Full text : Dudweiler Zeitung (22.1909)

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heppelin.
.Man hat sich schon bald daran gewöhnt, daß Zepf
lin im Augenölicke des schließlichen Erfolges irgend eiw
passiert. Die glanzvolle Fahrt von Friedrichshafen na
Frankfurt durch Sturm und Hagel war eine Siegen
fahrt, die ihm die Herzen aller im Sturme eroberi
Am Montag dagegen blaute der Himmel wunderbar, e
Prachtwetter! Major von Tschudi, der Leiter der Il—
machte vor der Abfahrt noch die scherzende Aeußerung,
sein Wetter gut sei. Und es war auch wirklich gut,d
chönste Tag des Hochsommers, von dem wir in diese
Fahre leider nur surchtbar wenig spüren. Bis Koblein
ar die Fahrt denn auch eine Pracht, sowohl fi
zie Gondelinsassen selbst als für die dichien Mensche
scharen, die den ganzen Rhein entlang Posto gefaßt ha
ten, um dem Bezwinger der Luft zuzujubeln. In maj
stätischem Fluge glitt das Schiff den Main und Rhei
entlang, so ruhig, so sicher, daß sich jeder Zuschauer wol
ohne weiteres diesem Luftriesen anvertraut haben würde
Aber in Koblenz war es auch vorbei mit der Siegesfahrt
Zwei Gewitter kämpften in den höheren Regionen gegen
einander und das stolze Luftschiff mußte den Kurs wech
seln, der Mosel solgen, um dem Gewitter zu entgehen
Das ist ihm denn auch geglückt, jedoch mit dem Gewitte
tellte sich auch ein heftiger Sturm ein, immer stär
ler werdend und schließlich zun Orkan heranwach
send, der dem Zeppelin mit elementarer Kraft auf se
aer Siegesfahrt Einhalt gebot. Die Elemente lassen nich
mit sich spaßen, so ohne weiteres gehen sie nicht in das
von Menschenhand aufgestellte Joch. Große Erfolge ha
der schwäbische Graf schon in den Kämpfen mit den wi
derspenstigen Elementen erfochten, aber endgültig besieg
ind sie noch nicht. Ein heißes Gefecht tobte am Monta—
Nachmittag in der Luft zwischen Koblenz und Bonn, bie
Bonn blieb der menschliche Genius mit seinem Werke Sie
zer, aber da setzte der Orlan mit ungeheurer Gewalt ein
Zeppelin zum Rückzug zwingend. Graf Zeppelin wär
zielleicht dennoch Sieger geblieben, aber er wird woh!
nit Rücksicht auf die in der Gondel befindlichen Gäste
Prinz Oslkar und General von Eichhorn, nicht das Aeu
zerste gewagt haben. Graf Zeppelin wird im Volke da
ür angesehen, daß er, wenn «s sich nur um die eigen
Befahr gehandelt, die Offensiver im Kampf gegen di
ẽlemente ergrissen haben würde. So hat er jedoch der
Gorstellungen der übrigen Mitsahrer Gehör geschenkt und
chweren Herzens die Rückfahrt nach Frankfurt angetreten,
im dort als unerwarteter Gast im Dunkel der Nacht zu
anden. Daß diese Landung ohne jeden Zwischenfall sehr
llatt von statten ging, ist auch nicht hoch genug anzu—
chlagen. Freilich das Mißgeschick, das dem Helden des
kages Jupiter Pluvius bereitet hat, mischt in den Kelch
er allgemeinen Freude einen bitteren Wermutstropfen.
Aber ein Erfolg bleibt die Fahrt immerhin, denn nicht
esiegt kehrte der Ballon zuruͤck, sondern in voller Flug
ähigkeit, ein tüchtiges, starles Schiff, kein Wrack.
dem Schiff selbst hat das Unwetter nichts anhaben kön—
ien, sondern es wurde lediglich an der Weiterfahrt durch
en stürmischen Gegenwind bebeindert. Wir sind über—
eugt, daß Graf Zeppelin oals Sieger aus dem Kampf her—
»orgegangen sein würde, wenn er es zum Aeußersten hätte
mkommen lassen. Daßz er das nicht tat, läßt sich nicht
erdenkon, denn erstens mußte er, wie gesagt. Rücksicht auf
eine Guste nehmen und dann war es auch nicht sein
Schiff, sondern das des Reiches, das er nur zu über—
zringen hatte. Das sind alles Momente, die bei der Be—
irteilung eine gewichlige Ratle spielen

