— Frtedrichshafen, 25. Anug. 2Ge gemeildet
wird, liegt „Z3. 3* flugbereit in der Halle. Es ist nicht
unwährscheinlich. daß im Laufe des morgigen Tages ein
kurzer Aufstieg vor dem Antritt der Fahrt nach Berlin
stattfinden wird.
„Großz 3.“
Das Luftschifferbataillon wird noch im September mit
einem neuen Lufstschiff, das den Namen „Groß
3“ führen soll, an die Oeffentlichkeit treten. Der Luft⸗
kreuzer wird nicht nur an Größe, sondern auch an Wi—
derstandsfähigkeit alle seine Vorgänger übertreffen. Er
wird eine Länge von 86 Metern haben und etwa 200
Zentner Tragfähigkeit besitzen. Die Gondel, die ẽE neun
Meter lang ist, wird mit vier 75-PS-Motoren ausgerüstet.
Die vier Propeller, durch die das Luftschiff vorwärts be—
wegt wird, erhalten nicht wie bei „Groß 2“ drei, son—
dern vier Flügel. Die Propeller werden zu beiden Sei—
ten der Gondel laufen, während sie bisher hoch oben am
halbstarren Gerüst angebracht waren. Das Luftschiff wird
wieder in der neuen Ballonhalle untergebracht, die des—
halb jetzt bis auf 100 Meter verlängert wird. Da diese
Arbeiten in der nächsten Woche beendet sind, wird auch
mit der Füllung und Auftakelung des neuen Lujftkreuzers
bald begonnen. Die Ballonhülle ist bereitss vor 14 Ta—
gen aus Augsburg auf der Luft'chiffwerft eingetroffen.
Ein neuer Luiftschifftyp.
Laut Bestätigung vom kaiserlichen Patentamt in Ber—
lin haben die Fabrikanten Zügel u. Baßler in
Mannheim eine neue, lenkbare Flugmaschine, System
Zügel, die als Wasser-, Land- und Luftfahr
zeug ausgebildet ist, zum Patent angemeldet. Die Flug
maschine kann nach Besieben anstatt der Gasballons aucd
mit einer Fahnenschraube versehen werden. Sie erzeug
ihre Flugkraft durch Propeller und Fahnenschraube und
besitzt eine Höhen- und Niedersteuerung. Die Luftmaschiné
kann sich im Wasser, auf dem Land und in der Luf
fortbewegen. Vermittelst Schutzdaches ist ein Abstür—
zen aus der Luft vollständig ausgeschlossen. Das
Gas im Ballon wird während der Fahrt zum Speisen
der Motoren verwendet. Laut Bestätigung vom Kriegs—
ministerium hat Zügel diese Erfindung bereits 1895 dem
Kriegsministerium vorgelegt, nochmals am 1. Juli 1904,
wo er ein Modell in Berlin vorführte. Wie man hört,
soll eine Aktiengesellschaft gegründet werden zur Fabrika—
tion und Ausbeutung der Ersfindung.
Orville Wright.
Der amerikanische Aviatiter Orville Wright
besichtigte das Tempelhofer Feld, auf dem er
demnächst seine Flugversuche beginnen wird. Er hiell
den Platz für außerordentlich geeignet. Als er daraus
aufmerksam gemacht wurde, daß sich nördlich in gewissen
Abständen von einander vier ungefähr sechs Meter hohe
Bäume befinden, denen beim Fluge ausgewichen werder
muß, erklärte er: „O, ich fliege nicht auf dem Boden, ick
fliege doch in der Luft! Auf meinem Platz bei Washing—
ton hatte ich zwanzig Bäume, die ütßer 25 Meter hock
waren. Es ist ganz hübsch gewesen, bald über die Bäume
dann rinasherum und zwischendurch zu fliegen!“
Die aviatische Woche von Reims.
Reims, 25. Aug. Bleriot unternahm auf den
Flugfelde in Gegenwart des Präsidenten Fallieres un
einer ungeheuren Menschenmenge einen abermaligen Auf
stieg. Er stellte dabei einen Welt⸗-Schnelligkeitsrekord auf
Er legte 10 Kilometer in 8 Min. 4 Sek. zurück. Diefe
Leistung ist um so höher zu hewerten, als sie bei einer
Windgeschwindigkeit von 9—10 Sekundenmetern erziel
wurde.
—t6i — —
Fernbeben.
Heidelberg, 25. Aug. Der Seismograph des
aftrophysikalischen Instituts auf dem Königstuhl registrierte
in der vergangenen Nacht ein mittelstarkes Erdbeben. Die
Vorläufer begannen 1 Uhr 26 Minuten das Hauptbeben
fetzte 1 Uhr 27 Minuten ein. — Auch von der Station
Jugenheim kommt dieselbe Nachricht. Die Entsern—
ung des Herdes gibt letztere auf 1100 Km. an.
