
Auf speziellen Wunsch einiger Theaterbesucher geht Donners⸗
ag abend das ländliche Charakterbild „Das Eukelkind der
dorfhexe“ über die Bretzet. Es iß dies das beste Werk
son Frau Charlotte Birch-Pfeiffer und wird, da es Überall
wroßen Beifall gefunden hat auch hier seine Wirkung nicht
erfehlen. Ferner bemerken wir noch, das diese Vorstellung
Zenefiz fürt Frl. Alic⸗ Winner ist
Aus Nahb und Fern.
Saarbrücken, 28. Aug. Freiwillig in den Tod ge—
angen ist gestein mittag ein junges Mädchen, indem es in
)en Deuischmühlenweiher sprang und ertraui. Die Lebens—
uuüde war die Diaut des vor einigen Wochen durch einen
Ressernich getöteten Kaufmannes E. von hier. Beide junge
Leute gedachten sich in kurzer Zeit zu heiraten, durch jene
verhaͤngnisvolle Messeraffäre wurde ihr Vorhaben jedoch ver
itelt. Das Maͤdchen nahm sich den Tod feines Verlobten
o zu Herzen, daß es schon mehrfach Selbst mordgedanken
ußerte. Gestern mittag nun setzte die Unglückliche ihre Ab⸗
icht in d'ie Tat um, inder: sie sich in den Deutschmühlen⸗
weiher stürzte. Von einem Jungen war der Vorgarg be—⸗
meitt worden, der rasch Hilfe herbeiholte. Es gelang auch,
das Mädchen bald aus dem Wasser zu ziehen, doch n e
chon zu spät, der Tod war bereits eigetreten. Die Leiche
vurde alsbald nach dem Friedhofe verbracht. — Geläadet
vurde heute Fruh unterhalb der Schleuße die Leiche des
Schlossees Meyer, der, wie berichtet, in der Sonntag nacht
deim Baden in der Saar eitrunken ist. (Sbr. Ztg.
Neuweiler, 25. Aug. Hier stehen die Wirtschaften voll—
iändig leer. Durch die Blerpreiserhöhung sireiken die Bür—
er und besuchen keine Wirtschaft mehr.
MNeunkirchen, 24. Aug Am Sonniag morgen wollte sich die
i3 Jahre alte Tochter des Bergmanns Pfeiffer aus Spiesen
mit ihrem 7jährigen Schwesterchen zu Verwandten nach Schiff⸗
veiler begeben. Im Schiffweiler Walde degegnete ihnen
etwa 200 -300 Meter von der Mordstelle entfernt, wo im
pocigen Jahre die Marie Perron aus Schiffweiler ermordet
vurde, ein Buische, der das 13jährige Mädchen sofott rück.
ings überfiel, zu Boden warf und sich an demselben unsin—
ich verging. Das kleinere Mädchen lief nun fofort nach
Schiffweiler und erzählte den Vorfall, worauf sig einige
Männer nach der Unfallstelle begaben. Von weitem hörten
ie Männer schon das Hicfegeschrei des wehrlosen Mäbchens
nd als sie immer nähtr hinzukamen, sahen sie noch, wie
un Bursche in den Wald flüchtete. Als die Männer das
Lädchen eingeholt hatten, war es bereits bewußtios. Sofort
»urde nun das arme Wesen, das bald wieder zur Besinnung
am, zu seinen Verwandten nach Schiffweiler gebracht, wo
elbst sie sich bald wieder von diesem gewaltigen Schrecken er—
jolte. Die Polizeibehörde wurde sosort von dem Ueberfall
n Kenninis gesetzt, worauf diese ungesäumt die Verfolgunng
des Täters aufnahm. Den Bemühungen der Polizei ist es
nuch gelungen, gestern Racht einen Burschen zu verhaften,
er der Tat dringend verdächtig ist. Im Laufe des gestrigen
Tages fand nun in Neunterchen die Gegenüberftellung
swischen dem Mädchen und dem Burschen stali, wobei das
Madchen, wie dem „Frtdth.⸗Bilds Gen.⸗Anz.“ mitgeteilt wird,
n dem Festgenomcenen den Täter er?annt haben soll. Alljemein
ist dis Gerücht verbreitet, daß der Festgenommene
nuch den Mord im vorigen Jahre an der 13sährgen Pir—
ong aus Schiffweiler ausgeführt haben soll. Ob sich aber
dieses Gerucht bewabrheilei. wird die weilere Unter suchnnq
rgeben.
