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Amtliches Publikationsorgan *
für die Bürgermeisterei Dudweiler. — M
Mit zwei Beilagen: Keklbamen
sonntagsblatt und Humoristische Blätter. —
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Nedaktlion, Druck und Verlag von J. Unterkeller, Dudweiler.
feiner FFuhlung mit vem Parteis und dem Wahlvorstande
sicherlich gut unterrichtet ist, mitteilte.
Englaud.
* Das Auswärtige Amt macht bekannt, daß der Zar
und die Zarin am 2. August auf der Jacht „Standaärd“
vor Spethead eintreffen. Hier wird das Zarenpaar vom
König und der Königin begrüßt werden und dann wer—
den beide Herrscherpaare auf der königlichen Jacht „Vik
loria and Albert“ die Ueberfahrt nach Cowes machen.
Am Abend des 2. August wird auf der englischen Kö—
nigsjacht ein Bankett stattfinden, bei dem beide Monar—
chen Reden halten werden. Am 5. August abends ver—
läßt das russische Kailerpaar Cowes. Ein Teil der im—
perialistischen Presse betont, daß der Zar in Begleitung
seines Ministers des Auswärtigen Amtes, Iswolsti, reist,
und daß englischerseits Premierminister Asquith, Sir Ed—
ward Grey, Minister des Aeußeren und Mac Kenna, der
Marineminister, dem Besuch des Zaren beiwohnen
werden.
Clemeneeaus Sturz.
Drei Jahre und vier Monate ist Herr Clemenceau
stinister des Innern, zwei Jahre und neun Monate isi
r Ministerpräsident gewesen. Und zwar war er beides
meiner Unbeschraͤnktheit, wie sie einem französischen Pre—
tier schon lange nicht mehr zuteil geworden ist; halb
pöttisch, halb im Ernst ist er oft Diktator genannt wor—
en. Diese Vorzugsstellung in der Republik gründete sich
eniger auf seine Persönlichkeit, als auf den Umstand,
aß er eine geschlossene, ihm durchaus ergebene Kammer—
iajorität zur Verfügung hatte. Er hatte als Minister des
znnern bei den Wahlen vom Mai 1906 diese Majorität
eschaffen und sie blieb ihm eu bis zur Selbstverleug—
ung treu; sie ließ ihn erst fallen, als ihre eigene Ver—
intwortlichkeit vor dem Lande ins Spiel kam. Die Majo—
ität wollte die viele Jahre dauernde Marine-Mißwirthaft,
die das Kabinett Clemenceau zwar vorfand, aber
atlos fortwuchern ließ, nicht mit einem Vertrauensvotum
udecken, weil sie fürchtete, daß sie dies bei den nächsten
Vahlen teuer werde bezaäahlen müssen. Und so raffte sie
ich zu einer energischen Tat auf: sie stürzte das Kabineit,
em sie somit die ganze Verantwortlichkeit für die Marine—
Nißwirtschaft nicht bloß, sondern auch für alles, was in
en letzten drei Jahren geschehen und namentlich nicht ge—
chehen ist, aufgeladen hat. Ob sie sich damit selbst ent⸗
astete, das werden erst die nächsten Wahlen lehren.
