Full text : Dudweiler Zeitung

er. 175 23. Jaheg.
Dudweiler ßeitung 53
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der Sonn⸗ — Petitzeile,
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Redaktion, Druci und Verlag von J. Unterkeller. Dudweiler

Die Kämpfe um das Riffgebiet.
Man wird sich, wie es scheint, allmäsich mit de
Möglichkeit vertraut machen müssen, daß nächstens ei
nes schönen Tages die Nachricht kommt, Melilla se
von den Maroktanern des Riff erobert und die Spa
nier aus dieser Festung, der Hauptstütze ihres nordafrika
nischen Besitzes, hinausgeworfen worden. Die wuchtiger
und hartnäckigen Angriffe, die der Platz seit mehr alq⸗
einer Woche auszuhalten hat, und die schweren Verluste
die zwar die Marokkaner, aber auch die Spanier erlitter
haben, deuten darauf hin, daß es sich nicht um eines de
Scharmützel handelt, die seit vielen Jahren zwischen der
unbändigen Stämmen des Riffgebietes und den spanischen
Besatzungen der Presid os von Zeit zu Zeit geliefert wer
den, sondern daß dem Angriff der Marotkaner ein be—
ftimmter, wohl durchdachter und gut vorbereiteter Plar
zu Grunde liegt. Schon die Zahl der Marokkaner, die
von den Spaniern auf 15- bis 20 000 Mann geschätz
wird, läßt vermuten, daß die Riffleute, die schonst schwer
in größeren Massen zusammenzubringen sind, einen ent
scheidenden Schlag beabsichtigen; höchst wahrscheinlich ha
ben sie sich vereinigt, um mit einer gewaltigen Anstreng
ung die Spanier, von denen sie sich immer mehr bedräng
und beeinträchtigt fühlen, von ihrem heimischen Boden
zu vertreiben. Die Spanier selbst waren zwar in mili
tärischen Maßnahmen für ihre Besitzungen begriffen, abe—
ihre Vorbereitungen waren doch noch nicht so weit ge
diehen, daß Melilla gegen so außergewöhnliche Greignisse
genügend geschützt war. Stadt und Festung von Mella
ind von einem Kranz von ausgedehnten Werken umge
oen, deren Bemannung eine größere Anzahl Truppen er
heischt. Es ist die Absicht der Marokkaner, diese Außen—
werlde von der Festung abzuschneiden und dann beide ge—
trennt zu überwältigen. Die Riffleute haben zwar keine
Belagerungsgeschütze, aber sie sind mit guten Gewehren
vewaffnet, und was ihnen an Ausrüstung fehlt, das er—
setzen sie durch die Menge ihrer Streiter, durch ihre Hart
näckigkeit und Todesverachtung. Die Spanier haben, wie
ihre Berichte sagen, Wunder der Tapferkeit getan, aber
wie sollen auf die Dauer die Soldaten, die nur ihre
Pflicht tun, gegen den Fanatismus der Maroktaner auf—
kommen, die für ihre Freiheit kämpfen und den heiligen
Krieg gegen die verhaßten Fremdlinge führen?
Wenn die Riffleute diesmal eine ganz besondere An—
strengung machen, so scheinen sie dazu durch eine ganz be—
stimmte Wahrnehmung veranlaßt worden zu sein. Den
Marokkanern ist es sicher nicht verborgen geblieben, daß
Spanien ungewöhnliche Rüstungen begonnen hat. Schon
vor Monaten hat die Regierung größere Kredite verlangt,
wie man sie nur für einen förmlichen Krieg braucht; als
die öffentliche Meinung sich darüber aufregte und gegen
jeden Krieg protestierte, ließ die Regierung erklären, daß
sie nur beabsichtige, die Besatzungen in Nordafrika zu ver—
stärken und die Presidios, insbesondere Melilla, gegen
jeden Angriff sicherzustellen. Dazu kamen noch andere
Umstände, die Bedenken erregen mußten. Die spanische
Regicerung hat Ronzesiionen für Bergwerke vergeben, die
auferhalb der Grenzen ihrer Presidios, also auf dem
rechtich undestreitbaren Gebiete der Riffleute liegen. Un—
ter den Gegenständen, die der spanische Gesandte Merry
verflossenen Frühjahr zum Sultan Muley
vebandeln sol'te, befand sich ver—
der Sultan den Spa—
VDraidias auszu—