* Forbach, 24. Aug. Der Gemeinderat erklärt sich mit
)er Äbholzung von 57einh. Hektar Stadtwald einverstanden
das Gelände wird dann dem 174. Inf.Regt. als Exerzier⸗
Alatz zur Verfügung geftellt.
Spittel, 25. Rug. Die Grubengesellschaft Saar und Mosel
ꝛeabsichtigt, dem „Lothringer“ zufolge, allerhand Vergrößer⸗
ingen. Die bei Schacht VI liegenden 16 Hektar Wald will
ie abholzen, um dort eine Koksanlage einzurichten. Dann
eabsichtigt sie, die bei diesem Schacht stehende elektrische
Jentraie, die zu den größten in Deuischlandbefindlichen ge—
jört, zu vergrößern, um den nöoligen Strom sur die im Bau
efindiiche Straßentahn in St. Abold liefern zu können, der
Pa ihr bezogen werden soll. Außerdem soll sie wegen
Stromlieferunß auch Rnoch mit der Stadt Saarbrückea in
——X— stehe⸗
* Essen, 2d. Aug. (Ertrunken.) Bei Osterfeld
aderen drei Arbeiter im Emscherfluß, gerieten dabei in
zchlamm und ertranken.
* Darmstadt, 25. Aug. (Verbrannt.) Das sechs⸗
ihrige Töchterchen des Eisenbahnschaffners Heberer in
er Elisabethenstraße Nr. 45 versuchte heute früh in Ab—
»esenheit der Eltern sich auf einem Spiritusapparat den
raffee zu wärmen. Dabei ist wahrscheinlich der Appara
ngefallen, und die Kleider des Kindes fingen Feuer.
das Mähdchen verbrannte sich derart. daß es feinen Her—
etzungen erlegen ist.
*Aus Kurhessen, 25. Aug. (Unglaubli ch.) Un.
er den Schleusenwärtern an der oberen Fulda herrscht
zroße Erregung. Während sie seither 130 Mark Vergüt⸗
ing für den Monat erhiellen, sollen sie nach der neuen
zesoldungsordnung nur 50 Mark erhalten. Wer damu
ucht zufrieden ist, wird durch einen andern ersetzt. Un—
er den in Betracht kommenden Wärtern befinden sich
reute, die beide Feldzüge mitgemacht haben.
*Aus Oberhessen, 25. Aug. GRationelle
Virtschaft.) Einen ungewöhnlich großen Roggener—
rag erzielte, wie der „Gieß. Anz.“ mitteilt, der Abg.
töhler-LSangsdorf durch Anwendung der Anbaumethode
er beiden russischen Gelehrten Demtschynski. Sie gründet
ich auf die in China übliche Auspflanzungsweise des
toggens, die jedoch für unsere Verhälinisse zu zeitrau—
end und darum zu kostspielig ist. Köhler macht die
Zache einfacher. Er stellt die Röhren der Saatmaschine
o, daß zwischen je drei Saatreihen — die 11 Ztm. von
inander liegen — ein 28 Zim. freier Streifen hinzieht,
urch den sehr bequem ein Sackscher Häufelpflug zwecks
zäufelung der jungen Saat im Herbfsit geführt werden
ann. Durch diese gezogenen Kämme werden die jungen
ßflanzen so zur Besinckung „gereizt', daß Bestockun zsbüsche
on 17 Halmen keine Seltenheit sind. Das lange Ein—
ringen der Sonnenßtahlen zwischen diese Saattämme be⸗
»irlt eine Erstarkuns der Zellen der Halmwände und ver—
indert so das Lagern. — Trotz mancher widerwärtiger
wischen⸗ und Zufälle lieferte der Köhlersche Versuch pro
dormalmorgen 21 Zentner Körner. Die nach der gegen—
zärtig gebräuchlichen Weise bestellten Köhlerschen Roggen—
elder ergaben auf den Normalmorgen wur 13gemner
'8 Pfund.
* Straßzburg, 258. Aug. Abbgewiesen.) Die Klage
iuf Erlassung des Vollstreckungsurteiles der beim Ers—
eben in San Franzisko durch Feuer Geschädigten gegen
te Feuerversicherungs-Gesellschaft Rhein und Mosckeif
etzt auch vom Reichsgericht abgewiesen worden. Die Ver
cherten hatten beim Bundesgericht und Obergericht des
ztaates Kalifornien Versäumnisurteil gegen die beklagte
zersicherungsgesellschaft ergehen lassen, da diese unter
»inweis auf die Erdbebenklausel die Auszahnrng der Ver—⸗
icherungssummen verweigerte. Die Klage auf Erlassung
ines Vollstreckungsurteiles wurde vom Landgericht
Ztraßburg, dem Oberlandesgericht Colmar und dem
keichsgericht wegen der mangelnden Gegenseitigkeit abge—
viesen, trotzdem die Amerikaner sofort nach der Katastrophe
mit rückwirkender Kraft ein Geies erließken. das die Ge—
genseitigkeit verbürgt.
