Zeppelin.
Man hat schon wiederholt den Fleiß und die Aus
dauer der Zeppelinschen Monteure und Ingenieure her
vorheben können. Bei den Reparaturarbeiten in Frank—
furt haben sich diese Eigenschaften wieder sehr glänzend
dewährt. Am Mittwoch früh trafen die Ersatzteile aus
Friedrichshafen ein und Abends lag das Luitschiff schon
wieder flugbereit. Graf Zeppelin hat nun auch keinen Au
genblick gezögert, die große Fahrt nach Könn am Don—
nerstag Morgen anzutreten und zwar bereits kurz nach
14 Uhr. Der Aufstieg ging wie immer in der denlba—
ruhigsien Weise vonstatten. In wenigen Minuten schwebt
der Ballon sicher und ruhig über dem Ausstellungsgelände
Ein letztes „Gute Fahrt“, der trotz der frühen Morgen
stunde zahlreich versammelten Zuschauer, und der große
Vogel entschwand den Blicken der Frantfurter. Graf Zep
pelin hat den kürzesten Weg gewählt, damit die Ankunfit
in Köln schon gegen Mittag erfolgen kann. Jest fliegt
er wieder und zwar mit günstiger Witterung, sieagreich sei—
nem Ziele zu.
Zeppelin auf der Fahrt nach Köln.
Wir geben nachstehend die uns vorliegenden Meldun
gen über die Fahrt wieder:
Frankfurt a. M., 5. August. Der Aufstieg des
„Z. 2“, der heute früh 4 Uhr 40 Min. ersolgte, ging
zlatt von statten. Das Schiff schlug zunächst nordöstliche
Richtung ein, machte dann eine Schwenkung über dem
Rebstöcker Walde. Das Schiff, das ruhig und elegant
schwebte, war noch einige Zeit sichtbar. Graf Zeppelin
wahlte heute die direkte Linie Niedernhausen-Limburg
Das Wetter ist günstig. Trotz der frühen Morgenstunde
hatte sich schon von 3 Uhr ab ein zahlreiches Publitum
eingefunden.
Hattersheim, 5. August. Bei herrlichem Wet—
ter fuhr Zeppelin 2 heute morgen kurz nach 5 Uhr über
Münster und Kelkheim an der Königsteiner Bahn und ver—
schwand in der Richtung nach Limburg hinter dem Ka—
vellenberg bei Hofheim.
Limburg a. d. L., 5. August. Zeppelin fuhr
um 6 Uhr 20 Minuten in schneller Fahrt in füdwestlicher
Richtung über unsere Stadt.
Bingen, 5. August. Während das Zeppelinsche
Luftschiff auf seiner Fahrt nach Köln hier vergebens er—
wartet wurde, passierte es nach 6 Uhr morgens Limburg
und setzte von dort die Fahrt die Lahn entlang fort. Um
7 Uhr kam das Lustschiff bei Koblenz in Sicht und suhr
rheinabwärts weiter. In Koblenz war eine große Men
schenmenge versammelt, um das Luftschiff zu sehen, dochk
war die Aussicht durch Nebel beeinträchtigt.
Bad Ems, 5. August. Das Lutftschiff Zeppelin?
zat 6.25 Uhr in flotter Fahrt Ems überflogen.
Neuwied, 5. August. Das Luftschiff „Z. 2* pas—
sierte um 7 Uhr 23 Min. die Stadt, war aber wegen des
dichten Nebels nicht zu sehen, sondern nur an dem Sur—
ren der Propeller erkennbar.
Remagen, 5. August. .„3. 2“ überflog 7 Uhr 30
Minuten die Stadt.
Bonn, 5. August. Das Luftschiff „Z. 2“ hat Bonn
7 Uhr 50 Min. bei starkem Nebel passiert.
Köln, 5. Auzust. Das Luftschiff „Z3. 2“ ist um 8.30
Uhr vom Schießplatze Wahn aus gesichtet worden.
Köln, 53. August. Um 8 Uhr 55 Min. wurde „8
2 hier in Köln gesichtet, lenkte jedoch nach Düren ab
Am 10 Uhr 15 Min wurde er in Blatzbeim bei Düren
gesehen.
Köln, 5. August. „Z. 2“ hat um 10 Uhr 50 Min.
von Düren kommend das Weichbild der Stadt unter be—
geisterten Jubelrufen einer unermeßlichen Menschenmenge
in eleganten Kurven und Schleifen überflogen und um
kreifte den Dom verschiedene Male. Danach begab er sich
zur Landungsstelle, wo er 11 Uhr 15 Min. glatt nieder
ging. Um 11 Uhr 40 Min.wurde „Z. 2“ in die Land
unasholle in Bickendorf glatt eingebracht.
Die Ankunft in Köln
Die Meldung “ ver b
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reien Himmel, und dem laren, fsonnigen Wetter
ieht man deutlich, wie die Insassen der Gondel durch
Tücherschwenken die dargebrachten Ovationen erwidern
zchließlich schwebt es in etwa 100 Meter Höhe über dem
zäusermeer der Stadt, von der in den Straßen sich drän
senden Menschenmenge stürmisch und begeistert begrüßt
Immer näher kommt es dem Landungsplatze und das
Zurren der Propeller wird immer hörbarer. Plötzlich
ind schnell schießt das Schiff, den Steuern gehorchend
zer Halle zu. Hurrarufe durchbrausen die Luft, die Ta
chentücher und Hüte werden geschwentt. Die Musik spiel!