Die spanische Regierung macht jetzk gro ße Anstreng—⸗
ungen, um der Gefahr zu begegnen und die erhaltenen
Schlappen auszuwetzen. Aber sie hat jestzt nicht bloß ge—
zgen die Marokkaner, sondern auch gegen die eigenen
Landsleute zu kämpfen. Die Bevölkerung will von ei—
nem Kriege nichts wissen und protestiert mit Wort und
Tat gegen die Politik der Regierung und gegen die Ab—
sendung weiterer Truppen. Die Regierung geht gegen die
widerspenstige Bevölkerung mit Zensur und Belagerungszustand
 vor, aber das wird wohl nicht viel helfen; wenn
der Groll sich nicht äußern kann, dann sammelt er sich
desto mächtiger im Innern und es kann zu desto gewal⸗
tigeren Ausbrüchen kommen. Es wird also jetzt bei Me
lilla nicht bloß um einen spanischen Besitz, sondern auch
um die Ruhe und den Frieden Spaniens selbst gekämpft.
BVolitische NRundschau.
Deutsches Reich.
* Ueber die Reorganisation des AUuswärtigen
Amtes wiill eine Berliner Korrespondenz an zustaͤndi
zer Stelle er'ahren haben, daß Herr von Schoͤn nach
der technischen Seite vor allem eine Vereinfachung de—
gesamten Geschäftsganges seines Refssorts als notwendie
erkannt habe. Bei den Konferenzen, die auch weiterhit
in dieser Sache unter dem Vorsitz des Staatssekretärs ge
führt werden, sollen die Aenderungen genau erwogen wer
den, und in der Nutzbarmachung der modernen Hilfsmit
tel, wie Telephon, Schreibmaschine, sei alses Erforderlich
bereits geschehen. Zur Personalfrage scheibt dann die
dorrespondenz weiter: „Die starke Arbeitsüberlastung mach
ich, wie der Staatssekretär schon eingehend dargelegt hat,
»esonders schwer an den oberen Stellen geltend. —X
ẽ5ntlastung des Staatssekretärs und des Unterstaatssekre
ärs wird sich die Forderung für einen Direktor der poli
ischen Abteilung nicht mehr aufichieben lassen. Diese Ab—
eilung ist die einzige, deren Direktorialgeschäfte nicht von
inem besonderen Beamten wahrgenommen werden, son
wern dam Staatssfekretär selber obliegen. Die Bedürfnisse
Personalvermeyrung wurden ourch Schaffung diese
neuen Stelle allerdings noch nicht befriedigt sein. Di
allgemeine Zunahme der Aufgaben vornehmlich in de
zolit chen Abteilung wird auch noch andere Stellenver
mehrungen erforderlich machen.“
* Dem Vernehmen nach ist eine Besserung in dem
Befsenden des Abg. Bebel, der an einer Herzkrank
heit ierant und außerdem mit einem hartnäckigen Augen
seidenn u kämpfen hat, bislang nicht eingetreten
Hr. SBedↄel beabsichtigt, bis zum Ortober an seinem bis
herigen Ausenthaltsorte Zürich zur Erhorung zu verbleiben
* Der erste Entwurf einer Novelle zur Neuregelung
der Bestimmungen über die Sonntagsruhe wird dem
iächer im Reichsamt des Innern fertiggestellt sein. In
Anjasuß hieran sollen erneute Konserenzen mit den Ver
reiern der verschiedenen Gewerbezweige stattfinden. De—
Entwurf will bekanntlich die Sonntagsruhe im Interess
ser Handelsangestellten noch mehr erwei
errn und für gewisse Geschäftszweige nur noch die Reis
or dem Gottesdienste freigeben.
* Die Ersatzwahlen in den vier Berliner
Vahlkreisen zum preußischen Landtage,
»e infolge der Ungültigkeitserllärung der Wahlen der
Uogg Hoffmann, Heimann, Borgmann und Hirsch no—
vendig geworden sind, werden aegen Mitte Oktober statt
inden.
Die R623postverwaltung plant, wie ve—
g von Depeschenbriefen. Mit
r die Befjörderung mit
deren schnellster Ue—
ain·

t * Die Weeldung von einer bevorstehenden Fahrt Fal—
seres nach Marienbad zu einer Begegnung mit
Tonig Eduard ist nach Infsormationen an zuständi—
zer Stelle ein Irrtum

