Full text : Dudweiler Zeitung

PA S,, , Vuti. Ver Sturz bremenceaus ist auf
dessen eigenes Auftreten in der leßzten Sitzung zurückzu⸗
führen und zwar auf sein durchaus persönliches Vorgehen
zegen Delcassee, den er nicht mit sachlichen oder politischen
Argumenten zu bekämpfen versuchte, sondern dem er drei—
nal hintereinander den nämlichen Vorwurf entgegenschlen⸗
derte: „Sise, Sie haben Frankreich nach Algeciras ge⸗
ührt, Sie haben es gedemütigt, nicht wir!“ Diese Art,
auf die brennenden Marinefragen zu antworten, versetzte
das ganze Haus in Staunen, und selbst die Minisier
machten den Eindruck, peinlichst überrascht zu sein.
Bei der Abstimmung fehlten viele Deputierte. Meh⸗
tere Dutzend befinden sich auf der Nordlandsreise, andere
ind angesichts des nahen Sessionsbeschlusses bereits in die
Ferien gegangen.
Präsident Fallieres hat die Demission des Mi—
nsteriums an geen om men. Er dankte Clemenceau für
dessen lange Mitarbeit und bat ihn, die Geschäfte fort—
zuführen bis zur Bildung des neuen Kabinetts.
In politischen Kreisen ist besonders von einem Ka—
bhinett der republikanischen Rekonstruktion die Rede, wel—
hes die Links-Republikaner bis zu den Progressisten und
der äußersten Linken mit Ausnahme der geeinigten So—
zialisten umfassen wird. Als Nachfolger Clemenceaus wer—⸗
den besonders genannt: Briand, Poincare, Millerand.
Auch Barchou hat große Aussicht. Bezüglich des Porte—
fseuilles des Aeußern herrscht unter allen Abgeordneten
Finigkeit in dem Wunsche, Pichon zu behalten. Wie ver—
autet, beabsichtigt Präsident Fallieres, darauf hinzuwir—
ten, daß der Marineminister Picard dem neuen Kabinet
erhalten wird. Es heißt jedoch, daß dieser ein solches
Angebot ablehnen werde. Es scheint sicher, daß bei der
Neubildung des Kabinetts das Staatssekretariat für Post
und Telegraphie zu einem selbständigen Ministerium er—
hoben wird, und daß diesem das Arbeitsministerium an—
gegliedert wird. Justizminister Briand erklärte Journali—
sten, daß er entschlossen sei, dem neuen Kabinett nicht bei—
zutreten. Als Nachfolger des Finanzministers Caillaut
werden Poincare, Rouvier und Doumer genannt

* Paris, 22. Juli. In der gesamten Presse spiegelt
sich die Ueberraschung wieder, welche der Sturz des Ka—
binetts Clemenceaus hervorgerufen hat, dessen Stellung
gerade infolge der jüngsten Kammerabstimmungen, ins—
bhesondere nach der Debatte über die allgemeine Politik,
von neuem als sehr gefestigt angesehen worden war. Viel—
fach wird erklärt, daß Clemenceau durch seine Bemerk—
ung über die Demütigung von Algeciras, mit welcher er
die Angriffe Delcassees zurückzuweisen versuchte, das pa—
riotische Gefühl der Kammer verletzte und dadurch seinen
Sturz selbst herbeigeführt habe.
* Paris, 22. Juli. Von verschiedenen Seiten wird
die Ansicht ausgedrückt, daß, wenn Delcassee auch nicht
das Portefeuille des Aeußern erhalten könne, da sonst
neue Schwierigkeiten internationaler Art eintreren wür—
den, er doch geeignet wäre, das Portefeuille der Marine
zu übernehmen.

Don Carlos P.
Der am Sonntag Nachmittag in Varese gestorbene
spanische Thronprätendent Don Carlos ist 61 Jahre alt.
Er stammt von jenem Karl von Bourbon, dessen Aus—
sichten auf den spanischen Thron durch die Geburt der
päteren Knigin Isabella vernichtet wurden. Durch den
»on diesen“ Prinzen 1834 anzestifteten Revistenkrieg ist
nicht nur piesem, sondern auch dessen Nachkommen die
Nachfolge iur alle ßZeiten unmöglich gemacht worden.

