Full text : Dudweiler Zeitung

Lokales.
Anzeigen für die morgige Nummer werden bis spätestens
neute abend 6 Udr erbeten.
Voraussichtliche Witierung: Heiter bis wechselnd
wölkt, wieder wärmer.
Von den Eaargruben. Die Schichtleistung der Saar—
ergleute beträgt nach rechnenschen Ermittelungen an amtcher
 Stelle: Im Jahre
1897 — 0,82 t, 1898 — 0,82 t, 1899 — 0,80t
1900 — 0779 t, 1901 — 0,76 t, 18902 — 6,761t
1903 — 0,77 t, 18904 — 078 t, 1905 — 0,79 t
1906 — 078 t, 1907 — 0.74 t Kodble pro Arbeits
chicht und Mann. (Sbr. Vnlkszte.)
Die Ernteaussichten. Immer m'hr stellt sich heraus
aß die Besurchtungen wegen des Ausfalles der Getreideernt
zes laufenden Jahres nicht nur ganz ungemein übertrieben
sondern teilweise ganz und gar unbegrüudet waren. Und
doch hoben diese Befürchtungen: die ziemlich allgemein getei.“
vurden, bie Pteisbildung am Getreidemarkte äußerst nach
Jaltig beeinflußt und die Preissteigerung mit herbeigeführt,
Iber die in den Kreisen der Konsumenten seit Monaten schon
geklagt wird. Es stellt sich sogar heraus, daß der Ernteer⸗
srag in den Haupterzeugungsländern nicht nur über die Vor⸗
ahrsmenge, sonderu erheblich uber eine miltlere Ernte hinaus⸗
zeht. In Deutschland zeigl der jüngst veröffentlichte Saaten⸗
andsbeticht, daß die Eiwaitungen auf eine miitlere bis gute
Frnte gehen. Natürlich tann an dem Stande der Saaten
durch die Witterung vor und bei der Ernte noch viel ge—
indert werden. Teockenes und heißes Wetter würde zur
Besserung der Qualität der Körner noch viel beiragen, wäh⸗
send viel Nasse und Feuchtigkeit auf das Reifen der Körner
ungunstig einwirken würde. Noch ist die Witterung immer
zanz unenischieden, und wenn auch eine Tendenz zur Auf—
ärumg und Etaätmung zu bemerken ist, so ist es doch
höchste Zeit. daß die Sonne endlich siegreich durchdringt,
um den Saalen die letzte volle Reife zu geben. Davon
hängt sür Deutschlands Volkswirtschaft im kommenden Jahre
uͤheraus viel ab. Nicht nur in Deutschland hat sich aber
der Stand der Saaten in den letzten Wochen sehr erheblich
gebessert, auch vom Auslande liegen ähnliche Meldungen vor,
In Rußland verspricht namegtlich die Weizenernte sehr gut
auszafallen. Namentlich Sommerweizen steht mit Ausnahme
von kleinen Flächen in einzelnen Gegenden durchweg dekrie⸗
digend. Ueberhaupt zeigen die Sommersaaten einen weit
guünnigeren Stand als das Wintergetreide. Winterroggen
est in weiten Gebieten noch sehr stack gegenüber dem Stande
der anderen Feldfrüchte zurück, wenn auch immerhin vermerkt
werden muß, daß der Stiand des Winterroggen im ganzen
noch mmer auf mittel geschäzt wird. In Ungarn ist der
Schnitt schon im Gange, upd die Witterung vermög am
Ertrage nicht mehr viel zu andern. Ueber die Höhe der Er—
träze gehen die Meinungen aber noch sehr stark auseinander.
Ueber Weizen lauten die Urteile im allgemeinean weniger
züntig als über Roggen. Der Regen soll nament!lich die
Qualitat des Weizens ziemlich beeinträchtigt haber. In
folchen Gegenden, wo während dar Regenzeit geschnitten
wurde, sollen die Körner von bleicher Farbe und lescht an
Gewicht sein, während dort, wo man bei schönem trockenem
Wetter mit dem Schniite begann, schöne und schwere Quali⸗—
äten zu oerzeichnen sind. Die Weizenernte son nicht mehr
als einen mitieren Ertrag einbringen. Weit besser steht es
um die Rogenernte. Der Roggen hat deu Regen weit besser
ertragen als der Weizey. Die Köcner siad schön aroß und
schwer ausgefallen, und im ganzen wird ein besriedigender
Ertrag vorausgesagt. Wenn eine solche Aussicht schon von
dem ungarischen Bckerbauminister in seinem lezien Saaten⸗
standsberich! zröffnet wird, so ist in Wirklchkeit der zu er⸗
wartende Ertrag eher noch höher, keneswegs aber niedriger.