Italien.
*Aus Spezia wird den röomischen Blättern gemeldet,
daß die Zusammenkunft zwischen dem Zaren und
Tönig Vittor Emanuel im Kriegshafen von
Zpezia stattsindet und am Tage der Zufammenkunft das
ranzösische Geschwader den beiden Herrschern den Gruf—
der französischen Nation überbringen werde. Hierzu äu—
zert sich die römische Presse wie folgt: Daß aus inner—
olet.schen Gründen für die Zusammenkunft ein möglichst
tuhiger Boden gesucht wird, ist selbstverständlich und un—
ler diesem Gesichtspunkte Speziax gewählt worden. Ein
Bruß der französischen Flotte wird indessen unterbleiben,
senn in Paris denkt man am allerwenigsten daran, eine
o ostentative Kundgebung zu veranstalten. Wahrscheinlich
indet aber die Zusammenkunft aber gar nicht in Spezia,—
ondern in der Meerenge von Messing statt

Englaud.
* Das Kriegsministerium gibt bekannt, es habe be—
chlossen, die Territorialarmee durch Bildung einer Re—
erve zu erweitern, die alle geeigneten Leute umfassen
oll, die sich zur Teilnahme an der Landesverteidigung
ereit zeigen. Die Reserve werde aus drei Klassen be—
tehen. Zur ersten Klasse sollen 100 000 Mann gehören,
die bei Verlusten im Kriege als Ersatz herangezogen wer—
den. Die zweite Klasse soll eine technische Reserve dar—
tellen, die aus technischen Fachleuten besteht, die nicht
Militär gewesen sind, im Falle der Not jedoch wertvole
Dienste zu leisten vermögen. Die dritte Klasse besteht in
tiner Veteranenreserve aus gedienten Offizieren und aus
Hannschaften, die dazu bestimmt ist, die Behörden in eine
virksame Beziehung mit dem mil' tärisch nicht organisierten
Mmenschenmaterial Großbritanniens zu hrinden

Der Aufruhr in Spanien.
Nach einer Depesche des „Matines aus Madrid, bildet
die öffentliche Meinung durchaus die Aufhebung der kon—
titut. onellen Garantien im ganzen Lande und drückt die
Ansicht aus, daß bei der außerordentlichen Lage auch
außerordentliche Mittel am Platze seien. Die Entrüstung
gegen die Ereignisse in Barcelona ist allgemein und die
Reaktion gegen diese Vorgänge macht sich bereits in
verschiedenen Städten bemerkbar. So wurden bei—
spielsweise in Saragossa die nach Marotko abfahrenden
Truppen lebhaft ailamiert. Im Minfsterium des Innern
glaubt man, daß die Unruben in Barcelona bald
bveendet sein werden.
Der Minister des Innern läßt erklären: Die jetzigen
Unruhen sind ein AUusbruch sozialer Gärung
im ganzen Lande und unter den augenblicklichen Umstän—
den ein revolutionärer Attentatsversuch nicht nur gegen
das bestehende Regime, sondern gegen das Vaterland über—
haupt. Dementsprechend habe ich Besehl gegeben, Glei—
ches mit Gleichem zu vergelten. Die bewaffnete
Macht wird unverzüglich auf jeden schießen, der
die Eisenbahn-Verbindung beschädigt.
Ein Dekret, welches die Aushebung der verfas⸗
jungsmäßigen Garantieen in ganz Spanien ausspricht, ist
»om König unterzeichnet worden.
Zwei Kreuzer und drei Torpedobootszerstörer aus Fer—
rol erhielten von der spanischen Marine-Verwaltung den
Befehl, nach Barcelona abzuzehen. Marine-Infanterie sols—
gleichfalls dorthin abgesandt sein.
Nm dem Industrieort Rioja ist der General«⸗
und es ist zu ernsten Tumulten ge—
vie Streikene
            
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