Don Carlos
Trotzdem sammelten diese Prinzen eine Gefolgschaft ir
Spanien, welche namentlich gegenüber dem jetzt in Spa
nien regierenden Herrscherhause die Treue zu den Bour
bonen bewahrte. Der jetzt verstorbene Don Carlos ha
ebenfalls wiederholt versucht, mit bewaffneter Hand sei
nen Thron zu erkämpfen, ist aber stets unterlegen. Thron
inwärier ist nun sein einziger Sohn Prinz Jayme, der 3
Zt. 40 Jahre zählt.

Es war eine schweigsame Fahrt; niemand sprach ein
Wort. Als man an der“ Hutte anlangte, sprang Brundo
heraus, die anderen folgten Eine namenlose Angst er—
füllte die Gemüter und bekümmert spähten die iränen⸗
euchten Augen umher. Dicht vor der Tür der Hütte
and man das unglückliche Mädchen, regungslos und mil
geschlossenen Augen, so bleich wie der Schnee, auf dem
sie gebettet war. Man legte die Regungslose in die Arme
der weinenden Mutter. und lanasom' iußr man dem Hause
zu. — —
Totenstille herrschte im Hause des Doktor Eichenrot.
Ein jeder schlich leise auf den Fußspitzen, und im Flü—
sterton wurden hin und wieder kurze Worte gewechselt.
Der alte Be& von Branneden stand wie gelähmt am
Fenster. Dies traurige Ereignis war dem alten Herrn zu
s, zu unerwartet gekommen, und es war in den
etzten Tagen so viel auf sein sonst so heiteres Gemüt
eingestürmt, daß die Last ihn schwer zu drücken schien.
Da öffnete sich die Tür und Elsbeth trat ein. Er
konnte nicht fragen, die Kehle war ihm wie zugeschnürt,
aber seine Augen redeten eine gar deutliche Sprache.
„Sehr schwach — hoffnungsüos — das Ende ist nahe“,
beantwortete das junge Mädchen die unausgesprochene und
o sehnlichst erwartete Frage. „Heilige Gehirnerschütterung,
doch scheint Julia ihre Umgebung jetzt zu erkennen.“
Geräuschlos hetraten der Freiherr und Elsbeth das
sKtrankenzimmer. Julia lag in den Armen ihrer Mutter,
die die bleichen Lippen der Sterbenden tüßte. Auch der
greise Pfarrer war gekommen; er betete ernst und instän⸗
dig für die Seele dieses jungen Mädchens, das der Tod
chon gelüßt und sein Siegel auf ihre bleiche Stirn ge⸗
drüdt hatte.
Noch einmal öffnete Julia die Augen. VVergib!“
hauchten ihre zuckenden Lippen, dann sank das muide und
matte Haupt zurüc, ein letzter Seufzer, und sie fiel in ei—
zen sanften Schlummer, von dem es in dieser Welt lein
Erwachen mehr gibt.
1J

EEin Eilbote vom Grafen Gerloffl“ Mit diesen Wor—
r trat ein alter Diener flüsternd auf den alten Brannekn
 au—

