Fokales.
Vorausfichtliche Witterung. Heiter bis wechselnd
zewölkt, allmälich wärmer.
Theater. Mit durchschlagendem Erfolze vor gnt besetztem
dause ging gestern abend „der Hund von Baskerville“ über
unfere Sommerbühne. Das Publikum war über die Darsten⸗
ung sehr begeistert, und mit vollem Recht. Wir können nur
mit Vergnugen bei jeder weiteren Boestellung konstatieren.
daß wir es mit einer auserlesenen Känstlerschar zu tun haben,
zie jedem größten Theater zur Zierde gereichen würde. Wie
vir aus dem Theatenzettel ersahren, geht am Sonntag, den
3. August ein prächtiges Volksstück mit Gesang „Der Geiger⸗
önig“ oder „Kunst und Arbeit“ in Scene. Ein Stück mit
vornehmer Charakteristik und sozialer Tendenz, Humor und
ẽcnst in glücklicher Harmonie vereint. Dir Besetzung liegt
n besten Händen. Herr Volker wird uns die Hauptrolle des
Geigerkönigs“, Herr Spielberg dessen bäuerichen Bruder
erklörpern. Frl. Ferry und Frl. Winner werden die beiden
Damenpartien geben und Frl. Franz, die Soubrette des
ẽnsembles, mit Gesangsleistungen aufwarten. Der Scenen⸗
jang wird ducch die Regie des bewährten Spielleiters Heern
steuß geregelt sein, sodaß eiu genußreicher Abend in Aus
icht gestellt werden darf.
Die menschliche Beftie. Aus Barcelona laufen immer
mehr Nachrichten ein, aus denen hervorgeht, daß die Revo—⸗
lutinäre nach dem Vorbilde der Kommunarden wie wilde
Zestien gewütet haben. So enthielt das Kloster, dae zu
der Kirche San Anton gehört, auch eine Bibliothek don 100 000
händen, die zum Teile einen unschätzbaren geschichtlichen
Wert hatten. Die Aufständigen zündeten nicht nur die Kirche
ondern auch das Kloster an und warfen die Feuerbrände
absichtlich gerade in den Biblioteksctaum. 3000 Kinder er—
hzielten in diesem Kloster unentgeltlichen Unterricht. In ganzen
wurden in Batzelona 54 Kirchen uud Alöster eingeäschert,
vodurch 7000 Waisenkinder obdachlos wurden und der
öffentlichen Mildtätigkeit anheimfielen. Ferner verbrannten
das schöne naturgeschichtlische und das Kunst- und Gewerbe⸗
Museum vollftändig, nur die nackten Mauern blieben stehen.
Wie geßern gemeldet, hatten die Revolutinäre die Leichen
ron 17 Nonnen aus den Gräbern gerissen; 12 legten sie
uuf die Barrikade vor dem Rathaus und die Übrigen ovr
as Portal des Hauses des Millionäs Guell.
Die Aufständigen behielten mehrere Tage die Oberh and und
enutzten ihre Herrschaft über die unglückliche Stadt, zu rau⸗
en, zu plündern. zu erpressen und sich öffentlich allen mög—
ichen Ausschweifungen hinzugeben. Erst am 28. Juli ver—
ügte der General?apitän Santiago über zendgende Truppen,
um dem Gesinadel mit Erfolg au den Leib rücken zu können,
enn an diesem Tage trafen die Artillerie-Verstätkangen ein.
dierauf gab der General Befehl, zunächst die Arbeiterbörfe
inter Feuer zu nehmen, welches Gebäude der Huuptsitz
er Repolutinäre bildete, die dort die rote Fahne
zusgesteckt hatten. Da die Artilleristen in der Straße Pelayod
us den Häusern beschossen und mit Bomben beworfen wurden,
o ließ der Generalkapitän Santiago die Geschütze etwes
urückgehen und auch di se Häuser unter Feuer nehmen
Sofort versuchten hunderte vonRevolutinäten zu fliehen, wurden
iber verhaftet oder gleich an Ort und Stelle von den erbitt⸗
rten Soldaten niedergeschlagen. Das Gebäude der Arbeiter⸗
»örse wurde in anderthalb Stunden in Schutt urd Trümmer
zeschossen.
