Ferchstanzler die richtige Adresse, und kompetente Stelle.
Wenn solche Dinge vorkämen, wo Gewerkschaften in der
Ausübung des Vereinsrechles beschränkt würden, so treffe
die Schuld das Gesetz selbsi, und namentlich auch dietent
zen, welche die Zustimmung zu dem Sesetz erteilt haben
Es bleibe nichts anderes übrig, als daß das Gesetz selbp
Wbgeändert werde. Geifall im Zentrum.)
Abg. Gans z uPuttlitz (CEons.) erklärt: Die Vor—
würfe des Vorredners gegen den Staatssekretär für un—
richtig, angesichts der loyalen Art, in der der Staats—
ekretaär zu dieser Angelegenheit Stellung genommen habe.
Seine Freunde seien der Ansicht, daß, nach den damals
in der Kommission abgegebenen Erkläͤrungen völlig kor—
tekt verfahren worden sei. Das Ergebnis der Interpella—
fionen sei für ihn, daß von den unteren Behörden in ge—
radezu überraschend wenigen Fällen Fehlgriffe vorlägen
Abg. Junck(ntl.) ist der Meinung, daß nach dem
hesetz korrekt verfahren worden sei, er und seine Freunde
eien der Ansicht, daß Berufs-Vereinigungen abaeseher
von den polnischen, zunachst menglichs geschont worder
müßten, wie denn überhaupt möglichste Freinet erwünsehn
sei. Was aber die polnischen Berufssvereine anlange, se
habe der Staatssetretar gesiern eine geradezu erdrückende
Fülle von Beweisen dasür erbracht, daß die polnischen
Bewerkschaften polnisch-nationale und großpolnische Ziele
derfolgen. (Widerspruch und Beifall.) Abgesehen von dem
Sprachen⸗-Paragraphen seien ja Mißgriffe vorgekommen
Er erkenne an, daß der Staatssekretär sein Anfssichtsrecht
'orrekt, loyal und auch energisch handhabe. Er erkenne
erner an, daß auch die Einzelstaaten möglichstes Entge—
genkommen gezeigt haben. Fälle, über eine falsche Hand—
jabung des Gesetzes, seien keine vorgebracht worden, oder
ie seien durch die Stellungnahme des Stagtssekretärs er—
edigt worden.
Aba. Müller⸗Meiningen (F. Vp.) meint, der Ab
geordnete Roeren habe sich große Uebertreibungen zuschul—
den kommen lassen. Er habe das auch gestern wiedern
jesehen, in einem Falle, in dem seine Kommentare und
eine damaligen Anfragen an den Staatssekretär wegen
der Gewerkschasten berührt worden seien. Er berufe fich
zuf Herrn Hue, der sehr wohl gewußt hahe, daß sein
Rede wegen der Gewerkschaiten nur auf die deutschen
vewerkschaften Bezug haben könne. In seinem Kommen
ar sei ausdrücklich zum Ausdruck gebracht worden, daß
8 12 nur Anwendung finden könne, wo man national—
»Nrsnische Bestrebungen bestätigt finde. Auch er halte ein
Algemeines Verbot gegen polnische Gewerkschaften nicht
ür zuläfsig. (Abg. Roeren ruft: Aha!) Die agestrigen
luslassungen des Staatssekretärs haben nach meiner Ue—
erzeugung erdrückende Beweise dafür erbracht, daß die
reruflichen Gewersschaften der Polen großvolnischen und
iational-Holnischen Bestrebungen dienen. Es wminte des—
nalb auch der 8 12 Anwendung finden. Zweifellos ege
em Staatssekretär die Verpflichtung ob, die Ausführung
des Gesetzes zu überwachen, denn mangelhaft sei das
Zesetz nach verschiedenen Richtungen. Mir werden nicht
uhen und rasten, bis das Gefetz so gebandhabt wird, wie
zie Gesetzascher es wollten, zum Wohle des Volkes.
Abag. Koloe Meichsp.) weist aus Zitaten der pol—
uscheun Presse nach. daß die polnischen Gewerkschasten na—
onal⸗polnische Bestrebungen zum Ziele haben.
Abg. Gothein (Gurs. Vgg.) gibt zunächtt zu, daß
rie frühere Erklärung des Staatssekretärs dahingehe, den
gebrauch der polnischen Sprache in gewerkschaftlichen Ver—
inigungen zu geslatten, sosern sie uicht großpolnischen
zwecken dienen. Der Staarssekretär sei sonst bei der
handhabung des Gesetzes loyal verfahren.