In Rumänen ist der „Saalenstand befriedigend bis gut.
Schon im Juni war der Stand befriedigend und hat sich bis
uc Tryte, deren Anfang schon mitte Juni einsetzi,— fortgesetzt
weiter verbefserꝛ. Durchweg Fkann man mit einem guten
Mittelerträgnis von Weizen rechren. Daß in den Vereinig—
ten Staauen bon Amerika der Stand der Weizensaaten er⸗
zeblich günniger beurteilt wird als in den letzten Monaten,
das kann man schon aus den Berichten über die amerikanschen
 Getreidemär“e eckennen Die Heussespekul ation in
Weizen hat eine nachhaltige Ernüchterung in der allerletzten
Zeit erfahren. Man hat ertannt, daß die Stimmungsmacherel
iür hohe und immer böhere Weizenpreise an der fortlaufend
guͤnftigen Entwicklung der Weizenfelder scheiterr muß. Allen
unguünstigen Berichten, die seit Monaten über die amerikanischen
Saaten verbreitet wurder, zum Trotz haben die Felder für
Winterweizen wohl noch seitden so gute Einteerzeugnisse ge—
ciefert wie gerade im leufenden Joht. Der Sommerweizen
hat sich weiter gut entwickell. Damit haben wir dicErnteaus—
ichten in den wichtigsten Erzeugungsläudern Revue passieren
lassen und kommen zu dem Schluß. daß der Ertrag der
dies jährigen Ernte die Befürchtungen wegen einer knappen
Verforgung mit Brotgetreide im Eintejahr 1909 — 10 nicht
im geringsten rechtfertigt, sondern eher eine gegenteilige Auf⸗
fassung begründen könnte. Denn auch in den euroräiichen
Laͤndern, die wir nicht a asgesührt haben, weisen die Berichte
aus letzter Zeit eine merkliche Besserung des Saatenftandes
nach. Sind aber die Befinchtungen wegen eizer schwachen
Weltversorgung hinfällig, so wird die Anerkennung dieses
Umstandes die Preisbildung am Getreidematkie austschlag⸗
gebend becinflussen und eine Ermäßiaunag der Getreidepreise
herbeiführen.
Personalnachrichien. Der Maschinensteiger und obere
Werksbeamte 2. Klasse, Karl Jochum, des Steinkohlenberg⸗
werks Sulzbach. ist vom 1. September 1905 ab an die
Ksnioel. Bergfokiorei zu Saarbrücken versetzt woeden, woselbft
ihm die Geschäfte des Tagisteigers bei det Materialien-Ver—
maltung ühertragen marden stnd

— — —
Aus Naß und Fern.
*Saarbrücken, 29. Juli. Gestein vormittag wurde
iim Walde, in dec Nähe des Deutschmühlenweihers, ein Vann
erhängt aufgefunden. Die Persönlichkeit des Lebensmüden
zonnte noch nicht festgestellt werden, doch hofft man diese
durch einen bei dem Toten vorgefundenen Rrief erwitteln
zu können.
*Gersweiler, 28. Jul. Der in den 20er Jahren
dehende Bergmann Echternach von hier, der vor beinahe 2
Jahren auf der Grube Gerhardt verunglückte und jeit dieser
Jeit im Volklinger Lazaeett war, ist seintn schweten L iden
erlegen. Echternach hatte sich in der Grube durch einen
Fali schweie Verletzungen am Urterleibe zugezogen, spaäter
wuiden ihm noch das lin?e Bein und darnach der linke
Arm vollständig amputiert. Saairbr. Volksztg.
eHeinitz, 28. Juli. Von der nah zu 6200 Mann
Ahsenden Beltaschaft der hiesgen Gruhe sind insgesamt 1114

Saa in den Slafbausera der kul. Berginspeltion unter⸗
Febracht. Die Einnahmen der Schlafhaͤnser betrugen im
Jahre 1908 26 765,60 Mk. die Ausgaber 28 003,66 M.
