Full text : Dudweiler Zeitung (22.1909)

Fokales.
Automobilunglück. Ein schweres Automobilunglüch
exeignete sich geftera abend gegen halb 10 Uhr oberhalb Dud—
weiler vor der Wohnung des Herrn Rechnungsrat⸗s Altpeter
Ein in der Richtung nach Sulzbach fahrendes Automobil, in
dem sich außer dem Chaufseur zwei Herren aus Obeistein be—
fanden, stieß mit einem Landauer zusammen, der auf der—
selben Straßenseite fuhr und nicht mehr rechtzeitig nach rechts
ausweichen konnte. Den im Automobil links sitzenden Herrn,
einem Fabrikanten Keller aus Oberstein, stieß die Wagen—
deichsel gegen die Brust sodaß er rückwärts mit dem Kopsfe
gegen den Rand des Autos geschlagen wurde. Herr Dr.
Specht, der bald zur Stelle war, konate nur noch den e
reits eingetretenen Tod feststellen. Ob auf dieser oder der
anderen Seite ein Verschulden vorliegt, wird die Untecfuch⸗
ung ergeben. Unbegreiflich ist auch in diesem Falle das Ver—
halten der Wageninsassen, die, nachdem der Wagen in
Ordnung gebracht war, fortfuhren, ohne sich um das weitere
Schickfal des Verunglückten zu lümmern. Die Leiche des
so jäh umgekommenen jungen Mannes wurde auf Anord—
nung des Arztes einstweilen in das Lazarett zu Sulzbach
gebracht.
Feuer. Vergangene Nacht wurde die Einwohnerichaft
durch Feueralarm erschteckt. Auf dem Speicher des Beaun—⸗
ichen Hauses Hütte] war ein Brand ausgebrochen. Durch
tatkräftigts Eingreifen hilfsbereiter Personen und der rasch
am Brandorte erschienenen Feuerwehrt war das Feuer im
Entffehen wieder zelöscht.
Fernsprechgebühren. Das Kaiserliche Telegraphen—
amt hat die Einrichtung getroffen, daß ab Septemder die
jälligen Fernsprechzebüühren in dem Zutraum vom 1. bis 10.
jeden Monats im Wege des Postscheckverkehrs berichtigt wer⸗
den können.
Bieraufschlag. Wie schon fruher mitcgeteilt, beträg!
der Ausschlag der Brauereien pro Hektoliter Bier 3.60 Mark
Wie hoch der Aufschlag im Kleinverkauf sein wird, bestimm!
eine auf morgen enberusene Wirte-Vecsammlung.
Theater. Muttersegen, oder die Perle der Savoyen,
ein 5aktiges Schauspiel aus dem Französischen, kam am
Sonntag abend zur Aufführung. Das Haus war gut besucht.
Nur möchten wir noch auf ein allgemeines lauteres Sprechen
aufmerksam machen, und die Theaterbesucher (Damen) doch
bitten, ihre Hüte wäheend der Vornellung abzusetzen. Wie
wir erfahren, ist für den Dienfstag etwas außergewöonliches
in Vorbereitung, und zwar die bekannte Detektiv-Komödit
„Sherlock- Holmes“ in 4 Akten von Canau Doyles, Roman⸗
serie von dem Berliner Thealerdirektor Ferdinand Boor.
Die Novität ist in dieser Sason der größte Schlager, in
Berlin bereits über 500 mal gegeben und wiederholt von
Ihren Kaiserlichen Majestäten, sowee Sr. Kgl. Hoheit dem
Großherzog von Hessen besichtigt. Es ist eines der größten
Zug⸗ und Kassenstücke des In- und Auslandes, welches an
Buͤhnenwirksamkeit nicht seines gleichen findet. Der Held der
Komödie „Shetlock Holmes“ ist vielen Lesern schon aus dem
Doyle' schen Kriminalcoman bebannt. Er ist der gewiegteste
und gefuͤrchteste Detektiv, der in dem Stücke Triumpf des
Scharfsianes und der Waghalsigkeit gegenüber einem der
xaffinierteften Gauner und Verbrecher in London feiert.
Die Komödie ist äußerst spannend von Anfang bis zu End:
und es ist kein Wunder, wenn die Direktion überall ausver
kaufte Häuser damit erzielte. Die Besetzung der Rollen
liegen in besten Händen. Es ist eine empochemachende Novltät,
die hier zum erstenmal zur Aufführung komm:, wünschen wir
)eshalb dem Easembee ein recht volles Haus.
Sonntagsruhe. Der neue Entwurf einer Novelle
über Neuregelung der Sonntagsbestimmungen wird demprächst
im Reichsamt des Innera fertiggestellt sein; im Anschluß
hieran sollen erneute Konferenzen mit den Vertretern der
betreffenden Gewerbezweige stattfinden. Der Entwurf will
die Sonntagsruhe im Interesse der Handelsangestellten noch
mehr erweitern und für gewisse Geschäftzzweige nur die
Zeit vor den Gottesdienste noch freigeben.
FVon den Saargruben. Die Bergwerksdirektion hat
mit Genehmigung des Herrvy Ministers das Gehalt der Hilss⸗
steiger rückwirkend vom 1. April 1908 ab von 1400 auf
1500 Mark erhöht. Kann ein Hilfssteiger nach Ablauf
eines Jehres ohne seine Schulb nicht fest angestellt werden,
so erhält er im zweiten Jahre 1650 Mark Gehalt. Hiervon ab
gehen aber wie bisher die für Knappschaftsbeamten festgesetz⸗
sen Beiträge zur Pensionskasse, die sich jährlich auf über
100 Mark belaufen. [Saarbr. Volksztg.)
Deuischlands Kohlenproduktion. Im Juni 1809
vurden in Deutschland produziert: 111974 022 Tonnen (i.
b 11170248 Tonnen) Steinkohlen, 5 395 851 Tonnen (i
P 5043 822 Tonnen) Braunkohlen, 1685 235 Tonner
i. V. 1673 928 Tonnen) Ko's und 1631726 Tonnen
i V. 1410071 Tonnen) Preßkohlen. In den Monaten
Januar bis Juni betrug die Produktion: 71 905 114
Toennen (i. V. 72 695 452 Tonnen) Steinkohlen, 322422 221
Tornen (i. B. 32 047 323 Tonnen) Sraunkohlen, 10 368740
Tomen i. B. 10612 140 Tonnen] Kols und 8901 267
Tomnen si. V. 8765 308 Tonnen] Preßkohler.
Julischnee. Efne ungewöhnliche Uebertaschung bot sich
am Donnerssstagmorgen den Frühaufstehern in Berlin. Die
Temperatur war in der Nacht gefallen und bis morgens
um halb 4 Uhr auf 7 Grad gesunkden. Um diese Zeit setzte
daun ploͤtzlich ein heftiges Schneegeftöber ein. Es fielen
große, schwere Flocken, die allerdings auf dem Großstadt—
pflaͤner angenblicklich zergingen. Das merkwürdige Schau—
lpiel dauerte etwa 2 Minuttu. Auch aus den Vororten wird
Schneegestoͤber gemeldet. Auf den Feldern soll der Schnee
soaar bis zu zenn Minuten lang liegen gebliehen sein.