Vermischtes.
Nachtafyle in Praterbäumen. In der Nähe des
rusthauses im Prater, so schreibt das Wiener „Fremden“
latt“, stehen einige Pappeln, deren Alter von Fachmän⸗
iern auf ungefähr 110 Jahre geschätzt wird. Die Jahre
saben die Bäume ausgehöhlt, nur die grünen Kronen le—
sen noch Zeugnis von ihrem Leben ab. Einer dieser
Baumriesen geriet vor wenigen Tagen plötzlich in Brand,
and die Feuerwehr hatte mit der Löschung des Feuers
ein leichtes Stück Arbeit zu leisten. Bei dieser Gelegen⸗
jeit mußte der Baum umgelegt werden, und nun zeigte
s sich, daß sein Inneres einen vollständigen Obdachlo⸗
enhaushalt beherbergt hatte. Zu unterst befand sich ein
ius Gras bereitetes Lager für den „Hausherrn“. Er war
»er einzige, der sich ausstrecken konnte. In die Höhe des
Bauminnern führten Stiegen, auf deren Absätzen je eine
Zerson sitzend oder zusammengekauert übernachten konnie.
zeder der Bewohner, unter denen sich auch ganz junge,
»en Eltern entlaufene Burschen befanden, hatie sich fein
Zimmer“, so weit es möglich war, wohnlich eingerichtei.
ẽs fanden sich hier verschiedene roh ausgearbeitete Zierate
ind Kleiderhaken, in die Baumrinde waren Fenster und
gucklöcher geschnitten. Allerdings wird dieser Romantu
etzt ein Ende gemacht. Die anderen hohlen Baumriesen
n jener Gegend werden, um ähnliche Ansiedlungen un—
nöglich zu machen, mit Zement ausgegossen werden.
Warum erscheint uns der Himmel blau? Wenn
in schönen Sommertagen die Sonne freundlich lacht, er⸗
ebt sich wohl der Blick des sinnigen Naturfreundes, der
ine Morgenwanderung ins Freie macht, der singenden
erche folgend, zum prächtig strahlenden Himmelsbiau.
»um Himmelsblau! Hier sbrinat alsbald eine Frage vor
ner unvesangenen Beovachtung in den gruvbelnden Ver—
tand. Woser dieses Blau, das so rein und so fatt, be—
ebend auf un- einwirtt? Gehört es, wie teilweise an—
zenommen wurde, dem Aether an, der über dem Luftraum
»en Himmel durchstutete, und das Licht des fernen Weli—
örpers wogend zu uns jzühr: Oder ist es die Eigen—
arbe der Luft, ähnlich wie ja das Wasser an sich in
icken Schichten blau ist, was dadurch bewiesen wurde,
aß man einen weißen Lichtstrahl in einen mit Wasser
efüllten Kasten eintreten ließ, der an zwei gegenüberlie—
enden Wänden mit Spiegein versehen war, zwischen
enen der schräg gerichtete Lichtstrahl vielfach hin und
erreflektiert wurde, bis er, aus einer Oeffnung austre—
end, dem Auge blau erschien? Die grüne Farbe mancher
vewässer rührt von festen Teilchen — sei es unorganischer
der organischer Natur — her, die in ihnen sespendiert
ind. Anders ist die Farbe des Himmels zu erklären. So—
vohl die Luft wie der in ihr schwebende Wasserdampf,
Vasserdunst, Nebel- und Wolkentröpfchen lassen von den
n den Regenbogensarben sich offenbarenden Bestandteilen
»es Sonnen- oder Tageslichtes vorzugsweise die roten
ind orangefarbenen Strahlen hindurchgehen, während die
»lauen Elemente mehr oder weniger absorbiet werden.
daher erscheinen Sonne und Mond nahe dem Horizont,
vo ihr Licht einen größeren Weg durch die Atmosphäre
urückzulegen hat, und somit auch die Menge der Dünste
‚rößer ist als in der Höhe des Zenits, gelb oder rot ge⸗
ärbt; und in gleichem Sinn finden Morgen- und Abend—
ot ihre Erklärung. Daß gerade die roten Strahlen nicht
urückgehalten werden, liegt daran, daß ihre Wellenlänge
zrößer ist, so daß die Wellen über die kleinen Bestand⸗
eile der Atmosphäre leichter hinwegkönnen, wie ja auch
»ie hohen und langen Wellen des Meeres über das Ge—
öll am Strande hinwegfluten und weithin das Ufer be—
pülen. Die kleinen Wellen aber überllettenn das Gerölle
aicht sondern brechen sich und werden reflektiert. So auch
die kurzwelligen, blauen Strahlen des weißen Lichtes
n der Luft. Sie werden von den Bestandteilen der At⸗
nosphäre für gewöhnlich reflektiert, und dieses reflettierte
Licht läßt uns den Himmel blan erscheinen. Enthält aber
ie gesamte Atmosphäre reichl'ch Wasserdünste, so wird
in den Partikeln desselben, welche größer sind als die
er trockenen Luft, das weiße Licht in allen seinen Be—
tandteilen vollständier refleküert, und die Himmelsfarbe
st dann nicht tiefblau. sondern weißlich getrübt.

