Full text : Dudweiler Zeitung

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Donnerstag 12. Aug. O⸗

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Wochen-Rundschau.
Mit sommerlichen Tagen wurden wir in diesem —X
nur ipärlich gesegnet, wenn schon aber, dann wird der
Segen uns auch gründlich zu Teil! In den letzten Ta
gen hatten wir eine förmliche Gluthitze, die der Land—
mann schon lange vermißt und die nun wohl endlich die
Frucht im Felde reifen wird.
In der inneren Politik leben wir augenblicklich in
der „Sauregurlenzeit“. Die parlamentslose Zeit bringt
eine Stockung des politischen Lebens mit sich. Der Kaiser
hatte auf der Rückreise des Zaren von seinen Besuchen
in Frankreich und England noch eine kurze Unterredung
mit Väterchen Zar, der jedoch jede politische Bedeutung
von vorneherein abzusprechen war. Es war lediglich ein
Höflichkeitsalt unseres Kaisers, daß er den heimkehrenden
russischen Herrscher auf der Durchfahrt durch die deutschen
Gewässer begrüßte und das Geleit gab. Von Kiel begab
sich das Kaiserpaar nach der Mark, um an der 300-Jahr
seier der Grafschaft Mark auf Hohensyburg teilzunehmen
Unter Anwesenheit des Kaiserpaares, des Prinzen Oskar
der Spitzen den Behörden und fast der gesamten Bewoh
nerschaft der Grasschaft nahm die Feier auf Hohenfyburg
einen glänzenden Verlauf. Eine uralte, an historischen
Erinnerungen reiche Stätte ist es, die als Schauplatz der
Feier ausertehen wurde, eine Stätte zugleich, die durch
die Errichtung des imposanten, der Erinnerung an Kaiser
Wilhelm 1. von der Provinz Westfalen geweihten Denk—
mars die länist vergangene mit unserer neueren Zeit in
markanter Weise verknüpst. Die Martner hätten für die
Veranstaltung des Jube tages auf roter Erde keinen ge—
eigneteren Platz finden können a's auf der alten Witte—
kindsfeste Hohensyburg, wo trotzige Sachsen mit stolzen
Franken um die Vormacht rangen.
Das größte Interesse der Woche nimmt die Kreta—
frage in Anspruch. Die Türkei hat Griechenland ihr Ul⸗
timarmm zugestellt und die Athener Regierung hat in sehr
ausweichendem Sinne geantwortet, jedoch in dieser Ant
wort die Hoffnung ausgedrückt, daß man in Konstantinopel
jetzt Verantassung nehmen werde, mit Griechenland herz—
liche VBeziehungen zu unterhalten, die im Interesse der
beiden Mächte liegen. Die kretische Frage ist eine recht
heille Sache, und so bald wird sice wolbr gan RWern
be eren B——
1105

Spanien hat anläßlich des Krieges im Riff im eige—
nen Vande wieder einmal eine kleine Revolution gehabt
die jedoch jetzt wieder veigelegt zu sein scheint. Die Greuel
aten, die sich anläßlich des Protestes gegen die Maßnau
men der Regierung zugetragen haben, spotten jeder Be
schreibung. Die widerlichsten Erzesse standen an der Ta—
gjesordnung, wie Raub, Brandstiftung und Leichenschändung.
 Daß sich die angeblichen Protesiler dadurch bald die
Zympachie des Volkes verscherzten, liegt klar auf der
hand, und so war es der Regierung nicht schwer. den
Au ruhr zu ersticken.
Die Kämpfe im marokkanischen Riff zwischen spa⸗
uschen Truppen und marokkanischen Eingeborenen dauern
ort und haben an Hestigkeit noch nicht die geringste Ein—
uße erlitten. Die Verlustziffern sind auf beiden Seiten
zroß. Spanien wird sich wohl anschicken müssen, weitere
Truppen nach dem Aufstandsgebiet zu entsenden, denn
die Mauren haden eine vortreffliche Verschanzung und sind
rußerdem mit Gewehren und Munition reichlich versehen.
Die spanische Regierung würde wohl auch etwas darum
geben, wenn es seine Hand aus dem marolkanischen We—
spennest herausgelassen hätte.
Im fernen Osten scheint auch wieder etwas los zu
sein. Japan und China liegen sich in die Haare wegen
der Bahnlinie Hantung-Mugden, die von der chinesischen
Regierung angelegt werden soll. Japan duldet im Osten
leinen Nebenbuhler und so scheint es auch in diesem Falle
bereit zu sein gewaltsam vorzugehen. China hat Ruß
lands Hilfe angerufen, doch in Petersburg hat man noch
genug vom letzten Mal. Natürlich würde man in Ruß—
land die Gelegenheit mit Freuden wahrnehmen, Japan
eine Schlappe beizubringen, aber noch ist die Zeit nich
gekommen, die russische Flotte ist vernichtet und der Wie⸗
deraufbau geht nur langsam von statten, weil das nötige
Geld fehlt. China muß sich also dem mächtigen Gegner
os fügen, sonst geht es ihm gerade wie jeinerzeit den
Russen.