Selten ist ein französisches Ministerium mit größeren
ind scheinbar auch begründeteren Erwartungen begrüßt
vorden als das Kabinett Clemenceau. Da hatte man
udlich einen Ministerpräsidenten, der seit vielen Jahren
neReden und Schriften gesagt und gezeigt hatte, wie man
egieren müsse, um das Volk glücklich zu machen, und der
etzt berufen war, seine Worte in Taten, sein Ideal in
VFirklichkeit umzusetzen; zugleich ein vielseitig gebildeter,
nn Wissenschasten und Künsten erfahrener, scharfblickender
ind geistreicher Mann. Skeptiker waren freilich von vorn⸗
erein etwas zweifelhaft; sie wußten, daß der beste Kri—
iker nicht zugleich auch der beste Macher ist, und daß
)ppositionsbank und Regierungsbank zweierlei Dinge sind;
ber sie schwiegen, denn sie wollten den neuen Regenten,
evor sie ihn endgültig beurteilten, vorerst an der prak—
ischen Arbeit gesehen haben. Zur hervorragenden Per—⸗
önlichkeit kam eine willige Kammermehrheit. Clemenceau
elbst war ihr Schöpfer, und wenn er früher mit seinem
stadikalismus stets in der Minderheit war, so hatte er
etzt eine Kammer, deren Majorität durchaus geneigt war,
hm als Führer zu solgen und seine Ideen verwirklichen
u helfen. Das Regierungsprogramm des Kabinetts Cle—
menceau entsprach den beiderseitigen Anschauungen; es
jerkündete eine Menge Reformen, die der Radikalismus
chon lange erstrebte, aber bisher noch nicht hatte errei—
hen können: Steuerreform, gerechte Verzeilung der La—
ten, Dezentralisation der Verwaltung. Wahlresorm, Be—
imtengesetz, Arbeiter-Versicherung, Abschaffung der Todes—
trafe, Aufhebung der Kriegsgerichte, Verstaatlichung der
fisenbahnen und andere schöne Dinge mehr. Es war am
y. November 1906, als Herr Clemenceau sein Reform—
zrogramm entwickelte; heute, nach zwei Jahren und neun
Monaten, ist von allen versprochenen Reformen nur die
Berstaatlichung der Westbahn verwirklicht, und auch diese
n einer Weise, daß man meinen sollte, sie sei bloß
»urchgeführt worden, um dem Parlament für alle Zeiten
die Lust zu weiteren Verstaatlichungen zu nehmen. Es
ist richtig, daß Clemenceau auf mancherlei unvorhergese—
sjene Hindernisse im Senat und auch in seiner eigenen
Kammermehrheit stieß, aber bei allen aufmerksamen Be—
obachtern ist doch der Eindruck allgemein, daß Clemen—
reau es durchaus an Tatkraft, Zielbewußtsein und Stetigkeit
hat jehlen lassen. Auf vereinzelte Energie-Anfälle folgten
sttets läängere Perioden der Schlaffheit; das Kabinett aber
chwankte stets zwischen schroffer Autoritätswahrung und
chwächlicher Nachgiebigkeit, zwischen Despotismus und
chrankenloser Freiheitsgewährung. Das sah man an
einem Verhalten bei verschiedenen Ausständen, beim Auf—
uhr der Winzer, beim Poststreik und sonstigen Gelegen—
zeiten. Kein anderes republikanisches Ministerium hat so
iele Amnestien beantragt, wie das Kabinett Clemenceau,
in Beweis dafür, daß es selbst gefühlt hat, begangene
jehler wieder gut machen zu müssen. Noch schlimmer
her war, daß Clemenceau allmäblich dahin gebracht wur
de, daß er aules iat, was er an fruüheren diegierungen
tels scharf getadelt hatte. Er ließ auf Streikende schie—
zen, grundlose Vorba rornehmen, die Beamten
usspionieren ur . mehr; man hätte nur einmal
ören sollen, was der Oppositionsmann Clemenceau dazu
gesagt hätte, wenn eine andere Regierung solche Dinge
u iun gewagt hätte! Es war nur natürlich, daß Cle—
nenceau durch diese Autoritätspolitik sich Freunde auf
Zeiten der Rechten und insbesondere bei den Gemäßigten
rwarb, deren Führer Ribot zuletzt ganz auffällig bei je—
der Gelegenheit für das Kabinett in die Schranken trat;
benso natürlich war, daß sich Clemenceau auf der an—
zeren Seite die Sympathien der äußersten Linlen, nicht
los der Sozialisten, sondern auch der entschieden radi—
alen Elemente im eigenen Lager vericherzte.
Nun geht er; macht einem anderen Platz. Der neue
Nann wird wieder eine ganze Reihe Reformen ankündi—
gen. Ob er sie durchführen kann, hängt von der Kammer
ind dem Senat ab. Wahrscheinlich wird er es nicht kön⸗
ien und auf einmal heißt man ihn wieder gehen, gerade
vie es Herrn Clemenceau dieser Tage erging und wie
es schon so manchem erganagen ist. —
Volitische Rundschau.
—A J
*æ In Londoner diplomatischen Kreisen will man einer
zgerliner Korrespondenz zufolge Anzeichen dafür haben,
aß der neue deutsche Reichskanzler nach seiner Vo r⸗
tellung beim Kaiser Franz Josef Gelegenjeit
nehmen wird, eine kurze Unterredung mit König
duard zu haben, der sich in der fraglichen Zeit in
ßaris aufhalten dürfte.
