elussicht auf Erfüllung hat. Denn wenn selbst alle längst
getroffenen Vorbereiuungen der Heeresverwaltung, wie die
Einberufung der Reservisten, die Mieung von Depots,
Automobilzügen und Gespannen, die Abschlüsse für Mann—
schaftsverpflegung und Fouragelieferung usw. auf einen
späteren Zeitpunkt verlegt werden könnten, was naturge—
mäß auch mit erheblichen Kosten verbunden wäre, so steht
doch die Entlassung der Reservisten, die als Folge der
zweijährigen Dienstzeit späteftens am 30. September er—
folgt sein muß, einer Verlegung der Manöver als ge⸗
setzliches Hindernis entgegen. Es wären außerdem auch
jür eine Einbehaltung der Mannschaften über den 1. Ot—
tober hinaus etatsmäßige Mittel für Löhnung und Ver—
pflegung gar nicht verfügbar. Wenn übrigens der Ver—
legungsantrag damit begründet wird, daß die zur Ein—
beziehung kommenden Reservisten bei einem späleren Ma—
növerbeginn länger an den Erntearbeiten teilnehmen könn—
ten, so ist zu berücksichtigen, daß diese Mannschaften zur
Gewöhnung an die Marschleistungen im allgemeinen be—
reits vier Wochen vor Beginn der Manöver eingezogen
werden und daher bei der diesjährigen späten Ernte für
diese überhaupt nicht in Berracht kommen.“ — Das sind
immerhin Gründe. die sich hören lassen.
Persien.
* Das nationalistische Zentralkomitee beschloß, nach dem
Muster der französischen Revolution ein Direktorium zu
ernennen, das die gesamte Regierung in sich vereinigen
soll. Seine Mitgliederzahl steht noch nicht sest. — Tebe—
ran ist ruhig, doch ist die Lage im gaͤnzen Lande sehr
kritisch. Die Geistlichtkeit von Nedjef protestierte gegen
die Hinrichtung der beiden hohen Geistlichen. — der
zjzunge Sisch ah will auf den Thron verzichten
und sich mit seinen Eltern nach Rußland begeken.
Marokko.
*Zu den Riffkämpfen besagen Meldungen aus Mie—
1i lha, daß der vergangene Donnerstag neben dem 27.
Juli für die Riffbewohner der blutigste des ganzen
Feldzuges gewesen ist. Eine spanische Batterie zerstörte
ein in den Gurugu-Bergen befindliches Haus, in welchem
sich zahlreiche Marokkaner verschanzt hatten. Alle, die sich
im Innern befanden, wurden unier den Trümmern be⸗
graben. Die gleichen Geschütze richteten große Verheerum
gen an den marokkanischen Schanzwerken an. Der Kapi⸗
län des Fesserballons machte den Art lleristen genaue An—
gaben über die Richtung, in der die Marokkaner flüchteten
und es gelang den Spaniern, einen großen Tell der
Flüchtenden durch ihr Feuer zu erreichen.
Heer und Flotte.
— * Die Teilnahme eines Luftschiffes „Groß—
am diesjährigen Kaisermansvier wird, wie von
militärischer Seite verlautet, zu bemerkenswerten Versu⸗
chen mit drahtloser Telezraphie führen. Die drahtlose
Telephonie erschien anfangs bei den Luftschiffen auf große
Schwierigkeiten zu ftoßen, da die Luftschiffe wegen ihrer
Feuergefaͤhrlichkeit drahtlofe telephonische Apparate nich
aufzunehmen im Stande waren. Allmählich fand man
aber einen Ausweg, der die Unterbringung drahrloser Ap—
parate im Luftschiff ermöglichte und damit diesem neue⸗
sten Kriegswerkzeug eine erhöhte Bedeutung verleiht. Das
Luftschiff als Kundschafter bekommt seinen Wert erst durch
die Möglichteit, die Ergebnisse seiner Fahrten schnell und
sicher mitteilen zu können. Ueber die Erfolge des deut—
schen Apparates verlautet noch nichts Bestimmtes. Sicher
ist jedoch, daß sie sehr günstig ausgefallen sind. Daẽ
Kaisermanöver, bei dem Versuche in großer Zahl stattfin
den werden, wird erweisen, ob sie in Kriegslagen auch
praktisch verwertbar sind —
ri⸗2minister.
