zeiheiien, namenaich die im ver opigen Reinatz—
gehaltenen Ausführungen des preußischen Eisenbahnmini
sters an, der dabei auf die von ihm bereits in der Bud
getkommission des Reichsstages abgegebenen Erklärunger
sich bezog. Sie hebt hervor, es sei namens aller vertre
tenen Staatsbahnen festgestellt und anerkannt worden, daß
Beschwerden über Wettbewerbsmaßregeln gegen Preußen
nicht erhoben werden könnten
Die Kretafrage.
Die Kriegsgefahr wächst.
Die ottomanische Regierung hat angesichts der Er
regung der Bevölkerung über die Kreta—
jrage das jungtürkische Komitee ersucht, auf eine Be—
ruhigung der Gemüter hinzuwirken. Abends fand in Sa—
loniki eine Protest versammlung gegen die
Haltung der Regierung in der Kretairage statt, an der sich
etwa 15 000 Personen beteiligten.
Im Wilajet Uesküb wurde gegen die griechische
Bevölkerung strenge Maßregeln ergrissen. In meh—
reren Ortschaften wurden Personen verhaftet, in denen
man griechische Offiziere vermutete. Diese Annahme hat
sich jedoch nicht bestätigt.
Die Botschafter der Schutzmächte haben der Psorte
Mittellung gemacht, daß sie die Demarche in Athen
mißbilligen, und daß sie entschlossen sind ie de krie—
gerische Verwickelung mit allen Mitteln zu
verhindern. Um diesem Schritt der Schutzmächte
mehr Rachdruck zu verleihen, wird, wie verlautet, in den
nächsten Tagen eine en glische Flotte in der Suda
Bei erscheinen. Wie es heißt, wird auch Oesterreich-Un—
garn, welches sich vol ständig mit dem Vorgehen der
Schutzmächte einverstanden erklärt haben soll. eine Escarde
in den Pyräus entsenden.
Die „Times“ veröffentlicht eine Telegramm des Bür
zermeisters von Damaskus solgenden Inhalts: Die Ein
wohner Syriens haben beschlossen, die de ut sche Ma
ti on zu ersuchen, die heiligen Rechte der konsuütutionel
len Türkci auf Kreta zu unterstützen, Rechte, die sie be—
reit sind, mit Auswendung aller Kräste zu verteidigen.
Die letzten aus Kreta in London eingetroffenen Nach—
richten besagen, daß Kretasich weigert, die grie
chische Flagge herunter zu holen. Nach der Meinung der
englischen und der französischen Diplomaten zeigt sick
unverhohlen, daß ein Konflhikt nicht mehr zu vermei—
den ist. Auch die an amtlicher Stelle eingetroffe
nen Depeschen aus Konstantinopel und Athen registrieren
die rasche Mobilisierung an der türkischen und griechischen
Grenze. Der allgemeine Eindruck ist der, daß die Türken
nicht anders handeln können, daß aber, wie die Dinge
nun auch ausgehen mögen, auch andere Mächte mit ir
den Konflikt hineingezogen werden. Die englische Regier
ung hat es an Ratschlägen, die zur Mäßigung mahnen,
nicht fehlen lassen, aber man hat nicht den Eindruck. daß
diese Argumente auf besonders iruchtbaren Boden qgeial—
len sind.
In Prissiwitza wurden von Albanesen dre
Griechen getötet und ein griechischer Priesten
lebendig verbrannt. Auch in zahlreichen ande
ren Ortschaften Albaniens ereigneten sich infolge der Er
regung wegen Kretas Mordtaten von Albaniern ge—
gen Griechen.
Aus Gibraltar wird telegraphiert, daß die briti
schen Linienschiffe „Swiftsure“ und „Triumpo
von dort nach Kreta abgegangen sind.
Am Samstag abend hat der türkische Bot—
schafter in Berlin im Auswärtigen Amt Mitteil
ung gemacht von dem Wortlaut der an Giechenland ge
richte en Noste. Der Staatssekretär machte seine Vorbe
halte und drückte den Wunsch aus, daß die Pforte einlen
ten möge. Er telegraphierte ferner an den kaiserlicher
Botschafser in Konstantinopel und ersuchte ihn, Mäßiguncç
anzuempfehlen und zu erklären, daß die europäische Mei
nung einen Angriff gegen Griechenland nmicht be
greifen würde. Man hat guten Grund, zu glauben,
daß Oesterreich-Ungarn das Beispiel Deutschlands nach—
ahmen wird. Diese einstimmige Altion Europas könne
nur ein mächtiger Friedensfaktor sein.
