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J.
Die Befreiung der 6eknechleten.
Erzählung von J. Hqus*
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er segelte einst beutegierig mit seinem offenen Boote
8 und traf in der Abenddämmerung, als ein dichter
ebel auf dem Meere lag, an der Südwestspitze von St.
mingo beim Kap Tiburon ein großes spanisches Fahr⸗
ag, eine Callione mit vielen Geschützen. Gesang und
usik ertönte aus den erleuchteten Kajütenfestern des
hiffes und kündigte an, daß man sich dort ganz vortreff⸗
amüsiere. Pierre Legrand und die Seinigen konnten
yt zweifeln, daß das Fahrzeug zu einem nach Europa
stimmten mit reichen Schätzen beladenen Convoy gehöre,
»n welchem es im Nebel abgekommen sein mußte. Sie
ußten auch, daß es stark, mindestens mit 150 Leuten be—
rannt sein müsse. Gleichwohl beschlossen die tollkühnen
benteurer, deren Boot von der nachlassigen Wache auf
»Gallione im Nebel nicht entdectt wurde, obgleich es
yt in ihrem Kielwasser folgte, ohne weiteres anzugrei—
Legrand stellte seinen Leuten vor, daß sie entweder
gen oder sterben müßten; im ersteren Falle aber würden
für ihr ganzes Leben reich genug sein. Dann ließ er
WBoot ganz dicht an die Gallione bringen und gab
imn Auftrag, als Letzter zu folgen und vorber mit einer
ct Löcher in das Boot zu schlagen, um dasselbe zum
inken zu bringen und auf diese Weise jeden Rückzug un—
öglich zu machen. Dies geschah. Die Flibustier kletter⸗
en, mit Säbeln und Pistolen bewaffnet, an Deck und das
Wot sank hinter ihnen in die Tiefe. Die überraschte
dache wurde rasch niedergehauen und dann entstand, als
ie übrige Mannschaft herbeieilte, ein wildes Handge⸗
renge. Die Spanter, da sie gar nicht begreifen konnten,
en we die Piraten auf einmal hergekommen glaubten es
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ommenen Teufeln zu tun zu haben und schrien und tob—
en vor Angst.
Nach einer halben Stunde waren die Flibustier Sie—
jer und hatten das Deck im Alleinbesitz. Die noch unten
m Raum befindlichen Passagiere und Mannschaften muß-—
en kapitulieren. Pierre ließ sie in kleinen Abteilungen
seraufkommen und in Boote aussetzen, welche er mit Le—
»ensmitteln und Wasser versah, so daß die Besiegten un—
zefährdet nach dem nächsten Hafen von St. Domingo ge—
angen konnten. Von seinen Leuten waren sechs im Kampfe
zefallen, so daß im Ganzen nur 20 noch blieben, um sich
n die reiche Beute zu teilen, die einen Wert von drei
Millionen Piastern repräsentierte und aus Gold und Sil—
zer in Münzen und Barren sowie aus kostbaren Waren be
tand. So hatte also diese Handvoll Menschen unter einen
uus Goldgier zum Räuber und Mörder gewordenen Wei—
zen in kürzester Frist einen ungeheuren Reichtum erlangt
Pierre Legrand steuerte mit dem gekaperten Schiff nach
der Insel Curazao, welche die Holländer im Jahre 163⸗
den Spaniern weggenommen hatten und seitdem, trotz mehr
acher Versuche der Franzosen, sich dort festzusetzen, be
auptet hatten. Es ist ein unfruchtbares Felseneiland,
iber wichtig durch seinen guten und sicheren Hafen und
zurch seine Lage dicht am spanisch-amerikanischen Fest—
ande, in der Nähe von Maracaibe, Venezuela und Ca—
acas, und eben deshalb zum Stapelplatz des Schleichhan—⸗
dels außerordentlich gut sich eignend. Das ganze 17
dahrhundert hindurch war auf diesem Eilande ein selt—
ames Gewimmel von niederländischen Kaufleuten, Mäk—
ern und Agenten sowie von Piraten, Schmugalern und
Zeeabenteurern aus aller Herren Länder.
Wie die kleine Insel Tortuga bei St. Domingo den
dauptausrüsteort der Flibustier bildete, so war Curazao
der Hauptsammelplatz der Schmuggler und der Aufkäufer
der geraubten spanischen Güter. Pierre, der dies alles
wohl wußte, brachte seine Beute nach guter Fahrt und
rachdem das Gold und Silber geteilt war, wovon er sel—
ber als Anführer einen fünffachen Teil erhielt, in den
schönen Hafen von Curazao, wo er bald einen gut zah—
lenden Käufer für Schiff und Ladung fand.
Er selbst sowie sein treuer Gefährte Tom schifften sich
dann als Passagier nach Holland ein, von wo sie nach
Dieppe reisten, um dort fortan in Ruhe zu leben. Es
vird gemeldet, daß Pierre Legrand in späteren Jaähren
einen ganzen Reichtum den Armen geschenkt haben und
elbst als büßender Mensch gestorben sein soll.
Ueberboten. Ein Pralhans und Wichtigner er⸗
ählte in einer Gesellschaft forwwährend höchft unwahrsjchein⸗
iche und lügenhafte Geschichten von sich. Bei einer Jagd,“
agte er, schoß ich neulich 999 Schnepfen.“
„Warum machen Sie denn das Tausend nicht voll?
lagte ciner der Zuhorer.
„Um eriner lunpigen Schnepfe Willen,“ erwiderte der
MNünchhausen, „lüge ich nicht.“
„Das ift aber noch nichts,“ bemerkte ein anderery, den
das fortwährende Renommieren verdroß, „als ich im Vor⸗
ahre von Stetin nach Kopenhagen fuhr, kam faft zu dersel⸗
den Zeit ein Mann mit uns an, der den Weg schwimmend
urückgelegt hatte.
„Kennen Sie den Mann, haben Sie ihn gesehen?“ srug
der Munchhausen.
„Nein, ich erblickte ihn nur von weitem.“
Mun. dann will ich es Abnen gesteben, der Mann war
ich“
Wozu? In Votston verließ ein junger Rechtzanwalt,
der den größten Teil seiner Zeit mit Versuchen zubrachte,
echt beschäfrigt zu erscheinen, für eine Weile sein Bureau
ind befestigze an der Tür eine nett geschriebene Karte;
Werde in einer Stunde zurück sein.“ Bei seiner Rückkehr
'and er, daß ein neidiicher Konkurrent darunter aeschrieben
Acfto M1*