—*—
2
—
—
W7
benera v. Heeringen
Wir vringen unseren Lesern das Bild des neuen
FTriegsministers, General der Infanterie von
Heeringen, der zum Nachfolger von Einem ernannt
wurde. Er ist 59 Jahre alt und gehört seit 1867 dem
Heere an. Von 1898 bis 1903 waͤr er Direkior des Ar—
mee⸗Verwal ungs-Deparements im Kriegsministerium. Bei
Wörth iit er seinerzeit ichwer verwunde, wporden.—7
Humoristische Ecke.
*Eiferfüchtitgg. „Du machst aber Deine Hoch—
zeitsreise in eine ö—de Gegend!“ — „Mein Mann soll nur
mich allein genießen.“
*Stoßseufzer eines Malers: Merkwür—
dig, an Zeit zum Malen fehlt mir's nie, aber an Mahl—
zeiten nur allzu oft!“
*]Beim Worte geblieben. A.: „Hat der xX.
mmer noch fünf ledige Töchter?'“ — B.: „Nein, zweier
hat er sich alücklich entsedigt“ .M. Bl.“
Lokales.
Telegrammverkehr. Durch die letzte Revision des
knternationalen Telegraphenvertrages wird u. a. eine
Reihe von Anordnungen getroffen, die eine Beschleunig—
ung des telegraphischen Verkehrs bezwecken. So werden
fortan Interpuntitions- und sonstige Zeichen als gebühren
—55 Wörter gerechnet, falls ihre Abtelegraphierung
verlangt wird. Diese Neuerung, die nicht zuletzt
die Beseitigung unnötiger Zeichen in den Telegrammen
bezwecke, ist noch vielfach unbekannt. Zur Beschleunigung
des Verkehrs sind auch die Sienstvermerke in den Tele—
grammen weiter beschränkt worden. Dadurch wird es
uber unbedingt notwendig, daß die Adresse stets genau
nach der Vorschrift niedergeschrieben wird, dergestalt, daß
der Bestimmungsort mit seinen erwaigen Zusatzen (Pro—
Vinz, Staat ꝛc.) unter allen Umständen am Schluß der
Adresse erscheint. Beispiele: Werner Bismarckstraße 17
Muülhausen Elsaß (nicht: Werner Mülhausen Elsaß Bis—
marckstraße 17), oder Hansen Horel Petersburg Bristo
(nicht: Hansen Bristol Hotel Petersburg;. Das letzte Bei
spiel, in dem Bristol und nicht Petersburg Bestimmungs
It des Telegramms sein soll, wiederholt sich in viele'
Unlichen Fällen und zeigt deutlich, wie leicht Irrtüme.
borkommen können, sobald der wirkliche Bestimmungsort
nicht am Ende der Adresse steht. Wird indes die Vor
sichrift genau beachtet, so kann kein Zweifel ühax die Be
4mmnno socher Tolooarammo hostehe—
—ι ittung. Im sGorde. gunehnituoe
Bewölkung, Neigung zu Gewittern Suͤden zunächst noch beite
und warm.
Verunglückt. In einen Schacht der Grube Dudweiler
gestürzt ist der verheiratete Bergmann Spaniol aus Fisch⸗
bach. Er war sofort tot. Des weiteren wurden die Berg⸗
leute Saar und Berwanger duich Kohlenfall aus dem Hang⸗
enden verschüttet. Saar erlitt dabei schwere Verletzungen,
vaährend Berwanger nur mehr als Leiche aeborgen werden
konnte.
Bieraufschlag. Von überall wird großer Rückgang des
Blerconsums gemeldet. So beträgt in Mainz und anderen
größeren Städten der Minderkonsum bis zu 70 Prozent.
Fußballwetispiele. Morgen Sonntag nachmitiag von
2 Uhr ab finden auf den Kitten seitens des Fußbauͤklubs
Dudweiler 1907 zwei Weitspiele gegen die Fußballklubs Holz
und Homburg statt. Die Spiele versprechen infolge der
ftarken Gegner sehr interessant zu werden.