* Alzey, 25. Aug. EErstoochen.) In einer hiesigen
Wirtschaft hat gestern Morgen der Arbeilter Lang den
daglöhner Forch erstochen. Lang, der diese Tat nach kur—
en Wortwechsel verübt hatte, stach auf die ihn hiernach
ingreifenden Arbeiter blindlings ein. Einem der Arbei—
er schlug er mit dem Messer zwei Finger ab. Einem an
eren versetzte er einen Stich ins Gesicht und einem drit⸗
en in die Hand. Dann begab er sich nach Hause und
rat den ihn suchenden Schutzleuten mit Messer und Beil
ewaffnet entgegen. Seine Frau schlich sich hinter ihn
ind entriß ihm das zum Schlage erhobene Beil. Erst
zann konnten fünf Schutzleute ihn mit Mühe hewältigen.
Aus aller Welt.
* Drei Kindesmorde. In Berlin wurden am Diens
ag drei Kindesleichen aufzefunden. Die Krimina.polizei
permutet in allen Fällen Kindesmord. Es handelt sich
am eine am Kopfe verstümmelte Leiche eines neugebore
ien Mädchens und um zwei neugeborene Knäblein, die
mus der Spree am Mühlendamm und an der Jannowitz
rücke herausgefischt wurden.
* Hinrichtung. Der Kaufmann Richard Henkel aus
zera, zuletzt in Berlin, der vom Berliner Schwurgericht
m 24. Marz wegen des am 18. Dezember 1908 an dem
zuwelier Frankfurter aus Wien begangenen Mordes zum
dode verurteil, worden war, ist im Strafgefänanis m
zlößensee hingerichtet worden
7eubstmord. zen einem Orte unweit Zurichs beging
ie 13jährige Tochter Eva des Prager Universitäts-Pro
essors Raudnitz Selbstmord. Die Eltern des Mã dchens
ühren die Tat auf einen bhuysterischen Anfall aurück.
Seutsches Pflegehaus. Um unter denen, die ge—
undheitshalber den Winter im Süden verbringen
ollten, auch den weniger Bemittelten den Aufenthalt zu
ꝛrmöglichen, hat der Vaterländische Frauen⸗Zweigverein
zon Nizza vor einigen Jahren in Nizza ein Pflege—
zaus errichtet, in welchem deuische Reichsangehörige, die
rholungsbedürftig und weniger bemittelt sind, ein sehr
zutes Unterkommen zu verhaͤlinismäßig sehr billigem
ßreis finden können. Das deutsche Pflegehaus in Nizza
st offen vom 1. November bis 1. Mai. dDie Aufnahme⸗
jesuche sind zu richten an die Präsidentin des Vereins:
Frau von Zelewsti Denzin in Lauenburg, Pommern.
*Ein toller Neger. In Monroe im Staͤate Luisiana
pielte sich zwischen einem Neger, der veraftet werden
ollte, und einem Polizisten ein regelrechter Straßenkampf
ib. Der Neger verbarrikadierte sich in einem Hause, vor
em sich eine tausendköpfige Voltsmenge ansammelte. Der
deger erschoß drei und verwundete 21 Personen. Das
daus wurde nach stundenlanger Belagerung von der
MNenge in Brand gesteckt. sodak ver Neger hei seb⸗ndigem
Leibe verbrannte.
*Eine Schiffskatastrophe. Der argentnische Damp⸗
er „Columbia“, der Passagiere nach Montevides an Bord
atte, stieß am Eingang des Hafens von Monievides mi
inem deutschen Dampfer zusammen, der den lokalen Paj—
agierverkehr vermittelt, und er kam zum Sinkten. Es
ollen 150 bis 300 Personen, meistens Frauen und Kin—
er, ertrunlen, nur wenige Passagiere gerettet sein. Der
kapitän versuchte Selbstmord zu verüben, wurde aber dar—
m verhindert. Der Zusammenstoß erfolgte gegen 6 Uhr
rüh, während eines wolkenbruchartigen Regens, als in
»en Hafen die „Columbia“ hereinfuht und die Schlesien“
den Hafen verließ. Die „Columbia“ wurde in zwei Teile
jerschnitten; das Vorderteil sank sofort, während die hin—
ere Hälste sich noch einige Minuten schwimmend erhielt.
