Full text : Dudweiler Zeitung (22.1909)

tenn zu mannenn, geraoe zernt, wo nich die Sozialdemotrater
anschicken, die Auswetzung der Schlappe von 1907 vor
zubereiten. Auf der Generalversammlung der Stuttgarter
Henossen wurde die „Hofgängerei“ zum Gegenstande einer
iebhaften Debatte gemacht; allein es wurde nicht etwa
der gestellte Antrag angenommen, der das Vorgehen deir
sozialdemokratischen Abgeordneten bedauert, sondern man
zing einfach mit der Zustimmung einer Zweidrittelmehr—
heit zur Tagesordnung über

Heer und Flotte.
— * Das Linienschiff „Nafpau“ — der erp«
deutsche Dreadnought — geht auf der kaiserlichen Werst in
Wilhelmshaven seiner Vollendung entgegen. Das Schis—
unterscheidet sich äußerlich von den Linienschiffen der
Deutschlandklasse“ durch seine größeren Abmessungen, so
wie durch den Fortfall der Gefechtsmasten und eine?
Schornsteines. Dagegen fallen dem Beschauer sofort die
Panzertürme ins Auge. Nach den vor kurzem vom Reschs
marineamt veröffentlichten Angaben erhält das Linien.
schiff „Nassau“ als Armierung 40 Geschütze und zwar 15
28 Ztm., 12 15 Btm. und 16 8,8 ZBim. Schnelljeuer
geschütze. Die neuesten bisher im Dienst befindlichen Li
nienschiffe haben vier 28 31im., vierzehn 17 Ztm. unm
zwanzig 8,8 Ztm. Der Fortschritt besteht neben der Er—
weiterung des Deplacements in der erheblichen Verstärk—
ung der schweren Artillerie, die an Wirkung noch gewinn
durch ihre zweckmäßige Anordnung. Die zwölf 28 Ztm.
Geschütze sind paarweise in gepanzerten Drehtürmen si
mifgestellt, daß zwei Paar auf jeder Breitseite und je eir
Paar am Bug und Heck stehen. Hierdurch wird eine bes—
sere Feuerwirkung erzielt. —
Zeppelin.

Frankfurt, 4. August.
Aus Friedrichshafen sind Monteure mit
Reparaturmaterial am Mittwoch früh in Frankfurt einge—
troffen. Wit einem Personenzug wurde ein neuer Pro—⸗
pellerflügel mit Transmissionsstange für die Reparatur
am „Z3. 2“ nach Frankfurt gebracht. Die Reparamrarbei—
ten wurden unverzüglich in Angriff genommen.
An den Oberbürgermeister von Köln
hatte Graf Zeppelin folgendes Telegramm gerichtet:
 Bedaure mein Ausbleiben. Werde Wiederaufnahme
der Fahrt womöglich morgen melden.“ Der Oberbür—
germeister von Köln hat darauf telegraphisch ge—
antwortet: „Das Bedauern der Hunderttausende, die hier
nach erwartungsvollem Harren die Nachricht von der Um—
kehr Eurer Exzellenz vernahmen, wurde verdrängt von
der Freude, daß Euer Erxzellenz ohne Unfall Frankfurt
mieder erreicht. Glückauf zur neuen Fabrt!“ —
Die Reparaturarbeiten am „3. 2*sini
in erfreulicher Weise fortgeschritten. Das Aushängestück
in welchem Welle und Propeller ruhen, und das bei den
Abspringen des Propellers zerbogen wurde, ist bereit—
wieder anmontiert gewesen. Welle und Propeller (der
Propeller ist ein Ersatz vom „3. 39, sind nach einen
Maschinenfabrik zum Rachschneiden der Gewinde gebrach
worden. Man rechnet damit, daß die Reparaturarbeiter
Mittwoch Nacht beendigt sein werden, so daß der
Wiederaufstieg Donnerstag früh erfolgen könnte. Um di
Monteure, die seit der Absahrt von Friedrichshafen unun
lerbrochen tätig sind, ausruhen zu lassen, hat man aus
Friedrichshafen Spezialmonteure, die mit dem Alumi—
niumbau vertraut sind, nach hier kommen lassen. Es geht
war ein ununterbrochener Landregen nieder, doch hofft
man auf Grund der vorliegenden Wetterkarten, daß üich
Jas WWoefter im Laufe des Tages nmijklären mird