Die Kriegsgefahr ist infolge der türkischen
Note, in der Griechenland zum dauernden Verzicht au
Kreta aufgesordert wird, akut geworden. Die Tür—
kei setzt fieberhast ihre Rüstungen fort. Weitere sieben
Torpedoboote und Transportschiffe gingen nach Smyrna
ab, wo die türkische Flotte den Befehl zur Ab—
fahrt nach Kreta erwartet. Das türkische Krieosrie—
her wächst heftäzudie
Spanische »Freiheits“⸗Kämpfe.
Zu den grausigsten Taten, welche die Unruhen der
letzten Tage in Barcelona gezeitigt haben, dürsie dock
vohl die Schändung der Gräber des Klosters San Mag
dalena gehören, die in ihren widerlichen und abstoßenden
Finzelheiten unwillkürlich an die Schändung der sranzö—
ischen Königsgräber von St. Denis während der franzö—
ischen Revolution im Jahre 1793 erinnert. Der VKorre—
pondent des Corriere della Sera, Luigi Barzini, hat nach
Wiederherstellung der Ordnung in der Stadt das nieder
tebrannte Kloster besucht und über das, was er dort ge
ehen hyur, Und was ian die guardias ceiviles erzahlt ha
»en, sendet er seinem Blatte einen ausführlichen Berich
dem die „M. N. N.“ folgende wesentliche Einzelheiten ent
iehmen. Die Nonnen des Klosters San Magdalena ha
»ven noch das alte Riecht, ihre Toten innerhalb der Klo—
stermauern beizusetzen, und so befindet sich im Hofe des
alten Gebäudes ein kleines Häuschen mit winzigen Fen
tern, hinter denen die Totenkammern der verftorbenen
Nonnen sind. Kaum hatte die Volksmenge, die mit Ge—
—
leinen Bau im Rlosterhofe bemerkt, als sie in den Ruf
rusbrach: „Da ist der Schatz; da haben die Nonnen ihr
veld, ihr Gold und Silber vermauert.“ Mit Steinen und
Ztößen suchte man de wenig widerstandsfähigen Mauern
zu sprengen, und als dies endlich gelungen war, stant
nan vor — Särgen. Für einen Augenblick trat tiefernste
Ztille ein, dann schwand jede Achtung vor dem Tode
uind die Menge brach in wildes Geheul aus. An der
ẽnttäuschung, die sie erfahren hatte, waren nur die To—
en schuld, sie sollten dafir büßen. Unter wüstem Lärm
iß man die Särge aus ihrer duntlen Grabkammer und
chleppte sie auf den Hof des Klosters. Nun beainnt eine
viderliche Szene. Mit Steinen, Stöcken und Fußtritten
prengt man die morschgewordenen Sargdeckel, und in
hre Totenkleider eingehüllt, die Hünde über der Brust
zekreuzt, mit gelben, vertrockneten Zügen liegen vierzehn
sonnen vor dem Pöbel, der mit imen seine rohen Spässe
re'bt. Sie scheinen zu schlafen, ihre Angen sind fest ge
chlossen, aber der Auswurf der Hafenstadt will sie nich
ch'afen lassen. Man macht schnöde Witze über den Aus
druck ihrer Züge, reißt ihnen alle Kleider vom Leibe
treibt mit ihnen Dinge, die sich nicht wiedergeben lassen
uind schleist sie schließlich auf die Straße. Einige von ih—
nen waren mumifiziert, diese eignen sich zu Sch Idwachen
und die ausgetrodneten Körper werden rechts und links
»on der Klosterpforte aufgestellt und bleiben dort viele
Stunden stehen, die andern werden in lärmendem Zuge
zur Rambla geschafst und die Menge, weslche die Bahren
uimgibt, und unter der sich besonders viele Weiber befin—
den, singt aus dem ganzen Wege Totenlieder und Buß—
osalmen, die zeitweilig mit gemeinen Gassenhauern ab—
vechseln. Soweit der Augenzeuge! Und da hat ein Teil
iner gewissen Presse noch den Mut, die gecschilderten
ßreueltaten des fanatischen Mobs als teils übertrieben
eils erfunden darzustellen. und, wo sie so entdetlich
lusschreitungen zugeben muß, sie als begreifliche Folgecr
cheinungen des in Spanien herrschenden Klassensystems zu
»ezeichnen. Mag man von der spanischen Wirtschaft hal—
en, was man will, für solche bestialischen Handlungen
bt es Iiue Milderungsgründe. Nicht zu Lasten der
zurch Maffenexeintonen sich furchtbar rächenden Mgchtha
der fällt es, wenn bei den Snaspollziehuñgen manch un
chuldiges Opfer sein Leben mit lassen muß. Der tierge—
vordene blutdürstige Pöbel selbst, dem nicht einmal die
Majestät des Todes Scheu einflößt, trägt die Schuld an
dem namenlosen Esend, das von neuem Barcelona und
datalonien überhaupt heimsucht. Wie würde wohl eine
„Freiheit“ aussehen, die solche „Freiheltshelden“ erkämpfen
zu wollen vorgehen
— 7 ô ——
Gerichtszeitung.