Theater. Die Aufführung am Donnerstag abend, A.
d'Arronge'ss Meisterwerk, Dr. Klaus, gestallete fich zu einem
vemerkenswerten Abend, der Saal war gut besetzt und die
Auffüͤhrung des in seinem Verlauf herrlichen Lasspiels ließ
die Leistungsfähizkeit des Enfembles aufs neue wieder im
besten Lichte erscheinen. Wie wir aus dem Inseratenteil er—
sehen, geht morgen Sonntag, den 15. August abends 8.47
was ganz befonders über die Bretter. Es gelangt zur Auf—
fühtung die Überall mit durchschlagendem Erfole
aufgesührte reizende Operetten-Vosse „Der Siabstrompeter“
Die Posse ist ausgeschmückt mit heerlichen Liedern, komischen
Coupletis und guten Chören. Die Posse wurde vergangenen
Winter im Thaliatheater Saarbrücken über 10 mal aufgeführt.
Die vielen Aufführungen verbürgen jedem Besucher
einen amüsanten Abend.
Blitzschiäge in Baäume. Eine allgemeine Tatsache ist
daß der Blitz gern in Bäume einschlägt, und die Warnung
beim Gewiiter durchaus nicht unter einem Baum Schutz vor
dem Regen zu suchen, ist vollauf begründet. Anderseits
geht die Vollksmeinung dahin, daß sich die Bäume nach
hrer Gattung sehr ungleich blitzgefährlich erweisen, und es
hat nicht an Veisuchen gefehlt, statistisch hierüber genaueren
Aufschluß zu erhalten. Eine hierauf bezügliche Sludie hat,
vie wir in der K. Ztg. lesen, veröffentlicht; wobei er sich
auf die Aufzeichnungen bezog, die in Belgien in dem 23
Ahrigen Zeitraum von 1884 bis 1906 zusammengekommen
ind. Sie enthalten 1851 Meldungen über Blißschäge in
Bäume. Es ergibt sich aus ihnen in Uebereinstimmung mit
rüheren Ecfahrungen, daß Pappel und Eiche am häufigsten
vom Blitz getroffen werden, erstere in 56 Prozent, die an⸗
dere in 14 Prozent aller Faälle. Ulmen und Nadelhölze
vurden gleich getroffen, nämtlich in 7 Projent aller Fälie,
Buchen in 4 Prozent und Birnbäume in 8 Prozent. Au
alkhaltigem und lehmigem Boden sind die Bäume mehr dem
Bliszschlag ausgesetzt als auf sandigem, schieferhallizgem oder
netaeligem Grunde, stets aber nimmt die Pappel in Bezut
zuf Blitzgefahr die erste Stelle ein, obgleich sie in Belgier
als Chauf eebaum nicht mehr sehr häufig anzutreffeu ist. Ihr
jolgen die Eiche und die Nadelhölzer. Am meisten dem
Blitzschlag ausgesetzt sind die in freier Ebene stehenden
Bäume, weit weniger die in Gruppen oder in Waäldern
tehenden. Die relative Seltenheit der Blitzschläge in Wäl—
deru läßt sich dadurch erllären, daß bei einer nahezu gleich
örmigen Lauboberfläche ohne wesentliche Erhebungen einzel
ner Bäume sich die Eatladungen über eine große Fläche
derteilen. Die Luft üUber den Baumw'pfeln enthält infolge
—A
ist dadurch weniger leitend für die Elektrizitäͤt. Bei Bäumen,
die in Reihen geordnet sind, ergab sich eine größere Häufig⸗
keit der Blitzichläge. Gemäß dem statistischen Ethebungen
perden hauptsächlich solche Baumarten getroffen, die eine
dick und tief gefurchte Rinde besitzen, und hierzu gehören die
Pappeln, Eichen, Ulmen und Nadelhölzer.
Vorbereitung der Reservisten für das Manöver.