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Der kleine Führer Zeppeliuns. Im Carlton-Ho—
iel, wo Graf Zeppelin eben wohnt, erschien — so
erzählt ein Berichterstatter — cin einfach getleideter Mann
m den fünfziger Jahren, um den Grafen zu sprechen. Er
sagte, man solle den „kleinen Führer von 1870“ melden.
Der Graf empfing ihn und unterhielt sich mit ihm eine
halbe Stunde. „Der kleine Führer“ soll dem jungen Gra—
sen Zeppelin im Jahre 1870 bei dem berühmten Rekog—
osszierungsritt durch Zeigen eines Weges große Dienste
zeleistet haben, da Zeppelin dadurch den Händen der
Ldeinde entschlünft⸗

— —
Gerichtszeitung.
8 Absteigen von Straßeubahnwagen. Der Agenil
deinrich Kohl in Aachen war von einem langlam an die
daltestelle heranfahrenden Straßenbahnwagen abgesprur—
en und hatte ich dabei eine Verlezung zugezogen Seino

mir eines Teuus des vem zIlager enjtandenen Scyaden?
iufzuerlegen. Denn in erster Linie ist bei der Anwend
ung des 8 254 B. G. B. auf Unfälle beim Betriebe ei
er Eisenbahn entscheidend, inwieweit der eingetretene Un
all sich als eine Folge der diesem Betriebe eigenen Ge
ährlichleit oder als solche eigenen schuldhaften Verhaltens
»es Verletzten darstellt. Im vorliegenden Falle, wo der
zahnzug bereits ganz langsam fuhr, und der Kläger mit
Aherheit voraussehen mußte, daß er in kürzester Fris
Aa Wagen ohne Gefahr verlassen könne, und wo tlen
imstand festgestellt ist, durch den die allgemeine Betriebs.
jefahr erhöht worden wäre, tritt diese als Ursache des
ingetretenen Unfalls gegenüber dem eigenen umvorsichtigsen
 Verhalten des Klägers soweit zurück, daß es nicht
ls im Sinne von 31 des Haftpflichtgesetzes liegend er—
ichtet werden kann, dem Kläger einen Anspruch auf Er—
atz auch nur eines Teils des ihm erwachsenen Schadens
Uzusprechen.

Zur Lage in Spanien.
Nach einer Madrider Privarmeldung gelangte die Re
zsierung zur Kenntnis einer weit verzweigten Verschwör
ing, deren Zweck war, die Arbeiterschaft von Madrid.
Bilbao, Zaragossa, Alicante und anderer Industrie-Zent
en zu gemeinsamen Kundgebungen gegen die Regierung
u veranlassen. Als Tag der Demonstration war der 2
August ausersehen.
Die „Times“ meldet aus Madrid: Die Freilassung
des verhafteten sozialistischen Führers Iglesias und
anderer bekannter Republikaner, sowie die mildere Hand—
habung der Zensur weisen darauf hin, daß die Regierung
von der Wiederherstelluna der Ruhe im Innern über
zeugt ist

Die Kämpfe im Riff.
Der Pariser spanische Botschafter empfsing vom spa
nischen Minister des Aeußern ein Telegramm des Inhal—
tes, daß die Lage in Melilla, sowohl als ir
Barcelona befriedigend sei.
„Echo de Paris“ meldet aus Madrid: Es wird
versichert, daß Muley Hafid in seiner Antwort an
Spanien darauf besteht, daß Spanien sich aus seiner Po—
sition bei Melilla zurückzieht. Die spanische Regierung
müsse sich mit einer Maßregelung der Riffbewohner be—
gnügen. Eine weitere Genugtuung könne nicht stattfinden.
Der spanische Ministerrat wird sich mit dieser Frage be—
schäftigen. Es heißt, die spanische Regierung habe sich
über diesen Punkt mit Frankreich und England bereits
verständiat