Nach weiteren Auseinandersetzungen des Abg. Rick⸗
zUne (EElsässer), sowie des elsässischen Kommissars Sine—
ening und einer Bemerkung des Abg. Hanssen
Däne) vertagt sich das Haus auf morgen 14 Uhr. Fort⸗
etzung der heutigen Debatte, sowie 3. Lesung der Wech—
elstempelsteuervorlage. — Schinß 62Uhr.
Cotales und Vermiscyhtes
Dudweiler, 23. Januar.
Z8 Herr Unternehmer Micka hat das ganze Fabrikanwesen
zes Heren Fritz Enderlein käuflich erworben. Die Backstein⸗
Fabrit soll vergrößert und auch noch Neueinrichtungen ge—
troffen werden.
* Bei der verzaugenen Mittwoch vorgenommenen Wahl
der Beisitzer sür die Arbeitnehmer beim Beiggewerbegericht
wurden gewählt: Wahlbezirk Dudweiler-Jägersfreude. Dud⸗
weiler, Abt. 1510: Chrisfil. Gewerkoerein: Scheidt 758,
Dudweiler, Abt. 11 -19: Christl. Gewerkverein: Scheidt
384, Dudweiler, Speisesaal: Christl. Gewerkverein: Scheidt
168, Jägecssreude: Chriftl. Gewerkverein: Scheidt 131.
dath. Arbeiterverein und Sozlald. Verband keine Stimmen—
Zersplittert 19.
Wahlbezirk Camphausen ⸗Brefeld. Camphausen: Chrisil.
Bewerkoerein: Schönfelder 629, Schmidt 6289, Brefeld:
Lhrisil. Gewerkverein: Schönfelder 520, Schmidt 518. Kath.
Arbeiterverein, Sitz Berlin: Koster 2. Zersplittert 5.
8 Fur die Verunglückten in Italien findet auf Anord—
sung des Bischofs Korum am nächsten Sonniag in allen
atholischen Krchen der Diözese Trier eiue Kollekte statt.
8 Wie die „Berl. Allg. Ztg,“ aus „gut unterrichteter
Auelle“ ersährt, wird die Aushebung besonderer „Arbeits⸗
oldaten“ von den höheren militärischen Stellen ernstlich er—
vogen. Es sind weniger allzemeine Ecwägnngen, als ge⸗
echtstechnische Schwiertgkleilen, die die kriegsgeschichtliche Ab⸗
ilung des großen Gencralstabes an der Hand ihrer Bear⸗—
s des russischiapanischen Feldzuges zut Diskusslon ge—
tellt hat,
8 Ueber die Bergwerksunglücke in Ungarn gab Minister⸗
zräsident Dr. Wekerle im ungarischen Abgeordnetenhaus Er⸗
lärungen ab. In Beantwortung einer Inte:pellation be—
reffend die Bergwerksunglücke in Domany und Ailla erklärte
Di. Wekerle, daß nach den angestellten Ermittelungen keiune
Lorsichtsmaßtegel außer acht gelassen worden sei. Ju Do—⸗
nany sei das Unglück durch eine Gasausströmung verursacht
vorden, ohne daß eine Explosion ersolgt sei. In Ajka sei
es gelegentlich der Untersuchung e'nes Ventilators durch eineu
Aufseher herbeigeführt worden, dessen Lampe den Ventilator
in Branud gesetzt habe. In beiden Fällen hätten die Hin—
erbliebenen auf Grund des Unfall Versicherungsgesetzes eine
Verforgung erhalten. Die Antwori des Ministerpräsidenten
vurde zur Kenntnis genommen.
zVom Knappschaftsverein. Infolge der durch die neucknapp
chaflssatzung bediugten gesteigerteu Leistungen der Kasse hat
ich die Echöhung der Beiträze zur Krankenkasse für das Jahr
1909 als notwendig erwiesen. Die Summen der gezahlten
rankengelder fiad in der bitzten Zeit stark angewachsen. Es
betragen die wöchentlichen Beitiäje der Kranken- und Pen—
ionstassenmitglieder sür das Jahr 1909: 1. Zur Kranken⸗
sasse: a. für die jugendlichen Arbeiter 14 Pfg; b. für die
rwachsenen Arbeiter 2. Klasse 30 Pfg, c. fürt die erwachsenen
Arbeiter 1. Klasse 45 Pfg., d. für die Beamten 14 Pipg.
