Full text : Dudweiler Zeitung

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* Der Zar besuchte in Begleitung König Eduards das
Osborne House in London und besichtigte die See-Kadet
ten⸗Anstalt. Der Zar war, wie es heißt, von den Ein
richtungen der Ansialt sehr entzückt und verweilte längere
Zei, dort. Nach der Besichtigung fuhren der Zar und der
Fönia in geschlossenem Wagen nach Cowes.
Vom Balkan. 2
*,„Petit Parisien“ meldet aus Konstantinopel: Die Pforte
hat nunmehr in Griechenland das direkte freundschaftliche
Ersuchen gestellt, die bei der kretischen Milinz und
Gendarmerie in Diensten ftehenden griechischen Offiziere
zurückzuberufen. Griechenland antwortete, daj
diese Zurückberufung nur auf Wunsch der vier Schutz
mächte erfolgen könne, welche zur Entsendung der Ofjfi—
ziere nach Kreta ihre Zustimmung gegeben hätten. Nun
mehr wird die Pforie eine energische Aufforderung in
angegebenen Sinne an Griechenland richten. 4
Abessinien. *
æ Wie in Rom verlautet, haben EngLland, Frank
re ich und Jtalien für den Fall des Ablebens
des Negus Menelis von Abessinien eine gemein—
fame Aklion zur Wahrung ihrer Grenz-Interessen mit
Abessinien vereinbart. Da das Abkommen nur bei einem
Konflikt mit Menelits Nachfolger praktische Bedeutung ge
winnen könnte, so scheint man sich bereits jetzt über die
Teilung der Inieressensphäre in Abessinien selbst geeinig
z2u haben.

Moderne Mitrailleusen.
Die Franzosen hatten sich bei Beginn des Feldzugesẽ
1870-4871 von den Mitrailleusen eine außerordentlich
große Wirkung versprochen. Sie blieb bekanntlich aus und
die gefürchteten Mitrailleusen, welche die anstürmende
feindliche Infanterie reihenweise niedermetzeln sollten,
wurden ein Gegenstand des Spottes. Sehr mit Unrecht,
denn das Prinzip, das ihnen zugrunde lag, war richtes
und gut, nur die Technikhatte noch nicht die ent prechende
Form gefunden dafür. In den Maschinengewehren, mit
denen jetzt alle modernen Heere ausgerüstet werden, hat
die verlachte und verspottete Mitrailleuse eine Nachfolaexin
aefunden.
Ueber die Einführung der Maschinengewehre in der
deutschen Armee und in den Heeren anderer Länder wird
oon fachmännischer Seite folgendes geschrieben:
Seitdem der russisch-japanische Krieg die volle Brauch—
barkeit der neuen Wasse erwiesen hat, haben die Groß—
mächte die Ausrüstung ihrer Heere mit diesem neuen
Friegsmittel zwar in aller Stille, aber mit desto größe
rem Eifer betrieben und zwar in einem Maße, das noch
nicht allgemein bekannt ist. Auch Deutschland hat sich
dem Vorgang der anderen Mächte anschließen müssen. Ue—
ber die in dieser Richtung im deutschen Heere geirofsenen
Einrichtungen herrschen noch viele Unklarheiten. Zunächs
muß man zwischen Maschinengewehrabteilungen und Ma—
schinengewehrkompanien unterscheiden. Nur die ersteren
sind etatsmäßig und gesetzmäßig festgelegt. Sie bestehen
schon seit längerer Zeit. Wir besitzen deren 16. Die Ge—
wehre sind mit vier Pferden bespannt, werden vom Sat
tel aus gefahren und bestehen aus Lafette und Protze.
Alle Bedienungsmannschaften sind beritten. Dagegen sind
die Maschinengewehrkompanien noch nicht etatsmaͤßig, sie
sind nur provisorisch aufgestellt und ihre Mannschaften sind
dem Etat anderer Truppenteile entnommen. Die Gewehre
sind leichter gebaut, nur mit zwei Pferden bespannt, wer—
den vom Bock aus gefahren und sind nicht zum Abprotzen
eingerichtet. Die Bedienungsmannschaften gehen zu Fuß.
Während die Abteilungen eine Waffe in der Hand des
höheren Führers sind, sind die Kompanien lediglich der
Infanterie angegliedert, sie stellen eine Hilfswaffe dersel
ben dar und bilden die 13. Kompanie des Infanterie-Re—
giments. Im Kriegsfall sollen die Abteilungen den Ka—
vallerie-Abteilungen zugeteilt werden, die Kompanien ver
bleiben dem Regiment, dem sie schon im Frieden zuge—
teilt sind. Bis zum 1. Okltober 1908 besaßen wir 17 der⸗
artige Kompanien, seitdem sind weitere 33 aufgestellt, so
daß wir jeht 50 besitzen. Es ist anzunehmen, daß die
weitere Aufstellung in demselben Maße erfolgen wird, so
zaß wir in diesem Herbst über 80 Maschinengewehr-Konv
verfügen können.
Stagaten sind verhältnie?5ig viel wer
— im rus⸗