Aus Nah und Fern.
Sulzbach, 31. Juli. Bei der Fitma Hartung wurden
in der Nacht von Donnerstag auf Freitag die Bureauräume
erbrochen und an drei Stellen Brand gelegt. Zum Glüch
kam dag Feuer nicht zum Ausbruch. Es sind Zeichnurgen
im Werte von mehreren 1000 Mark verbrannt. — Einge—
brochen wurde vergangene Nacht in dem Geschäfte Lindner
in Altenwald und fast der ganze Laden ausgeräumt. Die
Täter sind unerkannt entkommen.
Lonisenthal, 29. Juli. Nach der Einfahrt der unge⸗
fähr 80 Mann starken Belegschaft auf dem zur Grube Ger⸗
hard gehörigen Albertschacht erxfolzgze heute morgen zegen 6
Uhr eiu Seitenbruch im Schachte, indem die Gebirgsmassen
in einer Tiefe von ungesähr 250 Meter die Holzverschalung
durchbrachen, wodurch die Förderung unterbrochen wurde.
Die Schale, auf der sich zwei Wagen mit „Bergen“ befinden,
fleckt noch im Schacht. Ein Glück ist es zu nennen, daß
der Biuch nicht während der Menschensörderung aeschab
Ing wro e UNöog ück unnermeihlitn demoson

