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Wochen-Rundschauu.
Einige Stunden klarer Himmel und Sonnenschein und
dann wieder Regenwetter! so lautet auch im Anfang des
LAugust die Prognose. Das Wetter ist fortwährend unbe
tändig.
Unter dem unbeständigen Wetter hatte auch Graf Zep
zelin auf seiner großen Fernfahrt Friedrichshafen-Frank—
urt und Frankfurt-Köln arg zu leiden. Während auf der
ꝛrften Tour Zeppelins Schiff den Elementen seinen Wil—
en aufzwang, mußte es bei der zweiten Fahrt am ver
zangenen Montag nachgeben und nach der Landungsstelle
ruf der Frankfurter Ila“ zurückkehren. Der zweite Ver—
uch am Dienstag währte nur wenige Minuten, denn kurz
nach dem Aufstieg brach ein Propeller entzwei und fiel
nit großer Wucht herab. Die Reparaturarbeiten wurden
mit bewundernswerter Schnelligkeit ausgeführt. Trotz der
Niederlage bei Bonn bleibt Zeppelin ein Sieger, nicht als
Besiegter ist er nach Frankfurt zurückgekehrt. Das sagen
wir ohne Ruhmredigkeit und ohne Ueberschwang. Wir
wissen uns frei von jenem falschen Enthusiasmus, der sich
häufig in Chauvinismus kehrt, der aber auch eine falsche
Bahn einschlägt, wenn der „Erfolg“ ausbleibt, und der
dann zu dem ungerechten Urteil des Mißvergnügten führt,
dem nicht alles und jedes erfüllt wurde, was er erhofft
and ersehnt hat. Und dieses Urteil bleibt trotz des Miß—
geschicks bestehen, von dem der Zeppelinballon betroffen
vurde. Die Naturgewalten wird der Mensch sich nie—
nals vollständig untertan machen. Sein Bestreben muf
ein, sich ihnen anzupassen und das Mögliche zu erreichen.
Wenn man bedenkt, welche Hindernisse sich dem „3. 2
iuf seiner Fahrt entgegenstellten, wie er den Kampf mi
hnen aufnahm und endlich, als ein Vordringen unmög—
ich war, einen durchaus geordneten Rückzug antrat, dar
man dieser Tat seine Bewunderung nicht versagen. Auck
für den Kampiplatz der Lüfte, in dem die durch mensch
lichen Erfindungsgeist potenzierte Kraft sich mit den un
heimlich starken Mächten der Natur mißt, gilt die allbe
tannte strategische Erfahrung, daß in einem regelrechten
Rückzug, der die eigenen Truppen deckt und sichert, sick
zäufig eine größere Geschicklichkeit, Kunst und Ueberlegen
heit offenbart, als in einem durch die Gunst des Schick
sals und förderliche Zufälligkeiten ersochtenen Siege. Zep
pelin ist von jeher ein Pechvogel gewesen, aber er hat es
dennoch verstanden, der Liebling der Nation zu werden.
Alles jubelt ihm zu, wenn er sich mit ieinem Riesen in
ven Lüsften bewegt.
In der inneren Politik herrscht Ruhe. Kaiser Wil—
)eum wird mit dem Zaren in Kiel noch eine Unterred
ung haben, der jedoch jede Bedeutung abzusprechen ist,
iie bildet den Schlußstein der groken Rundreise des Herr—
ichers aller Reußen.
„Väterchen Zar“ war mit dem Präsidenten von
Frankreich, Fallieres, in der Nähe von Cherbourg zu—
ammen und hat sich sehr liebenswürdig gezeigt. Sogar
Volksvertreter wurden von ihm empfangen, denen er sich
als koustitutioneller Herrscher vorstellte. In Frankreich
selbst hat er sich nicht hineingewagt, wahrscheinlich wei
hm der Boden nicht geheuer schien. Zar Nitolaus ver—
ceist wenig, und wenn er es tut, verläßt er das Wasser
nicht, weil man ihm da nichts anhaben kann. In den
Trinfsprüchen der beiden Staatsoberhäupter wurde das
Bündnis zwischen Frankreich und Rußland gefeiert unr
man sprach viel vom Frieden.
