7 dee Garannien nur als ein Ganzes vehandelt werden
men. Sollten die Brauereien ein Entgegenkommen in
dieser Richtung nicht zeigen, so können die Wirte nich!
anders handeln, als einen durchgreifenden Appell an die
Konsumenten zu richten. Die Versammlung sieht auf dem
Standpunkt, daß eine Mehrzahlung für den Monat Au—
gust voll und ganz ausgeschlossen ist, jedoch erklärt sie
sich jerner bereit, obschon nach 8 63 des Brausteuergesetzes
ein berechtigter Aufschlag erst dann Platz greifen kann,
wenn die zum Verkauf gelangenden Biere die Steuer
in sich aufnehmen, einen Mehraufschlag von 3 bezw. 3.50
per 1. September zu zahlen. Wir ersuchen allen Kolle—
gen, ihren Vierverbrauch nach der alten Berechnung für
den Monat August zu entrichten.“
* Mainz, 18. Ang. Bierpreiserhöshung.)
Der Verband der vereinigten Brauereien von Mainz und
Umgeburg beschloß, vom 19. dss. an den Bierpreis um
3 Mark pro Hektoliter ꝛu erhöden
Aus aller xBelt.
* Unglück beim Sprengen. Vei den Arbeiten zur
Wasserlestungsanlage in Altenburg (Oberhessen), solete ein
Basaltfelsen gesprengt worden. Der Schuß versagte je—
doch. Als ein Arbeiter nach der Ursache forschen wollte
ertoönte plötzziich ein Knall und der Sprengichuß ging los
Der Arbeiter war sofort tot.
* Große Unterschleife. Schon vor einigen Jahren er⸗
eigneten sich in der Verwaltung des Carola-Hauses in
Dresden, einer Gründung der Königin Carola von Sach
sen, verschiedene Unregelmäßigleiten, die indessen ausge—
glichen wurden, ohne daß strafrechtlich eingeschritten wor—⸗
den ist. Als zetzt der Kassierer Richter von seinem Urlaub
nicht zurücktehrte, fand eine Nevision statt. wobei ein
Fehlbetrag von 6700 Mark festgestellt wurde. Richter, der
sich selbst der Polizei gestellt hat, gibt an, daß er das
Geld im Bör'enspiel verloren habe. Tie AMAifäre erregt
großes Aufsehen.
* Unwetter in Belgien. Starke Gewitter sind in
den letzten zwei Tagen über Antwerpen und Umgebung
niedergegangen. In der Provinz Antwerpen sind zwei
Personen vom Blitz erschlagen worden.
* Brandkatastrophe. In der Ortschaft Mora (Böh—
men) entstand durch Kinder, welche heimlich rauchten, ein
großes Schadenfeuer. 38 große Bauerngüter sind nieder⸗
gebrannt. Ein greises Ehepaar sand in den Flammen
den Tod.
* Gasexplosion. In den Hütten von Gorcy (De—
partement Meurse et Moselle in Frankreich fand eine Gas—
explosion statt, wobei 5 Arbeiter und ein Ingenieur ver—⸗
brannt wurden. Zwei Arbeiter sind bereits gestorben und
auch der Zustand der drei anderen gitt als verzweifelt.
* Große Nevolte. Auf der Insel Talab ssk im Gou—
vernement Pstow (Rußland, ist anlaͤßlich der letzten Cho—
lera-Erkrankungen eine Revolte ausgebrochen. Unsinnige
Gerüchte bezichtigen Dorpater Studenten, den See durch
Cholerapulver vergiftet zu haben. Ein Universitätsprofes—
sor und ein Feldscheer wurden furchtbar verprügelt und
entgingen nur mit knapper Not dem sicheren Tode. Der
Mob stürmte dann die Cholerabaracken und schleppte die
Kranken fort.
* Bootsunglück. Ein Boot, in dem 2 Herren und 3
Damen einen Ausflug auf dem Gardasee bei Palo (Ita⸗
sien) machten, ist gesunken. Alle Insassen, mit Aus—
nahme des Bootsfuͤhrers, sind ertrunken. Letzterer ist
verhaftet worden
— — —
Landwirtschaftliches.