die Mehrzahl der Passagiere wurde von der Katastrophe
m Sschlafe überrascht: es entstand eine furcht
are Verwirrung. Kleine Dampfer eilten sofort au die
Anglücksstätte, um sich an dem Rettungswerk zu beteili—
sen, aber die stürmische See erschwerte die Arbeit unge—
nein. Die Zahl der Geretteten soll 70 betragen. Tas
Anglück und die herzzerreißenden Szenen, die sich im
inschluß an dasselbe abspielten, versetzten die ganze Stadt
n lebhafte Aufregung. — Nach einer Lloydmeldung aus
Nontevideo schätzt man die Zahl der ertrunkenen Passa⸗
iere der „Columbia“ auf drei ßig. Trotz der größten
fürsorge sind von den Geretteten, die fast alle nuür halb
ekleidet waren, sieben, darunter drei Kinder, gestorben.
zinem kleinen Kinde gelang es, ein anderes zu retten
die Moraung der Leichen mird ⸗ßnornisch herriehen
Tesegramme.
Trier, 26 Aug. Das Gnadengesuch wegen der Erm or⸗
»ung des Agenten Regel durch den zum Tode verur teilten
Techniker Maagh ist abschlägig beschieden.
Jülich 38 Aug. In dem Otte Hottorf fiel ein Land⸗
virt beim Kleemähen in seine Sense, die ihm ins Herz
)rang. Der Bedauernswerte war gleich darauf eine Leiche.
Barmen, 25. Aug. In eine aufregende Situation
varen die Passagiere eines Schwebebahnwagens geraten. An
»er Haltestelle Wupperfelder Markc zeriet der Wagen insolge
durzchlusses in Brand. Der Fahrgäñße bemäch igte sich eine
Panik. Glücklicherweise konate das Feuer durch das Fahr—
»ersonal rasch geöscht werden,.
* Köln, 26. Aug. Dem Konstantinopeler Be—
richterftatter der Koln. Zg.“ erkläͤrte der Finanz mi—
mist er, die Regierung werde etwa in zehn Tagen Ver—
jandiungen mit den ausländischen Mächten einleiten über
»ie Erhöhunng des türkischen Einfuhrzolles von 11 auf
i5 Prozent. Der Ertrag hieraus wird auf eine Million
ürlische Pfund geschätzt, worauf später eine Anleihe
»on zwei Millionen türkische Brund auignommen wer
den soll.
* München, 26. Aug. Die Münchener Weinküfer
saben den Tarif gekündigt und sind sofort in die Ver—
zandlungen eingetreten, die inbezug auf die neunstündige
Arbeitszeit, Urlaubs- und Lohnverhältnisse zur Einigung
nit den Prinzipalen führten. Einige andere Differenzen
ȟrften auch beigelegt werden.
* Ludwigshafen, 26. Aug. Der hiesige Generalanzei—
ger“ registriert das in Speyer mit Bestimmtheit aufire—
ende Gerücht, daß an stelle von Erzbischof Dr. Bettinger
Ddomdekan Dr. Schädler in Bamberg als solcher auf
Ansuchen nach Speyer versetzt wird.
* Dresden, 26. Aug. Ein von allen Teilen des Rei—
hes besuchter außerordentlicher Verbandstag der deutschen
ZigarettenIndustriellen beschloß infolge der
Steuererhöhung die Kleinverkaufspreise hinaufzufetzen. Es
wurden hierfür Normalpreise aufgestellt, die als Grund—
age dienen sollen. Eine Verschlechterung der Qualität
des Fabrikats soll nicht stattfinden.
*Wien, 26. Anug. An unterrichteter Stelle werden alle
Zerüchte über eine angeblich dieses Jahr in Aussicht ge⸗
tommene Begegnung des Kaisers Franz Josesf mit dem
Zaren als hattlos bezeichnet.
* Konstantinopel, 260. Aug. Xaver Pascha ift
zum Kommandeur des 1. Armeekorps ernannt worden.
