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Donnerstag, 19. Aug. Os
—
Lage des deunn en Arbeusmarktes.
Eine tech. Unerreubiche Babtung hat
der deutiche Arbeitsmarki während des Mo—
nats Juli erfahren Die lanasame und allmähliche Er—
dolung, die von Maͤrz ab während aller Monate bis ein—
schießlich Junt zu bveobachten war, hat im Juli einem
Rüchsschlag Platz gemacht, der den Andrang wieder
bis auf 1601,0 Arbeitsuchende auf je 100 ofsene Stellen
hinauftrieb, nachdem er im April schon 147,14 und im
Jum noch 154,4 betragen hatte. Im vorigen Jahre hatte
der Juli einen Andrang von 149,0 bei den gleichen Ar
heitsnachweisen gebracht. Die ungünstige Wendung wäh
rend des Monats Juli ist einmal auf die geringe Nach—
frage nach Arbeitsträften zurückzuführen, die noch erheb—
lich schwächer war als im Juli 1908. Trat doch auch
im Juli jür einen Kreis von 3,3 Millionen beobachteten
Arbe tern eine Verminderung der Beschäftigten um 0,38
Prozent ein, woraus sich die Schwäche der Nachfrage
voliauf erklärt. Die Abnahme der offenen Stellen ist aber
eine regelmäßige Erscheinung im Monat Juli. Aus ihr
allein würde die ungünstige Wendung nicht resutieren
Was hinzucommt. ift die üür den Juli ungewöhnliche
Zunahme des Angedotes, die in anderen Jahren infolge
der reichen Arbeitsgelegenheit in der Landwirtschaft nicht
zu beobachsen ist. So aufnahmefähig die Landwirtschaft
auch ist, im laufenden Jahre ist der Bedarf nach Ar—
beitskrästen doch nicht mehr so allgemein und so stürmisch
daß dadurch die Vermehrung des Ueberangebots am ge—
werblichen Arbeitsmarlte verhindert würde. Die Gegen
den, wo die Landwirte wöährend der diesjährgen Ern.e
noch mit Leutenot zu kämpfen haben, sind sehr vereinzelt
Aeußerst ungünstig wirfste auf den Arbeitsmarkt im Juli
dann aber auch die nasse Witterung ein. Namentlich die
Bautäsigkeit wurde dadurch beeinträchtigt. Aus einer Reihe
von Plätzen wird berichtet, daß die Arbeiten im Freien
wegen des Regenwetters eingestellt wurden. Auch der
Streik im Hamburger Baugewerbe wirkte für den gesam
ten Arbeitsmarkt im deutschen Baugewerbe auf den An—
drang steigend. In der Ei sen-,Metall- und Ma—
ichinenindustrife hat der Inli vielfach noch ene
weitere Abflaunng des Arbeitsmarktes gebracht. Auf den
Stettiner Schiffsbauwerften erfo gten im Juli sehr erhed—
liche Entlassungen: bis zu hundert Arbeiter an einem
Tage wurden entlafsen, zuweilen auch einige Hundert.
In der Waggonindustrie hat sich die Arbeitsgelegenheit
gleichfalls sehr auffillig vermindert, sodaß 3. B. ein Be—
irieb in Mainz bis auf weiteres nur an fünf Tagen in
der Woche arbeiten läßt. Auch in verschiedenen Betrieben
von RNürnberg-Fürth ist neuerdings eine Verkürzung der
Arbeitszeit wegen unzureichender Aufsträge durchgeführt
worden Ungünstige Nachrichten kamen im Juli verein—
zelt auch schon aus der Zigarrenindustrie; einer
größeren Anzah. Zigarre machern — in Kreuznach z. B.