2

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—ν

Münchener Fahrt. Es ging ktrotz angestrengtester Maschi—
enarbeit mehr rückwärts als vorwärts. Unter diesen
imständen entschloß sich Graf Zeppelin zur Umkehr. Bei
demagen wurde gedreht. Und nun schoß das Luft
chiff, gepeitscht vom Nordost st urem, blitzschnell dahin
die Städte und Dörfer flogen mit Bli tzgeschwindigkeit
»orüber. Bis hinter Bingen ging die tolle Fahrt,
ann flaute der Sturm etwas ab. Aber die Schnelligkeit
war immer noch groß genug. In Mainz suhr man
gleichzeitig mit einem Schnellzug ab, der aleichzei
dig mit 3. 2* in Franfiurt einlief

Die Landuug in Frankfurt.
Zu Zeppelins Rückkehr ist noch zu melden: Das Flug
zelände war durch den hestigen Gewitterregen in einen
Zumpf verwandelt. Trotzdem hatte Major Tschudi unte
richwerenden Umständen alles klar zum Gefecht gemacht
Bevor die alarmierte Garnison herbei kam, stellte er sick
in die Spitze der Kapelle der 8ser, die Trompete und
Flöte niederlegten, um den Nothelser zu spielen. Außer
dem rief Herr von Tschudi die Hilfe des anwesenden Pu
likums an. Kaum waren die Vorbereitungen beendet
Us das Luftschisf um 49 Uhr in ruhigem Fluge ankam
Das Ankertau fiel und wurde von der hilssbereiten Mann
chaft geschickt aufgefangen und in wenigen Minuten war
das Schiff sturmsicher vor Anker gelegt. Inzwischen war
eine ungeheure Menschenmenge herbeigeströmt, die nu
nit Mühe zurückgehalten werden konnte. Als die Meng
des Grafen ansichtig wurde, erklang das Nationallied
Deutschland, Deutschland über Alles“ und die Begeister
ung und die Huldigungen für den Grafen waren unbe
chreiblich. Das Automobil des Grasen blieb im Moraj
tecken und konnte nur durch Hilse des Publikums, das
cräftig aniaßte. fortgeschoben werden,
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Das enttäuschte Köln.
Köln war am Montag in der allgemeinen Zeppelin
hegeisterung in aller Frühe auf den Beinen. Der Stron
oon auswärts war noch größer wie an den berühmter
sarnevalstagen. Das war ein Wallen und Fluten de
Menschen, wie es dieser westliche Teil Kölns wohl ni
erlebie bisher. Wagen, Omnibusse, Straßenbahn, Auto
— alles jagte in Wirbeln durch die Straßen. Die ganze
Menschheit schien auf den Beinen, und aller Ziel wan
Zeppelin. Irgendwo, wo es ihnen zweckmäßig schien, au
zäunen, Mauern, Kaminen, auf Straßen, an Fenstern
rgendwo sand jeder Zuschauer das erwünschte Zaun
platzchen. Damen in prachtvoller Sommertoilette, alles
vas nur eben ablkommen konnte, war gekommen, um das
Luftungeheuer zu sehen und den Grafen Zeppelin in Em—
ofang zu nehmen. Aber Zeppelin kam nicht! Erst nach
der Landung in Franksfurt wurden Extrablätter verteilt
daß die Fahrt wegen Sturmwindes aufgegeben sei. Die
Menge war enttäuscht. Viele hatten den ganzen Tag, von
norgens bis abends, trotz des Regens gewartet und
chließlich mußten sie unverrichteter Dinge abziehen. Als
zie traurige Kunde verteilt wurde, klärte sich der Himmel
vieder auf, über der Zeppelinhalle blaute sogar de—
dimmel. Schließlich lacht die Sonne sogar, und sie lach
zie Hunderttausende aus, die in mißmutiger Stimmungç
uedergedrückt den Rückzug antraten. Die breitesten Straßer
ind zu enge, um die nach Hause pilgernden Menschenmasse
aufzunehmen. Wieder Aee ein Getute und Gerasse
der Fahrzeuge, die mur nkühsam, Schritt für Schritt, durch
die überfüllien Straßen vorwärtskommen. Es ist ein Höl
enlärm, der wie ein gewaltiges Lied der Enttäuschte
lingt. Einzelne Truppen singen sogar, der Kölner *
mor vwersiet el Mach dor Moses