8Haftpflicht der Stadt. Als der Klempner V. in
Kheydt am 9. November 1903 abends in der zehnten
Ztunde die verkehrsreiche Provinzialstraße von Odenkir—
hen nach Rheydt auf dem Rade enilang fuhr, kam er zu
Fall und zog sich eine Verletzung des rechten Handge
lenls zu. Die Stadtgemeinde Odenkirchen ließ dam⸗—
auf dieser in ihrer Verwaltung stehenden Straße
erhebliche Pflasterungsarbeiten aus ühren.
Arbeiten zu verwendende Sand wur“
gefahren und, soweit er
worden war
Abend
antworgich, gieichvier o ie da ccodeirten odurch shrede
genen Leute oder durch einen Unternehmer habe ausful
en lassen; denn sie sei verpflichtet, jür die Sicherheit de
berklehrs auf der Straße zu sorgen. Sie hätte daher ge
eignete Anordnungen trefsen und deren Ausführungen gr
überwachen sollen. Ein Verschulden des Klägers habe be
der Entstehung des Schadens nicht mitgewirkt. — Die ge
gen das oberlandesgerichtliche Urteil von der beklagte
Stadtgemeinde eingelegte Revision beim Reichs
ger icht wurde zurückgewiesen. Der erkennend
Senat spricht aus. daß die Darlegungen des Berufungs
gerichts völlig zutressend seien, weist dann die prozessuog
len Einreden als nicht stichhaltig zurück und führt uoe
folgendes aus: „Ganz verfehlt ift die Auffassung der Re
vision, daß ein Radfahrer eine Landstraße nicht ohne wei
teres als hindernisfrei ansprechen dürse. Wer eine den
öffent ichen Verkehr dienende Straße benutzt, darf davor
ausgehen, daß sie hindernisfrei ist, so weit e—
nicht durch irgend welche Zeichen auf Verkehrshindernifs
hingewiesen wird. Daraus, daß an der Straße in erkenn
barer Weise Pflastersteine aufgestapelt waren, konnte de
Kläger nicht entnehmen, daß auch in der Mitte der Straf
sich den Norkehr h'ndernde Baumateriglien vefanden.“
Kunst und Wissensehnft.
() Das größte VBild der Welt — in Würzburg
Jüngst wurde berichtet, daß der Maler Malo—orde fu
das Rathaus in Paris ein Vild mit einem Flächeninhalb
von 300 Quadratmeter geschafsen hat, das das bisher al
größtes Bild der Welt angesehene, im Dogenpalaste vo
Venedig befendliche, noch uͤbertrifst. Hierzu wird au
Würzburg geschrieben: Die e gewaltigen Dimensionen her
vorragender Kunstwerke der Malerei sind in den Schatte
gesteilt durch das im Jahre 1753 im Auftrage des dama
ligen Fürstbischofs Karl Philsppp von Greifen—lau vor
Würzburg von dem berühmten Maler Giovanni Battist
Tiepo!o gefertigte Deckengemätdde in der k. Residenz 3
Würzburg, das die den ganzen Erdkreis umspannende un
beherrschende Macht der Kirche al egorisch darstellt. (Vg
Göbl: Würzburg, ein kalturhistorisches Städtebild.) Die
ses Meisterwer? umfafkt nach genauen Messunzen eine:
Flächeninhalt von rund 5590 Quadratmeser und ist som
das bis jetzt hefannte größte Bild der Welt.
Bkfenutag.
IJ
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