d2. Zur Pensionskasse: a. sür die erwachseun Arbeiter Mk'
163 6. ftir di- MReamten 2 Glasse 2518 Mkec. fürt die Bz
——
amten 1. Klasse 2,660 Mk. (Hlierin enthaltend die Beiträge
ur Invalidenversicherusgakasse) Beiträge zur Pensionskasse
ommen fuür jede Kalenderwoche zur Echebung, in der ein
BZereinsmitglied auf einem Vereinswerke beschäftigt war oder
rankheitshalber nicht gearbeitet hat.
zeFriedrichsthal, 20. Jan. Auf Kolonie Friedichssthal
stürzte heute morgen der Schachtzimmerhaner August
Reichel von Friedrichethal bei Aussührnng einer Reparatur—⸗
nbeit in den Franzschacht. Die Leiche wurde ganz verstüm—
melt aufgefunden; sie wurde ins Knoppschaftslazarett Sulz⸗
hach verbracht. Der Fall ist um so trauriger, als Reichel
eine sehr zahlreiche Familie besitzt, dee nun den Ernährer
oerloren hat. St. Joh⸗Sbr. Volksz.
8Friedrichsthal, 22, Jan. Gestern Abend
urz vo 7 Uhr wurde in dem Gasthaus Fritz Wagner in
der Schulstraße hierselbst ein schwerer Einbruchsdiebstahl ver—⸗
iht. Daß der dreiste Dieb mit deu Räumlichkeiten des Hau—
es unbedingt vertraut sein mußte, geht am besten daraus
jervor, daß er, trotzdem er noch zwer andere Zimmer passie⸗
en mußte, unbemerkt in das Zimmer gelangte, in dem das
Beld in dem Schreiblisch aufbewahrt war. Hier hat er nun
vie uns versichert wird, mittels nachgefeilten Schlüssels das
Bult geöffnet und aus demselben zwei Kisichen mit ca 2000
Nark Inhalt gestohlen. Unbemerkt entfernte sich jetzt der
Dieb durch die Zmmer zurück und um nun schleunigst ins
Freie zu gelangen, flüchtete er über das in den Flur führende
Slasdach in den anstoßenden Holzschuppen. Als der Dieb
non hier aus üÜber den Gartenzaun auf die Straße sprang
vurde er von einer in der Nähe stehende Frauensperson be⸗—
netit, die den Wirt sofort davon benachrichtigte. Dieser,
rnichts Gutes ahnend, sah gleich in seiner Behausung nach
ind gewahrte zu seinem größten Schrecken, daß das Pult
zeöffnet und das Geld daraus gestohlen war. Sasort nahm
iun der Bestohlene die Verfolzung des Diebes euf, der sich
n der Richtung nach Elversberg entfernt hatte Leider ist
s aber Heren Wagner nicht mehr gelungen, den Dieb ein—
uholen, und ist derselbe mit seiner reigen Beute unerkannt
m Dunkel der Nacht en kommen. — Später entdeckte man
m Holzschuppen eines der gestohlenen Kistchen, indem sich
soch 50 Mark in bar und Wertpapiere in Höhe von 150
Mark befanden, die der Dieb zurückgelassen hatte. — Hoffent⸗
ich gelingt es recht bald unserer rührigen Polizei, die sofort
»on dem Diebstahl benachrichcigt wurde, den Dieb zu er—⸗
nitteln, damit derselbe einer rechten Strafe nicht entgeht.
(Sulzb. Tobl.]
8 Altenwald, 22. Jan. Wegen Sittlichkeilaver⸗
zrechen, begangen an einem 13jährigen Mädchen, wurde
zestern der jungoerheiratete Arbeiter H. von hier verhaftet
ind in das Untersuchungsgefängnis nach Saarbrücken ab⸗—
zeführt.
* Merchweiler, 22. Jan. Die Seewaldsche Back—
teinsfabrik hier wuude durch eige in der letzten Nacht ausge—
rochene Feuersbrunst vollständtg eingeäschert.
* Clarenthal, 21. Jan. Die Untersuchung der vor
inigen Tagen hier beschlagnahmten Leiche hat, wie verlautet,
Auhaltspunkte ergeben, die auf ein Verbrechen schließen lassen.
Die Angelegenheit zieht weitere Kreise. Die Vehörde hai
ine Untersnchung eingeleitet, die mit lobenswertem Eifer
zurchgeführt wird.
8SRheindach, 20. Jan. In Arloss trug sich gestern
norgen ein trauriger Unglücksfall zu. Eine Frau hatte
inen kleinen Ausgang gemacht, und als sie in ihre Woh—
sung zurücklehrte, platzte eine Krampfader an ihrem Bein.