handelt es sich um 69 Personen — wurde gekündigt. Ge—
genüber diesen den Arbeitsmarkt ungünstig beeinflussenden
Momenten kamen die günstigen nur wenig zur Geltung,
obwohl es an ihnen keineswegs fehte. So zeigt das Ge—
präge der Bautätigkeit im allgemeinen noch im—
mer freundlichere Züge als 1908. Wäre das Wetter nicht
so sehr ungünstig gewesen, jo würde de Besserung gegen—
über dem Vorjahr sehr viel deutlicher zum Ausdruck ge—
kommen sein Jedenfal's sei aber hervorgehoben daß für
Grozberlin der Juli trotz der Wisterung eine weitere gün—
stige Entfalung der Bautätizfeit vrachte. Bemerkenswer
ist auch die schon im letzten Monat beobachtete Besser'in
in der Schmuckwarenindustrise, die aus Pforz
heim gemeldet wird. Weiter blieb auch die Arbeitsgele
genheit in Tertilgewerbe unter Berückichtigung
der sommerlichen Abschwächunz der Beschäftigung noch im
mer besr ediagend Die stärkste Depression verbreitete sich
im Juli über Rheinland, Westfalen und Hessen-Nassari
Auch in weiten Gebieten M'it eldeutschlands, im Großher—
zogtum Hessen und in Elsaß-Lothringen war die Lage
äußerst unfreundlich Weniger ungünstig reprä'entierte sich
das Gepräge des Arbeismarktes in Süddeutschland, in
Schleswig Holstein, in West- und Ostpreußen. sowie in
Posen. Gegenüber den aufgeführten Gebieten war die
Lage des Arbe tsmarktes schon wieder mehr oder weniger
günstiger als im Vorijahre in Brandenburg und Pom—
mern, im Königreich Sachsen und dann ganz besonders in
Schlesien. Würden wir die WZichten des Arbei e
J —
Die Ritter der blauen Rose.
„Nun, ich hätte wirllich nicht gedacht, daß Ihr beibe
zusammenpassen wurdet“, meinte er schlieblich. Indes,
was man am wenigften etwartet, trifft oft am haͤufig
len ein.“ *.
„Ich bin sehr glügclich, lieber Onkel“, bemerkte ruhiag
leine Nichte.
Robert erwiderte nur, hoffentlich werde es ihm ge—
lingen, zu Isabels Glück immer mehr beizutragen.
Daraufhin ließ Dr. Jamie alten Portwein bringen
und trank auf das Wohl des jungen Paares.
„Wir müssen Charles Mitteilung davon machen“,
sagte er, „Charles Madenzie muß unbedingd davon
wissen, Isabel.“
„Gewiß, Onlel“, entgegnete ste kühl. Aber leine Ein
milligung brauchen wir nicht.“
Der darauffolgende Tag war ber letzte, den Robert
in dem gaftichen Hause verbrachte, wo alle so gütig
gegen ihn gewefen waren. Er trat nun in die Weli
zurück, um den Faden seiner Laufbahn da wieder aufzu
nehmen, wo er ihm zwölf Monate vorher aus der Hand
gerissen worden war. Wenn ihm der Erfolg blüht, wird
er einst ein wohlhabender Mann sein, Gemälde ausstel⸗
len, die Pforten der königlichen Aktademie werden sich
vielleicht ihm öffnen, er wird Gatte einer berühmten
Frau, und zwar einer der besten Frauen sein Nur wird
er sie niemals anders lieben können — so sagte er sich —
als seine beste Freundin und Gefährtin. Dies hatte er
ihr ja auch ehrlich gestanden, ihr edles Herz sollte sich
leiner Täuschung hingeben. Indessen wollte er stels so
aut gegen sie sein. als sei er wirklich in fie berieht —
tes ausschleßlich nach der Genarrung des Andranges im
Juli beurteilen wollen, so würden wir zu einer recht
inerfreulichen Perspektive gelangen. Aber glücklicherweist
nat uns schon der Verlauf der letzten Krise gezeigt, daf
Rückschläge, wie sie der Juli am Arbeitsmarkt gebrach
;at, vorübergehend sind. Das Paralleljahr 1902 hatte
m Juli noch einen höheren Andrang als das laufendeé
Jahr, und doch setzte dann schon im September die Bes—
erung ein, mit der während der Sommermonate 1902
aoch nicht gerechnet wurde. Nun kann aus den damali—
gen Erfahrungen für das laufende Jahr nichts geschlossen
verden, aber eine Betrachtung aller die Konslunkturgestal
ung beeinflussenden Momente lassen jedenfalls die Be
hauptung zu, daß die ungünstige Wendung am Arbeits
narkt während des Monats Juli nicht zu pessimistisch be
vertet werden darf, daß vielmehr eine Reihe anderer Er—
scheinungen die baldige Fortsetzung des im Juli unterbro—
henen Erholungsprozesses am deutschen Arbeitsmarkt sehr
wabricheinlich machen
Bolitische Rundschau.
Deutsches Reich.