* Salonik, 26. Aug. Die von Verisowitsch abgezoge⸗
nen Albanesen sind bei Rogowo in der Gegend
»on Ipek mit drei Bataillonen zusammengestoßen. Auf
eiden Seiten gab es Verluste. Den Albanesen soll es
gelungen sein, den Truppen einige Kanonen wegzuneh—
nen. Verstärkungen gingen von Uesküb und Moönaftir
ab. Da die Albanesen den Bahnverkehr zu unterbrechen
drohen, wird die Heranziehung weiterer Truppen von
der ariechisichen Grenze in Erwäqung gezogen
Friedrichshafen, 25. Auq. Wie zuverlässig verlautet,
vird die Route, dee Z. 3 bei seiner Berliner Fahrt nehmen
vird, vorausgesetzt naturlich, daß widrige Windverhältnisse
eine Aenderung nötig machen, folgende sein: Friedrichshafen,
davensburg, Bibetach, Ulm, Günzburg, Welßenburg, Rurnberg,
A
idertrug dem Oberingenieur Dirr das Kommando für die
Zerliner Fahrt bis Bitterfeld. Von dort ab leitet Graf
zeppelin das Lufischiff selbst. Der Graf hat gegenüber an—
serweiten Nachrichten geäußert, daß er nicht daran denke,
dei dem Bau des neuen Lufschiffes Z3. 4 von dem bewährten
Aluminlum abzugehen.
Friedrichshafen, 26. Aug. Bei dem gestern nachmit⸗
ag vorgenommenen Probeaufstieg des 8. 3, an dem der
Braf, welcher vortrefflich aussah und sehr guter Laune war,
elbfi teilnahm, erhob sich das Luftschiff leicht und graziös in
zie Luft. Es galt, die Steuerung, besonders die Motore in
zer Kcaflübertragung auszuptoben. Es zeigte sich, daß alles
ortrefflich funktionierte und das Luftichiff leicht und sicher
eine Bahn durchmaß.
Cuxrhofeu, 26. Aug. Auf der Nordsee berrschte gestein
chwerer Weststurm. Das deutsche Segelboot „Käte“ wurde
»om Sturm auf die Helgoländer Klippe geworfen, wo es
tandete. Rettungsmannschaften sind sofort abgegangen.
Rotterdam, 26. Aug. Hier ist die Cholera aufgetre⸗
en. 4 Kinder sind bereits gestorben. 31 Personen, meist
VBerwandte der Kinder, sind unter Beobachtung gestellt. 2
Zinder sind erkrankt.
Gmünd, 26. Aug. Auf dem Vogelhof stürzte ein Wä⸗
zelchen um, in dem ein Kind lag. Das Kind fiel in ein
Weipennest. Die Insekten zerstachen das Kind derart. daß
»s noch am selben Abend starb.
Budapest, 25. Aug. Blättermeldungen zusolge sind in
bBilis Vocossar Massen⸗Alkohol⸗Vergiftungen vorgekommen.
Die RKonsuwm-Genossenschaft der Arbeiter eines Beigwerks
hatte Rum in großen Mengen angekauft. 7 Personen find
durch Genuß dieses Rums gestorben, viele andere so schwer
ekrankt, daß an ihrem Aufkommen gezwelfelt wird.
Budapest, 26 Aug. Aus Radkelin wird gemeldet:
Fine Anzahl Husaren⸗Offiziere unternahm eine Kahnfahrt
uuf det Mur. Ein Boot, i welchem sich 3 Rittmeister und
2 Pbeileutnants befandean, kippte infolge starken Wellen⸗
chlages um. Die 5 Offiziere wurden, obwohl sie schwimmen
lonnten, von der reißenden Strömung fortgetrieben, bis es
inter Lebensgefahr gelang, sie zu retren.
Madrid, 26. Aug. In der vergangenen Nacht ist in
Metilla eine furchtbate Exrplosion vernommen worden. So⸗
veit bekannt wurde, handelt es hch um die Entzuündung einer
diste Dynamit, welche die Spanier mit Absicht in die Nähe
von Häusertuinen gelegt hatten, aus denen die Riffiaten die
pauischen Truppen seit langem beschossen und beunruhigt
jatten. Der Anschlag war gelungen. Die Riffiaten wollten
die Kiste öffnen und brachten sie daher zur Entzundung.
Man sand an der Stelle am andern Taae viele Leichen und
ahlreiche Blutspuren.
Bordeaux, 26. Aug Auf Antrasg der russischen Voli—⸗
—XX&
zer beschuldigt wird, Mitglied etner Die besbande zu sein, die
m Marz ein Kind raubten und sAr die Herausgabe 60000
Rubel erbielten. In Rußland solen dieserhalb bereits 7 Per⸗
onen verhaftet sein. Der Student erhob Einspruch und be⸗
auptet, ein Opfer der Politik zu sein.
Saloniki, 26. Aug. Turkische Truppen hatten hier ein
befecht mu aufständischen Albanesen. Auf Seiten der Türen
gab es 4 Toie und eine Vnzahl Verwundete. Die Ver⸗
uste bder Albanesen sind unbekannt