* Köln, 31. Inli. Tödlicher Unglücksfall.
Im Sionsthal sfiel das sechsjährige Töchterchen eine?
Schutzmannes aus der Höhe des dritten Stockwerks üben
das Treppengeländer in den Hausflur und erlitt so schwerd
Schädelverletzungen, daß es gleich darauf starb.
* Medebach, 31. Juli. (Kebend verbrannt.)
Finen gräßlichen Tod fand auf dem Hochofenwerk der
Hüstener Gewerkschaft ein Arbeiter, welcher auf der Ko—
kerei beschäftigt war. Man nimmt an, daß er sich zu nah«
an die Einmündung des Ofens herangewagt hat, wo er
durch ausströmende Gase betäubt wurde und in den Ofen
fiel, in dem er zu Asche verbrannte.
* Duisburg, 31. Juli. (UUrkundenfälschung.)
Vor der hiesigen zweitenß Ferienstrafkammer hatte sich ein
Rechtsanwalt aus Duisburg-Ruhrort wegen intellektueller
Irsundenfälschung zu verantworten. Seit dem Jahre 1907
hate er für die Zeit, wo er sich auf Urlaubsreisen be—
fand, einen 15jährigen Schüler damit beauftragt, Schrift
stücke, wie Waren-, Wechsel- usw. Klagen, wesche dem
Amtsgericht in Ruhrort eingereicht wurden, mit seiner
Unterschrift zu versehen. Es ist dies in etwa hundert Fäl—
en geschehen. Die Strakammer erkannte auf eine Woch—
Befaängnis.
* Muülheim (Ruhr), 31. Juli. (Freiwillig in
den Tod. Gestern abend gegen 6 Uhr sprang in der
Nähe des Kahlenberges eine etwa 30 Jahre alte Frau
mit ihren zwei Kindern im Alter von 3 und 4 Jahrer
in die Ruhr. Es gesang, das vierjährige Kind zu ret
en, während die Frau und das jünzgere Kind ertranken
Ihre Leichen konnten geborgen werden.
* Dortmund, 31. Juli. EEin Schwindelpaar.)
Die Strafkammer verüurteilte die Reiseaden Vergerhauser
und Schneider von hier wegen Betruges und unbefugter
Follektierens zu zwei bezw. cinem Monat Gefängnis. Di,
»eiden hatten sich das Unglück auf Radbod zunutze ge
macht und überall Gaben gesammet unter der Angabe.
die Gelder seien für ein den Verunglückten zu errichten
des Denkmal bestimmt. Die Gesder silossen in die Taicher
ener Leute.
*Hagen, 31. Juli. (SRur Vergiftungs-Af—
—D00
Massen-Vergiftungen durch den Genuß von Backwarer
gestorben. Es ist die Frau des Verwalters Köser. Die
Zahl der Opfer ist damit auf drei gestiegen. Die übri
ren Erkronkten befinden sich auf dem Wege doer Besserung