* Der Zentralvorstand des Gewerkvereins Christlicher
Bergarbeiter Deutschlands wendet sich in einer Ein—
gabe an den Bergbaulichen Verein im Ruhrgebiet mi
der Bitte, bei den Verwaltungen der Vereinszechen dar
nuf hinwirken zu wollen, daß allenthalben eine zweck
näßige Verteilung der Arbeiten in der Grube ersolgt
um de Feierschichten nach Möglichkeit einzuschrän
en, und, wenn sich in einzelnen Fällen Feier'chichten nich
dermeiden lassen, diese in gerechter Weiie auf all⸗ Arbei—
ter verteilt werden.
* Um dem in Interessentenkreisen verbreiteten Irrtum
entgegenzutreten, teilt die „N. A. 3.“ mit, daß zur An⸗
nedung unverzollter ausländi cher Tabakblätter zwar
»is zum 21. August 1909 nur seder Verarbeiter und Fa
srilant, nicht auch Verkäufer oder Händler verpflichtet ist
ofern er diese Tabakblätter in einer öffentlichen Nieder
age oder einem Privatlager unter amtichen Miwer
chluß lagern hat.
* Wie die „Volkszeitung“ sfür Mark- und Sauerland
meldet, hat der Regierungspräsident in Arnsberg gegen—
über einer Abordnung von Lehrern aus dem wesitfälischen
Industriegebiet geäußert, daß die Regierung nicht den
Standpunlt der westfälischen Kommunen teilt, bei der Ge
währung von Ortszulagen an die Volksschulleh—
rer einen Höchstsatz von 400 Mark innezuhalten. Das
genannte Blatt bleibt dabei, davon unterrichtet zu sein
aß die bis jetzt vielfach von den Gemeinden beschlossenen
Ortszulagen auf Veranlassung der RNegierung eine Erböh—
ung erfahren haben.
* Das vorläufige Programm des sozialde—
mokratischen Parteitages, der am Sonntag, den 12.
Septembder, in Leipzig eröffnet wird, ist jetzt vom Vor—
stard der sozialdemotkratischen Partei bekannt gegeben wor—
den. Den Geschäftsbericht des Parteivorstandes erstatter
Molkenbuhr und Gerisch, den Bericht den Kontrolleure A
Kaden, den vparlamentarischen Bericht Ledebour, den Be
richt über Aenderung des Organisat onsstatuts Fr. Ebert
Ueber die Maife er referiert H. Müller, über den Inter
nationalen Kongreß in Kopenhagen Singer, Berich erstat
ter für die Reichsversicherunsordumng siind G Bauer
Robert Schmidt und Luise Zietz.
* Ueber den deutschen Einflußz in Persien hatte
der von dort in seine Heimat zurückgekehrte Oberjst
Liackow einige Bemerkungen gemacht, die den Anschein
erwecken, als ob Deutschland in Persien neuerdings
besondere Pläne verfolge. Dies entipricht nicht den
Tatsachen. Weder in der Bankfrage noch wegen des vie⸗
leicht in Teheran bestehenden Wunsches nach Entsendung
deut cher Instruktenre ist von der deutschen Regierung ir—
gendwoelche Initiatine ergriffen worden
Rußloud.
* Die Schifse des balaischen Geschwaders erhielten Be—
fehl, nach Sebastopol zu gehen, wo sie am 14. Sep⸗
tember eintressfen werden. Es steht noch nicht fest, ob der
türkische Sultan seinen Besuch bereits mm August, wie
zuerst beabsich igt wurde. in Lividia abstatten wird. Jée
denfalls tritt der Zar seine ausgedehnte Reise nac
donitantinneaun Italien, Spanien 2c. von Lin die —
——
Das Kind war äußerst geschmadvoll in weißen Kasch
mir, mit Schwanenpelz verbrämt, gekleidet, und une
dem zierlichen, weißen Spitzenhäubchen quollen weiche
dunkle Löcchen hervor. —
„Wie schön!“ rief Robert. „Dies ist doch sccherlick
'ein kleiner Patient von Ihnen?“
„Nein, nein, es ist ein kerngesundes Baby. “ Aber
eine Mutter war in meiner Pflege, das heißt, ich be
uchte sie öfters in „The Maples“, wo der Kleine zur
Belt kam. Die Aermste sucht jetzt nach Erwerb und Be—
chäftigung und hat ihr Vaby so lange in meiner Ob.
