Aus Padrid wird gemerder: Bie duutigen Zusammen
söße zweschen Volt und Militär in Barcelona ar
teten ssellenweise in regelrechte Gefechte cu3. Bishe
wurden vier Gendarmerie-Offiziere u1d Gendarmer
teils Jetötet, teils verwundet. Von den Aufständiger
fielen etwa 30, mehr als 100 wurden verwundet.
„Daily Telegraph“, „Daily Erpreß“ und „Standard“
hringen wichrige, durch Spezial-Kuriere an die Grenze be
förderte Madrider Depeschen, denen zusolge ganz Spa
nien am Vorabende der Revolution steht. Die Ervbitter
ung der Bevölterung wächst täglich infolge der von der
Regierung bejolgten Politit der Verschleierung. Als streng
katholisch bekaunte Adelsfamillen erhalten Drohbriefe
Manche siedeln ins Ausland über. Barcelona ist voll—
ftändig in den Händen der Revolutionäre. Jetzt soll das
ganze 3. und 4. Armeetorps, ferner zwei KavallerieBri—
gaden dorthin abgehen. Die eine Brigade wird vom
Prinzen Ludwig von Bayern kommandiert—
Die Kämpfe im Riff.
Der „Standard“ erfährt, daß der spanische Marine
minister einen Vertrauten nach London gesandt hat mi
dem Auftrage, für die spanischen Truppen in Marokko die
engeische Handgranate zu erwerben, die in Madrid be—
reits mit durchschlagendem Erfolg ausgeprobt worden ist
Diese Granate, von der jeder Soldat 6 Stück an
Bandelier tragen kann, kann aus edem Gewehr 270 Me
ter weit geschossen oder aber mit der Hand ge—
worfen werden und richtet bei der Erplosion furchtbare
Verheerungen an.
Der Minister des Innern gibt bekannt, daß bei Me—
lillha ein außerordentlich blutiger Kampisstattge
iunden habe. Die Verluste der Spanier, die ihre Posi
tionen behaupteten, seien sehr bedeutend, edoch zahlen
mäßig noch nicht bekannt.
Ein spanisches Kanonenboot soll in den Gewässerr
von Melilla ein Segelschiff mit großen Munitions-Vor
räten aufgebracht haben, das hundert bewaffnete Kabyler
an Bord haͤtte.
In dem begonnenen Kampf zwischen der Brigad
des Generals Pintos und den Spaniern sollen die
Marolkkaner 1000 Mann verloren haben. Die spanischer
Verluste werden nicht angegeben. Es ist aber aus aller
Meldungen zu ersehen, daß sie bedeutend sind.
Privatmeldungen über die Situation in Me—
lLilla lauten höchst beunruhigend. Außer dem Genera'
Pintos sotlen mehrere Offiziere gefallen sein
Die Bierpreisbewegung.
* Krefeld, 29. Juli. Die freie Wirtevereinigung be—
schloß, die erhöhten Bierpreise ab 1. Septem—
ber in Kraft treten zu lassen. Folgender Beschluß wurde
gefaßt: Die heute zu Krefeld versammelten bevollmächtig
den Vertreter des Niederrhei ischen Brauereiverbandes, so—
wie 350 —400 versammelte Wirte von Krefeld und Um—
gegend erkennen einstimmig an, daß im Zusammenhangç
mit dem am 1. August d. J. in Kraft tretenden Brau—
steuergesetze eine Erhöhung des Bierpreises sowohl im
Zwischenhandel wie ini Kleinverkauf eintreten muß, die
nicht nur die jetzige Brausteuererhöhung, sondern auch die
Mehrbelastung durch den Zolltarif und die vielen, veson—
ders das Wirtegewerbe bedrückenden Sondergewerbesteuern
sowie den bestimmt zu erwartenden Konsumrückgaang zum
Ausdruck bhrinat
Aus aller Welt.
* Verhaftete Totschläger. In Hörgersdorf in Nie
derbayern wurden ein Schreiner und ein Dienstknecht ver—
— Nachts auf dem
Heimwege aus Eifersucht überfallen und erschlagen. Die
Verhafteten haben ihre Tat bereits eingestanden.
* Ehedrama. Insolge von Vorwürfen über seinen
lüderlichen Lebenswandel brachte der Arbeiter Bernhard
Wert in Stettin einen Mordversuch auf seine Ehefrau.