NRach den Manövern der letzten Jahre ist in Presse und
Parlament zur Sprache gebtacht worden, daß unter den zu
den Herbftübnngen eingezogenen Reserbisten der Fußtruppen
unverhaltnie mäßig viele Marschkranke und Marschunfähige
sich befuuden hätten. Wenn diese Behauptungen auch über—
nieben waren und für die Allgemeinheit nicht zutrafen, so
ist doch bei einzelnen Truppenteilen ein großer Teil der ein⸗
gezogenen Reservisten vorzeitig in die Standorte zurückgeschickt
worden, weil die Leute den Anstrengungen des Manboer—
aicht gewachsen zu sein schienen. Um die des Matschierens
ntwöhnten Reservisten wieder an die des Infanteristen iw
Maxöver harrenden Anstrengungen zu gewöhnen, werden si⸗
chon seit einigen Jahren auf vier Wochen eingezogen, sodaf
twa 14 Tage der Uebung auf das Mansöoer und 14 Tage
auf die Zeit vor dem Manöver entfallen. Diese 14 Tag
sollen lediglich zut kriegsmäßigen Ausbildung verwende!
und besonders dazu benutzt werden, die Reserdisten vor dem
Ausrücken auf die bevorstehenden Anstiengungen sachgemäf
porzubereiten. Die Zeit wird also mit Marschübungen, be
denen die Anfordernngen an die körpecliche Leistungsfähigkei
allmälich gesteigert werden, und mit Felddienstübungen aus—
zufüllen sein. Zim Wachtdienfst, zu Vorubungen, zu Para
den und ährlichen nicht mit der keieggmäßigen Ausbildung
unmitjelbar zusammenhängenden Dienstzweigen werden die
Reservisten in Zukanst nicht mehr hertanzezogen werden.
Es ist durch diese Maßnahmen die Gewähr gegeben, daß
jeder Reservist die Anforderungen, die in den anstiengenden
Manövertagen an seinen Körper gestellt werden, auch wird
ꝛxfüllen können. Eine Verlängerung der Uebungen über 26
Tage hinaus zur besseren Vorbereilung der Reservisten wird
auch künftiabln vnraussichtlich nicht safifinden.
Aus Rah und Jern.
*Saarbrücken, 18. Der preuß. Minister des Innern
hat auf Antrag des Chefs der Landgendarmerie, Crzellen)
Frhr. v. Medem, angeordnet, daß die ersten prakiischen
Versuche zur Einführung der Polizeihunde in der Gendar—
nerte gemacht werden sollen. Es sind bereits eine Anzahl
Bendarmen zur Poltzeidirektion Saarbrücken kommandiert
vo sie durch den Polizeikommissar Leutnant Most in der
Dressur und Führunz von Polizelhunden ausgebilder werden
Saarbrücken, 13. Aug. Die älteste Tochter des in
der Varzinerstraße wohnenden Eisenbahners R. dergiftete sich
mit Losol, weil ihr Bräutigam, ein Hetzer, mit dem sie
aufgeboten war, das Verlöhnis obne Grnnd plötzlich wieder
löft ⸗ Sbr. Z3ig.
* Peufßz, 13. Aug. (Ger üstein stur z. Bei dem
Neuhau der amerikanischen Harvester Company-Werke ist
rin Gerüst der Tillmannschen Eisenbetonwerke eingestürzi.
Einem Monteur wurden dabei beide Beine gequeischt.
* Essen, 13. Aug. GBeim Baden ertrunken.)
Rn don sokten drei Taoen sind in dor Ryhr. ESmicher unf
Sippe nicht wentger ceyrseyn Personen — mein junge
Leute — beim Baden Lerrunken.
* Münster i. W., 12 Aug. GierpreisErhöh—
ung.) Die hiesigen Wirre und Vertreter der Brauereien
nahmen in einer zahlreich vesuchten Versammlung Steli
ung zur Bierpreiserzsöhung. Nach lebhafter
Aussprache wurde einstimmig blgender Beschiuß gefaßt
Vom 15. August ab sollen vier Zehntel von 15 aͤuf 2A
Pfg. erhöht werden. Die bisherigen Litergläser soller
abgeschafft und dafür sollen zwei Zehntel Liter zu 10 Pf
berabfolgt werden, drei Zehntel kosten 15 Pfg. Als Min
destpreis für Bier über die Straße wurde 358 Pig. stat
bisher 30 Pfg. gesetzt. Der Preis für Flaschenbier soll
* 30 Stück 3 Mark, für Wiederverkäufer, 3.50 M. fü
rivate betragen. Bisher zahlte man hierführ 2.50 bzw
8 M. Der hiesigen Germaniabrauerei soll es gestatten
sein, in ihrem Ausschank für fünf Zehntel Liter 20 Pf.
zu nehmen. Die Preise für Alt⸗ und Frischbiere werden
erst in den nächsten Tagen festgefetzt werden.