zut gelassen.“
„Wie? Das Kind sieht aber doch aus, als sei es aus
'einer, wohlhabender Familie — so schön ist es und se
zübsch gekleidet!“
„So ist es auch, oder vielmehr, so war es.“ vers
dane ift Witwe, und ihre Geschichte klingt traurig genug
Sie hat augenscheinlich keine Ahnung davon, was es
seißt, sich einzuschtänken, der Kleine ist immer in die
einsten Stoffe gekleidet. Nun steht sie so ziemlich mittel⸗
los da und ist darauf angewiesen, sich und das Kind
nit ihrer Hände Arbeit durchzubringen.“
„Die Arme“, sagte Robert, „Mir tut jeder leid, der
ich in solcher Lage befindet. — Da klingelt man nack
Ihnen, wollen sie mir den Kleinen solange anvertrauen?
Ich möchte ihn noch etwas länger mit den Augen des
dünstlers betrachten!“
„Ob Sie aber auch verstehen, mit einem Kinde um—
zugehen?“ meinte Isabel zweifelnd.
Robert nahm statt aller Antwort die kleine Last von
weißen Kaschmir und Seide in seine Arme und zeigte
dabei so viel natürliches Geschick. datz Isabel beruhiat das
Zimmer verlassen konnte. —
Der Kleine schien ein glüclliches Temperament u ke
sitzen, er schaute mit seinen weit geöffneten Blauaugen in*
Langdons Antlitz, während seine runden Händchen ver—
mügt auf dessen Rock herumpatschten. Augenscheinlich
üshlte 4r sich ganr hohnoalich in Nandone Armnme—
Schweden.
* Die Nichtorganisierten schwanken. Die
Aufforderung der Landes-RFZentralorganisation an die
Landarbeiter, sich den Streikenden anzuschließen, ha
wenig Gehör gefunden. Kaum 1000 von den 80000
landwirtschaftlichen Arbeitern haben die Arbeit eingestellt.
Andauernd werden Arbeiter-Versammlungen angeordnet.
da die Streikführer, vor allem der Reichstagsabgeordnet
Branting, das geistige Oberhaupt der schwedischer
Sozialdemokraten, die sinkende Stimmung der Arbeiten
zu ermuntern suchen. Die Ordnung ist nach wi
vor musterhaft Unruhen sind nicht gemeldet
Spanien.
* Der Minister des Innern bestätigt, daß auf dem
Barcelonaer Kastell Monzuich der Anarchist Baro, einer
der Hauptaufrührer, standrechtlich erschossen wurde, und
daß weitere sechs Todesurteile verhänat wur
den, welche der Vollziehung harren.
* Der Vertreter des „Matin“ befragte das spanische
Ministerium des Aeußern bezüalich des Gerüch
tes, nach welchem ein weiteres Korps von 6000 Mann
nach Melilla abgehen soll; er erhielt die Antwort
daß in den Provinzen Andalusien und Galizien mehr als
diese Zahl auf den ersten Abruf bereit sind. nach Afrike
zu gehen.
*Die Regierung beabsichtigt, alle Unterstützungsgel
der für die Truppen in Melilla zu sammein unt
felböst die Verteilung an die Soldaten vorzunehmen
Die Gaben iließen sehr reichlich.
Türkei.
* Das Blatt „Ittihai“ meldet, daß Mahmud Scheijken
Pascha vom Kaiser Wilhelm zu den deut—
schen Herbstmansvern eingeladen worden sei
Er hatte mit dem Großwesir hierüber eine Befprechune
und soll geäußert haben, daß er der Einladung sehr gern
Folge leiste, wenn der Ministerrat einen entsprechender
RPeschluß fasse
Pe αααα αααÆQ ĩOůXX
Die Kretafrage.
Der „Matin“ meldet aus Canea: D'ie National
versammlung trat zusammen. Die Sitzung verlief sehr
stürmisch. Der Abgeordnete Leonidas erhob Einspruch ge—
gen die Haltung der Mächte, während ein anderer Depu—
sierter diese zu rechtfertigen suchte. Er erinnerte an die
Schlacht bei Navarin, an Thessalien usw. und erklärte,
es liege im Interesse des Landes, nachzugeben. Schließ
lich nahm die Versammlung einen dahingehenden Ent—
schluß an. — Die Kriegsschiffe der Mächte sind
aus der Suda-Bai in Conega einagetrofsen und landeten
150 Mann.
Aus Rom wird berichtet: Auf dem Konsulat und
der griechischen Gesandtschast sollen Berichte eingetroffen
sein, wonach die Flaggenfrage gelöst sei. Die
griechische Flagge sei heruntergeholt worden und würd—
nicht mehr gehißt werden.