Zie verblutele, da niemand zur Stelle war, der ihr Hilfe
ringen konute. Man wurde darauf aufmerksam, als das
Blut zur Haustür herausquoll. Die unglückliche Frau, die
wa 30 Jahtie alt war, hinterläßt vier kleine Kinder.
(6) Köln, 22. Jan. (Selbst gestellt.) Ein Ju
»elier aus Cannstatt stellte sich der Kölner Kriminalpols
ei mit der Angabe, er habe vor vier Jahren in Cann
att seine Braut ermordet. Miehrere andere Per—
dnen kamen damals in den Verdacht der Täterschaft. Der
Rördey wurde verhastet, die Cannssatter Behörde teleara—
‚hisch verständigt.
() MieGladbaech, 22. Jan. (Selbstmord eines
zträflings.) Der Vorsteher der Eilgutabfertigung,
Ato Weber, der wegen Unterschlagung von 1000 Mart
nd Buchfälschung verhastel wurde. hat sich im Gefänanis
hüngt.
(5) Essen, 22. Zan. (Diskonjunktur.) Infolge
er andauernden schlechten Konjunkur gehen die Zechen
tzt zu Lohnherabseßzungen über, die zwischen 5 und 20
zrozent schwanken. Einzelne Zechen haben sich gendiigt
esehen, ihre Belcaschaft zu verringern. Da die anderen
ndustrien nicht in der Lage sind, die freiwerdenden Ar—
ritsträfte auszunehmen, läßt sich mit einem starken An—
»achsen der Zahl der Arbeitslosen rechnen.
(E) Bochum, 22. Jan. (GemaßregelteStei—
eir.) Eine Auffehen erregende Maßregel wurde auf der
zecht „Borussia“ vorgenommen. Dort wurden plötzlich
imtliche Steiger entlassen. Der Steigerdienst wird von
en Fahrhauern versehen. Ueber den Grund dieser Maßk—
egelung ist noch nichts bekannt.
(⸗2) Bingen, 22. Jan. (Kreiwilliger Tod.)
zorletzte Nacht gegen 1 Uhr hat sich der Studierende des
iesigen Technikums, der 18 Jahre alte Paul v Molitor
us Weinheim a. d. Bergstraße erschossen. Als Motiv der
'at wird folgendes angegeben: von Molitor hatte öfters
as Kolleg versfäumt, worüber die Direktion des Tech—
ikums Beshwerde bei dem Vater des jungen Mannes
ihrte. Gestern Nacht traf nun unerwartet der Vater
ier ein, klopfte am Fenster der Wohnung seines Sohnes
ind verlanate Einlaß Der Sohn öjfjnete jedoch nicht. Als—
ald jiel ein Schuß, und als der Hauseigentümer die
kzüre zu Molitors Zimmer öffnete, lag dieser auf dem
zette; er hatte sich mit einer Pistole einen Schuß in der
derzgegend beigebracht. Der Schwerverletzte wurde nach
em Spi sal gebracht, wo er starb.
(5) Mainz, 22. Jan. GBeendeter Ausstand.)
er kürzlich gemeldete Ausstand in der Schuhfabrik von
VLolf ist beendet. Ein Teil der Ausständigen wurde in
en Betrieb wieder aufgenommen.
() Landau, 22. Jan. (Opfser der Kälte.) Bei
sinöd ist ein Arbeifer auf dem Felde eriroren aufge—
unden worden.
* Feuer im Telegraphenamt. Kurz nach Mitternacht
»rach im Berliner Haupt-Telegraphenamt an einer Ka—
„elleitung im Erdgeschoß ein Brand aus, dessen Ursache
noch nicht aufgeklärt ist. Die sofort herbeigerufene Feuer—
vehr konnte nach kurzer Zeit den Brand löschen, sodaß
größerer Schaden rechtzeitig verhütet wurde.
* Zeppelin 2. Wie der „Schwäbische Merkur“ erfährt,
wird das im Bau befindliche Luftschiff „Z. 2“ Ende März
dugbereit sein. Die Zeppelin-Gesellschaft läßt, um das
vuftschiff vor Ferngsteliung der Reparaturen an der
Reichsballonhalle unterbringen zu können, eine Zelthalle
erstellen, die später als Reservehalle dienen soll. Die
zalle ist bis zum 1. April fertiggestellt. Zum Unter-—
chied von dem letzten Luftschisf wird der neue „Zeppelin
ein großes Hecksteuer erhalten, während die Höhen
teisre iß wer Faifherigen Art helossen wirzßz 2ur Verhin
erung von Erplosstonen inn Innern des Ballons wirn
as Gas nicht mehr innerhalb der äußeren Ballonhülle
ius den Gaszellen ausgelassen, sondern mit Schlänchen
zurch die äußeren Häute hindurch ins Freie geführt.