Imit betrug der Zuschuß der Grube 1298.060 M. Da aber
ie Giube außerder roch die Beleuchtungs⸗-und Zeheizungk⸗
vosten trägt, welche 16 066 80 M. erforderten, so beziffert sich der
Besamtzuschuß auf 16 363,86 M. Im abzelausenen Jahre
Jurde in den ämtlichen Schlafhäufern die Petooleumbeleuch⸗
ung durch elkeisches Licht ersetzt, sowie auch eine Relhe
onstiger Verbesserungen berbeigelühtt.
*Saarlouis, 28. Juli. Von einec schweren Heimmuch⸗
ing wurde der Gendarmeriewachtweister Landwehr in Ker.
richhemmersdorf betroffen. Als er von seiner Tour zurüch
am, fand er das Haus verschiossen und seine Frau und sein
inziges Kind tot auf dem Speicher. In einem Anfall von
Zeistssörung hatte die Ftau das Kind, das vor zwei
Manalen vIloklich eiblindet war, erwürat und sich erbängt

* Köln, 29. Juli. (Drei Kinder ertrunken.)
zeit gestern wurden die beiden 13- und 10jährigen Söhnt
es Anstreichermeisters Niederau und der 3 jährige Soyhr
er Witwe Schardin aus Poll vermißt. Die Kinder des
iinstreichermeisters wurden heute in dem Deutzer Industrie
afen gelandet. Man nimmt an, daß der 34 jährige
zchardin ins Wasser gestürzt ist, und daß die beiden
zöhne des Anstreichermeisters bei dem Versuche, den Klei
jen zu retten, ertrunken sind. Die drei Knaben hatie
estern mittag Angehörigen, die in der Nähe des Indu
triehafens arbeiteten, das Mitagessen gebracht.
* Elberfeld, 29. Juli. Cödlicher Unglüchs
alI) In der Hahnerbergerstraße rourde ein sechsjähri
ger Knabe von einem Lastwagen überfahren und getötet
* Recklinghausen, 29. Juli. EEin Unmen ssch.
In der brutassten Weise hat der Bergmann Martin Ci—
hiowsch seine Ehefrau jahrelang mißhandelt. Stöcke, Be—
enstiele, Messer, ja sogar eine Arxt dienten dem Wüterich
azu, das arme Weib zu quälen. Einmal drohte er sein
Frau sogar zu erschießen, indem er ihr den geradener
Revolver auf die Brust setzte. Das Schöffengericht, vor
dem die eigene Tochter als Kronzeugin auftrat, verur
seilie den Unmenschen zu 46 Monaten Gefängnis.
*Frankfurt, 29. Juli. (Derx Besuch Zeppe;«
un 3) Graf Zeppelin jun. ist hier eingetrofsen, um in
Auftrage der Luftschiffahrt-Gesellschaft Zeppelin die Vor
»ereitungen, für die Landung des „8. 2“* zu treffen. Gra
Zeppe in sen.,, welcher das Vuffschiff führen wird, wiri
vährend seines Aufenthaltes in Frankfurt bei dem Praäͤ
denten der ‚Ila“, Kommerzienrat Ganz, Wohnung nes
nen. Zur Feier der Ankunft werden am Samstag Mit
sag auf dem Platze vier Kapellen konzertieren, welchl
ich Abends zu einem Monstre-Konzert vereinigen. An
Zamstag Abend 8 Uhr findet zu Ehren des Grafen Zep
elin im Weinrestaurant der „Ila“ eine Feier statt.
* Kaiserslautern, 29. Juli. Manöverunglü ck.
in den Kavalleriemanövern bei Elscherbach ist. der W
Pr.“ zufolge, der Soldat Ehrhardt des 7. Ulanen⸗Regi
nents aus Saa icten aus Unvorsicht gkeit von seiner
Ldameraden mit einer Platzpatrone in die Stirne geschoi—
en worden und ist daran gestorben.
* Friedrichshafen, 29. Juli. (Ze pp elin 2. ab—
Jenbommen.) Bei sehr unbeständigem Wetter fand
jestern die zweite Probejahrt statt, die zur endgültiger
Aebernahme des „Z. 2* durch das Kriegsministerim führte.