Ueber den Stand der Militärluftschiffahrt ließ sich
der engiische Kriegsminister Haldane in einer Sitzung des Unter⸗
zauses aus. Ecr erklätte, eine wirkliche Kriegsbrauchbarkeit
der Lnftschiffe sei noch nicht erreicht worden. Für die Zwecke
er Marine sei bei dem gegenwärcigen Stand der Wissen⸗
haft wohl nur das starre System von wirklichem Wert, für
as Landheer dagegen das unstacrte das beste. Der Aeroplan
önne für die Armee wertvoll werden, doch müsse er zur
dekognoszierung viel höher auffleigen und auch mehr in der
dand des Luftschiffers sein. Ein starres Luftfchiff von sehr
roßer Abmessung, mindestens von der Größe des Zeppelin—
hen, werde in den Werken von Hickers Barrow gebaut und
ur Aufnahme von 20 Mann eingerichtet. Der Bau eines
‚ustschiffes des unstarren Systems sei militärischerseits in
ingriff genommen. Auch hoffe die Regierung bald im Besitz
weier Aeroplane zu sein, mit denen Versuche angestellt werden
ollen. Weiter eiklärte Haldane, die Regierung habe 78 000
Ifund Sterling zu Studien der Luftschiffart in diesem Jahrt
ruusgeworfen, und es bestehe gar keine Gefahr, das England
dieser Fcage hinter anderen Nationen zurückstehen werde
zaldane führte weiter aus, daß das unstarre Lustichiff m
Udershot gebaut werde. Ferner werde das Kriegsamt ein
ufschiff übernehmen, zu welchem die Mittel von einer Lon⸗
oner Zeitung auf dem Wege einer öffentlichen Subskrip⸗
ion aufgebracht werden sollen und schließlich solle ein
Zrittes Luftschiff angeschafft wer den, wenn die Versuche mit
»en andern befriedigend ausfielen. Hierauf wurden die
rxeditforderungen angenommen.
ESaarbrücker Elektrizitäts-Akt. Ges. in Saarbrücken.
HNRies Unternehmen, dem die Firma Gebr. Röchling nahesteht,
hloß das am 31. März abegelaufene Geschäftsjahr nach
rdentlicheu Abschreibungen von 38 236 Mi, (36 222) mit
nem Verlust von 47 313 Ml. ab, während sich im Vorjahr
lusgaben und Sinnahmen gerade deckten. Der Gesamtverlufe
er Gesellschaft erhöht sich auf 448924 Mk., sodaß das aus
O0 000 Mtk. Vorzugsaktien und 160 000 Mt. Stammaktien
estehende Kapital der Gesellschaff fast vollständig aufgezehrt
t. Der Geschäftsbericht bemerkt zu diesem Ergebnis des
eschäftsjahres, 1908,09 ist durch den außerordenllichen
dückgang der Konjunktur stark beeinträchtigt worden. Der
imsatz ist von 1562000 Mk. auf 111828 Mk. zurückgegangen.
)a das Aktiepkapital somit vollsändig aufgezert ist, ist die
a früheren Berichten bereits als dringend erwünscht bezeichnete
Szanierung des Unteenehmens jetzt unumgänglich notwentig.“
zn den Bilanz find Debitoren von 319 216 auf 171 105
MNk. zurückgegangen, die Bankschuld hat sich von 864 15365
uf728 725 Mk. verringert, sonstige Kreditoren haben 147 273
135 398] Mk. zu fordern. Die Sanirung soll in der Weise
or sich gehen, daß die 300000 Mk. Vorzugsaktien im
zerhältnis 100 zu 1auf 3000 M redujiert, die 150 000
d. Stammaktien sogar im Verhältinis 150 auf 1 auf 1000
ik. reduzirt werden sollen. Dann sollen 450 000 Mk. neue
ktien ausgegeben und ein Resernefonds von 100 000 Mk.
schaffen werden
Aus Nah und Fern.
Jagersfreudeb. Aug. Auf dem hiesigen Guter⸗
hnhof fubren gestern abend vier von einer Rangierabieiag
abgestoßene Güterwagen mit voller Wucht gegen eine
m giermaschine, die bei dem Zusammenstoß erhebtich b—
zädigt wurde. Zwei der Guterwagen entgleisten. Als ein
ücklicher Zusall ist es zu betrachten, daß beiudem Zufammen⸗
ße Menschen nicht pverletzt worden sind (Sor. Ata)⸗
Friedrichsthal, o. Aug. Gestern abend gegen 11
Uhr wurde auf dem Wege von Bildstock nach hier, in der
Nähe der Gtube, det Bergmann L. R. Überfallen und be⸗
raubt. Der Raäuber üÜberfiel sein Opfer von hinten und ver⸗
suchte es zu erdrosseln. Der Ueberfallene blieb bis gegenel
Ahr bewußtlos liegen, bis ihn ein Schutzmann fand und ihn
ach Hause brachte. — Im Walde zwischen hier und Elvers—
berg stellte heute nachmiltag ein Unhold einer jungen Frau
nach. Als ein Arbeiter des Weges kam, snuchte der unsaubere
Barsche das Weite. (Sbr. Ztg.)