Die europäische Rübenzucker-Produftion. Die
ihrem Ende zustrebende Campägne wird aller Wahrschein—
lichteit nach für Europa eine geringfügigere Produktion
aufweisen, als in den drei zurückliegenden Jahten an
Rübenzucker erzeugt worden ift. Diesmal dürfte sich eine
Höhe von rund 130 Millionen Zentner ergeben. Das
würde gegenüber der Erzeugung in den drei Vorjahren
ein Minus von 125 bezw. 4,25 und 8,6 Mill. Zentner
jein. Deutschland würde mit 41,8 Mitlionen Zir.
um 0,8 bezw. 83,3 und 6,58 Mill. Zentner hinter den Pro—
duftionen in den drei Vorzahren zurückbleiben. Bei Oester⸗
reich kommen wahrscheinlich 28 Millionen Zentner in Be—
racht oder 0,5 Mill onen Zentner weniger als im Vor—
—D mehr als in 1906
bis 1907 und wieder 2,2 Millionen Zentner weniger als
in 1905—–06. Frankreich dürfte mit einer Erzeugung von
16 Mill. Zentner 1,8 vezw. 0,8 Mill. Zentner mehr pro⸗
puzieren als in den beiden Vorcampagnen, dagegen 538
Mill. Ztr. weniger ais in 1905—506. Für Holland kann
imit einer Erzeugung von 4,2 Mill. Zir. gerechnet wer—
den, gegenüber den beiden Vorcampagnen mit einem Plus
von ,7 bezw. 0,6 Mill. Zer., wahrend sich gegen die
Tampagne 1905— 06 nur ein ganz geringfügiger Unter—
schied ergeben dürste. Belgien wird mit 5 Mill. Zentner
wahrscheinlich ein Plus von 0 4 Mitl. Zentner gegenüber
der Vorcampagne ausfweisen, dagegen ein Minus von O,6
bezw. 1,5 Mill. Zer. in den beiden weiter zurückliegenden
Betriebsjahren. Für Rufßland endlich wird mit einer Er—
zeugung von 25,5 Millionen Zentner gerechnet, wodur
— —— de—— wu
„Aber“, rief Jsabel, „Sie brauchen das Geld doch
selbsil“ Und doch fühlte sie, daß sie ihn ob seiner Groß⸗
mut nur noch lieber hatte.
„Ich werde jetzt bald wieder Verdienst haben, und
jedenfalls vermag ein Mann gegen die Widrigkeiten die⸗
ses Lebens leichter zu kämpsen, als eine zarte, vornehme
Frau, die noch dazu ein Kind zu ernähren hat .....
„Ja, zart und vornehm ist Mris. Lane. Sie scheint
mir eine jener Frauen zu sein, die alle ritterlichen Ge⸗
fühle der Männer notwendig wachrusen müssen. Nun,
sedenfalls legen diese Goldstücke von Ihrem aoldenen Her⸗
zen Zeugnis ab.“
Fünf Minuten später war Robert weggegangen. Vor—
her hatte er aber Isabel noch versprechen müssen, am
Sonntag zum Diner zu kommen. Sowohl ürztliches In—
teresse als auch das Herz der um den Geliebten besoreten
Frau hatten Isabel zu der Bitte veranlaßt, er möge
jeden Sonntag mit ihnen speisen. Roberts Konstituion
war durch die lange Krankheit angegriffen und bean⸗
spruchte eine gewählte, kräftigende Kost, wie sie ein ein⸗
samer Junggeselle, und zumal ein unbemittelter, kaum
sich beschaffen kann, so sagte sich Isabel. Und so konnte
sie ihn wenigstens am Sonntag nach Herzenslust mit dem
Besten füttern, was ihres Onkels treffliche Küche bot.
„O, Miß Mure, wie gütig von Ihnen, daß Sie sich
um den Kleinen; bemüht haben“, klang es jetzt von der
Türe her in Isabels Reflexionen hinein, und ins Zimmer
huschte Mrs. Lanes zierliche Gestalt, direkt auf den Klei—
nen los, den sie ersaßte und zärtlich an ihr Herz drücke.
„Ich. bin so lange fort gewesen und habe blos ein Paar
Halbhandschuhe verkauft“, klagte sie. „Wie elelhaft ist es
doch, mit all' diesen gewöhnlichen Leuten handeln und
feilschen zu müssen! Aber für mein Kind könnte ich auch
sterben.“
„Baby hat heute morgen schon ganz allein etwas
berdient“, scherzte Isabel. „Ein Freund von mir, ein
Maler, war so von des Kindes Schönheit entzückt, daß
er den Kleinen sofort abkonterfeite; er meinte dabei, es
AA6 reacht Sä Gleinen IA8 Mohbels uun henilken okn0
1,7 bezw. 3,3 Mi lionen Zentner ergeven würde, dage—
gen ein Plus von rund 6 Millionen Zentner im Ver—
zjleich mit der Produktion Rußlands im Betriebsjahre
1906 — 07.
s üä M—
Zur Detmolder Hermanunsfeier.