„Deutschland, Deutschland über alles!“ und die Menge
timmt begeistert ein. Plötzlich verstummt das Surren
»er Propeller, die Motore sind abgestellt. Militär fängt
die aus dem Lusßtschiff herausgeworfenen Seiler auf und
zieht den Riesenvogel zu Boden, um ihn in seinen großen
Zäfig, die Ballonhalle, zu führen. Alles geht mit gro—
zer Leichtigkeit. Die zuschauende Menge ist erstaunt. Gras
Zeppelin wird in Empfang genommen und nur mühsam
ann sein Automobil sich Bahn brechen, die Kölner wol—
en ihn nicht lasien.
Der Kaiser wurde von der glücklich erfolaten Lan—
zung in Kenntnis gesetzt.
Die Militärbehörde veranstaltete zu Ehren
Zeppelins im Offizierskasino ein Festmahl, an dem
ruch die Spitzen der Zivilbehörden Leilnahmen. Die Fest—
timmung hat ihren Höhepunkt erreicht und zahlreiche
Fremde sind anwesend, da der Zeppelin⸗Tag zufaͤllig mi
der Veranstaltung des eucharistischen Kongresses zusammen—
rifft. —Der Graf nahm beim Beigeordneten Laue vor—
cuig Wohnuna.
— — —
Aus aller Welt.
* Eulenburg. Von dem Rechtsbeistande des Fürsten
Fulenburg wird mit Bezug auf die von anderer Seite
gemeldete Absicht Eulenburgs, zu verreisen, mitgeteilt, daß
der Zustand des Fürsten derart ist, daß er nicht in der
Lage ist, eine Reise zu unternehmen. Er liegt seit eini—
ger Zeit andauernd im Bett. Bei dieser Gelegenheit wird
darauf hingewiesen, daß Fürst Eulenburg weder Memoi—⸗
ren geschrieben hat, noch bei seinem Zustande in der
ist, sosche zu schreiben, wie er überhaupt auch nicht die
Absicht hat, dies jemals zu tun.
* Das achte Opfer. Die Katastrophe auf der Rad—
rennbahn Botanischer Garten hat ein weiteres Menschen—
eben gefordert, womit die Zahl der Opfer auf 8 steigt.
Im Elifsabethen-Krankenhaus ist der Diener Christian
Ss„chmidt seinen bei der Katastrophe erlittenen Verletzungen
erlegen. Er hatte einen doppelten Beinbruch erlitten und
eine hinzugetretene Bluwergiftung führte den Tod herbei.
* Familieuvrama. In Görlitz versuchte ein Arbeiter
seine ganze Familie zu vergiften. Er mischte Arsenik in
den Morgen-Kaffee. Seine Frau, zwei Söhne, eine Toch—
ter und ein Arbeiter find teils schwer, teils leichter er—
krantt. Der Täter wurde verhaftet.
* Bleriot, der siegreiche Kanalflieger, bestätigte, daß
er von der Frankfurter Luftschiffahrt-Ausstellung eine
Einladung erhalten habe. Da er indessen zur Zeit sehr
beschäüftigt sei, wäre es unwahrscheinlich, daß er sie anm
nehmen könne
— e— —
Gerichtszeitung.
8 Hochstabler⸗-Prozefsz. Das Dresdener Landgerich
fällte das Urteil gegen die Witwe Lehmann, die als
Baronin Münchhausen zahlreiche Hochstapebleien
verübte und gegen ihren Geliebten, den Musiker Könen.
Das Urteil lautete gegen die Lehmann auf fün
Jahre Gefängnis und 5 Jahre Ehrverlust, Könen er
hielt ein Jahr und 10 Monate Gefänanis und 3 Jabr—
Ehrverlust.
SEin Greuel weniee
der Sergeant 2
Bauschlossereien ausheot. Wenn die Aussperrung in Xrart
getreten ist, wird der Lohnkampf der Berliner Schlosser
aahezu 6000 Arbeiter in Mitleidenschaft ziehen.
— Das Ende des Streiks. Die seit einigen Wochen
streikenden städtischen Arbeiter in Kiel haben sich zur
Wiederaufnahme der Arbeit unter den alten Bedingungen
bereit erkläri. Die von ihnen gewünschte Wiedereinstell
ung aller Streikenden ist ausgeschlossen, da 200 neue
Arbeiter jest angenommen sind.
ECtue große Feuer-Katastrophe.
A
—
2597 S.
— J
——
*
Alljährlich findet in Dresden eine acht Tage
dauernde Volksbelustigung auf der sogenannten Vogel
wiese statt. Am Montag abends gegen 6 Uhr brach in
einer der aufgestellten Buden ein Feuer aus, das mit
ungeheurer Schnelligkeit unter den leichten Holzhäusern
um sich griff. Unter dem anwesenden Publilum entstand
eine große Panik, sodaß 60 Personen versetzt wurden
Erst spät in der Nacht konnte die Feuerwehr den Brand
löschen. Das obere Bild zeigt die Ueberreste der abge—
brannten Buden, nur die Holzsäulen zeugen von der ver
schwundenen Herrlichkeit, die hier noch vor wenigen Stun—
den Tausende von Menschen anlockte. Auf dem unterer
Bilde sieht man die eisernen Ueberreste eines Karnusse
Vermisechtes.