Siena, 25. Aug. In der Nacht, etwa von 1.25
Uhr ab, erfolgten in der Provinz Siena mehrere starke
wellenförmige Erdbeben, durch die die bestürzten Be—
wohner aus den Häusern ins Freie getrieben wurden. In
Buencenvento sind mehrere Haͤuser eingestürzt; eine
Person ist getötet, mehrere verletzt. Aus San Loren—
zo wird gemeldet, daß fast alle Häuser eingestürzt oder
schwer beschädigt sind. Viele Personen wurden verletzt.
Weitere Nachrichten über den Einsturz von Häusern und
Verletzungen von Personen kommen aus Rombino, Mon—
teroni unds να MD.α
zu den österreichischen Kaisermauövern.
Unser heutiges Bild stellt das Hauptquartier dar, in
welchem während der österreichischen Kaisermanöver Kai
er Franz Josseph und Kaiser Wilhelm Woh—
aung nehmen werden, nämlich das bei Groß-Meseritsch
gelegene Schloß des Grafen Harrach. Die österreichischen
daisermanöver finden in der Zeit vom 8. bis 11. Sep—
ember zwischen dem 1. (Krakauer), 2. Wiener) und Tei—
en des 9. (Leitmeritzer) Korps fstatt, und zwar in der
FJegend zwischen Trebitsch-Jglau und Groß-Meseritsch
Fedes der beiden feindlichen Korps wird drei Infanterie
divisionen und eine Kavallerie-Division umfassen. Ins
gesamt stehen 100 Bataillone, 60 Eskadrons, 534 Batte
rien und 6 Kompanien Pioniere im Felde.
Vermischtes.
Zur Warnung unserer Damen, damit sie sorg
amer bei der Befestigung ihrer Hüte mit langen Hut—
iadeln umgehen, teilt die „Wiener Allg. Zig.“ folgenden
Zorfall mit: In einem Straßenbahnwagen, der auf der
Favoritner Hauptstraße verkeyrt, ist es zwischen zwei Her—
en, die beide der sogenannten guten Gesellschaft ange—
jören, zu einem Renkonter wegen einer — Hutnadel ge—
ommen. Da es nicht unwahricheinlich ist, daß die be
dauerliche Affäre demnächst das Gericht beschäftigen
»ürfte, so verdient sie zur öffentlichen Kenntnis gebracht
zu werden. Die Ursache des Renkonters war, wie er—
vähnt, eine Humadel von jenen riesigen Dimensionen, wie
ie unsere elegante Damenwelt gegenwärtig zur Befestig—
ung der Wunderwerke mondäner Modistenkunst auf den
mit üppigem Surrogatgelock garnierten Köpfen besitzt. Auch
Irau v. L. hatte ihr Riesenexemplar von Kopfbedeckung
nit mehreren langstieligen Hutnadeln befestigt. Sie hatte
mit ihrem Gatten auf einer Bankt des elektrischen Wagens
Platz genommen und machte während ihrer eifrigen Kon—
zersat'on eine lebhaftere Kopfbewegung, wobei sie das
Unglück hatte, einen rückwärtssitzenden Fahrgast mit ei—
ier aus ihrem Hute hinausragenden Nadel ins Gesicht
u stechen. Narürlich sprang der Leichtverletzte „wie von
iner Tarantel gestochen“ auf, und in dem ersten Augen—
blick des Schmerzes war er gerade nicht wählerisch in
»er Wahl seiner Ausdrücke. Der Gatte der Dame bliel
run ebenfalls nicht ruhig. Ein Wort gab das andere
dartenwechsel unter allgemeiner Aufregung des mitfah
renden Publikums. Zwei Ehrenbeleidigungsklagen dürf
en nach den Gerichtsferien das Wiener Bezirksgericht be
chäftigen, wenn es nicht vorher zu einer außergerichtli
hen Schlichtung der peinlichen Affüre kommt. Am aller—
chlimmsten aber dürfte die Dame selbst vor dem Gericht
ibschneiden, weil sie sich ganz zweifellos eines Verge
sens gegen die körperliche Sicherhent schuldig gemacht hat
Fürst und Warenhausbesitzer Unsere Misiefy
229saãane
die am 13. Augun umer ver 384 vewirrt worden
Sie lautert: „Zu Rr. 394: Bie Firma ist in „Warenhaus
des Fürsten von Pleß, Hans Heinrich 15.“ geändert. Dem
fürstlichen Bergwertsdirettor Franz Balzer in Waldenburg
ist Protura erteilt. Als Inhaber der Firma ist Seine
Durchlaucht der Fürst von Pleß, Hans Heinrich 15. auf
Schloß Fürstenstein eingetragen worden.“ Dem Agrar—
und dem Industriefeudalismus gesellt sich jetzt also der
Warenhausfeudalispus bei.