22 2 632
Die Fahrt nach Frankfurt.
Graf Zeppelin hat also Wort gehalten. Während Majon
Parseval in Bitterfeld wochenlang auf günstige Witteruncç
vartete, um mit seinem Lustscheff die Fernfahrt nach Frant
furt anzutreten, die jedoch später aufgegeben wurde —
das Luftschiff ist inzwischen per Bahn nach dem Ausjtell
ingsgelände befördert worden — hat der greise Graf
ertrauend seinem eigenen Werke, wohlgemut die große
Fahrt unternommen und sie ging, trotz der Unbilden des
Wetiers, meisterhaft vonstatten. Zur angegebenen Zeit er—
chien der stotze Luftkreuzer über dem Ausstellungsgelän—
»e. Wieder ein Beweis dafür, daß die Zeppeline, das
tarre System, an der Spitze stest und in der Lage ist
Wind und Wetter Trotz zu bieten.
Ueber die Einzelheiten der Fahrt berichten die nach
tehenden ausführlichen Weldungen:
Friedrichshafen, 31. Juli. Das Luiftschiff
„Z3. 29 bat heute morgen 3 Uhr 40 Min. die Fernabr
nach Frantsurt a. W. angetreten. Es schlug zunachst die
sichung nach Ulm ein und wurde bereits um 4 Uhr über
navensburg gesichtet.
Ullim, 31. Juli. Das Luftschiff „Z. 2“ passierte um
3 Uhr 30 Min. unsere Stadt. MAuf der Faäahrt durch die
chwäbhische Alb hatte es schwer mit dem scharfen West
winde zu kämpfen. Gegen 7 Uhr bahnte es sich be—
Zeimerstetten langsam den Weg durch die ungewöhnlich
scharfe Luftströmung. Die 100 Kilometer lange Strecke
von Friedrichshasen bis Um legte das Luftschiff in 1
Stunde 45 Min. zurück.
Geisliirnngen, 31. Juli. Kurz nach 7 Uhr pas
ierte „Z. 2“ unsere Stadt. Er führte mehrere Manöver
mus und fuhr in der Richlung nach Göppingen weiter.
Göppingen, 31. Jui. „3. 2* vamerte unsere
Ztadt um 8 Uhr 15 Min.
Stuttgart, 31. Juli. Direktor Colsmann
varf über dem Cannstatter Wasen ein Billett aus dem
Luftschiff des Inhalts: Bis Ulm glatte Fahrt, hinter Ulm
tarker Wind mit Hagel. Es mußte Ballast abgegeber
verden. Ich ging zum Ausgleich in die vordere Gondel.
VBor Geislingen kamen wir nicht von der. Stelle. Im Tal
var der Wind geringer, es dauerte aber docy lange, bis
vir vorwärts kamen. Jett geht wieder alles flott vor
in. Gruß Colsmann.
Heilbronn, 31. Juli. 10.50 Uhr überflog das
Zuftschiff unsere Stadt.
JagstedteWimpfen, 31. Juli. 11.20 Uhr
iberflog „Z3. 2“ den Ort.
Heidelberg, 31. Juli. Das Luftschiff „Z. 2*
ist um 12.40 Uhr über die Stadt geflogen.
Weinheim, 31. Juli. Um 12 Uhr 55 Min.
überflog das Lustschiff „3. 2“ Heidelberg und um 1 Uhr
15 Min. wurde es hier gesichtet.
Eberstadt, 31. Jui. 1 Uhr 35 Min. hat „Z. 2“
Zwingenberg in der Richtung auf Darmstadt passiert.
Darmstadt, 31. Jul. Das Luitschiff „Z3. 2“ pas—
ierte 1 Uhr 55 Min., machte über dem Manument einé
Zchleise und fuhr weiter.
GroßGerau, 31. Zuli. Das Luftschiff „Z3. 2
st von Darmstadt aus der Bahnstrecke der Main-Neckar—
ahn entlang in der Richtung nach Frankfurt
veitergefahren. Das Luftschiff war von Groß-Gerau aus
eutlich über dem Walde in der PRichtung Wirbhausen-Grz—
qausen zu sehen.
Fraänkfurt, 31. Jui. Um 2.25 wurde „Z3. 2 ũber
den Dächern der Stadt agesichtet und strebt dem Musitell—
Unasneöndo 2u

—
Die Ankunft in Frankfurt.
In einem weiten Bogen zog das Lustschiff, das sich
von dem dunstverschleierten grauen Himmel in der bleier
ien Mittagsschwüle nur in blassem Weiß abhob, von Wes
tach Ost am südlichen Umkreis des Stadtgebietes vorbei
Die Höhen age war auf ungefähr 300 bis 400
Meter zu schaͤtzen; Aus der Entfernung schien sie nur
urmhoch, sodaß der Ballonkörper ziemlich nahe über den
Ddächern, au Kirchen und hohen Schloten vorüberglitt. Dat
Schiff neigte die Spitze zur Begrüßung des Zieles seiner
Fahrt, der Stadt Franksurt und der „Ila“. Die Böller
der Marineschauspiele der Ausstellung schossen alsbald Sa
ut. Die Musit an der Tribüne aui dem Flugplatz spielte
gerade das alte Jägerlied: „Kein Wild, das mir entge
hen kann.“ Um 4 Uhr ging das Luftschiff ruhig und
ohne jeden Zwischenfall auf dem Landungsplatz nieder
die unzählige Zuschauermenge brachte begeisterte Hoch
ruse auf den Grafen Zeppelin aus. Oberbürgermeister
Adicke hielt an den Grafen eine Ansprache, in der er
ihn zu der alücklichen Fahrt beglückwünschte und den Danl
der Stadt Franffurt ausdrückte für das große Interesse
das Graf Zeppel'n der Luitschiffahrts-Ausstellung durck
einen Besuch bekundet. Nachdem der Graf sich einige
Ztunden zurückgezogen hatte, um von den Strapazen der
dahrt auszuruhen, erschien er Abends zu dem ihm 31
57hren veranstalteten Nankett ö n norichiedone —