* Koblenz, 13. Aug. EErtrunken. In der Moset
ertrank ein Tierwärter, der aui dem Meßplatz bei Kob
lenz⸗Lützel Vorsteslungen gebenden Hagenbech Schau.
* Trier, 13. Aug. (Feuer sbrunst.) Großfeuer
bernichtete in Briedel fünf Wohnhäuser mit Stallungen
Scheunen und Erntevorräten.
* Frankfurt, 13. Aug. GEin Unfall des Par
Feval.“ Das Parseval-Luftschiff ist bei seiner achten
Auffahrt durch einen niedergehenden Luftstrom zu einer
borzeitigen Landung gezwungen worden. Es gelaͤng hier
bei dem Führer, das Luftschiff innerhalb der Stadt au
rinen freien Platz zu dirigieren, wobei sich ganz beson
ders die Anwendung der Rückwärtssteuerung bewährte.
Die Hülle konnte jedoch nicht davor bewahrt werden, an
eines der umliegenden Häuser anzustoßen, so daß es nö
tig wurde, das Lustschiff zu entleeren. Die Gondel is⸗
voͤllig unbeschädigt. Irgend eine Verletzung von Perso
nen ist nicht erfolgt. Die in der Gondel befindlichen Pas—
lagiere, darunter zwei Damen, äußerten sich, daß auch be
em plötzlichen Niedergehen in der Stadt ein Gefühl dern
Angfst nicht bei ihnen aufgekommen wäre. Da die Hülle
erst in Repararur genommen werden muß, dürfte der
nächste Aufftieg nicht vor zehn Tagen erfolgen. An der
Unsallstelle hatte sich eine große Anzadol Neugieriger an
tzosammelt. Die Unjallslelle selbst wurde durch die Poli—
zei abgesperrt.
* Friedrichshafen, 13. Aug. Schonung fürden
Sraͤfen Zeppelin) ünler dem Titel “ stuhe jur
ben Grafen Zeppelin“ wird von einer mit den einschlägi—
— Verhältnissen wohlvertrauten Persönlichkeit geschrie—
en: Die große Popularität und Liebe, deren sich der
tapfere Held vom Bodensee im deutschen Vollke ersreut,
gibt sich in diesen Tagen aus Anlaß der eben vollendeten
und der weiterhin geptanten großen Fahrt und insbeson—
re auch anläßlich der leichten Erkrankung des Grafen
in überaus lebhafier Weise kund. Man wird sich daruüber
freuen dürsen, im Interesse sowohl der großen so lange
berlannten Erfindung als auch des deutschen Voilkes selbst,
das in idealer Begeisterung für den großen Mann und
bas Werk sich selbst erhöht. Dem aufmerksamen Beobach—
ter können aber doch die wenig erfreulichen Momente nicht
entgehen, die diese sonst so schöne Bewegung mit sich
bringt. Sie bestehen vor allem in der Unzahl von Zu—
schriften, die dauernd an den Grasen aus allen Teilen
Deutschlands gerichtet werden. In der Flut der eingehen—
den Huidigungsadressen, Beglückwunschschreiben, Einladun
gen, Anerbietungen, Ratschläge und dergleichen muß en
schier ertrinken. Ganz besonders unangebracht sei es
wenn jetzt der Strom der Postsendungen direkt in das
Krankenhaus nach Konstanz geleitet werden muß, wo er
noch einige Tage als Rekonvaleszent weilen muß. Sicher—
lich ist sein Befinden keineswegs unbefriedigend, aber et—
was Ruhe und Schonung ist ihm nach den Strapazen
und Beanspruchungen der letzten Tage sehr dienlich. Ue—
berdies ist die Arbeitskraft eines Grafen Zeppelin doch zu
kostbar, als daß sie auch nur zu einem nennenswerten
Bruchteil durch die Erledigung der fraglichen Korrespon—
denz absorbiert werden darf. Die eminent aktive und
tatlräftige Natur des Grafen und zugleich seine höfliche,
liebenswürdige Art zwingen ihn aber, wenigstens die
Kontrolle über die eingehende Post und Beantwortung
derselben, soweit es irgend tunlich ist, nicht aus der Hand
zu geben. Es wäre deshalb sehr zu wünschen, wenn je—
der, der sich an den Grafen Zeppelin in irgend einer An—
gelegenheit glaubt wenden zu müssen, vorher ernsthafi
mit sich zu Rate geht, ob gerade er die zwingende Ur—⸗
sache dazu hat, was in den meisten Zuschriften als selbst—
verständlich angenommen zu werden scheint. Ein besonde—
res Verdienst um die Ruhe des Grafen würde sich die
Presse, der er schon so vieles verdanltt, durch die Ver—
breitung dieser Zeilen erwerben.