* Unter dem Vorsitz des Staatssekretärs des Reichschatzamts
Wer muth begannen die Beratungen der
lusschüsse des Bundes rats für Zoll- und Steuer—
oesen, Handel und Verkehr über die Ausfuhrbestimmun—⸗
ten zu den neuen Steuergesetzen. Gegenstand der Be—
atungen werden zunachst die Brausteuer, Schaumwein
teuer, die Kaffee- und Teezölle und die Tabalsteuer sein.
die Sitzungen werden sich über mehrere Tage hinziehen.
* Der preußische Finanzminister v. Rheinbaber
ind der Minister des Innern v. Moltke haben die
rinführung einer kommunalen Automobilfteuer als
ruxussteuer aus den in dem Erlaß vom 22. Dezember
894 erörterten Gründen, sowie mit Rücksicht auf die bei
»em Automobilwesen mitbeteiligten gewerblichen Interessen
ind die schon durch die Reichsgesetzgebung in Anspruch
zenommene entsprechende Stempelsteuer nicht zugelafsfen.
*Nach 8 12 der Polizeiverordnung über den Verkehr
nit Kraftfahrzeugen ist die Anbringung mehrerer ver⸗—
chiedener Kennzeichen unzulässig. Diese Bestimmung ver—
irsacht für die an der Grenze wohnenden Kraftfahrzeug—
esitzer, dis mitunter täglich genötigt sind, die Grenze zu
assieren und hierbei die Kennzeichen zu wechseln, erheb⸗
iche Umstände und Zeitverluste. Es ist deswegen bei dem
Ninister des Innern angeregt worden, die erwähnte Vor—
chrift dahin zu ändern, daß mehrere Kennzeichen so an—
jebracht werden dürfen, daß nur das eine — vorschriftsnäßige
— sichtbar ist. Der Minister hat, dieser Anregung
olgend, nichts dagegen einzuwenden, daß bei den im
vrenzverkehr befindlichen Kraftfahrzeugen das vorgeschla—
sene Verfahren bis auf weiteres zugelassen wird. Von
iner Aenderung des 8 12 der Polizei-Verordnung kann
instweilen abgesehen werden, da auf eine endgiltige Re—
zelung der Angelegenheit bei der zurzeit schwebenden Re—
ision der Grundzüge Bedacht genommen wird.
* Eine neue Wahltaktik wollen die Sozialde⸗
nokraten bei den im Herbst stattfindenden vier Er—
atz wahlen zum preußischen Landtage durch—
ihren. Die vier Berliner sozialdemokratischen Mandate
um Abgeordnetenhause sind, wie erinnerlich, neben der
ehlerhaften Aufstellung der Wählerlisten auch wegen rück
ichtslosen Terrorismus gegenüber der Geschäftswelt kas—
iert worden. Vor der Wahl soll diesmal keinerlei Druckh
ruf die Geschäftswelt ausgeübt werden, um nicht aber—
nals die Handhabe zu bieten, die Wahl wegen Beein—
lussung zu kassieren. Aber nach vollzogener Wahl wird
Ibrechnung gehalten, wie ein Redner in der Monatsver—⸗
Immlung des Verbandes der Bauarbeiter, der infoloe
Vom Balkan.
* Entgegen den Alarmmeldungen gewisser ausländischer
Blätter wird auf der Pforte auf das entschiedenste er—
lärt, daß die türkische Antwortnote auf die Erklärung
der Kretaschutzmächte äußerst friedlich gehalten sei. Añ
dem friedlichen Ausgange der Kretafrage sei nicht zu
weifeln.
*Auf der Station Kirdzilar wurde ein griechisches
Waffendepot entdeckt, in dem sich 260 Gradgewehre,
10 Kisten Munition befanden. Das Laaer wurde sofort
beschlagnahmt.
* Der sonst gut informierte Londoner „Telegraphic?
macht die überraschende Mitteilung, daß das Projekt ei—
ner Balkankonferenz nicht nur weiter besteht, sondern
ogar Schwierigkeiten verursacht. Noch ganz kürzlich hat
England, als Oesterreich erneut anregte, daß die Verän—
derungen des Berliner Vertrages durch Notenaustausch
sanktioniert werden, erklärt, das sei zu umständlich und
angwierig, und hat einen Gegenvorschlag gemacht, ein
Protokoll oder eine Deklaration zu entwerfsen, die von
Spezialbevollmächtigten der Signatarmächte unterzeichnet
verden sollen. Darin sollen die Veränderungen des Bet—
üner Vertrages festgestellt werden. Diese Aenderungen
würden sich auf 30 Artikel, also fast die Hälfte des Ber—
iner Vertrages, erstrecken. Die auf Kreta bezüglichen Ar⸗
itel sollen unverändert bleiben. Ueber diese beiden Vor—
chläge schweben gegenwärtig Unterhandlungen unter den
Zabinetten
BPerfien.