* Maybach, 5. Aug. Der Bergmann Zapp von Eiden⸗
born hatte sich anfangs voriger Woche in Grube Maybach
eine unbedeutende Ritzwunde-an der Huind beim Anfassen
eines Kohlenstückes zugezogen. Zapp beachtete die Wunde
kaum uad verfudr jeden Tag seine Schicht. Am letzten
Freitag trat jedoch eine Geschwulst ein und nun suchte der
Mann erst den Arzt auf. Leider war es ader zu spät, denn
die Blutvergiftung war so weit vorgeschritten, daß om Sonn⸗
tag schon der Tod eintrat. Der Veirstorbene ist der Ernährer
einer zahlreichen Famiie, der man allseitige Teilnahme
entgegen bringt. Sbr. Volks;.
J * St. Ingbert. 4. Aug. Die Bauunternehmer dee
Ausst acadsgebietes haben sich dahin geeinigt, den Betrieb bis
jum 1. März 19810 vollständiga ruhen zu lassen, wenn nicht
bis zum 1. September die Ausftaäandigen die Arbeit wiedern
mfgenommen haben. Die Aussichten hierfür sind gleich Null
* Koln, 6. August. (Des Grafen Bepperlun
Abreise.) Graf Zeppelin ist gestern abend 10.30 Uhr
nach Frieorichshasen abgereist. Obwohl die Zeit der Ab—
tahrt des Grafen nur wenigen belanut war und mar
allgemein angenommen hatte, daß der Graf heute noch
hier bleiben werde, sammelten sich beim Herannahen des
Automoodils des Grasen große Menschenmengen an, die
owohl auf den Straßen, als auch auf dem Bahnsteig dem
Grafen Zeppelin lebhafte Ovanonen durch Hochrue und
Absingen nationaler Lieder darbrachten, wofur der Graf
mehrere Male sich lich gerührt dantte. Auch auf dem Neu
markt, wo das Vifizierskasino sich bejindet, hatte sich
eine große Menschenmerge angesammelt, um den Grafen
zu sehen und ihm zu huldigen.
* Koln, 6. August. (Seinen Verletzungen
erlegen.) Der vesannte holhländische Renn—
fahrer Hauijl, der vor einiger Zeit auf der hiesigen
Reunbahn gestürzt ist, ist im Burgerhospital seinen Ver—
letzungen erlegen.
* Köln, 6. August. (Gerunglückt.) Bei dem Ge—
dränge der hier zusammen gekommenen Menschenmasser
aus Ansaß der Ankunft Zeppeltins hat sich ein Unglücks—
fall ereignet. Tie Gattin cines Gocdwarenhändlers aus
Borbeck, die im Hauptbahnyofe einen bereits im Gange
befindlichen Zug besteigen wollte, kam zu Fall. Ein Rad
ging ihr über die Bruft. sodaß der Tod auf der Stelle
eintrat.
* Köln, 6. August. Geamtenbestechung.) Noch
ist die Untersuchung in dem großen Akten-Verrats- und
Bestechungs⸗Prozeß gegen den Rechtskonsulenen Rosen
baum und eine Anzahl von Schutzleuten und Gerichtsbe
amten nicht abgeschlossen, und schon ist die Behörde einen
neuen Bestechungs-Affäre auf die Spur gekommen. Es
handelt sich um die Bestechung von Beamten im aroßen
Spieler-Prozeß.
* Düsseldorf, 6. August. Soldat und Unter—
offtzuer.) Unter der Antlage der Beleidigung
stand vor dem hiesigen Kriegsgericht der Füsilier Holt—
von der fünften Kompanie des 39. Infanterie-Regiments
Er hatte von dem Unteroffizier Becker behaup—
tet, dieser habe einen Korb mit Militärbroten entwendet
und aus der Kaserne geschafft. Der als Zeuge vernom—
mene Unteroffizier bezeichnete in bestimmter Weise die ge—
gen ihn erhobene Beschuldigung als unwahr, doch wurde
deren Richtigkeit durch die Beweisaufnahme dargetan.
