Nr. 197 23. Jahrg. ——— X i —— —
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Mittwoch, 25. Aug. 09
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Müssen Deutschland und England
Feinde sein?
Ueber eine sehr beachtenswerte Predigt, die ein au—
tralischer Geistlicher britischer Herkunft, Dr. Jefferis in
Adelaide kürzlich gehalten hat, und von deren Text der
angesehene, greise Geistliche auch Kaiser Wilhelm einen
Abdruck übermittelt hat, schreibt man aus Sidney:
Die Bedeutung, welche man in Australisen die—
ser Friedensmahnung beimißt, geht aus dem Umstand
hervor, daß große, angesehene Zeitungen die Predigt in
hrem vollen Wortlaute wiedergeben. Dr. Jefferis gab
zunächst einen historischen Ueberblick über die Entstehung
des Deutschen Reiches und wies nach, wie überall briti—
sche und deutsche Interessen die gleichen waren. Auch die
Zukunft des britischen Reiches hängt nach
einer Ansicht eng zusammen mit dem Geschicke des
Deutschen Reiches, der beiden wirklichen Groß
mächte Europas van gleicher Abstammung. Um ein bes—
seres Verstesen zwischen den englischen und deutschen Bür—
gern Auftraliens herbeizuführen, müßten sich die ersteren
immer vor Augen halten, daß sie den Vorteil eines freien
nationalen Lebens den deutschen Brüder verdankten. Dr.
Jefsseris schildert dann das nationale und kirchliche Leben
in Deutschland in seiner Entwickelung bis heute. Er weist
nach, daß aus der ganzen Entwicklung des Reiches
Deutschlands Friedensliebe unzweifelhast hervorgehe. Die
pon einer hohen Anerkennung deutscher Art zengende Pre—
digt schloß mit folgenden Ansführungen: „Ein unpartei—
isches Studium der Geschichte Europas beweist, daß
Deutschland durch sein ehrliches Streben, seine glänzen—
den Erfolge, sein unbestreitbares Organifsationstalent und
durch die ernsten, mannhaften Sitten des Volkes ein Recht
auf die Achtung der Welt hat, und daß es unaufhaltsam
an Macht und Ansehen wachsen muß. Mit seinem sprich
wörtlichen Gerechtigkeitssinn müßte daher auch das eng—
ische Volk die Notwendigkeit anerkennen, aus der heraus
Deutschland seine Flotte und seine maritimen Hilfsmittel
veiter entwickelt. Sollte England mit einem solchen Volke
Krieg führen, mit dem es in den wichtigsten Fragen des
Lebens Hand in Hand geht, dem Waffengefährten von
Waterloo, als es galt, den rücksichtslosen Eroberer zu be—
wingen? Nein und tausendmal nein! Das wäre ein
Zruderkrieg, schmachvoll und fluchwürdig; möge der Herr
m Simmel ihn jietzt und immerdar verhindern“
many. Der Staat leistet die oritten 20 fg. wöchentlich
Die Kontrolle führen die Arbeitsbureaus, die durch dieft
Arbeit dem Staat mehr kosten werden, als die bisher aus
geworfenen 4 Millionen Mark. Sobald der Arbeiter be
schäftigungslos wird, muß er sich auf dem Bureau mel
den und erhält nichts für die erste Woche und je 8 Mar
für die nächsten 13 Wochen. Dann hört jedwede Unter
stützung auf. Inzwischen sucht aber auch das Bureq
jür ihn Arbeit, und wenn es welche findet, muß der Ar
deiter sie annehmen oder einem Ausschuß die Gründ
einer Ablehnung angeben. Verwirft der Ausschuß di
Bründe, so ist der Arbeiter gezwungen, die Stelle anzu
iehmen oder er verliert sein Recht auf Unterstützung. Ar
beitsunwilligkeit findet noch eine andere Strafe. Da
erste Recht auf Hilfe wird durch acht Monate Beiträg
ꝛrworben. Bleibt der Arbeiter aber mehr als 20 Woche
rußer Arbeit, so fällt er ganz aus der Versicherung, un
venn er später wieder beginnt, dann muß er 12 Monat
