Full text : Dudweiler Zeitung

wurde er zum »achsorger vocv zXriegomimsters v. Goßler
ernannt. 1877 vermählte er sich mit der Tochter des Ge—
nerals der Infanterie von Rothmaler, dessen Namen er
mit landesherrlicher Genehmigung mit dem seinen vereinte
Der Rücktritt kommt nicht überraschend. schon früher wurde
er des öfteren angekündiagt.

Die Kretafrage.
Der Konstantinopeler Korrespondent der Neuen Fr.
Presse“ telegraphiert, daß ihm der Großwesir ver—
sichert habe, daß nunmehr jede Kriegsgefahr ab—
gewendet sei. Der Ministerrat wird beschließen, in
der Angelegenheit der Kretafrage den Weg der Verhand—
lungen zu betreten.
Der griechische Kriegsminister hat sämtliche
auf Urlaub im Auslande weilenden altiven Offi—
ziere zurückberufen.
In der Kretafrage nimmt auf Anraten des jungtür—
kischen Komitees die türkische Bevölkerung eine zuwartende
Haltung ein, doch ist alles zur Erhebung beim ersten Sig—
nal bereit

—r — ——
9 ⸗
Zur Lage in Spanien.
Die spanische OffensivArmee, die näch—
ster Tage ihre Operationen in Melilla wieder auf
nimmt, wird 15 000 Mann betragen. Die übrigen spa—
nischen Truppen werden zur Verteidigunag der ietzigen
Stellung verwendet.
Wie aus Penon unterm 9. dss. Mtis. gemeldet
wird, er ogte bei Tagesanbruch ein Angriff der Ein—
geborenen, de stark verschanzt waren. Die spanische Ar—
tillerie richtte gro ße Verheerungen unter den
feindlichen Truppen an. Der Kampf endete um 11 Uhr
abends. Auf spanischer Seite waren keine Verluste zu
verzeichnen. Am Dienstag bei Tagesanbruch begann das
Feuer wiederum mit noch größerer Hartnäckigkeit und
dauerte his Mittag. Die Zivilbevöllerung beteiligte sich
am Kampfe. Um 8 Uhr abends begann wieder ein leb—
haftes Feuer

B
Zum Generalstreik in Schweden.
Unsere heutigen Bilder führen uns nach Schweden,
wo seit dem 4 August der Generalstreik ausgebrochen ist,
weii sich die Arbeiter in eine von dem Verband der Ar
beit zeber beschlossene Lohnherabsetzung nicht fügen wollten.
Die Arbeitgeber machten die ungünstige Konfunkttur für
ihre Absicht verantwortlich und sperrten, als die Arbeiter
nicht nachgaben, zunächst 80 000 Arbeiter aus. Hiervon
wurden namentlich die Metallarbeiter, Bergbauarbeiter, so
wie die Arbeiter der Hütten- und Elektrizitätswerke be—
troffen. Die Arbeiter, deren Führer wir unsern Lesern
heute bildlich vorführen, haben die Aussperrung mit dem
Generalstreik beantwortet. Sie gehen dabei von der Er—
vägung aus, daß die vorhandenen Geldmitten ür ein—

mehrioochertiiche Aussperrung ver Arveiter einzelnen
Branchen nicht ausreichen, und setzen alles lieber auf ein
sarte. Zweifellos werden sie Erfolg haben, da der ge
samte Verkehr stockt, kein Licht brennt, keine Fuhre mi
Jebensmitteln kommt in die Städte, dazu streiken Bäc—
And Fleischer. Daß die schwedische Regierung und v
uilemꝰ onte Guian deibie ter diesee ünstanven da
alle Mühe geben, den Frieden wieder herzuftellen, ist ven
ständlich. Sollte aber nicht binnen kurzem sich eine Gu
nigung ermöglichen lassen, so sind trotz aller Aufopferum
der Bürgerwehren schwere Komiikte unausbleiblich.
VermusÚ&ʒtes.
Gegen die Automobilauswüchse wendet sich nun
ruch die englische Frauenwelt. In London zum Beispiel
ist zur Zeit eine große Petitionsschrift ausgelegt, die an
die Königin Alexandra gerichtet werden soll als Notschrei
der Frauen Englands. Die Petition, für die sich schon
rußerdordentlich viel Unterschriften sanden, besagt laut
C. K. folgendes: „Wir Frauen Englands bitten ehrfürch
tig Eure Majestät um Hilfe und Rettung vor den Auto
nobilen. Wir sind sicher, daß Eure Majestät nicht wis—
en können, wie hart wir unter ihnen leiden. Unser Le
en haben sie in Sorgen und Kummer gewandelt. Umn
ere Kinder sind stets in Gefahr, unser Eigentum wird
urch den Staub ruiniert, die Fenster unserer Wohnun
gzen können wir nicht öffnen, und die Ruhe unserer Nächt«
vird durch den Lärm gestört. Wenn man die Automobi—
isten bewegen könnte, in den Dörfern und Städten lang
am zu fahren, so wäre das eine große Errungenschaft;
doch wir sind nur arme Leute, und die große Anzahl de
zer, die Automobil jahren, hört nicht auf uns. Wir wis
en nicht, wie wir uns helfen sollen, und darum wender
vir uns an Eure Majestät und bitten, Ihren großen Ein
luß zu unseren Gunsten zu benmitzen.“
Warnung und Vermahnung.
Fine Zwölfpfennig-Zigarre wird im Westen und Osten
Fortan fünfzehn Pfennige kosten.
Warum? Nach einer Anwort lechz' ich,
Denn die Mehrsteuer macht nur siebzehn Mark sechzig

Siebzehn Mark sechzig? Erbittert weiß ich,
Der Fabrikant belastet sie bis auf Mark dreißig!
Also steckt der Fabrikant von der Asche
Zwölf Mark vierzig in seine Tasche!