Unser heutiges Bild bezieht sich auf die Jubel' eier,
welche in diesen Tagen in Detmold zur Erinnerung daran
jattfindet, daß in der Detmolder Gegend vor 1900 Jah—
en die vereinigten Germanen ihre römischen Unterdrücker
zeschlagen und vernichtet haben. Der Festzug selbst ge—
vwährte Bilder von einer Naturtreue und Farbenpracht,
daß der Beschauer bei den meisten den Eindruck, eine
Illusion vor fich zu haben, vollständig verlor. Die bär—
beißigen Germanen waren durchaus echt geraten und nur
die Römer waren doch etwas zu knabenhaft um 2u be—
—
weisen, daß die Germanen mit ihrer Ueberwindung seh.
schwere Arbeit gehabt hatten. Hermann, der Cherusker
hoch zu Roß, war eine prächtige Erscheinunz. Im Ad
lerhelm und mit der Streitarxt an der Seite, zog er sei—
nen Edlingen voran, umbraust von den begeisterten Zu
rusen der die Straßen umsäumenden Menschenmenge. 31
den interessantesten Gruppen, die auf den reichgeschmückter
Wagen im Festzuge geführt wurden, gehörte vor allen
der Wagen der Wala-Seherin, der den Augenblick zur
Darsiellung brachte, in dem die weise Wala den lauschen—
den Germaneniührern den Siea weissagt.
Gerichtszeitung.
8 Verurteilung eines Verrückten. Das Kriegsgericht
in Mainz verurteilte den Pionier Jakol
Brühl aus Oestrich wegen verleumderischer Behbei—
digung seines Kompaniefeldwebels zu 2 Monaten Ge
fängenius und nahm den Mann sofort in Haft. Der
Feldwebel hatte serbst als Zeuge velundet, daß der Manr
unzurechnungsfähig sei, auch seine Stubenlame
raden erklärten, daß Brühl auf der Stube exerziere, mar
schiere und verrücktes Zeug singe. Das Gericht erklärte ir
seinem Urteil, daß kein Anlaß vorliege, den Mann au
seinen Geisteszustand zu prüfen, er sei vollständig zurech
nungsfühig. Der Kriegsgerichtsrat Koch meinte, als der
Beleidigte selbst den Angeklagten für unzurechnungsfähig
erklärte, es sei heute modern, den größten Prözentsatz al—
ler Angeklagten für verrückt zu erklären. Eine Stunde spä—
ter hatte der Verurteilte in seiner Zelle einen mächtigen
Tobsuchtsanfall, er schlug alles kurz und klein
und mußte gefesselt ins Lazarett übergeführt werden. Eine
Nachprüfung des Urteils ist danach selbstverständlich not—
wender
— ——— —
Vermischtes.
Die dentsche Invasion. Ich besuchte kürzlich in
dannover, so erzählt ein Leser der „Tägl. Rundschau—“,
einen älteren englischen Herrn, der der großen Flosen—
schau auf der Themse beigewohnt hatte. Voller Stolz
»icgftoe ⸗ↄr mir eine oine Münze, die zur Erinnerung ar
ennprechende Entschädigung zu bieten. Vars ich Ihnen,
Mrs. Lane, diese zwei Goldstücke in seinem Namen ein⸗
dändigen?“ —
Isabel haite heimlich befürchtet, das Mrs. Lane vor
dem Gelde zurückschrecen würde. Allein die Augen der
armen, jungen Mutter leuchteten auf vor Freude und
hastig griff ste nach dem Dargebotenen v
„Das ift für meinen süßen Henry', sagte sie, „wenn
nan arm ist, darf man nichts zurüdweisen, was ehrlich
berdient ist. Kein Wunder, daß Ihr Freund meinen
Kleinen bewunderte, so ein rosiges, schönes Baby wird
er nicht alle Tage sehen“, fügte Mrs. Lane mit mütter⸗
ichem StoZe hinzu.