*Automobilunfall. In Geißlingen rannte ein Auto⸗
nobil der Neckarsulmer Fahrradwerte auf der vereisten
Lhaussee gegen eine Böschung, wodurch der Chauffeur sehr
chwere Verletzungen erlitt. Ein weiterer Insasse des
Auto? blieb unverleht.
* Schwerer Eisenbahnunfall. Ein aufsehenerregen⸗
der Cisenbahnunfall ereignete sich auf der elektrischen Bahn
zwischen Liverpool und Southot. Ein eleltrischer Zug
rus Liverpool stand beim Bahnhof Lane still, als ein
anderer Zug von Liverpool bei dichtem Nebel von hin—
ten auf ihn einfuhr. Beide Züge gerieten infolge
Zurzschlusses in Brand. Gleich darauf fuhr ein Zug aus
Zouthot in die Halle und geriet ebenfesss in Brand. Trotz
der ungeheuren Panik konnten sämtliche Passagiere geret—
et werden. Nur eine Danme und die Führer der Züge
vurden schwer verlest.
* Gestrandet. Der Fischdampfer „Grönland“ aus
Beestemünde ist auf Issland gestrandet. Das Schiff *
rloxren, die Mannschaft gerettet.
*Ein streikender Schullehrer. In Corcondray, er
iem Dorfe bei Besancon, stellte der Schullehrer mit dem
Rufe: Es lebe der Streit! den Unterricht ein, weil die
Demeindevertretung sich geweigert hate, eine von ihm
erlaugte Ausbesserung des Schulgebäudes vornehmen zu
assen. Da der Schutinipettor das Vorgehen des Lehrers
illigte, hat die Gemeindevertretung den Unterricht min
mehr gesperrt.
* SZumpflawine. Aus Rorsommen wird berichtet, daß
die Sumpfiawine bei Fiemore weiter vordringt und ein
Farmhaus nach dem andern begräbt. Die angerichtete
Zerstörnng gleicht einem Erdbeben, da die mit 12 Fuß
ehem Morast bedeckten Häuser und Felder auf immer
zerloren sind. Viele Familien wurden obdachlos.
*Erdbeben in Hleinagasien. Ueber das Erdbeben in
Tleinasien werden noch solgende Einzelheiten bekannt: Das
Erdbeben ersireckie sich von Chios über Smyrna bis nach
bhokaea. Smyrna selbst ist wenig betrofsen. Der erste
Stoß erfolgte Morgens um 6 Uhr, der zweite gegen 7
Ahr, der dritte um 7 Uhr. Im Ganzen waren es sechs
Stöße In Photgea wurden bisher 8 Tote unter den
drünmern hervorgezsgen. Das Dorf Scheckbir ist zerftört
Verluste an Menschenleben sind noch nicht bekannt. In
Menemen wurden 16 Höuser zerstört, 2 Personen getölet
uind 5 verwundet. Im Orte Buskoi wurden 60 Hänuser
zerstört. Einzelheiten sfehlen noch. In Phokaea herrscht
große Not. Auch aus zahlreichen anderen Orken des Wi
laiets Kofsa Muni werden Erdstöße gemeldet.
* Erdbeben in Marokko. Wie mehreren Bläöttern
aus Tetuan in Marokko vom 19. d. M. gemeldet wird
berichten aus dem etwa 50 Nilometer südlich gelegenen
Sebiet der Remaras eingetroffene Einwohner, daß in
folge eines Erdbehens oder eines Erdrutsches mehreré
große Dörfer zerstört und einige hundert Versonen getö—
et oder verwundet worden seien.
Ein verrommener Konigssohn. Der natürliche
Sohn des König Milans, Cristitsch, ist als
Zechpreller durchgegangen. Ueber diesen Cristitsch
verden folgende Einzelheiten bekannut: Er ist gegenwär—
ig 24 Jahre alt, ein Sohn des Königs Milan und der
Artimesia Cristiisch, der Gemahlin des Nicola Cristitsch,
des ehemaligen serbischen Gesandten in Konsitantinopel.