Neuer Aufftieg. — Unfall.
Frankfurt, 3. August.
„Z. 2* stieg 10 Uhr 2 Min. auf. Nachdem derselb—
5 Minuten manöverierte, brach das Gestänge des hinterer
rechten Propellers. Die Schraubenflügel fielen herab. Di—
Rückkehr erfolgte mit einem Motor in großem Kreise zum
Fluggelände. Um 10 Uhr 20 Min. erfolgte die glatt—
Landung. Der neue Aufstieg ist unbestimmt.
Nach einer Mitteilung des Oberingenieurs Dürr isi
eine Weiterfahrt vor morgen gänzlich aus—
geschlossen, da Ersatzteile abgewartet werden müssen.
Das Luftschiff stieg nach den üblichen Vorbereitungen
unter dem Jubel der anwesenden Menschenmenge und der
Schulen in flotter Fahrt auf. Die Insassen schwenkten
noch in etwa 100 Meter Entfernung mit Tüchern, als
plötzlich von der rechten Seite der hinteren Gondel ein
Gegenstand herabfiel, dem sofort ein zweiter folgte. Es
waren zwei Schraubenflügel des hinteren Propellers, die
infolge einer Beschädigung, deren Ursache nicht sicher ist
bei der rasenden Umdrehung sich gelöst hatten und her
ausfielen. Auch der dritte Schraubenflügel löste sich los
Das Gestänge, das die Schraubenwelle trägt, wurde ver—
bogen und teilweise zerbrochen, wahrscheinlich durch di
herausgesprungenen Schraubenflügel. Das Vuftischiff fuht
mit einem Motor in großem Kreise nach dem Landungs
platze, senkte sich allmählich auf seinen Aufstiegplatz nie,
der und wurde in glatter, tadelloser Landung vom Mili—
tär in Empfang genommen. Graf Zeppelin begab sick
vom Luftschiff nach dem Ausstellungsgelände und zur
Stadt. Die Schrauben wurden in dem Walde, in dem sie«
niedergefallen waren, von einigen Arbeitern sofort aufge—
funden und zurückgebracht. Ueber die Reparaturarbeiten
und über deren Dauer ist noch nichts bestimmt. Sie sind
sofort in Angriff genommen worden.
Wie später verlautet, sind sofort Ersatzteile für
die beschädigten Propeller, Gewelle und Gestänge aus
Friedrichshafen beordert worden, so daß die Reparatur—
arbeiten nicht allzu lange Zeit in Anspruch nehmen wer—
den. Graf Zeppelin erklärte, daß die Reparatur des
beschädigten Luftschiffes voraussichtlich zwei bis dre
JFaoede min—⸗æ2istens in Anspruch nehmen würde

Der neue Triumph des Zeppelin 2 auf
der Fahrt Friedrichshafen-Frankfurt wird von der großen
Mehrheit der Pariser SZeitungenrückhaltlos
gewürdigt, indem alle Schwierigkeiten der Leistung
bei den herrschenden Wetterverhältnissen sehr gerecht aner—
kannt werden. Einige leichte ironische Bemerkungen über
die Ausbrüche der deutschen Begeisterung werden durch den
Hinweis auf den überströmenden Jubel Frankreichs über
Blexiots Kanalflug abgemildert. Im allgemeinen wagt
man die Bemerkung, daß sich vielleicht auf beiden Seiten
nach der hinreichenden Verherrlichung der Eroberer der
Luft ein wenig mehr Zurückhaltung bei den einzelnen
Leistungen empfehlen würde, da man sonst aus dem Ju—
bel gar nicht mehr herauskäme. Es gäbe ja auch nock
andere, immerhin erfolgreiche Erbauer von Lenkballons
und Flugapparaten, die dadurch in den Hintergrund age
drängt und geradezu entmutigt werden

*p

w

Wir bringen unseren Lesern eine Karte über di
Fahrlinie des „8. 2“ zur Ueberführung nach Köln. Die
Fahrt Friedrichshafen-Frankfurt ging trotz des Unwet
ters fsieeho »anitatten Die Weiterfahrt am Mont—«
            
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