Isabel lachte gutmütig.
„Sie werden doch „Maples“ jetzt noch nicht verlassen“
vieinte sie fragend, und machte dann eine nicht mißzuver
tehende Bewegung nach der Türe, indem sie die Klink«
in die Hand nahm. Sie hatte noch so viel zu tun, und
Mes. Lane war ihr im Wege. Die junge Frau, feinfüh
lend und stolz trotz aller erlittenen Demütigungen, ver—
tand den Wink nur zut gut und erhob sich.
„Ich werde in Maples“ bleiben, so lange ich die
Mittel dazu habe“, erwiderte ste. „Aber es wird Mühe
kosten, sie herbeizuschaffen, das habe ich heute erfahren.
*Dann empfahl sich die junge Frau mit ihrem Baby
auf dem Arme, während Isabel sich beeilte, die ner—
säumte Zeit wieder einzubringen.
Mrs. Lane nahm einen Omnibus und fuhr nach der
Kings⸗Croßstation, wo sie einen Wagen dritter Klasse be—
stieg, der sie nach Maple-Hill zurückbringen sollte.
Es war ein seltsames, ungewohntes Gesühl, das
bꝛts. Lan⸗ bewegte, als sie den Omnibus und später den
Wagen dritter Klasse bestieg. Um sie herum stand und
bewegte sich ein aus allen Kreisen der Londoner Bevöl⸗
kerung gemischtes Publikum, schmutzige Schuhe streiften
den Saum ihres Kleides, und merkwürdige, halb spöttische,
halb mitleidige Blicke ruhten auf der schönen,
»lassen Frau mit dem in Seide und Spitzen gehüllten
dindchen auf dem Schoße. Und ein unangenehmer Duft
4A 2 TABMAA HOEAMBODOB GAM ————R M———
oreien dentwürdigen Tag hergestellt worden war. Es war
eme zAleine, vergoldete Aluminiummünze, die auf der Vor⸗
derjeite die Köpfe des Königs und der Königin trug,
mit der Umschrift „Ouf beloved King and Queen“. So—
weit war nichts Merkwürdiges dabei. Als ich mir aber
die Münze etwas näher ansah, bemerkte ich zu meiner
großen Ueberraschung unten am Rande verstieckt, in winzi—⸗
gen jedoch deutlich lesbaren Lettern die vieliggende In—
schrist: „Made in Germany!“
Der Blick ins Blaue. Ein drolliges Schusterbubenstückchen
wird aus einer rheinischen Gemeinde mitgeteilt.
An einem Morgen vbeodachteten Straßenpassanten auf ei—
nem freien Plaß am Rheinufer einen 16ährigen Bur—
schen, der durch ie hohle Hand unverwandt in die Ferne
schaute und es durch jein Benehmen fertig brachte, daß sich
eine immer größer werdende Zahl Neugieriger um ihn
sammelte. Ein Polizeibeamter richtete an ihn die Frage,
wohin er denn fortwährend schaue. Frech antwortete der
Strick: „. . ins Blaue!“ Durch schleunige Flucht konnte
er sich der verdienten Prügel entziehen.
Humoristische Ecke.
Fern und nah.
Fern im Sud das schöne Spanien
Hat zur Zeit gar viel Verdruß,
Weil es andern die dastanien
Aus dem Feuer holen muß.
Die Franzosen und die Briten,
Die versteh'n es exzellent,
Vorzuschieben einen Dricten,
Der die Finger sich verbrennt.
Fern im Süden, aber östlich,
In dem kret schen Labyrinth,
Ist die Lage auch nicht rronlich,
Weil man keinen Ausweg find't.
Wenn sich Kreuz und Halbmond hasser
Wüßten wir ein Wappentier,
Das für Griechen würde passen
Und für Türken auch — der Stier.
Aber nicht allein im Süden,
Auch im Norden sputt's; und spricht
Man auch laut vom lieben Frieden,
Sieht man ihn vor — Dreadnoughts nicht
Fern im Osten geht auf Beute
Aus der gelbe Gernegroß;
Ultimatuüm heißt maun's heute,
Poraen geht es wieder los
*:
Die Spanier erzielen noch immer keine rechten
Erfolge gegen die Kabylen. Wie nun aus Madrid ver—
lautet, hat sich Spanten an Italien gewendet mit dem
Ersuchen, ihm die Generale leihweise zu überlassen, die
seinerzeit in Abessynien so reiche Erfahrungen im Schläg
kriegen gesammelt haben
*
„Marotkkana.“
Soldat sein in Spanten
Ist jetzt kein Vergnügen,
Die fallen im Kampf nun
Wie „spanische Fliegen“,
So daß mancher Streter
Sich möchte selband
Verbergen wohl hinter
Der Aspanischen Wand“.