Nach Milans Tod ist Eugen Ziehy, einer der reichsten un—
garischen Magnaten, für Cristitsch eingetreten, da dieser
zollsiändig mittellos war, und hinterließ ihm, als er
iarb, 40 000 Kronen Diese Summe verschwendete Cri—
titsjch sehr rasch und sank immer tiefer. Nach der Er—
mordung des Königs Alexander ging Milan Eristitsch
nach Belgrad und versuchte dort den Thronprätendenten
zu spielen. Er mußte aber Serbien verlassen und hat sich
seiißem durch die bedenklichsten Mittel über Wasser gehal—
ten. In Budapest lebte er durch salsche Vorspiegelungen
auf zu erwartende Erbschaften. Er vorate bei Kellnern
m Hotel Royal Gelder.
TDTas Unwersalbureau. In Berlin SW. hat sick
ein sogenanntes „Bureau zur Vertiesung des Familien
lebens“ aufgetan, das allen Müttern zu einem eingetrete
nen freudigen Ereignis gratuliert und dabei gleichzeitig
eine Brosche mit der Inschrift: „Zur Erinnerung an mei
Jüngstes“, deren Wert angeblich 16 Mark beträgt, offe
riert. Der Inhaber dieses gefühlvollen Instituts hat es
wie dem „Berliner Tag“ mitgeteilt wird, in seiner ziem⸗
lich bewegten Laufbahn verständen, sich vom Uhrmacher
lebrling zum „Generaldirektor“ aufzuschwingen, d. h. sich
selrsi dazu zu ernennen. Denn von allen seinen Bureaus
die alle in ein und demselben Zimmer liegen, ist er im
mer ganz allein der Begründer, Inhaber, Besißer, Lei
ter und „Herr Direktor“ — alles in einer Peifon! In
ꝛemselben Zimmer besindet sich nämlich ein Dutzend ver
chiedener Bureaus“, z3. B. das „Vegetarische Bureau“
»aß „Bureau für Gesundheitspflege und Sport“, das „Ge
teral⸗-Fundbureau Berlins und der Vororte“, das „Zen;
nalbureau für Erfinder“, das „Telephon-⸗Regiftrierburegu“
das „Bureau für Vertiefung des Familientebens“.
Polizeshuunde. Die Einstellung von Poiizeihunden
bei der Berliner Polizei hat sich über alles Erfiqunen
zut bewährt, und es ist schon bei einer ganzen Reihe von
Zerbrechen gelungen, die Täter, die sonst wahrscheinlich
»er Strafe entgangen wären, mit Hilfe der vorzüglich
ressierten Hunde zu entdecken. Hunde, die 24 Stunden
ind noch später nach der Tat auf den Tatort gefuͤhrt und
iuf die Spur der Verbrecher geseht wurden, haben dies
ni erstaunlicher Sicherheit ausgenommen, entschloffen ver
olgt und die Verbrecher ohne weiteres gestellt. Erst vor
inigen Tagen ist in Lehnn auf diese Weise ein Mord
urch Berliner Polizeihunde aufgedeckt worden. Infolge
essen vermehren sich die von außerhalb gesiellten Antr ge
on. Polizei und Staatsanwaltschaften, ihnen Berfte
Z5izeihunde leihweise zu überlassen, und es ist keme
zeltenheit mehr, daß diese Hunde Kunstreisen nach der
2ovinz antreten, die in sehr vielen Fällen erfolgreich
*esen sind. Dieses Ergebnis sollte allgemein beachtet
rerden und alle größern und selbst kleinern Polizeiver⸗
altungen sollten sich solche Helfer beilegen, die neben
hrer Nützlichkeit auch noch den Vorzug haben, auf ge—
alt zu verzichten und in Anschaffung und Ernahrung au
rordentlich billig zu sein.
— — — —— ——
Zur Erdbebenkatastrophe in Italien
Der König von Italien unterzeichnete ein Dekren
zurch welches der Bürgermeister von Miles seines Pg
—B
erstützungen an die durch das Erdbeben Geschädiaten vee
intreuungen beging.
Aus Messina wird berichtet: Das hiesige Hilfs-STo
nitee richtete ein Telegramm an den Kabinettschef o
itti mit der Bitte, den Belagerungszustand aufzuheben
das Blatt „Corriere d'Italia“ glaubt mitteilen zu ñn
ien, daß nach der Rückkehr des Königs nach Rom
ahingehender Vorschlag seitens des Komiteechefs ger
verden wird.