*Gestrandetes Schisff. Das Schiff „Hoffnung“ ist in
der Nähe von Rügenwalde gestrandet und völlig verloren.
Die Mannschaft konnte gerettet werden.
*Cholera. In Jassy sind mehrere Kinder unter cho—
leraverdächtigen Erscheinungen gestorben. Unter der Be—
völkerung herrscht Panik.
* Wright und Bleriot. Eine interessante Flugtech⸗
niker-Konkurrenz ist von dem Präsidenten der Ausstellung
von Yufton angeregt worden, indem nmämlich dieser Hert
die Summe von 100 000 Mark für ein Aeroplan⸗Rennen
das zwischen den Brüdern Wright und Bleriot, dem er
folgreichen Kanal⸗Flieger“, stattfinden soll, ausgesetzt hat
Es ist freilich nun eine andere Frage, ob die Wright und
Bleriot sich mit der Teilnahme an einer solchen Konkur—
renz, die ja ganz zweifellos von größtem Intereffse sein
würde, einverstanden erklären werden. Ein bestimmter
Platz zur Abhaltung dieses Rennens zwischen den er—
folgreichen Flugtechnikern ist übrigens von dem Preisstif⸗
ter nicht genannt worden. — Nach einer späteren Meld—
ung, erklärte Bleriot, das Angebot der Yukon-Ausstell—
ung anzunehmen, glaubt aber, daß Wright sich ablehb—
nend verhalten werde.