Meinungenüber Bleriofk.
Ein Glück, daß es kein Deutscher ist — sonst mükt
ich noch ein paar Dreadnoughts bauen.
John Bull
Wenn am Ende die Rihiliften auch fliegen?“
Der Zar—
Ich bin rascher hinausgeflogen.
Clemenceau.
*)Aus Cherbourg. Nachträglich gehen dem Za
ren Gratulationen zu, weil ein russisches Schiff wirklick
im Stande war, bis nach Cherbourg zu kommen.
*Ach, Herrjäses! Der König von Sachsen ha
bei dem Universitätssubiläum in Leipzig eine so zün—
demde Rede gehalten, daß in — Dresden die Voael
wieseee — — 2 2 2ι
ntströmt, schwebte üuber der ganzen Atmosphäre. Es war
eine ganz neue und verwirrende Erfahrung, die Mis.
Lane am heutigen Tage zu machen, gezwungen war. Auch
sie gehörte jetzt nuc zur Klasse der um ihr Dasein Kämpfenden,
zu den Armen, Verachteten. Kaum fand sie den
Mut, an die Wirklichkeit ihrer trostlosen Lage zu glau—
ben. Und als eine dicke, überlaute Dame mit breiten
Schultern und einem auffallend bunten Hut, der ihr
breites Gesticht umgab wie der Hof den Mond, sie an⸗
redete, wandte sie ihr schönes Gesicht mit einem erstaunten
Blic und vornehm grazidser Bewegung zur Seite. Dil
dide Dame aber bemerkie hierauf spottisch zu ihrer ande
ren Nachbarin: die junge Frau mit dem Kinde müsse rech⸗
hochmütig sein; wenn man aber nur ein Merinokleid an⸗
habe und dritter Klasse fahre, habe man eigentlich nicht
nötig, die Lady zu spielen. —————
*** Als Mrs. Lane wieder glücklich und wohlbehalten in
Maple⸗Hill eingerrofsen war, wanderten ihre Gedanlen zu
den Abenteuern und Ergebnissen dieses merkwürdigen Ta—
ges zurück. Derselbe stand zwar bis jetzt vereinzelt in
ihrem Leben da; wahtscheinlich wird ihm aber bald eine
Reihe ähnlicher folgen. ιι —
Dieserd Tag war sür sie eine Prüfung gewesen; ihre
janze Einnahme belief sich nach Abzug der Eisenbahn und
Omnibusaus(agen auf sechs Pence. Rechnete sie davon
noch die Auslagen für die Seide zu den Handschuhen ab,
so hatte sie überhaupt nichts verdient. Nein, auf diese
Weise ging es nicht, das war ihr klar genug. —
Plötzlich sielen ihr die beiden Goldstücke ein, welche
ihr Baby danz allein verdient hatte. Süßer, kleiner En
gel! Kein Wunder, daß die Leute entzückt von ihm sind
daß Miß Mures Freund seine tindliche Schönheit au
der Ceinwand verewigtel Sie küßte die blinlenden Be—
weise für Babys Wert, und fur einige Zeit vergaß sie
üüber dem Gedanken an ihr herziges Kind alle ihre Sor⸗
gen. Offenbar wacht Gottes besondere Vorsehung über
diesem geliebten Wesen. Er witd gewiß auch weiter für
dasselbe sorgen!
12 ——
Mackenzie erschien nicht eher zum Besuche bei seiner
Verwandten, als bis er wußte, daß Robert Langdon
bas große, altertümliche Haus in Bloomsbury nverlassen
harle. Unser Ritter von der ‚blauen Rose“ spürte eine
natürliche Abneigung gegen ein Wiedersehen mit seinem
Gegner. Nicht so sehr, weil er mit ihm gekämpft und
ihn fast an den Rand des Grabes gebracht hatte mit der
Wucht seiner Gladiotorenfäuste, sondern weil er sich in
anderer Hinsicht Lanadon gegenüber noch viel schuldiger
tiibt⸗ ——