Der jüngste konstitutionelle Staat.
RNun scheint Perssien wirklich in die Reihe der
onstimutioneilen Staaten einrücken zu wolen, d. h. wenn
er russische und der englische Protektor es gestatten; denn
iese beiden Staaten haben ein Interesse daran, Persien
ticht zu modern werden zu lassen: die russischen
ztaatsmänner aus Rücksicht auf ihr eigenes Volk, das
chleblich, wenn Türten und Perser freihe tlicher regiert
berden als die Untertanen des Zaren, wieder einmal un—
semütlich werden könnte, während England fürchten
auß, daß sich die Inder ein Beispiel an ihrem Nach—
arvolk nehmen und das Recht der Selbstverwaltung viel
rnsilicher für sich in Anspruch nehmen könnten, als es
isher geschehen ist. Es macht deshalb einen etwas ko—
nischen Eindruck, wenn Rußland neuerdings erklärt, daß
s sich in die inneren Angelegenhesten und die Kämpie
er politischen Parteien in Persien nicht einmischen werde,
a es bisher alles getan hat, um das alte Regime und

Was gibt's, Gustav?“
„Der Graf liegt im Sterben“, berichtete der Gefragte,
‚er wünscht Fräulein Steinhardt und Doktor Eichenroi
mverzüglich zu sprechen. Der Wagen steht bereit.“
Bruno und Elsbeth folgtezn schnell diesem Rufe, und
zald betraten sie das Sterbezͤmmer. Der Sterbende öff—
seine Augen und schaute angsterfüllt das junge Mäd—
en an. —
Irmgard — mein Kind', hauchte er matt, „vergib
nir.“
„Ja, Großvater“, sagte das junge Mädchen, sich sehr
iebevoll zu dem Sterbenden niederbegend, „ie vergäb
vn und ich, ihre Tochter. tue es auch: ich bin — Els—
eth.“ ...
„Elsbeth“, wiederholte der Greis kaum horbar, dann
el sein Blid auf Doktor Eichenrot. „Ah, jetzt entsinne
h niich wieder. — — — Elsbeth, ich gehe jetzt zu deiner
dutter — und du sollst meine Stelle hier in diesem Hause
innehmen. — Es ist das alte Schloß deiner Ahnen. —
zott sei Dand — vor meinem Ende konnte ich das Un—
echt noch sühnen. — Harald war nicht würdig — Bruno,
ꝛi gut zu ihr,“ Erschöpft sank sein Haupt in die Kissen.
Irmgard — Irmgard — ich komme“', stöhnte er leise, dann
chloß er seine Augen für immer

* ⸗
Veonate waren vergangen. Goldiges Rot färbte mit
em Schein den westlichen Horizont, sanftes, mildes
licht verbreitend. Ein kühler Abendwind durchstreifte die
rüfte, nach der Hitze des Tages wirkte er wohltuend auf
ie erschlafften Nenschen. So dachte auch wohl Elsbeth
Zteinhardt, die leichten Schrittes mit einem Kranz weißer
uftender Rose durch die Reihen des Friedhofs einherging.
„Julia Eichenrot“, las sie, die goldene Inschrift ei—
ies weißen Marmorkreuzes, dann legte sie den Kranz auf
den Hügel, die Hände zum stillen Gebei gefaltet. Wohl
hr, sie hat jetzt Ruhe.“
„Elsbeth“, ertönte eine Stimme hinter ihr. Erschreckt
vandte sie sich um und blictte in Doktor Eichenrots see—
envolle Augen.
„Elsbeth“, wiederholte er, „du weißt, daß ich dich
⸗o willst du dich mir ürs Jonze Neben ⏑