AGegen vie Invassonsangrr Man seyrerdvt aus
London: Der angesehene Londoner Richter Willis haf
inmitten seiner Berufstätigkeit Zeit gefunden, ein Pam—
phlet über die letzte Invasionspanik loszulassen, durch die
sich England so lächerlich gemacht hat. Er nimmt sich
kein Blatt vor den Mund und sagt gerade heraus, die
Panik „sei durch die schändlichsten Erklärungen über eine
Ration erzeugt worden, mit der wir auf freundschaftlich.
stem Fuß leben sollten“. Am wertvollsten ist an der
Broschuͤre der historische Rückblick, in dem der Richter ei—
nige sechs bis sieben Invasionspaniken aufzählt, die er
selbst miterlebt hat. Er sagt sehr richtig, wenn auch kaum
prelcheheß für seine Landsleute: „Die Engländer sind
mmer bereit, sich ins Bockshorn jagen zu lassen, und ge—
wisse Publizisten haben diese englische Schwäche ausge—
beutet, um die Angst zu erzeugen, die in züngster Zeit zu
Tag getreten ist. Wer die Vergangenheit nicht kennt,
dem mußte die Blindheit unseres Volkes beinahe um
ee erscheinen. Man hätte ebenso gut zu einem Fie—
erkranken reden können.“
* Bootsunguuck. Rachvem erst bot etwa zehn Tagen
drei Personen den Tod in den Wellen der Müritz ber
Waren (Mecklenburg), gefunden haben, die auf einer Se—
zelpartie verunglückten, sind wieder drei Menschen ertrun—
en. Sie wollten nach einer Festlichkeit nach einem Nach
rarort, nachts zwischen 3 und 4 Uhr, über die Müritz in
einem Boot übersetzen. Das Boot kippte um, 3 Insassen
rtranken, während der vierte, ein Oberkellner, sich durch
en retten konnte. Die Leichen sind noch nicht
ieboraen.
211
Spiel und Wirklichkeit.
In einer Plauderei über Oberammergau erzählt H
E. Wallsee in den „Hamb. Nachr.“ von den Resflexerschei—
nungen, die, von der Passionsbühne ausgehend, in das
wirkliche Lesden hinuüberspielen.
So erschien eines Tages eine englische Dame in dem
Hause des Bürgermeisters mit der Bitte, ihr eine Wohn—
ung im Orte zu empfehlen. Ihre erste Frage war, ob
er, der Bürgermeister, nicht selbst ein Zimmer frei habe.
Der Bürgermeister bejahte.
„Welche Rolle er in der Passion spiele?“
„Den Kaiphas“.
„Dann könne sie nicht bei ihm wohnen“, erklärte die
Dame. „Sie könne nur bei einem Freunde Christi Quar—
tier nehmen“. Ein zweites und drittes Anerbieten wurde
aus demselben Grunde abgelehnt. Vermieter der einen
Wohnung war der Hohepriester, der zweiten der Darsiel⸗
ler des Herodes. „Dann ziehen Sie zu Lang“, riet der
Bürgermeister.
„Wer ist Lang?“
„Der Darsteler des Christus.“
„Dazu fühle ich mich nicht genug würdig“, lehnte die
Bittstellerin ab.
Der Nachmittag war vorgerückt, und um der immer
schwieriger werdenden Unterredung ein Ziel zu setzen,
sandte der Bürgermeister den Amtsdiener mit einer Um—
frage zu den Aposteldarstellern aus. Nach geraumer Zeit
vrachte der Ausgesandte befriedigende Antwort. Einer der
Apostel hatte ein passendes Zimmer frei, das die Dame
auch sofort bezog. Als sie eintraf, war der Hauswirt
zwar nicht zu Hause, was sie aber nicht hinderte, sich so⸗
fort behaglich und heimisch zu fühlen und einen erquicken,
den Schlaf zu tun. Erst am folgenden Morgen bekam
sie ihren Hauswirt zu Gesicht. Es entspann sich das fol—
zende Gespräch:
„Sie sind Aposiel?“
„Ja.“
„Was spielen Sie?“
„Den Judas.“
Entsetzt packte die Dame ihre Kofser und verlie,
Oberammergau zur selbigen Stunde. Für sie, wie für
so viele andere auch, die der Aufführung angewohnt, war
das Spiel so völlig zur Wirklichkeit geworden, daß site
sich die Person der Darsteller unmöglich von der darge
stellten Rolle loszulösen vermochte..
Und ein Gleiches wor 2