ang Beiträge leisten, ehe er hilfsberechtigt wird, und
noch länger, wenn er den Spaß wiederholt. Der Plai
st auf die bessere Arbeiterklasse zugeschnittn und wirt
iur durch viele Schrauben des Zwangs und Müssens zu
ammengehalten, aber so unenglisch auch alles sein mag
ꝛx wird sich vielleicht in der Praxis ganz gut bewähren
Dem schwersten Problem, der Arbeitslosigkeit de
ingelernten Arbeiter, ist nicht durch Versicherung beizu
ommen. Ihre Not ist, wenn überhaupt, nur auf der
zireklten Wege der Arbeitsbeschaffung zu lindern, und di
Regierung greift auch hier helfend ein. Da ist zuerst de
uimfassende Plan der methodischen Aufforstung Englandé
zas bis auf spärliche Reste keinen Wald im deutsche
Sinne besitzt. In diesem Jahre will man 6 Millione
Mark dafür ausgeben und später jährlich das Dreifach
ind mehr. Und dann will man die Einkünfte der Moto
izenzen und Petrolsteuer, Fie man auf 12 Millionen W
inschätzt, samt und sonders zu einer Vorbesserung odé
um Neubau von Hochstraßen und Nebenwegen England
zenützen. In den Städten endlich hofft man mit der
ieuen Bebauungsgesetz und seinen Enteignungsvollmach
ten eine eifrige Bautätigkeit zu entfalten. Die Regierun
»enkt eben immer an ihren großen Feind, die Tarifre
zorm. Je größer der Arbeitsmangel, desto lockender wä⸗
er Schuszzoll. M. 3.
Die Abgrenzung von Fabrik und
Handwerk.
wird, wie verlautet, im kommenden Herbst Gegenstand
fommissarischer Verhandlungen und wohl auch gesetzgebe
ischer Vorarbeiten sein. Es werden im Reichsamt des
Innern Beratungen unter Teilnahme von Vertretern de.
Industrie und des Handwerks stattfinden, um die vor
lehterem erhobenen Beschwerden zu prüfen und zu be
citigen. Das Hardwerk lehnt sich wegen der Zugehörig
eit zu den Handels- bezw. Handwerkskammern, besonder?
gegen die disherige Praxis auf, nach der Betriebe, da
gerade durch die Hilfsmittel der Organisation des Hand
verks einen gewissen Umfang erreichen, deswegen als
Fabrikbetrieb ange ehen werden. Da es aber unmöglis
erscheint, durch klare, begriffliche Bestimmungen die Un
erscheidung von Fabrik und Handwerk sestzulegen, si
nuß eine gemeinschaftliche Instanz geschaffen werden, de—
ie Entscheidung ailer derartiger Streitfragen zustebt. Fü—
iefenigen Bundesstaaten, welche die Verwaltungsgerichts
arkeit cingeführt haben — Preußen, Bayern, Sachsien
Kürttemberg. Baden und Hessen — erscheint das Ober
diesem gleichstehenden höch
orichte wohl als die zweck
2* diese Lös
herrschen, ats ob die zu gewerblichen oder zu offenttiche
Verwaltungszwecken veschafften Vorräte von der Rach
steuer frei seien. Nach der Vorschrift in 85 39 Abs. 2 des
Leuchtmitteisteuergesetzes bleiben indes, wie in den Aus
führungsbestimmungen ausdrücklich festgestellt worden ist
nur die zu privaten Haushaltungszwecken dienenden Be
leuchtungsmitiel von der Nachsteuer befreit.
* Der Landtagsabgeordnete Geh. Kommerzienrat Zuck
schwerdt (natl.) beabsichigt sen Mandat niederzu
iegen. An seiner Stelle soll Fabritbesitzer und Stadtver
ordneter Otto Gruson von den Nationalliberalen aui
geĩitellt werden.
Oesterreich Ungarn.
* Ministerpräsident Bienerth empfing den Besud
des böhmschen Oberstlandmarschalls Prinzen Lobkowitz
den er über den Standpunkt des Kaisers in der böhmi
schen Landtagsangelegenheit informierte. Der Kaiser hatte
in der Audienz des »inisterpräsidenten geäußert: „Der
böhmische Landtag n3 unter allen Umständen arbeits
rfähig genebt α
Spanien.