Rußland.
* Die Trinksprüche von Cowes haben in den Krei—
sen der „wahrhaft ruͤfsischen Leute“ wegen ihrer freund
li hen Erwähnung des Besuches der Duma⸗Abgeordneten
in Vondon geradezu niederschmetternd gewirkt. Ihr Or—
gan, die „Rußkoje Snamja“, macht ihrer Entrüstung
über die Anerkennung der von ihr so bitier gesaßlen Par⸗
lamentarier in folgendem Zornesausbruche Luft: „In sei—
ner Rede bei dem Paradediner hat König Eduard sein
und der Königin größtes Vergnügen über den Besuch des
verächtlichen Miljukoff ausgedrückt, welcher trotz seiner
Würde eines Mirgliedes der Reichsduma und seiner Be—
mühungen als unwürdig und ehrlos bei dem allgemeiner
Empfang der Mitglieder der Reichsduma nicht in den Pa⸗
last des Kaisers von Rußland hineingelassen wurde. Die
Würde eines Mitgliedes der Reichsduma bildet in Ruß
land überhaupt keine Ehre, wie z. B. die Würde eines
Mitgliedes des englischen Parlaments. In Rußland schla⸗
gen sowohl Einwohner wie Polizisten Mitglieder ver
Reichsduma, welche die Pflicht der Ehre verletzt haben, in
die Physionomien, man settt sie in die Gefängnisse, be—
strast sie dort mit Ruten, verurteilt sie zum Galgen, wie
gewöhnliche Gauner, Diebe und Räuber. König Eduard
wurde natürlich dadurch, daß er dies nicht wußte, irrege—⸗
führt, aber auf dem Gewissen von Asquith, Grey und
Nicholson liegt die ganze Verantwortung, den Monarchen
nicht unterrichtet zu haben.“ Ob das Blatt übersieht, daß
durch diese Anpöbelung indirekt der von ihm sonst so
gepriesene russische Selbstherrscher mitgetroffen wird? Ode
soll er auch getadelt werden?

Italien.
* Der „Matin“ meldet aus Rom, es bestätigt sich, daß
der Zar Mentina und Rezgio besuchen, und daß ein
italienisches Geschwader die kaiserlichen Gäste in der Meer
enge von Messina empfangen wird. Nachrichten aus Mes
sina besagen, daß die Bevölkerung den Zaren begeifter:
—A —
sichigen, sich den übrigen Parteien anzuschließen, dem
es liege noch in aller Erinnerung, in welch aufopferungs
»Ater Weise sich die russischen Matrosen bei den Rett
etader Erdbebenkatastrophe vor
hbeabsichtigt, dem Zare
— —

Bolitische Rundsfchau.
Deutsches Reich.
Riler und die Kaiserin trafen mittels Son—
vbnhofe Wilhelmshöhe ein und bega—

* De
4472*
            
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