*Die Krönung Achmed Mirzas soll am 31. Jult
n Anwesenheit aller Gesandtschaften siattfinden. Der
Schah gedenkt Saltanatabad zu verlassen und nach einem
yöher gelegenen Sommersitz überzusiedeln.
*In Teheran ist volle Ruhe eingetreten, jedoch
laufen aus mehreren Städten der Provinz Nachrichten dar⸗
über ein, daß die Konstitutionalisten die Waffen nicht
niederlegen wollen, sondern verlangen, daß der abgesetztie
Schah vor ein Gericht gestellt werde. In Ardebil sind
bedeutende Unruhen ausgebrochen. Die Stadt befindet sich
in den Händen der Revolutionäre, die den Teheraner Kon
stitutionalisten nunmehr den Gehorsam verweigern, sodaß
die Entsendung besonderer Expeditionen notwendig wer—
den wird, wenn die bisher resultatlos verlaufenen Unter—
handlungen nicht noch rechtzeitig einen alücklichen Abschluß
erhalten.
Französische Lügen. X
In etiner offiziösen Berliner Zuschrift der „Südd.
Reichskorr.“ wird ausgeführt: Mit gläubiger Miene ver⸗«
breitet der „Gaulois“ folgende Meldung, die der „Inde—
vendance Belge“ angeblich aus Berlin zugegangen sein
oll: „Eine wohlunterrichtete Persönlichkeit hat mir ver—
ichert, daß im Verlauf der Begegnung von Björkö Ka ier
Wilhelmsden Zaren in einen zwischen Berlin,
Wien und der bulgarischen Regierung abgekarteten Plan
ꝛinweihte, und aus diesem Plan geht hervor, daß Bul—⸗
garien den ersten Streit im Orient benutzen würde, um
ich auf türkisches Gebiet auszudehnen und zu vergrößern.
ODesterreich würde unter Benutzung eines Aufstandes in
Albanien wieder in das Sandschak einrücken. Im Falle
die Türkei Kreca wegen in Krieg geraten sollte, würde
ich Bulagaarien und Oesterreich in Den mazedamichen Pro—
irgern Tassen, zumar nktemand vewersen rann, daß win
iberhaupt ein Recht haben, darauf zu pochen ·
Lady de Bruce war durch diese Worte in ihren
eiligsten Gefühlen auf das empfindlichste verletzt. Allein
licht der leiseste Schimmer von Erregung trübte die er
abene Ruhe ihres hoheitsvollen Antlitzes, und mit vol⸗
ommener Selbstbeherrschung wies sie diese Bemerkungen
Ldisste's als untjndlich und ungehörig zurüuk. —
„Ich will nicht streiten mit Dir, Alicia“, sprach sie,
„Du weißt so gut wie ich, welche Fortschritte unsere er—
habene Sache zu verzeichnen hat. Du kennst den hochher⸗
igen Eifer unseres erlesenen Freundeskreises, Deinet
Worte ...“
—Haben sa gar nichts auf sich, liebe Mamass, te
Lissie begütigend aus und küßte ihre Mutter.
Lady de Bruce's größter Kummer war es, daß ihrt
Kinder ihren Erwartungen nicht entsprachen, das heißt,
ich nicht mit Leib und Seele der Lebensaufgabe wid
neten, welche sie sich gestellt hatte.
„Mama, Du glaubst immer, man wolle Dich ver«
etzen, wenn man mit Dir streitet. Drum will ich lieber
das Streiten Fdanz lassen. Adieu, ich werde nicht zu weiil
dehen.“ —
-Damit eilte Lissite zur Gartentür hinaus, so wie sie
var, in ihrer grauen Bluse und dem lichten Gewan?
Zie liebte dieses ihr Sommerheim — das altmodische
cteblige, romantische Whifford. Ihre Lust war es, in
ilten, einfachen Kleidern durch Wiesen und Wald zu
treifen. 35
Lijste, welche vom'* Geschie fur Seide, Golbd,
oagen, Pferde, Lakaien und Zofen bestimmt schien,
ußte dies alles weit weniger zu schätzen als etwa die
o Hted eines Emporkömmlings, die sich vielleicht all ihr
deblag erinnert, wie sie als kleines Mädchen ihren Vater
en Laden fegen sah und wie es zum Frühstüc nur Medt-DA«.