Als Kommissäre fuhren mit in der vorderen Gondel Ge—
heimrat Hergesell und Hauptmann George, in der hinte
ren Gondel Oberst Tchmiedecke. In einer Stunde z3wi—
schen zwei hestigen Regenböen fand am Spätnachmittage
die Fahrt statt. auf der gestern vornehmlich die Höhen
steuerung erprobt urde. Man ging bis zu Höhe von et
va 1000 Meter über dem Meere binauf, zum Teil durch
„ynamische Kraft, und überzeugte sich von der leichter
Zteuerfaͤhigkeit des Fahrzeuges unterhalb der Prallhöhe
das System mit seiner leichten Beweglichkeit in der Ver—
italen zeigte sich dabei wieder in seinen besten Qualitä
en. Ein heraufßziehendes schweres Unwetter ließ es leiden
ratsam erscheinen, die Fahrt bald abzubrechen. Man lan
dete sicher nach dreiviertel Stunden in der Halle, über die
ich gleich darauf ein Platzregen unter stürmischem Wind
ergoß. Das abgenommene Schiff wird etzt eine Nach
ül ung bekommen und sich dann nach der Ila“ und von
za nach Köln auf die Reise begeben.

Die Witterung im August dürste sich, wenn wir
uns nach dem allerdings envas aus der Mode gekomnie—
ten 10014hrigen Kalender richten wollen, anfäng ich trüb
ind regnerisch gestalten, vom 4. bis 6. häatten wir auf
schoöne Tage zu rechnen, am 7 aber steht ein Gewitter zu
rwarten, das starte Niederschlage zur Folge hat. Unbe—
tändige Tage, die bald Regen, oand Sonnenschein brin
gen, dürfsten die vom 9. bis 13. werden. während für
zie Zeit vom 15. bis 21. heitere, schöne Witterung in
Aussicht steht Dann soll das Weiter wieder veränderlich
verden und sich bis zum Ende des Monats in wechseln—
der Laune zeigen Bruno Bürgel, der bekannte Nachsfol—
ger Rudolf Falbs, prophezeit gleich alls für die ersten
Tage des Monats jstürmische und regnerische Witterung.
die Zeit vom 5. bis 16. sotl uns nach der Ansicht des
senannten Meteorologen klares und schönes, wenn auch
vindiges Wetter bescheren, dann aber dürfte es veränder⸗
ich und unjfreundlich werden, Niederschläge treten ein, es
vird kühl und stürmisch und bleibt so bis zum letzten
age des Monats. Während Bürgel im 1. August einen
riüschen Tag von nur mittlerer Stärke und auch im 16.
inen solchen von geringer Bedeutung erblickt, bezeichnet
ruden 31. als einen starken kritischen Tag, der möglicher⸗
veise Vulkanausbrüche. Erdbehen odor Eruhoenkatastrovhen
nit sich führt.
Zündhölzer mit zwei Köpfen. Zur Erleichterung
der Findholzfsieuer wird der Plan erwogen, auf beiden
Zeiten zündende Streichhölzer in den Handel zu bringen.
die Interessenten der Zündholzindustrie hatten bei den
— —— bezüglich der
ieuen Steuer dazu stellen würde, wenn die Fabriken in
zukunft auf beiden Seiten zündende Hölzer anfertigen
würden. Die Interessenten erhielten den ministeriellen Be—
scheid, daß dies eine Privatsache der Industrie sei. die
nit der Steuer nichts zu tun habe.
Steuer und Konfumenten belastung. Wenn man
zie Beschlüsse der einzeinen Branchen überblickt, wie diese
ach der Einführung der neuen Steuern das Publilum
cheren wollen, dann könnte einen förmliche Verzweiflung
arüber erfassen, was sich heute der Konsument alles ge—
allen lassen muß und was alles unter dem Titel „neue
Zleuern“ zu lauisen hat. Wir wollen nun gegenübersiel⸗
en, was nach den Beschlüssen gewisser Branchen die Kon⸗
umenten zu tragen haben und wie hoch die Steuerlast
atfächlich ist: Bier: 100 Millionen Mark Steuern, Auf⸗
chlag aber 438 Mill. M.; Branntwein: 80 Mill. M.
Zteuer, Aufschlag aber 100 Mill. M.; Tabak: 43 Mill.