Der Vertreter der Anklage brandmarkte das Verhalten des
Anteroffiziers, für den die Verhandlung noch ein recht
mangenehmes Nachspiel baben dürfte. als ein infames;
er sei bereit esen, eine unwahre Aussage zu be
schwören und einen unbescholtenen Soldaten ins Gefäng—
nis zu bringen. Ver Angeklaate Holte wurde äreiae
sprochen.
* Neusz, 6. August. Tot aufgefunden.) In
der Nähe des Reulschenberger Busches wurde auf der
Neuß-⸗Koölner Bahnstrecke die Leiche eines etwa 40jähri—
gen Mannes gesunden. Der Getötete wurde nicht erkannt
Zu seiner Ertennung wird namentlich beitragen könner
ein bei ihm gesfundener Posteinlieferungsschein, der ir
Büderich, Kreis Mörs, abgestempelt ist und dessen Adresse
G. Fischer in Düsseldorf lautet. Man nimmt an, daß es
sich um einen Selbstmörder handett. Der Kopf ist von
Atumpf getreant, ein Bein und ein Arm waren abgefahrer
* Essen, 6. August. Bierpreis-Erhöhung
Der Verband rheinisch-westfälischer Brauereien beschlo
einstimmig einen Preisauischlag von 4 Mark ab 15. Augusi
* Trier, 6. August. (GGatte n mor d. In den
Saardorfe Lisdorf erstach ein Bergmann seine Frau, di
einen ihren Sohne bestimmten Messerstich abwehren wollte
* Fraukfurt, 6. August. (Eifersuchtsdrama.
Heute früh drang cin Chinese, der von Berlin hierhe
gereist war, in die Wohnung der Artistin Rosa Hofmann
Zeil 144416 im vierten Stock, mit der er bis vor kurzen
in Berlin ein Leebesverhäl nis hatte, gab zwei Schüss
auf das Mädchen ab, die sie in der Herzgegend trafe;
und ihren sofortigen Tod herbeiführten. Als die Logis
frauHillmann zu Hisfe eilen wollte, richtete der Chinei
auch die Waffe gegen die Frau, sodaß sie flüchtig ger
mute. Hierauf erschoß er sich in der Wohnung des Mäd
hens selbst. Es liegt Eifersucht vor, da das Mädchen mi
dem Künftlernamen Musselli hier auf der „Ila“ mit ei
nem Fapaner oin Liebesverhälstnis eingegangen war.
Aus aller *xvelt.
* Vergiftete Rouladen. Nach dem Genuß von Rou—
laden-Fleisch sind in dem Berliner Vorort Rummelsberç
9 Personen an Vergiftungserscheinungen erkrankt. Bei ei
ner Person verschlimmerte sich der Zustand derart, daf
sie ins Krankenhaus gebracht werden mußte.
* Unterschleife. Nach längerer Untersuchung durch
die Berliner Kriminalpolizei sind auf der kaiserlichen.
Werft in Danzig Unterschleife entdeckkt worden. Bishe
vurde der Werstbuchführer Ewert verhaftet. Auch wurden
n einem Werft-Magazin Wertvolle Apparate und Maie
rialen versteckt aufgefunden. Die betrügerischen Manipu
ationen wurden so vorgenommen, daß Waggons mi
nmehr Kupfer und Eisen veriandt wurden. als deklarier
waren.
* Frecher Diebstahl. Aus Halle wird gemeldet: Zu
jälter, die sich bei einem nächtlichen Gelage einem Fri
eur gegenüber als Kriminalbeamte ausgaben, nahmien.
ziesem seine Brieftasche mit 2000 Mark ab. Die Diebe
wurden aber erwiicht und noch 400 Mark bei ihnen vor—
gefunden. W——
*Rekord eines Unterseebootes. Das Unterseebooi
dwalen, welches von Italien auf Rechnung der schwedi—
chen Marine erbaut wurde, hat während der amtlichen
Versuchsfahrten cinen neuen Weltrekord aufgestellt. Es
»lieb 72 Stunden unter Wasser und legte eine Strecke von
1500 Kilometer bei stürmischer See und ohne Bealeitun—
uUrück. Gs fand ftenn Aufenthal statt
Brandungiuckt.... sxrrftoörte in Vte
räm bei Antwerpen eine Häckselfabrik. Bei den Löschar—
beiten stürzte eine Mauer ein, wobei vier Feuerwehrleuti«
verschüttet wurden. Drei konnten nur als Leichen gebor
gen werden; der vierte erlitt schwere Verletzungen.