* Die Zeitung „El Mundo“ berichtet über das Zwie
gespräch eines Reporters mit dem Ministerpräsidenter
Maura. „Ist es richtig“, fragte der Journalist, „daß der
König die Absicht hat, die Verwundeten in den Spi—
tälern zu besuchen?“ — „Davon ist bis jetzt nichts be
kannt.“ — „Man sagt sogar, der König wolle sich in das
Spital von Melilla begeben?“ — „Um Gott, Un
Gott!“ habe hier Herr Maura ganz bestürzt ausgerufen
„Hach Weeitlloz Wer rann nur so erwas vermurtent— —
„Nun, die vtelen Reservisten, die Frau und Kind verlas
sen müssen, um in Afrika ihr Leben für die „Ehre“ Spa
niens einzusetzen, hatten mindestens das gleiche Recht, zr
denken:; Um Gott Um Gott! Nach Melillal“
Türkei.
* Der türkische Generalissimus Mahmud Schefket Pa
scha, der auf die Einladung Kaiser Wilhelms die großen
deutschen Manöver mitmacht, wird vom Militär—
attachee bei der deutschen Botschaft in Konisitantinopel
Maior von Stremvel healeitet werden
China.
*Aus Charbin wird gemeldet, daß zwischen Chinec
und Japau über eine geheime Militär-Konven
tet on verhandelt werde. China rüste energisch
In Mukden werden 22000 Mann Infanterie, 19 Schwa—
dronen Kavallerie und 28 Raitorien Gebirasartilleri⸗- 2u
fammengezoaen
Sie Sorne für die Arbeitslofen.
Wenn de get dommit, den Nekrolog des gegenwär
igen en aurchen Kabineits zu schreiben, werden dar
in die großen sozuuen eformen den hervorragendster
Platz einnebmen, wie sichs für eine wirkliche Volksregie
lung gebührt. Die Gegner mogen höhnen, es sei alles
Staatssozia ismus „made in Germany“, aber die engli
chen Massen lassen sich diese deuische Einfuhr wohl ge
allen. Unfallversicheruna und Altersversicherung behager
hnen durchaus. Und nun ijoll dazu noch die Linderuncç
der Arbeitslosigkeit kommen. Das Gesetz, das England
nit einem Netz staatlich erhaltener Arbeitsbureaus über
iehen wird, ist vereits angenommen. Jeztzt beschäftigt sid
zie Regierung mit der Versicherung gegen Arbeitslosigkeit
zs mag uns Deutschen Genugmung und vielleicht etwas
chadenfrende gewähren, daß hier, wo die englischen
n ireies Aeld für ihre Weishei
Dyrifiken herun
Marokko.
* Die Londoner Morgenblätter sehen die Aussichter
Spaniens in den Kämpfen mit den Kabylen als
iußerst trübe an. Schon jetzt macht sich die schlechte
Kriegsleiuung bemerkbar. Der Gewährsmann des „Dailr
Telegraph“ vertritt die Ansicht, daß die Spanier stets auf
die Vefensive sich werden beschränken müssen. Daß die
Gesamtlage geradezu verzweifelt ist, beweisen auch die
Nachrichten über die ganz ungenügenden Ausschiffungsan—
lagen für die Verstärkung, die unentschlossene Taktik und
vor allem das Bestreben der spanischen Regierung, durch
lächerlich strenge Depeschenzensur das Volk über die wahr—
Tade 20u —Uäaschon
— — ——
Aenderung des Kalenders.
Aus Budapest läßt sich die „Franki. Ztg.“ berichten
Die römische Kurie hat eine interessante Entscheidung ge
troffen, indem sie auf Ansuchen der griechisch-katholischer
Kirchengemeinde in Budapest die Vereinigung des römi
schen⸗gregorianischen und des griechischen-julianischen Ka
lenders, voriäufig allerdings ausschließlich für die Buda
r Kirchendiözese, gestattete. Die Budapester griechisch
dirchengemeinde hat das erwähnte Ansuchen be—
»em Jahre an das Graner Erzbistum
— iesen, daß durch den bei den
uligatorisch in Gebrauch
nohmlichkeiten