Nark Steuer, Aufschlag 86 Mill. M.; Kaffee 37 Mill.
Nark Steuer, Aufschlag 54 Mitl. M.; Zündhölzer: 25
Rill. M. Steuer, Aufschlag 30 Mill. M. Bei diesen fünf
lrüteln beträgt die Steuer also 295 Mill. M., der Auf⸗
hlag aber 768 Mill. M., also nahezu 300 Prozent Auf⸗
—XD— allez die Steuer verur—⸗
icht haben.

Telegramme.
Saarbrücken, 30. Juli. Geftern morgen wurde die
djährige Tochter des Bankdirektors Donner von der Bergifch⸗
Märkischen Bank vermißt. Man suctte und fand das junge
Paädchen entseelt im Badezimmer. Sie itte dort den Gas⸗
sahn aufgedteht und sich unmittelibar davot gelegt. Das
Motiv der Tat soll unglückliche Liebe sein.
Berlin, 29. Juli. Es bestätigt sich, daß das Militär⸗
zuftschiff Groß 2 an den diesjährigen Kaisermanövern in
Würlleraberg teilaehmen wird. Bei dieser Gelegenheit soll
auh die Zetlegbarkeit erprobt werden und sich bei den Ver⸗
ehrstruppen befinden.
Berlin, 29. Juli. Wie eine hiesige Korrespondenz
meldet, sind gestern abend eine Anzahl Vorstandsmitglieder
des konservaliven Verein Berlin und Umgegend hier zusam⸗
mengetreten und haben gegen die Haltung der konseroativen
Reichsstagsfraktion zur Reichefiganzreform Stellung genommen.
Die Versammelten beschlossen die Gründung einer neuen
onservativen Partei auf volkstümlicher Grundlage. Das
Programm und der Aufruf zum Beitritt sollen bereits in den
zächsten Tagen veröffentlicht werden.
Berlin, 29. Juli. Wie das B. T. erfährt, sind zwischen
den beteiligten Regierungen unverbindliche Verhandluugen im
Zange über eine direlte Fernsprechleitung zwischen Berlin
ind London.
Kaiserslautern, 29. Juli. Der Dragoner Ehrhart
rus Darsdorf bei Köln, der Dienstag beim Manöder in der
Pfalz von einer Plaszvatrone getroffen wurde, ist hier gestor—⸗
hen
Köln, 28. Juli. Im Indufriehafen siel heute nach—⸗
mittag ein Zjähriges Kind in das Wasser und ertrank. Zwei
Knaben im Alter von 10 und 13 Jahren, die das Kind
letten woslten, ertranken ebenfalls.
Koölu, 29. Juli. In den früheren Verhandlungen der
Brauer und Gastwirte über die Bierpreiserhöhung haben sich
ie Gastwirte geweigert, die von den Brauereien geforderte
khöhung von 5 Mark auf das Hektoliter zu bewilligen und
ronzedierten nur 3 Mart. In der heutigen Versammlung
von 70 Kölner Brauereibesitzern und solchen aus dem Land⸗
rteis Köln und der Bonner, Eusktichener und Dürener Ver—
Ȋnde wurde das Verhalten der Kommission, die bei den
Verhandlungen mit den Gastwirtsverbänden «uf einer Preis⸗
erhöhung van 5 Mork bestanden hatte, geblilligt und be—
schlossen, an der Echöhung von 5 Mark strikte festzuhalten
und sie am 1. August eintreten zu lassen.
Heidelberg, 29. Juli. Auf eine Aufrage des Heidel⸗
berger Tageblaties in Friedrichshafen über den Weg und
die Tageszeit der bevorstehenden Fahrt des 8. 2 nach Frank⸗
urt lief von der Zeppelin⸗-LuftschiffbauGesellschaft die Ant⸗
vort ein, daß 3. 2 am Samftag tkurz nach Mittag von
Heilbronn in Heidelberg eintreffen und ohne Anfenthalt die
Zergstraße entlang über Darmstadt und Frankfurt weiterfah⸗
ten werde. Bis Heidelberg wird das Luftschiff vermutlich
allen Windungen des Nickar folgen, aber kurz vor dem
Schloßberg in das Nedcartal einbiegen, jodaß es von beiden
Ifern aus sichtbar wird.