Cu j zut Abdanrung genongten Schah Uohamed Ar
m Kampife gegen die konstitutionelle Partei zu unter—
stützen. Dieser hat sich auch, als er seine Sache verloren
sah, in die russische Gesandischaft geflüchtet, wo er jetzt
unter dem Schutz der russischen und englischen Flagge
weilt, von wo er sich angeblich nach Rußland begeben
vird. Rußland wird in ihm also immer ein gefügiges
Werkzeug zu reaktionären Anschlägen an der Hand haben
ẽ8 wird also eine der Haupiaufgaben der verfassungs—
reundlichen persischen Staatsmänner sein, keinen Anlaß
zu einer weiteren russischen Einmischung zu geben. Das
vird natürlich seine Schwierigkeiten haben, zumal Ruß—
and vorläufig keine Lust zu haben scheint, seine Besatz
ingstruppen aus Persien zurückzuziehen.
Der neue Herrscher Ahmed Minrza ist noch nicht
egierungsfähig. Wie alt er ist, gibt der Gothaische Hof—
alender nicht an; sein Vater, der zur Abdankung genö—
igte Schah, ist am 21. Juni 1872 geboren, also selbst erst
37 Jahre alt. Der Regent, der bis zur Volljährigkeit
Ahmed Mirzas die Regierung führen soll, Assid el
Molt, ist der Stammesälteste der Kadscharen, denen die
ersischen Herrscher und auch das Geschlecht des Schahs
ntstammen. Der Stammesäülteste der Kadscharen ist nach
dem Schah die angesehendste Persönlichkeit in Persien. In
iesem Fall hat aber seine Wahl zum Regenten eine be—
ondere Bedeutung, da Assid el Molk sich auch als ver—
assungstreu bewährt hat. Er ist dem Schah entgegenge—
reten, a!s dieser sich anschickte, dem Lande die Verfassung
vieder zu nehmen. Als der Schah trotzdem das Parla—
nent verjagte und gegen die Mitglieder der Verfassungs-»artei
 mit Maßregelungen vorging, brach Assid el Molk
ille Beziehungen zu dem wortbrüchigen Schah ab und zog
ich in die Provinz zurück. Die wiedersolten Bemühun—
jen des Schah, ihn zur Rückkehr an den Hof zu bewe—
jen, blieben erfolglos; man scheint es also mit einem
harakterfesten Manne zu tun zu haben. Hoffentlich wird
iuch das jetzt berufene Ministerkabinett gleich von Anfang
in seiner schwierigen Aufgabe gewachsen sein, damit es
nicht wie in der Türkei eines nochmaligen Eingreifens der
stevolutionsarmee bedarf, ein Fall, der sich vielleicht in
Persieñ nicht so glatt abwickeln würde, wenn auch jetz
ort die beiden Generale Sardar Assad und Sipahdar ihre
Zache recht gut gemacht haben. Man muß eben immer
m Auge behalten, daß in Persien eine Armee nach euro—
zäischen Begriffen nicht besteht, und daß es deshalb leich—
ter ist, gegen die derzeitigen Machthaber eine neue revo—
utionäre Bewegung zu entfachen, als in der Türkei, wo
die für die Verfassung kämpfenden Jungtürken den besten
Teil der Armee zur Verfügung hatten. Eine wirkliche Ge—
sahr für die konstitutionelle Entwicklung Persiens dürfte
aber, wie gesagt, weniger im persischen Volke zu suchen
sein, als in den einer freiheitlichen Entwicklung Persiens
tgegenstehenden Interessen der rufssischen und englischen
Naliti