* Schiffsunfälle. Die englische Handelsflotte hat eine
Anzahl von Schiffsunglücken zu verzeichnen. Der Dampier
„Maori“ ist auf der Fahrt von Kapstadt nach Neufeeland
untergegangen. Die Mannschaft bestand aus 60 Mann,
von denen ein Teil gerettet wurde. Es waren meist Lon
doner. — Die Besorgnis, daß der Dampfer „Waratah“
der sich mit 300 Personen auf der Fahrt nach Kapfstadt
befand, doch untergegangen sein könne, steigt, nachdem
alle auj die Suche ausgegangenen Schiffe zurücktekommen
sind, ohne eine Spur von ihm gefunden zu haben. —
Ein weiteres Telegramm aus St. David meldet, daß ein
großer Viermaster-Dampfer auf einem Felsen in der Nähe
von North-Bishops fsestsitzt. Es handelt sich um den bri—
tischen Dampfer „Langton Grainge“.
*Die Blutrache. Die Beschießung des italienischen
Dampfers „Jolanda“ durch Albanesen ist nun aufgeklärt;
auf dem Dampfer hatten sich zwei Albanesen vor Blui
rache geflüchtet und wurden von den nacheilenden Ver
folgern beschlossen, wobei ein Albanese, ein Kind und eir
Maschinist verwundet wurden
Neunues aus dem Reiche der Lüfte.
* Dauerfahrt des „Groß 2.“ Das Miütärluftschif'
„Groß 2* ist nach sechzehnstündiger Dauer
fahrt auf dem Tegeler Schießplatz gelandet. Der Zwec
der Fahrt des Lustschiff „Groß 2“ war eine Uebungs
und Prüsungsfahrt. Der Verlauf der Fahrt war folgen
der: Um 11 Uhr 20 Min. Abfaqhrt bei schönem klaren
Wetter über Jüterbog, Wittenberg, Bitterfeld, Halle, Mer
seburg und Naumburg. Von Apolda an legte sich be
Tagesgrauen dichter Nebel auf die Vorberge des Thürin
ger Waldes, sodaß die Absicht, weiter zu fahren, aufge
geben wurde und ohne Sicht der Erde das Lustschiff nach
dem Kompaß nach Berlin zurückgesteuert werden sollte
Hierbei mußte gegen den Wind angefahren werden. Es
gelang, fast dieselben Orte wie auf der Hinfahrt zu pas—
sieren. Auch besserte sich das Wetter, so daß ab und zr
einzelne Stadte, z. B. Halle, erkannt werdaan konnten
Das Lust chiff kehrte nach 168 stündiger Fahrt wohlbehal
ten zurück. Die Landung zog sich etwas in die Länze
da das Lustschiff aus 1300 Meter langsam in spiraler
Wendungen zur Erde gebracht werden mußte.
* Der vielbeschäftigte Bleriot. Aus Paris wirt
gemeldet: Nach eigener Angabe hat Bleriot bis jetzt 48
Apparate seines Systems in Auftrag erhalten, die sämt
lich vor Ende dieses Jahres abzuliefern sind.
* Englands Lenkbarer. Das englische lenkbare Luft
schiff „Baby“ hat zwei Stunden über Farnborough ma
növriert Die Veriuchsfahrten verliefen günstig.
Gerichtszeitung.
* 176. Oberst Geyer wurde wegen Vergehen gegen
s 176 vom Friegsgericht der 10. Division in
Posen zu neun Monaten Gefängnis und
Dienstentlassuna verurteilt Er leate Beruf—
ung ein.
s Ein sonderbarer Geisterspuk bildete den Gegen—
stand einer Verhandlung vor dem Schöffengericht in
Schönberg in Mecklenburg. Die Anklage richtete sich ge—
gen die Bahnarbeiterfrau Oldenburg aus Herrnburg, die
von der Großherzoglichen Landvogtei in Schönberz we—
gen groben Unfuges mit einem Strafmandat von zehn
Mark bedacht worden war und dagegen gerichtliche Ent—
scheidung beantragt hatte. Der grobe Unfug war darin
erblickt worden, daß Frau O. das Gerücht verbreitet hat—
te, in ihrer Wohnung spuke es. Die Folge war, daß sich
vor ihrem Hause täglich Hunderte von Neugierigen an—
sammelten, die sich von dem Spuk überzeugen wollten.