Paris, 30. Juli. Meldungen aus Melilla besagen
aß dort eingetroffene Telegtamme behaupten, daß die Ver—
uste der Mauren so große gewesen seien, daß die Toten zu
Junderten verbranni wurden, damit sie gleichzeirig beerdigt
verden konnten. Die Riffleute sind entmntigt und beschäft⸗
gen sich mit der Frage des Friedens, befürchten jedoch, daß
die Auslieferung der Waffen gefordert wird.
Madrid, 29. Juli. Aus Melilla iß die Meldung von
inem neuen schweren Kampfe mit den Mauren eingetroffen.
Der Minister des Innern sagte darüber: „Leider sind außer
dem General Pinto noch mehrere höhere Offiziere gefallen,
wrer die Höhe des Mannschaftsoerluftes ist die Regierung
elbst noch nicht infoemieri. Die Spanter haben ihre Position
zartnäckig verteidigt und auch behauptet.
Madrid, 29. Juli. Einer bisher unbestätigten Meldung
ufolge belaufen sich die Verluste der Spavrier bei dem letz⸗
en Gefecht bei Melilla auf 1000 Tote und über 1000 Ver⸗
vundete. Die Lage in Madrid und Barzelona wird immer
rüber. In Barzelona, wo die Nevolutionäre Herr von
janzen Siadtteilen sind, errichten sie Barikaden von der
döhe eines Stockvwerkes. Es derlautet, daß der Gouverneur
oon Barzelona ermordet worden sei.
London, 30. Jul. Nachdem der Bund der großbei⸗
—
mit 62,980 Stimmen gegen den Generalstreil ausgesprochen
zat, der am 1. Augusft zu beginnen hätte, treten die Dele⸗
zierten der schottischen Bergleuse, die jetzt schon streiken und
u deren Unterstützung der Genecalausstand in Kraft treten
vürde, gesteen nachmittag unter dem Vorsitze des Finanz⸗
ninisters mit den Grubenbesitzern zusammen, um eine Einig ⸗
uing herbeizusühhren. Die Konferenz dauerte bis 8 Uhr
bends. Die Bergarbeiter erklärten, daß sie eine Lohnherab⸗
itzung unter 6 Schilling pro Tag nicht für ihre Kameraden
ingehen dunften. Es kam noch nicht zu einer bestimmten
Zereinbarung, aber die Hoffnung auf eine solche wächst, da
ie Zechenbesitzer zut Nachgiebigleit bereit sind. Heute wer⸗
zen die Verhandlungen fortgesezt, von denen man allgemein
rwartet, daß sie Ftieden bringen werden.
* Paris, 30. Juli. In dem gestrigen Maninerrat ha
Zräsident Fallieres aui Antrag des Kriegsministers ein
dekret underzeichnet, wodurch die sieben Soldaten der
fremdenlegion, die in Casablanca desertierten und zu dem
eutsch⸗franz ösischen Zwischenfall Anlaß gaben, begna
igt werden. — Der Wiinisterrat billigte die von dem Ma—
cineminister vorgeschlagene Reorganisation der Rentral—
»erwaltung der Marine.
* London, 30. Juli. Im Unterhause wurde gestern
der Staatssekretär des Innern gefragt, warum die Poli
zei die letzte Nummer der soziaiistischen Wochenschrift „Ju.
tice“ veschlagnahmt habe, worauf Herr Gladstone erklärte,
die Nummer reize zu Verbrechen auf und sei darauf be—
rechnet, zu Störungen des Friedens zu führen. Daa
Blaͤtt enchält nämlich ein Bild, das den Zaren im Traumt
darstellt, auf eine rauchende Bombe blickend. Eine Auf⸗
eizung zu Verbrechen kann hierin nicht liegen und in
adikalen und sozialistischen Kreisen herrscht über das Vor—
jehen der Regierung große Entrüstung. Die „Daily News?
chreibt: „Durch diesen Vorgang wird eine Preßzensur der
gefährlichsten Ärt errichtet, eine summarische Zensur durch
zie Polizei. Die Freiheit der Presse ist aber zu wichtig,
um fummarisch von der Polizei abgetan zu werden.“
Dower, 80. Juli. Santos Dumont und Bololow
ind nach dem Aermelkanal abgereist. um Versuche zu machen
den Aermelkanal zu Überflieger
            
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