Der türkische Minister des Innern bietet alles auf
um den Boykott gegen Griechenland einstellen
zu lassen. stößt aber auf den größten Widerstand.
α ᷣàααααιααNνäIãXαO—
Zur Bierpreisbewegung.
* Köln, 18. Aug. GBrauereien und Wirte.!)
Fine allgemeine Wirteversammlung tagte im Fränkischen
Hdof. Auf der Tagesordnung der von der Kommission der
neun Wirteverelne von Köln und Umgegend einberufenen
Versammlung wurde der Bericht der Dreißigerkommission
über die Verhandlungen mit der Brauereivereinigung von
Köln und Umgegend erstattet. Nach längerer Diskussion
wurde folgende Entschließung einstimmig angenommen:
„Die am 17. August im Fränkischen Hof tagende, von
1000 Wirten besuchte öffentliche Versammlung erklärt sich
mit der Tattik ihrer Vertreter durchaus einverstanden und
spricht diesen auch für die weiteren eventuellen Verhand—
lungen ihr volles Vertreuen aus. Die Versammlung fin
det das Verhalten der Brauereten äußerst unverständlich,
ist aber bereit, bis zur äußersten Grenze diesen entgegen
zukommen. Insbesondere jedoch müssen Garantien ver—
iangt werden, daß die Brauereien der Schmutzkonkurren;
im Brau⸗- und Gastwirtsgewerbe energisch entgegentreten.
Die Versammtung erilärt ferner. daßz vie Preiserhöhund
„Du bist ein munterer kleiner Bursche“, meinte Ro—
bert. „Eines Tages wirst Du wohl ein kräftiger Junge
werden, der seine Kameraden im Eton⸗-Kollege weidlich
durchprügeln wird. Wie aber sollst Du nach Eton kom—
men, wenn Du der Sohn einer armen Witwe bist? Und
dabei siehft Du aus, als wärk Du für den Purpur he
stimmt!“
Roberts ganzes Herz fühlte sich merkwürdig zu dem
Ninde hingezogen. Wenn Lissie am Leben geblieben
wäre, dachte er, so hätte er nun auch wohl ein solches
kleines Büblein in seinen Armen wiegen können. So un—
gefähr wie dieser Kleine, höchstens vielleicht noch schöner
mochte wohl auch Lissies Sohn ausgesehen baben: blau
äugtg und zart von Hautfarbe.
Roberts Herz war voll Mitleid für die junge Mutter
die arme Witwe, die allein und schutzlos die Wüste der
Weltstadt durchwanderte, um für das gelieblbe Kind den
Lebensunterhalt zu verdienen.
Plötzlich kam ihm eine Idee. Er legte den Kleiner
sorgfältig in eine Ecke des Sofas, stützte ihn mit Kisser
und entwarf dann in der Eile eine Seizze von demselben
Sein Pinsel, von Meisterhand gesührt, vollendete das
Bild in lebensvoller Treue. So sand ihn Isabel, al⸗
sie nach kurzer Zeit wieder in das Zimmer trat.
„Ausgezeichnet!“ riet se lachend, „ein Künsiler weif
doch jede Gelegenheit zu benützen! Nun, Gott sei Dank
haben sie dem Kinde kein Glied gebrocen und ibm aus
fonst kein Leid zudes
„Sie glauben wohl, ein Mann könne kein Baby an
assen, ohne es zu zerdrücken? Toch hören Sie! Wie Sie
nir sagten, ist die Mutter des Kleinen eine arme, junge
Wiewe von vornehmer Herkunft. Ich habe ohne deren
Erlaubnis den Kleinen als Modell benützt, und darum
möchte ich Sie bitten, ihr diese Kleinigkeit zum Danl
zu übermitteln. Sie kann es mit Recht beanspruen, unt
ich wünschte, ich könnte ihr mehr geben.“
So sprechend, nahm Rober!t aus seiner Börse zwei
Boldstücke und legte sie auf der. Tisch. „Damit kann sie
dvom Kleinen Kleder kaufen —
s8
* ** *
— „Wie gefällt Ihnen dieses Modell, Robert?“ rief
Isabel, die mit e'nem Kindchen auf den Amen ins
Zimmer getreten war