Die Angeklagte gab zu ihrer Rechtfertigung an, daß seit
Gründonnerstag dieses Jahres in ihrer Wohnung „Dinge
passiert seien, die sie sich nicht habe erklären können“. So—
bald sie am Abend zu Bett gegangen sei, habe es unter
dem Bett gekratzt und stundenlang geklopft, auch sei die
Bettdecke, obwohl sich die Frau ganz ruhig darunter ver
halten, in die Höhe gegangen und sei schließlich gehüpft
Diese geheimnisvollen Erscheinungen hätten sich auch in
Gegenwart von Zeugen wiederholt und erst, als sie auf
Anraten eines Nachbarn zur Bannung der bösen Geister
Kreuzdorntee getrunken habe, wäre der Spuk verschwun—
den. Die geladenen Zeugen bekundeten unter ihrem Eide,
daß sie a le Eimzelheiten, die ihnen Frau O. von dem
53put erzählt habe, durch eigenen Augenschein bestätigr
jefunden hätten. Hierauf beantragte der Amtsanwalt die
Freisprechung, da die Angeklagte anscheinend überzeugt ge
wesen sei, daß übernatürliche Mächte im Spiele seien. Das
Rericht ach die Angef'sgate kostenlos frei.
Telegramme.
Köln, 7. Aug. Vie Fahrt des in den nächsten Tager
fertiggestellten „Z. 3“ von Friedrichshafen nach Berlin wird,
wie nunmehr festgesetzt iftt, am Somstag, den 28. August.
exfolgen. Der Kasser wählte den Taa mit Rücksicht auf die⸗
Schuljugend.
Leipzig, 7. Aug. Die Lufischifflinie Leipzio⸗Frank—
furt erscheim gesichert, da einige Großindustrielle 5 Millionen
Makk g'zeichnet haben. Man erwartet jetzt von der Stadit
Leipzig, daß sir einen Landungsplatz kostenlos zur Verfügung
stellt. Es soll bereits die Lindenauer Miese in Aussicht ge—
nommen sein.
Duͤsseldors. 7. Ase. Der Feldwebel Grob von der
11. Kompagrie des 39. Infanteris⸗—egiments ist nach Unter⸗
schlagung von 15 000 Mark amtlicher Gelder fluchtig ge—
worden.
Dortmund, 4. Aug. In Rümmingen wurde ein aul
dem Felde arbeitender Knecht und in Stokum eine an der
Nähmaschine sißende Frau vom Blitz erschlagen, ein Kind er—
litt Brandwunden.
*Berlin, 6. Aug. Prinz Eitel Friedrich hal
den durch den großen Brand in der Gemarkung Prexrow
Geschädigten 1000 Mark überweisen lassen. Prinz Eitel
Friedrich besitzt bekanntlich in der Gemarkung Prerow eir
Gut.
* Posen, 6. August. In dem Militärgerichtshaus be—
gann die Gerichtsverhandlbung gezen den
Obersten Geier vom 155. Infanterie-Regiment we—
gen Vergehen gegen 8 176. Zu dem Termin sind 34
Zeugen, sämtlich aus Kolberg, geladen, darunter 12 Kin
der. Vor Beginn der Verhandlung wurde die Oeffentlich⸗
keit für die ganze Dauer der Verhandlung, auch für die
BPresse, ausgeschlossen. — —
FPetersburg, 6. August. Wie die Blätter melden
yal die Marineverwaltnng beschlossen, eine Flottille aus
Torpedo⸗ und Kgnonenbooten im Kaspischen Meer zu
schaffen. Diese neue Flotiengrundung wird mit den Er—
eignissen in Persien, die in maßgebenden Kreisen als ernsi
angesehen werden, in Zusammenhang gebracht.
* Belgrad, 6. August. Ex-⸗Kronprinz Georg hat ge—
gen den Oberrichter Radivgevias, welcher anläßlich der
Verhandlung gegen die Zeitung „Zvono“ das Verhalten
des Ex-Kronprinzen aufs ichärfiste getadelt hatte. Belei—
ifundstsoge orhohon