Full text : Dudweiler Zeitung

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Redaktion, Druch und Verlag von J. Unterkeller, Dudweiler.

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Wochen-Rundsichau.
Nach und nach wird es doch noch Sommer, wenrn
zir auch schon bad den Juli hinter uns haben. Die Rei
elustigen lassen die günstige Zeit nicht ungenützt vorbei—
ehen und dem besorgten Landmann leuchtet ein kleinen
»offnungsschimmer: alles ist noch nicht verdorben!
Mit dem 1. August treten schon einige neue Steuern
1 Kraft, und zwar der Kaffee- und Teezoll, die Zünd—
olzsteuer, die Siempelsteuer, außer dem Schoecisteinpel, die
zra isteuer und die Schaumweinsteuer. Kaffee, Tee und
zündhölzer werden also teurer und die besorgte Haus,
rau schickt sich an, eine Finanzreform im kleinen durch
uführen, indem sie durch bie Erhöhung des Haushalts—
zudget von ihrem Mann eine Erhöhung ihrer Einnahmen
u erreichen sucht. Ueberall wird das wohl nicht so ein—
ach sein, besonders bei den Arbeitern, die unter der
etzigen allgemeinen Flaue sowieso mehr oder weniger zu
eiden haben. Von der Biererhöhung hat die Hausfrau
veniger zu fürchten. Wenn nicht alle Zeichen trügen, ste—
sen wir vor dem Ausbruch eines großen Bier—
rieges, denn die Brauereien suchen unter dem De⸗—k
nantel der Brausteuer auch für sich ihr Schäfchen ime⸗
rockene zu führen und die Wirte ind diesem Bedam
en gleichfalls nicht abgeneigt. In der Reichshauptstadi
vo die Brauereien im Verein mit den Wirten einen Auf
chlag von 10 Pfennig pro Liter beschlossen haben, wäh
end die Steuer doch nur 4 Pfennig beträgt, versammelr
ich die Konsumenten, in diesem Falle die Biertrinker, und
rotestieren mit Recht gegen eine derartige Ueberforder
ing. An vielen anderen Orten toben dieselben Kämpfe
ind wenn die Produzenten im letzten Augenblick nich
ioch nachgeben, dann ist der Bierkrieg unvermeidlich und
nit Ausnahme der passionierten Trinker wird dann vor
»er Mehrzahl der Konsumenten eben etwas anderes ge
nken
Der Besuch des Zaren von Rußland in Hemmelmur
äaßt erkennen, daß die Balkanwirren des letzten Winter«
einen Rest von Mißstimmung zwischen Petersburg uni
Gerlin hinterlassen haben. Man braucht sich trotz alleden
einen Illusionen hinzugeben, und von einem mehr al⸗
reundschaftlichem Verhälmis sprechen, aber wir kon
len den Besuchen des Zaren in England und Feantreict
»hne jedes Mißtrauen entgegensehen, denn die Entrevu
n Björkö und das Verweilen in Hemmelmark nehme—
hnen von vornherein jede deutschfeindliche Spitze.
Die Ministerkrise in Frankreich hat sich verhältnis
mäßig schnell gelöst. Das neue Ministerium Brianzt
weist zwar einige neue Männer auf, doch dadurch wirr
»ie Allgemeinlage nicht beeinflußt. In der Kammer und
m Senat hat das neue Kabinett bei der Darlegung de—s
Programms ausdrücklich erklärt, daß es den Fußtapfer
Llemenceaus folgen wird, daß in der inneren wie ir
der äußeren Politik eine Aenderung nicht zu erwarten ist
Die Bündnisse mit England und Rußland sollen gepfleg
uind im übrigen eine Politik des Friedens befolgt werden
Spanien hat sich mit seinen Eingriffen im Rif—
eine Laus in den Pesz gesetzt. Nicht nur, daß die fana
ischen Bewohner des Riffgebietes alle Kräfte sammeln
im die Spanier aus dem Gebiete zu treiben, sondern auch
»as eigene Volk macht der Regierung Schwierigkeiten. Ue
»er Barcelona mußte der Belagerungszustand verhäng
don weil dort ein allgemeiner Aufruhr inszeniert wur
Rliine der Regierung zu vereiteln
*eine Hauptrolle. Könit
wengn er

s taum, venn ijym in die Beute gerade vor der Nase
veggeschnappt worden, und so wird man eben einen neuen
Inlaß suchen, um den Raubzuag fortsetzen zu können.