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Vermischtes.
Das Spiel in Frankreich. Ueber die Leidenschast,
mit der in französischen Bädern und Kurorten dem Glücks
spiel gehuldigt wird, bringt das Pariser „Journal“ in ei
ner seiner letzten Nummern einen Bericht, aus dem her
vorgeht, daß das Gesetz von 1907, durch welches jedes
Hasardspiel aut dem Boden der französischen Republik und
in den Kolonien verboten ist, sich lediglich auf dem Pa—
pier befindet. In kleineren Städten wird freilich von den
Behörden strenge darau' gesehen, daß das Gesetz nichn
übertreten wird, aber in den Weltbädern, wo sich die rei—
chen Veute aus der ganzen Wer nicht zur Kur, sonderr
zum Zettvertreib aufhalten, besteht die Regierung so we—
nig auf der strengen Einhaltung ihrer Vorschriften, daf
sie sogar jedem Eigentumer oder Pächter eines Spielti—
sches eine Abgabe von 15 Prozent aller Reineinnahmer
auferlegt hat. In erster Linie wird in Frankreich wie
auch in der französischen Schweiz das Pferdchenspiel ge
trieben, und da die Einsätze sich selten über 20 —40 Sous
erheben, so beteiligt sich auch de. keine Mann mit Vor
liebe daran. Ganz anders freilich ist es in den erstklassi
gen Hotels und Restaurants, hier beherrscht die Spiel
karte das Feld, und bis in den grauenden Morgen sitzen
die vornehmen Leute bei Ecartee und Baccarat zusam—
men. Hier sind die Einsätze selbstverständlich unbegrenzt,
und so erklärt sich die auf den ersten Blick unglaublich er—
scheinende Tatsache, daß vom 1. November 1907 bis zum
31. Okltober 1908 in Frantkreich nicht weniger als 370
Peillionen Franks verspielt worden sind. Ein volles Vier—
sel dieser Summe ist allein aus dem Vierdchenspiel mü
seinen geringen Eins. . Das ist abe
nur die eine Seite der , S2ypie erleidenschaft
eben dem grünen Tisch simnd ra d9ot allem die Renn
plätze, auf denen der Tota itator augezähltes Ge!d ver
schlingt. Auch hier hat de Statisftit die Einsätze nachge
rechnet und ist dabei zu dem Erzebnis getommen, daß ir
dem erwähnten Zeitraum etwa 304 Millionen Franks ver
wettet worden sind. Rechnet man nun beide Summer
zusammen, so ergibt sich cin Gesamtbetrag von 674 Mil
lionen Franks, den Frankreich in einem einzigen Jahre
seiner zügellosen Leidenichaft für das Glücksspiel zum
Opfer gebracht hat.
Ein Kölner an Zeppelin. Die Kölner haben doch
gute Herzen! Graf Zeppelin hat die Erwartungsfreudi—
gen jetzt schon zum zwerten Male enttäuschen müssen, und
doch verlieren sie ihre gute Laune nicht, ja sie setßen so—
gar ihre Versfüßhe in Bewegung, um dem tapferen Luft,
fahrer ihre Teilnahme auszusprechen. Ein mitfühlender
Kölscher Jong hat dem Grafen Zevpelin fosgendes Trost
voem geischickt
Graf Zeppelin, was hast Du Pech:
Kommst heil zurück — willst wieder weg
Da bricht auch schon am Rebstockhügel
Ein ungeratner Schraubenflügel!
Ich find' die Sache gar nicht schlimm:
Wir Kölner haben ja „Benimm“
Und seh'n Dir gern den Unfall nach,
Wenn Dir nur weiter nichts zerbrach.
Ich sag's als Kölrcc, glaub' mir bloß:
Bei uns sind so viel Schrauben los.

Humoristische Ecke.
*Ein Trick. Schlome Pinkeles: „Was meinen Se.
herr Rechtsanwalt, wenn ich möcht' schicken dem Richter«
ettes Gansel als Präsent?“ — Rechtsanwalt: „Um Gos
es willen, Mensch, sind Sie verrüchkt? Wenn Sie so ei
nen Besiechungsversuch riskieren, liegen Sie doch von vorn
herein drin!“ — Pinkeles: „Nu, wenn Sie s besser ver
ttehen!“ — Schlome Pinkeles gewinnt als Beklagter den
Prozeß. Als ihm sein Rechtsanwalt das günstige Resul
tat mitteilt, schmunzelt er: „Also, was sagen Sie nu? Ich
hab' dem Richter doch zugeschickt das fette Gänsel!“ —
Anwalt: „Mensch, das haben Sie getan?“ — Pinkeles:
„Gewiß hab ich s getan, vloß beigeleat bab' ich die Wi
sitenkarte vom — Kläger.“
*zAnder Küste von Dover. Der General: Was
geschieht denn hier? — Offizier: Birnbäume werden ein—
gepflanzt. — Der General: Hier? Ja, wozu? — Oifizier
Wegen Zeppelin! — Der General: Ah! Weill!!!
5Schlau. „Wie können Sie nur bestehen, Herr Le
vye Ihr Konturrent da drüben hat alle Sachen in dem
Schau enster mindesiens um 1 M. billiger ausgezeichnet!“
— „Unter uns! Die Konkurrenz gehört mir auch. Wer
sich über meine hohen Preise ärgert, der kauft da
— — * *
            
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