Für ein kleines Kistchen ergrapscht der Fabrikant sich
Auf seine Person eine Mark zwanzig!!
Ist es wohl zu glauben?! Dennoch stimmt es.
Ich rauche nicht viel. aber mich ergrimmt es.
Im Lande schwelt es, loder's, brennt's —
Da fkommt dieser Gipsel des Geschäftstalents.
Es schwelt, aber das ist den Herren schnuppe,
Zie kochen an der Feuersbrunsft ihre Suppe!

Meine Herren, Sie müssen sich anders bedenlken,
Sonst werden wir Raucher den Konsum einschränken
Und dann liegt ihr selber eklig drin.
Mene. Tekel Uphariin.

der Fidibus vezw. seine Verwendung zu umstaändlich
Prußte man doch erst eine Flamme haben, an der man
den Papierstreifen anzünden könnte. Am Feuer, am Hert
in der Küche, oder Abends an der Lampe — die Zuͤnd
hölzer vereinigten alles in einem. Zündung, Flamme und
Feuer — und der Fidibus hatte seine Waieinsberechtia
ung verloren.
Der Fidibus — dieser längliche Papierstreifen von
etwa 10-215 Zentimeter Länge und 1 Zentimeter Breite
— fristete vor 25 Jahren noch sein Dasein. Kümmerlich
zwar, mehr noch in der Provinz, wo die Kolonialwaren.
händler die „Schweden“ noch zu teuren Preisen vertauf
ten. In den großen Städten wird er wohl schon eher
verdrängt worden sein und nur in den Vorstädten bei der
Arbeitern oder dem Mittelstand noch Verwendung gefun
den haben. Wie oft an Winterabenden hat man nach Er
ledigung der Schulaufgaben dabei gesessen und hat Fidi
busse gefalzt, bis das hierfür bestimmte Aufbewahrungs
gefäß wieder gefüllt war. Zwar meistens nicht aus ei
genem Antrieb, denn die „Arbeit“ war für einen frischen,
beweglichen Burschen zu langweilig. Da war schon einé
Ausmunterung von seiten des Herrn Papa notwendig, der
darüber zürnt, daß er vernachlässigt würde mit den ihm
gebührenden Aufmerksamkeiten und Pflege seiner Gewohn
heiten. Aber bald war wieder genügend Vorrat da. Und
wie sparsam in der Verwendung mit den Fidibussen um—
gegangen wurde! War doch nicht immer das Papier so
leicht zu bekommen und so billig wie heutzutage. Ge—
rade, daß der Fidubus nur so lange brannte, bis er sei—
nen Zweck erfüllt hatte, die Pfeife entzündet oder die
Lampe angebrannt hatte, dann würde die Flamme aus—
zelopft, so daß er nochmals zur Verwendung gelangen
onnte. — Aber das sind Jlänast vergangene Zeiten.
xus aller Welt.
* Zeppelins Berlin-Fahrt. Graf Beppelin har
mitteilen lassen, daß er am 28. August auf seiner Fahrn
nach Berlin in Mürnberg landen werde. Direktor
Colsmann wird in der nächsten Zeit nach Nürnberg fsah—
ren, um Vorbere tungen für die Anlage eines Ankerplatzes
zu tressen. Der Leiter des Nürnberger städtischen Bau—
amtes, Oberbaurat Weber begibt sich nach Frankfurt, um
sich über die dortigen Norrichtungen a4ur Landung zu in—
so rmieren.
* Automobilunfall. Aus Innsbruck wird berichtet:
Der Papierfabrikant Viktor Lenz stürzte mit seinem Auto—
mobil beim Passieren einer Brücke in den Alppach. Das
Automobil ging in Trümmer. Lenz wurde ichwer, fsein
Chaufieur leichter verleszt.
—Im xXaynsinu. DAie in Lirkvenica zur zrur wei⸗
iende Gattin des argentinischen Generalkonsuls Gayan
E WBudapest stürzte sich in einem Ansfalle von Geistesstör⸗
ung niit ihren drei Kindern ins Meer. Zwei der Kinder
trtranken, die Frau und ein Kind wurden gerettet.
x* Vernichtete Fischerflotte. Nach einer Depesche au⸗
Daben hat ein furchtbarer Sturm in Livorno in der Höb
r Tosa⸗Inseln die Flotte der Korallenfischer vernichtes
30 Fischer sind umgekommen, 100 mit Ke
tallen beladene Schißse sind verloren. Kriegsschiffe wurdes
zur Hilfe nach der Unglücksstelle gesandt.
Srrenbannunalu. Be Auehnung de
*Enta
            
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