* Mißglückter Bankuberfall. In dem Bankgeschäft
Silbermann in Berlin, Friedrichstraße 153, erschien Frei—
tag morgen ein junger Mann und verlangte ausländische
Geldsorten. Als der Sohn des Geschäftsinhaber das Geld
aufzahlte, erhob der Kunde plötzlich einen schweren Stock
und schlug ibm über den Kopf. Die beabsichtzte Wirkung
blieb jedoch aus und Silbermann rief um Hilfe. Er hatte
noch die Geistesgegenwart, dem Attentäter Hut und Stoch
zu entreißen. Im selben Augenblick trat ein zweiter jun—
ger Mann herein, der aber gleich mit dem anderen das
Lokal verließ. Die besden Räuber mischten sich unter das
zahlreiche Straßenpublikum und konnten bis iest nicht age
faßt werden.
* Schiffsunglück. Der mit Pflastersteinen von Schwe—
den nach Kiel befrachtete Segler „Drin als Alborg“ war
auf See leck geworden. Die an Bord befindliche Frau
des Kapitäns wollte auf dem lecken Schiff ncht mehr
bleiben und ließ sich trotz der Warnung ihres Mannes in
einer Scholle nach dem Feuerschiff Gjedser übersetzen. Die
Jolle kenterte jedoch unterwegs und die Frau ertrank. Bei
dem Versuch, sie zu retten, geriet der Kapicän mit sei—
nem Fahrzeug auf Grund. Beraunasdamnmier sfind 2ur
Hilfeleistung abgegangen.
* Diamanten in Süd-West. Auf den Diamantfeldern
der South African Territores haben auf Anordnung des
Gouverneurs von Südwestafrika durch die kaiserliche Berg
behörde mehrere Tage lang Nachforschungen nach Diaman—
ten stattgefunden. Nach einem an Berliner amtlicher Stelle
eingetroffenen Telegramm ist die Tätigkeit der amtlichen
Sachverständigen ergebnislos verlaufen.
* Spelterinis Alpenfahrt. Ueber die Montblane—
Fahrt des Kapitäns Spelterini berichtet einer der Teil—
nehmer im „Berl. Lok.Anz.“: Unser Ballon „Sirius“
ichwebte um die Aiguille Dudru, flog dann zum Argen—
ieregleischer und zog in 4000 Meter Höhe über den Tour
Noir. Das Schauspiel war wundervoll und unbeschreib—
lich. Uns gegenüber erhob sich die gewaltige Masse des
Montblanc mit seiner ganzen Umgebung von Spitzen und
Nadeln, links ragten die Walliser Alpen auf, wo unsere
Auzen in der blauen Luft weiße Gipfel von uwvergleich—
licher Pracht entdeckten. Hinter uns lag ein Gewirr rie—
siger Felskuppen und Gleischer, der Dent du Midi, die
Diablons, in der Ferne der Wildtrubel und die elegante
JFungfraugruppe. Iwischen allen diesen Bergriesen schlän—
geln sich grüne Täler, durch die reißende Ströme sich
windend. Der „Sirias“ überflog das Weißhorn, schwebte
über dem wunderbaren Tal von Zermatt. Wir ziehen
über das gewaltige Matterhorn hinweg, sehen die Erde
runmehr nur noch zwischen Workenrissen. Während links
die Jungfrau verschwindet, tauchen in der Ferne Italien
mit seinen noch fernen Seen und die Ebene der Lombar—
o Ar NAher dio Sannoe noht unnter mir müsson Iandon