Gerichtszeitung.
Der Fall Ganter. 777
Der Prozeß über die „Doppelte Moral“ nimmt sei⸗
nen Fortgang. Ganter erklärt nach wie vor, sich nicht
trafbar gemacht zu haben. Mit seinen „blauen Briefen“,
ie soviel Unheil angerichtet haben, wollte er nur für
ein Buch mit „elementarer Wucht“ Reklame machen. Aus
»em Verhör des Kaufmanns Hamburg verdienen fol⸗
zende Angaben erwähnt zu werden. Der Text der Kar—
enbriefe war von Ganter entworfen. Er habe einen jehr
zroßen Teil der Karten mit einer unleserlichen Handschrift
dersehen. Ganter habe erklärt, er solle nur irgend ein
aar Schnörkel oder ein paar Striche darunter zeichnen.
Den Roman habe er (Hamburg) gar nicht gelesen. Als
er Ganter einmal nach dem Inhalt des Romans fragte,
jabe dieser geantwortet, danach habe er nicht zu fragen.
Zum Auszahlen der Arbeitslöhne in der letzten Woche
zabe Ganter kein Geld mehr nach der Schwezz geschickt
Er sei deshalb nach München gefahren, um sich den rück
tändigen Gehalt auszahlen zu lassen. Hier habe er erfah⸗
en, daß Ganter verhaftet worden sei. Hamburg bestrei—
et, daß er als ein Mittäter angesehen werden köönne—
ZIchriftsteller Georg Flesck aus Wilmersdorf sagt aus,
hanter habe einen Schriftsteller zur Abfassung eines an—
jeblich hochpolitischen Romans gesucht. Darauf habe er
ich gemeldet. Nachdem er das Material des Romaäus ein—
jesehen, habe er sich zur Uebernahme des Auftrags be—
eit erklärt. Das Buch werde gratis verteilt. Er solle
ufdecken, was sich hinter den Kulissen abgespielt habe.
das Buch habe man anonym erscheinen lassen, um die
Leugierde des Publikums zu erregen. Er hätte deshalb
ine Beleidigungsklage auf sich genommen, weil er sicher
sewesen sei, daß ihm nichts passieren könne. Von den
seklamebriefen habe der Zeuge keine Kenntnis erhalten,
onst würde er den Roman gar nicht geschrieben haben.
Dit seiner Arbeit sei übrigens Ganter zufrieden gewesen.
— Der Angeklagte Ganter bemerkt dazwischen, er habe
m Gegenteil seinen Unwillen über die Gesamtleistung des
zeugen deutlich ausgedrückt und hätte beinahe das ganze
Nanustkript zerrissen.
Die Verhandlungen werden wahrscheinlich am Frei—
ag beendet sein

am Srabe unserer geliebtẽen Juria erwarte ich deine
Antwort.“
Elsbeth errötete, aber sie lächelte lieblich. Ich liebe
dich, Bruno“, gestand sie einfach.
Er küßtle sie zärtlich und führte sie er Mutter zu.
„Weißt du, was aus Harald von Rhoden geworden
st?“ fradte er später. 3
Elsbeth schüttelte ihr Haupt.
„Er reiste nach New-NYork, wurde als Falschspieler
entlarvt und sitzt jetzt hinter Schloß und Riegel.“
„Arme Julia, Gott sei Dank, daß sie dies nicht er⸗
fahren hat“, versetzte Elsbeth.

—D — —————

* —
Im alten Stammschloß des Grafen Gerloff waren
die Fenster festlich erleuchtet, Festjubel und Festfreude er—
üllten die weiten, herrlich geschmücten Saͤle, Freunde
und Gäste wetteiferten, dem neuvermählten, glücklichen
Paare ihre Glückwünsche darzubringen, die an hl. Stätte
den Bund fürs Leben geschlossen hatien.
„Der alte Branneden strahlte vor Glück. „Wer wollte
niemals die Schwelle dieses Hauses üherschreitene“ nedte
er schelmisch.
Elsbeth errötete, doch Bruno zog sie fest an sich...
Wo Liebe herrscht, herrscht auch Glück, und die alte
Zchuld ist längst gesühnt“, jubelte er glücklich.
— Ende. — ——
Humoristische Ecke.
Die bösen Fremdwörter. Unterofsizler:
Also Sie sind auf der Universität gewesen — wie sagten
Sie doch?“ — Einjähriger: „Immiatrikuliert.“ — Unter—
offizier: „Nun ja, ja — ganz richtig — wir dagen da
zinfach geimpft.“
Verschnappt. A.: „Wie können Sie diese
Ware so ballig versausen? Kommen Sie denn dabel
zjurecht?“ — B.: „Glänzend! Ich würde sogar noch drau
yerdienen, wenn ich sie bezahlt hätte.
Ausweg. Hausbesitzersgattin: „Wenn ich nur
sies wüßte, unter welche Ausgaben ich meinen neuen Hut
intragen soll, damit mein Mann nichts mertt!“
kreundin: „Schreib' einfach: für Dachdeckerarbeiten!“
            
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