Darauf beging er Selbstmord, indem er sich mit einem
Rasiermesser die Kehle durchschnitt
* Zwei Personen gerettet. Die Rettungsstation La—
zoe der Deutschen Rettungsgesellschaft zur Rettung Schiff—
brüchiger telegraphiert vom 29. Juli: „Von dem auf der
Kolberger Heide gestrandeten deutschen Schiff „Theodora“,
Kapitüun Frahm, wurden zwei Personen durch das Rert—
ingsboot „Walter Wolfgang Ernst“ der Station geretter.
*Volk und Polizei. Aus Budapest wird gemeldet:
Beim Kirchweihfest in N“˖varad und Seliye hatte ein Gen—
darm, der bei einer Rauferer die Ruhe wieder herite“
wollte, einen Burschen erichnsser
itel bewainet
*Ein deutscher Flieger. Wie die „Inf.“ erfährt
nähert ach ber aviatische Flugapparat des Wajors vor
Parsebal einer Vorenduna Sie ersern Glüge werden mi
ihm voraus hte Aan Septenber unternommen
werden lbennen, 4 ver vierzyuendrrge 40 PS Wotor noch
ausprobiert wird. Ueber die lechnischen Einzelheiten die,
ses deutschen Aeroplans ersauren wir jolgendes: Er iß
ein Eindecker, desen Spannweite 14 Wieiter und desser
Länge 12 Meter verrägt. Seceian Gewicht wird ungefähr
1000 5tilogranim (1) groß sein. Die Antriebsschrauber
definden sich aun der vorderen Seite des Flugapparates
Er hat an veiden Selien lange Schwimmerleisten, mi
deren Hucse der Apparat vom festen Lande und vom Waj
er aus auffnüegen tanu. Voraussichtich wird der Appa—
rat imstande jein, drei Manner zu tragen. Die Halle für
den Parseval-Flieger, der von der Versuchsabteilung der
VBerkehrstruppen in Schönederg gebaut wurde, vefindel
ich am Tempethoferfelde und hat eine Bodenfläche von
250 Quadraumetern. Daneben ist noch eine tleine Pro
ierhalle für Lufischisffichtrauben
Die Fünfhundertjahrfeier
der Universität Leipzig.
Das Leipziger Universitätsjubiläum nahm Mittwod
bend mit dem außerordentlich angeregt verlaufenen Em
fang der Ehrengäste in der Aula der Universität seinen
Ansang. Einige hundert Gelehrte von nah und sern ver
ammelten und begrüßten sich unter Max Klingers neuem
Jewaltigen Ho mer-Fresko und zeigten sich auch ei
nem „kleinen Imbiß“ nicht abhold. Eine zwanglosere,
illen Festteilnehmern zugängige und durch das andere Ge—
schlecht belebte Begrüsungsfeier im Palmengar—
ten schloß sich in späterer — unde an. Das Wetter sieht
leider nicht wie Juli aus. — Die Universität wird anläß—
lich der Jubelfeier 66 Ehrendoktoren ernennen.
Die Namen der Ausgezeichneten werden von den Dekanen
der Fakultäten am Freitag beim Feitakt verkündet
Zu den Festlichkeiten sind Vertreter von 82 Univer
itäten erschienen, außerdem auch Deputatiovnen von Aka
»emien, gelehrten Körperschaften und Technischen Hoch
chulen. Zu den Anwesenden zählt auch Prinz Johanr
hßeorg von Sach en, der Kronprinz von Runänien und
»er Herzog von Sachsen-Altenburg. Es fällt allgemieit
ruf, daß beim 500jhrigen Jubiläum der Universität die
Nitglieder der 2. Kammer nur zu einzelnen Festlichkeiten
ugelassen sind. Ausgeschlossen sind sie vom Emwignächsischen
Königs, sowie der Gäste
er sächsischen Staatsreosern
Vandelhalt—
Uhr auf dem Dresdener Bayhnyose. Im Fürstenzimme
des Bahnhofs fand Empfang des Königs durch den Ret
tor der Universität und die Spitzen der Behörden statt
Der Koͤnig begab sich hierauf zu Wagen nach dem könig
lichen Schloß. Nach kurzem Auenthalt dort fuhr der Kö
nig und die anderen Mitglieder des Königshauses nac
der Universitätskirche, wo er vom sächsischen Kultusmin
ster Dr. Beck und dem Universitätsreltor Professor Di
Binding empfangen wurde. Die Fesipredigt hielt der Ge
heime Kirchenrat Dr. Rietschel. Nach Schluß des Fesr
gottesdienstes begann um 106 Uhr im neuen Stadtthea
ser der eigentliche Festakt. Zunächst erfolgte die Beglüd
wünschung der Universität durch König Friedrich Augusi
worauf die hier eingetroffenen Deputationen der auswär
tigen Universitäten ihre Glückwünsche darbrachten. X
dem Festalt fand beim Universitätsrekror Frühstück statt
Abends gab die kgl. Staatsregierung im Palmengarte:
ein Festmahl.