— — —

Tcsegrumme.
Saargemünd, 1. Aug. Die Schirßerei während des
Bergarbetterstreits zu Spittel bei Forbachj Ende November
1908 fand vor der Strafkammer ein Nach piel. Eine An⸗
zahl Bergleute hatten die Arbeitswilligen mit Steinen be—
worfen und auf ste geschossen Bergmann Friedrich Siffert
aus Altenwald eirhlelt wegen Nörigung 4 Wochen Gefäng—
nis, Bergmann Jakob Roos aus Merlenbach 1 Woche wegen
Mißhandlung, Bergmann Freundi aus Spittel und die
Eheftau Fayer 5 Tare bezw. 2 Tage Gefängnis weger
Nöligung. Eine Angeklagte wurde freigesprochen.
Essen, 1. Aug. Diei Berzleute wurden auf der Zeche
Augufte Vikroria bez Marl durch Berge verschuͤttet.
Emer war sofort tot, die beiden anderen wurden hoffnungs—
los verletzt.
Frankfurt, 2. Aug. Graf Zeppelin unternahm gestern
mit „Z. 2* eiren Aufstieg und flog nach Wiesbaden, wo
er mit großer Begeisterung empfangen wurde. Am Abend
kehrte der Z. 2 in rrächtiger Fahrt nach der „Ila“ zurück,
die zigen Besuch aufzuwetisen hatte, wie nie zuvor. An der
Landunzsstelle kam es zu etnem peinlichen Zwischenfall.
Man bemerkte einen Mann, der sich bewühle, bifimmmte Stel⸗
len des „Z. 20 genau abzuzeichnen. Die Polizei wies den
Zeid ner fort, der aber stets widerkehnt, um seine Arbeif
fortiuseßen. Die Schutzmannschaft mußte nun zu seiner
Verhaflung schreiteu, der der Mann heftigen Widerstand
entgegensetzte, wodorch ein Schutzmann schwer verletzt worden
ist. Die Kölner Fahrt wird nach Zppelins Erklärung
übir Wiesbaden erfolgen. Von dort aus wird Zeppelin
zum Rhein fahren urd dem Strom bis Köln folgen. Die
Abfahrt e folgt heute Vormittag und zwar bei jeder Witter⸗
ung. Sollte der kommandierende General des 18. Armee⸗
korps, von Eichbotr, wie er cs vorgestern wuünschte, heute
d'e Fahrt mitmaden, so bleibt Direkror Colsmann in Fianksurt
 zurück.
Berlin, J. Auf. Das Berliner Tageblatt meldet aus
Frankfurt a. M. Bleriot ist hzeute von der Ausstellungs—
leitung für ein Honoar von 2000 Mark pro Tag für die
Ila verpflichtet worden. Tort soll er täalich mit seiner
Flugmaschine Flugversuche augfühten. — Mojor Parseval,
der auf der Reise nach Frankiurt begriffen war, ist cuf die
Nachricht, dotz Zppelin abgefahren sei, nicht nach Frankfurt
gekommen, sondern nach Fulda zu seinen Schwiegereltern
gereift. Seine Frau befindet sich bereits seil etnigen Tagen
dort. Parseval bearsichtigt einen Ausflug ins Gebirg zu
unternehmen. Offenbar will er es vermeiden, mit seinem
Rivalen auf der Luftschiffahrt-Ausstellung in Frankfurt zu
sammen zu treffen.
Loudon, 2. Aug. Der Korrelpondent des Daily Tele—
grapb, der eben erst einen großen Teil Spanieno bereist
hat, meint, daß die große Mehrheit des Volkes revolutionär
gesinnt sei. Als es geftern in Madrid bekannt wurde, daß
die Kämpfe bei Melilla 2000 Opfer gefordert haben, be—
mächtigte fich des ZVolkes eine furchtbare Wut und Ent—
rünung. Die Regierung wurde befchimpft und verlucht,
weil sie dieses Unglück den Interessen der Bahngesellschafl
zu Liebe über Spanien heraufbeschworen habe. Man be—
fürchtet in Madrid, daß die Niederlage von Melilla noch
viel schwerer war und glaubt, daß der Krieg das Land gänz.
lich ruir seren werde; riele sehen das Ende Spanieus voraus
Loudon, 1. Aüz. Das Uebereinkommen, durch welchea
der drohende Streik im schottischen Kohlenrevier abgewendet
worden ist, billigt den Arbeitern für die nächsten drei Jahre
einen Minimal-Taglobhn von 16 Schillingen zug. Die Ar—
beiter sehen in dem Uebereinkommen einen Sieg ihrer For·
derungen.
Reval, 1. Aug. Bei der Keshelexplosion auf der Bar—⸗
kasse „Wiaroi“ wurden, wie jetzt festgestellt ist, vier Marine
folda en gerötet und siebzehn schwer verletzt.
Kupferdre, 1. Aug. Beim Abtäufen eines Schachtes
der Zeche „Viktoria“ wurden 7 Mann verischütt t uund getötef
Die Leichen sind noch nicht geborgen.
Cettinje, 1. Aug. In Montenegro herrscht eine gewaltige
Hitze. Ja Odgoritza kamen am Donnerstag allein 8 Todes—
fälle an Sonnenstich vor.
Hendaye, 1J. Aug. 3000 fluschtige spanische Reservisten
haben in din letzten Tagen die französische Grenze über⸗
chritter. Mehrere handert heute vormitiag. Sie eiklärten
sie wütden mit Don Jaim's zurückkehren.
Newyort, 1. Aug. Das Eiddeben hat in den verschie—
dene, Teilen Mexskos aroße Verhettungen angerichtet. Viele
Menschen sind umgekommen.
Mexiko, J. Aug. Die Stadt wurde von 2 heftigeu
Erdfliößen heimgesucht. Zwölf Personen wurden getötet und
eine große Anzahl verletze. In den ärmeren Staditeilen
wurden viele Häuser zerstört. — Ein Telegramm aus Aca—
pulco meldet, daß die haide Stadt zerstöct ist. Aus St.
Julian werden 15 Tote gemeldes“. Die Verbindungen zwi—
schen der Westlüste und dem Innoern des Landes sind unterbrochen.

Osaka, 1. Auce. Eine Feuersbrunst droht die ganze
Stadt zu zerfören; über 10 0 Gebände sind schon vernichtet
darunter ein prachivolet Budda Tempel Biele Menschep
sind umgekommen.

—— — —

— —

Bestheuahrte Mshrung für:
n * SOWie
gesugde 71 23 7 schwãachliche
— —5— — in der tnwicklunc
——, 7 2durdtkgeblieden
garmkranke * —— —E ui n d —
            
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