des sruyeren Ministeruums werde es weiterfuhren. Vieje
von der Kammer gebilligte Friedenspolitik habe zur Stärk
ung des Vertrauens beigetragen, vermöge dessen Frank
reich mit wachsender Autorität im Geiste der Versöhnung
an der Regelung der internationalen Schwierigkeiten habe
mitwirken können. Diese Autorität entspreche ebenso der
Konsequenz seiner Ansichten, wie dem Prestige, das es
einer moralischen Expansionskraft, wie seinen Machtmit
teln zu Wasser und zu Lande verdankt.
*zDie französischen Sozialisten planen
mläßlich des Zarenbesuches frühere revolutionäre Re.
den Briands gegen den russischen Souverän an den
Mauern Cherbourgs anschlagen zu lassen. Die Regierung
vird jede Kundgebung sozialistischer Revolutionäre, durch
die Frankreichs auswärtige Beziehungen eine Störung er
leiden könnten, streng unterdrücken.

Politische Ruundschanu.
Deutsches Reich.
*„Corriere d'Italia“ meldet, der deutsche Reichskanz—
er Bethmann-Hollweg werde sofort nach seiner Zu
ammenlunft mit Baron Aehrenthal in Jschl nach Itarien
eisen, um Titrioni einen Besuch abzustatten. Vie leich!
verde Bethmann-Hollweg auch von König Viktor Ema—
mel empfangen werden.
*Die für 1908 nachgezahlten Beamtenge—
älter sind ste uer frei. Eine entsprechende Verfügung
»es Finanzministers, die den Vorsihenden der Einkom—
nensteuer-Berufungskommission zugegangen ist, lautet wie
olgt: Die den Beamten, Schullehrern und Geistlichen au
rund der neuen Besoldungsvorschriften für die Zeit vom
. April bis zum 31. Dezember 1908 nachgezahlten Be
räge sind Vergütungen für die von den Empfängern in
ralenderjahre 1908 geleistete Tätigkeit. Wiewohl die Be
räge erst im Kalenderjahre 1909 zur Auszahlung gelang
nd, können sie daher gemäß 8 9, Nr. 2 des Einkon—
iensteuergesetzes fir das Steuerjahr 1910 nicht für ein
»mmensteuerpflichtig erachtet werden.
* Halbamtlich schreibt die „Karlsruher Zeitung“: „Die
m 16. nächsten Monats in Krast tretende Erhöhung
er Tabaksteuer hat zur Folge gehabt, daß die Zi⸗*
arrenindustrife ihre Produktion auf das äußerste
eigert, um die derzeitigen Steuersätze noch nach Möglich—
it auszunützen. Die Zahl der Gesuche um Bewilligung
on Ueberarbeit gemäß 8 1380 der G.O. nimmt, nach
inem Bericht der badischen Fabrikinspektion stetig zu—
zei dieser Sachlage ist die Befürchtung gerechtfertigt, daß
ach Abschwellen dieser künstlichen Hochkunjunktur sich ein
tücklchlag in Gestalt von erheblichen Einschränkungen der
seschäftszeit, wenn nicht volliger Arveisslosigkeit einsteb
en wird, die durch vorübergehend erhöhte Arbeitszei
icht ausgeglichen werden kann. Da die Bewilligung vor
zesuchen nach 8 1380 der Gewerbeordnung innerhalb dern
urch 8 154 der Vollzugsbestimmungen zur Gewerbeord
ungz gezogenen Grenzen Ermessenssache ist, es aber nich
»ünschenswert erscheint, daß von diesem Ermessen in ver
h edenen Mezirken verschiedener Gebrauch gemacht wird
o hat das Ministerium des Innern die Bezirksämter am
ewiesen, Gesuchen, die ledidlich mit der bevorstehenden
lenderung der Steuergesetzgebung begründet sind, oder
ei denen zu vermuten ist, daß dieser Grund ausschlag—
ebend ist, nicht stattzugeben.“
*Wie die „B. Z.“ von unterrichteter Seite erfährt, wird
ie Verteilung der deutschen Luftkreuzer auf die
erschiedenen Ballonhäfen in der Weise vorgenommen
»erden, daß Metz „Z3. 3“, „Parseval 2“ und „Groß 1*
rhäl!. In Köln soll „Z. 2“, Parseval 3“ und „Groß 3*
tat oniert werden, während Berlin den kleinen „Groß 2“
ind den „Z3. 1“ als Schulschiff erhalten soll.
* Nach dem jetzt erstatteten Jahresbericht des Zentral—
»mitees der sozialdemotratischen Partei
zachsens hatten deren Parteiblätter am 30.
uni 159 000 Abonnenten. Dazu soll jetzt noch in Plauen
n Vogtlande ein neues Blatt gegründet werden, bei dem
nan auf 10 000 Abonnenten rechnet. Die Foligen der
drise äußerten sich auch in Sachsen durch die ältere In
nspruchnahme der Unterstützungseinrichtungen der Gewerk—
chaften in einer Höhe, wie man sie früher nicht für mög—
9 im voriagen Jahre der Bezirl
n⸗ n Arheits,