4 — 1
Her Kifer der lauen kose.
Ran tfrei nach dem Englischen bon W. Conrabh
gachdrud perboten,
— Wady de Bruce war namlich in der Wahl ihren
gesellschaften äußerst wählerisch. Sie erschien lange nich
iberal. Die Namen „Lady de Bruce“ und „Miß Alicic
e Bruce“ fand man nur in den Zeitungsberichten über
ie ersten Gesellschaften. Dann aber fehlte auch nie darir
ine Schilderung ihrer Toiletten, und mit besonderer Be
eisterung wurde da immer des mädchenhaften, weißer
zeidenkleides gedacht, welches, geziert mit duftiger
zpitzen und nur von einer einfachen Schnur weißer Per—
m am Halse gehoben, dem dolden Mädchen entzückend
and.
Allein auch nur drei Gesellschaften wöchentlich und ab
nd zu ein Theaterabend sind wohl genügend, um in der
ickige dumpfen Londoner Luft eine zarte Mäͤdchenblüte
ischem Welken zuzuführen. Freilich wird das nicht
nmer sofort bemerkt. So täuscht uns ja oft auch ein
lzufrüher Herbst, der mit erborgtem Sommerglanz schon
elkende Blätter wie in frischem Grün erscheinen läßt.
ind so war möglicherweise Lissie's übergroße Sehnsuch!
ach Landluft nur von der Angst vor allzu frühem Wel—⸗
n ihrer Schönheit eingegeben. Ein Blick jedoch in ihr
gendfrisches Gesichtchen, auf dessen rosigen Wangen volle
esundheit strahlt, genügt, uns vom Gegenteil zu über—⸗
·ugen.
Um ihren schelmischen Mund spielt ein ganz pflicht⸗
idriges Lächeln, als die gnädige Frau Mama den Ver—
ich macht, ihre Freiheit zu beschränken.
Lady de Bruce war eine stattliche Dame mit vor.
ehm gebogener Abdlernase. Lissie, ihre Tochter hatt«
rum eine AMehnlichkeit mit ihr, höchstens könnten wir
en zarten Bogen ihres feinen Näschens als solche gel⸗
n lassen.
„Du weißt, Mama, wie verhaßt mir der Hinweis au'
nsere „Stellung in der Gesellschaft“ ist“, entgegnete Miß
EEIEE MCaʒ Sobi mi— GGboerho der rechte (Gslountt
J. ·—
„MAber wozu sind wir denn Überhauzk auf's Land
jezogen, Mama, wenn wir den ganzen Tag hier im
Zimmer sitzen sollen?“ rief Miß de Bruce.
Die Aermste glich einem gefangenen Schmetterling,
er vergebens dem Sonnenlicht und Himmelsblau zuflat⸗
ert. Sie war rosig und blond. Ihr Teint wap der
deißeste und zarteste. ben ran sich vorstellen kann. Von
hrem leuchtenden Goldhaar und dem lachenden Antlitz
chienen Lichtstrahlen auszugehen. So war ste die lieb⸗
ichste Verkörperung eines „heiteren Sommermorgens“. Un—⸗
er diesem Sitel war nämlich ihr Porträt just vor einem
zahre in der Royab Akademy zu London ausgestellt
dorden. u —c
Jetzt war es wieder Sommer geworden, und nun
jalt es, die nacheiligen Folgen des Londoner Winters
nit seinen gesellschaftiichen Verpflichtungen, Bällen und
onftigen Nachtvrrgnügungen durch ein bischen frische
dand⸗ und Seeluft zu kurieren. — —— —
Im Frühjahre hatte seltsamerweise auch Cissie
e Bruce plötzlich den sehnlichen Wunsch geäußert, auf's
dand zu gehen. Seltsamerweise; denn Lissie hatie sich
ntschieden gut unterhalten in der ganzen Saison. Fehlte
s ihr doch nie an Tänzern, auch dort nicht, wo manche
mndere jungen Damen, selbst solche von höherem Range,
nttäuschd und erbittert „sitzen“ bleiben mußten. Missi«
dar eben ein zwanzigjähriges Mädchen, in bevorzugten
zttellung, deren blaus Augen, goldene Lodenfülle und
lühende Gesichtsfarbe, die keiner Auffrischung bedurfte
e Bewunderung Aller unwillkürlich erregten, und ob—
eich Lady de Bruce's Machtspruch sie von manchen Ver—