Vermischtes.
Von einer Selbstmordkomödie eines Liebespaa
res weiß der „L.A.“ zu berichten. In einem Hause de—
Nordostens der Stadt Berlin gab es große Aufregung
Die 17jährige Emma L. aus Charlottenburg wurde in
der Wohnung ihres Bräutigams bewußtlos aufgefunden
Der jzuunge Mann lief verzweifelt zu seiner Mutter in di,
Küche, spülte eine Flasche aus, wie um die Spuren ei
nes Gistes zu verwischen, und brach dann ebenfalls wi—
tot zusammen. Mit lautem Jammern rief die Mutter das
ganze Haus zusammen. Auch die Poölizei kam, und es
galt als ausgemacht, daß mindestens ein Doppelselbstmord?
vorliege. Aber die jungen Leute erholten sich wieder
Es war also beim Versuch geblieben. Bald konnte mar
daran gehen, die Ursachen der Tat auzuklären. Da er
gab sich dann, daß die Mutter des jungen Mannes, ei
nes 19 Jahre alten Bureaugehilfen, das Verlöbnis erf
gebilligt und dann widerrufen hatte. Sie wollte jetz
von dem Mädchen nichts mehr wissen, auch dann noch
nicht, als ihr durch Zufall, wie sie meinte, ein Zettel in
die Hände fiel des Inhalts: „Wir scheiden aus dem Le—
ben!“ Die Tat selbst, an die sie nicht geglaubt, hatte der
Frau doch einen Schreck eingejagt. Ihre Stimmung schlug
aber wieder um, als sie sah, daß die jungen Leute kei—
sen Schaden genommen hatten. Diese Tatsache und die
BGenesung waren schließlich doch etwas auffallend. Das
Mädchen gestand endlich, es habe nur einen Krampfan—
fall gehabt, und der junge Mann bekannte zum Schluß.
alles sei nur Komödie gewesen. Seine Braut datte we
der Gift genommen, noch Krämpfe gehabt, in die
Flasche, die er ausgespült hatte. war vur Auwei or
gewesen. Fräulein v. hatte die Rolle der Selbstmörderir
gut gespielt.
Von zwei weiblichen Banditen, die eine Automo
bil⸗Gesellichaft aufhielten und ausplünderten, wird aus
Denver in Colorado berichtet. Der bekannte Automobilis
Charles Glidden, der im vorigen Jahre mit seinem Wa
gen Europa und Asien durchquerte, verließ — auf eine
Fahrt von New-Yort nach Seattle — zusammen mit dre
anderen Personen die Stadt Denver. Am Abend ge
wahrte die Gesellschast an einer einsamen Stelle im Ge
birge plötzlich zwei Frauen, die Rufe ausst'eßen, so daf
man annehmen mußte, daß sie irgend welcher Hilse be
dürften. Der Führer des Automobils verlangsamte in
folgedessen die Fahrt des Wagens, als plötzlich die bei
den Frauen, die in einer Art Cowboy⸗-Kostüum steckten
Revolver hervorzogen und auf den Lenker des Gefährtes
mit der Aufforderung vollständig anzuhalten, richteten.
In jeder Hand je einen Revolver haend, befahlen dann
die beiden Frauen den Insassen des Automobils, ihnen
fämtliche Geldmittel und Wertsachen einzuhändigen, und
einer der Herren der Gesellschaft hatte das Geld und die
Schmucksachen dann einzusammeln und auf den Straßen
tand zu legen. Dann befahlen die beiden weiblichen Ban—
diten ihren Opfern, sich schleunigst auf und davon zu ma—
chen, und diese sahen angesichts der vorgehaltenen Revol—
ver keinen anderen Ausweg mehr, so daß sie tatsächlick
chleunigst absuhren. Die Beute der beiden Räuberinnen,
deren Spuren man später trotz eifrigster Nachforschunger
nicht mehr auffinden konnte, hatte aus vier *
zen und 2400 Mark in hor hoeiteat