* z*4 *
usolitische Rundschau.
Deutsches Reich. —
* Seit der Veoröffentlichung der neuer
Steuergesetze werden dem Vernehmen nach Beleuch
bungsmittel verschiedener Art, namentlich aber auck
Glühstrümpfe, von den Inhabern kaufmännische!
und gewerblicher Betriebe, von Kommunalen und ande
ren Verwaltungen in ungewöhnlich großen Mengen ein
gekauft. Diesem Vorgehen scheint ein Irrtum über die
gesetzliche Verpflichung zur Nachbesteuerung der
am 1. Oktober d. J. bei den Konsumenten vorhandenen
Vorräte zu Grunde liegen. Wenn nach dem Wortlaute des
Besetzes diejenigen Vorräte von der Nachversteuerung be—
freit sind, welche dem eigenen Haushalte des Besitzers
dienen, so sind darunter doch zweifellos nur die Vor—
räte für den Bedarf privater Haushaltungen zu verstehen
Dagegen werden nicht nur die bei Händlern vorhandenen
zur Veräußerung bestimmten, sondern auch andere Vor—
räte von Beleuchtungsmitteln, also z. B. die zu gewerb.
lichen Verwaltungs⸗ und öffentlichen Zwecken dienenden
Beleuchtungskörper der Nachsteuer unterworfen. Sie müs—
jsen daher zur Vermeidung der gesetzlichen Strafen zur
Nachsteuer angemeldet und versteuert werden. Bei einer
Vorversorgung für längere Zeit würde hiernach den Be—
eiligten keineswegs der erhoffte finanzielle Gewinn, son—
dern, wegen der Notwendigkeit, den esapien Vorrat au
rinmal zu versteuern, nur ein Nachteil erwachsen.
*Die amtliche Untersuchung über die Vor—
zgänge in Mielezin ist abgeschlossen. Ein amt
licher Bericht über die Untersuchung liegt noch nicht vor.
Trotzdem hat sich ergeben, daß bei den Bestrafungen tat
sächlich das Maß des Erlaubten weit über
schritten wurde. Es mag wohl richtig sein, daß mit
dem in der Anstalt untergebrachten Maierial mitunter et—
was schwer fertig zu werden; aber Prügel, Mißhandlung
und Fesselung müssen unter allen Umständen unterbleiben
namentlich die groben Ueberschreitungen des Züchtigungs
rechts, die in der Anstalt vorgekommen sind, sind aufs
avfita 2u vexurteilen
* Die „Börsenzeitung“ meldet aus ficherer Quelle, das
wischen Rußland und Deutschland ein kleinen
Breuzkonflikt schwebt. Zwischen Soldaten der russi
schen Grenzwache und einem deutschen Grenzjäger kam es
zu einem Zusammenstoß auf deutschem Gebiet, wobei der
russische Soldat den deutschen für einen Schmuggler hiel:
und ihn entwaffnete. Die deutsche Regierung hat durch
ihren Vertreter in Petersburg den Vorfall zur Kenntnis
der russischen Regierung gebracht und gleichzeitig vorge—
schlagen, den Fall dem Haager Schiedsgericht zu unter—
breiten. Dieser Porscag hat aber in Petersbura keine
ünstige Aufnahme gefunden..
* ne e Maxim, der das „Knallose
Bewehr“ erfunden hat und diese seine Erfindung un
änct in England, Frankreich und Deutschland — in Te—
Norsia — vorführte, hat, wie aus New⸗York ge—
grokent Erfolge seine Erfindungç
2 demer

Türker.
* Großwesir Hilmi Pascha erllärte in der Kammer,
daß die Türkéi sich weder dem Dreibunde noch der
Tripel Entente Englands, Frankreich und Rußland an
schließen, sondern zwischen diesen beiden europäischen
Gruphierungen völlige Neutralität bewahren werde. E
ετ- Die Reichsseinnahmen.
Die Angaben über die hauptsächlichsten Einnahmen
des Reichs im ersten Vierteljahr 1909 werden jetzt be—
kannt gegeben. Zölle, Steuern und Gebühren mit rund
303,5 Mill. M. haben 2283 Millionen mehr, als der
Etatsansatz vorsah, gebracht. Die Branntweinverbrauchs—
abgabe betrug über 7, die Zuckersteuer nahezu 6 Millio—
nen Mark über den Etatsanschlag. Die Börfensteuer hat
2,5 Mill. M. mehr abgeworfen. Aber auch einige von
den sogenannten neuen, d. h. den im Jahre 1906 be—
willigten Steuern, haben bessere Erträge aufzuweisen, so
die Zigarettensieuer einen Ueberschuß von 0,3 Mill. M.
desgleichen die Kraftfahrzeugstener, die Tantiemensteuer —
allerdings in der günstigsten Zeit von 1.2 und die Erb—
schaftssteuer von 0.6 Mill. M. Die Etatsanjätze nicht
erreicht haben die Z511e mit nahezu 6 Millionen, die
Maischbouichfteuer, die über 4 Mill. M., die Brausteuer,
die nahezu 3 Mill. M., die Fahrklartensteuer, die 1 Mill
Mark weniger ergab. Der Rest der Fehlbeträge entfällt
auf die übrigen Steuern. Bei der Postverwalt—
ung ist die wirkliche Einnahme in Höhe von 151,4 Mill.
Mark hinter dem vierteljährlichen Etatsansatzdurchschnitt
von 168,1 Mill. M. um 16,7 Mill. M. zurückgeblieben,
und ie Reichsseisenbahnverwaltung, die
— 30.8 Mill. M. aufbringen sollte, hat nur
M. weniger eingebracht. Da diese
rund 17 Mill. M. Ausfall ab—
—»rgebnis aus den
en Erträge der Aus—
noch arn
            
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