Ebenso war es in den englischen Gewässern, wo der
rönig von England den Zaren empfing. Bemerkenswert
ist, daß auf beiden Seiten der Wert des Besuches der
Dumaabgeordneten so hoch eingeschätzt wurde. Vielleich
nat der »22 Gaiser in der letzten Zeit gelernt. daf
jedoch mussen diese Weldungen mit aller Vorsicht veyan⸗
delt werden, denn die spanische Regierung wacht mit ei—
ner strengen Zensur über jeden Bericht nach dem Aus
lande. Die Kämpfe im Riff, die schon so viele Menschen,
leben gefordert haben, dauern ungeschwächt fort und es
will scheinen, daß auch Muley Hafid, der Sultan von
Marokko, den Dingen nicht mehr tatenos zusehen
will. Er hat die spanische Regierung ersucht, die Kämpfe
einzustellen und die Truppen zurückzuziehen. Spanien
interhandelt inzwischen mit Frankreich und England über
diese Frage, deren Antwort schon von vorneherein fest—
teht. Die Kämpfe werden weiter dauern, sofern die Riff—
»ewohner nicht nachgeben. Ob dann Muley Hafid ein—
schreiten wird, bleibt abzuwarten. Wir glauben es kaum,
denn der Stern des neuen Sultans leuchtet auch nicht
mehr so glänzend wie anfangs und er wird wohl genug
zu tun haben, um seine Truppen den unzufriedenen Ein
zeborenen entgegenzusenden. Sein eigener Thron wird
ihm wohl näher liegen als das Schicksal der Riffleute
die sich ja in Friedenszeiten nicht um den Sultan scheren.
In Persien herrscht Ruhe. Das Kriegsgericht ist in
Tütigkeit, um die Umgebung des abgesetzten Sultans ab—
uurteilen. Im Lande finden zwar noch einige Zwischen—
älle zwischen Nationalisten und Reaktionären statt, jedoch
st zu hoffen, daß diese Kämpfe bald ein Ende nehmen
verden, damit der Segen der Versassung und der Konsti
ution voll und ganz den Bewohnern des Landes der
aufgehenden Sonne, in dem vordem noch soviel Dunkel—
heit herrschte, zuteil werden wird.
—o nb e o) . σä S LLLO.
Volitische Sundschau.
Deutsches Recch.
*Auch der deutsche Reichskanzler hat, wie die „Post“
meldet, den Franz ösfsischen Minister des Aeu—
ßeren, Pichon, zum Verbleiben auf seinem Posten
eaglüchwünscht. Im Verlauf seiner Ansprache, die
Enoe voriger woche Herr von Bethmann-Hollweg mit den
Berliner französischen Botschaftsrat, Baron de Berckheim
jatte, betonte jener gleichzeit:.g die guten, gegenwärticç
zwischen Frankreich und Deu schland bestesenden Bezieh
ungen und fügte den Wunsce NRinzu, daß diese Beziebun
gen aufrecht erhalten würden.
* Ueber die nationalliberale Vertrauensmännerversamm
uung in Worms, die bekanntlich dem Frhrn. Heyl v.
Hernsheim ihr VBertrauenim Gegensatß zur
BParteileitung auf-fprach, tobt bekanntilich seit
iängerer Zeit ein heftiger Kandpf in der Presse, wieviele
der Anwesenden vor der Beschlußfassung den Saal verlas—⸗
sen hätten. Freisinnige und demokratische Blätter behaup—
teten, es seien etwa ein Drittel gewesen, begnügten sich
iber schließlich mit 25 bis 30 Herren; das wären zwar
nicht ein Drittel, wohl aber etwa ein Dreißigstel. Aber
ruch dieses Dreißigstel wird ihnen nunmeyhr von der
Wormser Ztg.“ streisig gemacht: Tatsächlich hatte sich bei
»em Fehlen fsast jeder Saalkontrolle eine gewisse Anzahl
nicht Zugehöriger eingedrängt, die natürlich Grund ge
uug hatten, vor der Abstimmung sich zu drücken. Außer
»em ist es schließlich kein Wunder, wenn bei einer so
wusgedehnten und so zahlreichen Versammlung mehrere
keilnehmer, zumal auswärtige, vor dem Ende, das sie
iicht mehr abwarten können oder wollen, sich entfernen
das ist bei jeder Veranstaltung von diesem Umfange der
Fall, nur sonst in erheblich größerem Maße.“ — Wir hal—
ten mit dieser Auslassung die Angelegenheit für endaileid
—? —
Frankreich.