Rußland.
* In diplomatischen Kreisen verlautet, daß Sultan
Mohamed Mitte September in Liwadia zum Besuche
es Zaren eintressen wird. Der Gegenbesuch des Zaren
vird voraussichtlich während der Mittelmeerreise erfolgen.
* Die Revision der Petersburger Intendantur-Verwal⸗
ung durch den Senator Garin hat bereits begonnen.
das Ergebnis ist noch beschamender als das der Mos—
auer Revision. Sehr hochstehende Beamte sollen schwer
ompromittiert sein.
* Die „Times“ meldet aus Petersburg, Frankreich hat
jerschiedene Abänderungen des französischruse
ischen Handelsvertrages vorgeschlagen. Wei—
ere Abänderungen werden beabsichtigt. Die Unterhand—
ungen hierüber werden nach der Rückkehr des französi—
schen Botschafters in Petersburg beginnen.

Bom Balkan.
*Die Weldung von der Hissung der griechischen
Flagge auf Kreta hat auf die Pforte keinen Eindruck ge—
macht, umsomehr, als Abends gemeldet wurde, daß in—
folge der Ratschläge, welche die griechische Regierung er—
teilt habe, die Flaggen Abends wieder eingezogen wur—
den. Befremden erregt es dagegen, daß die Konsulate
der Schutzmächte den kretensischen Schiffern geraten haben,
statt der kretensischen die griechische Flagge zu führen.
* Die griechische Regierung hat telegraphisch alle in
Mazedonien weilenden griechischen Offiziere
zu rückberufen

Kreta.
*,„Daily Mail“ veröffentlicht eine Mitteilung eines Ge—
nerals, der jüngst auf Kreta weilte und die Verhält—⸗
nisse genau kennt, worin geschi!dert wird, daß die Vor—
bereitungen zur Angliederung an Griechenland viel
weiter vorgeschritten seien, als man auswärts ahne. Die
retische Gendarmerie leistete dem Könige von Griechenland
den Treueid, die mohammedanischen Gendarmen, die sich
weigerten, wurden entlassen. Die Kretenser beabsichtigen,
bei den nächsten Parlamentswahlen griechische Abgeord—
nete zu wählen und nach Athen zu schicken.
Persien.
* In der nächsten Zeit wird eine persische Anleihe
uf den europäischen Geldmärkten unter Mithilfe der ruj—
sischen und englischen Regierung untergebracht werden.
* Das Kriegsgericht hat seine Tätigkeit begonnen und
zwei Reaktionäre der Hofpartei des früheren Schahs be—
reits gefangen gesetzt. Aus Kaswin wird gemeldet, daß
1200 russische Soldaten mit 6 Geschützen und viel Gepäck
in der Richtung auf Teheran abmarschiert sind.
* Die Petersburger Blätter verbreiten aufs neue
Albarmnachrichten aus Persien, nach denen ein
nenues Bombardement von Teheran bevorsteht. Aus
—on wird eine Bewegung zu Gunsten des ent—
wmeshalb die neue Regierung
            
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