*,Vichon erklärt. dem Chefredakteur des „Matin
—MNoögegnung in ECherbourg, daß der 34
w Sa 2 7 — —
ten⸗Bemonstranon giltt die Kriegogesayr aus veseitigt
Voraussichtlich wird Griechenland den Vorschlag der Pforte
ruf Abberufung der Offiziere aus Kreta annehmen, wo—
durch der Boden für eine Verständigung auf der Grund—
aae einer Autonomie Kretas geebnet erscheint.
Serbien.
* Der oberste Gerichtshof hat ein Aufsehen erregendes
Urteil gefällt, dessen Spitze sich gegen König Peter
und den vormaligen Kronprinzen Georg kehrt. Das so—
zialistische Blatt „Zvono“ hatte schwere Beschuldigungen ge—
gen den Prinzen Georg erhoben und wurde wegen der
in dem Artikel enthaltenen Militärbeleidigung verboten.
Auf die Beschwerde beim obersten Gerichtshose hat dieser
ein Urteil dahin gefällt, daß zu einem Verbot des Blat
tes kein Grund vorliege. König Peter habe der Erzieh—
ung des zukünftigen Herrschers von Serbien nicht genug
Aufmerksamkeit gewidmet, obwohl er dazu als Vater und
Regent wie auch als oberster Kriegsherr verpflichtet ge—
vesen wäre. Es sei Pflicht der Untertanen, den König
o»urch die Presse und in anderer erlaubter Art auf seine
Pflicht ausfmerksam zu machen.
* Der serbische Minister des Aeußern, Milowano—
witsch beabsichtigt auf seiner Reise nach Marienbad
Aehrenthal in Wien einen Besuch abzustatten. Das
wäre die erste Zusammenkunft beider Minister seit der
Annerionskfkrise
Türkei.
* Nach Meldungen aus Konstantinopel überschritten
französische Kolonialtruppen die Grenze
im Bezirk Gad in Tripolis. Die Pforte verlangt
Aufklärung.
* Wie behauptet wird, hat das jungtürkische Komitee
beschlossen, daß für den Fall, daß den Regierungen in—
nerhalb acht Tagen, vom letzten Samstag an gerechnet,
an welchem ein Meeting stattgefunden hat, keine befrie—
digende Lösung der kretischen Frage gelingen sollte,
die Armee mobil gemacht werden müsse, um in Thessalien
inzurücken
Sozialdemokratie und König.
Jetzt nimmt auch das sozialdemokratische württember—
gische Landesorgan Stellung zu dem Besuche der so—
zialdemotratischen Landtagsabgeord
neten beim Könige vonWürttemberg. Die
„Schwäb. Tagwacht“ führt dafür folgende Gründe an:
Das politische Milieun im Süden sei ein anderes als im
Norden, die Person des Königs von Württemberg habe
der sozialdemokratischen Partei bisher nie Veranlassung
zu einer Kritik gegeben; der König respektiere peinlich der
Rahmen der konstitutionellen Monarchie und vermeide
es, einzelne Schichten oder politische Gruppen des Volket
zu verletzen und widersetze sich dem langsamen Vorwärts
schreiten der politischen Entwickelung nicht. Die sozial
demokratische Fraktion habe im Landtage eine Stärke er—
langt, die sie nicht selten zum ausschlaggebenden Fakto—
werden lasse. Bei einer solchen Position würde es ver
fehlt sein, den Gegensatz zwischen ihr und den bürgerli
hen Fraktionen zu verschärfen durch eine Haltung, die al⸗
eine Demonstration gegen den König aufgefaßt werdern
könnte. Es könnte im Gegenteil auch für die Partei vor
Vorteil sein, wenn der Gegensatz der politischen Zuständ
zwischen Süd und Nord recht scharf zum Ausdruck ge
bracht würde. Von Redaktions wegen hat die Tagwach
freilich auch ihre Gegengründe gegen die Fraktion. Si—
neint, da über die Stellung der Sozialdemokratie zum
stepräsentanten der Monarchie heutzutage kaum noch ein
Wort verloren werden müsse, so hätte auch der König das
Fernbleiben der Sozialdemokraten nimmermehr als ein—
jegen seine Person agerichtete Demonitration aufnehr